Blog, Industrie 4.0

#216 – COVID-19 treibt Innovationen

Versuche mit der Kreativität
Der vorliegende Blogbeitrag ist das Resultat meiner Beobachtungen über die vergangenen Monate. Ausgelöst durch die vom Bundesrat verordnete Home-Office Pflicht, Kurzarbeit oder einen Stellenverlust, nutzen viele von uns die Zeit um zu reflektieren. Der Wunsch nach dem eigenen Startup, oder mit einer brillanten Idee dem Alltagstrott zu entfliehen haben derzeit Hochkonjunktur. Auf den sozialen Medien finden sich Hunderte von Ratschlägen, wie man mit Hilfe von Kreativitäts-Workshops, respektive pandemiebedingten Webinaren (ein schrecklicher Begriff) und Erklärvideos, Innovationen zum Durchbruch verhilft. Wir sind offen für mehr als nur Kreativitätsmethoden und -werkzeuge – wir testen auch Erzähltechniken, Aufwärmeübungen, Skizzieren und Psychologietheorien für Gruppendynamik. «Design Thinking Workshop» und «Brainstorming», all die vielen bunten Zettelchen an der Pinnwand verraten, dass alles, was uns bei unserer Projektarbeit unterstützen könnte, herzlich willkommen ist. Oft wird im Zusammenhang auch die Disruption erwähnt, das Aufmischen bestehender Märkte. Alles verblüffend und verführerisch einfach dargestellt, innert weniger Tage für jede Person erlernbar.

Nicht austauschbarer Wert von 69 Mio Dollars im Auktionshaus Christie’s für Beeple’s digitales Werk.

Veränderungsprozess hin zu etwas Erstmaligem
Innovation (wörtlich «Neuerung» oder «Erneuerung»; von lateinisch innovare ‚erneuern‘ abgeleitet) wird in der Umgangssprache im Sinne von neuen Ideen und Erfindungen und für deren wirtschaftliche Umsetzung verwendet. Im engeren Sinne resultieren Innovationen erst dann aus Ideen, wenn diese in neue Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren umgesetzt werden, die tatsächlich erfolgreich Anwendung finden und den Markt durchdringen (Diffusion). Die Innovation ist gemäss Joseph Schumpeter, ehemaliger österreichischer Nationalökonom und Politiker, ein willentlicher und gezielter Veränderungsprozess hin zu etwas Erstmaligem, «Neuem». Wirtschaft und Gesellschaft wandeln sich, wenn Produktionsfaktoren auf eine neuartige Art und Weise kombiniert werden. Der Applekonzern ist gemäss dem Index von BCG Boston Consulting Group seit 15 Jahren die Nummer eins unter den innovativsten Firmen weltweit, gefolgt von Alphabet/Google und Amazon.

Innovation als Ausstieg aus der COVID-19-Pandemie
Innovationen entstehen durch ungewollte Zufälle oder aus der Weiterentwicklung und neuen Kombination bekannter Komponenten, setzt also neben Wissen auch Erfahrung voraus. Der Rotationssensor (Gyroskop) wurde 1743 von John Serson, dem englischen Seefahrer, erfunden. Es ist eine von über einem Dutzend Erfindungen die in heutigen Smartphones verbaut sind und dient dazu, die genaue Lage im Raum, relativ zur Nutzung des Geräts, festzustellen. Dem Beitrag der BCG Boston Consulting Group, vom 16. April 2021 entnehmen wir, dass die Anzahl der Firmen, die angeben, dass Innovation für den Ausstieg aus der COVID-19-Pandemie zu den drei wichtigsten Prioritäten ihres Unternehmens gehört, 2021 um 10 Prozentpunkte auf 75% stieg – der grösste Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Erfolgreiche Innovation erfordert drei Dinge. Innovation zur Priorität machen. Investitionen und Talente dafür einsetzen. Und bereit zu sein, Investitionen in Ergebnisse umzuwandeln. Aber nur etwa die Hälfte der Unternehmen sind bereit, sich der Herausforderung zu stellen. Dazu braucht es entsprechende Führung auf der C-Ebene (CEO, CFO, etc.) und Zusammenarbeit zwischen Produktentwicklung und Funktionen.

«Alte» im Team
Als Vertreter der «Alten» sehe ich hier unser Potenzial. Mit unserer Erfahrung und Engagement aus der analogen Welt sind wir gerüstet, im Team zusammen mit dem digitalen Wissen der «jungen Wilden», Prioritäten und Engagement in Ergebnisse umzusetzen. «kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger

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#203 – Kreativität im Lockdown

Fehlende Interaktion
Unser Gemeinwesen verkümmert, war das Fazit meines ersten Blogbeitrags im 2021. Die Corona-Krise macht unsere Arbeitswelt agiler, flexibler und digitaler – ein Effekt, der von Dauer sein wird, wiederholen wir mantramässig. Dabei leidet die Kreativität, wenn wir uns nicht mehr öffentlich austauschen können. Sitzungen über Skype, Zoom oder ähnliche Plattformen sind zwar möglich, ersetzen jedoch niemals die Dynamik einer Diskussion am «grossen» Tisch. Das Arbeiten von zu Hause ist vordergründig eine gute Alternative zum Pendeln in überfüllten Transportmitteln. Doch wir verspüren alle eine Verlangsamung unserer Arbeitsleistung. Kundendienste reagieren, wenn überhaupt, mit wochenlanger Verzögerung auf Anfragen. Zeitungen und Zeitschriften werden dünner, online Inhalte sind voller Flüchtigkeitsfehler und TV-Programme/Streaming-Angebote setzen auf Wiederholungen.

Für Ideen fehlt die richtige Umgebung
Man suggeriert, digital alles unter Kontrolle zu haben, derweilen die analoge Welt ächzt. Was in Pressekonferenzen des Bundes als dringende Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie präsentiert wird, hat für die Gesellschaft tiefgreifende Folgen. Die vielen Einschränkungen unserer Kreativität mangels «Öffentlichkeit» sind spürbar. Wie sehr uns der analoge Austausch fehlt, erkennen wir erst, wenn wir hilflos vor unseren Computerkameras herumhampeln und mit zehn, zwanzig und mehr Leuten zum Gespräch verbunden sind. Kreativität entsteht nicht in der stillen Kammer, um Ideen weiter zu entwickeln braucht es die physische Interaktion in der richtigen Umgebung. Darüber referierte Steven Berlin Johnson, Schriftsteller: «Where good ideas come from» im TED Talk, TEDGlobal July 2010

Claes Oldenburg (92), Balancing Tools 1984, Vitra Campus (Frank Gehry Architekt) Weil a.Rh., D

Das englische Kaffeehaus
Das «Grand Café» in Oxford wurde als Erstes seines Typus in 1650 eröffnet. Das Kaffeehaus war für die Entwicklung und den Aufstieg einer der grossen intellektuellen Blütezeiten der letzten 500 Jahre entscheidend. Kaffeehäuser spielten eine so grosse Rolle bei der Geburt der Aufklärung, zum Teil aufgrund dessen, was die Leute dort tranken. Denn vor der Verbreitung von Kaffee oder Tee in der britischen Kultur tranken die Menschen – sowohl die Eliten als auch das gemeine Volk – tagtäglich, von morgens bis abends Alkohol, denn Wasser war nicht zum Trinken geeignet. Auf die Umstellung von einem Beruhigungsmittel auf ein Stimulans, folgten bessere Ideen. Ein weiterer wichtiger Aspekt des Kaffeehauses war dessen räumliche Architektur. Es war ein Ort, an dem Menschen mit verschiedenster Herkunft und mit verschiedenen Wissensgebieten zusammenkamen und sich austauschten. Eine erstaunliche Anzahl von Innovationen aus dieser Zeit, wie der Autor Matt Ridley, TED Talk, TEDGlobal July 2010 feststellte, haben irgendwann in ihrer Geschichte ein Kaffeehaus. Er findet, dass der technologische Fortschritt verlangsamt wird, wenn man Menschen vom Austausch ausschliesst. Wir sind «die Knoten» im Netzwerk. Wir sind die Neuronen in diesem Gehirn. Es ist der Austausch von Ideen, das Begegnen und Begatten von Ideen untereinander, darin liegt technologischer Fortschritt begründet, schrittweise. Stück für Stück.

Wir lernen von anderen Menschen
Steven Johnson untersuchte die Umgebungen, die zu ungewöhnlichen Innovationsniveaus, ungewöhnlichen Kreativitätniveaus führen, auch Medienumgebungen, wie das World Wide Web. Er musste den Weg verlassen, auf welchem wir durch konventionelle Metaphern und die Sprache gesteuert werden. Unser reiches Vokabular, um Momente der Inspiration zu beschreiben umfasst «Gedankenblitze», «die Einsicht trifft uns wie ein Schlag», wir haben Erscheinungen, wir haben «Eureka!» – Momente, «uns geht ein Licht auf» – Momente, welche die Annahme teilen, dass eine Idee ein einzelnes Ereignis ist, etwas, das meist in einem wundervoll erhellendem Moment entsteht. Dabei ist eine «neue» Idee ein neues Netzwerk von Neuronen, die gleichzeitig in unserem Gehirn feuern. Es ist eine neue Konfiguration, die es vorher so nicht gab. Wie also schafft man für das Gehirn Umgebungen, die es wahrscheinlicher machen, dass solche neuen Netzwerke entstehen? Es zeigt sich, dass wir die Ideen anderer Leute, Menschen, von denen wir gelernt haben, denen wir im Kaffeehaus begegnet sind, miteinander zu neuen Formen verknüpfen und etwas Neues schaffen. So geschieht Innovation wirklich, in einer etwas chaotische Umgebung der Kaffeehäuser und Tavernen. Wo Menschen verschiedener Herkunft neue, interessante, unvorhersehbare Auseinandersetzungen haben.

Frank O. Gehry (91) Architekt, Walt Disney Concert Hall, Los Angeles, Kalifornien, 1999–2003

So funktioniert Innovation
Auch der Forscher Kevin Dunbar, beschloss herauszufinden, woher gute Ideen kommen. Er stellte fest, dass fast alle der wichtigsten Ideen nicht in der Einsamkeit am Mikroskop entstanden. Sie wurden am Konferenztisch entwickelt, in wöchentlichen Gruppensitzungen, wenn alle ihre aktuellen Fakten und Befunde austauschten, häufig, wenn sie über Fehler, die sie gemacht hatten, berichteten, Messfehler, Alarmsignale, die sie entdeckten. Diese Umgebung führt tatsächlich zu Innovationen. Viele wichtige Ideen durchlaufen eine lange Inkubationszeit. Steven Johnson nennt es die «langsame Ahnung». Viele grossartige Ideen bleiben, manchmal über Jahrzehnte, dem Verstand verborgen. Uns fehlt das Werkzeug um eine Lösung zu finden, um die Idee vollständig zu denken. Unsere Aufgabe ist es Umgebungen zu schaffen, die Ideen mit einer Art Halbwertzeit ermöglichen, die erlauben unsere Ahnungen sich mit den Ahnungen anderer Leute zu verbinden. In Zeiten wie dem aktuellen Corona-Lockdown, sind solche Vorgänge erschwert, zum Teil verunmöglicht. Dagegen helfen auch keine finanziellen Rettungsmassnahmen.

Krisenerprobte und kompetente «Alte»
«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Wir «Alten», Frauen und Männer, im Team auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen unsere Erfahrung mit Leidenschaft zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

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#195 – Innovation mit Risiko

Der schlechte Ruf des Risikos
Wir sind auf dem besten Weg, in der Null-Risiko-Gesellschaft zu versauern, schrieb Roman Bucheli in der NZZ vom 19. Februar 2020. Sein Beitrag erschien ganz am Anfang der gegenwärtigen Corona-Krise, als wir deren Ausmass schwerlich abschätzen konnten. Dabei beschreibt er, ausgehend vom Alarmzustand unserer Eltern den wir als Kinder beim ersten Schritt auszulösen scheinen, wie wir schon früh erlernen, unseren Entdeckungsdrang zu unterdrücken. Kaum wagen wir einen Schritt ins Unbekannte, kommt auch schon aus irgendeiner Ecke eine ängstliche oder warnende Ermahnung. Und wenn einmal gerade niemand zur Stelle ist, unsere Unternehmungslust mit Bedenken und Einwänden zu bremsen, dann lässt die eigene Stimme der angeblichen Vernunft uns zur Besinnung kommen und ins Zaudern geraten. Nur nichts überstürzen, nur keine unbedachten Schritte!, so lautet das Mantra des vorsichtigen Menschen.

KONKRET AM MITTAG, Schweizer Baumuster-Centrale Zürich – Youtube Simultanübertragung ohne Publikum 19. 11. 2020, Mathis Kamplade Architekten, Bild: Gianfranco Rosetti SBCZ

Leben mit dem Risiko
Wir hätten uns in eine Risikogesellschaft verwandelt, diagnostizierte der von Bucheli zitierte Soziologe Ulrich Beck. Es gebe einen Zusammenhang zwischen der Produktion von Wohlstand und der Produktion von Risiken, behauptete Ulrich Beck. Bucheli findet, dass es vermutlich präziser, aber umso weniger effektvoll gewesen wäre, das Verhältnis zwischen Wohlstandsproduktion und Risikozunahme als zirkulär darzustellen. Ohne Schritte ins Ungewisse und Unabsehbare ist Modernisierung und damit die Schaffung von Wohlstand undenkbar. Gleichzeitig ruft jeder waghalsige Sprung in die Zukunft neue und bis dahin unbekannte Gefährdungen hervor. Der Mensch kann gar nicht anders, als riskant zu leben, wenn er nicht als Sauertopf verkümmern will. Die Risikogesellschaft ist keine zweifelhafte Errungenschaft der Moderne, sondern eine menschheitsgeschichtliche Konstante. Aber Ulrich Becks Diagnose traf 1986, als sie öffentlich wurde, auf eine von so vielen Gefährdungslagen bedrohte Gesellschaft (Tschernobyl, Waldsterben, Rüstungswettlauf), dass ihre Plausibilität geradezu täglich, wenn nicht stündlich mit den Nachrichtenbulletins untermauert wurde.

Kleingeist statt Optimismus
Ähnliches erleben wir aktuell, angesichts der täglich veröffentlichten Fallzahlen der an Covid-19 erkrankten respektive verstorbenen Menschen. Der unternehmungslustige Mensch verwandelt sich unter der Fuchtel von Warnung und Mahnung zum Kleingeist, die fröhlichen Optimisten des Aufbruchs gehen auf in der Gemeinschaft der Ängstlichen, und die Risikogesellschaft sucht die vermeintliche Gemütlichkeit der Null-Risiko-Mentalität. Dazu Sam Ginn (23), Grün­der und CEO von Vet­spi­re, Chi­ca­go, einem da­ten­ba­sier­ten Dienst­leis­ter für Tier­ärz­te, in seinem Referat am NZZ-Podium Europa vom 23. Oktober 2020 in Stutt­gart zum Thema Un­ter­neh­mer­tum: Europa ist kein guter Ort für Innovationen, Risiken sind verpönt, Scheitern gilt hier als Schande.

Start-ups sollen scheitern dürfen
Bevor man hier überhaupt nach Investoren sucht, erarbeitet man einen «realistischen» Geschäftsplan – mit einem konkreten und umsetzbaren Ziel, so risikoarm wie möglich. Investoren wollen Gewinne sehen: von technologischen Höhenflügen wird abgeraten, Ideen zu neuen Geschäftsstrategien werden mit Hinweis auf bewährte Methoden ausgeredet. Diese niedrige Misserfolgstoleranz hält Europäer davon ab, den Status quo herauszufordern. Märkte sind heute «Winner takes it all»-Monopole: Wer zuerst kommt, bleibt zumeist allein erfolgreich. Die Corona-Pandemie hat uns erst recht gelehrt: Die Gesetze exponentiellen Wachstums bedeuten, dass die alten Wettbewerber oft bereits verloren haben, wenn sie in den Markt einsteigen. Im Gegensatz zum verhaltenen Konservatismus Europas steht der elektrisierende, aufrührerische Geist des Silicon Valley. Dort, wie im übrigen Amerika, dominiert die allgegenwärtige Hybris: Nichts ist unmöglich, und jeder kann die Welt verändern. Der Glaube an den wilden Ideenaustausch, der nie abgewürgt wird, hat das Silicon Valley zur unternehmerischen Weltmacht gemacht – und Kalifornien vom Staat der Aprikosenfelder zur fünftgrössten Ökonomie der Welt.

Das einzig Kreative, was unsere Spezies hat, ist der individuelle, einsame Geist. Zwei Menschen können ein Kind erschaffen, aber ich weiss nichts anderes, das von einer Gruppe erschaffen wurde. John Steinbeck 1949

Unter dem Titel «Wenn der Impfstoff (fast) aus dem Drucker kommt: Zusammenarbeit von Curevac mit Tesla» berichten Helga Rietz und René Höltschi, Berlin, NZZ vom 20.11.2020 exemplarisch wie Innovationen auch in der Krise, oder gerade wegen der Krise entstehen. Es ist der kreative Geist von Elon Musk der uns wieder einmal elektrisiert. Um es vorwegzunehmen: Wer sich einen «RNA-Printer» als handlichen Drucker vorstellt, der in Kürze quasi nach Belieben Impfstoffe zum Beispiel gegen Sars-CoV-2 ausspucken wird, liegt nicht ganz richtig. Und hätte nicht Elon Musk, der illustre Chef des US-Elektrofahrzeugherstellers Tesla, bei seiner Deutschland-Tournee im September 2020 bei den beiden an der Entwicklung des Printers beteiligten Unternehmen, dem biopharmazeutischen Unternehmen Curevac in Tübingen und Tesla Grohmann Automation in Prüm, einer Kleinstadt in der Westeifel (Rheinland-Pfalz) vorbeigeschaut, hätte eine breitere Öffentlichkeit vielleicht gar nicht von diesem Wundergerät erfahren. Das deutsche Biotech-Unternehmen Curevac arbeitet nicht nur an einem Corona-Impfstoff, sondern zusammen mit einer Tochterfirma von Elon Musks Tesla-Konzern auch an einem «RNA-Printer» für die Herstellung solcher Impfstoffe. Das mit der Herstellung der Printer betraute Unternehmen ist ein mittelständischer, 1963 von Klaus Grohmann gegründeter Maschinen- und Anlagenbauer. Unter dem Namen Grohmann Engineering hatte er sich auf hochautomatisierte Produktionsprozesse spezialisiert und vor allem auch die Automobilindustrie beliefert. Per 3. Januar 2017 wurde das Unternehmen von Tesla übernommen.

Grösser als ein SUV
Der RNA-Printer ist eine kleine, mobile Produktionsanlage für eine bestimmte Art von Pharmazeutika, die als Wirkstoff eine bestimmte RNA-Sequenz verwenden. Das Anwendungsgebiet solcher RNA-Stücke beschränkt sich nicht auf Impfstoffe. Vielmehr werden sie auch für Antikörper-Therapien für verschiedene Erkrankungen erprobt, für die personalisierte Krebsmedizin bis hin zur Gentherapie mit der Crispr/Cas-Technik. Entsprechend weit gefasst ist der Einsatzbereich des RNA-Druckers auch in der zugehörigen Patentschrift. Curevac verfolgt nun die Idee, allfällige mRNA-Vakzine direkt dort herzustellen, wo sie gebraucht werden. Vorstellen muss man sich den Prototyp laut einem Curevac-Sprecher als Minifabrik, die mit einer Länge von 3 bis 4 Metern und einer Breite und Höhe von je 2 Metern etwas grösser sei als ein SUV und in einem Container verschifft werden könne. Man arbeite daran, ihn kleiner zu machen oder mit mehr Funktionen auszustatten.

Kompetente «Alte» stellen ihre Erfahrung zur Verfügung
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