Blog, KI-ÖKONOMIE 1.0

#482 – «Alte» verkennen oft die Macht von KI

Verkannte Auswirkungen durch KI
«Ab 55 Jahren ist man auf dem Arbeitsmarkt unerwünscht: Das ist die Erfahrung einer arbeitslosen Managerin und ihrer Personalberaterin». Im Beitrag von Katharina Fontana (61), in der NZZ vom 6. August 2026 geht die Inlandredaktorin der Frage nach, weshalb jemand der nach dem 50. Lebensjahr seine Stelle verliert, es auf dem Arbeitsmarkt schwer hat etwas Neues zu finden. Die Schweiz hat ein strukturelles Problem, über das niemand reden wolle: Die älteren Arbeitskräfte würden durch jüngere ausgetauscht. Gerade in international ausgerichteten Firmen stehe man in direkter Konkurrenz zu Bewerbern aus der ganzen EU. Auf Plattformen wie LinkedIn ist die Stellensuche von über 50-Jährigen ein riesiges Thema. Auf dem Arbeitsmarkt herrsche ein Jugendwahn, wer älter sei, habe keine Chance mehr. Doch es gibt auch Widerspruch: Die Älteren seien an ihrer Situation zum Teil auch selber schuld, wird in Kommentaren gekontert. Sie hätten häufig Vorstellungen von zu hohen Löhnen, was sie zusammen mit den hohen Beiträgen für die Pensionskasse für eine Firma unattraktiv mache. Trotz der Erfahrung, die es «Alten» erlaubt, die Arbeit schnell zu erledigen, was sich für die Arbeitgebenden auszahlt, suchen Unternehmen immer häufiger perfekte Kandidaten mit exakt passendem Profil, statt erfahrenen Menschen eine Chance zu bieten oder sie einzuarbeiten. Die «Alten» auf dem Schweizer Arbeitsmarkt würden nicht generell diskriminiert. Es sei einfach so, dass es enorm viele jüngere Leute gebe, die eine Topausbildung vorweisen könnten. Deshalb entstehe mehr Konkurrenz, was bei einer wirtschaftlichen Abkühlung zu mehr Arbeitslosen führe – auch bei der Gruppe der «Alten». Im Beitrag werden meiner Meinung nach die Auswirkungen durch KI-Anwendungen verkannt. Mit deren Einsatz werden viele Stellen künftig wegfallen, hauptsächlich sogenannte «Bullshit-Jobs». Der US-amerikanische Kulturanthropologe David Graeber (1961-2020) prägte den Begriff für Tätigkeiten, die selbst die Ausführenden für überflüssig halten. Im Kommentar von Sebastian Briellmann (34), in der NZZ vom 4. August 2026 nennt der Ökonom Mathias Binswanger (63) diese Arbeitenden in Anlehnung an den deutschen Soziologen und Ökonomen Max Weber (1864-1920) «Fachmenschen ohne Geist».

Schule im Museum: Musée Visionnaire Zürich 2025. Lernort, Atelier, Ausstellungsraum, Treffpunkt, Bild: Michèle Tratschin

Lernen mittels KI
Abkürzungen ersetzen unsere Arbeit nicht wirklich, sagt Priya Lakhani (45), Gründerin und CEO: Leads CENTURY Tech, einem Unternehmen für Bildungstechnologie im Bereich künstliche Intelligenz, in ihrer Präsentation auf TEDNext November 2025 (10:58). Aus ihrer Erfahrung im Bildungsbereich weiss sie, wie gefährlich es sein kann, wenn wir uns auf die ungefilterten Antworten grosser Sprachmodelle (LLMs) verlassen. Schüler:innen und Studierende lassen die KI die gesamte Arbeit für sie erledigen und nutzen die Intelligenz um das Lernen aktiv zu vermeiden. Nach der ursprüngliche Euphorie über die Möglichkeiten von ChatGPT sind wir letztendlich zur ernüchternden Erkenntnis gelangt, dass Abkürzungen unsere Arbeit nicht wirklich ersetzen. Künstliche Intelligenz KI ist sehr hilfreich, aber wir müssen noch lernen, selbst etwas zu leisten und nachzudenken. Die langen Antworten eines LLM-Chatbots lesen sich flüssig und vermitteln eine Art Illusion von Kompetenz, als wüssten sie alles. Lernen erfordert jedoch einen «produktiven Kampf», eine geistige Anstrengung, die Verständnis schafft. Lakhani erwähnt dazu vier Lerntechniken, die alle mit produktiver Anstrengung verbunden sind und die Lernergebnisse verbessern. Drei davon beziehen sich auf das Gedächtnis, respektive das Verständnis. Wenn wir über etwas nachdenken, greifen wir auf unsere Erinnerungen zurück, die unser Denken formen. Ohne diese Erinnerung wird Denken unmöglich. Die erste wichtige Technik ist also das Abrufen. Die zweite Technik ist, das Lernen über einen längeren Zeitraum zu verteilen, anstatt alles auf einmal pauken. Drittens geht es im Grunde um Generierung und schliesslich viertens um die Reflexion, wenn wir über unsere Arbeit nachdenken. Nachhaltiges Lernen entsteht nicht durch Abkürzungen, es erfordert gezielte Anstrengungen. Genau deshalb ist KI so wertvoll für die Bildung, denn sie kann Muster in unserem Lernverhalten erkennen, wie beispielsweise Zusammenhänge oder Lücken in unserem Wissensstand. KI soll unser Fachwissen nicht ersetzen, sie soll es erweitern. KI ist unsere Geschichte, die unsere Zukunft vorhersagt. Entwickeln wir sie gut, und nutzen wir sie, um die menschliche Kognition zu ergänzen oder zu ersetzen.

Schule im Museum: Musée Visionnaire Zürich 2025. Lernort, Atelier, Ausstellungsraum, Treffpunkt, Bild: Michèle Tratschin

Es gibt kein Zurück in die Vor-KI-Zeit
Christoph Drösser (67), deutscher Journalist, Autor, studierter Mathematiker und Philosoph berichtet vom Weltkongress der Mathematiker (ICM) in Philadelphia in der NZZ vom 15.August 2026, über die aktuelle Entwicklung künstlicher Intelligenz KI. Unter dem Titel: «KI-Systeme produzieren Beweise am Fliessband und stürzen die Mathematik in eine Jahrhundertkrise», zitiert er Terence Tao (51): «Wir stehen kurz davor, dass eine KI einen wichtigen mathematischen Satz beweist – und kein Mensch kann den Beweis verstehen». Der Mathematiker an meiner Alma Mater, der University of California in Los Angeles UCLA, ist ein Superstar der Mathematik. Über tausend Zuhörer standen Ende Juli Schlange, um seinen Vortrag mit dem Titel «Mathematik in Zeiten der KI» beim Kongress in Philadelphia zu hören. «Wenn die KI Mathematiker obsolet macht, dann macht sie das Denken obsolet», bemerkte ein junger Mathematikstudent aus Kanada am Rande der Konferenz. Die Technologie hat rasante Fortschritte gemacht in den vergangenen vier Jahren. Die erste Version von ChatGPT konnte nicht einmal richtig zählen. Dann begannen die Chatbots zunächst alle mathematischen Schulaufgaben zu bewältigen, dann die aus den ersten Semestern des Mathematikstudiums. Sie lösten alle Aufgaben der Mathematikolympiade. In diesem Jahr haben sie nun mathematische Rätsel gelöst, an denen sich die besten Forschenden der Welt lange Zeit die Zähne ausgebissen hatten. Der russische Mathematiker Jacob Tsimerman (38), dem gerade die mit dem Nobelpreis vergleichbare Fields-Medaille verliehen wurde, wendet sich auf dem Zenit seiner wissenschaftlichen Karriere von der akademischen Forschung an der University of Toronto ab und geht zu Open AI, um die Sicherheit von KI-Systemen zu verbessern. Über die Rolle der KI in der Mathematik macht er sich keine Illusionen. «In wenigen Jahren werden KI-Systeme bei der Lösung mathematischer Aufgaben deutlich übermenschliche Fähigkeiten besitzen». Mathematik ist viel mehr, erklärt Terence Tao. Sie ist ein Mittel, die Welt um uns herum zu verstehen. Sie besteht aus einer Gemeinschaft Gleichgesinnter, die Steinchen für Steinchen ein intellektuelles Gebäude errichten, das nicht leicht zu erschüttern ist.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger

Blog, KI-ÖKONOMIE 1.0

#481 – Kompetente «Alte»: KI Kostenwahrheit

Ich treffe immer noch Leute, deren Kenntnisse in LLM so veraltet sind, dass man bei Gesprächen über ChatGPT den Eindruck hat, sie äussern sich über den Stand von vor zwei oder drei Jahren. Sie kennen die aktuellen Funktionen nicht. Sie wissen nicht einmal, dass man sein E-Mail-Konto verknüpfen und damit interagieren kann.
Reddit, 21. August 2026

Return on KI: Die wahren Kosten künstlicher Intelligenz
Im Newsletter der Bosten Consulting Group BCG, vom 1. Juli 2026 beleuchten die Autoren Nicolas De Bellefonds, Abhinav Gupta, Steven Kok, Matthew Kropp, Vladimir Lukic, Clark O’Niell, Rohan Panjwani und Vikram Srikumar die Kosten von KI-Token und wie Unternehmen diese handhaben können. Mit dem Übergang von der Pilotphase zur Massenproduktion von KI benötigen die Kosten für künstliche Intelligenz eine neue Messgrösse. Die führenden Unternehmen werden nicht diejenigen mit den niedrigsten oder höchsten KI-Kosten sein, sondern diejenigen, die den höchsten Return on KI, RoKI erzielen. Die rasant steigenden Kosten für KI haben Tokens – die grundlegenden Dateneinheiten, die KI-Modelle verwenden und nach denen KI-Anbieter abrechnen – in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Führungskräften und Verwaltungsräten gerückt. Ein Token ist die kleinste Texteinheit, die ein Sprachmodell liest und generiert. Es ist weder ein einzelnes Wort noch ein einzelnes Zeichen – es liegt irgendwo dazwischen. Als Faustregel gilt für englischen Text (Englisch ist viel günstiger als beispielsweise Deutsch): 1 Token entspricht ungefähr 4 Zeichen oder etwa ¾ eines Wortes. 100 Tokens entsprechen also ungefähr 75 Wörtern. CEOs benötigen eine Möglichkeit, die gekaufte Intelligenz, Kosten von KI und Nutzen, den Mensch und KI gemeinsam generieren, genau zu verstehen. Entscheidend ist ein intelligenter Umgang mit Ressourcen, damit sich Arbeitsabläufe im Laufe der Zeit organisch verbessern, da KI immer besser, schneller und kostengünstiger wird. Der Beitrag von erfahrenen und kompetenten «Alten» liegt im Erkennen der Wiederverwendbarkeit von Kontextinformationen wie Systemaufforderungen, Richtlinien, Wissensdatenbanken und Standards, welche zwischengespeichert und auf grossen Plattformen wie Anthropic, Google Gemini und OpenAI kostengünstig abgerufen werden können. Die Minimierung der Token-Kosten mittels Wiederholung (copy paste) durch erfahrene «Alte» die zu prüfen in der Lage sind, welches Wissen, welche Richtlinien und Geschäftsprozesse wiederverwendet werden können, ohne jedes Mal neu dafür zu bezahlen ist entscheidend. Token-Maximierung zur «richtigen Nutzung» steigert die KI-Kompetenz im gesamten Unternehmen. Entscheidend ist ob das Unternehmen nachweisen kann, dass die gekaufte Intelligenz mehr wert ist als sie kostet.

Die ernste Beziehung zwischen Kunst und Technologie: Nam-June-Paik (1932-2006), Südkoreanischer Künstler und Begründer der Videokunst – 1995 «Electronic Superhighway: Continental U.S., Alaska, Hawaii». Bild: Lincoln Gallery des Smithsonian American Art Museum.

Künstliche Intelligenz KI lebt von der Sprache
Gemäss einem Bericht in der NZZ vom 7. August 2026, verlieren die Geisteswissenschaften an Terrain. Studierende wenden sich von Fächern wie Geschichte, Philosophie oder Sprachwissenschaften ab und die Gewinner sind die Mint-Fächer, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, die seit Jahren von Bund und Kantonen gefördert werden. Diese Entwicklung ist gefährlich, denn künstliche Intelligenz KI – grosse Sprachmodelle, Large Language Models LLM – basiert auf «Sprache». Geschichte, Philosophie, Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften arbeiten konsequent mit der Sprache, nur sie üben sich in Quellenkritik, Interpretation und Hermeneutik (Verstehen). «Die Skills der Geisteswissenschaften sind unerlässlich in einer Welt, die sich gerade disruptiv auf die generative KI ausrichtet.» meint die Historikerin Lea Haller (49), Generalsekretärin der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozial­wissenschaften SAGW. Haller nennt «Kulturtechniken» wie das Entwickeln neuer Ideen und das Out-of-the-box-Denken, das Bewerten und Auswählen als essenziell. «KI ist in vielem grossartig, aber sie ist nicht effizient, wenn wir sie nicht einhegen, und sie ist affirmativ und rückwärtsgewandt», sagt Haller. «Das kritische Denken und das Formulieren guter Fragen (Prompting) werden immer wichtiger. Nur so kann man KI intelligent nutzen.» Genau diese Fähigkeiten lerne man in einem geisteswissenschaftlichen Studium. Für die Studienwahl entscheidend sind Kompetenzen die man während der obligatorischen Schulzeit und in der Mittelschule erwirbt. Doch da sehe es düster aus: «Wir wissen, dass die Schülerinnen und Schüler im Lesen, Zuhören und Schreiben sukzessive schlechter geworden sind. Wer diese Fähigkeiten nicht beherrscht, wird kein geisteswissenschaftliches Fach studieren.» Nötig für eine Renaissance der Geisteswissenschaften wären also entsprechende Investitionen in die Volksschule und der verstärkte Fokus auf den Umgang mit Texten. Sie wären in historisch und sprachlich orientierten Fächern bestens aufgehoben. Doch gerade diese geraten immer stärker unter Druck.

Das Ende der Schreibromantik
«KI sind Optimierungsmaschinen. Gibt man ihnen eine Aufgabe, setzen sie alles daran, diese zu lösen. Das ist ihnen einprogrammiert.» schreibt die Journalistin Ruth Fultener (34). Bots (vom Englischen Robot) wie Gemini, ChatGPT und Co. vernichten den Journalismus nicht. Im Gegenteil. Sie befreien uns endlich vom todlangweiligen Durchschnitt. In seinem Kommentar schreibt Barnaby Skinner (51), stellvertretender Chefredaktor, in der NZZ vom 6. August 2026 unter dem Titel: «Die KI bedeutet das Ende der Schreibromantik. Das ist gut so» über den moralisierenden Unterton in der Debatte über künstliche Intelligenz KI mit Journalist:innen. Wer die Maschine nutze, hintergehe nicht nur die Leserschaft, sondern verkaufe auch die Seele einer ganzen Branche an den Algorithmus. Skinner unterscheidet in seinem Beitrag zwischen zwei Typen, den Plagiatsjägern und den Künstlern und Schönschreibern. Das Problem beim Auslagern des Denkens an ein Large Language Model LLM ist eigentlich nicht moralischer, sondern wirtschaftlicher Natur. Journalistinnen und Journalisten können es sich gar nicht leisten, ihre Kreativarbeit komplett an die Maschine auszulagern, weil dabei schlicht und einfach nichts Neues entsteht. Und im heutigen Journalismus hat nur das Neue, das Originäre, das Originelle einen Wert. Deshalb sind fundierte Haltung, Einordnung und Verifikation so gefragt wie nie zuvor. Genau deshalb ist KI kein publizistischer Weltuntergang, sondern schlicht ein Strukturproblem, das Journalist:innen, Redaktionen und Verlage lösen müssen. Die spannendste Frage an die KI-Skeptiker ist deshalb: Was ist eigentlich verwerflich daran, wenn sich Journalist:innen vertieft mit einer KI auseinandersetzen, um ihre eigene Haltung zu einem Thema, ihrer Recherche oder den Rahmen des anstehenden Interviews zu schärfen? Überhaupt nichts. Die Inhalte werden dadurch schlichtweg besser. Das ist kein Auslagern des Denkens; die KI übernimmt vielmehr die Rolle eines aussergewöhnlich belesenen und geduldigen Sparringspartners. Die KI schreibt den Text nicht; sie zwingt Journalist:innen, ihre Text unersetzbar zu machen. KI-Modelle sind keine neutralen Geister im Netz. Wie der St. Galler Informatikprofessor Damian Borth (45) kürzlich treffend anmerkte, sind sie kulturelle Artefakte, trainiert anhand der Daten und mit den Texten unserer Zeit, versehen mit den Gewichtungen und Sicherheitsregeln ihrer Macher. Sie haben kein eigenes Erkenntnisinteresse. Den Rahmen und den Ausgangspunkt muss der Mensch setzen. Er muss die Maschine lenken, mit ihr interagieren. Kompetente und aufgeschlossene «Alte» fungieren dabei als Mentoren oder Sparringspartner.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger

Blog, KI-ÖKONOMIE 1.0

#480 – «Junge» und «Alte» im Banne von KI

In eigener Sache
Kürzlich wurde ich zum wiederholten Mal darauf angesprochen, weshalb ich ältere Semester immer mit «Alte» bezeichne. Eine einfache Erklärung wäre, dass wir die jüngeren auch als «Junge» bezeichnen. Ein Euphemismus wie «Silberrücken» oder «Silberfüchse» bezieht sich auf Männer und verklärt zudem die Tatsache, dass wir «Alten», Frauen wie Männer, einer eigenen Kohorte zugehören. Ein Seniorpartner muss nicht zwingend alt sein, aber erfahrener als die Juniorpartnerin. Was der ehemalige HR-Verantwortliche eines Grosskonzerns mit seiner Kritik übersah, ist das Konzept des Brandings, der «Markenbildung», den Wiedererkennungseffekt. «Alte» ist seit neun Jahren meine Marke auf der Plattform «kompetenz60plus.ch», ein Projekt «von uns. für uns.» Entstanden nach meiner kurzen Mitgliedschaft in einem «Altherrenverein» ehemaliger Führungskräfte, beratungsresistenter Berater mit Anzug und Krawatte. Die schweizweite Organisation vermittelt ad hoc «erfahrene» Spezialisten an KMUs, Non-Profit-Organisationen oder die öffentliche Hand, um personelle Engpässe zu überbrücken. Unter den wenigen Mitgliedern war der Konkurrenzdruck für die überschaubare Anzahl an Mandaten gross. Im Zusammenhang vermisste ich die Kommunikation auf Augenhöhe und, abgesehen von der obligaten «Sekretärin», weibliche Führungskräfte. Dagegen ist «kompetenz60plus.ch» eine nicht kommerzielle Plattform für uns «Alte». Es ist ein Ort für KMUs zum Austausch mit gereiften Gleichgesinnten über aktuelle Themen, keine Jobbörse im herkömmlichen Sinn. Kompetente «Alte» engagieren sich als Mentor:innen, Coaches oder Sparringspartner in einer, auch als Folge der künstlichen Intelligenz KI, sich stark verändernden Arbeitsumgebung. Meine persönliche digitale Visitenkarte im weitesten Sinn.

Software-Intelligenz & Statistik-Engines: Szenarioplanung für die «Zukunft ohne Arbeit», Sentiers-Newsletter vom 26. April 2026

Den Arbeitnehmermarkt gibt es nicht mehr
Beat Balzli (60) beschreibt in seinem Editorial in der NZZ am Sonntag vom 9. August 2026, unter dem Titel «Achtsam oder arbeitsam? Die neue Kälte am Jobmarkt wird zum Stresstest für die Gen Z» (geboren zwischen 1995 und 2012), wie der Boom am Arbeitsmarkt die Gesellschaft in den letzten Jahren geprägt und Leistung zum notwendigen Übel degradiert hat. Das ist jetzt vorbei. Vor allem für Einsteiger wird entscheidend sein, ob sie die Extrameile gehen wollen. Den Arbeitnehmermarkt gibt es nicht mehr. Die Erwerbslosenquote liegt nun deutlich über fünf Prozent, Tendenz weiter steigend. «Junge» und «Alte» trifft es besonders hart. Immer mehr werden aus der Arbeitslosenversicherung «ausgesteuert». Arbeitgebermarkt heisst die neue Realität. Das bedeutet für die Gen Z und alle anderen, dass Flexibilität an die Stelle von Forderungsmanagement tritt. Auch die neue Kälte auf dem Jobmarkt dürfte nicht ohne soziale Wirkung bleiben und einer fragilen Freizeitgesellschaft, die aus falsch verstandener Achtsamkeit immer mehr Menschen in eine psychisch belastende Strukturlosigkeit entlässt, den Wert von Arbeit wieder vor Augen führen – als identitätsstiftende Institution, als Lieferantin eines Selbstwertgefühls, einer überlebenswichtigen Orientierung. Junge Fachkräfte bringen digitale Kompetenzen und neue Denkweisen mit. Kompetente und erfahrene «Alte» verfügen über ein enormes Praxiswissen und kennen die Abläufe im Betrieb. Entscheidend ist, dass beide Seiten auf Augenhöhe kommunizieren und voneinander lernen. Fortschritt ist kein Generationenthema, sondern ein Teamthema.

Deutlich mehr Uni-Absolventen sind arbeitslos
Klara Sasse kennt die Geschichten des garantierten Erfolgs, die man sich an Unis erzählt. Sie sind nicht immer wahr. Sasse ist Co-Präsidentin des Verbands der Schweizer Studierendenschaften VSS, also der studentischen Vertretungen vieler Universitäten, Fachhochschulen oder Hochschulen wie der ETH. Insgesamt vertritt der Verband rund 160 000 Studierende. Sasse tauscht sich regelmässig mit den Studentinnen und Studenten aus. «Uns ist gesagt worden: Euer Studium bereitet euch auf den Arbeitsmarkt vor, ihr werdet mit Sicherheit etwas finden.» Vor ein paar Jahren sei das vielleicht noch so gewesen. Die meisten Abgänger:innen hätten innert weniger Monate etwas gefunden, was ihnen entsprochen hätte. Doch seit etwa zwei Jahren müssten die Studierenden deutlich länger suchen. Malin Hunziker (29), Redaktorin, schreibt in der NZZ vom 4. August 2026, über Stellensuchende mit akademischem Hintergrund. Befristete Praktika oder Uni-Abgänger:innen die neben der Stellensuche in Cafés jobben oder für Events Bühnen oder Tische auf- und abbauen, eine in den USA seit Jahrzehnten übliche Situation findet langsam den Weg in die (erfolgsverwöhnte) Schweiz. Flexibilität in jeder Hinsicht, auch für branchenfremde Einsätze ist wichtig. Denn junge initiative Leute mit guter Ausbildung sind unsere Zukunft, um uns «Alte» Babyboomer zu ersetzen, wenn wir in Pension gehen. Christoph Mäder (67), Präsident des Wirtschaftsverbands Economiesuisse, schrieb dazu Ende Mai: Trockne die Pipeline für künftige Führungskräfte aus, stünden die Firmen in zehn Jahren vor gravierenden Problemen. «Die Junior-Lücke schmerzt zuerst die Berufseinsteiger – langfristig trifft sie aber die Unternehmen selbst.» Daten des Bundesamts für Statistik (BfS) zeigen, dass die Zahl arbeitsloser Personen mit Tertiärabschluss seit 2013 in der Tendenz gestiegen ist, obwohl seit 2010 über doppelt so viele Bewerber:innen einen Uni-Masterabschluss haben. Laut der Jobplattform Jobs.ch ist diese Entwicklung bereits auf den Einfluss von künstlicher Intelligenz zurück zu führen: In KI-exponierten Berufen sei der Anteil der Stellenanzeigen auf Berufseinsteigerlevel relativ stärker gesunken als in weniger exponierten Kategorien; dafür würden Senior-Stellen stärker nachgefragt. Erfahrung und Reife, Soft Skills wie Agilität und Veränderungsbereitschaft, Kompetenzen statt Abschlüsse – wir «Alten» haben dabei die Nase vorn.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger