Blog, Industrie 4.0

#203 – Kreativität im Lockdown

Fehlende Interaktion
Unser Gemeinwesen verkümmert, war das Fazit meines ersten Blogbeitrags im 2021. Die Corona-Krise macht unsere Arbeitswelt agiler, flexibler und digitaler – ein Effekt, der von Dauer sein wird, wiederholen wir mantramässig. Dabei leidet die Kreativität, wenn wir uns nicht mehr öffentlich austauschen können. Sitzungen über Skype, Zoom oder ähnliche Plattformen sind zwar möglich, ersetzen jedoch niemals die Dynamik einer Diskussion am «grossen» Tisch. Das Arbeiten von zu Hause ist vordergründig eine gute Alternative zum Pendeln in überfüllten Transportmitteln. Doch wir verspüren alle eine Verlangsamung unserer Arbeitsleistung. Kundendienste reagieren, wenn überhaupt, mit wochenlanger Verzögerung auf Anfragen. Zeitungen und Zeitschriften werden dünner, online Inhalte sind voller Flüchtigkeitsfehler und TV-Programme/Streaming-Angebote setzen auf Wiederholungen.

Für Ideen fehlt die richtige Umgebung
Man suggeriert, digital alles unter Kontrolle zu haben, derweilen die analoge Welt ächzt. Was in Pressekonferenzen des Bundes als dringende Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie präsentiert wird, hat für die Gesellschaft tiefgreifende Folgen. Die vielen Einschränkungen unserer Kreativität mangels «Öffentlichkeit» sind spürbar. Wie sehr uns der analoge Austausch fehlt, erkennen wir erst, wenn wir hilflos vor unseren Computerkameras herumhampeln und mit zehn, zwanzig und mehr Leuten zum Gespräch verbunden sind. Kreativität entsteht nicht in der stillen Kammer, um Ideen weiter zu entwickeln braucht es die physische Interaktion in der richtigen Umgebung. Darüber referierte Steven Berlin Johnson, Schriftsteller: «Where good ideas come from» im TED Talk, TEDGlobal July 2010

Claes Oldenburg (92), Balancing Tools 1984, Vitra Campus (Frank Gehry Architekt) Weil a.Rh., D

Das englische Kaffeehaus
Das «Grand Café» in Oxford wurde als Erstes seines Typus in 1650 eröffnet. Das Kaffeehaus war für die Entwicklung und den Aufstieg einer der grossen intellektuellen Blütezeiten der letzten 500 Jahre entscheidend. Kaffeehäuser spielten eine so grosse Rolle bei der Geburt der Aufklärung, zum Teil aufgrund dessen, was die Leute dort tranken. Denn vor der Verbreitung von Kaffee oder Tee in der britischen Kultur tranken die Menschen – sowohl die Eliten als auch das gemeine Volk – tagtäglich, von morgens bis abends Alkohol, denn Wasser war nicht zum Trinken geeignet. Auf die Umstellung von einem Beruhigungsmittel auf ein Stimulans, folgten bessere Ideen. Ein weiterer wichtiger Aspekt des Kaffeehauses war dessen räumliche Architektur. Es war ein Ort, an dem Menschen mit verschiedenster Herkunft und mit verschiedenen Wissensgebieten zusammenkamen und sich austauschten. Eine erstaunliche Anzahl von Innovationen aus dieser Zeit, wie der Autor Matt Ridley, TED Talk, TEDGlobal July 2010 feststellte, haben irgendwann in ihrer Geschichte ein Kaffeehaus. Er findet, dass der technologische Fortschritt verlangsamt wird, wenn man Menschen vom Austausch ausschliesst. Wir sind «die Knoten» im Netzwerk. Wir sind die Neuronen in diesem Gehirn. Es ist der Austausch von Ideen, das Begegnen und Begatten von Ideen untereinander, darin liegt technologischer Fortschritt begründet, schrittweise. Stück für Stück.

Wir lernen von anderen Menschen
Steven Johnson untersuchte die Umgebungen, die zu ungewöhnlichen Innovationsniveaus, ungewöhnlichen Kreativitätniveaus führen, auch Medienumgebungen, wie das World Wide Web. Er musste den Weg verlassen, auf welchem wir durch konventionelle Metaphern und die Sprache gesteuert werden. Unser reiches Vokabular, um Momente der Inspiration zu beschreiben umfasst «Gedankenblitze», «die Einsicht trifft uns wie ein Schlag», wir haben Erscheinungen, wir haben «Eureka!» – Momente, «uns geht ein Licht auf» – Momente, welche die Annahme teilen, dass eine Idee ein einzelnes Ereignis ist, etwas, das meist in einem wundervoll erhellendem Moment entsteht. Dabei ist eine «neue» Idee ein neues Netzwerk von Neuronen, die gleichzeitig in unserem Gehirn feuern. Es ist eine neue Konfiguration, die es vorher so nicht gab. Wie also schafft man für das Gehirn Umgebungen, die es wahrscheinlicher machen, dass solche neuen Netzwerke entstehen? Es zeigt sich, dass wir die Ideen anderer Leute, Menschen, von denen wir gelernt haben, denen wir im Kaffeehaus begegnet sind, miteinander zu neuen Formen verknüpfen und etwas Neues schaffen. So geschieht Innovation wirklich, in einer etwas chaotische Umgebung der Kaffeehäuser und Tavernen. Wo Menschen verschiedener Herkunft neue, interessante, unvorhersehbare Auseinandersetzungen haben.

Frank O. Gehry (91) Architekt, Walt Disney Concert Hall, Los Angeles, Kalifornien, 1999–2003

So funktioniert Innovation
Auch der Forscher Kevin Dunbar, beschloss herauszufinden, woher gute Ideen kommen. Er stellte fest, dass fast alle der wichtigsten Ideen nicht in der Einsamkeit am Mikroskop entstanden. Sie wurden am Konferenztisch entwickelt, in wöchentlichen Gruppensitzungen, wenn alle ihre aktuellen Fakten und Befunde austauschten, häufig, wenn sie über Fehler, die sie gemacht hatten, berichteten, Messfehler, Alarmsignale, die sie entdeckten. Diese Umgebung führt tatsächlich zu Innovationen. Viele wichtige Ideen durchlaufen eine lange Inkubationszeit. Steven Johnson nennt es die «langsame Ahnung». Viele grossartige Ideen bleiben, manchmal über Jahrzehnte, dem Verstand verborgen. Uns fehlt das Werkzeug um eine Lösung zu finden, um die Idee vollständig zu denken. Unsere Aufgabe ist es Umgebungen zu schaffen, die Ideen mit einer Art Halbwertzeit ermöglichen, die erlauben unsere Ahnungen sich mit den Ahnungen anderer Leute zu verbinden. In Zeiten wie dem aktuellen Corona-Lockdown, sind solche Vorgänge erschwert, zum Teil verunmöglicht. Dagegen helfen auch keine finanziellen Rettungsmassnahmen.

Krisenerprobte und kompetente «Alte»
«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Wir «Alten», Frauen und Männer, im Team auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen unsere Erfahrung mit Leidenschaft zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger

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Vernetzung von Fachwissen

Netzwerk von kompetenten «Alten»
Natürlich sind die meisten von uns nicht mehr die einstigen «Chefs» deren Führung die Zukunft prägte. Kompetenz beschränkt sich jedoch nicht auf die Digitalisierung von Arbeitsprozessen. Wichtig sind mehr den je kreative Ansätze als Entscheidungsgrundlagen, das Wissen um mögliche Konflikte oder Fähigkeiten auf einem speziellen Gebiet. Um den Wohlstand unserer Gesellschaft sichern zu können braucht es Modelle, welche das Potenzial der «Alten» nützen. Nicht als «Berater» die im stillen Kämmerlein, gestützt auf überholtes Wissen, teure Berichte verfassen. Strategien und Konzepte gibt es viele und sie sind schnell gemacht. Sie scheitern meist an der Umsetzung. Das Projekt «von uns. für uns.» ist deshalb breiter abgestützt und versteht sich als Netzwerk von kompetenten «Alten» im Team mit jungen Innovativen.

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Gewinn durch Vernetzung von Fachwissen
Oft hilft es, sich zum Beispiel mit jungen Start-up-Gründern zu vernetzen, um Fachwissen aufzubauen. Die Plattform «kompetenz60plus.ch» soll diesen Austausch ermöglichen, ein Ort von Gleichgesinnten für uns ältere «Durchstarter». Ein Anfang ist gemacht: In Zusammenarbeit mit der Company Factory AG entwickeln wir neue Ideen in einem dualen Prozess, getrennt vom funktionierenden Tagesgeschäft, die später als eigenständige Einheiten in die Firma integriert werden. Dabei greifen wir auf ein Netzwerk von Kompetenzen zurück und kombinieren dieses geschickt mit bestehenden Fähigkeiten in den KMU’s.

Die Denkfabrik QUO AG unterstützt neben Grosskonzernen auch KMU’s kompetent von der Bedürfnisanalyse bis zum Prototyp, inklusive Vorentwicklung von Produkten in eigener Werkstatt mit Versuchslabor. Firmen profitieren von der kritischen Aussensicht auf ihre Marktbedürfnisse gepaart mit kreativen, branchenfremden Lösungsansätzen. In solchen Prozessen finden wir «neuen Alten» eine gesellschaftliche Aufgabe, die unseren Fähigkeiten gerecht wird – und die vor allem auch unser Ego befriedigt.

Vernetzung fängt heute an – wagen Sie den Eintrag
Als gestandene Unternehmer und Unternehmerinnen wünschen Sie den Kontakt zu einem Sparring-Partner mit Empathie für Ihre Anliegen ausserhalb Ihres gewohnten Umfelds. «kompetenz60plus.ch» ist ein Projekt «von uns. für uns.» Ziel ist ein Sammelbecken (Kompetenzpool) von Gleichgesinnten welche ohne Leistungsdruck auf Ihre Anliegen eingehen und Sie gegebenenfalls mit einem Netzwerk von innovativen Unternehmen bekannt machen können. Registrieren Sie Ihre Kompetenz oder Ihr KMU noch heute kostenlos und geben Sie dem Projekt eine Chance.

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
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Linkedin: Werner K. Rüegger | Skype: wernerkrueegger

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Digitalberater, die neuen «Konsulenten»

Beratungsresistente Berater
Laut einem Bericht von Philipp Albrecht, BILANZ vom 15. März 2018, ist die Schweizer Wirtschaft an einem heiklen Punkt angelangt. Die Nachfrage nach Digitalberatern ist gegenwärtig grösser als das Angebot. Das hat einen Nährboden für Scharlatane geschaffen. Digitale Blender. Sie profitieren von der Unwissenheit der Entscheidungsträger in Unternehmen und drehen ihnen unnütze Ideen und Produkte an. Lästig sind vor allem die Befragungen von Firmen zum Thema digitale Transformation, obwohl auf beiden Seiten oft nicht einmal klar ist, was denn genau transformiert werden soll. Acht von zehn KMUs bestehen aus weniger als fünf Angestellten. Der Chef/Patron oder die Besitzerin sind im Schnitt 50-jährig und keine «digital natives». Weil intern kein Know-how vorhanden zu sein scheint, greift man eben auf einen externen Berater zurück.

