Blog, Industrie 4.0

#165 – Frühling in Quarantäne

Es sterben nicht nur alte und kranke Patienten
Wir «Alten» müssen auf staatliche Anordnung aktuell geschützt und sogar unter Quarantäne gestellt werden. Wir sind nicht nur gefährdet, sondern auch eine Gefahr. Deutsche Ärzte äussern sich im Zusammenhang mit der notwendigen Triage in den Spitälern zur Eugenik. Mein Freund im Berner Oberland schreibt mir wie er von seiner Gemeinde und der Kirche einen Brief erhielt mit der Aufforderung sich doch bitte nicht mehr in der Öffentlichkeit zu zeigen. Dies obwohl er vor einem guten halben Jahr noch auf einem Viertausender gewesen und schon zu Ostern bei seinem Saisonziel von 35 Skitouren angelangt ist. Mit guter Lebensqualität ein hohes, selbstbestimmtes Alter zu erreichen, ist ein hohes Gut, für das wir alle, auch wir «Alten», Milliarden ins Schweizer Gesundheitswesen investiert haben. Diese positiven Errungenschaften unserer Gesellschaft sind nun plötzlich nichts mehr wert, sondern nur noch eine Last? In seinem Gastkommentar äussert sich Peter Strasser (70), Dozent an der Karl-Franzens-Universität Graz, NZZ vom 08.04.2020 zur Begriffszündelei im Seuchenfall – mit der Corona-Krise steht auch der Generationenvertrag auf dem Prüfstand. Die Knappheit der Mittel im medizinischen Kampf gegen Corona kann Ärzte vor schwere Entscheidungen stellen: Wer soll und darf überleben? Da betagte ältere Patienten hier den Kürzeren ziehen dürften, geht die Rede vom «Senizid» um. Das ist nicht ungefährlich.

Wem ist zu trauen?
Der Beitrag von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt: «COVID-19 – eine Zwischenbilanz oder eine Analyse der Moral, der medizinischen Fakten, sowie der aktuellen und zukünftigen politischen Entscheidungen», Mittelländische Zeitung, 7. April 2020 befasst sich unter Anderem mit Informationstendenzen. Alter ist relativ: Für das «höchste Amt der Welt» ist der eine US-Präsidentschafts-Kandidat heute 73 und sein Opponent 77 Jahre alt. Das Alter der in der Schweiz Verstorbenen liegt zwischen 32 und 100 Jahren. Zudem gibt es einige Studien und Berichte, welche zeigen, dass auch Kinder an COVID-19 verstorben sind. Angeblich beträgt das durchschnittliche Alter der verstorbenen Patienten 83 Jahre. Gewisse Medien-Artikel und Leser-Kommentare überschreiten bei dieser Diskussion jede Grenze, haben den üblen Geruch der Eugenik und es kommen Erinnerungen an bekannte Zeiten auf. Auch das konstante, dümmliche «Prügeln» anderer Nationen und deren Systeme kann kein Rezept dafür sein, globale Probleme gemeinsam anzugehen. China hat dem Westen bis heute 3.86 Milliarden Masken, 38 Millionen Schutzanzüge, 2.4 Millionen Infrarot-Temperatur-Messgeräte und 16’000 Beatmungsgeräte geliefert. Das Versagen unserer westlichen Länder hat dazu geführt, dass wir buchstäblich am medizinischen Tropf Chinas hängen. Lukas Bärfuss äusserte sich kürzlich wie folgt: «Warum die entsprechenden Fabriken nicht mehr in Biberist stehen. Sondern in Wuhan. Und ob dieses Allokationsproblem vielleicht nicht nur Zellulose betrifft, sondern auch Information, Bildung, Nahrung und Medikamente».

Monte Verità, Ascona TI, Sonne Luft und Freiheit, 1920-er Jahre. Bild: Stiftung Monte Verità / Keystone

Corona-Gehorsam
Sars-CoV-2 ist ein neues, feindseliges Virus, das vor allem bei Hochbetagten, Schwerkranken und Immunsupprimierten zum Tode führt. Im Gastkommentar von Susanne Gaschke, NZZ 11.4.2020 lesen wir zur Strategie: Im März 2016 schrieb Nikolaus von Bomhard, damals Vorstandsvorsitzender des weltgrössten Rückversicherers Munich Re: «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein entsprechend gefährliches Virus und die ‹richtigen› Umstände zusammentreffen.» Für manche Risiken – das Coronavirus ist gerade das beste Beispiel – stehen nur wenige Informationen zur Verfügung. Deshalb müssen politisch Verantwortliche ihre Entscheidungen in Unsicherheit treffen – mit der Unterstützung von Fachleuten, aber, so Bomhard, auch auf der Basis ihrer eigenen Intuition: «Bauchgefühl ist eine grundlegende Kompetenz und darf durchaus Bestandteil eines professionellen Risikomanagements sein. Der gesunde Menschenverstand ist zu erstaunlichen Leistungen fähig, wenn es um Risikoeinschätzung geht.» Politiker kommunizieren mit einer Mischung aus Mahnen, manchmal auch Drohen und Ermutigen. Diejenigen welche die Stilllegung des gesamten öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens als angemessen und alternativlos hinterfragen, machen sich schnell als «Corona-Leugner» verdächtig. Selbst tendenziell regierungskritische Zeitungen fragen heutzutage, «welche Gesellschaft wir sein wollen: Eine Gesellschaft, die die Alten und Schwachen schützt? Oder eine, in der nur die Stärksten überleben?»

Kontaktsperren-Totalitarismus
Hans-Jürgen Papier, der ehemalige Präsident des Deutschen Bundesverfassungsgerichts, sagt, wenn sich die vielen Einschränkungen des Alltags über längere Zeit hinzögen, sei «die Freiheit in Gefahr». Der Virologe Hendrik Streeck, der die Empirie des Virus erforscht und das Deutsche Robert-Koch-Regierungsinstitut scharf kritisiert, sagt, wir brauchten «nicht auf Dauer extreme Beschränkungen». Es sei schlimm, wenn Menschen sterben würden. «Aber die Frage ist, ob man mit den Massnahmen andere Existenzen gefährdet und dadurch auch Leben aufs Spiel setzt.» Man ist sich meist einig (Herdentrieb), Risikogruppen, das heisst alle über 65-jährigen (gegenwärtiges Pensionierungsalter!), oder 20% der Schweizer Bevölkerung, besonders zu schützen, aber die Jungen und Gesunden wieder ihrer Arbeit und ihren Aktivitäten nachgehen zu lassen. Diese Diskussion findet ohne uns «Alte» statt, obwohl die grosse Mehrheit von uns relativ gesund ist, alt ist nicht gleich ungesund.

Gehirn im Ausnahmezustand
Dazu ein Interview mit Steven Pinker (65), Professor für Psychologie an der Harvard University, NZZ 11. April 2020. Die Pandemie erinnert uns daran, dass wir unsere Ängste von Zeit zu Zeit kalibrieren sollten – nichts kommt, wie wir es gerne hätten oder vorherzusehen meinen. Krankheiten – Seuchen – sind ein Teil des Lebens, seit es Menschen gibt. Wir wissen, dass Parasiten und Krankheitserreger sich rasend verbreiten können. Zugleich haben wir Krankheiten immer wieder erfolgreich bekämpft, so zum Beispiel die Pocken, und wir sollten darauf eigentlich vorbereitet sein. Das Virus hat angegriffen, wir schlagen zurück – mit Hygienemassnahmen, Impfungen, mit Medikamenten. Wir fahren Verluste ein, aber wir werden siegen. Wir wissen nach wie vor nicht besonders viel über Sars-CoV-2. Gefahren, die uns bedrohen, die wir aber nicht gänzlich verstehen, führen zu anhaltenden Angstzuständen. Unser Gehirn ist dann im Ausnahmezustand. Die mächtigste Gefahr im Falle des Coronavirus ist zweifellos die «exponentielle Ausbreitungsverzerrung». Die Anzahl der Ansteckungen verdoppelt sich jeden Tag und verläuft so schnell, dass wir in kürzester Zeit Dutzende Millionen von Ansteckungen weltweit und Hunderttausende von Toten haben könnten – wenn wir nichts dagegen unternehmen.

Das meiste wird sich als falsch herausstellen
Dabei gibt es keine richtige Entscheidung – es geht stets um eine Güterabwägung und um Meinungen aus den verschiedensten Ecken der Politik. Gemäss Pinker sollten wir stets alle Kosten bedenken, die direkten menschlichen und die indirekten ökonomischen. Im vorliegenden Fall könnte die ungebremste Ausbreitung der Pandemie höhere Kosten verursachen als eine ökonomische Depression. Die Frage ist ob wir womöglich in einen Generationenkonflikt Schlittern – die jüngeren Leute bezahlen den ökonomischen Preis, während die älteren von den politischen Massnahmen profitieren? Dazu findet Pinker, dass unsere Gesellschaften zu Recht auf der Annahme beruhen, dass alle Menschen – egal, welcher Hautfarbe, welchen Alters, welchen Geschlechts – über die gleiche Würde verfügen. Aber in Krisensituationen sind wir gezwungen, uns zu fragen, welches Leben wie viel wert ist, damit brechen wir ein Tabu, und das spüren wir. Wir lernen auch aus dieser Krise, wir arbeiten weiter an unserer Ratio, wir entwickeln neue technische Tools. Optimismus meint ja: Wir minimieren die Tragik des menschlichen Lebens. Alle, die kommen, werden davon profitieren. Das meiste, was nun gesagt und geschrieben wird, wird sich als falsch herausstellen.

Monte Verità, Ascona TI, Ausdruckstanz 1920-er Jahre. Bild: Kunsthaus Zürich, Nachlass Suzanne Perrottet

Welche Ausstiegsstrategie?
«Wir brauchen eine kluge Ausstiegsstrategie», Kommentar von Peter A. Fischer, NZZ vom 10.04.2020. Der gegenwärtige Notstand ist geprägt von nationaler und gar regionaler Abschottung, eigenmächtig handelnden Exekutiven, einer enormen Zunahme der zentralstaatlichen Versorgung, von gewerkschaftlichen Interventionen in Firmen und dem Erhalt bestehender Wirtschaftsstrukturen mit öffentlichen Mitteln sowie von drohender Überschuldung. In manchen Spitälern sind die für Corona-Patienten reservierten Stationen fast leer. Ganze Krankenhausabteilungen leisten Kurzarbeit, eingezogenes Militär langweilt sich. So gerechtfertigt das in der Not sein mag, mittelfristig zerstört es die Wurzeln des Schweizer Wohlstands. Der Bund schätzt den Produktionsausfall durch den Teilstillstand der Wirtschaft derzeit auf etwa 25 Prozent, was direkte Kosten von ungefähr 15 Milliarden Franken pro Monat impliziert. Hinter diesen nackten Zahlen stecken Kurzarbeitsanträge für fast ein Drittel aller Erwerbstätigen in der Schweiz. Arbeitgeber und Beschäftigte haben Existenzängste, nicht nur in geschlossenen Coiffeursalons und Restaurants, sondern in weiten Teilen der Firmenlandschaft. Es drohen eine weltweite Wirtschaftskrise und ein starker Anstieg der Arbeitslosigkeit. Wirtschaftlich muss eine kluge Ausstiegsstrategie darauf ausgerichtet sein, möglichst viele Menschen möglichst schnell wieder richtig arbeiten und mehr konsumieren zu lassen.

Notwendige Korrekturen
Die Behörden haben sehr vieles zugesperrt, damit es die Menschen nicht in die Innenstädte zieht und es nirgends zu Menschenansammlungen kommt. Doch halten sich die Konsumenten an die neuen Vorsichtsmassnahmen, sollte es ihnen auch bald wieder erlaubt sein, mit zwei Metern Abstand, regelmässiger Desinfektion und allenfalls dem Nutzen von Gesichtsmasken, Blumen oder Gartenpflanzen zu kaufen, Kleider, Haushalts- oder Elektrogeräte zu erstehen, zum Arzt zur Kontrolle zu gehen und Golf oder Tennis zu spielen. Sogar Restaurantbesuche könnten so gestaltet werden, dass kleine Gruppen unter sich und stärker vor einer Ansteckung geschützt bleiben. Solche Massnahmen dürfen jedoch nicht darauf abzielen, uns «Alte» weiterhin pauschal zu isolieren und zu diskriminieren. Vielmehr müssen Infizierte künftig besser und frühzeitiger durch Tests erfasst, isoliert und ihre engen Kontakte in Quarantäne gesetzt werden. In einer freiheitlichen Gesellschaft sollte dabei weitgehend auf Eigenverantwortung und Vernunft abgestellt werden. Die Behörden dürfen nicht der Versuchung erliegen, im Zweifelsfall immer restriktiv zu entscheiden. Ideen für einen effizienteren Ausstieg sollten genutzt und ausprobiert werden. Erweist es sich als notwendig, sind Korrekturen jederzeit und ohne Gesichtsverlust möglich. Gefragt sind Kreativität, Flexibilität und auch etwas Mut zu unkonventionellen Umsetzungen.

Wir «Alten»
«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. «Alte» Frauen und Männer im Team, auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen ihre Erfahrung zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein, wir freuen uns über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger

Blog, Industrie 4.0

«Alte» und die sozialen Medien

Inspiriert für diesen Beitrag hat mich der Blog von Marina Zayats, Consultant Corporate Communication & Digital Personal Branding, vom 2. Januar 2020.

Viele Kontakte werden heute zuerst digital geknüpft, beispielsweise auf der extrem professionellen Plattform LinkedIn. Deshalb: Wenn wir nach einer Veranstaltung jemanden googeln und dabei nichts zu der Person finden, auch kein Profil auf den sozialen Medien, werden wir stutzig, denn der erste digitale Eindruck ist heute genauso wichtig, wie der analoge. Wenn wir über Kompetenz sprechen, dann gehört digitale Kommunikation mit dazu. Wer als älterer Mensch diese Medien nicht beherrscht, wird zunehmend unattraktiv für Mitarbeiter, Bewerber, Kunden aber auch für Bekannte. Wir wollen «Alte», die mit uns in den Dialog treten. Menschen, die Themen und Botschaften besetzen, die ihr Wissen auch online teilen und sich vernetzen. Soziale Medien können den persönlichen Kontakt nicht ersetzen, aber sehr wohl verstärken und auch einmal längere Phasen ohne persönlichen Kontakt überbrücken. Kommt es in der Folge zum persönlichen Treffen müssen auch wir «Alten» uns professionell verhalten. Dazu gehört ein aktualisierter Lebenslauf, sicheres (nicht überhebliches) Auftreten und etwas Flexibilität.

David Hockney (83) / Pictures at an Exhibition, 2018

Schwarmintelligenz nutzen
Voraussetzungen für ein gutes Gelingen sind dabei die positive Einstellung, (nicht blindes) Vertrauen und die Begegnung auf Augenhöhe. Bald merkt man, welche Reaktionen eigene Posts auslösen und einen Mehrwert generieren zum Beispiel in Form von Wissen, Inspiration oder den Blick hinter die Unternehmens-Kulissen. Die Vernetzung mit Mitarbeitenden zeigt, welche Inhalte diese teilen und lässt uns die Wahl darauf zu reagieren, Ideen aufzugreifen und für die eigenen Beiträge zu verwenden. Ein «gefällt mir» als öffentliche Anerkennung ist durchaus auch eine Art Wertschätzung für die Gedanken von Kollegen und Kolleginnen aus unserem Umfeld.

Keine Zeit für soziale Netzwerke
Unter dem Titel «Über 50-Jährige profitieren nicht vom Inländervorrang » war im Blick vom 09.01.2020 (SDA/sf) zu lesen, wie Arbeitslose über 50-Jährige laut einer Studie nicht von der Stellenmeldepflicht profitieren. Die neue Verordnung führe zwar dazu, dass viel mehr offene Stellen auf Bewerbungsplattformen ausgeschrieben werden. Aber die Ü50 werden dort oft aufgrund ihres Alters herausgefiltert. Über 50-Jährige hätten oft nur geringe Chancen, weil die Firmen Jüngere bevorzugen würden. Die Ü50 seien vor allem über persönliche Kontakte erfolgreich auf der Jobsuche, weil es bei diesen nur wenige Bewerber gebe. Doch sind 2019 nur noch ein Drittel der Jobs über persönliche Bekanntschaften vermittelt worden. Im Vorjahr waren es noch 41 Prozent gewesen. Der Erfolgsanteil der persönlichen Kontakte nahm also deutlich ab. (Ein Grund ist sicher, dass auch die «Kontakte» wegrationalisiert werden). Viele Unternehmen hätten Vorbehalte gegenüber dem Alter. Pressemitteilungen wie diese verkomplizieren die Diskussion um das Arbeiten im Alter. Neben dem Verlust an analogem Fachwissen, wird dabei auch viel nützliche Erfahrung übersehen. Wie schaffen es «Alte» also weiterhin, an den laufenden Projekten teilhaben zu können, wenn sie keine Zeit haben für die sozialen Netzwerke.

Erfahrung ist weiterhin gefragt
Es liegt an uns, sich einzubringen, sich mit den aktuellen Tatsachen auseinanderzusetzen. Unter dem Titel «Wie künstliche Intelligenz die Arbeitswelt umkrempelt», schreibt Nicole Rütti in der NZZ vom 13.01.2020, wie die Erfahrung von uns (auch alten) Menschen weiterhin wichtig ist. Vor Jahren meinten Wissenschafter warnend, dass zahlreiche Berufe mit der Ausbreitung neuer Technologien verschwinden würden. Die jüngste Entwicklung lässt aber einen anderen Schluss zu. Die Diskrepanz zwischen den angeblich unbeschränkten Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz und ihrem tatsächlichen Anwendungsgebiet ist jedenfalls gross – ebenso die Zurückhaltung der hiesigen Unternehmen. Laut einer Erhebung der Management-Consulting-Gruppe MSM Research ist für beinahe die Hälfte der Ende 2018 befragten Unternehmen in der Schweiz der konkrete Nutzen von KI-Lösungen nach wie vor nicht ersichtlich. Eine Knacknuss ist hierbei nicht zuletzt der Wissensmangel: 58% der Firmen nennen fehlendes internes Know-how als Hemmfaktor für die Einführung von KI-Technologien. Das Thema KI in seiner ganzen Tiefe und Bandbreite sei bei der Mehrheit der Unternehmen noch nicht wirklich angekommen, stellen die Autoren etwas konsterniert fest.

David Hockney (83) / Viewers Looking at a Ready-made with Skull and Mirrors, 2018

Noch ist der Mensch nicht überflüssig
Und welches sind die Folgen am Arbeitsmarkt? Sind nun tatsächlich rund 50% der Arbeitsplätze gefährdet, wie die vielzitierte Studie von 2013 der beiden Oxford-Professoren Carl Benedikt Frey und Michael A. Osborne für die USA prophezeien? Neuere Erhebungen zeigen ein differenzierteres Bild: So gelangen die Berater von McKinsey anhand der Analyse von mehr als 2000 Arbeitstätigkeiten in über 800 Berufen zwar ebenfalls zur Erkenntnis, dass ungefähr die Hälfte der von den Arbeitnehmern ausgeführten Tätigkeiten von der Automatisierung betroffen sein könnten. Dies heisst aber nicht, dass in absehbarer Zeit ganze Berufsgruppen verschwinden werden. Wie die Experten einräumen, könnten mit den derzeitigen Technologien nur etwa 5% der Berufe vollständig automatisiert werden. Mit anderen Worten: Die Automatisierung von Routinetätigkeiten ist in vollem Gange, und sie wird sich auf die Arbeitsweise zahlreicher Berufsgruppen auswirken – vom Schweisser über den Hypothekenmakler bis hin zum CEO. Beim Erstellen von Prognose wird die Technik des maschinellen Lernens den Menschen voraussichtlich ersetzen. Dort aber, wo menschliches Urteilsvermögen gefragt ist, ergänzt sie ihn. Überflüssig macht sie den Menschen nicht.

Kompetente «Alte» gesucht
Zwar fehlt uns vielleicht das Wissen zum aktuellen Stand der Technik, doch dank unserer (Lebens-)Erfahrung sollten wir uns aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen. Auf Augenhöhe mit den Jungen und einer gewissen Bescheidenheit, ohne Besserwisserei. Bitte bringen Sie sich ein, wir freuen uns über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger

Blog, Industrie 4.0

Digitalisierung: «Alte» haben die Nase vorn

Wie ältere Menschen mit Druck umgehen
Ältere Arbeitskräfte haben mehr Kraft, mit Druck umzugehen, und können ihn durch ihre Erfahrungen abfedern. Erfahrung beruht ja bekanntlich auf der Vergangenheit und diese hat sich im letzten Jahrzehnt fundamental gewandelt. Gewisse Werte sind jedoch weiterhin gültig und sollen nicht verloren gehen. Moderne Organisationsstrukturen oder schnell wechselnde Aufgabenbereiche verlangen allen Mitarbeitenden viel ab, doch haben kompetente «Alte» dank ihrem grossen Rucksack an Erfahrung, gepaart mit Empathie, einer inneren Ruhe und Verantwortungsbewusstsein definitiv die Nase vorn. (Auszugsweise aus dem Beitrag von Nicole Rütti, NZZ 6.12.2018)

Disruptive Entwicklungen
Digitalisierte, agile Unternehmen pflügen ganze Branchen um – mit eindrücklicher Geschwindigkeit. So besitzt das weltweit grösste Taxiunternehmen, Uber, keine eigenen Taxis, der grösste Anbieter von Unterkünften, Airbnb, hat keine eigenen Hotels, das führende chinesische Handelsunternehmen Alibaba verfügt über keine Lager, und das populärste Medienunternehmen, Facebook, generiert keine eigenen Inhalte. Auch der Schweizer Arbeitsmarkt ist im Umbruch. Betrachtet man diejenigen Branchen, in denen die Hauptprodukte schon in immaterieller Form bereitgestellt oder hergestellt werden (Software, Verlagswesen, Unterhaltung, Telekommunikation, Finanzwesen), so sind laut Avenir Suisse bereits mehr als 30% der Beschäftigten in der Schweiz im digitalen Sektor tätig.

Digitalisierung und Arbeit: Creator Picasa

Agile Mitarbeitende im digitalen Strudel
Trotzdem, so schreibt Stefan Kühl, Professor für Organisationssoziologie an der Universität Bielefeld, erleben wir eigentlich keinen disruptiven Wandel, eher handle es sich um reaktivierte ältere Managementideen. Nach dem Hype der 1980er Jahre rund um die New Economy und Startups gelten nun das agile Unternehmen und das Holacracy-Modell als die erstrebenswerte Organisationsform. Doch die Probleme, die durch diese Organisationsformen produziert werden, sind im Urteil des Wissenschafters immer die gleichen: Sie schaffen zusätzliche Komplexität und Verpolitisierung. Sein Fazit lautet deshalb, man solle nicht allzu schnell glauben, dass man eine aussergewöhnliche Phase des Wandels durchlebe. Für Michael Weiss, Inhaber der Firma Analystra, hängt der Stresspegel der Mitarbeitenden primär davon ab, wie Unternehmen mit Veränderungen umgehen, wie sie diese kommunizieren und anpacken. Begriffe wie «agile Organisation» sind schwammig. Jeder versteht darunter etwas anderes. Angst unter den Führungskräften: «Und was passiert mit mir?» hilft der Situation natürlich auch nicht.

Ältere reagieren gelassener
Oft wird angenommen, dass vor allem ältere Mitarbeiter mit Veränderungsprozessen Mühe haben und bei der Digitalisierung auf der Strecke bleiben. Michael Weiss der als Coach auch viele ältere Personen bei der beruflichen Neuorientierung begleitet, widerspricht: In der Regel reagiere die Generation 50 plus darauf sogar eher gelassener, im Sinne von: «Jetzt gibt es halt eine weitere Restrukturierung». Ältere Arbeitskräfte hätten mehr Kraft, mit Druck umzugehen, und könnten ihn durch ihre Erfahrungen abfedern.

«kompetenz60plus.ch» die Plattform «von uns. für uns.»
Wir «Alten» verfügen als Partner im Team über einen altersbedingten Wissensvorsprung und viel Lebenserfahrung. Als Konsumenten sind wir Vertreter eines stark wachsenden Marktpotenzials und kennen unsere Bedürfnisse aus erster Hand. «kompetenz60plus.ch» ist auch die Plattform für Klein- und Kleinstunternehmen (KMU’s) wo man sich auf Augenhöhe begegnet. Helfen Sie mit und registrieren Sie Ihre Kompetenz oder Ihr Unternehmen oder kontaktieren Sie uns per Email, zusammen führen wir dieses Projekt zum Erfolg. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: Werner K. Rüegger | Skype: wernerkrueegger