Blog, Industrie 4.0

Chancen erkennen

Ein Schweizer bei Google
Interview mit Stefan Betschon, NZZ vom 3.10.2019: Der Schweizer Informatiker und Computerwissenschafter Urs Hölzle (56) arbeitet seit über 20 Jahren bei Google. Als Senior Vice President ist er aktuell für die Weiterentwicklung im Cloud-Computing verantwortlich. Vor 15 Jahren hatte er Google nach Zürich gebracht. Inzwischen ist Zürich der grösste Forschungsstandort von Google ausserhalb des Silicon Valley. Knapp 4000 Leute arbeiten hier für die Firma. Sein Lebensmittelpunkt bleibt jedoch das Silicon Valley, er kommt eigentlich nur noch selten in die Schweiz.

Edward Hopper (1882-1967), Nighthawk, 1942 – Ausstellung Fondation Beyeler 26. Januar 2020

Lernende Maschinen und Datenwolken
Als wichtigste Basisinnovationen, die in jüngster Vergangenheit die Computerwelt verändert haben, nennt Hölzle die «Open-Source-Software», freie Software, die im Quelltext in veränderbarer Form verfügbar ist. Damit verbunden nennt er als zweite Innovation das Cloud-Computing und drittens das Machine-Learning. Er glaubt, dass die Bedeutung von Open-Source-Software durch das Cloud-Computing (Datenwolke) weiter verstärkt wird. In den 1990er Jahren war es so, dass die Wahl eines Hardware-Lieferanten auch die Software-Ausstattung bestimmte. Das ist heute definitiv nicht mehr so. Anthos von Google will die Nutzung von Software als Service, unabhängig von Ort und Gerätetyp, ermöglichen. Machine-Learning wird unseren Alltag in immer grösserem Masse bestimmen. Neben Verkehrssystemen lassen sich damit zukünftig auch Gebäudekomplexe in Sachen Energieeffizienz optimieren.

Chancen erkennen
Seine Assistenzprofessur an der University of California in Santa Barbara hatte Urs Hölzle damals aufgegeben. Aber sein Job bei Google fühlt sich ein bisschen an, als wäre er weiterhin an einer Uni. Google bietet eine intellektuell stimulierende Umgebung. Viele hochqualifizierte Leute arbeiten dort und probieren laufend neue Sachen aus. Es gibt auch mehr Möglichkeiten als an einer Uni, mehr Mitarbeitende, mehr Ressourcen, und vor allem forschen diese an Problemen, welche für die Praxis relevant sind. Hölzle beendete sein Studium an der ETH Zürich vor gut 30 Jahren. Wenig von dem was er damals gelernt hat ist in der heutigen Praxis noch relevant. Aber die Grundlage, die diese Ausbildung schuf, war gut und ermöglicht es ihm, Jahr für Jahr Neues zu lernen.

Erfahrung als bleibender Wert
Lebenslanges Lernen ist eine wichtige Voraussetzung um unseren «Marktwert» zu halten. Seit unserem Lehrabschluss oder den Studienjahren hat sich die Arbeitswelt grundlegend gewandelt. Karrieredenken wurde (für viele) abgelöst durch den Traum von der eigenen Firma oder der Herausforderung wichtige Projekte mitzugestalten. Man ist gewillt auf vieles zu verzichten um seinen Ideen zum Durchbruch zu verhelfen, arbeitet an seinem Netzwerk und geht Kooperationen mit Gleichgesinnten ein. Für uns «Alte» heisst dies zuhören, offen sein für Neues und dank unserer (Lebens-)Erfahrung dort zu unterstützen wo es angebracht scheint. Auch wenn unser Wissen um die jüngsten technologischen Veränderungen Lücken aufweist, bilden die gemachten Erfahrungen einen bleibenden Wert.

«Alte Füchse»
«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. «Alte» im Team, auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen ihre Erfahrung zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein, wir freuen uns über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger

Blog, Industrie 4.0

«Alte» und die sozialen Medien

Inspiriert für diesen Beitrag hat mich der Blog von Marina Zayats, Consultant Corporate Communication & Digital Personal Branding, vom 2. Januar 2020.

Viele Kontakte werden heute zuerst digital geknüpft, beispielsweise auf der extrem professionellen Plattform LinkedIn. Deshalb: Wenn wir nach einer Veranstaltung jemanden googeln und dabei nichts zu der Person finden, auch kein Profil auf den sozialen Medien, werden wir stutzig, denn der erste digitale Eindruck ist heute genauso wichtig, wie der analoge. Wenn wir über Kompetenz sprechen, dann gehört digitale Kommunikation mit dazu. Wer als älterer Mensch diese Medien nicht beherrscht, wird zunehmend unattraktiv für Mitarbeiter, Bewerber, Kunden aber auch für Bekannte. Wir wollen «Alte», die mit uns in den Dialog treten. Menschen, die Themen und Botschaften besetzen, die ihr Wissen auch online teilen und sich vernetzen. Soziale Medien können den persönlichen Kontakt nicht ersetzen, aber sehr wohl verstärken und auch einmal längere Phasen ohne persönlichen Kontakt überbrücken. Kommt es in der Folge zum persönlichen Treffen müssen auch wir «Alten» uns professionell verhalten. Dazu gehört ein aktualisierter Lebenslauf, sicheres (nicht überhebliches) Auftreten und etwas Flexibilität.

David Hockney (83) / Pictures at an Exhibition, 2018

Schwarmintelligenz nutzen
Voraussetzungen für ein gutes Gelingen sind dabei die positive Einstellung, (nicht blindes) Vertrauen und die Begegnung auf Augenhöhe. Bald merkt man, welche Reaktionen eigene Posts auslösen und einen Mehrwert generieren zum Beispiel in Form von Wissen, Inspiration oder den Blick hinter die Unternehmens-Kulissen. Die Vernetzung mit Mitarbeitenden zeigt, welche Inhalte diese teilen und lässt uns die Wahl darauf zu reagieren, Ideen aufzugreifen und für die eigenen Beiträge zu verwenden. Ein «gefällt mir» als öffentliche Anerkennung ist durchaus auch eine Art Wertschätzung für die Gedanken von Kollegen und Kolleginnen aus unserem Umfeld.

Keine Zeit für soziale Netzwerke
Unter dem Titel «Über 50-Jährige profitieren nicht vom Inländervorrang » war im Blick vom 09.01.2020 (SDA/sf) zu lesen, wie Arbeitslose über 50-Jährige laut einer Studie nicht von der Stellenmeldepflicht profitieren. Die neue Verordnung führe zwar dazu, dass viel mehr offene Stellen auf Bewerbungsplattformen ausgeschrieben werden. Aber die Ü50 werden dort oft aufgrund ihres Alters herausgefiltert. Über 50-Jährige hätten oft nur geringe Chancen, weil die Firmen Jüngere bevorzugen würden. Die Ü50 seien vor allem über persönliche Kontakte erfolgreich auf der Jobsuche, weil es bei diesen nur wenige Bewerber gebe. Doch sind 2019 nur noch ein Drittel der Jobs über persönliche Bekanntschaften vermittelt worden. Im Vorjahr waren es noch 41 Prozent gewesen. Der Erfolgsanteil der persönlichen Kontakte nahm also deutlich ab. (Ein Grund ist sicher, dass auch die «Kontakte» wegrationalisiert werden). Viele Unternehmen hätten Vorbehalte gegenüber dem Alter. Pressemitteilungen wie diese verkomplizieren die Diskussion um das Arbeiten im Alter. Neben dem Verlust an analogem Fachwissen, wird dabei auch viel nützliche Erfahrung übersehen. Wie schaffen es «Alte» also weiterhin, an den laufenden Projekten teilhaben zu können, wenn sie keine Zeit haben für die sozialen Netzwerke.

Erfahrung ist weiterhin gefragt
Es liegt an uns, sich einzubringen, sich mit den aktuellen Tatsachen auseinanderzusetzen. Unter dem Titel «Wie künstliche Intelligenz die Arbeitswelt umkrempelt», schreibt Nicole Rütti in der NZZ vom 13.01.2020, wie die Erfahrung von uns (auch alten) Menschen weiterhin wichtig ist. Vor Jahren meinten Wissenschafter warnend, dass zahlreiche Berufe mit der Ausbreitung neuer Technologien verschwinden würden. Die jüngste Entwicklung lässt aber einen anderen Schluss zu. Die Diskrepanz zwischen den angeblich unbeschränkten Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz und ihrem tatsächlichen Anwendungsgebiet ist jedenfalls gross – ebenso die Zurückhaltung der hiesigen Unternehmen. Laut einer Erhebung der Management-Consulting-Gruppe MSM Research ist für beinahe die Hälfte der Ende 2018 befragten Unternehmen in der Schweiz der konkrete Nutzen von KI-Lösungen nach wie vor nicht ersichtlich. Eine Knacknuss ist hierbei nicht zuletzt der Wissensmangel: 58% der Firmen nennen fehlendes internes Know-how als Hemmfaktor für die Einführung von KI-Technologien. Das Thema KI in seiner ganzen Tiefe und Bandbreite sei bei der Mehrheit der Unternehmen noch nicht wirklich angekommen, stellen die Autoren etwas konsterniert fest.

David Hockney (83) / Viewers Looking at a Ready-made with Skull and Mirrors, 2018

Noch ist der Mensch nicht überflüssig
Und welches sind die Folgen am Arbeitsmarkt? Sind nun tatsächlich rund 50% der Arbeitsplätze gefährdet, wie die vielzitierte Studie von 2013 der beiden Oxford-Professoren Carl Benedikt Frey und Michael A. Osborne für die USA prophezeien? Neuere Erhebungen zeigen ein differenzierteres Bild: So gelangen die Berater von McKinsey anhand der Analyse von mehr als 2000 Arbeitstätigkeiten in über 800 Berufen zwar ebenfalls zur Erkenntnis, dass ungefähr die Hälfte der von den Arbeitnehmern ausgeführten Tätigkeiten von der Automatisierung betroffen sein könnten. Dies heisst aber nicht, dass in absehbarer Zeit ganze Berufsgruppen verschwinden werden. Wie die Experten einräumen, könnten mit den derzeitigen Technologien nur etwa 5% der Berufe vollständig automatisiert werden. Mit anderen Worten: Die Automatisierung von Routinetätigkeiten ist in vollem Gange, und sie wird sich auf die Arbeitsweise zahlreicher Berufsgruppen auswirken – vom Schweisser über den Hypothekenmakler bis hin zum CEO. Beim Erstellen von Prognose wird die Technik des maschinellen Lernens den Menschen voraussichtlich ersetzen. Dort aber, wo menschliches Urteilsvermögen gefragt ist, ergänzt sie ihn. Überflüssig macht sie den Menschen nicht.

Kompetente «Alte» gesucht
Zwar fehlt uns vielleicht das Wissen zum aktuellen Stand der Technik, doch dank unserer (Lebens-)Erfahrung sollten wir uns aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen. Auf Augenhöhe mit den Jungen und einer gewissen Bescheidenheit, ohne Besserwisserei. Bitte bringen Sie sich ein, wir freuen uns über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger

Blog

Endlich Zeit für den Erfolg

Solider «Kompass»
Ich bin vor über 40 Jahren fertig geworden an der UCLA University of California at Los Angeles, ich habe damals wenig gelernt, was heute noch direkt für die Praxis relevant wäre. Aber die Grundlage, die diese Ausbildung schuf, war gut, sie ermöglichte es mir, Jahr für Jahr Neues zu lernen. Innerhalb meines «Berufs» trug ich die verschiedensten Hüte, bis heute. Die dabei gesammelten Erfahrungen eignen sich hervorragend als «Kompass» bei der Zusammenarbeit im Team mit jüngeren Generationen. Automation, digitale Entscheidungshilfen, Analysen und computergestützte Projekte steckten vor 40 Jahren noch in den Kinderschuhen, absehbar waren die Entwicklungen aber durchaus. Zumal sie seit den 1960er Jahren in der (Science Fiction) Literatur umfassend thematisiert wurden.

Art Basel Miami, Dezember 2019, Maurizio Cattelan (60) «Comedian» (verkauft für $120,000 USD)

Konzeptarbeit dank Erfahrung
Uns «Alte» deshalb im Konzeptionsprozess für neue Geschäftsmodelle mit einzubinden macht Sinn. Auch als Sparringpartner für ältere «Patrons» können wir viel beitragen, da wir viele Bedenken aus eigener Erfahrung kennen. Unsere Kontakte, sofern wir sie weiterhin pflegen, ermöglichen eine rasche und zielführende Vernetzung. Im Alter haben wir die Zeit (nicht unbedingt die Geduld) unsere Erfahrungen mit Jüngeren zu teilen, uns auf ihre Projekte einzulassen und Ideen voranzutreiben, Visionen zu entwickeln und zum Erfolg verhelfen.

Nicht auf das «gemachte Bett» warten – Eigeninitiative ist gefragt
Gemäss einer Umfrage von Deloitte würden 40% der Schweizer über 50 gerne nach der Pensionierung weiterarbeiten. Für sie finden sich jedoch zu wenig Möglichkeiten zur Teilzeitarbeit und bei den Unternehmen gibt es immer noch Vorurteile gegenüber älteren Mitarbeitenden. Aus SwissInfo 14. November 2019. Dazu auch der Kommentar von Nicole Rütti, NZZ vom 15.11.2019, «Über das Alter spricht man nicht.» Sie schreibt über die Herausforderungen, mit welcher die Wirtschaft durch die zunehmende Alterung der Bevölkerung konfrontiert sein wird. Der demographische Wandel wird das Wirtschaftswachstum in der Schweiz empfindlich dämpfen, wie neue Studien bestätigen.

Das Japan-Szenario vermeiden
Das Japan-Szenario könnte auch hierzulande bevorstehen – schrumpfender Binnenmarkt, Investitionsstau, niedriges Potenzialwachstum und fehlender Unternehmergeist. Zielführend wäre demgegenüber eine Flexibilisierung des Rentenalters. Das biologische Alter eines Menschen stimmt in den seltensten Fällen mit seinem chronologischen Alter überein. Wie alt die Körperzellen eines Menschen sind, hängt nicht nur von der Anzahl Jahre seit seiner Geburt ab, sondern wird ebenso bestimmt von seiner genetischen Beschaffenheit, von seinem Lebensstil oder seinen körperlichen Aktivitäten. Wurde das Gehirn lebenslang durch Lesen, Neugierde oder Weiterbildung trainiert, sind dem (Mit-)Denken im Alter keine Schranken gesetzt.

Kompetente «Alte» gesucht
Zwar fehlt uns vielleicht das Wissen zum aktuellen Stand der Technik, doch dank unserer (Lebens-)Erfahrung sollten wir uns aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen. Auf Augenhöhe mit den Jungen und einer gewissen Bescheidenheit, ohne Besserwisserei. Genaueres zur Plattform «kompetenz60plus.ch» erfahren Sie im doppelseitigen Beitrag von Anfang Jahr in der Schweizerischen Gewerbezeitung oder im Videoclip (3:43′) «FokusKMU» für das Lokalfernsehen vom vergangenen Februar.

Bitte bringen Sie sich ein, wir freuen uns über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger