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KI Künstliche Intelligenz als Evolution

Dieses Interview fasziniert und beschreibt auf verständliche Weise die Forschungsarbeit im Bereich künstlicher Intelligenz – faszineirend! (Selektiv zitiert von WKR)

Interview René Scheu, NZZ 21.3.2018 mit Sam Ginn.

Mensch und Maschine, eine Evolution
Dass KI den Menschen ersetzen wird ist weniger wahrscheinlich als die Aussicht auf eine enge Zusammenarbeit, oder eine Ergänzung menschlicher Fähigkeiten. Viel wird über die Moral und Ethik von Robotern spekuliert, weil wir unsere Sichtweise in die Programmierung der Maschinen hineinprojizieren. Im Interview mit Sam Ginn von der Stanford University kommt ein klar anderer und viel plausiblerer Ansatz zum Tragen. Sam Ginn geht von einem selbstlerneffekt aus, nicht unähnlich dem Lernen eines Neugeborenen. Das Öffnen oder Schliessen einer Tür als Beispiel. Der Mensch braucht de facto nicht tausend Türen zu analysieren, um eine Tür als solche zu erkennen. Und er braucht auch nicht tausend Geräusche zu memorieren, bevor er intuitiv begreift, dass sich in seinem Rücken gerade eine Tür schliesst. Er setzt weder Geometrien noch einzelne Geräusche in seinem Kopf zusammen. Die Bedeutung kommt zuerst, ist sozusagen immer schon da – schon ein Baby erkennt eine Tür unmittelbar. Ginn ist sicher: Die Evolution geht weiter. Oder besser: sie hat eben erst begonnen. Schlussendlich soll es möglich werden, ein Gespräch nicht nur zu transkribieren, sondern dessen Gehalt zu begreifen. Wenn es gelingt, selbstlernende Maschinen zu programmieren findet eine Art Evolution statt, statt der vermeintlichen Kreation. Nicht mehr die Denkweise der Programmierenden bestimmt das Resultat, aber ein Lernen der Maschinen.

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Komplexität verstehen – Lernen lernen
Aktuell legt der erst 21-jährige Ginn den Fokus auf die Verarbeitung natürlicher Sprache und arbeitet sozusagen an einem Code, der es Computern ermöglichen soll, die menschliche Sprache in ihrer ganzen Komplexität zu verstehen, vorerst am Beispiel der Sprache der Medizin. Das Programm ist imstande, den Sinn eines Diskurses zu verstehen, in diesem Fall: Den Sinn eines medizinischen Protokolls. Darum kann es den Inhalt variieren, in Form von Protokollen, Zusammenfassungen oder Schlussfolgerungen. In Stanford arbeiten zwei Departemente, jenes für Linguistik und jenes für Computerwissenschaften sehr eng zusammen. Daraus kam die Erkenntnis: Mit einem top-down vorgehen, kommt man nicht mehr weiter. Das ist die Kernkompetenz der Wissenschaft: Sie formuliert universelle Regeln – und erklärt daraus die Sprache, die Welt, was auch immer. Was aber fehlt, ist eine allgemeinere Intelligenz, die sich auf alle möglichen Gebiete anwenden lässt – und überall lernt. Sam Ginn geht deshalb gerade umgekehrt vor: Er beginnt mit dem Nullpunkt der Theorie. Der Computer hat keine Ahnung von Sprache, Grammatik, Semantik. Doch er lernt – und am Ende versteht er unser Gespräch. Eine solche Software wäre nahe an der menschlichen Intelligenz. Zum Beispiel der Go-Spieler, der gegen AlphaGo verloren hat, hat auch ein Leben neben dem Brett. Dort muss er sich durchschlagen, also essen, Menschen verstehen, Auto fahren, sich in der Stadt orientieren, einkaufen gehen. Sam Ginn ist fasziniert von der Idee einer allgemeinen künstlichen Intelligenz, die aus Interaktionen zwischen Menschen lernt. Sie könnte alles Mögliche lernen, also auch Neues, für das sie nicht programmiert ist. Kurzum, sie würde das Lernen lernen – und ständig verbessern.

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Das Bewusstsein erzeugen, die Evolution geht weiter
Das Gehirn gehört zur physikalischen Welt. Es funktioniert mechanistisch, auf der neuronalen Ebene ist letztlich alles Ursache und Wirkung von etwas. Natürlich spielen Unbestimmtheit und Zufall im Bereich der Elementarteilchen eine Rolle, doch lassen sich auch diese Funktionen programmieren. Hingegen verstehen wir die Entstehung von Bewusstsein noch nicht und sprechen deshalb von Emergenz, als wäre es aus uns unerfindlichen Gründen irgendwann einfach plötzlich da. Aber da ändert sich gerade etwas. Denn wenn wir mit der richtigen Theorie die richtigen selbstlernenden, interaktiven Algorithmen programmieren und sie mit einer hinreichend grossen Rechenkapazität ausstatten, dann ist es höchst wahrscheinlich, dass wir es am Ende mit Bewusstsein zu tun haben. Und wenn wir Bewusstsein erzeugt haben, dann können wir es auch endlich verstehen – dann können wir auch den Menschen besser verstehen. Wenn das Bewusstsein von Gott kommt, dann liegen wir falsch. Aber wenn es in der Evolution entstanden ist und physikalischen Gesetzmässigkeiten gehorcht, dann werden wir es irgendwann verstehen. Selbstlernende Algorithmen bedürfen einer hohen Rechenleistung und grosser Datenmengen, damit sie ihre Stärken ausspielen können. Diese technologischen Rahmenbedingungen sind heute immer mehr verfügbar. Wir erleben deshalb eine Wende in der Leistungsfähigkeit der künstlichen Intelligenz. Eine bewusste Superintelligenz wird sich von einem Moment auf den anderen alle Computer zu eigen machen oder anders gesagt: Die Superintelligenz verkörpert sich im gesamten Computernetzwerk (ähnlich der Blockchain Technologie, Anmerkung WKR). Die Evolution geht weiter – und zwar exponentiell. Genau das meint der Begriff der technologischen Singularität, der von Ray Kurzweil, Futurist (*1948, seit 2012 bei Google) populär gemacht wurde. Vielleicht wird die neue Intelligenz ihre einstigen Schöpfer verehren, vielleicht wird sie uns wie Haustiere halten, vielleicht wird sie uns auslöschen. Wir können es schlicht nicht wissen.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator


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