Blog, Industrie 4.0

Das Angebot liegt auf dem Tisch

Hören wir auf zu jammern
Unter dem Titel «Ein Drittel der 60-Jährigen findet keine Stelle mehr» berichtete Markus Brotschi in der Basler Zeitung vom 27. Januar 2020 über eine Studie von Daniel Oesch, Professor für Sozialwissenschaften an der Universität Lausanne. Die Publikation ist ein Beitrag zu der vom Bundesrat ins Auge gefassten Überbrückungsleistung für jene, die ab 60 aus der Arbeitslosenversicherung ausgesteuert werden. Mir widerstrebt solches Silodenken. Nicht nur werden damit Vorurteile zementiert, sondern ganze Menschengruppen, die über 60jährigen, stigmatisiert. Die Defizite fehlender persönlicher Weiterbildung und Umschulungen, wie auch der Wille zur Offenheit für Neues sind kulturell bedingt das Produkt von (auch schulischen) Fehlanreizen seit dem Kindesalter. Daneben gibt es unzählige kompetente Ältere, die weit über das «Pensionsalter» hinaus ihre Erfahrung, auch in Teams mit Jüngeren, aktiv zur Verfügung stellen.

Warenhaus MANOR, Schliessung nach 35 Jahren an der Bahnhofstrasse Zürich, 31. Januar 2020

Das Angebot liegt auf dem Tisch
In seiner Biografie «Leave Something on the Table» (Simon & Schuster, 2019) schreibt Frank A. Bennack Jr. (87) über seine beruflichen Erfahrung, vom achtjährigen Zeitungsverträger bis zum emeritierten Vorstand des Lincoln Center für darstellende Künste, New York. «On the Table» ist ein oft verwendetes Idiom (eine Redewendung) im englischen Sprachgebrauch. Wenn etwas auf dem Tisch liegt, ist es eine Option, insbesondere eine, die ausgehandelt werden könnte. Wenn Ihnen jemand einen Job anbietet oder wenn Sie Ihre Offerte (Bewerbung) einreichen, worauf niemand Ja oder Nein gesagt hat, liegt das Angebot noch auf dem Tisch. Wenn zwei Personen etwas aushandeln – wie einen Vertrag – tun sie dies oft über einen Tisch. Nicht unterschätzen darf man dabei das eigene Netzwerk und den hohen Stellenwert des Vertrauens. Wir «Alten» haben zeitlebens daran gearbeitet.

Wertschätzung der Vergangenheit
Frank Bennack, der ehemalige CEO und heute Executive Vice Chairman von Hearst, einem der grössten privaten Unternehmen der USA, das sich mit einer breiten Palette von Publizistik befasst, berichtet in seinem Buch mit Stolz von den Verhandlungen in seinem erfüllten Berufsleben über acht Jahrzehnte. Sein Fazit:
So wie es keine grössere oder gefährlichere Falle als Nostalgie gibt, gibt es keinen besseren Leitfaden für eine erfolgreiche berufliche Laufbahn und ein erfolgreiches Privatleben als das Verständnis und die Wertschätzung der Vergangenheit.
Es sind genau diese Erfahrungen, welche uns «Alten» vorbehalten sind und die auch von einer jüngere Generation immer mehr geschätzt werden.

Wir «Alten»
«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. «Alte» im Team, auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen ihre Erfahrung zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein, wir freuen uns über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger

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Chancen erkennen

Ein Schweizer bei Google
Interview mit Stefan Betschon, NZZ vom 3.10.2019: Der Schweizer Informatiker und Computerwissenschafter Urs Hölzle (56) arbeitet seit über 20 Jahren bei Google. Als Senior Vice President ist er aktuell für die Weiterentwicklung im Cloud-Computing verantwortlich. Vor 15 Jahren hatte er Google nach Zürich gebracht. Inzwischen ist Zürich der grösste Forschungsstandort von Google ausserhalb des Silicon Valley. Knapp 4000 Leute arbeiten hier für die Firma. Sein Lebensmittelpunkt bleibt jedoch das Silicon Valley, er kommt eigentlich nur noch selten in die Schweiz.

Edward Hopper (1882-1967), Nighthawk, 1942 – Ausstellung Fondation Beyeler 26. Januar 2020

Lernende Maschinen und Datenwolken
Als wichtigste Basisinnovationen, die in jüngster Vergangenheit die Computerwelt verändert haben, nennt Hölzle die «Open-Source-Software», freie Software, die im Quelltext in veränderbarer Form verfügbar ist. Damit verbunden nennt er als zweite Innovation das Cloud-Computing und drittens das Machine-Learning. Er glaubt, dass die Bedeutung von Open-Source-Software durch das Cloud-Computing (Datenwolke) weiter verstärkt wird. In den 1990er Jahren war es so, dass die Wahl eines Hardware-Lieferanten auch die Software-Ausstattung bestimmte. Das ist heute definitiv nicht mehr so. Anthos von Google will die Nutzung von Software als Service, unabhängig von Ort und Gerätetyp, ermöglichen. Machine-Learning wird unseren Alltag in immer grösserem Masse bestimmen. Neben Verkehrssystemen lassen sich damit zukünftig auch Gebäudekomplexe in Sachen Energieeffizienz optimieren.

Chancen erkennen
Seine Assistenzprofessur an der University of California in Santa Barbara hatte Urs Hölzle damals aufgegeben. Aber sein Job bei Google fühlt sich ein bisschen an, als wäre er weiterhin an einer Uni. Google bietet eine intellektuell stimulierende Umgebung. Viele hochqualifizierte Leute arbeiten dort und probieren laufend neue Sachen aus. Es gibt auch mehr Möglichkeiten als an einer Uni, mehr Mitarbeitende, mehr Ressourcen, und vor allem forschen diese an Problemen, welche für die Praxis relevant sind. Hölzle beendete sein Studium an der ETH Zürich vor gut 30 Jahren. Wenig von dem was er damals gelernt hat ist in der heutigen Praxis noch relevant. Aber die Grundlage, die diese Ausbildung schuf, war gut und ermöglicht es ihm, Jahr für Jahr Neues zu lernen.

Erfahrung als bleibender Wert
Lebenslanges Lernen ist eine wichtige Voraussetzung um unseren «Marktwert» zu halten. Seit unserem Lehrabschluss oder den Studienjahren hat sich die Arbeitswelt grundlegend gewandelt. Karrieredenken wurde (für viele) abgelöst durch den Traum von der eigenen Firma oder der Herausforderung wichtige Projekte mitzugestalten. Man ist gewillt auf vieles zu verzichten um seinen Ideen zum Durchbruch zu verhelfen, arbeitet an seinem Netzwerk und geht Kooperationen mit Gleichgesinnten ein. Für uns «Alte» heisst dies zuhören, offen sein für Neues und dank unserer (Lebens-)Erfahrung dort zu unterstützen wo es angebracht scheint. Auch wenn unser Wissen um die jüngsten technologischen Veränderungen Lücken aufweist, bilden die gemachten Erfahrungen einen bleibenden Wert.

«Alte Füchse»
«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. «Alte» im Team, auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen ihre Erfahrung zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein, wir freuen uns über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


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40 ist das neue 55

Schweden als Modell für die Schweiz?
Gerne wird das Modell Schweden zu Vergleichen mit dem schweizer Arbeitsmarkt herbeigezogen. Wenige von uns wissen jedoch bescheid über die wirklichen Herausforderungen der schwedischen Gesellschaft. Gemäss einer Meldung vom 9. Dezember 2019 in «The Local.SE» beginnt die Altersdiskriminierung für Arbeitssuchende in Schweden schon mit 40 Jahren. Der Ökonom Magnus Carlsson, Co-Autor eines neuen Berichts für die von der Regierung ernannte «Delegation für Seniorenarbeit», meinte gegenüber der privaten schwedische Nachrichtenagentur TT Tidningarnas Telegrambyrå AB: «Dies ist sowohl für die Gesellschaft als auch für die Betroffenen ein Problem»

40 ist das neue 55
Er und sein Wirtschaftskollege Stefan Eriksson verschickten mehr als 6’000 gefälschte Bewerbungen an rund 2’000 Unternehmen verschiedener Branchen: Verwaltungsassistenten, Verkäufer, Fahrer, Köche, Reinigungskräfte und das Gastgewerbe. Bewerbende in den frühen 40ern waren dabei bereits weniger attraktiv als jüngere Arbeitnehmende. «Wir hatten vor der Studie die Hypothese, dass es im Alter von 55 Jahren zu einem Bruch kommen würde. Wenn man sich die Arbeitsmarktstatistik zur Arbeitslosigkeit und die Chancen auf einen Arbeitsplatz ansieht, scheint es als ob zu diesem Zeitpunkt etwas passiert. Dass dies so früh angefangen hat überraschte uns» meint Carlsson. Für Bewerber Mitte 60 beträgt die Wahrscheinlichkeit, von einem potenziellen neuen Arbeitgeber kontaktiert zu werden, laut Studie nur etwa zwei bis drei Prozent.

Bild: Aly Song / Reuters

Arbeitgebende sind nicht prinzipiell gegen ältere Menschen
Die Autoren kamen zum Schluss, dass Arbeitgebende nicht grundsätzlich gegen ältere Menschen sind. Die Erklärung sind eher Stereotypen, wie die mangelnde Fähigkeiten der Arbeitnehmenden, mit zunehmendem Alter neue Dinge zu lernen, sich anzupassen oder Initiativen zu ergreifen. Das Muster wurde in allen untersuchten Berufen beobachtet und traf Frauen härter als Männer. Die «Delegation für Seniorenarbeit» ist Teil einer von der Regierung angeordneten Reihe von Berichten, die darauf abzielen, Wissen und Forschung über ältere Talente zu verbreiten und Strategien für einen integrativeren Arbeitsmarkt vorzuschlagen. Aus dem Beitrag geht nicht hervor, inwieweit die Digitalisierung repetitiver Jobs einen Einfluss auf den Arbeitsmarkt hat.

Weiterbildung und Umschulung sind unumgänglich
Für uns «Alte» ist Weiterbildung zu oft etwas für die Anderen. Wir haben ja schliesslich unseren Fähigkeitsausweis oder unsere Diplome, die uns früher einen garantierten Platz im Erwerbsleben sicherten. Zwar spüren wir seit 30 Jahren fast täglich den Einfluss der «digitalen Revolution» auf Wirtschaft und Gesellschaft. Und obwohl viele Berufe nur noch im Museum zu besichtigen sind, klammern wir uns an die Hoffnung, dass wir diese Entwicklungen heil «überleben» werden. Ausser acht lassen wir dabei die Überlegungen der Arbeitgebenden die sich Mitstreitende wünschen, welche die Initiative ergreifen und im aktuell kompetitiven Umfeld proaktiv handeln.

Kompetente «Alte» gesucht
Zwar fehlt uns vielleicht das Wissen zum aktuellen Stand der Technik, doch dank unserer (Lebens-)Erfahrung sollten wir uns aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen. Auf Augenhöhe mit den Jungen und einer gewissen Bescheidenheit, ohne Besserwisserei. Genaueres zur Plattform «kompetenz60plus.ch» erfahren Sie im doppelseitigen Beitrag von Anfang Jahr in der Schweizerischen Gewerbezeitung oder im Videoclip (3:43′) «FokusKMU» für das Lokalfernsehen vom vergangenen Februar.

Bitte bringen Sie sich ein, wir freuen uns über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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