Blog, Industrie 4.0

#251 – «Alte» in der Schweiz von morgen

«Was gestern war, muss morgen nicht sein»
Unter dem Titel «Impulse aus einer unparteiischen ökonomischen Ideenwerkstatt» der Herren Beat Brechbühl, Peter A. Fischer, Christoph A. Schaltegger und Kaspar Villiger ist am 24. Dezember 2021 in der NZZ-Verlagsbeilage «Reformideen für die Schweiz» ein Gastkommentar erschienen – Inhalt realisiert durch NZZ Content Creation in Kooperation mit der Bonny Stiftung für die Freiheit. Das Projekt «Liberale Reformideen für die Schweiz 2030» der Initianten soll nicht ein abgeschlossenes Reformprogramm und auch kein neues Weissbuch sein, sondern ein Beitrag zu einer liberalen Schweiz, die nicht nur von ihrer vergangenen Leistung zehrt, sondern auch in Zukunft zu den Erfolgreichen gehört. Damit die Schweiz auch 2030 noch prosperiert, sollte sie zu ihren Erfolgsfaktoren mehr Sorge tragen und ihnen zu neuem Schwung verhelfen. Auch wenn im Wettbewerbsfähigkeitsranking des Lausanner Institute for Management Development (IMD) die Eidgenossenschaft 2021 vor Schweden und Dänemark auf dem ersten Platz rangiert, muss das künftig nicht so bleiben, denn wer nur schon stehen bleibt, fällt zurück.

AIA American Institute of Architects, Gruppendiskussion 2021, branchenübergreifende Kooperation

Stärken stärken
Die Frage, ob die Schweiz auch gut gerüstet ist, um in Zukunft noch zu prosperieren treibt die Initianten und Mitwirkenden auf Grund sich mehrender Zweifel um. 2020 untersuchte das WEF (Weltwirtschafts Forum), wie unterschiedliche Staaten gerüstet sind, um aus der Corona-Krise gestärkt hervorzukommen. Nur beim Kriterium «Flexibilität des Arbeitsumfelds» taucht die Schweiz auf dem dritten Platz auf. Bei der Technologieadoption, den digitalen Fähigkeiten und dem rechtlichen Rahmen schafft sie es nicht einmal mehr unter die ersten zehn. Dabei hat gerade die Pandemie gezeigt, wie wichtig eine rasche Adoption neuer Technologien und privates Unternehmertum, trotz wuchernder Regulierungsflut, sind. Die oft eklatanten Ineffizienzen, die sich etwa im Gesundheitswesen, in der digitalen Infrastruktur, dem Tourismus, dem Bildungswesen oder auch in der Aussenwirtschaftspolitik manifestieren, werden hierzulande mit der finanziellen Giesskanne überdeckt.

Bildung und Arbeitsmarkt, eines von sechs Themengebieten
Die Initianten haben sechs Themengebiete identifiziert, von denen sie glauben, dass sie für die künftige Prosperität der Schweiz zentral sind: das Wissen und die Bildungschancen, die Generationengerechtigkeit beim Älterwerden, das Gesundheitssystem und seine Finanzierung, die Offenheit und Einbindung in die Welt, die Infrastruktur und Klimapolitik sowie die Resilienz und Reformfähigkeit der direktdemokratischen Institutionen. Für jedes Gebiet wurden zwei renommierte, wirtschaftspolitisch erfahrene Ökonominnen und Ökonomen gesucht, die sich gemeinsam und unentgeltlich über effektive Reformvorschläge Gedanken machen und die bereit waren, diese dann mit im jeweiligen Fachgebiet erfahrenen Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft und Gesellschaft zu diskutieren.

Rezept gegen den Fachkräftemangel?
Das Themengebiet Bildung und Arbeitsmarkt soll gemäss Stefan C. Wolter (56), Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) und Conny Wunsch (45), Professorin für Arbeitsmarktökonomie an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel, eine Lösung zum drohenden Fachkräftemangel aufgrund der (Über-)Alterung der Gesellschaft und des technologischen Wandels aufzeigen. Die Autoren finden, dass alle Menschen, die hierzulande eine tertiäre Ausbildung absolvieren, für die von ihnen verursachten Kosten in Form einer nachgelagerten Studiengebühr selber aufkommen sollen. Zudem mögen sie ihre Studienwahl besser an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes ausrichten. Die Quintessenz ihrer Betrachtung ist, dass mehr Bildung mit Fokus auf den Arbeitsmarkt stattfinden soll. (Auf Kosten der Allgemeinbildung?). In einer Art «Planwirtschaft» sollen Anreize entstehen, welche die Wahl des Ausbildungsgangs, das Studienverhalten, die Perspektiven auf den Arbeitsmarkt und das eigene Erwerbsverhalten stärker reflektieren. Ein neues obligatorisches Schulfach «Studien- und Berufswahlkunde» soll angehenden Studierenden die Konsequenzen ihrer Entscheidungen aufzuzeigen. Informationen und standardisierte (staatliche?) Kompetenztests müssten demnach von einer neutralen zentralen Stelle zur Verfügung gestellt werden. Kein Wort über das vorhandene Potenzial an Erfahrung von uns «Alten» und wie dieses, nach dem «gesetzlichen» Pensionsalter, in gemischten Teams weiter genutzt werden könnte.

«Zukunft der Pensionierung» FokusTalk, 7. 12. 2021, Alexis von seniors@work & Rachel von FocusFuture

Wissen wir welche Berufe in zehn oder zwanzig Jahren noch relevant sind?
Rein ökonomische Betrachtungsweisen greifen jedoch viel zu kurz. Die Schweiz von morgen wird eine ganz andere sein. Innovationen und Wissensvorsprung können nicht staatlich verordnet werden. Sehr oft entwickeln sich junge Menschen mit zunehmender Reife in nicht vorhersehbare und schon gar nicht in staatlich quantifizierte Richtungen. Dass mit neuen Ideen auch neue Berufsbilder entstehen ist ein willkommener Nebeneffekt. Aaron Betsky, Direktor der Architektur- und Designschule am Virginia Tech, USA bemerkt im Hinblick auf Präsident Bidens Infrastrukturprojekt: damit die Regierung für die Zukunft etwas bewirken kann, muss sie Colleges und Handelsschulen gebührenfrei machen.

Elon Musk (50), wanderte mit 17 Jahren von Südafrika nach Kanada aus, wo er sich an der Queen’s University in Kingston einschrieb. Nach der Übersiedlung in die USA schloss er das Studium an der University of Pennsylvania in Philadelphia mit einem Bachelor in Volkswirtschaftslehre und Physik ab. 1995 wechselte er nach Palo Alto in Kalifornien und wurde 1995 an der Stanford University zu einem Ph.D.-Programm in Physik (Applied Physics and Materials Science) zugelassen. Nach nur zwei Tagen auf dem Campus beschloss Musk jedoch, das Studium aufzugeben und stattdessen das Unternehmen Zip2 zu gründen (weitere Gründungen seither: SpaceX, Tesla, The Boring Company oder PayPal). Im Business Standard Interview mit Lex Friedman, Forscher für KI künstliche Intelligenz, rät Musk jungen Leuten, so viel wie möglich zu lernen, zu Reisen und neue Menschen kennen zu lernen.

Der 1955 geborene Steve Jobs wuchs in Kalifornien auf. 1972 begann er ein Studium der Kalligrafie, also der Lehre des «schönen, sauberen Schreibens», das er aber sehr schnell wieder abbrach. Daraufhin begann er, Ingenieuren bei der Arbeit an Spielecomputern zu helfen. In der Garage seiner Adoptiveltern entwickelte er 1976 zusammen mit seinem langjährigen Freund Steve Wozniak den ersten offiziellen Apple-Computer. Der richtige Durchbruch gelang 1984, mit dem Apple Macintosh, einem ersten gesellschaftsfähigen PC für Normalbürger. Die Grafik, also bildliche Aufmachung des Computers, brachte auch Möglichkeiten für viele neue Berufsfelder.

Bill Gates’ (66) grosse Leidenschaft lag in der Mathematik und der Wirtschaft. Nach Abschluss der Schule studierte er von 1973 bis 1975 Jurisprudenz in Harvard. Dort machte er auch die Bekanntschaft mit Steve Ballmer, der später zusammen seinem Schulfreund Paul Allen sein Geschäftspartner werden sollte. In Harvard entwickelte Gates eine Version der Programmiersprache «Basic» für den ersten Mikrocomputer «MITS Altair». Gates arbeitete bereits mit seinen Freunden in einer Garage in Albuquerque (New Mexico) an der Weiterentwicklung des schon bestehenden Altair Computers, und 1975 wurde dort die Firma «Microsoft» gegründet.

«kompetenz60plus.ch»
Mit unserer Erfahrung aus der analogen, zusammen mit Erkenntnissen aus der digitalen Welt, sind wir «Alten» gerne bereit, diese mit KMU’s oder im Team mit jungen Forschenden und Wissenschaftern auf Augenhöhe zu teilen. «kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
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#250 – «Alte» im Team, notwendiger Paradigmenwechsel

Fachkräftemangel
Unter dem Titel «Zunehmender Fachkräftemangel: Frauen und Rentner sollen die Zürcher Wirtschaft retten» schreibt Zeno Geisseler, NZZ vom 9. Dezember 2021, über das Dilemma zwischen Fachkräftemangel und der Bereitschaft, ältere erfahrene Kräfte im Arbeitsmarkt zu behalten. Wenn die Zürcher Wirtschaft weiter wachsen soll wie bis jetzt, bräuchte es bis 2050 gemäss einer aktuellen Prognose, über 200’000 neue Arbeitskräfte. Teilzeitpensen und Frühpensionierungen werden je länger, je mehr zu einem volkswirtschaftlichen Problem. Eine grosse Herausforderung bildet jedoch der demografische Wandel, denn die Bevölkerung wird immer älter: Der Anteil der über 64-Jährigen könnte von 17 Prozent (2020) auf 23 Prozent bis 2050 wachsen, die Gruppe der 15- bis 64-Jährigen hingegen von 68 auf 63 Prozent sinken. Es gäbe voraussichtlich weniger Erwerbstätige und mehr Pensionierte.

Status Quo ist keine Option
Die Wirtschaft sollte deshalb ein vitales Interesse an älteren Mitarbeitenden haben. Für die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh ist «Nichts zu tun, keine Option». Neben den Teilzeiterwerbstätigen, darunter viele Frauen, aber auch Arbeitslose, gebe es auch rund 100’000 «junge» Pensionierte, Personen zwischen 60 und 69 Jahren, die diesen Mangel stoppen könnten. Neben weiteren Massnahmen gehört auch eine höhere Produktivität dank Digitalisierung als Kernpunkt einer effizienten Wirtschaft. Gemäss Walker Späh gelten in der Informations- und Kommunikationstechnik (ICT)-Branche grundsätzlich die gleichen Ansätze wie in der gesamten Zürcher Wirtschaft: Frauen und Ältere sollen einen grösseren Beitrag leisten. Es müssten Wege gefunden werden, das Potenzial der 58- bis 70-Jährigen zu mobilisieren, sagte Alain Gut, ein Vertreter der Branche.

Portrait Jeanne Hébuterne, 1919, Amedeo Modigliani (1884–1920)

Altersparadoxon
Ein Paradigmenwechsel ist die Veränderung bestehender Denk- und Verhaltensmuster. Dazu müssen wir jedoch gewohnte Sichtweisen erkennen, verstehen und der Realität anpassen. Denn Alter ist keine Krankheit! Ein ehemals völlig normaler Lebensabschnitt wird von unserer Gesellschaft immer mehr pathologisiert. Seit Beginn der Pandemie vor bald zwei Jahren auch von Politik und Behörden. Wir «Alten» tragen durchaus noch etwas zur Gesellschaft bei. Wir haben zwar nicht mehr das Wissen der «jungen Wilden», aber viel Erfahrung, Weisheit, Leidenschaft, Empathie, Respekt und Ausdauer. Unsere Karrieren sind gemacht, wir dürfen entspannt in die zweite Reihe treten. Wir lassen uns immer noch begeistern und sind auch gerne bereit den Jungen, auf Augenhöhe, ohne Mahnfinger und Besserwisserei, mit Rat und Tat beizustehen. Was die Wissenschaft heute das «Altersparadoxon» nennt, lässt sich so zusammenfassen: Je älter wir körperlich werden, desto wohler fühlt sich unser Geist.

Zu jung für den «Ruhestand»
Mit 65 in den Ruhestand zu treten, findet der Philosoph Ludwig Hasler deshalb einen Irrsinn. Professuren stehen meist in einem unbefristeten Anstellungsverhälnis. Um dem «Sesselkleben» vorzubeugen, wird (zu) oft das gesetzliche Pensionsalter zum Rücktritt eingefordert. So kommt es, dass die Geotechnikerin und ETH Rektorin Sarah Springman (64) nach einem Vierteljahrhundert an der ETH Zürich und nach sieben Jahren in der Schulleitung das Amt an den Teilchenphysiker Günther Dissertori übergibt. (NZZ vom 7. Dezember 2021). Die äusserst beliebte Rektorin, Mentorin und Vorbild jüngerer Generationen, wird ab Februar 2022 Direktorin des 1893 gegründeten St Hilda’s College der Universität Oxford, England.

Erfahrung basiert auf Vergangenheit
«Das haben wir schon immer so gemacht», «der Mensch ist ein Gewohnheitstier» oder auch «das ist historisch so gewachsen» hört man leider viel zu oft. Dank unseres Gedächtnisses erinnern wir uns an Vergangenes. Dies erklärt auch weshalb ältere Probanden, zur Erledigung eines Vorhabens, im Labor schlechter abschneiden als jüngere. In ihrer gewohnten Um­gebung zeigen sie dagegen bessere Leistungen. Es gibt auch 60-Jährige, die sind frei von Erfahrung. Sie pochen auf ihr Wissen von gestern, fühlen sich bedroht durch die Mentalität der Jungen. Der ECO Talk vom 6. Dezember 2021 mit Reto Lipp, hat meine Observation bestätigt, wie Überheblichkeit von uns «Alten» gegenüber den «jungen Wilden» jegliche Zusammenarbeit erschwert. Man hat viel Erfahrung, aus Führungspositionen, Militär oder Politik und lässt dies wiederholt durchblicken. Solch hierarchisches Denken ist vielen Jungen fremd. In der Diskussion versuchen sie Brücken zu bauen und riskieren dabei, mit ihren «Unzulänglichkeiten» konfrontiert zu werden. Etwas mehr Demut unsererseits wäre angebracht. Der Respekt der Jungen kommt von selbst, wo wir «Alten» Akteure uns aufrichtig für deren Zukunft einsetzen.

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#243 – Digitalisierung ist nachhaltig

Eine seltene Gelegenheit
Spätestens ab Januar 2022 sollen die Mitarbeitenden der grossen Techkonzerne zwei Drittel ihrer Präsenzzeit wieder am Arbeitsplatz verbringen. «Wir mussten feststellen, wie sich nicht alles so einfach in virtuellen Räumen erledigen lässt, denn der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht den persönlichen Austausch», äussert sich etwa Tim Cook, CEO von Apple. Gemäss den Erkenntnissen der BCG Boston Consulting Group wäre es aber falsch zu denken, dass wir unsere Tätigkeit nach bald zwei Jahren im Ausnahmezustand, einfach im gewohnten Stil wieder aufnehmen. Führungskräfte müssen überdenken, wie ihre Organisationen strukturiert sind, wie ihre Mitarbeitenden arbeiten und wie sie selbst führen. Die gute Nachricht ist, dass wir die seltene Gelegenheit haben, mit den aus der Pandemie gewonnenen Erfahrungen neu anzufangen. Es gibt kein einheitliches Modell, aber jedes Unternehmen kann Schritte unternehmen, um seine Funktionen und Infrastruktur zukunftsfähig zu machen – angefangen beim Arbeitsplatz selbst, der sich möglicherweise zu einem zentralen Hub mit virtuellen Verästelungen weiterentwickelt.

Umbau KaDeWe Berlin 2021, Architektur OMA Rotterdam. Bild: © Marco Cappelletti, courtesy of OMA

«Alte» im Zeichen des Fachkräftemangels
Die «Zukunft der Arbeit» ist eine falsche Bezeichnung. Führende Unternehmen wissen seit langem, dass unsere Arbeitsweise den Bedingungen der Gegenwart, geschweige denn der Zukunft, nicht gewachsen ist. Die Lösung? Überdenken der Organisation, Talent, Kundenbindung und vor allem Führung. Auch die Erfahrung von uns «Alten» im Team mit den «jungen Wilden» muss in diese Überlegungen einfliessen. Niemand kann sich die Wiederholung der immer gleichen Fehler mangels «Altersweisheit» leisten. Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind zwei Chancen zum Erfolg, sagt der Adidas-Chef Kaspar Rorsted. Beides ist entscheidend, denn beides wollen die Kunden. Dabei betrifft die Digitalisierung sehr viele Firmenbereiche, etwa das Design des Produkts, die Kommunikation an die Konsumenten, die Analyse des Kundenverhaltens, die Pflege der App-Nutzer und natürlich den Online-Vertrieb. Um diese Fähigkeiten zu haben braucht es den Willen und die finanziellen Mittel in den Bereich der Digitalisierung zu investieren. Mobiles Arbeiten, Einkaufen und Bezahlen, sei es mit der Computeruhr oder dem Smartphone, ist Standard. Das traditionelle funktionieren einer «Webseite» verliert immer mehr an Bedeutung.

Veraltete Modelle und Arbeitsweisen
Da fällt auf, dass in der gegenwärtigen Wirtschaft ein Talentmangel besteht. Digitale Innovationen und der Nachweis der Wirksamkeit von Fernarbeit haben eine unangenehme Realität enthüllt: Unternehmen verlassen sich im Grossen und Ganzen auf veraltete Modelle und veraltete Arbeitsweisen. Mitarbeitende erwarten mehr. Kunden tun es auch. Gemäss dem Newsletter der BCG Boston Consulting Group, vom 14. Oktober 2021 suchen 20% der Wissensarbeiter heute nach neuen Jobs und 10mal mehr Stellen in den MINT Bereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) werden unbesetzt bleiben. Kommt dazu die demographische Entwicklung am Arbeitsmarkt, wenn immer mehr Babyboomer mit 65 in Pension geschickt werden.

Die Werkstatt der Zukunft ist vernetzt
Rolf Baumann, Leiter des Instituts für digitale Bau- und Holzwirtschft IdBH an der Berner Fachhochschule BFH ist überzeugt: Alle Unternehmen werden sich in eine von vier Richtungen bewegen. Einige könne auf Grösse setzen und eine starke Markstellung anstreben. Andere werden sich schleichend oder abrupt zurückziehen. Spezialisierung mit einer Nischenstrategie ist eine weitere Möglichkeit. Der vierte Weg ist besonders spannend: Die Kooperation. Kooperationen können horizontal erfolgen, wenn mehrere kleinere Firmen ein Grossprojekt in Angriff nehmen, oder vertikal über die Verarbeitungskette vom Kunden bis zurück zur Rohstoffgewinnung. Firmen können aber auch kooperieren, indem sie gemeinsam Spezialisten anstellen, die sie sich allein nicht leisten können.

Wenn Kunden zu Mitarbeitenden werden
Kunden erwarten vermehrt, dass sie ihr Produkt im Web konfigurieren und bestellen können, sagt Baumann. Um virtuelle Plattformen sinnvoll zu nutzen, muss man Grundprinzipien wie die Parametrik, die Vererbung und die Kombinatorik in den Konstruktionsprozess integrieren. Parametrisch heisst generell, Mengen nicht als konstante Zahlen zu definieren, sondern als eigenständige Variablen, die mit anderen verknüpft werden können. Dabei ist die Qualität nicht mehr das Hauptunterscheidungsmerkmal, das können die meisten. Wenn die Kunden ihre Produkte selber konfigurieren, ist die Herstellung dank Prinzipien und Prozessen in hoher Qualität kein Problem. Wichtig ist die Vernetzung zwischen Mensch und Maschine. Schwierigkeiten bei der Vernetzungen bestehen noch bezüglich proprietärer Systeme verscheidener Hersteller und die Verwendung von Daten mit unterschiedlichen Strukturen. Lösungen dazu finden sich auf dem Gebiet der Schwarmintelligenz, Swarm intelligence (SI). Die Vernetzung von Geschäftsprozessen geschieht im Zusammenspiel von Produktplanung (CAD Computer Aided Design), Geschäftsprozessen (ERP Enterprise Resource Planning) und Fertigungsprozessen (CAM Computer Aided Manufacturing). Lösungen finden sich auf dem Gebiet der Schwarmintelligenz, Swarm intelligence (SI).

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