Blog, KI-ÖKONOMIE 1.0

#466 – KI-Disruption – Chancen für uns «Alte»

Um nicht von der künstlichen Intelligenz KI ersetzt zu werden
Als gelegentliche Leser meiner Blogs wissen Sie um meine Vorliebe für Technologie. Künstliche Intelligenz KI fasziniert mich seit Jahren, auch wenn ich selber nichts mit deren Entwicklung zu tun habe. Im Beitrag der NZZ vom 2. Mai 2026, mit dem Titel «Das müssen Sie heute lernen, um morgen nicht von der KI ersetzt zu werden» berichten Barbara Klingbacher, Andrea Spalinger und Michael Schilliger über 11 Berufsbilder. Vom Architekten bis zur Designerin oder klinischen Psychologin antworten Menschen, wie sie ihren Beruf bereits an die Zukunft anpassen. KI stellt Diagnosen, schreibt Code, entwirft Gebäude – wie lange braucht es uns noch? Als Architekt fand ich den Erfahrungsbericht von Andri Gerber, Architekt und Professor für konstruktives Entwerfen an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW, aufschlussreich. Gerber ist ebenfalls fasziniert von der Geschwindigkeit der Entwicklung: «Ich habe in der Architektur schon viele Neuerungen miterlebt, aber diese sprengt den Rahmen. Man ist permanent überfordert.» Beim Management von Projekten haben KI-Programme bereits eine enorme Effizienzsteigerung gebracht: für Visualisierungen, Qualifikationen, Portfolioanalysen, Baueingaben, Kostenberechnungen. Das sind Aufgaben, die relativ langweilig sind. Aber es sind eben auch Schnittstellen, die das Projekt beeinflussen. Bei den Kosten oder der Ökobilanz funktioniert die KI sehr gut. Dafür notwendig ist jedoch eine eindeutige und kuratierte Datenbasis.

KI generiert, der Mensch kreiert
Beim Entwerfen werden Architekten gemäss Gerber auch weiterhin relevant bleiben. Denn da geht es um Inspiration, Ideen und Kreativität. KI generiert aus Daten, das ist nicht dasselbe wie Kreieren aus dem Nichts. KI-generierte Architektur dürfte eintöniger werden, denn diese baut auf Daten auf, die im Netz zu finden sind, und 90 Prozent der Architektur dort ist durchschnittlich. Es kommt zu einer qualitativen Abflachung meint er. Beeinflussen können wir Architekten das nur, wenn wir selbst Datensätze generieren und online stellen. Wir müssen mit der KI über Ästhetik, Qualität, Wirkung und Wahrnehmung kommunizieren. Das ist eine Sisyphusarbeit, aber auch sehr spannend. Für uns «Alte» tun sich hier Möglichkeiten auf, unsere Erfahrung als Mentor:innen, Coaches, Sparringspartner in solchen Projekten einzubringen.

Illustration: Simon Tanner – NZZ

KI zwingt uns, Kompetenzen und Fähigkeiten zu schärfen
Nicht nur wir «Alten» finden es schwierig, unsere Erfahrung am «richtigen» Ort einzubringen. Die Veränderung unserer Arbeitswelt durch Technologie ist die neue Realität, in der Welt in der wir leben. Die sogenannte Halbwertszeit von Fähigkeiten im Tech-Sektor liegt mittlerweile bei zweieinhalb Jahren. Deshalb müssen wir unsere Fähigkeiten und Kompetenzen mit Neugier und Optimismus immer wieder weiterentwickeln. Lebenslange Weiterbildung muss auch als Ziel an unsere Jugend vermittelt werden. Mit dem Titel «Und, was willst du einmal werden?» beschreibt Kristina Reiss (51) deutsch-schweizerische Journalistin, in der NZZ am Sonntag vom 3. Mai 2026 wie die Qual der Berufswahl immer mehr Jugendlichen zu schaffen macht. Mit dem Aufkommen der künstlichen Intelligenz wird sie noch einmal schwieriger. Tatsächlich ist die Frage «Welche Fähigkeiten werden in fünf oder zehn Jahren noch gefragt sein?» nicht leicht zu beantworten. Schliesslich verändert die KI gerade ganze Berufsbilder, wie zum Beispiel jenes der Grafikerin oder des Programmierers. Betroffen sind diesmal – anders als bei früheren Technologieschüben – vielfach akademische Aufgaben. Der Entscheid für eine Berufslehre oder ein Studium tritt für mich angesichts dieser Tatsachen in den Hintergrund. Wichtiger wäre eine gute Allgemeinbildung und die Flexibilität, seine Fähigkeiten und Interessen im laufe der Zeit zu entdecken. Dazu gehört auch die Freiheit und der Mut zum Scheitern. Ursula Renold (65), Professorin für Bildungssysteme an der ETH Zürich, meint: Nicht so sehr die berufliche Richtung, für die man sich im Hinblick auf eine Erstausbildung entscheide, sei wichtig, «sondern, dass man erst einmal vier bis fünf Jahre etwas durchzieht – und dann weitersieht». Denn sicher sei heute nur noch eines: «Man muss drei- oder viermal im Leben umlernen.»

Zu viel Vorsicht, zu wenig Risiko
Die Schweiz, einst Musterbeispiel einer Startup-Nation, ist in Sachen Unternehmertum zurückgefallen. Um wieder neue, erfolgreiche Weltkonzerne hervorzubringen, braucht sie mehr Kühnheit und den Mut zum Scheitern. In der NZZ am Sonntag vom 3. Mai 2026 beschreibt James Breiding (68), amerikanisch-schweizerischer Autor, wie die Schweiz wieder mehr unternehmerischen Pioniergeist wecken muss. Aktuell rangiert sie nirgends unter den zwanzig Grössten, trotz Talent, Kapital und Technologie. Philipp Navratil, der neuen Chef des Nahrungsmittelmultis Nestlé sieht die Ursache in unserer Kultur. Die Schweiz fokussiert heute so stark darauf, Fehler zu vermeiden, dass sie bahnbrechenden Erfolg strukturell erschwert. Professor Ralph Eichler, der die ETH Zürich auf Platz eins der europäischen Universitätsrankings gehievt hat, sagte es klar: «Wir haben so viele Regeln, um Fehler zu vermeiden – mit dem Ergebnis, dass wir scheitern.» Auch fehlt die kulturelle Akzeptanz für ausserordentliche Gewinner. Der Grund dafür: Unser Kühlschrank ist voll. Wenn wir so viel zu verlieren haben, verschiebt sich die Balance zwischen möglichen Gewinnen und drohenden Verlusten vom Ehrgeiz zur Vorsicht. Doch das birgt die Gefahr, Bequemlichkeit mit Sicherheit zu verwechseln.

KI-Disruption als Chance für Neues
Für Breiding gibt es vier Massnahmen um auf die Disruption durch KI zu reagieren. Die erste – und grundlegendste – betrifft unsere Beziehung zu Fehlschlägen. Eine Gesellschaft, die Misserfolg als Charakterschwäche behandelt statt als Preis für echte Innovation, erstickt jene Art von Wagemut, die für bahnbrechende Unternehmen nötig ist. Die zweite Massnahme ist die Bildung. Unternehmerisches Denken wird aus meiner persönlichen Erfahrung nicht gelehrt, schon gar nicht toleriert (Stichwort Nivellierung). Ringier-Chef Marc Walder bemerkte dazu, wie sich das Curriculum am Zürcher Rämibühl-Gymnasium seit seiner Schulzeit kaum verändert hat. Drittens ist der Weg von der technologischen Exzellenz zur Kommerzialisierung zu verbessern. Weniger als fünf Prozent der ETH-Professoren beteiligen sich an Startups, im Vergleich zu rund 30 Prozent etwa in Stanford. Die vierte Massnahme schliesslich zielt auf das Kapital. Schweizer Pensionskassen investieren weniger als 0,2 Prozent ihrer Vermögen in hiesige Risikokapitalfonds. Das ist eine erstaunliche Zurückhaltung für Institutionen, deren langfristige Solvenz von Unternehmen abhängt, die noch gar nicht existieren. Die Schweiz braucht neben der Sorge um das Bestehende eben auch Kühnheit, um Neues zu schaffen.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger

Blog, Industrie 4.0

#361 – KI-Panik: Wir ersetzen uns selbst

Panik in der obersten Führung
Auslöser für den Beitrag von Madison Mohns auf TEDxWrigleyville im Juli 2023, mit dem Titel «Drei Möglichkeiten, KI zu nutzen, ohne seine Kolleg:innen zu ersetzen» war eine interne Mail des Managers ihres Managers (dritte Hierarchiestufe?). Bis am Ende des Tages wünschte er ein Dokument auf seinem Pult mit allen Angaben, woran ihr Team im Zusammenhang mit KI gearbeitet hat. Da herrschen grosse Wissenslücken. Der Vorstand eines grossen Unternehmens hat offensichtlich Gerüchte über dieses neue Ding namens ChatGPT vernommen und wollte wissen, was die «Untergebenen» dagegen tun. Die oberste Führungsebene hat Angst vor der Zukunft und will wissen, wie man dieses «technische Problem» löst.

Das Paradoxon im Umgang mit künstlicher Intelligenz
Madison Mohns, die jeden Tag mit Modellen des maschinellen Lernens arbeitet, weiss aus erster Hand, wie rasant sich die Technologie entwickelt und welche endlosen Möglichkeiten für Innovationen diese bietet. Sie weiss auch, wie die exponentielle Verbesserung bei KI-Systemen zu einer existenziellen Bedrohung für ihr Team wird. Dank einfacher Zugänglichkeit und unheimlich menschenähnlichen Ergebnissen, setzen Unternehmen auf Automatisierung, um die Effizienz zu steigern. Doch was oberflächlich betrachtet als grosse Vision erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als unangenehmes Paradoxon. Um die Leistungsfähigkeit von KI-Systemen zu nutzen, müssen diese trainiert und um den hohen Qualitätsstandards gerecht zu werden, fein abgestimmt sein. Aber wer definiert die Qualität und wer trainiert diese Systeme überhaupt? Das sind echte Fachexpert:innen und meist genau dieselben Leute, welche gerade diese Arbeit erledigen. Wie erklärt man also einem Team, die Systeme zu trainieren, die einem selbst ersetzen könnten. Uns «Alten» kommt dabei eine nicht zu unterschätzende Aufgabe zu, haben wir doch unsere Karriere meist abgeschlossen und müssen nicht mehr um unsere Stelle bangen. Dank unserer Erfahrung sind wir prädestiniert, im Team zusammen mit den «jungen Wilden» die Systeme auf ihre Robustheit zu prüfen.

Ersetzt künstliche Intelligenz uns Menschen? Illustration Simon Tanner / NZZ

Wenn Menschen sich selbst ersetzen
Forschungsergebnisse aus dem Jahr 2023 von OpenAI zeigen, dass bei etwa 80 Prozent der US-Arbeitskräften, durch die Einführung von GPTs (Generative Pre-trained Transformer) bis zu 10 Prozent ihrer Tätigkeiten gefährdet sind, während rund 19 Prozent von Belegschaften bis zu 50 Prozent ihrer Aufgaben beeinträchtigt sehen könnten. Bei der Auslagerung von Tätigkeiten, diskriminiert die KI auch nicht zwischen dem immensen Ausbildungsaufwand oder dem Bildungsstand der Menschen. Berichte des Pew Research Center und der Brookings Institution haben ergeben, dass viele Hochschulabsolventen in besser bezahlten Bereichen stärker von KI-Auslagerungen betroffen sind. Treffen kann es uns alle und Aufhalten lassen sich solche Trends sowieso nicht. Aus der Geschichte wissen wir, wie sich während der industriellen Revolution ähnliche Situationen ergaben. Madison Mohns erwähnt dazu beispielsweise Henry Fords legendäre Automobilproduktionslinie für das Modell T, wo Arbeiter und Maschinen einen synchronen Tanz mit bestimmten und sich wiederholenden Aufgaben aufführen, während sich das Produkt entlang der Linie bewegte. Nicht unähnlich ist die Lage heute, wenn die Menschen selbst eine entscheidende Rolle bei der Schulung der Systeme spielen und so schliesslich ihre einst vielseitigen Rollen selbst ersetzen.

KI-In-Business

Drei ethische Prinzipien zur Einführung von KI
Der Mensch hat immer wieder Wege gefunden, sich anzupassen und zu innovieren. Während einige Rollen tatsächlich ersetzt wurden, entstanden neue Tätigkeiten mit erhöhten Fähigkeiten, wie Kreativität und kreative Problemlösung, welche die Maschinen einfach nicht reproduzieren konnten. Die Beziehung zwischen Mensch und Maschine war schon immer ein heikler Balanceakt. Wir trainieren Maschinen darauf, uns zu ersetzen, während wir gleichzeitig für uns neue Möglichkeiten entdecken, um als Unternehmer nicht ins Hintertreffen zu geraten. Madison Mohns verlässt sich dabei auf drei von ihr definierten ethischen Prinzipien, um sicherzustellen dass Manager mit den Auswirkungen einer sich selbst ersetzenden Belegschaft klarkommen. Zuallererst muss die KI-Transformation transparent sein. Führungskräfte müssen den Dialog fördern und auf zentrale Anliegen eingehen. Zweck und potenzielle Herausforderungen bei der Implementierung von KI müssen erläutert werden, auch im Hinblick auf die Gestaltung seines eigenen beruflichen Schicksals. Zweitens muss darüber diskutiert werden, wie die KI als «Erweiterungswerkzeug» genutzt wird. Welche ungeliebten Tätigkeiten oder Routinearbeiten können an die Maschine delegiert werden, um das Potenzial und die Produktivität der Mitarbeitenden zu steigern. Schlussendlich müssen wir uns umschulen und weiterbilden um nicht ersetzt zu werden. Wir müssen mit entsprechenden Fähigkeiten und Kenntnissen ausgestattet sein um in einer KI-gestützten Zukunft erfolgreich zu sein. Dazu müssen wir die Technologie akzeptieren. Die KI zwingt uns in eine Kultur des kontinuierlichen Lernens, in der Umschulung von grösster Bedeutung ist. Die rasante Entwicklung der KI-Technologie birgt sowohl Chancen als auch Herausforderungen an Mitarbeitende und Führungskräfte. Wir müssen eine gemeinsam Zukunft gestalten, die den menschlichen Einfallsreichtum und den technischen Fortschritt harmonisch vereint und wo KI das menschliche Potenzial steigert, anstatt es zu ersetzen.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger