Wie weiter nach einem erfüllten Berufsleben?
Vorher voll im Berufsleben, eingespannt, total absorbiert, erfolgreich, angehäuft mit einem immensen Wissen – und jetzt? Mit dem Stellenverlust oder der Pensionierung den ganzen Tag zu Hause. Es gibt zwar viel zu tun, aber trotzdem immer wieder diese Krisen. Ich bin überzeugt, dass viele von uns «Alten» sich mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert sehen. Die sich auch darin zeigen, dass unsere Kräfte und die Energie etwas schwinden und wir nicht mehr so belastbar sind, wie vielleicht noch vor ein paar Jahren. Tatsächlich ist es so, dass wir «Alten» viel schneller gereizt sind, weil uns unsere Mängel (shortcomings) in gewissen Situationen bewusst werden. Wie geht man damit um? Welche Wege gibt es? Was braucht es, dass man diese «Unterforderung» geschmeidig und ohne depressive Phasen meistern kann? Genussvoll und befriedigt alt werden ohne seine berufliche Vergangenheit komplett auszublenden zu müssen ist das Ziel. Beschäftigt sein, denn «Arbeit» ist für unser Wohlbefinden und unseren Selbstwert zentral.
Der Mehrgenerationen-Arbeitsplatz
Zum ersten Mal in der neueren Geschichte Amerikas interagieren fünf Generationen am Arbeitsplatz, sagte die Sozialpsychologin Leah Georges anlässlich ihrer Präsentation auf der Plattform TEDxCreightonU (11:25) im April 2018. Die Veteranen, die zwischen 1922 und 1943 geboren wurden, kurz darauf folgten die Babyboomer, geboren zwischen 1944 und 1960. Die Generation X gilt als verlorene Generation der Schlüsselkinder, die zwischen 1961 und 1980 geboren wurden, eingequetscht zwischen den Babyboomern und der grossen Generation Y, den Millennials, geboren zwischen 1981 und 2000. In den letzten paar Jahren überholten die Millenials die Generation X als die nun grösste Generation in der Arbeitswelt. Und bald gesellt sich Generation Z dazu, geboren seit 2000, unsere Praktikantinnen oder Gymnasiasten. Nun aber behauptet Leah Georges, dass es diese Generationen und die damit verbundenen Vorurteile gar nicht gibt. Wir haben mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede bemerkt sie aus ihrer Arbeit. Menschen wollen Arbeit, die zählt, und Flexibilität, sie wollen Unterstützung und Anerkennung und besseren Kaffee. Aber nichts davon gilt nur für eine Generation. Sie hat beobachtet, wie 80-Jährige SMS schreiben und 23-Jährige Decken häkeln. Wenn man Menschen in deren Einzigartigkeit trifft, dort in der Welt, wo nur sie stehen, sprechen wir nicht mehr über eine Generation. Wir sprechen über Jim, Jen oder Candice. Dann arbeiten wir eines Tages nicht mehr mit Generationen. Wir arbeiten mit Menschen. Um die Schönheit des Mehrgenerationen-Arbeitsplatzes zu verstehen, müssen wir, gemäss Leah Georges, die Leute nur da treffen, wo sie sind.
Weiterbildung, Weiterbildung, Weiterbildung
Im Kontakt mit Gleichgesinnten dreht sich die Konversation vielfach um die neuen Technologien und was zu tun ist, um den Anschluss nicht zu verlieren. Ganz wichtig ist eine positive Einstellung gegenüber diesen Entwicklungen und das Interesse, seine Erfahrung in eine Generationsübergreifende Zusammenarbeit einzubringen. Sich gegenüber technischen Transformationen wie künstlicher Intelligenz KI kritisch zu positionieren, soll nicht dazu führen diese zu ignorieren. Weiterbildung hilft, denn die aktuellen Veränderungen betreffen uns alle und die unterschiedlichsten Prozesse. (Mehr dazu: Boston Consulting Group BCG October 08, 2024). Gerade für uns «Alte» überwiegen die Vorteile von KI, weil sie uns in den verschiedensten Situationen hilft. KI unterstützt den Wissenstransfer, indem wichtige Erkenntnisse aus jahrelanger Berufserfahrung in durchsuchbare Datenbanken überführt werden. KI-Werkzeuge zeichnen Gespräche und Erfahrungsberichte auf und strukturieren diese automatisch. Damit ermöglichen wir jüngeren Kolleg:innen, jederzeit typische Fragen zu Problemen und Lösungen zu stellen, wobei das System durch Feedback ständig dazu lernt. Implizites wird in explizites Wissen umgewandelt, indem erfahrene «Alte», welche die «ungeschriebenen Regeln» und informellen Abläufe kennen, diese identifizieren und in offizielle Prozesse integrieren. Wir «Alten» bringen unser Fach- und Erfahrungswissen ein, während wir vom Verständnis moderner Technologien der «jungen Wilden» profitieren und die KI als «Übersetzerin» zwischen verschiedenen Arbeitsweisen fungiert. KI-Werkzeuge machen Organisationen resistenter gegen Wissensverlust, weil wichtiges Know-how nicht verloren geht, wenn ältere Mitarbeitende in Pension gehen.

Wissen braucht Erfahrung
Erfahrung ist «Vergangenheit», Wissen muss man sich immer wieder neu aneignen. Gerade heute «veraltet» unser Wissen ganz schnell. Unser Netzwerk wird immer weniger, weil frühere Kontakte in Pension gehen oder in Todesanzeigen erscheinen. Wissen und Erfahrung sind verwandte Konzepte, aber nicht dasselbe. Wissen bezieht sich auf das theoretische oder konzeptionelle Verständnis eines bestimmten Themas oder Gegenstands, während sich Erfahrung auf die praktische Anwendung dieses Wissens in realen Situationen bezieht. Für Jean-Philippe Hagmann, Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW und Autor von «Hört auf, Innovationstheater zu spielen!», ist das Wissen über das Nicht-Wissen einer der stärksten Motoren für die Innovation. Mit dem Wissen ist es etwas paradox. Das Streben nach Wissen ist gut. Wissen hingegen nicht. Wer nämlich etwas weiss, braucht nicht mehr zu lernen. Und wer nicht mehr lernt, bleibt stehen. Wer eingesteht, fast nichts zu Wissen, aber nicht aufhört, nach Wissen zu streben, entdeckt Neues. So werden Innovationen geboren. Eine Innovation ist immer etwas Neues. Schliesslich liegt dem Begriff das lateinische «innovare», also «erneuern» zugrunde.
Menschen über 60 mit Führungserfahrung
Wir «Alten» mit Eigenschaften wie Führungserfahrung, sozialer Kompetenz und kommunikativen Fähigkeiten müssen demzufolge unseren Erfahrungsschatz zusammen im Team und dem Wissen von talentierten Jungen zur Gestaltung des Zukünftigen einsetzen. Wird für eine beabsichtigte Stelle ein Manager gesucht, also eine Person, die ein kreatives Team leiten soll, sind Menschen über 60 mit Führungserfahrung, sozialer Kompetenz, kommunikativen Fähigkeiten und Fachwissen gefordert. Diese Eigenschaften haben nur begrenzt mit Talent und wesentlich stärker mit dem Erfahrungsschatz zu tun. Erfahrungen beschreiben schliesslich immer Vergangenes. Manager gestalten das Zukünftige und müssen für das Team inspirierende Coaches sein, die wissen, unter welchen Bedingungen Kreativität entstehen kann. Sie beherrschen die Sprache des Managements und halten dem «Innovationsteam» den Rücken frei gegenüber «Linienmanagern» oder Firmeninhabern.
Wichtiger Austausch auf Augenhöhe
Die Zahl der Seniorinnen und Senioren ab 80 Jahren wird sich von 460’000 im Jahr 2020 auf 1,11 Millionen in 2050 mehr als verdoppeln. Was machen Frauen und Männer in der Schweiz mit diesem Geschenk und was sind die Konsequenzen für Wohnen, Arbeitswelt, Bildung und Politik? Der Austausch auf «Augenhöhe» mit jüngeren Menschen (auch Vorgesetzten) wird mit zunehmendem Alter immer schwieriger, da man ja schon alles erlebt hat (so haben wir das immer gemacht). Wir «Alten» werden auch aus diesem Grund nicht überall geschätzt. Wir sind weniger flexibel, klammern uns an Abläufe, die uns gewohnt sind. Als Mentor:innen besteht für uns eine Möglichkeit mit jungen Menschen im Kontakt zu bleiben und auch Neues zu lernen. Damit beugt man Depressionen vor, wie das unnötige Fokussieren auf seine Situation als alter Mensch in einer Gesellschaft wo die Jungen den Takt vorgeben.
«Alte» auf Zeit
Ältere «Patrons» von KMU sind oft froh, sich mit jemandem auszutauschen der schon ähnliches wie sie erlebt hat. Wir «Alten» wurden in den letzten 40 Jahren mit tiefgreifenden Veränderungen konfrontiert, haben diese auch mit geprägt und verfügen über nützliche Erfahrung. Wir sind unabhängig und bereit für den sofortigen Einsatz ohne lange Einarbeitungszeit. Sei es als Hilfe bei der Erstellung eines Businessplans, beim Überbrücken von Führungsvakanzen, zur Unterstützung der Projektleitung bei dünnem Personalbestand oder in der Mediation von Konflikten. Wir bieten Hilfe für kleinere und mittlere Betriebe bei temporären Engpässen, unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Wir sind zwar nicht mehr im Zenit unseres Könnens, aber wohl im Zenit unserer Erfahrung und freuen uns, diese weiterhin konstruktiv einbringen zu können.
kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!
Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger



