Fit für das KI-Zeitlalter
Im Beitrag von Christin Severin, Florian Seliger, Anja Lemcke in der NZZ vom 29. Mai 2026, mit dem Titel: «Dichtestress? Warum das am Arbeitsmarkt ein Trugschluss ist.», machen sich die Autoren Gedanken zum Arbeitsmarkt vor dem Hintergrund der Abstimmung zur 10-Millionen Schweiz. Dabei stellen sie fest: Mit der Zuwanderung sind mehr und bessere Jobs entstanden. Doch wer heute eine Stelle sucht, braucht Durchhaltevermögen. Weil die Konjunktur lahmt, zögern viele Unternehmen mit Neueinstellungen. Man fragt, warum die freien Stellen nicht einfach mit inländischen Bewerbern besetzt werden. Dabei wäre es wichtig, dass auch Gruppen zum Zuge kommen, die bei Arbeitgebenden traditionell nicht die erste Wahl sind, wie «Alte» Arbeitnehmende oder wieder einsteigende Mütter. Permanente Weiterbildung würde dieses Dilemma entschärfen, doch sind wir auch bereit uns weiterzubilden oder zu verändern, solange es uns noch gut geht? Eine vermutlich noch unterschätzte Herausforderung besteht darin, die Menschen fit zu machen für das KI-Zeitalter. Wir erfahrenen «Alten» müssen versuchen die Technologie zu verstehen, auch wenn wir nicht mit dem Wissen der «jungen Wilden» mithalten können, denn KI verändert die Arbeit in hohem Tempo. Berufsbilder, die heute noch gefragt sind, könnten in einigen Jahren ganz anders aussehen – oder gänzlich verschwinden.
Die Suche nach perfekten Kandidat:innen
In einigen Berufsfeldern ist der Ausländeranteil inzwischen sehr hoch: Bei Montage- und Hilfskräften beträgt er etwa 53 Prozent, in der Gastronomie 48 Prozent, weil die Löhne tief sind. Neben den Zuwanderern am unteren Ende der Lohnskala rekrutieren die Unternehmen viele hochqualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland. Die geburtenstarken Babyboomer-Jahrgänge gehen in Pension, gleichzeitig rücken weniger junge Erwerbstätige nach. Hat die inländische Bevölkerung nicht das zu bieten, was die Unternehmen brauchen, entsteht eine Diskrepanz. Die Menschen passen dann nicht mehr zu den freien Stellen. Will die Schweiz wirtschaftlich erfolgreich bleiben, sollte dieses Missverhältnis so klein wie möglich gehalten werden. In vielen Branchen kann die Schweiz deshalb froh sein, wenn sie fixfertig ausgebildete Menschen anzieht, deren Ausbildung erst noch vom Ausland bezahlt wurde. Der Arbeitsmarkt ist kein geschlossenes System, in dem ein zusätzlicher Arbeitnehmer automatisch einem anderen den Platz wegnimmt. Zuwanderung verändert die Struktur der Wirtschaft: Unternehmen wachsen schneller, investieren mehr und schaffen eine zusätzliche Nachfrage nach Arbeitskräften. Die Suche nach dem perfekten Match hat aber auch eine positive Seite. Wer ideale Mitarbeitende einstellt, erhöht seine Innovationskraft und seine Wettbewerbsfähigkeit. Finden Firmen jedoch dauerhaft nicht die gewünschten Fachkräfte, verlagern sie Tätigkeiten ins Ausland und investieren anderswo.

Die Roboter kommen
Gioia da Silva, Redakorin Technologie und Wissenschaft, beschreibt in ihrem Beitrag in der NZZ am Sonntag vom 17. Mai 2026, wie die künstliche Intelligenz zwei der drängendsten Probleme in der Robotik gelöst hat. Aber der Weg zum Allzweckroboter ist noch weit. Was geschieht mit den Menschen, wenn autonome Maschinen immer mehr Arbeiten übernehmen? Unternehmen investieren Unsummen in der Hoffnung, eine Maschine zu entwickeln, die in Restaurants Tische abwischt, in Privatwohnungen die Wäsche zusammenfaltet, in Altersheimen gebrechliche Menschen beim Gang zur Toilette stützt. Auslöser für die Goldgräberstimmung in der Branche ist die künstliche Intelligenz KI. Während ursprünglich Robotik ein reines Programmierproblem war, bei dem ein Mensch jede Bewegung einer Maschine mit Tausenden Zeilen Code vorspurte, setzt sich seit den späten 2010-er Jahren eine Methode des maschinellen Lernens durch: das Reinforcement-Learning. Roland Siegwart (67), Robotikprofessor an der ETH Zürich, erklärt: «Bei dieser Art des Lernens entdeckt der Roboter nach und nach seine eigenen Fähigkeiten.» Anhand eines digitalen Zwillings «lernt» die Maschine in einer virtuellen Welt. Im Anschluss wird das Wissen auf den echten Roboter überspielt, der sich damit bewegt. Mit dieser Methodik gelang es der Schweizer Firma Anybotics, einen vierbeinigen Roboterhund zu programmieren, der autonom über Ölplattformen und durch Elektrizitätswerke patrouillieren kann.
KI bringt den Robotern Weltwissen bei
KI löst auch noch ein zweites drängendes Problem der Robotik: «Chatbots wie ChatGPT oder Gemini können Robotern Wissen über die Welt erschliessen», sagt Siegwart. Die Modelle haben aus Texten gelernt, dass Wasser elektronische Geräte zerstört, dass man Glas nicht quetschen kann, dass ein angebissener Apfel in den Müll gehört, eine teure Uhr aber nicht. KI-Chatbots machen also dumme Maschinen zu intelligenten Systemen. Manche Brancheninsider sprechen daher nicht mehr von Robotern, sondern von «embodied AI», verkörperter KI. Und trotz der Fortschritte sind wir noch weit entfernt von der Umsetzung vieler guten Ideen. Gemäss Siegwart sind eine der grössten Schwachstellen von heutigen Robotern die Hände. Sie sind noch zu ungeschickt, um zuverlässig ein Smartphone und ein Dokument von einem Schreibtisch wegzuräumen. Den meisten Robotern fehlen noch Sensoren, um zu merken, dass das Objekt in ihrer Hand rutscht. Sie können die Kraft nicht intuitiv ausgleichen, um beispielsweise ein einzelnes Blatt Papier auf einem Tisch zu beseitigen. Um einen Roboter universal einsetzbar zu machen, muss eine Hand her, die gleichzeitig geschickt, feinfühlig und stark ist, weiss Siegwart.
Das Ende des Fachkräftemangels?
Die meisten Robotikexperten sind überzeugt: Eines Tages wird es Maschinen geben, die viele Aufgaben effizienter erledigen können als wir Menschen. Erst werden immer mehr Anwendungen in strukturierten Umgebungen wie Produktionshallen und Lagerhäusern automatisiert. Danach werden die Roboter die Fabriken verlassen und in Supermärkten, auf Baustellen, in Krankenhäusern aushelfen. Optimisten wie Marco Hutter (41), der das Robotikzentrum der ETH Zürich leitet, sehen darin die Lösung für Probleme wie den zunehmenden Mangel an Arbeitskräften. Pessimisten wie Dirk Helbing (61), ETH-Professor für computergestützte Sozialwissenschaften, warnen derweil vor der Massenarbeitslosigkeit. Wem man glaubt, hängt von der eigenen Perspektive auf technologischen Fortschritt ab. Klar ist jedoch, dass die Entwicklung nicht aufzuhalten ist. Wie die Zukunft aussieht, in der Menschen Seite an Seite mit Robotern leben und arbeiten könnten, wird somit immer weniger eine Frage der technischen Machbarkeit. Vielmehr wird es darum gehen, wie wir den Wandel gestalten. Für uns erfahrene, neugierige und kreative «Alten» ergeben sich dabei unendliche Chancen der Teilhabe.
Agenten sollen uns beim Handeln helfen
KI, die für uns autonom einkauft, E-Mails beantwortet und Ferien bucht: An seiner Entwicklerkonferenz sprach Google CEO Sundar Pichai( 53) von einer Ära des Hyperfortschritts, wie das Unternehmen KI-Agenten nun auf den Massenmarkt bringen will. Marie-Astrid Langer schrieb für die NZZ vom 20. Mai 2026 über den Anlass in Silicon Valley. Eine neue Funktion namens Spark soll die Internetsuche personalisieren. KI-Agenten sind autonom handelnde Systeme, die planen, entscheiden und aktiv werden, um ein Ziel zu erreichen – ganz ohne menschliche Zwischenschritte. Seit mehreren Monaten sind sie die Avantgarde in der KI-Revolution. Agenten arbeiten rund um die Uhr im Hintergrund und informiert die Nutzer, sobald ein Auftrag abgeschlossen ist. «Sie können den Laptop in der Zwischenzeit zumachen», sagte Pichai. KI-Agenten werden künftig das Einkaufen im Supermarkt verändern. Sie können aber auch sehr komplexe Programmieraufträge erfüllen, nämlich mit der neu geschaffenen Plattform Antigravity: Programmierer können dort komplexe Software in Auftrag geben und lassen sich nicht mehr wie bisher nur einzelne Zeilen von Code generieren. Eine Schlüsselrolle in dieser neuen Ära spielt ein neues KI-Modell namens Gemini 3.5 Flash, das der Konzern in den kommenden Tagen lancieren wird.
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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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