Wandel beginnt im Kopf
Zu spät merkt man dabei, dass diese selbst nicht besonders digital affin sind und in ihrem angestammten Tätigkeitsfeld oft mangels Weiterbildung wegrationalisiert wurden. Der Trendforscher David Bosshart vom Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) sagt dazu: «Berater werden immer mehr, und sie wollen überleben, also klebt man eifrig neue Etiketten auf alte Ideen – aus altem Change Management wird nun plötzlich Digital Transformation, und selbstverständlich ist man ein Experte dafür.» Firmen die etwas weiterdenken, besetzen deshalb den Verwaltungsrat mit entsprechendem Know-how, was langfristig mehr bringen wird als externer Rat. Wie sagt man so schön im Silicon Valley: «If you want to get on board with digital you have to get digital on your board».

Das One Person Cinema von Hannes Oswald, Sebastian Stich, Christoph Junk und Jürgen Strauss setzt die technischen und ästhetischen Potenziale der heute verfügbaren Bild- und Tonwiedergabe räumlich um. Architekturforum Zürich, März 2018, Bild: One Person Cinema

Emotionale Intelligenz
Zwei Drittel der Schweizer KMU-Betriebe sind Einzelunternehmen, also weder AG noch GmbH oder Genossenschaft. Coiffeure, Sanitärinstallateure, Steuerberater, Maler, Optiker, Wirte, Fahrlehrer oder Reinigungsfirmen brauchen keine «Digitalstrategie». Auf Englisch sagen wir: «It’s a poor craftsman that blames his tools» oder, die Werkzeuge für den Mangel am Erfolg verantwortlich zu machen ist eine billige Ausrede. Eine übersichtliche Website, eine erkennbare E-Mail-Adresse und eine Excel-Tabelle für die Buchhaltung reichen längst als digitales Rüstzeug. Das schaffen diese auch ohne Berater, und es kostet sie unter Umständen keinen Rappen.

Steile Hierarchien schaden dem Erfolg
Die Geschäftsleitung weiss oftmals nicht, was man intern alles selber machen könnte und so sichert man sich mit Beratern ab. Wenn dann grosse Projekte scheitern, hat man schliesslich alles unternommen und sogar externen Expertenrat eingeholt. Digitalisierung bedeutet, durch den Abbau von Hierarchien eine Unternehmenskultur zu schaffen, welche vorhandene Barrieren beseitigt und auf Transparenz und Arbeitsteilung setzt. Eine Diskussion auf Augenhöhe soll wieder möglich sein. KMU’s müssten die eigenen Digitalisierungsprozesse zügiger vorantreiben, bevor sie ihr Beratungsmandat ausbauen.

Die kommen schon zurecht.
Der «Tages-Anzeiger» fragte vor ein paar Monaten beim Dachverband Economiesuisse nach, wie man sich erkläre, warum sich die hiesigen Firmen kaum um die Digitalisierung kümmerten. Die erfrischend nüchterne Antwort: Wenn Unternehmen die Sache nicht als Hype oder Gefahr sähen, so liege das wohl daran, «dass sie selbst längst Teil dieses digitalen Wandels geworden sind». Es sind veraltete Mechanismen, die heute eigentlich nicht mehr ziehen. Streng genommen ist Digitalisierung nichts anderes als der Versuch, Vernetzung zu perfektionieren. Als Themen eignen sich zum Beispiel aktuelle Überlegungen zur Ökologie, Kreislaufwirtschaft und Energieeffizienz.

Vernetzung ermöglicht Wachstum
Als gestandene Unternehmer und Unternehmerinnen wünschen Sie den Kontakt zu einem Sparing-Partner mit Empathie für Ihre Anliegen ausserhalb Ihres gewohnten Umfelds. kompetenz60plus.ch ist ein Projekt «von uns. für uns.» Ziel ist ein Sammelbecken (Kompetenzpool) von Gleichgesinnten welche ohne Leistungsdruck auf Ihre Anliegen eingehen und Sie gegebenenfalls mit einem Netzwerk von innovativen Unternehmen bekannt machen können. Registrieren Sie Ihr KMU noch heute kostenlos und geben Sie dem Projekt eine Chance.

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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