Blog, Industrie 4.0

#276 – «Alte» im Arbeitsmarkt?

Eine Frage der gesellschaftlichen Akzeptanz
Dieser Tage wird viel über das Potenzial der «Alten» als Ausweg aus dem Fachkräftemangel diskutiert. Doch wie sieht dies in Wirklichkeit aus? Sind wir «Alten» bereit oder fähig, auf die schnellen Veränderungen in der Wirtschaft einzugehen? So einfach ist es eben nicht. Vieles was wir in der Vergangenheit gelernt und jahrelang ausgeübt haben, ist heute automatisiert. Prozesse verändern sich dauernd, gewisse Schritte werden nicht mehr gebraucht, Geschäftsmodelle werden von der Folgegeneration hinterfragt. Tröstlich zu wissen, dass kreative Menschen mit genügend Sozialkompetenz durch digitale Technologien nicht so schnell ersetzt werden, was denjenigen unter uns, die neugierig genug geblieben sind einen Vorteil verschafft. Falls es unsere Gesundheit zulässt und wir weiterhin vertrauensvolle, kommunikative und verlässliche Partner sind, passen wir ins Team. KI künstliche Intelligenz wird die Menschen nicht überflüssig machen, ausser jene, die sich weigern, den Umgang mit KI (beispielsweise im Datenmanagement) zu lernen. Doch es ist auch eine gesellschaftliche Frage, denn oft sind Alter, Herkunft und Geschlecht im Anforderungsprofil der Stellensuchenden wichtiger als Flexibilität, breite Erfahrung und vorhandenes Potenzial.

«Alte» im Arbeitsmarkt: Wunschdenken oder Realität
Wie realistisch ist es, dem Fachkräftemangel durch ein erhöhtes Rentenalter oder durch den Rückgriff auf bereits Pensionierte «Alte» zu begegnen? Der Beitrag «Mitarbeiter verzweifelt gesucht» von David Vonplon, NZZ vom 29. Juni 2022, widmet sich dem Thema. Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), sieht die Schwierigkeiten, ältere Arbeitskräfte länger im Arbeitsmarkt zu halten den Umständen geschuldet. «Die Schweiz hat eine sehr grosszügige Altersvorsorge. Darum sehen die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer keinen Grund, über das Pensionsalter hinaus weiterzuarbeiten.» In anderen Ländern sei dies anders: Dort brauchten viele Menschen in Rente ein «Jöbli», um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Meine Erfahrung mit der Plattform «kompetenz60plus.ch» zeigt ein Bild von durchaus interessierten «Alten», solange damit wenig oder kein Aufwand verbunden ist. Das ist verständlich, denn mit dem Alter verlieren wir etwas an (jugendlicher) Energie und wünschen uns eine Situation mit weniger Risiken und Verantwortlichkeiten. Auch die Fittesten unter uns sehen sich demzufolge weniger als Velokuriere, sondern unterstützen lieber teilzeitlich das Backoffice. Unsere Kompetenzen beruhen auf gemachten Erfahrungen, die wir als Coachs oder Mentor:innen gerne an die nächste Generation weitergeben.

Eva Aeppli (1925-2015), Groupe de 13 (Hommage à Amnesty International), 1968, Centre Pompidou
Foto: © Philippe Migeat – Centre Pompidou

Stellenangebot übertrifft aktuell die Zahl der Arbeitslosen
Seit 2003 erhebt das Bundesamt für Statistik quartalsweise die offenen Stellen. Doch das hat es noch nie gegeben: Ende Mai lag die Zahl in der Schweiz erstmals über 100’000. Und noch bemerkenswerter: Erstmals übertraf das Stellenangebot die Zahl der Arbeitslosen. So standen 114’000 unbesetzte Stellen 98’000 Personen gegenüber, die bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren als erwerbslos registriert waren. Gemäss Boris Zürcher verliessen in den Pandemiejahren viele Arbeitskräfte ihren Beruf, haben sich umorientiert oder gingen in Pension. Entsprechend ist in gewissen Branchen nun der Personal- und Fachkräftemangel gross. In früheren Zeiten konnte die Schweiz offene Stellen jeweils problemlos durch Arbeitskräfte aus dem Ausland besetzen. Doch heute ist das schwieriger. Hauptgrund dafür ist, dass in vielen anderen Ländern Europas gegenwärtig ebenfalls Vollbeschäftigung herrscht.

Hilfe für KMU
Dass das Personal an allen Ecken und Enden fehlt, bekommen vor allem Gewerbebetriebe und KMU schmerzhaft zu spüren: Hotels und Restaurants müssen tageweise oder ganz geschlossen werden. Installateure müssen Aufträge ablehnen, Spitex-Organisationen können nur einen Teil der Dienstleistungen ausführen, Verkehrsbetriebe und Schulen müssen Studierende anstellen. Wie eine Auswertung der Jobbörse Indeed für AWP kürzlich ergab, fehlen passende Bewerberinnen und Bewerber insbesondere für Führungsfunktionen. Neugierige und agile «Alte», die sich weiterbilden und am Puls der Zeit sind, wären hier ideale Kandidaten, auch als Unterstützung auf Teilzeitbasis.

Neue Arbeitsmodelle für ältere Mitarbeiter gefordert
Mit dem ausgetrockneten Arbeitsmarkt beschäftigt sich auch Simon Wey, Chefökonom beim Schweizerischen Arbeitgeberverband. Dass die erwähnten Arbeitskräfte zurückkehrten, beurteilt er als unwahrscheinlich. Tiefe Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen, sowie ein während der Pandemie verschlechtertes Image gewisser Branchen nennt er als Gründe. Priorität im Kampf gegen den Personalmangel muss laut Wey allerdings sein, das Potenzial an Arbeitskräften im Inland besser auszuschöpfen. Neben den bekannten Rezepten macht sich der Ökonom für die Einführung neuer Arbeitsmodelle für ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stark. «Nicht wenige ältere Arbeitskräfte haben Mühe, im Alter mitzuhalten, und bekommen Existenzängste», sagt Wey. Biete man diesen Leuten ein Teilzeitpensum mit etwas weniger Verantwortung an, so trage dies zu einem gefestigteren Arbeitsverhältnis und einer grösseren Zufriedenheit bei. Das erhöhe die Bereitschaft, über das Pensionsalter hinaus zu arbeiten. Boris Zürcher ist skeptischer, was das ungenutzte Potenzial an Arbeitskräften im Inland betrifft. Im internationalen Vergleich sei die Beschäftigungsquote hierzulande bereits rekordhoch. Vielmehr zeige sich, dass auch viele Frauen, die keine Familie hätten, bloss Teilzeit arbeiteten. Es handle sich dabei um einen Wohlstandseffekt: Schliesslich könne man in vielen Berufen auch mit einem Pensum von 60 oder 80 Prozent ein gutes Einkommen erwirtschaften.

Firmen müssen sich bewegen
Während sich die geburtenstarken Babyboomer also gerade massenweise in die Pension verabschieden, bleibt den Unternehmen nichts anderes übrig, als ihre Attraktivität als Arbeitgebende zu steigern, wenn sie ihre offenen Stellen besetzen wollen. Und dabei geht es nicht nur um die Löhne. «Genauso wichtig ist, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr Möglichkeiten zur Teilzeitarbeit erhalten, ihre Arbeitszeiten und ihren Arbeitsort selber wählen können und es Regelungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf gibt», sagt Wey. Gemäss Daniel Lampart, Chefökonom beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund, habe sich der Anstellungsprozess bereits verändert: Auch Bewerber, die nicht alle Qualifikationen für eine Stelle mitbrächten, könnten sich Chancen auf einen Job ausrechnen. «Erkennen die Firmen Potenzial in den Arbeitskräften, sind sie auch vermehrt bereit, diese Personen zu unterstützen und fortlaufend ‹on the job› auszubilden.»

Kraft des Wandels erkennen
Nicole Rütti, schreibt in der NZZ vom 19. Juni 2022 wie Firmen um die Gunst der Generation Z, die Altersgruppe der zwischen 1997 und 2012 geborenen, buhlen. Etwa 1,4 Millionen Schweizerinnen und Schweizer gehören zur Generation Z. Inzwischen bilden die nach 1996 Geborenen schon knapp 12 Prozent der Erwerbstätigen. Die jungen Leute sind schliesslich die Berufseinsteiger von heute und die Kunden von morgen. Wie man diese Kraft des Wandels einbindet, um Erkenntnisse und Ideen zu gewinnen, die uns in eine bessere Zukunft führen, müssen auch wir «Alten» verstehen. Für die junge Generation sind vor allem Nachhaltigkeit, Ethik, Gerechtigkeit, flache Hierarchien und flexiblere Arbeitsmodelle wichtig. Die Jungen sind oft gut ausgebildet, wissbegierig und digitalaffin und Firmen die auf der Suche nach Geschäftsmodellen der Zukunft sind, erhoffen sich von der Generation Z neue Impulse. Dazu müssen sie offener kommunizieren, ein neues Führungsverständnis entwickeln und den Jungen mehr Verantwortung übertragen.. Auch ein umgekehrtes Mentoring ist denkbar. Dabei schlüpft eine ältere Person in die Rolle des Mentee und lernt – beispielsweise bei digitalen Themen – von einer jungen Person. Bei all diesen Anpassungen steht allerdings nicht nur die Generationenfrage im Vordergrund. Der Wandel der Arbeitswelt geht weit darüber hinaus. Mit Blick auf die anstehenden Herausforderungen ist es wenig ratsam, Babyboomer, Millennials und Generation Z gegeneinander auszuspielen, sondern ein gemischtes Team an Bord zu haben, das ein Unternehmen vorantreibt. Erfahrung und Ideen, Kreativität und Strukturen sowie die gegenseitige Anerkennung der unterschiedlichen Stärken und Perspektiven, gehören ebenso dazu, wie die richtigen Fragen zu stellen.

«kompetenz60plus.ch»
Mit unserer Erfahrung aus der analogen, zusammen mit Erkenntnissen aus der digitalen Welt, sind wir «Alten» gerne bereit, diese mit KMU’s oder im Team mit jungen Forschenden und Wissenschaftern auf Augenhöhe zu teilen. Suchen Sie einen Mentor, eine Mentorin oder Coach, «kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger

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#250 – «Alte» im Team, notwendiger Paradigmenwechsel

Fachkräftemangel
Unter dem Titel «Zunehmender Fachkräftemangel: Frauen und Rentner sollen die Zürcher Wirtschaft retten» schreibt Zeno Geisseler, NZZ vom 9. Dezember 2021, über das Dilemma zwischen Fachkräftemangel und der Bereitschaft, ältere erfahrene Kräfte im Arbeitsmarkt zu behalten. Wenn die Zürcher Wirtschaft weiter wachsen soll wie bis jetzt, bräuchte es bis 2050 gemäss einer aktuellen Prognose, über 200’000 neue Arbeitskräfte. Teilzeitpensen und Frühpensionierungen werden je länger, je mehr zu einem volkswirtschaftlichen Problem. Eine grosse Herausforderung bildet jedoch der demografische Wandel, denn die Bevölkerung wird immer älter: Der Anteil der über 64-Jährigen könnte von 17 Prozent (2020) auf 23 Prozent bis 2050 wachsen, die Gruppe der 15- bis 64-Jährigen hingegen von 68 auf 63 Prozent sinken. Es gäbe voraussichtlich weniger Erwerbstätige und mehr Pensionierte.

Status Quo ist keine Option
Die Wirtschaft sollte deshalb ein vitales Interesse an älteren Mitarbeitenden haben. Für die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh ist «Nichts zu tun, keine Option». Neben den Teilzeiterwerbstätigen, darunter viele Frauen, aber auch Arbeitslose, gebe es auch rund 100’000 «junge» Pensionierte, Personen zwischen 60 und 69 Jahren, die diesen Mangel stoppen könnten. Neben weiteren Massnahmen gehört auch eine höhere Produktivität dank Digitalisierung als Kernpunkt einer effizienten Wirtschaft. Gemäss Walker Späh gelten in der Informations- und Kommunikationstechnik (ICT)-Branche grundsätzlich die gleichen Ansätze wie in der gesamten Zürcher Wirtschaft: Frauen und Ältere sollen einen grösseren Beitrag leisten. Es müssten Wege gefunden werden, das Potenzial der 58- bis 70-Jährigen zu mobilisieren, sagte Alain Gut, ein Vertreter der Branche.

Portrait Jeanne Hébuterne, 1919, Amedeo Modigliani (1884–1920)

Altersparadoxon
Ein Paradigmenwechsel ist die Veränderung bestehender Denk- und Verhaltensmuster. Dazu müssen wir jedoch gewohnte Sichtweisen erkennen, verstehen und der Realität anpassen. Denn Alter ist keine Krankheit! Ein ehemals völlig normaler Lebensabschnitt wird von unserer Gesellschaft immer mehr pathologisiert. Seit Beginn der Pandemie vor bald zwei Jahren auch von Politik und Behörden. Wir «Alten» tragen durchaus noch etwas zur Gesellschaft bei. Wir haben zwar nicht mehr das Wissen der «jungen Wilden», aber viel Erfahrung, Weisheit, Leidenschaft, Empathie, Respekt und Ausdauer. Unsere Karrieren sind gemacht, wir dürfen entspannt in die zweite Reihe treten. Wir lassen uns immer noch begeistern und sind auch gerne bereit den Jungen, auf Augenhöhe, ohne Mahnfinger und Besserwisserei, mit Rat und Tat beizustehen. Was die Wissenschaft heute das «Altersparadoxon» nennt, lässt sich so zusammenfassen: Je älter wir körperlich werden, desto wohler fühlt sich unser Geist.

Zu jung für den «Ruhestand»
Mit 65 in den Ruhestand zu treten, findet der Philosoph Ludwig Hasler deshalb einen Irrsinn. Professuren stehen meist in einem unbefristeten Anstellungsverhälnis. Um dem «Sesselkleben» vorzubeugen, wird (zu) oft das gesetzliche Pensionsalter zum Rücktritt eingefordert. So kommt es, dass die Geotechnikerin und ETH Rektorin Sarah Springman (64) nach einem Vierteljahrhundert an der ETH Zürich und nach sieben Jahren in der Schulleitung das Amt an den Teilchenphysiker Günther Dissertori übergibt. (NZZ vom 7. Dezember 2021). Die äusserst beliebte Rektorin, Mentorin und Vorbild jüngerer Generationen, wird ab Februar 2022 Direktorin des 1893 gegründeten St Hilda’s College der Universität Oxford, England.

Erfahrung basiert auf Vergangenheit
«Das haben wir schon immer so gemacht», «der Mensch ist ein Gewohnheitstier» oder auch «das ist historisch so gewachsen» hört man leider viel zu oft. Dank unseres Gedächtnisses erinnern wir uns an Vergangenes. Dies erklärt auch weshalb ältere Probanden, zur Erledigung eines Vorhabens, im Labor schlechter abschneiden als jüngere. In ihrer gewohnten Um­gebung zeigen sie dagegen bessere Leistungen. Es gibt auch 60-Jährige, die sind frei von Erfahrung. Sie pochen auf ihr Wissen von gestern, fühlen sich bedroht durch die Mentalität der Jungen. Der ECO Talk vom 6. Dezember 2021 mit Reto Lipp, hat meine Observation bestätigt, wie Überheblichkeit von uns «Alten» gegenüber den «jungen Wilden» jegliche Zusammenarbeit erschwert. Man hat viel Erfahrung, aus Führungspositionen, Militär oder Politik und lässt dies wiederholt durchblicken. Solch hierarchisches Denken ist vielen Jungen fremd. In der Diskussion versuchen sie Brücken zu bauen und riskieren dabei, mit ihren «Unzulänglichkeiten» konfrontiert zu werden. Etwas mehr Demut unsererseits wäre angebracht. Der Respekt der Jungen kommt von selbst, wo wir «Alten» Akteure uns aufrichtig für deren Zukunft einsetzen.

