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#392 – Weiterbildung – Arbeiten im Alter

Wie weiter nach einem erfüllten Berufsleben?
Vorher voll im Berufsleben, eingespannt, total absorbiert, erfolgreich, angehäuft mit einem immensen Wissen – und jetzt? Mit dem Stellenverlust oder der Pensionierung den ganzen Tag zu Hause. Es gibt zwar viel zu tun, aber trotzdem immer wieder diese Krisen. Ich bin überzeugt, dass viele von uns «Alten» sich mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert sehen. Die sich auch darin zeigen, dass unsere Kräfte und die Energie etwas schwinden und wir nicht mehr so belastbar sind, wie vielleicht noch vor ein paar Jahren. Tatsächlich ist es so, dass wir «Alten» viel schneller gereizt sind, weil uns unsere Mängel (shortcomings) in gewissen Situationen bewusst werden. Wie geht man damit um? Welche Wege gibt es? Was braucht es, dass man diese «Unterforderung» geschmeidig und ohne depressive Phasen meistern kann? Genussvoll und befriedigt alt werden ohne seine berufliche Vergangenheit komplett auszublenden zu müssen ist das Ziel. Beschäftigt sein, denn «Arbeit» ist für unser Wohlbefinden und unseren Selbstwert zentral.

Der Mehrgenerationen-Arbeitsplatz
Zum ersten Mal in der neueren Geschichte Amerikas interagieren fünf Generationen am Arbeitsplatz, sagte die Sozialpsychologin Leah Georges anlässlich ihrer Präsentation auf der Plattform TEDxCreightonU (11:25) im April 2018. Die Veteranen, die zwischen 1922 und 1943 geboren wurden, kurz darauf folgten die Babyboomer, geboren zwischen 1944 und 1960. Die Generation X gilt als verlorene Generation der Schlüsselkinder, die zwischen 1961 und 1980 geboren wurden, eingequetscht zwischen den Babyboomern und der grossen Generation Y, den Millennials, geboren zwischen 1981 und 2000. In den letzten paar Jahren überholten die Millenials die Generation X als die nun grösste Generation in der Arbeitswelt. Und bald gesellt sich Generation Z dazu, geboren seit 2000, unsere Praktikantinnen oder Gymnasiasten. Nun aber behauptet Leah Georges, dass es diese Generationen und die damit verbundenen Vorurteile gar nicht gibt. Wir haben mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede bemerkt sie aus ihrer Arbeit. Menschen wollen Arbeit, die zählt, und Flexibilität, sie wollen Unterstützung und Anerkennung und besseren Kaffee. Aber nichts davon gilt nur für eine Generation. Sie hat beobachtet, wie 80-Jährige SMS schreiben und 23-Jährige Decken häkeln. Wenn man Menschen in deren Einzigartigkeit trifft, dort in der Welt, wo nur sie stehen, sprechen wir nicht mehr über eine Generation. Wir sprechen über Jim, Jen oder Candice. Dann arbeiten wir eines Tages nicht mehr mit Generationen. Wir arbeiten mit Menschen. Um die Schönheit des Mehrgenerationen-Arbeitsplatzes zu verstehen, müssen wir, gemäss Leah Georges, die Leute nur da treffen, wo sie sind.

Weiterbildung, Weiterbildung, Weiterbildung
Im Kontakt mit Gleichgesinnten dreht sich die Konversation vielfach um die neuen Technologien und was zu tun ist, um den Anschluss nicht zu verlieren. Ganz wichtig ist eine positive Einstellung gegenüber diesen Entwicklungen und das Interesse, seine Erfahrung in eine Generationsübergreifende Zusammenarbeit einzubringen. Sich gegenüber technischen Transformationen wie künstlicher Intelligenz KI kritisch zu positionieren, soll nicht dazu führen diese zu ignorieren. Weiterbildung hilft, denn die aktuellen Veränderungen betreffen uns alle und die unterschiedlichsten Prozesse. (Mehr dazu: Boston Consulting Group BCG October 08, 2024). Gerade für uns «Alte» überwiegen die Vorteile von KI, weil sie uns in den verschiedensten Situationen hilft. KI unterstützt den Wissenstransfer, indem wichtige Erkenntnisse aus jahrelanger Berufserfahrung in durchsuchbare Datenbanken überführt werden. KI-Werkzeuge zeichnen Gespräche und Erfahrungsberichte auf und strukturieren diese automatisch. Damit ermöglichen wir jüngeren Kolleg:innen, jederzeit typische Fragen zu Problemen und Lösungen zu stellen, wobei das System durch Feedback ständig dazu lernt. Implizites wird in explizites Wissen umgewandelt, indem erfahrene «Alte», welche die «ungeschriebenen Regeln» und informellen Abläufe kennen, diese identifizieren und in offizielle Prozesse integrieren. Wir «Alten» bringen unser Fach- und Erfahrungswissen ein, während wir vom Verständnis moderner Technologien der «jungen Wilden» profitieren und die KI als «Übersetzerin» zwischen verschiedenen Arbeitsweisen fungiert. KI-Werkzeuge machen Organisationen resistenter gegen Wissensverlust, weil wichtiges Know-how nicht verloren geht, wenn ältere Mitarbeitende in Pension gehen.

Niki de Saint Phalle (1930-2002), französische Bildhauerin: Aus der Serie «Les nanas», 1960-er Jahre

Wissen braucht Erfahrung
Erfahrung ist «Vergangenheit», Wissen muss man sich immer wieder neu aneignen. Gerade heute «veraltet» unser Wissen ganz schnell. Unser Netzwerk wird immer weniger, weil frühere Kontakte in Pension gehen oder in Todesanzeigen erscheinen. Wissen und Erfahrung sind verwandte Konzepte, aber nicht dasselbe. Wissen bezieht sich auf das theoretische oder konzeptionelle Verständnis eines bestimmten Themas oder Gegenstands, während sich Erfahrung auf die praktische Anwendung dieses Wissens in realen Situationen bezieht. Für Jean-Philippe Hagmann, Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW und Autor von «Hört auf, Innovationstheater zu spielen!», ist das Wissen über das Nicht-Wissen einer der stärksten Motoren für die Innovation. Mit dem Wissen ist es etwas paradox. Das Streben nach Wissen ist gut. Wissen hingegen nicht. Wer nämlich etwas weiss, braucht nicht mehr zu lernen. Und wer nicht mehr lernt, bleibt stehen. Wer eingesteht, fast nichts zu Wissen, aber nicht aufhört, nach Wissen zu streben, entdeckt Neues. So werden Innovationen geboren. Eine Innovation ist immer etwas Neues. Schliesslich liegt dem Begriff das lateinische «innovare», also «erneuern» zugrunde.

Menschen über 60 mit Führungserfahrung
Wir «Alten» mit Eigenschaften wie Führungserfahrung, sozialer Kompetenz und kommunikativen Fähigkeiten müssen demzufolge unseren Erfahrungsschatz zusammen im Team und dem Wissen von talentierten Jungen zur Gestaltung des Zukünftigen einsetzen. Wird für eine beabsichtigte Stelle ein Manager gesucht, also eine Person, die ein kreatives Team leiten soll, sind Menschen über 60 mit Führungserfahrung, sozialer Kompetenz, kommunikativen Fähigkeiten und Fachwissen gefordert. Diese Eigenschaften haben nur begrenzt mit Talent und wesentlich stärker mit dem Erfahrungsschatz zu tun. Erfahrungen beschreiben schliesslich immer Vergangenes. Manager gestalten das Zukünftige und müssen für das Team inspirierende Coaches sein, die wissen, unter welchen Bedingungen Kreativität entstehen kann. Sie beherrschen die Sprache des Managements und halten dem «Innovationsteam» den Rücken frei gegenüber «Linienmanagern» oder Firmeninhabern.

Wichtiger Austausch auf Augenhöhe
Die Zahl der Seniorinnen und Senioren ab 80 Jahren wird sich von 460’000 im Jahr 2020 auf 1,11 Millionen in 2050 mehr als verdoppeln. Was machen Frauen und Männer in der Schweiz mit diesem Geschenk und was sind die Konsequenzen für Wohnen, Arbeitswelt, Bildung und Politik? Der Austausch auf «Augenhöhe» mit jüngeren Menschen (auch Vorgesetzten) wird mit zunehmendem Alter immer schwieriger, da man ja schon alles erlebt hat (so haben wir das immer gemacht). Wir «Alten» werden auch aus diesem Grund nicht überall geschätzt. Wir sind weniger flexibel, klammern uns an Abläufe, die uns gewohnt sind. Als Mentor:innen besteht für uns eine Möglichkeit mit jungen Menschen im Kontakt zu bleiben und auch Neues zu lernen. Damit beugt man Depressionen vor, wie das unnötige Fokussieren auf seine Situation als alter Mensch in einer Gesellschaft wo die Jungen den Takt vorgeben.

«Alte» auf Zeit
Ältere «Patrons» von KMU sind oft froh, sich mit jemandem auszutauschen der schon ähnliches wie sie erlebt hat. Wir «Alten» wurden in den letzten 40 Jahren mit tiefgreifenden Veränderungen konfrontiert, haben diese auch mit geprägt und verfügen über nützliche Erfahrung. Wir sind unabhängig und bereit für den sofortigen Einsatz ohne lange Einarbeitungszeit. Sei es als Hilfe bei der Erstellung eines Businessplans, beim Überbrücken von Führungsvakanzen, zur Unterstützung der Projektleitung bei dünnem Personalbestand oder in der Mediation von Konflikten. Wir bieten Hilfe für kleinere und mittlere Betriebe bei temporären Engpässen, unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Wir sind zwar nicht mehr im Zenit unseres Könnens, aber wohl im Zenit unserer Erfahrung und freuen uns, diese weiterhin konstruktiv einbringen zu können.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
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#307 – «Alte» gegen den Status quo

Wir bringen Talente zusammen
Sachkenntnis und Empathie mit den «Sorgen» der Patrons von KMU helfen in Zeiten des Fachkräftemangels, bei der Optimierung von Prozessen. Kontaktieren Sie ganz unverbindlich «kompetenz60plus.ch», die Plattform für Klein- und Kleinstunternehmen wo man sich auf Augenhöhe begegnet. Das niederschwellige Kompetenzangebot, vom ehemaligen Bundesrichter, über die Eventplanerin, den Architekten, bis zum Nuklearingenieur oder Softwaredevelopper finden Sie ➔ hier. «Alte» Führungskräfte stellen sich gerne als Mentoren zur Verfügung und sind dank ihrer Weisheit, Gelassenheit, Erfahrung und Reife Ihre idealen Sparringspartner. Denn der Arbeitskräftemangel ist eben auch unserer Bequemlichkeit geschuldet. Nicht jede Stelle muss im gleichen Umfang sofort wieder besetzt werden. Oft liesse sich durch Optimierung oder Rationalisierung von Prozessen ein vermeintlicher Mangel an Personal anderweitig kompensieren. Viel zu oft beziehen sich Analysen und Berichte zur Lage am Arbeitsmarkt auf den Status quo, was mittelfristig in Frage gestellt werden darf. Die Vorteile künstlicher Intelligenz, der Einsatz digitaler Hilfsmittel in der Produktion sowie im Bürobereich, sind für viele KMU noch zu wenig greifbar. Insofern wird der gegenwärtige Mangel an Fachkräften, ähnlich wie die Arbeit von zuhause während der Corona-Pandemie, einen weiteren Digitalisierungsschub auslösen.

Bild: AI artificial intelligence – Future of Life Institute, Narberth, Pennsylvania, USA

Aus- und Weiterbildung sind wichtig
Im Jahr 2022 hatten wir in der Schweiz die tiefste Arbeitslosenquote seit über 20 Jahren schrieb Stephanie Cengiz von Loopings am 26. Januar 2023. Sie wollte herausfinden, was wohl dahinter steckt und was das für ältere Stellensuchende und für die Zukunft des Schweizer Arbeitsmarkts bedeutet. In ihrer Umfrage bei Expert:innen waren sich fast alle einig, dass die unerwartet starke und international fast gleichzeitig erfolgte Erholung der Wirtschaft im Nachgang zur Aufhebung vieler einschneidender Massnahmen zum Schutz vor dem Corona-Virus ein Hauptgrund ist. Doch Thomas Bauer von Travail Suisse warnt davor, die aktuelle Situation zu beschönigen. Ende 2022 waren immer noch 168’000 Personen auf einem RAV als stellensuchend registriert. Insgesamt liege die Anzahl an erwerbslosen Personen, unter Berücksichtigung der Ausgesteuerten, weiterhin deutlich über 200’000. Seit den 1990er Jahren ist die strukturelle Arbeitslosigkeit fast stetig angestiegen, stellt er fest. Dies spricht dafür, dass wir im Interesse aller, deutlich stärker in die Aus- und Weiterbildung von Arbeitnehmenden investieren sollten. Massnahmen sollen verhindern, dass insbesondere ältere Personen erst gar nicht erwerbslos werden. Für alle Altersgruppen gilt, dass diese ihre digitalen Skills à jour halten.

Potenziale älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nutzen
Befragt nach der Zukunft findet Michael Hasler von newplace AG, dass sich flächendeckend bei Vakanzen noch kein Trend zur Berücksichtigung älterer Stellensuchenden bemerkbar macht. Unternehmen werden jedoch kaum darum herumkommen, sich für den Erhalt der Arbeits(markt)fähigkeit ihrer Belegschaft – unabhängig vom Alter – zu bemühen und den Potenzialen älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mehr Beachtung zu schenken. Persönlich bin ich davon überzeugt, dass die Zukunft der Arbeit anders aussehen wird. Mobile Geschäftsmodelle, Automatisierung, Roboter, online Verfügbarkeit, Innovationskultur, Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, Umwelt, Kundenzentrierung oder die Nutzung von Datenbanken sind nur einige Themen, die uns in den nächsten Jahren beschäftigen werden. Einige Modelle machen es möglich, dass ältere Menschen in der virtuellen Welt Dinge tun können, die sie aufgrund von körperlichen Einschränkungen in der realen Welt nicht tun können, was den Fachkräftemangel weiter entschärfen wird.

Lücken füllen, welche die Babyboomer hinterlassen
Auch Pauline Turuban ist der Meinung, dass der aktuelle Arbeitskräftemangel auf mehrere strukturelle Faktoren zurückzuführen sei und nennt einige in ihrem Bericht vom 6. Februar 2023 auf SWI Swissinfo online. Sie bezieht sich dabei auch auf Philippe Wanner, Professor am Institut für Demografie und Sozioökonomie der Universität Genf. Wanner nennt die alternde Bevölkerung als grösste Herausforderung in den Industrieländern. Die Babyboomer – geboren während der Bevölkerungsexplosion zwischen 1945 und Anfang der 1960er Jahre – gehen in den Ruhestand. Dieser Trend dürfte im Jahr 2030 seinen Höhepunkt erreichen und ein schwer zu füllendes Vakuum hinterlassen. Denn schon heute treten weniger junge Arbeitnehmende ins Erwerbsleben ein, als «Alte» in Pension gehen. Diese Kluft wird sich bis zum Ende des Jahrzehnts nur noch vergrössern und es wäre töricht zu hoffen, dass Neugeburten das Problem lösen werden. Zumal in kapitalistischen Gesellschaften kinderreiche Familien mit zwei berufstätigen Eltern oft nicht vereinbar sind, stellt Wanner fest.

Fähigkeiten den Bedürfnissen anpassen
Er identifizierte deshalb zwei Hauptstrategien zur Lösung der Arbeitskrise. Die erste besteht darin, bestimmte Kategorien von unterbeschäftigten Arbeitnehmenden besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dazu gehören auch einige sinnentleerte «Bullshit Jobs» (David Graeber, US-amerikanischer Kulturanthropologe und Publizist). Der zweite Ansatz besteht darin, die Einwanderung zu fördern. Die Herausforderungen, vor denen die Volkswirtschaften der Welt stehen, sind nicht nur quantitativer, sondern auch qualitativer Natur. Die zunehmende Verlagerung hin zur Spezialisierung und zum Dienstleistungssektor führe zum Verschwinden bestimmter Berufe, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe; Es fördert auch die rasche Entwicklung anderer Berufe, beispielsweise in der Technologie. «Diese Veränderungen werden in Zukunft mit Fortschritten in der Robotik und künstlicher Intelligenz zweifellos noch auffälliger sein», sagt Wanner. Aber eine genaue Planung für den zukünftigen Bedarf ist sehr schwierig, insbesondere für Berufe, die es noch nicht gibt und er stellt fest: «Man muss in der Lage sein, die wirtschaftlichen Bedürfnisse in zehn Jahren vorherzusehen, um die allgemeine und berufliche Bildung entsprechend anzupassen.»

Die Revolution von künstlicher Intelligenz
Die Autoren eines Beitrags der BCG Boston Consulting Group vom 26. Januar 2023, setzen dabei auf den «Selbstlernzyklus» von künstlicher Intelligenz KI. Big Data und die Kraft von KI machen das einst Unmögliche plötzlich möglich. Durch die kluge Nutzung von Datenbanken können Unternehmen jetzt einen Einblick in ihre tatsächliche Leistung erhalten, während diese sich entfaltet. Anstelle einer Retrospektivenanalyse, wird es nun möglich sein, trotz vorhandenen Komplexitäten, Kurskorrekturen dynamisch und vorausschauend vorzunehmen. Durch das Einspeisen neuer Daten und das Hinzufügen von Daten aus dem Unternehmen verbessern sich die Algorithmen im Laufe der Zeit. Die Empfehlungsfunktion lernt, indem sie ihre Vorhersagen mit den tatsächlichen Ergebnissen vergleicht und entsprechend anpasst. Der sekundäre Lernzyklus wird durch die Analyse der anonymisierten Transformationsdaten anderer Unternehmen ermöglicht. Keine Organisation kann alle Mängel auf einmal beheben; aber Einblicke helfen, die Kompromisse zu beleuchten und Entscheidungen zu lenken, die Auswirkungen abzuschätzen und den Kurs zu korrigieren. Wenn der Algorithmus eine Gelegenheit zur Verbesserung von Massnahmen erkennt, können Anpassungen, wie Personalentscheide, schneller vorgenommen werden. Unternehmen müssen die richtigen Leute an den richtigen Stellen einsetzen und Erfahrung und Verantwortung als wesentliche Erfolgstreiber betrachten.

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#277 – Kompetente «Alte» Fachkräfte

Der Fachkräftemangel ist auch hausgemacht
Im Beitrag von Annette Ehrhardt und Nicole B. Stucki, HR Director Selecta Schweiz, auf seniors@work.ch unter dem Titel «Graue Panter gegen den Fachkräftemangel – ist das die Lösung?», erwähnen die Autorinnen einige Gründe, welche für eine Zusammenarbeit mit uns «Alten» sprechen sollen. Wie realistisch ist es jedoch, dem Fachkräftemangel durch ein erhöhtes Rentenalter oder den Rückgriff auf bereits pensionierte «Alte» zu begegnen? Keine Unternehmung entlässt wertvolle Mitarbeitende nur auf Grund ihres Alters. Schon gar nicht vor dem Erreichen der Pension. Weshalb also werden die Babyboomer und erfahrenen Fachkräfte nicht bis zum gesetzlichen Pensionsalter, oder darüber hinaus, im Team belassen? Die Prämisse des Beitrags, den Erfahrungsschatz der älteren Generation zu nutzen, muss aus dieser Sicht kritisch hinterfragt werden. Der Euphemismus «graue Panter» romantisiert und verklärt die Notwendigkeit für lebenslanges Lernen. Wir «Alten» müssen an uns selber glauben und uns mit Demut, auch ausserhalb unserer Komfortzone, aus purer Freude auf etwas Neues einlassen können. Gemäss Nicole B. Stucki sind gegenwärtig die Voraussetzungen gut, um den Arbeitsmarkt neu zu denken. Kleine und mittelgrosse Firmen (KMU) nutzen die aktuelle Situation, um bereits laufende Anpassungsprozesse und Innovationen zu beschleunigen und somit wettbewerbsfähiger zu werden. Unternehmungen suchen unter den Bewerbungen nach Fachkräften, welche die aktuelle digitale Transformation mittragen und sind bereit, für interne Weiterbildungsprogramme.

David Hockney (85), iPad Zeichnung: Garden with Blue Terrace, 2015, Kunstmuseum Luzern «Moving Focus» 2022, Retrospektive 1954-2018

Offen für Neues
Dabei ist das biologische Alter eines Menschen nicht wirklich ausschlaggebend. Es gibt genügend Junge, welche in antiquierten Denkmustern verharren. Angesichts der Tatsache, dass wir «Alten» nach dem heute geltenden Pensionsalter und bei guter Gesundheit, noch 20 Jahre produktives Leben vor uns haben, müssen wir unsere Vorteile für die Stellenbesetzung hervorheben. Unsere Kompetenzen sind das Resultat langjähriger Erfahrung, auch mit Krisen. Neugierde, Weitsicht, Zuverlässigkeit, Ausdauer und die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen sind genauso wichtig, wie die umfassende Beherrschung dynamischen Fachwissens. Anstatt auf unseren Gewohnheiten zu bestehen – so haben wir das immer gemacht – dürfen wir mit gutem Gewissen die Softwareentwickler, Web- und IT-Spezialisten oder KI-Experten unter den «jungen Wilden» auch einmal machen lassen. In der heutigen Arbeitswelt müssen wir hinter den Schlagwörtern wie «digital» oder «Technologie» deren Vorteile erkennen, nicht unbedingt als Technologen, sondern als lernwillige Navigatoren und fortgeschrittene Nutzer. Dies bedingt unsere Offenheit für Neues und eine gewisse Lernwilligkeit, Flexibilität und schnelle Auffassungsgabe.

Verfügbar für den kurzfristigen Einsatz
Bei den allermeisten Schweizer:innen reichen die monatlichen Rentenzahlungen, um weiterhin gut über die Runden zu kommen. Es besteht somit kein finanzieller Zwang, sich zu engagieren. Ganz wichtig für unsere Gesundheit ist jedoch das Gefühl, noch gebraucht zu werden, eine Aufgabe zu haben, unsere Passion für eine Sache und unsere langjährige Erfahrung weiterzugeben. Unserem ehemaligen Chefstatus als Führungskraft dürfen wir nicht nachtrauern, loslassen wirkt befreiend. Ohne dauerhaften Vollzeitjob sind wir auch spontan für Interimeinsätze verfügbar. Kompetent, hoch motiviert und krisenerprobt analysieren wir eine Situation unverzüglich, ohne lange Einarbeitungszeit durch die Arbeitgebenden. Für die Unternehmen rechnen sich kompetente Mitarbeitende im Pensionsalter, da die obligatorischen BVG-Beiträge entfallen und AHV, EV, IO-Beiträge erst ab einem jährlichen Freibetrag (für jedes einzelne Arbeitsverhältnis) zu bezahlen sind.

Gemischte Teams und flache Hierarchien
Nicole B. Stucki erwähnt, wie gemischte Teams bessere Ergebnisse liefern als homogene Gruppen. Geschlecht, Herkunft, Ausbildung und Alter fördern die Diversität und ergänzen bestehende Profile. Motivation und Neugierde ist immer noch die wichtigste Ingredienz für ein erfülltes Berufsleben, egal in welchem Alter. Indessen dürfen wir nicht vergessen, dass wir «Alten» während unserer Karriere nie wirklich zur kollaborativen Teamarbeit aufgefordert wurden. Als «Einzelkämpfer» erreichten wir unsere Ziele, auch dank unserem Netzwerk (das langsam wegstirbt) an Gleichgesinnten. An die Kraft des Kollektivs in flachen Hierarchien müssen wir uns also erst noch gewöhnen.

«kompetenz60plus.ch»
Mit unserer Erfahrung aus der analogen, zusammen mit Erkenntnissen aus der digitalen Welt, sind wir «Alten» gerne bereit, diese mit KMU’s oder im Team mit jungen Forschenden und Wissenschaftern auf Augenhöhe zu teilen. Suchen Sie einen Mentor, eine Mentorin oder Coach, «kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

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