Blog, Industrie 4.0

#238 – Scheindigitale Welt

Pseudodigital
Ich solle doch bitte mein Covid-Zertifikat zeigen. Mühsam versucht der «Security» dieses mit seinem Gerät auf meinem Smartphone zu überprüfen, um dann nach dem (analogen) Personalausweis zu fragen. Dabei musste er sich meinen Namen merken und mich bitten, die Maske zwecks Gesichtserkennung wegzurücken. Das Mitführen von Plastik- und Papierausweisen und die teilweise doppelte Bereitstellung der Informationen auf dem Smartphone ist viel zu umständlich. Weshalb wurde dazu die bestehende SwissCovid App nicht einfach um die notwendigen Funktionen erweitert. Dutzende von Apps, von denen viele allenfalls redundant sind und meist im ungünstigsten Moment, nämlich beim Gebrauch, aktualisiert werden wollen. Diese «Scheinlogik» bereitet uns «Alten», die wir lineare und vorhersehbare Abläufe bevorzugen, oft Mühe. So gesehen hat uns die Digitalisierung der letzten 40 Jahre das Leben ebenso schwer gemacht wie erleichtert.

Christo (1935–2020) und Jeanne-Claude (1935–2009), «L’Arc de Triomphe, Wrapped», Paris September 2021. 30’000 M2 reziklierbares Polypropylen. NZZ vom 17. September 2021

Es fehlt an Konzepten
Die Pandemie zeigt es sehr deutlich, wie wenig wir die Technologie beherrschen. Denken wir an den umständlichen Weg der manuellen Datenerfassung des BAG aus unzähligen Faxprotokollen. Jede Organisation, Amtsstelle oder Verein veröffentlicht stolz ihre eigene App. Millionen dieser «Insel-Programme» stehen (meist kostenlos) zur Verfügung. Niemand hat den Überblick, schon gar nicht beim Sinn und Zweck für eine Registrierung oder den Einsatz von immer neuen Passwörtern, Sicherheitschecks und Zugangslösungen. Wie Digitalisierung auch gehen könnte, zeigen uns einige Neobanken oder Kreditkartenanbieter. Zu meinen Favoriten gehört auch die SBB-Mobile-App wo neben dem gültigen Ticket auch der SwissPass, mit QR-Code und Lichtbild, hinterlegt sind. Ein Klick genügt. Das lästige herumsuchen nach dem analogen Ausweis entfällt auf elegante Weise. Die Preisberechnung berücksichtigt automatisch meine aktuelle Situation.

Digitalisierung im Gesundheitswesen
In ihrem Beitrag «Seit Jahren wollen Apple und Google die Gesundheitsbranche erobern, doch sie scheiterten immer wieder. Warum? Und kommt jetzt die Wende?» in der NZZ vom 18. September 2021, versucht Ruth Fulterer eine Annäherung an das Problem. Wichtig wäre ein allgemeiner Datenstandard. Im Moment versuchen viele Hersteller in der Medizintechnologie, Kunden zu binden, indem die eigenen Maschinen nur mit kompatiblen Geräten kommunizieren können. Das schadet der Innovation und macht abhängig. Das Zauberwort dagegen heisst Interoperabilität: also ein Standard, der für alle gilt. (Das Internet bietet diese Kompatibilität seit seiner Erfindung.) Spitäler, Kliniken und Privatärzte müssen Wege finden, ihre Daten sicher zu speichern und sie zugleich anonymisiert für die Forschung nutzbar zu machen. Noch wichtiger wäre jedoch ein besseres (Patienten-) Kundenverständnis. Nicht nur für die Institutionen muss der Umgang mit der Digitalisierung vereinfacht und weniger fehleranfällig werden, sondern, und vor allem, die Nutzer wünschen ein positives Erlebnis.

‘The Sense of Things’, Ausstellung des Künstlers und Choreografen William Forsythe (72), Kunsthaus Zürich Erweiterungsbau, April 2021.

Seriöse Programmierung braucht Erfahrung…
Technologien haben Menschen zu dienen, nicht Menschen den Technologien. Wir sind es, die entscheiden, welchen Gebrauch wir von digitalen Werkzeugen machen, wir bewerten diesen Gebrauch und haben diese Entwicklung als individuelle und kollektive Akteure zu steuern – in privaten, ökonomischen, sozialen und politischen Kontexten. Während die Migros innerhalb ihrer eigenen App eine (beleibige) Bezahlkarte verbindet, muss man bei Coop zum Bezahlen immer noch eine separate App oder Plastik-Karte vorweisen. Auch eine elektronische Identitätskarte oder den Fahrausweis müsste man legal im digitalen Portemonnaie (Wallet) verwalten können. Aber eben, weshalb etwas vereinfachen, wenn es auch kompliziert geht. Seit Jahrzehnten leben wir in dieser scheindigitalen Welt ohne wirkliche Fortschritte. «Papier» wurde einfach digitalisiert, die Kultur nie angepasst.

…und ein Wille für kulturelle Anpassungen
Mit der Erfahrung von uns «Alten» im Team von jungen Programmierern wird es möglich, verschiedenste Plattformen und Informationen miteinander so zu verknüpfen, dass wir uns keine Gedanken über die «richtige» Anwendung einzelner Apps (Bausteine) machen müssen. Dazu sind diese Maschinen schlussendlich da. Nutzerrechte können über Lizenzen, pauschal (wie beim Copyright) oder nach einem Verteilschlüssel (wie beim ÖV) entrichtet werden, alles kein Problem. Dabei zeigt sich, dass es auch an kulturellen Leitideen mangelt, eine Voraussetzungen für klare Zielsetzungen ohne verkrampftes Festhalten an alten Zöpfen. Mit der digitalen Transformation ändern sich die Formen und Strukturen der Kommunikation und Interaktion, der Information und Dezision. Die ganzen Debatten kranken an einem Übermass an ideologischer Voreingenommenheit, welche bereits in der Grundschule ihren Ursprung hat. Auf der einen Seite diejenigen, die mit dem Einzug von Laptops, Tablets und Co. den Untergang abendländischer Traditionen befürchten, und auf der anderen Seite diejenigen, die in Zeiten digitaler Transformation alles über Bord werfen und die Vorteile im Zusammenwirken von Mensch und Maschine hervorheben.

«Corona-konformes Café», Museum Rietberg Zürich, 19. September 2021.

«kompetenz60plus.ch»
Mit unserer Erfahrung und Engagement aus der analogen Welt sind wir «Alten» gerüstet, im Team zusammen mit dem digitalen Wissen der «jungen Wilden», Prioritäten und Ideen mit Engagement und auf Augenhöhe in Ergebnisse umzusetzen. «kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger

Blog, Industrie 4.0

#237 – «Alte» in bionischen Organsationen

Bionische Unternehmen
Der Begriff «Bionik» ist gebildet aus Biologie und Technik. Man versteht darunter eine technisch orientierte Wissenschaftsdisziplin, die Konstruktionen in der belebten Natur im Hinblick auf technische Verwertbarkeit untersucht und Anregungen für eigenes technisches Gestalten gibt (bionisches Prinzip).

Die Technologie hat das Zeitalter der bionischen Unternehmen eingeläutet. Unternehmen, welche die Fähigkeiten von Mensch und Maschine vereinen, werden überlegene Kundenerfahrungen und -beziehungen, produktivere Abläufe und dramatisch höhere Innovationsraten entwickeln. Kunden fordern Beziehungen und Innovation, während Wettbewerber den Produktivitätsschub durch Automatisierung vorantreiben. Unternehmen aller Branchen setzen auf künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen. Die Kombination dieser Fähigkeiten – zusammen mit kostengünstigen Datensensoren, Rechenleistung, Speicher, mobiler Konnektivität und Robotik – bedeutet, dass Kundenbeziehungen und Geschäftsprozesse in den nächsten Jahren radikal erweitert, wenn nicht sogar vollständig automatisiert werden.

Bibliothek Trinity College In Dublin, Irland

«Alte» im Team
Das Haupthindernis für den Fortschritt ist heute nicht mehr die Technologie selbst. Vielmehr geht es darum, das richtige Design für ein Unternehmen zu finden, damit es die Kraft der Technologie freisetzen kann. Unternehmen müssen sich zwei Fragen stellen: Wie sieht das bionische Unternehmen aus? Und welchen praktischen Weg können traditionelle Unternehmen bei der Umstellung ihrer Organisationen auf das neue Modell einschlagen? Die Erfahrung von uns «Alten», im Team mit den «jungen Wilden», erweist sich dabei als Vorteil. Nicht nur waren wir in der Vergangenheit massgeblich an der Entwicklung heutiger Systeme beteiligt, sondern bilden in der Gesellschaft eine wichtige und stetig wachsende Konsumentengruppe. Wie die Unternehmen der Zukunft aussehen werden, zeichnet sich ab. Vier «Befähiger» ermöglichen es ihnen, als bionische Organisationen zu agieren: Zwei haben mit Technologie und Daten zu tun, während die anderen beiden Talente und Organisation ansprechen. Rich Hutchinson, Lionel Aré, Justin Rose, und Allison Bailey, BCG Boston Consulting Group haben in ihrem Beitrag vom 7. November 2019 die folgenen Überlegungen gemacht.

Maschinen befähigen uns
Die wahre Stärke eines bionischen Unternehmens besteht darin, die Kraft der menschlichen Kreativität mit Hilfe der Maschinen zu optimieren. Dazu müssen sie die entsprechenden Talente finden, die sich durch hohes Engagement mit den Zielen der Firma identifizieren. Kunden erwarten heute, dass Unternehmen sie verstehen und ihre Präferenzen kennen. Sie suchen nach einem nahtlosen, personalisierten Service rund um die Uhr über physische und digitale Kanäle. Lange Reaktionszeiten, mit vielen Mitarbeitenden pandemiebedingt im Home-Office, werden immer weniger akzeptiert. Noch steckt das Kundenerlebnis in den Kinderschuhen, aber der Stand der Technik wird sich weiterentwickeln. Erhöhte Konnektivität und Bandbreite, Spracherkennung sowie erweiterte, virtuelle Realität, werden zu Veränderungen der bevorzugten Kommunikationsmodelle führen. Das Kundenerlebnis über digitale und menschliche Grenzen hinweg wird bionisch. Unternehmen, die früher einfach nur Produkte verkauften, bauen heute Datenbanken auf, die Informationen über alle Kunden enthalten, die möglicherweise ihre Produkte haben möchten. Branchen befinden sich an sehr unterschiedlichen Punkten auf dieser Reise. Konsum- und Industriegüterunternehmen, aber auch Unternehmen aus dem Finanz- und im Telekommunikationssektor, haben dabei noch einen langen Weg vor sich.

Hochgeschwindigkeitszüge im Unterhaltsdepot, Wuhan Chinese Expressways and Railways

Bionische Operationen
Die allermeisten Geschäftsprozesse werden heute von Menschen bedient. In nicht allzu ferner Zukunft werden diese von Maschinen, von denen viele KI-Algorithmen ausführen, erweitert oder sogar betrieben werden. Wobei die Maschinen ständig lernen und sich dabei die Rolle des Menschen unweigerlich ändert. Viele neue Arbeitsplätze werden geschaffen, damit Menschen erweiterte und automatisierte Prozesse gestalten und im Laufe der Zeit verbessern können. Tatsächlich wird ein grundlegender Wandel im Wesen der Arbeit entstehen – von Menschen betriebenen Prozessen, hin zu von Menschen gestalteten und geprüften Prozessen. Hier kämpfen viele traditionelle Unternehmen, während für digital Natives diese Art der Zusammenarbeit von Anfang an eine Selbstverständlichkeit ist. Es ist wichtig zu verstehen, dass der Aufbau und das Management bionischer Prozesse eine grundlegend neue Arbeitsweise erfordert. Diese Prozesse werden am schnellsten von multidisziplinären Teams erstellt und aufgebaut, die mit einem Ziel oder einem Ergebnis beauftragt sind und befähigt sind, den besten Weg zu finden, um dieses zu erreichen. Solche Teams haben einen «Product Owner» (verantwortlich für die Entwicklung und den Betrieb einer oder mehrerer Applikationen) und eine klare Mission und arbeiten mit einer agilen Methodik (beispielsweise Scrum).

Neue Angebote, Services und Geschäftsmodelle
Kontinuierliche Innovation wird ein Markenzeichen des Unternehmens der Zukunft sein. Die Kombination von Daten, Technologie (einschliesslich künstlicher Intelligenz) und Talent wird es bionischen Unternehmen ermöglichen, kontinuierlich neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln und auf den Markt zu bringen, von denen viele auch neue Modelle für die Geschäfts- und Kundeninteraktion beinhalten. Ein Beispiel aus der jüngeren Geschichte ist Amazon. Im Laufe einiger Jahrzehnte hat sich das Unternehmen von einem Online-Buchhändler zu einem Online-Marktplatz, zu einem führenden Anbieter von Cloud-Computing, zu einem Home-Entertainment-Unternehmen, zu einem gefürchteten Disruptor im Gesundheitswesen und zu einem bedeutenden Investor in so unterschiedlichen Branchen wie der Automobil- und Lebensmittellieferung entwickelt. Faszinierend ist auch das Konzept des letzte Woche eröffneten «NZZ am Bellevue» in Zürich. Zusammen mit dem innovativen Gastrounternehmer Michel Péclard entstand an bester Lage ein «Ort der Begegnung». Im Lokal auf drei Ebenen, zugänglich direkt von der Strasse und Tramhaltestelle Opernhaus sind Restaurant, Bar, Club und Veranstaltungsort miteinander verflochten, ausgerüstet mit modernster Technik und fast rund um die Uhr offen.