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Mit unserer Erfahrung aus der analogen, zusammen mit Erkenntnissen aus der digitalen Welt, sind wir «Alten» gerne bereit, diese mit KMU’s oder im Team mit jungen Forschenden und Wissenschaftern auf Augenhöhe zu teilen. «kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

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#235 – «Alte» Brückenbauer

«Alt» und Arbeitslos, eine Herausforderung
Ältere Angestellte verlieren in der Krise seltener ihre Stelle als jüngere. Doch eine grosse Herausforderung bleibt. Die jüngsten Zahlen des Kantons Zürich zeigen, es sind eher die jüngeren, und nicht die älteren Mitarbeitenden, die in einer Krise ihre Stelle verlieren. Die Mehrheit der älteren Stellensuchenden findet wieder einen Job, zum Teil sogar einen mit einem höheren Lohn. Diese Fakten haben Verantwortliche des Kantons Zürich am 26. August 2021 an einer Medienkonferenz präsentiert. Siehe dazu den Beitrag von Annick Ramp, NZZ vom 27. August 2021. Doch müssen wir auch bereit sein, mit mehr Demut an die Sache heranzugehen. Denn mit unserem beschränkten Wissen und Können allein, wären wir als Individuen niemals in der Lage, in einem immer komplexer werdenden Umfeld zu bestehen. Vorteile von uns «Alten» sind, zusätzlich zur fachlichen Kompetenz, unsere Charaktereigenschaften. Moralische und ethische Regeln und Gepflogenheiten wie Anstand, Fairness, Wahrhaftigkeit, Rücksichtnahme, Einhaltung von Versprechen und dergleichen, die alle aus Überlieferung, Erziehung, Bildung, Erfahrung und Einsicht erwachsen sind, schaffen Vertrauen, und Vertrauen ist das beste Schmiermittel zum Erfolg.

René François Ghislain Magritte (1898-1967), Son of Man, 1964. Bild: Artists Rights Society, New York.

Die Generation 50+ muss digital fitter werden
«Wir sehen einen erheblichen Anteil älterer Stellensuchender, die keine oder kaum Probleme haben auf dem Stellenmarkt», sagte Edgar Spieler, der Leiter Arbeitsmarkt beim Zürcher Amt für Wirtschaft und Arbeit. Doch Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh präzisiert, dass Stellensuchende ab 59 Jahren aufgrund fehlender Fähigkeiten oft Schwierigkeiten haben, den Anschluss nicht zu verpassen. «Die Generation 50+ muss digital fitter werden» sagt sie und fügt auch gleich an, dass dieses Ziel nicht einfach umzusetzen sei. Bei der Generation der 60- bis 64-Jährigen lag die Arbeitslosenquote im Juli 2021 klar höher. Mit dem Alter steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass Stellenlose bei einem neuen Job weniger verdienen als früher. Bei der Generation 60+ ist dies bei rund 70 Prozent der Fall. Jeder und jede Siebte hat also bei der neuen Anstellung Ende Monat weniger Lohn auf dem Konto. Dies entweder, weil der Lohn tiefer ist, oder weil das Pensum reduziert wurde. Immerhin fast ein Drittel verdient allerdings gleich viel oder sogar mehr am neuen als am früheren Arbeitsplatz.

Pflege des eigenen Netzwerks
Die Chancen auf einen neuen, möglichst gut bezahlten Job hängen ganz wesentlich von der Ausbildung ab. Die Studie hat die Berufsprofile der über 50-jährigen Stellensuchenden mit den ausgeschriebenen Stellen verglichen und dabei deutliche Diskrepanzen festgestellt. Fast jede fünfte Person über 50 und ohne Arbeit (18 Prozent) ist sehr gering qualifiziert. Nur 15 Prozent der älteren Arbeitslosen sind akademisch qualifiziert, aber 34 Prozent der Stelleninserate verlangen eine solche Ausbildung. Hier ist die Nachfrage nach geeigneten Leuten also gross, Stichwort Fachkräftemangel. Doch auch diese Zahlen sind zurückhaltend zu lesen. Längst nicht alle Stellen werden ausgeschrieben. «Vieles läuft über den verdeckten Arbeitsmarkt», sagte Katharina Degen, Leiterin Arbeitsmarktbeobachtung beim Amt für Wirtschaft und Arbeit. «Umso wichtiger sind das berufliche Netzwerk und die informellen Kontakte.»

Die Fähigkeit den Wandel und das Tempo mitzumachen
Was heisst das nun für ältere Personen mit und ohne Job? Andrea Engeler, die Chefin des Zürcher Amts für Wirtschaft und Arbeit, machte zwei Megatrends aus. Der erste ist ein demografisch-quantitativer: Die Gesellschaft altert weiter, mehr Menschen scheiden aus dem Arbeitsmarkt aus, während die Zahl der Jungen relativ konstant bleibt. Unternehmen werden also vermehrt auf ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurückgreifen, sofern die Stellen nicht gleich automatisiert oder ins Ausland verlagert werden. Der zweite Trend betrifft die Arbeitnehmenden selbst. «Die Digitalisierung verändert die Anforderungen substanziell und zum Teil existenziell», sagte Engeler. Es gehe aber nicht nur darum, sich diese digitalen Fähigkeiten anzueignen. «Sie müssen auch fähig sein», sagt sie, «den stetigen Wandel und das steigende Tempo mitzumachen.»

Berufsbild «Digitale Brückenbauer» (aus einem Text von Dr. Urs Wiederkehr)
Digitalisierungsprojekte scheitern oft an der Kommunikation oder am Verständnis der Partner, was digital alles möglich wäre. Die Entwicklung digitaler Prozesse erfordert nämlich weit mehr als das blosse Nutzen gängiger Anwendungen, wie beispielsweise den SBB-Fahrplan, Google-StreetView oder einer Standardsoftware aus dem eigenen Fachbereich. Aus meiner Sicht ist diese Aufgabe, wie gemacht für uns «Alte». Die Arbeit entspricht auch physisch unseren Bedürfnissen, lässt sich orts- und zeitunabhängig erledigen und birgt eine hohe Zufriedenheit. Um ihre «Brückenfunktion» ausüben zu können, kennen digitale Brückenbauer beide «Welten»: Verfügen über eine umfassende Erfahrung aus der Praxis und ein breites Wissen beim Einsatz digitaler Technologien. Das Anforderungsprofil beinhaltet deshalb auch Grundkenntnisse in der Programmierung und das Erkennen von Schnittstellen zur Prozessoptimierung. Als Technologieberater treiben sie die Interaktion zwischen Mensch und Maschine vorwärts, bilden sie sich laufend weiter, sind Kundenorientiert und kommunizieren allgemeinverständlich (ohne Anglizismen) in gemischten Teams.

«kompetenz60plus.ch»
Mit unserer Erfahrung und Engagement aus der analogen Welt sind wir «Alten» gerüstet, im Team zusammen mit dem digitalen Wissen der «jungen Wilden», Prioritäten und Ideen mit Engagement und auf Augenhöhe in Ergebnisse umzusetzen. «kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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