KI und die Maschinenstürmer des 19. Jahrhunderts
Leider wird die Diskussion über KI in Presseberichten immer wieder als Bedrohung von Umwelt, Demokratie und Menschheit kolportiert. Logisch, denn betroffen vom Fortschritt der Technologie sind allen voran die Printmedien. Unter dem Titel: «Soziale Netzwerke und KI verdienen deutlich mehr Ablehnung, als ihnen derzeit entgegengebracht wird», beschreiben Kalina Oroschakoff (40+) und Ruth Fulterer (34) in der NZZ am Sonntag vom 26. Juli 2026, wie In der Schweiz die Aktivistengruppe Aufstände der Allmende zum «Grenzenlosen Widerstand gegen Datenzentren» aufrief. Es gelte das Netzwerk der «Tech-Oligarchen» zu überwerfen, gar anzugreifen. Im Kampf gegen die digitale Herrschaft schliessen die Aktivisten auch Gewalt nicht aus. Ob Roboter oder künstliche Intelligenz: Technologie provoziert Widerstand und die Schweizer Aktivisten sind mit ihrer Wut nicht alleine. Der Dozent für Humangeografie an der britischen University of Southampton, Dr. Thomas Dekeyser (30+), spricht im Interview mit den beiden Autorinnen von Techno-Negativität. Über die Ablehnung der Maschine hat er ein Buch geschrieben: Über Gegner der Technik, die es schon viel länger gibt als die Maschinenstürmer des 19. Jahrhunderts. Der Widerstand kann ökonomische oder moralische Gründe haben. Aber sehr oft sind die Gründe tief philosophisch. Menschen sorgen sich darum, wie eine Technologie das Menschsein verändert. Historisch gesehen ist bei KI einzigartig, dass die Verdrängung des Menschen aktiv willkommen geheissen wird. Leute wie Elon Musk feiern die Tatsache, dass wir nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einer digitalen Superintelligenz sind. Seit den Ursprüngen des Kapitalismus sind die Verknüpfungen zwischen Technologie, dem Staat und dem Kapital enger geworden. Das bedeutet mehr Enthusiasmus für neue Technologien, denn die steigern die Renditen. Die jetzige Begeisterung für KI passt in dieses Raster. Vor dem Kapitalismus gab es eine zynischere Sicht, vor allem vonseiten des Staates. Automatisierung war den Mächtigen suspekt, weil man sich darum sorgte, dass die Arbeiter arbeitslos und hungrig auf die Strassen gehen würden, um sich zu erheben.

Bild: Schweizerisches Nationalmuseum
Welche Menschen wollen wir mit Hilfe der künstlichen Intelligenz KI werden?
Zum Vergleich zwischen künstlicher Intelligenz KI und der Dampfmaschine im 18. Jahrhundert in meinem letzten Blog, schrieb Hanspeter Beerli (60+), Pädagoge und relationaler Coach im Mensch-KI-Zeitalter, über den entscheidenden Punkt: Eine neue Technologie verändert wenig, solange wir sie lediglich in die alte Architektur einbauen. Ein KI-Tutor für alle Lernenden könnte den starren Gleichschritt aufbrechen. Doch wenn weiterhin alle denselben Stoff, auf dieselbe Weise und für dieselben Prüfungen lernen, ersetzen wir vielleicht nur die zentrale Dampfmaschine durch einen elektrischen Motor. Die eigentliche Veränderung beginnt für ihn erst, wenn wir die Architektur des Lernens neu gestalten: individuelle Lernwege ermöglichen, ohne das gemeinsame Lernen aufzugeben; Wissen zugänglich machen und zugleich Urteilskraft, Verantwortung und Charakter wachsen lassen. Die entscheidende Frage wäre deshalb für ihn nicht nur: Wie kann KI Bildung beschleunigen? Sondern: Welche Menschen wollen wir mit ihrer Hilfe werden? Dabei ist das biologische Alter eines Menschen nicht wirklich ausschlaggebend. Es gibt genügend Junge, welche in antiquierten Denkmustern verharren. Kompetente und erfahrene «Alte» agieren als Mentoren oder Sparringspartner bei der Umsetzung künftiger Projekte.

Grösser als die industrielle Revolution
Die meisten Vorhersagen über die Zukunft der künstlichen Intelligenz liefern keinen Erkenntnisgewinn, sorgen aber für kollektive Verunsicherung. Mit dem Titel «Grösser als die industrielle Revolution»: 200 Ökonomen und Tech-Bosse warnen vor massiven Arbeitsplatzverlusten durch KI – selbst frühere Skeptiker sind nun alarmiert, schreibt Janique Weder (36) in der NZZ vom 14. Juli 2026, wie sich führende Wissenschafter besorgt über die möglichen wirtschaftlichen Folgen der künstlichen Intelligenz KI äussern. «Es findet eine Entwicklung statt, die wir nicht verstehen und nicht mehr wirklich kontrollieren können», sagt Beatrice Weder di Mauro (60), die schweizerisch-italienische Ökonomin und Präsidentin des Centre for Economic Policy Research (CEPR). Beispielsweise besonders leistungsfähige KI-Modelle, die von ihren Entwicklern nur eingeschränkt freigegeben werden. Wer keinen Zugang zu den fortschrittlichsten Systemen habe, könne rasch abgehängt werden. Michael Siegenthaler (41), Leiter des Forschungsbereichs Schweizer Arbeitsmarkt an der Konjunkturforschungsstelle (KOF), ist vorsichtiger. Ob KI zu Massenarbeitslosigkeit führen werde, sei «sehr umstritten», meint er. Tatsächlich sind gewisse Berufe mit einer hohen KI-Exposition bereits unter Druck geraten. Das sind etwa Teile der IT-Branche sowie für Stellen im Marketing und in der Kommunikation. In diesen Berufen ist die Arbeitslosigkeit in der Schweiz bereits deutlich gestiegen. Trotzdem, von einem flächendeckenden Beschäftigungsabbau könne deshalb keine Rede sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass KI kein Risiko darstellt. Siegenthaler hält sie für mächtiger als frühere Technologien, weil sie potenziell einen grossen Teil der Arbeitswelt betreffe. Generative KI könne nicht nur einzelne Tätigkeiten ausführen, sondern zunehmend selbständig komplexe Computeranwendungen bedienen. In manchen Bereichen erreiche oder übertreffe sie die menschlichen kognitiven Fähigkeiten bereits. «Deshalb ist das Potenzial für Disruption höher als bei anderen Technologien.»
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