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Blog, Industrie 4.0

#269 – Generation Excel

Technologie sucht Kunde
Im heutigen Gespräch mit einem Startup in der Bau- und Softwarebranche, waren wir uns einig: Nicht das Alter der Beteiligten, sondern deren Philosophie gegenüber digitaler Information ist entscheidend. Nicht alles soll mittels Excel-Tabellen quantifiziert und «linear» verarbeitet werden. Gefragt sind neue Prozesse, welche dank Computertechnologie zu nachhaltigeren Resultaten führen. Dazu können auch wir «Alten» einiges Beitragen. «Ich bin enttäuscht….», begann der Kommentar von Matthias Knuser, CEO bei Raumgleiter AG Virtual Reality Plattform, auf dem Medienkanal LinkedIn: Die Swissbau Compact ist vorige Woche zu Ende gegangen. Es war super, die Leute wieder mal zu sehen und sich auszutauschen. Aber waren es wirklich neue Themen? Haben wir nicht dieselben Geschichten schon vor zwei Jahren erzählt? Ja, es gibt zusätzlich noch zwei dutzend Technologien mehr. Zusätzliche Technologien, die noch mehr Schnittstellen erfordern und individuelle Insellösungen bringen. Technologie sucht Kunde, oder um Mark Imhof, Geschäftsführender Partner bei «Luucy», die Plattform für Raum- und Immobilien­entwicklung, zu zitieren: «Es gibt nicht für jede Lösung ein Problem». Kommt die Branche so weiter, wenn es immer mehr Einzellösungen gibt und jeder auch noch ein Gärtchen aufmacht und bepflanzt?

Neue Prozesse sind gefragt
Knuser antwortet gleich selber: Wenn wir doch wirklich produktiver werden wollen, braucht es neue Prozesse, die gesamthaft gedacht sind. Wo wir auch mal wieder was rausnehmen als immer nur noch mehr zu addieren. Wo wir auch mal konsolidieren und weniger, dafür die richtigen Leute im Projekt haben. Brauche ich wirklich das 10. Tool im Workflow oder müssten wir mal über den Workflow an sich sprechen? Aber dürfen wir überhaupt so was ansprechen? (Wer visionäre Ideen entwickelt, muss damit leben können, nicht verstanden zu werden, sagt Mark Imhof dazu). Dürfen wir bestehende Strukturen durchbrechen, wenn damit etablierte Dienstleistungen obsolet werden? (Beispielsweise Bewilligungsverfahren oder Lobby-Organisationen). Der Widerstand ist riesig, schliesslich will ja niemand von «seinem» Kuchen was abgeben. Da halten wir doch lieber am Alten fest, es hat ja auch funktioniert. Und die Bauherrschaft zahlt es ja, das Budget war doch immer schon so… Ich würde es wirklich begrüssen, wenn wir beginnen würden, viel mehr über Prozesse zu sprechen. Technologie können wir, das haben wir bewiesen. Jetzt geht es um die Produktivitätssteigerung mittels neuen Prozessen (und nicht Prozessoptimierungen oder noch schlimmer – Prozessdigitalisierungen).

Gehirn KI: Bret Kavanaugh-unsplash, Twitter

Kein Zurückgreifen auf die «ursprüngliche» Variante
Eduard Kaeser Physiker und promovierter Philosoph, schreibt im Gastkommentar «Murks happens» in der NZZ vom 27.11.2019 warum wir immer weniger verstehen werden, was wir tun: Selten kommt das, was wir technisch anpacken, so heraus, wie wir es uns gedacht haben. Technologie, unseren Köpfen entsprungen, wächst uns über den Kopf – buchstäblich. Wir überschauen und durchschauen sie immer weniger, uns fehlt der Kompass für den Kurs ihrer Entwicklung. Immer mehr Menschen beteiligen sich dank neuen technologischen Möglichkeiten am vermeintlichen Fortschritt. Eduard Kaeser erwähnt in diesem Zusammenhang die Akkretion, ein Anlagern von immer mehr Systemkomponenten; und von verschränkter Interaktion, dem Hinzufügen von immer mehr Verknüpfungen zwischen den Komponenten. Junge müssen sich immer weniger um die Ursprünge dieser Technologien kümmern. Meist ist es auch unmöglich auf die «ursprüngliche» Variante zurückzugreifen, auseinandernehmen und von null auf zu revidieren. Das Flugzeug, das die Brüder Wright 1903 bauten, war ein Ausbund an Einfachheit, konstruiert aus einer geringen Zahl von Komponenten. Eine Boeing 747 weist etwa sechs Millionen Hardware-Komponenten auf.

Kaesers «Murks-Prinzip»
Akkretion birgt ein ernsthaftes Problem. Wir kennen es aus unserem heimischen Do-it-yourself. Wir «bessern» den morschen Dachboden mit Latten, Platten, Streben und Planen «aus», vernetzen die elektrischen Geräte mehr schlecht als recht mit einem Kabelsalat, dichten die sanitäre Anlage im Keller mit Draht, Klebeband und Zusatzrohren ab. Dabei handelt es sich um eine zusammengeflickte, behelfsmässige, temporäre, mitunter unnötig komplizierte Lösung eines technischen Defekts oder Problems, kurz, ein Murks. Das gilt natürlich auch für Software. Je komplexer, desto «murksiger» wird sie. Schliesslich ist der Code nicht mehr entschlüsselbar, geschweige denn auf Fehler zu testen. Viel eher bauen wir deshalb auf funktionierenden Murks, und versuchen, ihn schrittweise zu verbessern. Wir bekommen es immer mehr mit Zufall, Nichtvoraussagbarkeit und «Renitenz» der Systeme zu tun. Eduard Kaeser plädiert deshalb für eine demutvolle Vigilanz, in Anlehnung an den renommierten holländischen Algorithmendesigner Edsger Dijkstra, der den Begriff des «demutvollen Programmierers» prägte. Demut meint das Eingeständnis, künstliche Systeme nicht vollständig durchschauen zu können; Vigilanz meint das nicht erlahmende Bemühen, sie nach bestem Stand des Wissens zu verstehen und zu kontrollieren. Genau hier müssen wir «Alten» uns einbringen. Nicht mittels Besserwisserei, sondern demütig versuchen, in Zusammenarbeit mit den «jungen Wilden», unsere Erfahrung nutzbar zu machen. Kaeser bemerkt dazu, wie künftige Systeme wahrscheinlich nicht nur komplexer sein werden, als wir Menschen uns das jetzt denken, sondern komplexer, als wir uns das je denken können. Technik tendiert zur Transzendenz.»

Flüssige Schnittstellen zwischen Mensch und Computer
Eine weitere Herausforderung besteht in der Technologie der Hardware selbst. Die Bedienung von Computerprogrammen geschieht seit deren Anfängen über mechanische Tastaturen, Schaltungen oder druckempfindliche Oberflächen. Zwar sind Sprachbefehle wie Siri oder Alexa mit beschränkten Anwendungen im Einsatz. Wirklich weit entwickelt sind diese jedoch nicht, oft fehlen die Schnittstellen zu externen Applikationen und das Vokabular ist je nach Sprache sehr beschränkt. Beim Arbeiten mit Grafikprogrammen sind wir weiterhin auf Tastenkombinationen und Mausklicks angewiesen, was unserem «Gedankenfluss» mehr als hinderlich ist. Das Äquivalent der direkten «Hirn-zu-Hand» Umsetzung fehlt bis heute. Forscher nehmen sich diesem Problem an und versuchen mittels Erkenntnissen der Neurowissenschaften den Aufbau und die Funktionsweise von Nervensystemen in unserem Gehirn zu untersuchen. Oft gibt es darüber hinaus Kooperationen mit angrenzenden Wissenschaftsbereichen wie der Informationstechnik, der Informatik oder der Robotik. Ziel ist, flüssige Schnittstellen zwischen Mensch und Computer zu schaffen.

Fortschritte bei der künstlichen Intelligenz
Dabei gäbe es durchaus einige wirkliche Neuerungen. Marie-Astrid Langer berichtet in der NZZ vom 12. Mai 2022 aus der jährliche Entwicklerkonferenz, die Google iO, in Mountain View Kalifornien. CEO Sundar Pichai erwähnte dort «Augmented Reality», die erweiterte Realität, als das nächste Wachstumsfeld, an dem Google intensiv forsche. «Die Magie von Technologie kommt erst wirklich zum Leben, wenn man sie im realen Leben einsetzen kann», sagte Pichai bei der Präsentation einer neuen, künstlich intelligenten Brille. Nicht die an der Swissbau eingesetzten «Schnorchel- oder Skibrillen», wo man seine Orientierung in der Umgebung total verliert, sondern eine (fast) normale Brille, bei der die Informationen auf die Gläser projiziert werden. In einem kurzen Videoclip (1:46 Min.) demonstrieren eine taube Frau und eine Englisch sprechende Tochter, die so mit ihrer Mandarin sprechenden Mutter besser kommunizieren konnte, die Funktion der «Untertitel für das reale Leben».

Maschinen lernen schnell
Auch mit Blick auf Software gab es an der Konferenz einige Neuerungen. Da ging es scheinbar nicht mehr nur um proprietäre Apps, Insellösungen oder Plattformen bei denen die Maschine bestimmt wie wir arbeiten. Mittels Sprachassistenten, Erkennungssoftware oder Bewegungssensoren soll es möglich sein, unsere Kreativität intuitiv und frei von technischen Zwängen zu entfalten und den Computer dank immer grösserer Rechenleistung einfach mal Maschine sein zu lassen. Google zeigte, was dank Machine Learning und Spracherkennung heutzutage möglich ist. Künftig liefert ein Algorithmus den Nutzern von Google Docs, Google Meet, Videos und anderen Produkten eine Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte. Auch auf Youtube sollen mehr Videos automatisch in Kapitel unterteilt werden, damit Nutzer schneller die für sie relevanten Inhalte finden. Denn aus Erfahrung wissen wir, wie viel Zeit wir mit lästigem Suchen nach Informationen verbringen.

«kompetenz60plus.ch»
Mit unserer Erfahrung aus der analogen, zusammen mit Erkenntnissen aus der digitalen Welt, sind wir «Alten» gerne bereit, diese mit KMU’s oder im Team mit jungen Forschenden und Wissenschaftern auf Augenhöhe zu teilen. Suchen Sie einen Mentor, eine Mentorin oder Coach, «kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

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#268 – «Alte» und das Metaversum

Die Parallelwelt des Metaverse
Für uns «Alte» ist die reale Welt über alle Zweifel erhaben. Wir sind im «physischen» Universum aufgewachsen, darüber hinaus gab es höchstens «übernatürliche», religiöse Aspekte oder Träume. In meiner Arbeit als Architekt galten immer die physikalischen Zwänge, Gebäude sind nicht schwerelos, Materialien sind «Be-Greifbar». Wenn aber die ersten Bauten, die man mit viel Herzblut verwirklichen konnte, plötzlich abgebrochen werden um neuen Ideen Platz zu machen, stimmt das nachdenklich. Die reale Welt ist vergänglicher als man glaubte, mit der Folge einer scheinbar grenzenlosen Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Nun erschliessen sich mit der Digitalisierung, zumindest in der Forschung, plötzlich neue Möglichkeiten einer virtuellen «Parallelwelt», das «Metaverse». Ein Metaversum ist ein konsistenter und persistenter digitaler Raum, der durch die Konvergenz von virtueller, erweiterter und physischer Realität entsteht. Auch wenn die Begrifflichkeiten, was genau diesem virtuellen Raum zuzuschreiben sei, noch unklar sind, müssen wir uns damit befassen. Vor 25 Jahren glaubte nämlich der Primarlehrer meines Sohnes auch nicht an den Erfolg des Internets.

2020 OPUS, Hotel ME Dubai und Bürokomplex, Zaha Hadid Architects, Burj – Khalifa, Dubai UAE

«Alte» als Gralshüter
Die Digitalisierung ermöglicht eine nahezu sofortige, kostenneutrale oder kostenlose und einwandfreie Möglichkeit, Menschen, Maschinen, Geräte, virtuelle und physische Objekte weltweit miteinander zu verbinden. Die damit einhergehende «Entbündelung» schafft oft mehr Wert für die Kund:innen als für die Unternehmen, indem diese nur das bestellen und kaufen, was sie wirklich brauchen. Es hat 95’000 Jahre gedauert von der Sprache (1.0) zur Schrift (2.0), 4500 Jahre von der Schrift zum Buchdruck (3.0) und noch knapp 500 Jahre vom Buchdruck zur Digitalisierung (4.0). Uns «Alten» kommt dank unserer Erfahrung die Aufgabe der Gralshüter des Realen im Virtuellen zu.

Paradigmenwechsel in der nächsten Dekade
«Zukunft Bauen», die Verlagsbeilage der NZZ am Sonntag vom 1. Mai 2022, realisiert durch NZZ Content Creation im Auftrag von Brand Relations war dem Thema Metaverse gewidmet. In einem guten Dutzend Beiträgen äusserten sich Expert:innen aus der Software-, Bau- und Immobilienbranche zu digitalen Anwendungen und Veränderungen am Markt. Das Gebiet ist vor allem für unzählige Startups interessant. Zu reden geben aktuell die virtuellen Welten, ein millionenschweres Ökosystem von NFT (Non-Fungible Token), in denen neben Kunstwerken auch Grundstücke und Immobilien erworben und gehandelt werden. Ohne Makler, Banken oder Versicherungen im herkömmlichen Sinne, bezahlt wird digital in Cryptowährungen. Gemäss Martha Böckenfeld, Thought Leader Mertaverse und Advisory Board Member bei GenTwo, werden Metaverse-Immobilien die reale mit der virtuellen Welt vereinen und wie die damalige Einführung des Internets, in der nächsten Dekade einen Paradigmenwechsel bewirken.

Noch zählt die Schwerkraft
Andrea Leu, Co-Geschäftsführerin von Bauen digital Schweiz / buildingSMART Switzerland, sieht im Metaverse vor allem parallelen zur durchgängigen und umfassenden Digitalisierung der Bau- und Immobilienwirtschaft, von der die Branche noch ziemlich weit entfernt ist. Smarte Gebäude sind vernetzte Gebäude welche sie mit dem Nervensystem eines Menschen vergleicht, mit Sensoren, Netzwerken und Hirn. Informationen werden genau wie beim Menschen erfasst, übermittelt, ausgewertet und lösen automatisch Aktionen aus. Die Vorteile von smarten Gebäuden sind zusätzlicher Komfort, bessere Energieeffizienz und nachhaltige Bewirtschaftung. Dazu ist aber die konsequente Kooperation aller Akteur:innen entlang der gesamten Wertschöpfungskette notwendig. Dies bedingt Kulturveränderungen und neue Rollenverständnisse, denn nur gemeinsam werden wir smart.

2017, Leeza SOHO-Towers, Peking, China, Blick ins weltgrösste Atrium, Zaha Hadid (1950 – 2016).

Virtuelle Realität dank digitalen Zwillingen
Für Leslie Schibler, Leiterin Neubau und Mitglied Management-Team bei Walde Immobilien, stehen die Bedürfnisse der Kund:innen im Zentrum. Mit der VR-Brille (Virtuelle Realität) sollen potenzielle Käufer:innen im digitalen Zwilling ihr zuhause bereits während der Planung erleben können. Mit Hilfe von Materialkonfiguratoren bestimmen die Kund:innen Oberflächen und Ausbauten, die nahtlos ins BIM-Modell (Building Information Modeling) zurückgespielt werden. Neben den Vorteilen für die spätere Bewirtschaftung sind die Daten als zukünftige Referenz im Metaverse gespeichert.

Weg von analogen Strukturen dank sicherem Metaverse
Stephanie Züllig sieht im Metaverse mehr als nur einen kurzfristigen Hype. Sie ist Vizepräsidentin des Verwaltungsrats von pom+Consulting – Prozesse sinnvoll digitalisieren, Daten intelligent verknüpfen – und neue Technologien gewinnbringend einsetzen. Züllig glaubt, trotz vieler offenen Fragen, mittelfristig an eine Ablösung analoger Bürostrukturen. Noch gibt es kein vollumfängliches Protokoll, das die virtuellen Welten sicher miteinander verbindet, oder Standards für die digitalen Besitzrechte. Sie stellt fest: Wir stehen zunehmend vor Herausforderungen die wir noch nicht einmal kennen und so bleibt der Wunsch nach einem sicheren Metaverse.

Entstehung eines riesigen Uni- oder Omiversums
Traditionelle Immobilien- und Finanzdienstleister schliessen sich zusammen, um die einzelnen Puzzleteile nahtlos zusammenzufügen und Synergien zu nützen. Das Ziel dieser Gruppierungen ist eine erhöhte Transparenz und Abdeckung der gesamten Wertschöpfungskette als Dienst an den Kund:innen. Als das «nächste grosse Ding» beschreibt Daniel Rutishauser, Partner bei Inacta AG in Zug, das Metaverse, die Verschmelzung von physischer und digitaler Welt in der Bau- und Immobilienbranche als Chance. Dank BIM, also die vernetzte Planung, würde die Branche nicht gänzlich bei Null anfangen. Er sieht den Vorteil des Metaversums in seiner Dezentralität, in dem einzelne Plattformen zu einem riesigen Uni- oder Omniversum zusammenschmelzen, das theoretisch weltweit und von jedem und jeder zugänglich ist. (Stichwort Wikipedia).

2012, The Heydar Aliyev Center in Baku, Azerbaijan. Zaha Hadid (1950 – 2016), Irakische Architektin

Interdisziplinarität und Innovation
Auch die ganz grossen Player im schweizer Immobilienmarkt merken, dass Teamwork und Eco-Systeme uns Wege in die Zukunft weisen. Innovation, Transformation und Kollaboration sind die Schlüsselbegriffe, ausgelöst durch die Digitalisierung. Neben Fachkompetenz werden auch die weichen Faktoren, wie Sozialkompetenz, also ob jemand ins Team passt, bei der Stellenbesetzung berücksichtigt. Gemeinsame Werte wie Kommunikation auf Augenhöhe, gemeinsame Grundphilosophie, gegenseitiges Vertrauen oder Mut zur Veränderung sind wichtig. Denn die neue Generation Berufsleute sind keine Befehlsempfänger:innen, sie wollen involviert sein bei Entscheiden. Dazu gehören auch Interdisziplinarität und Innovation im Team.

Das «Augmented Metaverse» (erweitertes Metaversum), wie Google Earth
Nilson Kufus, CEO des Zürcher Startups Nomoko arbeitet an einer Datenbank vergleichbar mit Google Earth, aber mit viel mehr (Detail-)Informationen und Möglichkeiten. Als Beispiel nennt er steigende Materialpreise und Lieferschwierigkeiten, Probleme welche die automatisierte Plattform der Zukunft lösen muss. Dazu steht eine Vielzahl an Partnern mit Alternativen bereit. Das System soll selbstständig umfassende Analysen machen. Seine 2015 gegründete Plattform Praedia hat zum Ziel, die Schweiz (und die ganze Welt?) als digitalen Zwilling zu erfassen. Dies als Hilfe für Architekt:innen, Ingenieur:innen, Designer:innen und Investoren beim nachhaltigen Planen und Bauen. Er spricht dabei von einem «Augmented Metaverse», des erweiterten Universums, Interaktion der physischen mit der digitalen Welt.

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#267 – Herausforderung der Alphatiere

Wie wünschenswert ist eine Nachfolge
Immer wieder taucht in Beraterkreisen das Thema «Nachfolgeregelung» in KMU auf. Dabei geht es um rechtliche und finanzielle Fragen, wie ein Betrieb nach dem Ausscheiden der «Patrons» weitergeführt oder abgewickelt werden soll. Ein solcher Prozess kann einige Jahre dauern und ist oft begleitet von Streitereien und allseits übertriebenen Erwartungen. Die dafür eingesetzte Energie fehlt folglich im Unternehmen, der Fokus verschiebt sich vom Aufbau zur Besitzstandswahrung. Anstelle von Innovation tritt die Verteidigung des Status Quo. Die Frage sei deshalb erlaubt, muss ein KMU um jeden Preis weitergeführt werden? Ist der Betrieb interessant genug, sollte sich automatisch eine für alle Parteien befriedigende Lösung anbieten. Niemand will auf eine erfolgreiche Zukunft verzichten.

Roland Schneider (83), Fotograf, ca. 1969 HTL Brugg-Windisch, Ausstellung «Industrielandschaft», Sammlung des Historischen Museums Olten

Das Pensionsalter als statistischer Massstab
«Über 93’000 KMU suchen einen Nachfolger» titelte KMU_today online ihren Newsletter vom 7. April 2022. Bei einem Total der 614’247 von Dun & Bradstreet analysierten Firmen in der Schweiz, haben per April 2022 insgesamt 93’009 KMU (15,1 Prozent) während der nächsten fünf Jahre ein Nachfolgeproblem. Für die Erhebung durchforschte der Wirtschaftsinformationsdienst die firmeneigene Unternehmens– und Personen–Datenbank auf das Alter der eingetragenen Inhaber im Falle der Einzelunternehmen respektive der Gesellschafter (Gesellschaften) oder Verwaltungsräte (Aktiengesellschaften). Gemäss der Definition in der Studie hat ein Unternehmen eine potenziell offene Nachfolgeregelung, wenn die eingetragenen Personen 60 oder mehr Jahre alt sind.

Grösstes Nachfolgeproblem im Druck- und Verlagsgewerbe
Besonders betroffen sind gemäss Dun & Bradstreet dabei die Kleinst- und Kleinunternehmen mit 1 bis 49 Mitarbeitenden. Bei den mittelgrossen Betrieben mit 50 bis 249 Mitarbeitenden stehen nur 7,9 Prozent vor einer offenen Nachfolge. Das grösste Nachfolgeproblem besteht im Druck- und Verlagsgewerbe (23,2 Prozent), bei den Architekturbüros (18,9 Prozent) sowie in der Unternehmens- und Steuerberatung und den Reparaturdiensten (beide 18,4 Prozent). Mit dem Ausscheiden der Babyboomer-Generation in den kommenden Jahren, werden für eine erfolgreiche Weiterführung von Betrieben zunehmend Metakompetenzen wie logisches Denken, Neugier, Aufgeschlossenheit, Zusammenarbeit, Führung, Kreativität und Systemdenken wichtig. Kleine und mittlere Unternehmen benötigen vielfach grössere Investitionen, zum Aufbau einer digital fähigen Organisation. Bei der Gruppe von jungen Entrepreneuren, die für eine Nachfolgelösung in Betracht kommt, fehlen dazu oft die notwendigen finanziellen Ressourcen. Auch ist der Wille, sich mit veralteten Prozessen und Strukturen herumzuschlagen, ohne Erfolgsgarantie, an einem kleinen Ort.

Roland Schneider (83), Fotograf, Solothurn – Verein für künstlerische und dokumentalistische fotografie am Jurasüdfuss

Aussterbendes Gewerbe, aussterbendes Netzwerk
Der Stolz vieler KMU ist Tradition. Der nostalgische Blick zurück auf die lange Entstehungsgeschichte, die Gründerfamilie. Darunter gibt es Betriebe, die sich wenig entwickelt haben, deren Netzwerk zusammen mit den «Patrons» ebenfalls älter wird und schlussendlich wegstirbt. Ist das Unternehmen weiterhin erfolgreich, sollte sich die Nachfolgelösung problemslos anbieten. Unter den gefährdeten Firmen finden wir viele, die sich bis heute den «neuen» Technologien verweigern oder die für Routine- und Verwaltungsaufgaben möglicherweise nicht mehr benötigt werden. «Unsere Wirtschaft und Gesellschaft erlebt zurzeit den grössten Umbruch dieser Generation», sagte CEO Satya Nadella von Microsoft; Arbeitnehmende weltweit hinterfragen zunehmend wie, wo, und warum sie arbeiteten. Doch menschliche Kernfähigkeiten – wie Empathie, Vorstellungskraft, Kreativität und emotionale Intelligenz, die nicht durch Technologie repliziert werden können – bleiben weiterhin wertvoll. Wir «Alten» können dabei beispielsweise als Mentoren in Teams mit jüngeren Menschen unsere Erfahrung einbringen.

Aufregende Zukunft
Elon Reeve Musk (51) ist dieser Tage in den News, mit seinem Kauf des Kurznachrichtendienstes Twitter für 44 Milliarden Dollar. Der gebürtige Südafrikaner ist ein global wirkender Unternehmer mit südafrikanischer, kanadischer und US-amerikanischer Staatsbürgerschaft. Am bekanntesten als Mitinhaber, technischer Leiter und teils auch Mitgründer des Bezahldienstes PayPal sowie als Leiter des Raumfahrtunternehmens SpaceX und des Elektroautoherstellers Tesla. Er ist mit einem Gesamtvermögen von über 200 Milliarden US-Dollar einer der reichsten Menschen der Welt. Er ist aber auch weiterhin sehr neugierig und glaubt an eine aufregende Zukunft, die er aktiv mitgestalten will. In einem kürzlichen Interview mit dem Leiter der Plattform TED, Chris Anderson, spricht er über seine (Lebens-) Philosophie (TED 1:06:28). In manchen KMU fehlt jedoch eine Kultur des lebenslangen Lernens im Geschäftsmodell. Solches Lernen muss in einer Vielzahl von Formaten bereitgestellt werden, integriert in die tägliche Routine, um eine flinke und agile Belegschaft zu gewährleisten. Dies muss auch im Rekrutierungsprozess zum tragen kommen, denn junge Arbeitnehmende suchen nach Positionen, in denen ihre vorhandenen Fähigkeiten erfolgreich angewendet werden können, je nachdem, wo ihre eigenen Interessen mit den Anforderungen des Marktes übereinstimmen. Wir «Alten» stellen dazu gerne unsere Lebenserfahrung in Form einer unvoreingenommene Aussensicht zur Verfügung.

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Mit unserer Erfahrung aus der analogen, zusammen mit Erkenntnissen aus der digitalen Welt, sind wir «Alten» gerne bereit, diese mit KMU’s oder im Team mit jungen Forschenden und Wissenschaftern auf Augenhöhe zu teilen. Suchen Sie einen Mentor, eine Mentorin oder Coach, «kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

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