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Blog, Industrie 4.0

#177 – Unternehmenskultur mit Covid-19

Masken, Masken und immer wieder Masken
Seit Februar 2020 ist in der Schweiz die Wirksamkeit von Masken zur Verhinderung einer Weiterverbreitung des Covid-19-Virus umstritten. Monatelang hat das BAG diese hinterfragt und dabei die bis heute spürbare Verunsicherung unter der Bevölkerung bewirkt. Menschen aus dem asiatischen Raum haben weniger Mühe mit dem Tragen von Gesichtsmasken, sie gehören sozusagen zum normalen Strassenbild. Paradoxerweise werden trotz dieser Schutzmassnahmen gefährliche Viruserkrankungen fast ausnahmslos aus diesen Weltregionen verbreitet. Wie aber reagieren hiesige Unternehmen auf die neuen Umstände zum Schutz von Kunden, Partnern und Mitarbeitenden. Unrealistisch ist das Prinzip Hoffnung, zurück zu den Zuständen vor der Pandemie. Auch den digitalen Innovationsschub können wir nicht mehr aufhalten, der Geist ist aus der Flasche entwichen. Vielmehr braucht es tragfähige und nachhaltige Lösungen, weg vom Ausnahmezustand, für eine neue Unternehmenskultur mit mehr Eigenverantwortung und Vertrauen.

«Télévision: Oeil de Demain», französischer Film 1947, Stacy Liberatore, Dailymail, 1. Juli 2020

Der Weltkonzern für Technologie aus Cupertino, Kalifornien
Das Sicherheitskonzept wurde vom ersten Tag der Wiedereröffnung klar und vorbildlich umgesetzt. Vor dem Laden in der Zürcher Innenstadt wartet man, betreut von zwei Mitarbeitenden welche gratis Masken verteilen, mit genügend Abstand innerhalb der gelben Markierungen. Bei Freiwerden einer Verkaufsperson wird man zum Eingang gewiesen, wo alle Kunden fünf Gesundheitsfragen beantworten, die Hände desinfizieren und sich von einem weiteren Mitarbeiter die Temperatur messen lassen. Unter Einhaltung der Abstandsregeln und mit der jeweiligen Desinfektion von präsentierten Geräten wird der Verkauf per Tablettcomputer bargeldlos aus jedem Standort im Laden abgewickelt, keine Kasse bedeutet auch keine Warteschlange. Die Quittung erhält man innert Minuten per Mail auf sein Smartphone. Dieser unaufgeregte und vorsichtig freundliche Kundenkontakt setzt eine rigorose Schulung von Personal und Management, eine gute Betriebskultur und Vertrauen in die eigenen Produkte voraus.

Ein Schweizer Grossverteiler für Lebensmittel
Dieser hatte noch bis mitte Juni das Plakat «Bleiben Sie zuhause. Bitte alle» prominent am Eingang platziert. Im Ladeninnern ein Gewusel, komplizierte Verkehrswege mit Abstandsstreifen kreuz und quer, Aktionsgestelle bilden Engpässe zwischen den Regalen. Vor allem viele Leute nah beieinander, laut redend, lachend und mehrheitlich ohne Masken – der übliche Samstagsschwatz, bei dem man die Durchgänge nur ungern für Andere freigibt. Das Personal trägt schwarze Latexhandschuhe und fasst mit diesen ALLES an. Masken findet man auch da selten, dafür lautes Zurufen über die Verkaufsgestelle. Da ich ungern meine Wocheneinkäufe am Selbstcheckout bei (zu vielen) Stichkontrollen wieder auspacke, nutze ich diese eigentlich bequeme Option seit Jahren nicht mehr. An der Kasse werden Abstandsregeln missachtet, die Einkäufe türmen sich ungeordnet vor und neben dem Laufband. Bezahlen mit der App ist wegen der Plexiglaskonstruktionen fast unmöglich. Ein Einkauf online ist wegen dem limitierten Sortiment, fehlender Aktionsangebote und langen Lieferfristen keine Alternative.

Arbeiten von zuhause
«Adieu, liebes Büro!», schrieb die NZZ mitte Juni. Nach rund hundert Jahren habe das Covid-19-bedingte Homeoffice einer aussterbenden Art den letzten Todesstoss versetzt. Tatsächlich ist die Geschwindigkeit, mit der das Büro in jüngster Zeit an Stellenwert verloren hat, beachtlich. Mein erstes Notebook nutzte ich vor dreissig Jahren. Zuhause unter meinem Lieblingsfauteuil befand sich ein Telefonkabel als analoger Zugang ins Internet, im Büro konnte ich über Ethernet und ISDN-Verbindung mit der Welt kommunizieren. Als Architekt ist auch heute noch mein Laptop das Büro schlechthin, mit Zugriff auf alle Dokumente jederzeit und von überall her. Bei Kundenbesuchen gab es früher mangels Infrastruktur oft Verbindungsprobleme, diese «nomadische» Art zu arbeiten war damals noch nicht weit verbreitet. Mit dem staatlich verordneten Lockdown mussten sich viele KMU ganz schnell an neue Situationen anpassen. Gemäss einer Umfrage der Online-Plattform Xing, Uwe Foerster vom 2. Juli 2020, wollen 85 Prozent der Unternehmen Homeoffice langfristig anbieten.

«Alte» Heimwerker
Wie werden unterschiedliche Führungsstufen in einer fast – aber eben doch nur fast – hierarchiefreien Matrixstruktur adäquat räumlich abgebildet. Wie steht es um das Vertrauen in die Mitarbeitenden, wenn diese vielleicht gar nicht zuhause am Computer arbeiten. Der radikale Schritt, auch in Zukunft ganz aufs Büro zu verzichten, bleibt den kreativen Pionieren vorbehalten. Erste Erfahrungen damit teilt die Werbeagentur Contexta in einem Beitrag in TEC21 vom 25. Juni 2020. Dass solche Modelle für uns «Alte» etliche Vorteile bringen liegt auf der Hand. Ältere Menschen haben ein hohes Mass an Eigenverantwortung und Zuverlässigkeit. Sie können sich die Arbeitszeit flexibel einteilen ohne Pendlerstress, Sitzungstermine auf Randstunden oder Wochenenden zu verlegen ist mangels Familienverpflichtungen problemlos möglich.

Wir stehen zur Verfügung
«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. «Alte», Frauen und Männer, im Team auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen ihre Erfahrung mit Leidenschaft zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger

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#176 – Diskriminiert ab 65!

Weshalb werden gesunde «Alte» bevormundet?
Mit Erreichen des 65. Geburtstags, dem offiziellen Pensionierungsalter für Männer in der Schweiz, gehören wir «Alten» offiziell zu den vulnerablen Mitgliedern unserer Gesellschaft. Im Falle einer zweiten Welle von Covid-19 Infektionen will man uns per Verordnung lokal wegsperren. Wahrhaft verstörende Pläne auf Bundes- und Kantonsebene, diskutiert unter Jüngeren und notabene ohne Rücksprache mit Vertretern der älteren Generation. Wir «Alten» sollen im öffentlichen Verkehr designierte Plätze erhalten, zu vorgeschriebenen Zeiten Einkaufen gehen oder auf Wanderwegen spezielle Vorgaben einhalten. Obwohl nachweislich auch Junge an der Seuche sterben können, will man Ältere mit fadenscheinigen Argumenten möglichst an den Rand der Gesellschaft drängen. Auch wenn wir äusserst selten in Nachtklubs verkehren oder an Massendemonstrationen teilnehmen und viele von uns brav Masken tragen, will man über einen Fünftel der Schweizer Bevölkerung radikal bevormunden. Organisationen die sich angeblich mit Angeboten für alle Lebensbereiche im Alter befassen sind mit konstruktiver Kritik in der Öffentlichkeit kaum wahrnehmbar, eine (zwar Zahnlose) Ausnahme bildet Pro Senectute. Wir «Alten» haben offensichtlich keine Lobby, folgen wie Lemminge den Anweisungen von «oben».

SwissCOVID-19 Tracing-App, zum Herunterladen ab 25. Juni 2020

Das chronologische Alter von Menschen als Entscheidungsgrundlage?
Mit dem Richtwert 65 als (scheinbar) wichtige «Risikogruppe», agiert der Bund völlig willkürlich und diskriminiert damit flächendeckend ältere Menschen. Dies erweist sich womöglich als Bumerang. Schon heute verlieren viele Ältere ihre Stelle auf Grund von Wissensdefiziten oder deren angeblich «hohen» Kosten, nun stellen wir noch zusätzliche eine Gefahr für das gesamte Gesundheitswesen dar. Gegen eine pauschalisierende Bevormundung von Alten, notabene der Generation welche mitgeholfen hat unseren Wohlstand aufzubauen, müssen wir uns wehren. Das chronologische Alter von Menschen darf nicht über die Teilhabe an der Gesellschaft entscheiden. Als Folge der temporären Schliessung von Unternehmungen, darf die Erfahrung von älteren Fachkräften und das Vertrauen in deren Fähigkeiten nicht vergessen gehen.

Solidarität mit der jungen Generation
Krisenerprobte «Alte», Leute mit Empathie, einer gewissen Grosszügigkeit und Abgebrühtheit für Entscheide in Notsituationen, haben nach wie vor eine wichtige Aufgabe in der Gesellschaft. Das echte Antidot gegen Epidemien ist nicht Segregation, sondern Kooperation. Solidarität und gegenseitige Hilfe in dieser Krise sind kein Luxus, sondern ein Schlüssel zum Erfolg. Wir «Alten» stehen deshalb in der Pflicht, im Team zusammen mit den Jungen auf Augenhöhe und mit Offenheit für Neues, unseren Beitrag zu leisten. Wir müssen gewillt sein, flexibel in alternativen, mitunter auch digitalen, Strukturen mitzuwirken. Das gilt auch für die aktive Nutzung der soeben freigeschalteten SwissCovid-App auf dem Smartphone. Lesenswert scheint mir dazu das Interview mit der Bioethikerin Effy Vayena: «Wir wissen nicht, wie die Menschen auf die App reagieren. Wir müssen verhindern, dass diskriminierende Muster entstehen» NZZ vom 24. Juni 2020.