LED-Licht, Wandprojektionen, NZZ am Bellevue, Zürich, September 2021, Michel Péclard und NZZ

Modulare Technologie
Die Herausforderung und die Kosten der Transformation des Technologie-Stack und der Funktion sollten nicht unterschätzt werden. Unternehmen werden feststellen, dass sie grössere und schnellere Fortschritte erzielen können, indem sie von einer systematischen, umfassenden Verjüngung zu einem flexibleren daten- und transaktionsgesteuerten Ansatz übergehen und die Vorteile vollständiger Technologie-Stacks der nächsten Generation vom ersten Tag an nutzen. Dieser Ansatz kann schnell und frühzeitig Wert schaffen und schliesslich eine Architektur entwickeln, welche die gewünschte schnelle Anpassung unterstützt. Dabei wird menschliches Talent und die Erfahrung von uns «Alten» wichtiger denn je sein. Da menschliche Kapazitäten mehr für das Entwerfen, Prüfen und Innovieren von Prozessen (im Gegensatz zum Betrieb) eingesetzt werden, wird der Bedarf an Menschen mit bereits akuten Design- und technischen Fähigkeiten steigen. Auch Mitarbeiter, die flexibel, anpassungsfähig und lernfähig sind, werden gefragt sein.

«kompetenz60plus.ch»
Mit unserer Erfahrung und Engagement aus der analogen Welt sind wir «Alten» gerüstet, im Team zusammen mit dem digitalen Wissen der «jungen Wilden», Prioritäten und Ideen mit Engagement und auf Augenhöhe in Ergebnisse umzusetzen. «kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger

Blog, Industrie 4.0

#235 – «Alte» Brückenbauer

«Alt» und Arbeitslos, eine Herausforderung
Ältere Angestellte verlieren in der Krise seltener ihre Stelle als jüngere. Doch eine grosse Herausforderung bleibt. Die jüngsten Zahlen des Kantons Zürich zeigen, es sind eher die jüngeren, und nicht die älteren Mitarbeitenden, die in einer Krise ihre Stelle verlieren. Die Mehrheit der älteren Stellensuchenden findet wieder einen Job, zum Teil sogar einen mit einem höheren Lohn. Diese Fakten haben Verantwortliche des Kantons Zürich am 26. August 2021 an einer Medienkonferenz präsentiert. Siehe dazu den Beitrag von Annick Ramp, NZZ vom 27. August 2021. Doch müssen wir auch bereit sein, mit mehr Demut an die Sache heranzugehen. Denn mit unserem beschränkten Wissen und Können allein, wären wir als Individuen niemals in der Lage, in einem immer komplexer werdenden Umfeld zu bestehen. Vorteile von uns «Alten» sind, zusätzlich zur fachlichen Kompetenz, unsere Charaktereigenschaften. Moralische und ethische Regeln und Gepflogenheiten wie Anstand, Fairness, Wahrhaftigkeit, Rücksichtnahme, Einhaltung von Versprechen und dergleichen, die alle aus Überlieferung, Erziehung, Bildung, Erfahrung und Einsicht erwachsen sind, schaffen Vertrauen, und Vertrauen ist das beste Schmiermittel zum Erfolg.

René François Ghislain Magritte (1898-1967), Son of Man, 1964. Bild: Artists Rights Society, New York.

Die Generation 50+ muss digital fitter werden
«Wir sehen einen erheblichen Anteil älterer Stellensuchender, die keine oder kaum Probleme haben auf dem Stellenmarkt», sagte Edgar Spieler, der Leiter Arbeitsmarkt beim Zürcher Amt für Wirtschaft und Arbeit. Doch Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh präzisiert, dass Stellensuchende ab 59 Jahren aufgrund fehlender Fähigkeiten oft Schwierigkeiten haben, den Anschluss nicht zu verpassen. «Die Generation 50+ muss digital fitter werden» sagt sie und fügt auch gleich an, dass dieses Ziel nicht einfach umzusetzen sei. Bei der Generation der 60- bis 64-Jährigen lag die Arbeitslosenquote im Juli 2021 klar höher. Mit dem Alter steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass Stellenlose bei einem neuen Job weniger verdienen als früher. Bei der Generation 60+ ist dies bei rund 70 Prozent der Fall. Jeder und jede Siebte hat also bei der neuen Anstellung Ende Monat weniger Lohn auf dem Konto. Dies entweder, weil der Lohn tiefer ist, oder weil das Pensum reduziert wurde. Immerhin fast ein Drittel verdient allerdings gleich viel oder sogar mehr am neuen als am früheren Arbeitsplatz.

Pflege des eigenen Netzwerks
Die Chancen auf einen neuen, möglichst gut bezahlten Job hängen ganz wesentlich von der Ausbildung ab. Die Studie hat die Berufsprofile der über 50-jährigen Stellensuchenden mit den ausgeschriebenen Stellen verglichen und dabei deutliche Diskrepanzen festgestellt. Fast jede fünfte Person über 50 und ohne Arbeit (18 Prozent) ist sehr gering qualifiziert. Nur 15 Prozent der älteren Arbeitslosen sind akademisch qualifiziert, aber 34 Prozent der Stelleninserate verlangen eine solche Ausbildung. Hier ist die Nachfrage nach geeigneten Leuten also gross, Stichwort Fachkräftemangel. Doch auch diese Zahlen sind zurückhaltend zu lesen. Längst nicht alle Stellen werden ausgeschrieben. «Vieles läuft über den verdeckten Arbeitsmarkt», sagte Katharina Degen, Leiterin Arbeitsmarktbeobachtung beim Amt für Wirtschaft und Arbeit. «Umso wichtiger sind das berufliche Netzwerk und die informellen Kontakte.»

Die Fähigkeit den Wandel und das Tempo mitzumachen
Was heisst das nun für ältere Personen mit und ohne Job? Andrea Engeler, die Chefin des Zürcher Amts für Wirtschaft und Arbeit, machte zwei Megatrends aus. Der erste ist ein demografisch-quantitativer: Die Gesellschaft altert weiter, mehr Menschen scheiden aus dem Arbeitsmarkt aus, während die Zahl der Jungen relativ konstant bleibt. Unternehmen werden also vermehrt auf ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurückgreifen, sofern die Stellen nicht gleich automatisiert oder ins Ausland verlagert werden. Der zweite Trend betrifft die Arbeitnehmenden selbst. «Die Digitalisierung verändert die Anforderungen substanziell und zum Teil existenziell», sagte Engeler. Es gehe aber nicht nur darum, sich diese digitalen Fähigkeiten anzueignen. «Sie müssen auch fähig sein», sagt sie, «den stetigen Wandel und das steigende Tempo mitzumachen.»

Berufsbild «Digitale Brückenbauer» (aus einem Text von Dr. Urs Wiederkehr)
Digitalisierungsprojekte scheitern oft an der Kommunikation oder am Verständnis der Partner, was digital alles möglich wäre. Die Entwicklung digitaler Prozesse erfordert nämlich weit mehr als das blosse Nutzen gängiger Anwendungen, wie beispielsweise den SBB-Fahrplan, Google-StreetView oder einer Standardsoftware aus dem eigenen Fachbereich. Aus meiner Sicht ist diese Aufgabe, wie gemacht für uns «Alte». Die Arbeit entspricht auch physisch unseren Bedürfnissen, lässt sich orts- und zeitunabhängig erledigen und birgt eine hohe Zufriedenheit. Um ihre «Brückenfunktion» ausüben zu können, kennen digitale Brückenbauer beide «Welten»: Verfügen über eine umfassende Erfahrung aus der Praxis und ein breites Wissen beim Einsatz digitaler Technologien. Das Anforderungsprofil beinhaltet deshalb auch Grundkenntnisse in der Programmierung und das Erkennen von Schnittstellen zur Prozessoptimierung. Als Technologieberater treiben sie die Interaktion zwischen Mensch und Maschine vorwärts, bilden sie sich laufend weiter, sind Kundenorientiert und kommunizieren allgemeinverständlich (ohne Anglizismen) in gemischten Teams.

«kompetenz60plus.ch»
Mit unserer Erfahrung und Engagement aus der analogen Welt sind wir «Alten» gerüstet, im Team zusammen mit dem digitalen Wissen der «jungen Wilden», Prioritäten und Ideen mit Engagement und auf Augenhöhe in Ergebnisse umzusetzen. «kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger