Blog, KI-ÖKONOMIE 1.0

#481 – Kompetente «Alte»: KI Kostenwahrheit

Ich treffe immer noch Leute, deren Kenntnisse in LLM so veraltet sind, dass man bei Gesprächen über ChatGPT den Eindruck hat, sie äussern sich über den Stand von vor zwei oder drei Jahren. Sie kennen die aktuellen Funktionen nicht. Sie wissen nicht einmal, dass man sein E-Mail-Konto verknüpfen und damit interagieren kann.
Reddit, 21. August 2026

Return on KI: Die wahren Kosten künstlicher Intelligenz
Im Newsletter der Bosten Consulting Group BCG, vom 1. Juli 2026 beleuchten die Autoren Nicolas De Bellefonds, Abhinav Gupta, Steven Kok, Matthew Kropp, Vladimir Lukic, Clark O’Niell, Rohan Panjwani und Vikram Srikumar die Kosten von KI-Token und wie Unternehmen diese handhaben können. Mit dem Übergang von der Pilotphase zur Massenproduktion von KI benötigen die Kosten für künstliche Intelligenz eine neue Messgrösse. Die führenden Unternehmen werden nicht diejenigen mit den niedrigsten oder höchsten KI-Kosten sein, sondern diejenigen, die den höchsten Return on KI, RoKI erzielen. Die rasant steigenden Kosten für KI haben Tokens – die grundlegenden Dateneinheiten, die KI-Modelle verwenden und nach denen KI-Anbieter abrechnen – in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Führungskräften und Verwaltungsräten gerückt. Ein Token ist die kleinste Texteinheit, die ein Sprachmodell liest und generiert. Es ist weder ein einzelnes Wort noch ein einzelnes Zeichen – es liegt irgendwo dazwischen. Als Faustregel gilt für englischen Text (Englisch ist viel günstiger als beispielsweise Deutsch): 1 Token entspricht ungefähr 4 Zeichen oder etwa ¾ eines Wortes. 100 Tokens entsprechen also ungefähr 75 Wörtern. CEOs benötigen eine Möglichkeit, die gekaufte Intelligenz, Kosten von KI und Nutzen, den Mensch und KI gemeinsam generieren, genau zu verstehen. Entscheidend ist ein intelligenter Umgang mit Ressourcen, damit sich Arbeitsabläufe im Laufe der Zeit organisch verbessern, da KI immer besser, schneller und kostengünstiger wird. Der Beitrag von erfahrenen und kompetenten «Alten» liegt im Erkennen der Wiederverwendbarkeit von Kontextinformationen wie Systemaufforderungen, Richtlinien, Wissensdatenbanken und Standards, welche zwischengespeichert und auf grossen Plattformen wie Anthropic, Google Gemini und OpenAI kostengünstig abgerufen werden können. Die Minimierung der Token-Kosten mittels Wiederholung (copy paste) durch erfahrene «Alte» die zu prüfen in der Lage sind, welches Wissen, welche Richtlinien und Geschäftsprozesse wiederverwendet werden können, ohne jedes Mal neu dafür zu bezahlen ist entscheidend. Token-Maximierung zur «richtigen Nutzung» steigert die KI-Kompetenz im gesamten Unternehmen. Entscheidend ist ob das Unternehmen nachweisen kann, dass die gekaufte Intelligenz mehr wert ist als sie kostet.

Die ernste Beziehung zwischen Kunst und Technologie: Nam-June-Paik (1932-2006), Südkoreanischer Künstler und Begründer der Videokunst – 1995 «Electronic Superhighway: Continental U.S., Alaska, Hawaii». Bild: Lincoln Gallery des Smithsonian American Art Museum.

Künstliche Intelligenz KI lebt von der Sprache
Gemäss einem Bericht in der NZZ vom 7. August 2026, verlieren die Geisteswissenschaften an Terrain. Studierende wenden sich von Fächern wie Geschichte, Philosophie oder Sprachwissenschaften ab und die Gewinner sind die Mint-Fächer, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, die seit Jahren von Bund und Kantonen gefördert werden. Diese Entwicklung ist gefährlich, denn künstliche Intelligenz KI – grosse Sprachmodelle, Large Language Models LLM – basiert auf «Sprache». Geschichte, Philosophie, Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften arbeiten konsequent mit der Sprache, nur sie üben sich in Quellenkritik, Interpretation und Hermeneutik (Verstehen). «Die Skills der Geisteswissenschaften sind unerlässlich in einer Welt, die sich gerade disruptiv auf die generative KI ausrichtet.» meint die Historikerin Lea Haller (49), Generalsekretärin der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozial­wissenschaften SAGW. Haller nennt «Kulturtechniken» wie das Entwickeln neuer Ideen und das Out-of-the-box-Denken, das Bewerten und Auswählen als essenziell. «KI ist in vielem grossartig, aber sie ist nicht effizient, wenn wir sie nicht einhegen, und sie ist affirmativ und rückwärtsgewandt», sagt Haller. «Das kritische Denken und das Formulieren guter Fragen (Prompting) werden immer wichtiger. Nur so kann man KI intelligent nutzen.» Genau diese Fähigkeiten lerne man in einem geisteswissenschaftlichen Studium. Für die Studienwahl entscheidend sind Kompetenzen die man während der obligatorischen Schulzeit und in der Mittelschule erwirbt. Doch da sehe es düster aus: «Wir wissen, dass die Schülerinnen und Schüler im Lesen, Zuhören und Schreiben sukzessive schlechter geworden sind. Wer diese Fähigkeiten nicht beherrscht, wird kein geisteswissenschaftliches Fach studieren.» Nötig für eine Renaissance der Geisteswissenschaften wären also entsprechende Investitionen in die Volksschule und der verstärkte Fokus auf den Umgang mit Texten. Sie wären in historisch und sprachlich orientierten Fächern bestens aufgehoben. Doch gerade diese geraten immer stärker unter Druck.

Das Ende der Schreibromantik
«KI sind Optimierungsmaschinen. Gibt man ihnen eine Aufgabe, setzen sie alles daran, diese zu lösen. Das ist ihnen einprogrammiert.» schreibt die Journalistin Ruth Fultener (34). Bots (vom Englischen Robot) wie Gemini, ChatGPT und Co. vernichten den Journalismus nicht. Im Gegenteil. Sie befreien uns endlich vom todlangweiligen Durchschnitt. In seinem Kommentar schreibt Barnaby Skinner (51), stellvertretender Chefredaktor, in der NZZ vom 6. August 2026 unter dem Titel: «Die KI bedeutet das Ende der Schreibromantik. Das ist gut so» über den moralisierenden Unterton in der Debatte über künstliche Intelligenz KI mit Journalist:innen. Wer die Maschine nutze, hintergehe nicht nur die Leserschaft, sondern verkaufe auch die Seele einer ganzen Branche an den Algorithmus. Skinner unterscheidet in seinem Beitrag zwischen zwei Typen, den Plagiatsjägern und den Künstlern und Schönschreibern. Das Problem beim Auslagern des Denkens an ein Large Language Model LLM ist eigentlich nicht moralischer, sondern wirtschaftlicher Natur. Journalistinnen und Journalisten können es sich gar nicht leisten, ihre Kreativarbeit komplett an die Maschine auszulagern, weil dabei schlicht und einfach nichts Neues entsteht. Und im heutigen Journalismus hat nur das Neue, das Originäre, das Originelle einen Wert. Deshalb sind fundierte Haltung, Einordnung und Verifikation so gefragt wie nie zuvor. Genau deshalb ist KI kein publizistischer Weltuntergang, sondern schlicht ein Strukturproblem, das Journalist:innen, Redaktionen und Verlage lösen müssen. Die spannendste Frage an die KI-Skeptiker ist deshalb: Was ist eigentlich verwerflich daran, wenn sich Journalist:innen vertieft mit einer KI auseinandersetzen, um ihre eigene Haltung zu einem Thema, ihrer Recherche oder den Rahmen des anstehenden Interviews zu schärfen? Überhaupt nichts. Die Inhalte werden dadurch schlichtweg besser. Das ist kein Auslagern des Denkens; die KI übernimmt vielmehr die Rolle eines aussergewöhnlich belesenen und geduldigen Sparringspartners. Die KI schreibt den Text nicht; sie zwingt Journalist:innen, ihre Text unersetzbar zu machen. KI-Modelle sind keine neutralen Geister im Netz. Wie der St. Galler Informatikprofessor Damian Borth (45) kürzlich treffend anmerkte, sind sie kulturelle Artefakte, trainiert anhand der Daten und mit den Texten unserer Zeit, versehen mit den Gewichtungen und Sicherheitsregeln ihrer Macher. Sie haben kein eigenes Erkenntnisinteresse. Den Rahmen und den Ausgangspunkt muss der Mensch setzen. Er muss die Maschine lenken, mit ihr interagieren. Kompetente und aufgeschlossene «Alte» fungieren dabei als Mentoren oder Sparringspartner.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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#473 – KI und die Erinnerung von uns «Alten»

«Tragbare» KI
Die Diskussionen rund um künstliche Intelligenz KI und ihren Einfluss auf die Zukunft unserer Arbeit, fokussieren meiner Meinung nach auf zuviele Nebenschauplätze: Persönlichkeitsschutz, rechtliche Regulierungen, Zugriffsbeschränkungen, Gebühren oder den Einsatz im Schulbetrieb. Bei aller Relevanz solcher Überlegungen, stehen wir erst am Anfang einer technologischen Revolution, ohne genau zu wissen wohin die Reise gehen wird. Es werden Hemmnisse aufgebaut und Entwicklungen mitten in ihrer Entstehung gebremst. Natürlich liest es sich schön, wenn der Wirtschaftsjournalist Markus Städeli (52), in der NZZ vom 19. Mai.2026 verkündet, wie die Lausanner Firma «Giotto.ai», die mit der Schweizer Armee zusammenarbeitet, ihr ganz auf Effizienz getrimmtes KI-Modell lanciert. Es biete «Fähigkeiten auf Silicon-Valley-Niveau», versprechen seine Macher mit Nachdruck auf das kalifornische Tal, immernoch Massstab aller Modelle. Gerne wird übersehen, wie das Rennen um die grossen Sprachmodelle in den USA und China entschieden wird. Europa hat es gar nicht erst aus den Startblöcken geschafft. Trotzdem brauchen sich europäische Firmen oder Behörden gemäss dem Lausanner Unternehmen Giotto.ai nicht in eine Abhängigkeit von amerikanischer oder chinesischer Technologie zu begeben. Das Spezielle daran: Es ist derart auf Effizienz getrimmt, dass es mit einem Bruchteil der Rechenleistung anderer Modelle auskommt und als tragbare Version fürs Büro als eine Art Workstation für 20-30 Mitarbeitende angeboten wird. Mittelfristig will das Unternehmen, das 2017 von einer Gruppe Mathematikern gegründet wurde, die sich von der ETH Lausanne her kennen, laut dem CEO Aldo Podestà (-40) ein eigenes Datencenter mit 5000 bis 10 000 Halbleitern – eine «KI-Fabrik» bauen.

Einzigartiger Ansatz oder Wunschdenken
Giotto.ai verfolgt dabei einen Ansatz, der sich scheinbar von jenem der grossen KI-Anbieter unterscheidet. Diese versuchen alle Informationen der Welt in den Parametern ihrer Modelle zu speichern. Giotto dagegen löst sozusagen das Gedächtnis aus dem Sprachmodell heraus, so dass es mit bloss 50 Gigabyte Daten auskommt – anstatt mehrere Terabyte zu beanspruchen. Das KI-System von Giotto.ai wisse nicht alles, suche sich die notwendigen Informationen aber einfach zusammen, wohl aus dem Internet wie die anderen Modelle. Viele der Unternehmen, die sich für die KI von Giotto.ai entschieden, machten sich Sorgen darüber, dass ihre Mitarbeitenden auf eigene Faust KI-Systeme verwenden könnten, sagt Podestà. Um kritische Prozesse jedoch sicher auf ihrer KI laufen zu lassen, müssen IT-Verantwortliche (Mitarbeitende) jederzeit überwachen können, was die KI tue. Das ist umso wichtiger, als diese unbeschränkten Zugang zu internen Daten und IT-Systemen hat, und wohl auch auf das Internet. Dieses wurde als Netzwerk voller Redundanzen dahingehend entwickelt, uns das weltweite Wissen (das Gedächtnis) zugänglich zu machen. Ausser in totalitären Regimen, wo der Zugang zum Internet gesperrt ist, wird man solche «Insellösungen» kaum kontrollieren können. Und einmal im Netz veröffentlichte Daten werden nie mehr gelöscht. Wir Menschen füttern gewollt oder ungewollt diese riesige Datenbank täglich mit Trillionen von Token, mit oder ohne Überwachung.

Art Basel 2026, Ai Weiwei (69), chinesischer Künstler: Schafende Venus mit Kleiderbügel (unten links) 2022, Lego Bausteine, 3 x 5 Meter. Bild: WKR

KI – Sprache als gesellschaftliche Differenzierung
Heraufbeschwört wird die drohende Abhängigkeit von amerikanischer oder chinesischer Technologie mit der Forderung nach lokal kontrollierter KI. Anstelle weltweiter Verbindung von Wissen und Ideen, wird eine Souveränität Europas gefordert. Argumentiert wird mit Nutzungsgebühren an amerikanische Unternehmen für Cloud und Hardware. Wenn man auch noch für KI-Dienste bezahlen müsse, die dann im Gegenzug Arbeitsstellen ersetzten, «gefährden wir unser gesamtes System», meint Aldo Podestà. KI basiert auf grossen Sprachmodellen LLM, was für mich ein Ansatz zur Differenzierung darstellt. Eine Überlegung wäre es wert, anstelle das Gedächtnis aus dem Sprachmodell, das Sprachmodell aus dem Gedächtnis zu lösen. Damit liessen sich länderspezifische Modelle generieren. Die Qualität der Daten wäre lokal beeinflussbar. Den Aufstieg von KI vergleicht Andrew Ng (50) Gründer und CEO von Landing AI, in seinem TED talk vom April 2022, mit dem Aufstieg der Alphabetisierung. Vor einigen hundert Jahren glaubten viele Menschen, es müssten nicht alle lesen und schreiben können. Es reichte aus, dass die Hohepriester, Priesterinnen und Mönche die heilige Schrift lesen konnten.

Demokratisierung von Sprachmodellen
Die Menschen hörten den Hohepriestern und Priesterinnen beim Vorlesen zu. Glücklicherweise hat man inzwischen erkannt, dass wir eine viel reichere Gesellschaft erhalten, wenn viele Menschen lesen und schreiben können. Damit zeichnet sich ein neuer Weg ab, KI-Systeme zu entwickeln, die mehreren von uns die Teilhabe ermöglichen. So wie Stift und Papier, der Steintafel und Meissel technologisch weit überlegen, massgeblich zur Alphabetisierung beigetragen haben, entstehen neue KI-Entwicklungsplattformen, die den Fokus von der Programmierung auf die Datenbereitstellung verlagern. Eine Demokratisierung der Sprachmodelle. Bleiben würde die weltweite Verbindung von Wissen und Ideen. Menschen (IT-Verantwortliche) als «Gatekeeper» solcher Systeme, bleiben wegen Personalfluktuationen eine Schwachstelle. Damit steht und fällt das Ganze mit dem Generieren von Daten durch uns Menschen. Wobei wir wieder bei den kompetenten «Alten» im Team wären, die dank ihrer Erfahrung und Geschichtsbewusstsein (Gedächtnis) einen Beitrag zur Entwicklung der Systeme leisten.

Art Basel 2026, Ai Weiwei (69), chinesischer Künstler: Detail aus schafende Venus mit Kleiderbügel 2022, Hunderttausende Lego Bausteine. Bild: WKR

KI-Anfragen auf dem iPhone verarbeiten
Die KI in unserer Tasche ist nicht mehr wegzudenken. Wie Marie-Astrid Langer (41) aus Cupertino in der NZZ vom 9.Juni.2026 berichtete, stellte Apple an der diesjährigen Entwicklerkonferenz seine neue KI vor. Dreieinhalb Jahre nach dem Beginn der KI-Revolution präsentierte Apple den Sprachassistenten Siri, von Grund auf erneuert und künstlich intelligent. Hilfe bekommt der iPhone-Konzern ausgerechnet vom Konkurrenten Google. Doch Kunden in der EU können den Dienst wegen Überregulierung nicht nutzen. Die Schweiz sei davon nicht betroffen. Die neue «Siri-KI» kann über Programme hinweg auf Informationen von Nutzern zugreifen, Fragen beantworten und selbständig Aktionen ausführen – zum Beispiel Konzerttickets kaufen oder Nachrichten verfassen und versenden. Siri sei genauso mächtig wie Agenten, mit dem entscheidenden Unterschied, dass Siri nicht eigenständig handle, sondern nur auf Befehl der Nutzer. Siri soll auf jeder Apple-Plattform funktionieren, also auf dem Smartphone ebenso wie auf dem Tablet-Computer und gar Apples Virtual-Reality-Brille. Entscheidend ist dabei, dass Siri den Bildschirm der Nutzer erkennt und damit den Kontext einer Anfrage kennt. Wann immer möglich, sollen die KI-Anfragen lokal auf dem Handy verarbeitet werden. Reicht das nicht aus, greift Siri auf KI-Modelle in der Cloud zurück. Dafür hat sich Apple mit dem Konkurrenten Google zusammengetan, dessen KI-Modelle zu den führenden der Branche zählen. Auch in solchen Fällen seien die Daten der Nutzer geschützt, sagte Apples Software-Chef Craig Federighi (57). «Niemand, auch nicht Apple, kann ihre Anfragen sehen.»

Art Basel 2026, Messegelände, Bild WKR

Visionen sind die neue Realität
Ein weiterer Aspekt in der Diskussion über KI ist nicht zuletzt SpaceX. Elon Musk (54) setzte beim Börsengang vom 12. Juni 2026 neue Massstäbe. Wie Thomas Fuster (59), in der NZZ vom 5. Juni 2026 vorhersah, wäre Musk nicht Musk, wenn er beim Initial Public Offering IPO (Börsengang) nicht einige ungeschriebene Regeln der Wall Street gebrochen hätte. Zwar schreibt SpaceX noch immer Verluste – und Aktionäre müssen darauf zählen, dass sich Musks Visionen irgendwann in Gewinne ummünzen lassen. Die Technologien, die SpaceX einzigartig machen, sind Pläne für die Besiedelung von Mars, Satelliten-Internet, Rechenzentren im All, gigantische Raketen und künstliche Intelligenz. Visionen, welche in der Schweiz sofort zerredet würden. Musk hingegen gelang der Sprung zum reichsten Mensch der Welt mit einem Vermögen von einer Billion Dollar, wenn man seine Beteiligung am Autohersteller Tesla dazu zählt. Kapitalbedarf besteht vor allem beim Ausbau der Infrastruktur für künstliche Intelligenz, Raketentechnologien und das Satellitennetzwerk. Gemäss einer fiktiven Einkaufstour in der Schweiz, NZZ vom 13. Juni 2026, liesse sich der Wert einiger der grössten Firmen, Wahrzeichen dessen, wofür die Schweiz international bekannt ist, im Vermögen eines einzelnen Mannes abbilden. Am Ende besässe Musk einen Flughafen, einen Schokoladenhersteller, Uhren, Bergbahnen, Pharmafirmen und eine Grossbank. Vieles, was die Schweiz ausmacht, und mit dem verbleibenden Geld wäre die Bezahlung eines Taschengelds für jeden Einwohner und jede Einwohnerin der Schweiz von 7’900 Franken möglich.

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#420 Sprache und das Denken der «Alten»

Generationenerfahrungen beeinflussen KI-Interaktionen
Wir «Alten» betrachten künstliche Intelligenz KI oft durch eine Brille, die von unserer lebenslangen Sprachsozialisation geprägt ist. Sprache ist nicht nur ein Kommunikationsmittel – sie strukturiert grundlegend, wie wir Kreativität ausdrücken und Probleme konzeptualisieren. Wenn Menschen mit KI in Berührung kommen, bringen sie ihre etablierten Denkmuster und sprachlichen Rahmenbedingungen mit, die nicht immer mit der Funktionsweise moderner KI-Systeme übereinstimmen. Für viele von uns «Alten» stellen Konzepte, die sich nicht leicht verbalisieren lassen, eine besondere Herausforderung dar. Unser Erfahrungshorizont entwickelte sich in einer Zeit, in der die Kommunikation von Mensch zu Mensch die primäre Form des Informationsaustauschs war, wodurch sich die abstrakte, algorithmische Natur der KI-Interaktion fremd anfühlt.

Die KI-Revolution wird unterschätzt
Die Ankunft nicht-menschlicher Intelligenz ist eine grosse Sache, sagt der ehemalige Google-CEO und -Vorsitzende Eric Schmidt (70). In einem ausführlichen Interview auf TED2025•April 2025 (25:37) mit dem Technologen Bilawal Sidhu unterhält sich Schmidt, wie die künstliche Intelligenz KI völlig unterschätzt wird, da nahezu ständige Durchbrüche Systeme hervorbringen, die komplexeste Aufgaben selbstständig erledigen können. Er verweist auf die enormen Chancen, ernüchternden Herausforderungen und dringenden Risiken der KI und zeigt, warum sich jeder mit dieser Technologie auseinandersetzen muss, um relevant zu bleiben. Im Interview spricht Schmidt auch über die Doppelnutzung dieser Systeme, in der Kriegsführung und für zivile Zwecke. Andere Herausforderungen betreffen die Verselbständigung der Systeme. Einige Forscher sind der Meinung, dass KI-Labore die Entwicklung agentenbasierter KI-Systeme, welche autonom agieren können, stoppen sollten. Andere Probleme betreffen Strom und Hardware und die Erkenntnis, dass uns die Daten ausgehen und wir beginnen müssen neue zu generieren. Doch wo liegt die Grenze des Wissens. Wie kommen unsere Computer auf etwas, worüber Menschen noch nie nachgedacht hatten? Es gibt eine Reihe von Kriterien, von denen die Branche denkt, da sollte man den Stecker ziehen. Beispielsweise, wenn man rekursive Selbstverbesserung erreicht, die man nicht mehr kontrollieren kann. Die KI verbessert ihre eigenen Fähigkeiten autonom, was potenziell zur Superintelligenz führen kann. Bei rekursiver Selbstverbesserung lernt der Computer nicht, oder man weiss nicht, was er lernt, mit möglicherweise negativen Folgen.

Keith Haring (1958-1990), US-amerikanischer Popart-Künstler: Best Buddies 1987

Sprache prägt unsere Kreativität
«Auf diese Weise macht lernen so süchtig wie social Media», sagt Luis von Ahn, CEO von Duolingo und Crowdsourcing Pionier, in seiner Videopräsentation (12:54) vom April 2023 auf TED2023. Von Ahn hat die weltweit am häufigsten heruntergeladene Bildungs-App Duolingo mit der Mission entwickelt, hochwertige Bildung für alle zugänglich zu machen. Der Guatemalteke Von Ahn studierte in den USA, promovierte in Informatik und arbeitet als Professor für Informatik an der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh, Pennsylvania. Aus Erfahrung weiss er, Bildung können sich eigentlich nur reiche Leute leisten. Zusammen mit seinem Doktoranden Severin Hacker (40) beschlossen die beiden, mittels Digitalisierung einen Weg zu finden, wie man möglichst vielen Menschen Bildung zugänglich machen könnte. Dabei dachten sie vor allem an Dinge, die durch Wiederholung gelernt werden. Denn die meisten wirklich wichtigen Dinge wie Lesen oder Sprache werden durch Tausende von Wiederholungen erlernt. Dieses Lernen kann man «gamifizieren» und in einer App auf dem Smartphone einbetten, wo sich ein Grossteil der Weltbevölkerung mit Freude sowieso aufhält. Schulen auf der ganzen Welt zu bauen ist einfach zu teuer.

Bildschirmzeit muss keine schlechte Sache sein
Mit 80% ist Englisch die am meisten gefragte Sprache und damit kann man sein Einkommenspotenzial erheblich erhöhen. Um Reich und Arm gleichermassen den Zugang zu Duolingo zu ermöglichen, finanziert sich die App mit Werbung. Wer keine Werbung möchte, bezahlt ein Abo um diese auszuschalten. Wohlhabende Leute aus reichen Ländern ermöglichen damit die Bildung der armen Leute. Wenn man mit Bildung wirklich alle erreichen möchte, muss man sie nicht nur leicht zugänglich machen, sondern man muss sie auch so gestalten, dass die Leute tatsächlich lernen wollen. Dazu hat Duolingo verschiedene Tricks aus Apps wie Instagram, TikTok oder Spielprogrammen kopiert, welche mit Zählern, Auszeichnungen oder Erinnerungsnachrichten die Leute zurückholen und zum Spielen motivieren. So kommt es, dass in den Vereinigten Staaten zum Beispiel mehr Menschen eine Sprache auf Duolingo lernen, als an allen US High Schools zusammen. Bildschirmzeit muss keine schlechte Sache sein.

Keith Haring (1958-1990), US-amerikanischer Popart-Künstler, aus der «Radiant» Serie: setting himself apart, 1982, Bild: Keith Haring Foundation

Kommunikation: KI unterstützte Sprache mit Seherlebnis
Stellen Sie sich vor, Sie hätten die fesselndsten TED Talks der Welt nicht nur auf Englisch, sondern in Ihrer eigenen Sprache zur Hand. Dr. Lera Boroditsky (49) ist eine amerikanische Kognitionswissenschafterin und Professorin an der University of California, San Diego. Mit ihrer Ankündigung KI-angepasster mehrsprachiger TED-Talks zur Überwindung von Sprachbarrieren im Mai 2024, erweitert die Plattform ihre mehrsprachigen Initiativen und baut auf dem Erfolg des Untertitelungsprogramms von TED auf, indem menschliche und künstliche Intelligenz kombiniert werden. In einem TED-Pilotprogramm mit Integration generativer künstlicher Intelligenz GenKI, einschliesslich Stimmklon- und Lippensynchronisationsfunktionen, hat TED in Zusammenarbeit mit Panjaya.ai und der globalen Übersetzer-Community von TED die ersten KI-angepassten TED Talks erstellt, die in mehreren Sprachen gehalten werden und dabei die einzigartige Stimme und den Stil der Sprechenden bewahren. Im Gegensatz zu herkömmlichen Synchronisationsmethoden, die sich umständlich und klobig anfühlen können, legt die KI-Anpassung von TED den Schwerpunkt auf ein nahtloses Seherlebnis. Dies markiert eine neue Ära in der mehrsprachigen Bereitstellung von Inhalten. Das Pilotprojekt startet auf brasilianischem Portugiesisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch und soll bald auf weitere Sprachen ausgeweitet werden. Im Bewusstsein für die Umweltauswirkungen durch den hohen Energieverbrauch, priorisiert TED Nachhaltigkeit und konzentriert sich, im Gegensatz zu Echtzeit-KI-Produkten, auf eine innovative einmalige KI-Anpassung, mit reduzierten Nebenwirkungen.

KI Nutzung: Vom Fragesteller zum fordernden Gesprächspartner
«Wie die Universität Stanford KI-gestützte Kreativität lehrt». Jeremy Utley, Director of Executive Education an der Universität Stanford, erklärt in seinem Video (13:19), wie die meisten Menschen das Potenzial von KI nicht voll ausschöpfen. Dies liege an unserer Herangehensweise an die Technologie. Ein einfacher Mentalitätswandel, anstatt der KI einfach Fragen zu stellen, sondern sie dazu auffordern, uns Fragen zu stellen, eröffnet viel Potenzial. KI kann uns den Umgang mit ihr automatisch beibringen, im Gegensatz zu herkömmlichen Tools wie Excel oder PowerPoint. Leistungsschwache Nutzer betrachten KI lediglich als Werkzeug, während Leistungsstarke die KI als «Teamkolleg:in» betrachten, insbesondere bei der Arbeit mit generativer KI GenKI. Wechseln wir deshalb vom blossen Fragesteller zur fordernden Gesprächspartnerin: Was muss die Maschine von mir wissen, um die beste Antwort zu geben? Fordern wir die KI, denn Kreativität bedeutet mehr zu tun als das Erste woran man denkt und worauf sich viele Menschen fixieren. Die KI kann Inspiration als Disziplin fördern, indem sie Modelle einbringt, neue Techniken, Erfahrungen, Perspektiven und all die Erkenntnisse, die sie aus aller Welt gewinnt. Meine Lieblingsapplikation CLAUDE von Anthrophic antwortet auf Prompts mit Gegenfragen und stellt am Schluss fest: Ich möchte von Ihrem Wissen profitieren und gleichzeitig meine einzigartige Perspektive in unsere Zusammenarbeit einbringen. Lassen Sie uns gemeinsam etwas schaffen, das keiner von uns allein entwickeln könnte.

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