Künstliche Intelligenz KI macht Führungskräfte effizienter
Wir müssen unsere Art, zu führen, anpassen, unsere Art, Unternehmen zu managen. Mikołaj Jan Piskorski (53) ist Professor für digitale Strategie, Analytik und Innovation, sowie Dekan für Executive Education am International Institute for Management Development, kurz IMD, in Lausanne. Er gilt als Experte für digitale Strategie, Plattformstrategien und digitale Transformation. Im Interview von Bernhard Bieler im NZZ Story Lab, unter dem Titel: «Die Besten nutzen Schocks für die Zukunft», erklärt er weshalb künstliche Intelligenz KI den persönlichen Austausch für Führungskräfte nicht weniger wichtig, sondern noch wichtiger macht. Führungskräfte müssen Krisen bewältigen und gleichzeitig Zukunft gestalten. Seit Covid, den Kriegen in der Ukraine und im Iran sowie den Zollumwälzungen seitens der USA haben die geopolitischen Unsicherheiten erheblich zugenommen. Der Managementjob hat sich in einer Weise verändert, mit der die meisten Führungskräfte noch nicht ganz Schritt gehalten haben. Politisches Verständnis war früher nützlich, heute ist es unverzichtbar. Man kann kein grosses Unternehmen führen, ohne zu verstehen, wie Entscheidungen in Riad, Delhi, Abu Dhabi oder Peking getroffen werden.
Erfahrung schlägt kodifiziertes Wissen
KI macht erfahrene Führungskräfte effizienter in ihrer Arbeit, und sie hilft uns, neue Wege zu finden. Vor zehn Jahren bestand die Aufgabe darin, Ergebnisse zu liefern. Heute besteht die Aufgabe darin, Ergebnisse zu liefern und gleichzeitig mit demselben Team Neues zu entwickeln. Dabei ist zu beachten, dass KI das Generische noch stärker zur Massenware macht. Deshalb, je mehr generische Inhalte es gibt, desto wertvoller wird das Spezifische. Die Forschung erklärt uns, dass frisch erlerntes Wissen (kodifiziertes Wissen) leichter durch KI ersetzt werden kann als langjährige praktische Erfahrung, Kompetenz und Intuition (nicht kodifiziertes Wissen). Erfahrung schlägt kodifiziertes Wissen. Wenn diese Erfahrung auf Neugierde, Veränderungsbereitschaft und Technologieaffinität trifft, entstehen für uns «Alte» besonders wertvolle Qualifikationsprofile.

Dauerstress und fundamentaler Wandel
In der Westschweiz gebe es den Spruch «La Suisse se lève tôt, mais elle se réveille tard» – die Schweiz steht früh auf, aber erwacht spät. Peter A. Fischer (60), Journalist und Chefökonom, Co-Leitung NZZ Pro, sieht im Beitrag der NZZ vom 4. Juni 2026 dunkle Wolken am KMU-Horizont. Die Stimmung unter den Unternehmen sei so pessimistisch wie seit dem Jahr 2021 nicht mehr. Vielen Firmen fallen strategische Anpassungen zunehmend schwer. So agil sich die Unternehmen auch geben, so sehr hat eine substanzielle Minderheit zunehmend Mühe, mit dem Dauerstress und dem fundamentalen Wandel umzugehen, der nach strategischer Veränderung ruft. Trotzdem dürfe man diesen Wandel nicht als Bedrohung begreifen, müsse vor allem innovativ sein, findet ein Betroffener. Um erfolgreich zu bleiben muss die Schweizer Industrie immer wieder mit neuen Produkten an den Markt gehen und sich dabei auf zahlungsbereite, anspruchsvolle Nischen konzentrieren. Viele Unternehmer machen sich Sorgen um den Erhalt der industriellen Basis in der Schweiz. Das Land muss aufwachen, bevor es zu spät ist.
Die Fabrik der Zukunft
Im Boston Consulting Group BCG Manufacturing Bericht vom 28. Mai 2026, weisen Daniel Kuepper, Romain Pavy-Biraud, Mouhcine Berrada, Alex Yurek, and Mei-Jung Chen den Weg wie dies gelingen kann. Die «Factory of the Future FoF» transformiert die Produktion ganzheitlich. Sie schafft Wert durch von Grund auf neu gestaltete Prozesse, die über isolierte Automatisierung oder KI-gestützte Anwendungsfälle hinausgehen. Dabei gilt, die Orchestrierung verschiedener Fähigkeiten zu einer kohärenten, integrierten Neugestaltung, um Materialfluss, Maschineninteraktion, Entscheidungsfindung und Variabilitätsmanagement zu optimieren. Verbesserungen in einem Teil der Fabrik verstärken die Verbesserungen in anderen Bereichen und erzeugen so einen kumulativen Effekt im gesamten Betrieb. Mit den veränderten Umstellungskosten ändert sich auch die relative Wettbewerbsfähigkeit der Standorte. Es geht nicht mehr darum, wo die Arbeitskräfte am günstigsten sind, sondern darum, ob die Modernisierung zu einer Fabrik der Zukunft einer Verlagerung an einen kostengünstigeren Standort überlegen ist. Um diese Frage zu beantworten, müssen verschiedene Dimensionen nacheinander bewertet werden: beginnend mit den Anforderungen an die Resilienz, dann die Kostenauswirkungen, die qualitative Bereitschaft, insbesondere in Bereichen wie digitaler Infrastruktur und Arbeitskräftepotenzial und der breitere Geschäftskontext. Wir «Alten» stehen dabei mit unserer Erfahrung gerne zur Verfügung.
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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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