Blog, Industrie 4.0

#298 – Innovation im demografischen Wandel

«Alte» im Betrieb
Vor vier Jahren durfte ich ein Impulsreferat zum Thema: «Ältere Mitarbeitende, Gewinn oder Last?» über die Generation 60 plus halten. Eingeladen hat mich Jean-Philippe Hagmann und seine Agentur für radikale Innovation. Hagmann ist Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW und Buchautor. Nach eigenen Angaben unangenehmer Berater für radikale Innovation, der ausschliesslich mit mutigen und weitsichtigen Unternehmen zusammen arbeitet. Denn alles andere ist für ihn Innovationstheater. Hagmann beschäftigt sich mittlerweile über 10 Jahre praktisch täglich mit dem Thema der Innovation – und je länger er sich damit beschäftigt, desto schwieriger ist es für ihn, die Frage zu beantworten, was Innovation ist. Für mich stand damals wie heute die Digitalisierung im Fokus, mit deren Vorteilen sich viele «Alten» immer noch schwer tun. Dies führt zu unnötigen Spannungen im Arbeitsverhältnis mit den «jungen Wilden».

Mut zur Transformation
Im Beitrag von David Torcasso, BILANZ 12.10.2018 mit dem Titel: Digitalisierung: «Das Eigenlob der Schweiz ist unangebracht» beschreibt der Autor diesen Zustand. Die Schweiz lobt sich gerne als digitalisiertes Land. Technisch gesehen mag das stimmen, aber wie sieht es mit digitalen Geschäftsmodellen aus? Spätestens seit Corona, dem Krieg in der Ukraine und der Energiekrise, kennen wir die Antwort darauf. Persönlich stelle ich ein komplettes Versagen der Beteiligten fest, trotz Milliardeninvestitionen in die Technologie. Experten äussern sich im Beitrag über das mangelnde Verständnis der Digitalisierung. Man habe zu viel über Software und Technologie nachgedacht und zu wenig über die Interaktion mit den Kunden und die internen Prozesse und Arbeitsweisen. Man muss die ganze Organisation neu denken. So braucht es neben den älteren Vertretern in den Schweizer Verwaltungsräten auch neue, jüngere und agile Köpfe, die offen sind für Veränderungen und den Mut haben die Transformation voranzutreiben.

Bild: Dr. Madanmohan Rao, Research Director, YourStory Media Plattform für Startups und Investoren, Bangalore, Indien

Neugierde ist der Grundstein jeglicher Kreativität
«Stellen Sie Fragen, und lassen Sie dem Tüftlergeist Ihrer Mitarbeitenden freien Lauf!» schreibt Nicole Rütti in der NZZ vom 27. November 2022. Laut Spencer Harrison, Professor für Organisational Behaviour an der französischen Kaderschmiede Insead, ist Neugierde für Unternehmen (über-) lebenswichtig: «Sie ist es, die uns dazu antreibt, nach Mustern zu suchen, nach Informationen und neuen Erkenntnissen.» Neugierde sei der Grundstein jeglicher Kreativität. Ohne Neugierde sind Firmen im Urteil des Insead-Forschers aufgrund des ständigen Wandels dem Untergang geweiht. Neugierde habe viel mit Veränderungsbereitschaft und Transformationsintelligenz zu tun, und diese gelte es in Unternehmen zu fördern. «Wenn wir neugierig sind, betrachten wir Situationen auf kreativere Art und Weise. Wir suchen nach Alternativen», erklärt auch Francesca Gino, Professorin an der Harvard Business School. «Wir sind auch eher bereit, uns in andere einzufühlen und andere Ideen zu erörtern, anstatt nur die eigene Perspektive einzunehmen.»

Das Wissen über das nicht Wissen
Vier Jahre nach meinem ersten Kontakt mit Jean-Philippe Hagmann, verfolgte ich im vergangenen Monat November auf LinkedIn seine täglichen Beiträge zum Thema Innovation. Hier eine Zusammenfassung dieser Veröffentlichungen: Hagmann weiss immer noch nicht, was Innovation ist, und das ist gut so. Für ihn ist das Wissen über das Nicht-Wissen einer der stärksten Motoren für die Innovation. Mit dem Wissen ist es nämlich etwas paradox. Das Streben nach Wissen ist gut. Wissen hingegen nicht. Wer nämlich etwas weiss, braucht nicht mehr zu lernen. Und wer nicht mehr lernt, bleibt stehen. Wer eingesteht, fast nichts zu Wissen, aber nicht aufhört, nach Wissen zu streben, entdeckt Neues. So werden Innovationen geboren. Eine Innovation ist immer etwas Neues. Schliesslich liegt dem Begriff das lateinische «innovare», also «erneuern» zugrunde.

Killer Innovations, Phil McKinney, CEO bei CableLabs, Amerikanisches Innovations- Forschungs- und Entwicklungslabor

Innovationskultur fördern
Doch Innovation ist nicht automatisch gut oder besser, sie sollte einen Mehrwert bringen und auch erfolgreich sein. Sie muss überraschend sein und mit den Erwartungen der Zielgruppe brechen, und das Risiko des Scheiterns ist gross. Innovation lässt sich nicht auf morgen verschieben, der Denkfehler liegt darin, dass Innovation für viele Unternehmen wichtig, aber nicht dringend ist. Hagmann sieht Innovation als Disziplin, bei der bereits Diskussionen und Denkmuster zu Beginn eines Innovationsprozesses einen wesentlichen Einfluss auf das Ergebnis haben. Nicht die Idee (wir alle haben gute Ideen) steht für ihn im Zentrum, sondern die Frage nach dem Problem. In frühen Phasen des Prozesses kann niemand gute Ideen von schlechten unterscheiden. Auch ist die Liebe zur Idee oft immun gegen Kritik, weshalb man sich in das Problem verlieben sollte. Da sich die Konkurrenz mit Standardfragen über dasselbe Problem den Kopf zerbricht, ist es einfacher Fragen zu beantworten, welche sich so kaum jemand zuvor gestellt hat.

Vertrauen in die Fähigkeiten und Erfahrungen der «richtigen» Personen
Deshalb schlägt Hagmann vor, nicht nach Ideen, sondern nach interessanten Fragen zu suchen und diese zu hinterfragen. Wenn auf eine Frage oder ein Problem eine schnelle Antwort bereits genügen würde, dann wäre es bestimmt bereits umgesetzt worden. Suchen wir also nicht nach schnellen Antworten. Wirklich innovative Ideen und Konzepte lassen oft ungute Gefühle in der Magengegend aufkommen. Niemand kann wissen, ob eine Idee erfolgversprechend ist oder nicht. Weder der Ideengeber, noch die Geschäftsführerin. Ein gängiger Reflex in solchen unsicheren Situationen ist der Ruf nach Steuerung, nach Methoden und Rezepten, nach Kennzahlen. Doch all das nimmt der Kreativität den Atem. In unsicheren und neuartigen Situationen braucht es vor allem eins: Vertrauen in die Fähigkeiten und Erfahrungen der richtigen Personen. Mit unserer Erfahrung, Neugierde, Ausdauer und neutralen Aussensicht sind wir «Alten» als Sparringspartner oder Mentoren ideale Gesprächspartner.

Kritik an der Idee. Kritik am Vorgang
Kritik ist immer eine Einladung zum Nachdenken. Kritik kann wichtige Schwachstellen aufdecken und damit zu besseren Ergebnissen führen. Um etwas kritisch beurteilen zu können, brauchen wir einen Massstab. Also eine Referenz, Erfahrungswerte oder Wissen. Eine neuartige Idee zu kritisieren fällt vielen Menschen leicht. Anders sieht es mit der Kritik am Vorgang aus. Sind dort Erfahrungswerte und Wissen vorhanden? Lebenserfahrung kann nicht erlernt werden, diese ist das Resultat eines langen und ereignisreichen Lebens. «Alte» in gemischten Teams sind deshalb wichtig, denn hier gilt es auf die Kritik von erfahrenen Innovatorinnen und Innovatoren zu hören. Bekanntlich gibt es viel mehr Wege, die nachweislich schwierig, riskant oder schlicht und einfach schlecht sind. Es gibt nicht viele Menschen, die sowohl leidenschaftlich an einer bahnbrechenden Idee arbeiten, als auch über Kenntnisse und Erfahrungen mit den Tücken des Innovierens verfügen.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz → hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Anfragen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


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#294 – Wissen hemmt Innovation

Brainstorming für die Zukunft
«Über 1.5 Mio. Menschen in der Schweiz sind heute älter als 65 und in 30 Jahren werden es rund 2.6 Mio. sein», begann Dr. phil. Antonia Jann, Gerontologin und Unternehmerin ihre Präsentation zum Thema Wohnen im Alter. Organisiert hat den «FutureSprint – Workshop: Wohnen» vom 28. Oktober 2022, das Team um Rachel Manetsch, Gründungsmitglied bei FocusFuture. Es war eine Pilotveranstaltung, bei der man das Format testen wollte. In weiteren Workshops sollen künftig neue Erkenntnisse erarbeitet werden, über das Altern und das Leben in der Pensionierung aus verschiedenen Perspektiven. Das Thema «Wohnen» ist Teil dieser weiterreichenden Diskussion um die Zukunft von uns «Alten». Denn im Vergleich zu unseren Eltern beschert uns der demografische Wandel eine rund zehn Jahre längere Lebenszeit. Die Zahl der Seniorinnen und Senioren ab 80 Jahren wird sich von 460’000 im Jahr 2020 auf 1,11 Millionen in 2050 mehr als verdoppeln. Was machen Frauen und Männer in der Schweiz mit diesem Geschenk und was sind die Konsequenzen für Wohnen, Arbeitswelt, Bildung und Politik?

«Design Thinking», Teilnehmende am «FutureSprint – Workshop: Wohnen» vom 28. Oktober 2022 in Zürich

Der Sprint zum besseren Kennenlernen
Kreative und offene Menschen, Junge wie «Alte», waren zum Workshop eingeladen um ihre Erfahrung einzubringen, Wünsche und Hoffnungen zu formulieren. Gemeinsam entwickelten die Teams, basierend auf der Innovationsmethode «Design Thinking», Szenarien, Konzepte und schlussendlich drei prototypische Projekte. Obwohl diese, dem straffen Zeitrahmen geschuldet, nichts absolut Neues hervorbrachten, war der Weg dorthin lehrreich und führte zu einem vertieften gegenseitigen Kennenlernen unter den Teilnehmenden. Ziel fürs Erste erreicht.

Wie denken Gestaltende
Design Thinking ist ein Ansatz, der zum Lösen von Problemen und zur Entwicklung neuer Ideen führen soll. Es ist die Absicht, Lösungen zu finden, die einerseits aus Anwender- oder Nutzersicht überzeugend, andererseits markt- und produktorientiert sind. Im Gegensatz zu anderen Innovationsmethoden wird Design Thinking teilweise nicht als Methode oder Prozess, sondern als Ansatz beschrieben, der auf den Grundprinzipien Team, Raum und Prozess beruht. Drei Professoren der Stanford Universität, Kalifornien, erscheinen am Anfang der seit den 1960er Jahren sich konstituierenden Design-Forschung, welche die spezifischen Arbeitsprozesse professioneller Designer erforscht. Man versucht herauszufinden «how designers think», wie Gestaltende denken. Innovation ist etwas Überraschendes, bricht also mit den Erwartungen der Zielgruppe und das Risiko des Scheiterns ist sehr gross.

René François Ghislain Magritte (1898-1967), belgischer Maler, «Ceci n’est pas une pipe» 1929               (keine Pfeife, sondern nur ihr Abbild!)

Wissen braucht Erfahrung
Jean-Philippe Hagmann, Industriedesigner, Agentur für radikale Innovation – Autor (Hört auf, Innovationstheater zu spielen!) und Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, schreibt aktuell auf LinkedIn über Innovation: «Was ist Innovation? Ich weiss es nicht. Und das ist gut so!». Für ihn ist das Wissen über das Nicht-Wissen einer der stärksten Motoren für die Innovation. Mit dem Wissen ist es etwas paradox. Das Streben nach Wissen ist gut. Wissen hingegen nicht. Wer nämlich etwas weiss, braucht nicht mehr zu lernen. Und wer nicht mehr lernt, bleibt stehen. Wer eingesteht, fast nichts zu Wissen, aber nicht aufhört, nach Wissen zu streben, entdeckt Neues. So werden Innovationen geboren. Eine Innovation ist immer etwas Neues. Schliesslich liegt dem Begriff das lateinische «innovare», also «erneuern» zugrunde. Dagegen beschreiben Erfahrungen immer Vergangenes. Wir «Alten» mit Eigenschaften wie Führungserfahrung, sozialer Kompetenz und kommunikativen Fähigkeiten müssen demzufolge unseren Erfahrungsschatz zusammen im Team mit dem Wissen von talentierten Jungen zur Gestaltung des Zukünftigen einsetzen.

«kompetenz60plus.ch»
Mit unserer Erfahrung aus der analogen, zusammen mit Erkenntnissen aus der digitalen Welt, sind wir «Alten» gerne bereit, diese mit KMU’s oder im Team mit jungen Forschenden und Wissenschaftern auf Augenhöhe zu teilen. «kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich als Mentoren oder Sparringspartner aktiv, auch kostenlos, an der Diskussion zur Zukunft von Wirtschaft und Gesellschaft austauschen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Anfragen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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#284 – Serendipität

Wir unterschätzen das Unerwartete
«Erfolgreiche Führungskräfte klammern sich nicht an Pläne. Sie kultivieren intelligentes Glück». Der Titel im Beitrag von Natalie Gratwohl, NZZ vom 22. August 2022, hat meine Aufmerksamkeit geweckt. Es läuft nichts wie geplant. Für viele Chefs ist dies ein Albtraum. Natalie Gratwohl bezieht sich in ihrem Beitrag auf Christian Busch. Der Experte im Bereich Serendipität erklärt, wie es gelingt, loszulassen und stattdessen das Beste aus dem Unerwarteten zu machen. Dabei hat es mir vor allem der Begriff «Serendipität» angetan. Gemäss Wikipedia verwendete der britische Autor Horace Walpole, 4. Earl of Orford (1717–1797), den Ausdruck erstmals in einem Brief vom 28. Januar 1754, an seinen in Florenz lebenden Freund Horace Mann. Die weltweite Verbreitung, die der Begriff vor allem in wissenschaftlichen Kreisen erhielt, geht allerdings auf den US-amerikanischen Soziologen Robert K. Merton (1910–2003) zurück. Er findet sich erstmals 1945 in seinem Werk «The Travels and Adventures of Serendipity». Serendipität, oder das Serendipitätsprinzip, bezeichnet eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist. Verwandt, aber nicht identisch ist die weiter gefasste Redewendung vom «glücklichen Zufall».

Serendipität in der Informationswissenschaft
Auch im Bereich der Informationsabrufe können Serendipitätseffekte eine Rolle spielen, wenn beispielsweise beim Surfen im Internet unbeabsichtigt nützliche Informationen entdeckt werden. Bei der Recherche in professionellen Datenbanken und vergleichbaren Informationssystemen kann es zu Serendipitätseffekten kommen. Hier wird die Serendipität zu einem Kennwert der Fähigkeit eines Informationssystems, trotz eines Überangebots an Daten nützliche Informationen zu finden. Serendipität fasziniert mich. Kombiniert mit der Erfahrung, Neugier, Ausdauer und Weisheit von uns «Alten» sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Dabei verleihen wir in gemischten Teams ein Gefühl von Sicherheit für die Validierung von Ideen, auch dank unseren Wertvorstellungen und Kompetenzen.

Paul Klee (1979-1940) Castle in the Sun, 1928, Bild: YouTube

Intelligentes Glück kultivieren
Das Steckenpferd von Christian Busch, Autor von «Connect the Dots: The Art and Science of Creating Good Luck» (2022), ist die Serendipität, schreibt Natalie Gratwohl. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Schon vor Jahren hat der passionierte Netzwerker zwei Dinge festgestellt: dass erfolgreiche und inspirierende Menschen in ihrem Leben Serendipität kultivieren und dass zufällig neue Ideen entstehen, wenn man die richtigen Leute zusammenbringt. Beides faszinierte ihn, und er begann sich zunächst privat und dann auch wissenschaftlich mit dem Thema zu beschäftigen. Bei Innovationen aller Art spielt der glückliche Zufall eine bedeutende Rolle; man denke etwa an Erfindungen wie Penicillin oder die Röntgenstrahlung. Gerade in Krisenzeiten wird offensichtlich, wie Firmenchefs den Mitarbeitenden keine Gewissheiten oder vermeintliche Sicherheit bieten können. Anstatt mit dem Reflex, die Zügel anzuziehen und mehr Kontrolle auszuüben, sollen Firmenchefs lernen, loszulassen und das Beste aus dem Unerwarteten machen. Dies gehe nicht mit einem Kontrollverlust einher, sondern sei im Gegenteil die einzige Möglichkeit, sich von der Illusion der Kontrolle zu befreien, findet Busch.

Förderung einer Kultur des produktiven Konflikts
Es gibt allerdings wenige Firmen, die ein solches Umfeld fördern. In vielen Betrieben herrscht nach wie vor eine wenig inspirierende Unternehmenskultur, was die Kreativität und eigenständiges Handeln hemmt. Gleichzeitig haben Pläne und Ziele einen derart hohen Stellenwert, dass ein geringer Anreiz besteht, bei neuen Erkenntnissen davon abzurücken. Im Papier von Julia Dhar, Sana Rafiq, und Kateryna Gudziak, BCG Boston Consulting Group Henderson Institute vom 25. Juli 2022 beschreiben die Autorinnen Möglichkeiten, eine gesunde Debatte zu fördern um eine Kultur produktiver Meinungsverschiedenheiten zu schaffen. Während ihrer Arbeit stellten sie fest, dass es selbst in Zeiten der Polarisierung und des erbitterten Diskurses in allen Bereichen der Gesellschaft immer schwieriger wird, offene und produktive Meinungsverschiedenheiten am Arbeitsplatz zu führen. Fast 20% der befragten Tech-Mitarbeitenden geben an, dass sie ihre Vorgesetzten überhaupt nicht ansprechen. Meistens entscheiden sich sogar Manager dafür, nicht zu handeln, weil Veränderungen unbequem sind oder weil das Handeln sie in Schwierigkeiten bringen könnte; es ist sicherer, nichts zu tun. Daher ist es für Führungskräfte oft schwierig, die volle, ungeschminkte Wahrheit zu erfahren, und sie treffen im schlimmsten Fall grosse Entscheide, die auf Halbwahrheiten oder unvollständigen Daten basieren. (Wir kennen dies aus der hiesigen Politik.)

Erste Entwürfe müssen nicht perfekt sein
Eine gesunde Debatte verstärkt die Innovation. Und die Unterdrückung alternativer Meinungen schadet dem Engagement und der Mitarbeiterbindung. Busch rät den Unternehmen systematisch aus Fehlern zu lernen, auch von Ideen, aus denen nichts geworden ist. Dabei geht es nicht darum, das Scheitern zu bejubeln, sondern darum, das Lernen aus unerwarteten Situationen zu fördern. In einem solchen Umfeld experimentieren Mitarbeitende öfter und übertragen Ideen in einen anderen Kontext. Wenn Mitarbeitende mit der Philosophie, Serendipität, nichts anfangen können, bietet es sich an, gemischte Teams intelligent zusammenstellen. Meiner Meinung nach gehören auch «Alte» dazu, welche dies bereits erfolgreich praktiziert haben. Als Coaches oder Mentoren bringen sie eine neutrale Aussensicht in die Diskussion, ohne Angst, Misstrauen oder Missgunst. Teams, in denen Jüngere und Ältere zusammenarbeiten, liefern bessere Ergebnisse. Denn ein guter Altersmix sorgt für mehr Qualität, Kreativität und Innovation. Wichtig sind zufällige Begegnungen am Arbeitsplatz, rund um zentrale Bereiche wie Lounges oder lichtgeflutete Pausenzonen. Um ein gutes Umfeld für kreatives Arbeiten zu schaffen, gilt auch die Devise, dass Ideen und erste Entwürfe nicht perfekt sein müssen.

«kompetenz60plus.ch»
Mit unserer Erfahrung aus der analogen, zusammen mit Erkenntnissen aus der digitalen Welt, sind wir «Alten» gerne bereit, diese mit KMU’s oder im Team mit jungen Forschenden und Wissenschaftern auf Augenhöhe zu teilen. «kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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