Blog, Industrie 4.0

#169 – Postpandemische Notlösung der Notlösung

Neue Tatsachen
Grégoire Barbey, freiberuflicher Journalist, warnt in seinem Beitrag vor den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise, swissinfo.ch vom 5. Mai 2020. Obwohl es uns vorläufig gelungen ist, die Ausbreitung des Virus einzudämmen, bleibt seine Präsenz bestehen. Wir werden also damit leben müssen, und dies wird Konsequenzen für die Wirtschaft haben. Unternehmen werden nicht in der Lage sein, mit den gleichen Freiheiten wie zuvor fortzufahren. Die bevorstehenden Einschränkungen werden den Erfolg vieler Sektoren belasten. Der Leiter der Société des Cafetiers, Restaurateurs et Hôteliers de Genève schätzt, dass rund ein Drittel der Betriebe aufgrund der Krise nicht wiedereröffnen können.

«Covid19 – Warum alles gleich bleibt»
In seinem lesenswerten Beitrag beschreibt Fabrikant Dr. Joël Luc Cachelin, Wissensfabrik vom 8. Mai 2020, ein Szenario, das wesentlich schlimmer als die Wiederholung des Lockdowns wäre: Wenn sich durch Covid19 nichts verändert. Dann sitzen wir noch für Jahrzehnte im Wartesaal der Zukunft – voll unerfüllter Hoffnungen auf nachhaltigen, sinn- und lustvollen Fortschritt. Folglich stellt sich die Frage, ob Covid19 ein genügend grosser Schock ist, um Fortschritt und Innovation aus der Bondage der Vergangenheit zu lösen. Oder ob alles gleich bleibt. Sieben Gründe in seinem Blog sprechen zugunsten der Fesseln der Vergangenheit.

Mediamatic Biotoop, distanziert auf der Insel Oosterdok, Amsterdam, Bild: ANP/AFP via Getty Images

Kreativität und Gestaltungswille sind gefragt
Produkte und Dienstleistungen müssen einen hohen Qualitätsanspruch erfüllen, daran haben wir uns gewöhnt. Einkaufs- und Freizeiterlebnisse wurden über die Jahre perfektioniert. Gute Küche, freundliche Bedienung aber auch die Atmosphäre sind uns wichtig beim Besuch eines Restaurants. Dann kam die behördliche Schliessung, für die meisten von uns völlig überraschend. Man improvisierte mit kurzfristigen Massnahmen und das wurde akzeptiert. Niemand wusste wie lange der Lockdown andauern würde. Doch im postpandemischen Alltag müssen wir uns neu ausrichten. Jede Krise bietet auch Möglichkeiten, scheinbar Unverrückbares neu zu denken. Uns «Alten» hilft in solchen Situationen die Erfahrung und ein, naturgemäss mit den Jahren, erweiterter Horizont. Durften wir doch In unserem Leben viele kreative Lösungen mitgestalten. In scheinbar ausweglosen Szenarien verfügen wir über die notwendige Distanz und eine gewisse Abgebrühtheit für neue Konzepte, auch Kreativität ist mehr denn je gefragt.

Nachhaltige Modelle statt Improvisation
Zwei Monate bei schönstem Wetter «zuhause» bleiben und vom Staat unterstützt werden macht auch träge. Deshalb müssen wir uns umgehend wieder proaktiv mit unserer Zukunft befassen. Keine einfache Aufgabe. Wir fragen uns: Sind unsere Geschäftsmodelle noch konkurrenzfähig. Was sind die Alleinstellungsmerkmale unserer Produkte und Dienstleistungen. Denn auf längere Sicht werden sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht ändern. Abstandmarkierungskleber auf dem Boden und Plastikbänder als Absperrung sind nicht mit unserem Qualitätsanspruch vereinbar. Die filigranen Plexiglasscheiben in ausgewählten Geschäften haben wenig gemeinsam mit den teilweise abenteuerlichen Konstruktionen an manchen Supermarktkassen. Um als Betrieb erfolgreich zu sein muss sich die Kundschaft trotz Sicherheitsmassnahmen wohl fühlen. Licht und Luft anstatt düstere Räume mit schummriger Beleuchtung. Im Vergleich zu den Einnahmeausfällen vergangener Monate sind die Mehrkosten für ansprechende Massnahmen relativ gering.

Leidenschaft und Erfahrung von «Alten» hilft
«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. «Alte», Frauen und Männer im Team, auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen ihre Erfahrung, auch in der Krise mit Leidenschaft zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein uns registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


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#165 – Frühling in Quarantäne

Es sterben nicht nur alte und kranke Patienten
Wir «Alten» müssen auf staatliche Anordnung aktuell geschützt und sogar unter Quarantäne gestellt werden. Wir sind nicht nur gefährdet, sondern auch eine Gefahr. Deutsche Ärzte äussern sich im Zusammenhang mit der notwendigen Triage in den Spitälern zur Eugenik. Mein Freund im Berner Oberland schreibt mir wie er von seiner Gemeinde und der Kirche einen Brief erhielt mit der Aufforderung sich doch bitte nicht mehr in der Öffentlichkeit zu zeigen. Dies obwohl er vor einem guten halben Jahr noch auf einem Viertausender gewesen und schon zu Ostern bei seinem Saisonziel von 35 Skitouren angelangt ist. Mit guter Lebensqualität ein hohes, selbstbestimmtes Alter zu erreichen, ist ein hohes Gut, für das wir alle, auch wir «Alten», Milliarden ins Schweizer Gesundheitswesen investiert haben. Diese positiven Errungenschaften unserer Gesellschaft sind nun plötzlich nichts mehr wert, sondern nur noch eine Last? In seinem Gastkommentar äussert sich Peter Strasser (70), Dozent an der Karl-Franzens-Universität Graz, NZZ vom 08.04.2020 zur Begriffszündelei im Seuchenfall – mit der Corona-Krise steht auch der Generationenvertrag auf dem Prüfstand. Die Knappheit der Mittel im medizinischen Kampf gegen Corona kann Ärzte vor schwere Entscheidungen stellen: Wer soll und darf überleben? Da betagte ältere Patienten hier den Kürzeren ziehen dürften, geht die Rede vom «Senizid» um. Das ist nicht ungefährlich.

Wem ist zu trauen?
Der Beitrag von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt: «COVID-19 – eine Zwischenbilanz oder eine Analyse der Moral, der medizinischen Fakten, sowie der aktuellen und zukünftigen politischen Entscheidungen», Mittelländische Zeitung, 7. April 2020 befasst sich unter Anderem mit Informationstendenzen. Alter ist relativ: Für das «höchste Amt der Welt» ist der eine US-Präsidentschafts-Kandidat heute 73 und sein Opponent 77 Jahre alt. Das Alter der in der Schweiz Verstorbenen liegt zwischen 32 und 100 Jahren. Zudem gibt es einige Studien und Berichte, welche zeigen, dass auch Kinder an COVID-19 verstorben sind. Angeblich beträgt das durchschnittliche Alter der verstorbenen Patienten 83 Jahre. Gewisse Medien-Artikel und Leser-Kommentare überschreiten bei dieser Diskussion jede Grenze, haben den üblen Geruch der Eugenik und es kommen Erinnerungen an bekannte Zeiten auf. Auch das konstante, dümmliche «Prügeln» anderer Nationen und deren Systeme kann kein Rezept dafür sein, globale Probleme gemeinsam anzugehen. China hat dem Westen bis heute 3.86 Milliarden Masken, 38 Millionen Schutzanzüge, 2.4 Millionen Infrarot-Temperatur-Messgeräte und 16’000 Beatmungsgeräte geliefert. Das Versagen unserer westlichen Länder hat dazu geführt, dass wir buchstäblich am medizinischen Tropf Chinas hängen. Lukas Bärfuss äusserte sich kürzlich wie folgt: «Warum die entsprechenden Fabriken nicht mehr in Biberist stehen. Sondern in Wuhan. Und ob dieses Allokationsproblem vielleicht nicht nur Zellulose betrifft, sondern auch Information, Bildung, Nahrung und Medikamente».

Monte Verità, Ascona TI, Sonne Luft und Freiheit, 1920-er Jahre. Bild: Stiftung Monte Verità / Keystone

Corona-Gehorsam
Sars-CoV-2 ist ein neues, feindseliges Virus, das vor allem bei Hochbetagten, Schwerkranken und Immunsupprimierten zum Tode führt. Im Gastkommentar von Susanne Gaschke, NZZ 11.4.2020 lesen wir zur Strategie: Im März 2016 schrieb Nikolaus von Bomhard, damals Vorstandsvorsitzender des weltgrössten Rückversicherers Munich Re: «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein entsprechend gefährliches Virus und die ‹richtigen› Umstände zusammentreffen.» Für manche Risiken – das Coronavirus ist gerade das beste Beispiel – stehen nur wenige Informationen zur Verfügung. Deshalb müssen politisch Verantwortliche ihre Entscheidungen in Unsicherheit treffen – mit der Unterstützung von Fachleuten, aber, so Bomhard, auch auf der Basis ihrer eigenen Intuition: «Bauchgefühl ist eine grundlegende Kompetenz und darf durchaus Bestandteil eines professionellen Risikomanagements sein. Der gesunde Menschenverstand ist zu erstaunlichen Leistungen fähig, wenn es um Risikoeinschätzung geht.» Politiker kommunizieren mit einer Mischung aus Mahnen, manchmal auch Drohen und Ermutigen. Diejenigen welche die Stilllegung des gesamten öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens als angemessen und alternativlos hinterfragen, machen sich schnell als «Corona-Leugner» verdächtig. Selbst tendenziell regierungskritische Zeitungen fragen heutzutage, «welche Gesellschaft wir sein wollen: Eine Gesellschaft, die die Alten und Schwachen schützt? Oder eine, in der nur die Stärksten überleben?»

Kontaktsperren-Totalitarismus
Hans-Jürgen Papier, der ehemalige Präsident des Deutschen Bundesverfassungsgerichts, sagt, wenn sich die vielen Einschränkungen des Alltags über längere Zeit hinzögen, sei «die Freiheit in Gefahr». Der Virologe Hendrik Streeck, der die Empirie des Virus erforscht und das Deutsche Robert-Koch-Regierungsinstitut scharf kritisiert, sagt, wir brauchten «nicht auf Dauer extreme Beschränkungen». Es sei schlimm, wenn Menschen sterben würden. «Aber die Frage ist, ob man mit den Massnahmen andere Existenzen gefährdet und dadurch auch Leben aufs Spiel setzt.» Man ist sich meist einig (Herdentrieb), Risikogruppen, das heisst alle über 65-jährigen (gegenwärtiges Pensionierungsalter!), oder 20% der Schweizer Bevölkerung, besonders zu schützen, aber die Jungen und Gesunden wieder ihrer Arbeit und ihren Aktivitäten nachgehen zu lassen. Diese Diskussion findet ohne uns «Alte» statt, obwohl die grosse Mehrheit von uns relativ gesund ist, alt ist nicht gleich ungesund.

Gehirn im Ausnahmezustand
Dazu ein Interview mit Steven Pinker (65), Professor für Psychologie an der Harvard University, NZZ 11. April 2020. Die Pandemie erinnert uns daran, dass wir unsere Ängste von Zeit zu Zeit kalibrieren sollten – nichts kommt, wie wir es gerne hätten oder vorherzusehen meinen. Krankheiten – Seuchen – sind ein Teil des Lebens, seit es Menschen gibt. Wir wissen, dass Parasiten und Krankheitserreger sich rasend verbreiten können. Zugleich haben wir Krankheiten immer wieder erfolgreich bekämpft, so zum Beispiel die Pocken, und wir sollten darauf eigentlich vorbereitet sein. Das Virus hat angegriffen, wir schlagen zurück – mit Hygienemassnahmen, Impfungen, mit Medikamenten. Wir fahren Verluste ein, aber wir werden siegen. Wir wissen nach wie vor nicht besonders viel über Sars-CoV-2. Gefahren, die uns bedrohen, die wir aber nicht gänzlich verstehen, führen zu anhaltenden Angstzuständen. Unser Gehirn ist dann im Ausnahmezustand. Die mächtigste Gefahr im Falle des Coronavirus ist zweifellos die «exponentielle Ausbreitungsverzerrung». Die Anzahl der Ansteckungen verdoppelt sich jeden Tag und verläuft so schnell, dass wir in kürzester Zeit Dutzende Millionen von Ansteckungen weltweit und Hunderttausende von Toten haben könnten – wenn wir nichts dagegen unternehmen.

Das meiste wird sich als falsch herausstellen
Dabei gibt es keine richtige Entscheidung – es geht stets um eine Güterabwägung und um Meinungen aus den verschiedensten Ecken der Politik. Gemäss Pinker sollten wir stets alle Kosten bedenken, die direkten menschlichen und die indirekten ökonomischen. Im vorliegenden Fall könnte die ungebremste Ausbreitung der Pandemie höhere Kosten verursachen als eine ökonomische Depression. Die Frage ist ob wir womöglich in einen Generationenkonflikt Schlittern – die jüngeren Leute bezahlen den ökonomischen Preis, während die älteren von den politischen Massnahmen profitieren? Dazu findet Pinker, dass unsere Gesellschaften zu Recht auf der Annahme beruhen, dass alle Menschen – egal, welcher Hautfarbe, welchen Alters, welchen Geschlechts – über die gleiche Würde verfügen. Aber in Krisensituationen sind wir gezwungen, uns zu fragen, welches Leben wie viel wert ist, damit brechen wir ein Tabu, und das spüren wir. Wir lernen auch aus dieser Krise, wir arbeiten weiter an unserer Ratio, wir entwickeln neue technische Tools. Optimismus meint ja: Wir minimieren die Tragik des menschlichen Lebens. Alle, die kommen, werden davon profitieren. Das meiste, was nun gesagt und geschrieben wird, wird sich als falsch herausstellen.

Monte Verità, Ascona TI, Ausdruckstanz 1920-er Jahre. Bild: Kunsthaus Zürich, Nachlass Suzanne Perrottet

Welche Ausstiegsstrategie?
«Wir brauchen eine kluge Ausstiegsstrategie», Kommentar von Peter A. Fischer, NZZ vom 10.04.2020. Der gegenwärtige Notstand ist geprägt von nationaler und gar regionaler Abschottung, eigenmächtig handelnden Exekutiven, einer enormen Zunahme der zentralstaatlichen Versorgung, von gewerkschaftlichen Interventionen in Firmen und dem Erhalt bestehender Wirtschaftsstrukturen mit öffentlichen Mitteln sowie von drohender Überschuldung. In manchen Spitälern sind die für Corona-Patienten reservierten Stationen fast leer. Ganze Krankenhausabteilungen leisten Kurzarbeit, eingezogenes Militär langweilt sich. So gerechtfertigt das in der Not sein mag, mittelfristig zerstört es die Wurzeln des Schweizer Wohlstands. Der Bund schätzt den Produktionsausfall durch den Teilstillstand der Wirtschaft derzeit auf etwa 25 Prozent, was direkte Kosten von ungefähr 15 Milliarden Franken pro Monat impliziert. Hinter diesen nackten Zahlen stecken Kurzarbeitsanträge für fast ein Drittel aller Erwerbstätigen in der Schweiz. Arbeitgeber und Beschäftigte haben Existenzängste, nicht nur in geschlossenen Coiffeursalons und Restaurants, sondern in weiten Teilen der Firmenlandschaft. Es drohen eine weltweite Wirtschaftskrise und ein starker Anstieg der Arbeitslosigkeit. Wirtschaftlich muss eine kluge Ausstiegsstrategie darauf ausgerichtet sein, möglichst viele Menschen möglichst schnell wieder richtig arbeiten und mehr konsumieren zu lassen.

Notwendige Korrekturen
Die Behörden haben sehr vieles zugesperrt, damit es die Menschen nicht in die Innenstädte zieht und es nirgends zu Menschenansammlungen kommt. Doch halten sich die Konsumenten an die neuen Vorsichtsmassnahmen, sollte es ihnen auch bald wieder erlaubt sein, mit zwei Metern Abstand, regelmässiger Desinfektion und allenfalls dem Nutzen von Gesichtsmasken, Blumen oder Gartenpflanzen zu kaufen, Kleider, Haushalts- oder Elektrogeräte zu erstehen, zum Arzt zur Kontrolle zu gehen und Golf oder Tennis zu spielen. Sogar Restaurantbesuche könnten so gestaltet werden, dass kleine Gruppen unter sich und stärker vor einer Ansteckung geschützt bleiben. Solche Massnahmen dürfen jedoch nicht darauf abzielen, uns «Alte» weiterhin pauschal zu isolieren und zu diskriminieren. Vielmehr müssen Infizierte künftig besser und frühzeitiger durch Tests erfasst, isoliert und ihre engen Kontakte in Quarantäne gesetzt werden. In einer freiheitlichen Gesellschaft sollte dabei weitgehend auf Eigenverantwortung und Vernunft abgestellt werden. Die Behörden dürfen nicht der Versuchung erliegen, im Zweifelsfall immer restriktiv zu entscheiden. Ideen für einen effizienteren Ausstieg sollten genutzt und ausprobiert werden. Erweist es sich als notwendig, sind Korrekturen jederzeit und ohne Gesichtsverlust möglich. Gefragt sind Kreativität, Flexibilität und auch etwas Mut zu unkonventionellen Umsetzungen.

Wir «Alten»
«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. «Alte» Frauen und Männer im Team, auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen ihre Erfahrung zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein, wir freuen uns über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


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Die Zukunft ist sehr nah

Den Jungen gehört die Zukunft
Sam Ginn, 22 Jahre alt und Heidegger-Kenner, ist einer der Pioniere welche an der Entwicklung einer allgemeinen künstlichen Intelligenz arbeiten, die die menschliche übertreffen soll. Im Feld der Computerlinguistik, also an der Schnittstelle von Sprachwissenschaft und Informatik, hantiert er mit selbstlernenden Algorithmen. Übersetzungen von einer Sprache in eine andere werden immer zuverlässiger – wer schon mal das Übersetzungstool von Google verwendet hat, kann dies bestätigen. Dabei zeigt sich, dass derselbe Algorithmus, der gut zwischen Deutsch und Englisch wechseln kann, auch Übersetzungen in andere Sprachen zustande bringt. Das ist neu. Und irgendwann werden wir einen selbstlernenden Algorithmus haben, der alle Sprachen gleichermassen beherrscht – einen einzigen Algorithmus für alle menschlichen Sprachen!

Franz West: Test, 1994, Galerie Hauser & Wirth, Art Basel 2019, Bild: WKR

Selbstlernende Algorithmen
Die Zukunft ist sehr nah, sagt Sam Ginn Tech-Entwickler an der Universität Stanford im Interview mit René Scheu, NZZ vom 14.6.2019. Was wir auf absehbare Zeit noch nicht programmieren können, ist ein Algorithmus, der den Sinn der Worte auch wirklich versteht, also den Gehalt eines Textes in eigenen Formulierungen wiedergeben kann. Für den jungen Heidegger bewegt sich Sprache in einem Bewandtniszusammenhang – die Bedeutung einer Handlung oder eines Satzes wird vom menschlichen Gehirn nicht aus Einzelteilen zusammengesetzt, sondern ist immer schon als Ganzes da, auf einen Schlag. Allerdings ist es Sam Ginn bisher nicht gelungen, einen Algorithmus zu programmieren, der einen Bewandtniszusammenhang lesen beziehungsweise erfassen kann. Heidegger hat darauf eine Antwort: Bedeutung kann nur erfassen, wer über ein Bewusstsein verfügt.

Werden aus Greifarmen einmal fühlende Hände?
Es gibt diese These – dass Maschinen nur im Zusammenspiel mit Menschen gut funktionieren. Das ist letztlich eine metaphysische Frage. Ginn sieht darin eher eine Schutzbehauptung, welche die Menschen angesichts der unglaublichen technischen Fortschritte beruhigen soll. In absehbarer Zeit werden Maschinen viele Aufgaben erledigen, die heute Menschen wahrnehmen: Auto fahren, Texte schreiben, Alltagsprobleme lösen. Für diese Forschung sind grosse finanzielle Mittel vorhanden, doch Geld allein genügt nicht um globaler Leader in künstlicher Intelligenz zu sein. Dazu braucht es ein gutes Bildungsumfeld, Ideen und viel Enthusiasmus aller Beteiligten.

Flexible «Alte» gesucht
Im Zusammenhang mit einer Lernplattform zur beruflichen Aus- und Weiterbildung machen wir uns Gedanken zu deren Form und Inhalt. Wir «Alten» müssen versuchen, die Rahmenbedingungen für junge Talente so zu gestalten, dass herausragende Resultate möglich werden. Das bedingt Kreativität, kritisches Denken, Kommunikationsfähigkeit und ­kollaborative Fähigkeiten. Dabei haben den Vorteil, dass wir schon vieles miterlebt und mitgeprägt hatten – Höhen und Tiefen. Wir sind auch schon gescheitert, das gehört dazu. Unsere vielleicht grösste Kompetenz ist der Verstand und unsere Aussensicht. Wichtig für die Gründung eines Startup-Unternehmens sind auch Disziplin, Methodik und Fokussierung. Dies sind Fähigkeiten die uns über die Jahre begleitet haben und die wir im Team mit «jungen Wilden» weitergeben dürfen. «kompetenz60plus.ch» ist die Plattform für interessierte und kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber jüngeren Generationen bewusst sind. Neu besteht die Möglichkeit sich im «Herausgeberkreis» für einen Lehrmittelverlag einzubringen.

Bitte machen Sie mit, wir freuen uns über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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