Wir stehen zur Verfügung
«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. «Alte», Frauen und Männer, im Team auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen ihre Erfahrung mit Leidenschaft zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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#175 – Kompetenz auf dem Prüfstand

Arbeitslos mit 50 Jahren?
Im Zusammenhang mit der aktuellen Krise, so wird informiert, verlieren vermehrt ältere Menschen ihre Arbeit. Ob das stimmt ist auf Grund mangelhafter Statistik schwierig abzuschätzen. Gemäss Medienberichten haben Leute ab dem fünfzigsten Lebensjahr bereits Mühe, eine neue Stelle zu finden. Angesichts der Tatsache, dass wir dann noch 25 Jahre produktives Leben vor uns haben, stehen wir in der Verantwortung unsere Kompetenzen zu hinterfragen. Die Krise hat auch strukturelle Mängel in den Unternehmen offengelegt, diese werden vermehrt zum Umdenken gezwungen und suchen unter den Bewerbungen nach Fachkräften welche die Transformation mittragen. Dabei ist das biologische Alter eines Menschen nicht wirklich ausschlaggebend. Es gibt genügend Junge, welche in antiquierten Denkmustern verharren. Der Vorteil von uns «Alten» ist unsere langjährige Erfahrung, auch mit Krisen. Selber erinnere ich mich noch an die weltweite Ölkrise der 1970er Jahre oder als junger Student den Kohlearbeiterstreik in England, mit wochenlanger Stromknappheit als Folge – behördlich verordnete Nachtruhe um 22 Uhr, Zeitfenster für das Einkaufen bei gedimmtem Kunstlicht in Warenhäusern.

Wahlkampf in Serbien, coronabedingt per Videolink: SRF Tagesschau 20. Juni 2020

Die Zukunft gehört den Generalisten
Den meisten von uns wurde gelehrt, dass tiefes Fachwissen zu mehr Glaubwürdigkeit, schnellem Aufstieg und steigenden Einkommen führen wird. Die Alternative, für vieles offen zu sein, wird normalerweise als Spielerei abgetan, die keinen Mehrwert schafft. Bei Frauen spricht man abschätzig von Karriereknick im Zusammenhang mit der Babypause. Aber die Zukunft kann auch ganz anders sein: Weitsicht und die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen (die Domäne der Generalisten), sind wahrscheinlich ebenso wichtig wie die Tiefe des Fachwissens, Prozesse zu entwickeln (die Domäne der Spezialisten). Die heutige dynamische Komplexität zwingt uns, mit mehrdeutigen und schlecht definierten Situationen souverän umzugehen, diese vorausgesetzte Flexibilität verunsichert viele. Dazu ein oft zitiertes Sprichwort: «Für einen Mann mit einem Hammer sieht alles aus wie Nägel.» Was wäre, wenn dieser Mann einen Hammer, einen Schraubenzieher, einen Inbusschlüssel oder Klebstoff hätte? Könnte nicht schon das blosse Hinzufügen dieser Hilfsmittel ein besseres Verständnis des Problems fördern? Da Generalisten über eine Reihe von Werkzeugen verfügen, auf die sie zurückgreifen können, passen sie ihre Vorgehensweise dynamisch an, wenn sich eine neue Situation entwickelt. Denken wir als Beispiel an die stets neu definierten Verhaltensregeln zur Eindämmung der Pandemie über die letzten vier Monate.

Kluge «Alte» im Einsatz
Viele zukunftsorientierte Unternehmen oder Startups suchen nach multifunktionaler Erfahrung. Wir «Alten» verfügen auch über eine gute Portion Durchhaltewillen, Beharrlichkeit, Abgebrühtheit, vernetztes Denken und Begeisterungsfähigkeit. Diese persönlichen und individuellen Fähigkeiten, welche nur beschränkt geschult werden können, kombiniert mit einem Rucksack an (Lebens-)Erfahrung sind, zusammen mit neutraler Aussensicht, unser grösstes Kapital und machen uns für den Einsatz in gemischten Teams attraktiv. Der Altersbonus verschafft auch Glaubwürdigkeit. Dabei müssen wir offen sein gegenüber dem technischen Wissensvorsprung der Jungen und ihren flachen Hierarchien. In einem sich rasant verändernden Umfeld sind kluge Generalisten wichtig für den Erfolg. Die Schlüsselkompetenz der Zukunft ist nicht eine einzige Fähigkeit. Es ist vielmehr ein Ansatz, eine Philosophie und eine Denkweise – unabhängig vom biologischen Alter eines Menschen.

Ausgewählte Textpassagen aus einem Beitrag auf CNBC von Harvard lecturer Vikram Mansharamanir: ‘No specific skill will get you ahead in the future’—but this ‘way of thinking’ will, vom 15. Juni 2020.

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