Blog, Industrie 4.0

#448 – Erfahrene «Alte Weisheitsarbeitende»

Wenn Vertrauen schwindet
Im Austausch beim Mittagessen mit dem Gründer eines Softwareunternehmens wurde mir erneut bewusst, wie sehr sich die Geschäftswelt seit dem Ende der Corona-Pandemie und der allgemeinen Verfügbarkeit von künstlicher Intelligenz KI seit 2022 verändert hat. Auf dem Markt findet ein Verdrängungskampf der Ideen statt. Niemand will mehr Fehler eingestehen. Die Automatisierung von Inhalten mag die Produktion vereinfachen, führt aber auch zu einer höheren Austauschbarkeit. Organisationen, die dieselben Behauptungen, dieselbe Bildsprache und dieselben KI-generierten Botschaften wie alle anderen verwenden, verlieren ihre Identität und ihr Image. «Vertrauen aufbauen im Zeitalter der KI» ist das Thema von Nathalie Nahai, Autorin und Technologieexpertin am GDI Gottlieb Duttweiler Institute, Newsletter vom 19 November, 2025. Die moralische Abwehrreaktion gegenüber KI-generierten Inhalten erklärt, warum emotionales Storytelling durch künstliche Intelligenz – insbesondere in Werbung und Markenkommunikation – oft erfolglos bleibt. Das ist auch der Grund, warum Vertrauen zerbrechlich wird, wenn Organisationen versuchen, ein Gefühl der Nähe zu automatisieren.

Mehr Menschlichkeit
Insbesondere jüngere Zielgruppen erwarten Kohärenz: Unternehmen sollten nicht nur kommunizieren, wer sie sind, sondern dies auch durch ihr Handeln beweisen. Nahai ist überzeugt, dass Kommunikation auf einer authentischen Kultur und nicht auf austauschbaren Behauptungen basieren muss. Erfolgreiche Unternehmen nutzen Technologie als Werkzeug – beispielsweise zur Ideenentwicklung, zur Erstellung verschiedener Varianten, die weiter verfeinert werden können, oder zur Zusammenfassung komplexerer Konzepte und deren Verständlichkeit. KI kann in diesen Bereichen echten Mehrwert schaffen. Zusammen mit uns «Alten» als Sparringspartner im Team mit den «jungen Wilden», entfaltet sich die wahre kreative Kraft – der Funke der Fantasie, des Denkens und der Empathie – und bleibt menschlich.

Wade Guyton (53), amerikanischer postkonzeptueller Künstler: Ohne Titel 2024. Fondation Beyeler, Riehen bei Basel 2025

Altersgemischte Teams sind erfolgreicher
«Was Babyboomer von Millennials im Berufsleben lernen können – und umgekehrt» ist der Beitrag von Chip Conley | TED Salon: Verizon • September 2018 (12:20). Damals sagte er, hatten fast 40 Prozent der Mitarbeitenden in den Vereinigten Staaten einen jüngeren Chef, eine jüngere Chefin. Und diese Zahl wuchs rasant. Macht ging in nie dagewesenen Ausmass auf die Jungen über, weil wir uns zunehmend auf digitale Intelligenz (heute KI) verlassen. Wir sehen junge Unternehmensgründer Anfang 20, die ihre Unternehmen bis zum 30. Lebensjahr zu globalen Giganten ausbauen. Und dennoch erwarten wir von diesen jungen digitalen Führungskräften, dass sie auf wundersame Weise die Beziehungstraditionen verkörpern, die wir «Alten» über Jahrzehnte hinweg erworben haben. Zum ersten Mal überhaupt arbeiten fünf Generationen gleichzeitig am Arbeitsplatz – ungewollt. Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir uns bewusster damit auseinandersetzen, wie wir zusammenarbeiten. Es gibt zahlreiche europäische Studien, die belegen, dass altersgemischte Teams effektiver und erfolgreicher sind. Warum hatten dann nur acht Prozent der Unternehmen, die ein Programm für Vielfalt und Inklusion haben, ihre Strategie tatsächlich erweitert und das Alter als ebenso wichtige demografische Variable wie Geschlecht oder ethnische Zugehörigkeit berücksichtigt? Obwohl die Weltbevölkerung immer älter wird.

Das Paradoxon unserer Zeit
Wir Babyboomer sind länger vital und gesund, wir arbeiten sogar länger und dennoch fühlen wir uns immer weniger relevant. Für viele von uns «Alten» ist das nicht nur ein Gefühl, sondern bittere Realität, wenn wir plötzlich unseren Job verlieren und das Telefon nicht mehr klingelt. Viele von uns befürchten, dass unsere Erfahrung als Belastung und nicht als Bereicherung gesehen wird. Wenn es um Macht am Arbeitsplatz geht, ist 30 das neue 50. Vielleicht ist es an der Zeit, Weisheit genauso hoch zu schätzen wie Umbrüche. Es ist an der Zeit das Wort «Alte» endgültig zurückzuerobern um ihm eine moderne Bedeutung zu geben. Moderne «Alte» sind gleichermassen Praktikant:innen wie Mentor:innen, denn sie erkennen in einer sich schnell verändernden Welt, dass ihre Anfängermentalität und ihre anregende Neugier und Weisheit ein lebensbejahendes Elixier sind. Vielleicht ist es an der Zeit, den Begriff «Wissensarbeiter» durch «Weisheitsarbeiter» ersetzen. Wir müssen einen Weg finden, ohne Altersgrenzen die Mechanismen des Weisheitsflusses zu verändern, sodass er tatsächlich in beide Richtungen fliesst, von Alt zu Jung und von Jung zu Alt.

Detailaufnahme: Pyramiden von Teotihuacán, Mexico. Wer hat das gebaut? Warum gerade hier? Wohin sind sie gegangen?

Die Macht des Nichtwissens
In ihrer Präsentation auf TEDNext 2025 • November 2025 (7:52) mit dem Titel «Der Nervenkitzel, nicht alle Antworten zu kennen» erzählt Dr. Harini Bhat, Wissenschaftsjournalistin und Geschichtenerzählerin wie Nichtwissen heute wichtiger ist denn je. Wir leben in einer Kultur, die absolut besessen davon ist, sofort die richtige Antwort zu haben. Soziale Medien belohnen selbstbewusste, voreilige Meinungen anstatt neugierige Fragen. Jeder soll ständig ein Experte für alles sein, ein Möchtegern-Besserwisser. Liegt man auch nur im Geringsten falsch, ist man gecancelt. Auf ihrer Reise nach Mexiko stand sie vor den Pyramiden von Teotihuacán, als ihr etwas Tiefgreifendes klar wurde: Sie hatte keine Ahnung, was sie da sah. Diese Erkenntnis lässt sich auf neugierige «Alte» im Team übertragen. In einer Zeit mit unendlichem Zugang zu Informationen, aber auch unendlich viel Fehlinformation und Verschwörungstheorien sind glaubwürdige Stimmen gefragt. Erfahrung kann an keiner Schule gelernt werden, sie ist das Resultat eines langen Lebens. Anstatt sich für die Unwissenheit zu schämen, werden Erkenntnisse durch Geschichtenerzählen lebendig und bewirken etwas in den Menschen, glaubwürdige Stimmen zu fördern, welche ihre Arbeit zugänglich machen. Denn wir alle verdienen es, elektrisierende Moment zu erleben.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger

Blog, Industrie 4.0

#432 – Nostalgie, das Heroin von uns «Alten»

Unser Verhältnis zur künstlichen Intelligenz KI
Viele von uns «Alten» tun sich schwer mit Veränderungen, auch wenn sich diese schlussendlich zu unserem Vorteil entwickeln. Angesichts der Proliferation digitaler Technologie, denken wir nostalgisch an die «gute» analoge Zeit zurück. Wir Fragen uns, weshalb wir ein bestehendes System disruptiv zerstören sollen um anschliessend durch eine neue Technologie oder ein Geschäftsmodell, (scheinbar) funktionierende Märkte und Gewohnheiten grundlegend zu verändern. Im Gegensatz zu schrittweisen Veränderungen führt eine disruptive Innovation zu einer tiefgreifenden Umstrukturierung oder einem Paradigmenwechsel, der für uns eine grosse Herausforderung darstellen kann, für den Gesamtfortschritt aber auch grosse Chancen bietet (Stichwort: Zölle). Dass solche Initiativen fast ausschliesslich im angelsächsischen Kultur- und Sprachraum entstehen, empfinden wir oft als Kränkung und lehnen diese reflexartig ab.

Die unsichtbare Schweizer Szene
Im Blog #431 Die unsichtbare Schweizer KI-Szene: «KI und Robotik: Tech-Utopie als Jungbrunnen für die Menschheit?» versuchen wir eine Einordnung: Trotz einigen interessanten Schweizer KI-Initiativen und KI-Unternehmen, liegen die Entwicklung von KI und Robotik sowie der Zugang zum alles miteinander verbindenden Internet in den Händen von einigen wenigen US-Tech-Firmen des Silicon Valleys. Der Mangel an helvetischer Sichtbarkeit ist auch das Resultat fehlender «Gesichter», Leaderfiguren wie beispielsweise Elon Musk, Ron Altmann oder Bill Gates. Hierzulande stehen Fachgruppen, Ausschüsse oder Lehranstalten hinter den Projekten, die sich vornehmlich auf die Sicherheit, Ethik oder die Einhaltung von Regeln zum Datenschutz konzentrieren. Das Problem ist also nicht die KI-Technologie selbst, sondern unser Verhältnis zu ihr. Der Fokus auf «vertrauenswürdige und transparente KI» könnte zwar ein wichtiger Differenzierungsfaktor für die lokalen Initiativen sein. Das weltumspannende Internet garantiert jedoch keine länderspezifischen Lösungen, wie einen «Swiss Finish». Einmal im Netz, ist der Geist aus der Flasche und nicht mehr einzufangen.

Wie würde es sich anfühlen, das Ende des Lernens? © Beate Pietrek für DIE ZEIT (unter der Verwendung von KI)

Künstliche Intelligenz: Leben in einer Tech-Utopie
Trotz Bedenken dürfen wir die Erschaffung von künstlicher Intelligenz als «Ziel per se» nicht aus den Augen verlieren. Nicht hemmende Regulierung, sondern weitere Erforschung ist wichtig. Wie erschaffen wir Intelligenz am Computer, ist der heilige Gral für künstliche Intelligenz: Aber wie gelangen wir dorthin? In Verbindung mit den medizinischen Fortschritten, die ewige Jugend versprechen, scheint die Menschheit also zum Leben in einer Tech-Utopie bestimmt zu sein. Eine Zukunft, die auch durch die Zusammenarbeit mit der Natur geprägt ist. Treiber hierfür sind die breite Akzeptanz erschwinglicher KI-Technologien, die Kommerzialisierung von KI-Diensten, veränderte Geschäftsmodelle, welche KI als operatives Hilfsmittel betrachten, und die steigende Nachfrage nach unterstützender Infrastruktur. Diese Entwicklungen demokratisieren KI-Fähigkeiten, fördern Innovationen und verwandeln KI in eine gemeinsame, systemische Ressource (Commodities), vergleichbar mit traditionellen Versorgungsunternehmen wie Strom und Wasser, mit tiefgreifenden Auswirkungen auf die gesellschaftliche Steuerung.

Folgen von künstlicher Intelligenz KI: Wenn wir nicht mehr lernen müssen
Künstliche Intelligenz nimmt uns das Nachdenken ab. Wir sollten uns daran aber nicht zu sehr gewöhnen – es könnte gefährlich sein, schreibt Dr. Sibylle Anderl in der ZEIT am Wochenende vom 4. August 2025. Der Traum von der perfekten KI-Arbeitskraft soll wahr werden – und der Mensch kann sich zurücklehnen und geniessen. Keine Bullshit-Jobs mehr, nur noch Genuss, und das sehr lange. Denn dank KI wird die Medizin so grosse Fortschritte machen, dass der Mensch immer älter wird. Und wenn die KI irgendwann in unsere Köpfe implantiert wird, wie es sich etwa der Futurist Ray Kurzweil ausmalt und woran Elon Musk bereits arbeitet, muss der Mensch überhaupt nichts mehr lernen. Vorbei die Frustration darüber, dass wir Gelerntes so schnell wieder vergessen. Dass uns für manches das Talent fehlt. Jeder kann sich alles sofort aneignen. Der Mensch wächst über sich selbst hinaus. Untersuchungen ergaben zwar, dass man sich Informationen schlechter merkt, wenn man weiss, dass man digital auf sie zugreifen kann. «Digitale Amnesie» wird das genannt. Man kennt sie von To-do-Listen, deren Inhalte aus dem Gedächtnis verschwinden, sobald man sie notiert hat. Eigentlich ein Lichtblick für uns «Alte», KI als Partner gegen das Vergessen.

Die gefährlichste Illusion: Dass wir schon gelernt hätten.
Wäre das also die Zukunft: Das eigene Denken würde abgebaut, aber wir merkten es gar nicht, weil wir uns angesichts der erfolgreichen Nutzung künstlicher Intelligenz trotzdem über die Massen schlau fühlten? Doch wer wäre dann für die Inhalte solcher Systeme verantwortlich? Eigentlich eine Aufgabe für uns kompetente «Alte», unsere Erfahrung im Team mit den «jungen Wilden» zu teilen. Gut möglich, dass wir sonst verlernen, uns selbst und unsere Umwelt kritisch infrage zu stellen. Im Kommentar zum Artikel von Dr. Sibylle Anderl schreibt Christian Müller, Mitgründer von Intrinsic, dem Netzwerk für «angewandte Bildungsinnovation» auf LinkedIn vom 4. August 2025: Der Artikel in der aktuellen DIE ZEIT beschreibt eine Welt, in der KI uns das Denken abnimmt. Er warnt davor, dass Lernen überflüssig werden könnte – und dass das gefährlich ist. Das stimmt zwar, aber nicht aus den Gründen, die der Artikel nennt, meint Christian Müller. Denn die Vorstellung, dass wir durch KI das Lernen verlieren könnten, setzt voraus, dass unser jetziges Lernen intakt ist und da ist der blinde Fleck des Textes. Dieses Lernen ist erschöpft.

Tiktok und KI erobern die Bildung. Illustration: Olivia Meyer, NZZ am Sonntag, 10. August 2025

Tiktok und KI erobern die Bildung – wozu braucht es dann noch Lehrer?
René Donzé, NZZ am Sonntag 10. August 2025, beschreibt wie rasant sich die Nutzung von KI-Tools wie Chat-GPT beim Lernen ausbreitet. In einem Bericht der Universität Zürich zur Befragung bei 2300 Schülerinnen und Schülern von Gymnasien, Berufsschulen und Fachmittelschulen gaben 90 Prozent an, auf die Hilfe von KI zurückzugreifen. Nicht die KI ist das Problem. Die Vorstellung von Lernen, die wir verteidigen ist es, schrieb Christian Müller. Was der Text als Lernen verklärt, ist in Wahrheit eine Disziplinierung, keine Entfaltung. Die KI kann dabei helfen – radikal. Wenn wir sie nicht als Ersatz, sondern als Erweiterung verstehen. Dann könnte KI das sein, was wir so dringend brauchen: Ein Katalysator für eine neue Lernkultur. Eine, die nicht im 19. Jahrhundert steckenbleibt. Sondern im 21. ankommt. Nicht Bildung als Formung – sondern als leistungsorientierte Einladung. Denn das wahre Risiko ist nicht, dass wir das Lernen verlieren, sondern, dass wir nie wirklich damit begonnen haben.

Die Herausforderungen für Führungskräfte bei technologischen Umbrüchen
An die Geschäftswelt richtet sich die Abhandlung der Boston Consulting Group BCG vom 26. Juni 2025. Mit dem Titel «KI am Arbeitsplatz: Die Dynamik nimmt zu, aber es bleiben Lücken», analysieren die Autoren Vinciane Beauchene, Sylvain Duranton, Nipun Kalra, and David Martin die Potenziale von KI und Technologie. Dabei konzentrieren sie sich auf die jährlichen globalen BCG-Mitarbeiterbefragungen «AI at Work», KI am Arbeitsplatz, welche 2025 11 Länder und Regionen umfasst, mit mehr als 10’600 befragten Führungskräften, Managern und Mitarbeitenden (im Aussendienst). Fazit: KI ist keine ferne Zukunftsvision mehr. Führungskräfte und Manager haben sie in ihren Arbeitsalltag integriert während Mitarbeitende im Aussendienst die Technologie noch nicht vollständig angenommen haben. Die Fähigkeit von Unternehmen, Arbeitsabläufe neu zu gestalten, hängt massgeblich vom Engagement der Mitarbeitenden ab. Führungskräfte müssen die Technologie beispielhaft nutzen, die Mitarbeitenden entsprechend schulen und die richtigen Werkzeuge bereitstellen.

Zusammenarbeit von Mensch und Maschine neu gestalten
Sorgen um die Arbeitsplatzsicherheit wandeln sich in Begeisterung, wenn Mitarbeitende gut informiert und mit KI-Agenten vertraut sind. Sie betrachten diese weniger als Bedrohung, sondern vielmehr als kooperative Partner, die ihre Arbeit erleichtern. Dies ist eine bekannte Herausforderung, die auch bei anderen technologischen Umbrüchen zu beobachten ist – insbesondere beim Übergang von Dampf zu Elektrizität. Der Weg über die Einführung von KI zur tatsächlichen Wirkung ermöglicht es, die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine neu zu gestalten. Wir «Alten» müssen dazu unsere Erfahrung als Mentoren und Sparringspartner in gemischten Teams einbringen. Unternehmen, die sich dieser Transformation verschrieben haben, wissen, dass die wahre Stärke von KI in intelligenteren Arbeitsweisen liegt. Richtig umgesetzt, passen sich Mitarbeitende nicht nur an – sie entwickeln sich weiter.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger

Blog, Industrie 4.0

#425 – «Frisst» die Digitalisierung uns «Alte»?

Mit dem Wissen über die Herkunft, unsere Zukunft gestalten
Im Gespräch verzichten viele von uns «Alten» auf ein weiteres aktives, berufliches Engagement in einer Welt, die zusehends aus den Fugen zu geraten droht und in der unsere Ideale, die wir jahrelang verfolgt und gelebt haben, mehr denn je in den Hintergrund getrieben oder gar mit Füssen getreten werden. Wir bekunden Mühe im Umgang mit der aktuellen politischen Lage und empfinden einen Kontrollverlust in einer zusehends automatisierten Gesellschaft. Seit Corona hat sich vieles auf dieser Welt zum Teil grundlegend verändert. Unsere positive Einstellung gegenüber technologischen Entwicklungen, wie der künstlichen Intelligenz KI oder der Digitalisierung von Unternehmesprozessen, ist deshalb essenziell. Weiterbildung, Offenheit und Neugier sind Voraussetzung um den Anschluss nicht zu verlieren. Wir «Alten» helfen mit Weisheit, Gelassenheit, Erfahrung und Reife in gemischten Teams als Mentor:innen, Coaches oder Sparringspartner, ohne Angst zukunftsfähige Konzepte zu entwickeln.

Bass 2024: Steve McQueen (56), britischer Videokünstlers und Filmemacher im Schaulager Basel, anlässlich der Art Basel 2025

«Schweiz-5.0»: Altenrepublik statt Alpenrepublik
Im Austausch mit dem Herausgeber der Plattform SICHTWEISENSCHWEIZ.CH beschlossen wir, zusammen mit der künstlichen Intelligenz «Claude» von Anthropic, einige Aspekte zur aktuellen 60plus-Generation in der Schweiz zu hinterfragen. Entsteht hier vielleicht eine «Schweiz-5.0»: Altenrepublik statt Alpenrepublik. Inwiefern nutzt diese Generation überhaupt ihr Potenzial aus, oder liegen Ressourcen brach. In der Presse wird ohne zu hinterfragen kolportiert, dass Menschen bereits im Alter von 50 Jahren Mühe hätten, bei Jobverlust eine neue Anstellung zu finden. Die Recherche zeigt tatsächlich ein differenzierteres Bild als diese Darstellung. Die Gruppe der Ü50er macht 30 Prozent der Erwerbsbevölkerung in der Schweiz aus, und die Schweiz hat mit 2,0-2,5% eine der tiefsten Arbeitslosenquoten der letzten 20 Jahre. Dabei ist auffällig, dass spezifische Arbeitslosenstatistiken für die 50plus-Generation schwer auffindbar sind. Diese Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Realität gilt es zu beleuchten. Eine Generation mit enormer Erfahrung und Kaufkraft wird hier systematisch unterschätzt, wobei die Digitalisierung nur ein Aspekt unter vielen ist. Interessant ist ein Blick auf Innovationskraft, Unternehmertum im späteren Lebensabschnitt oder die Rolle als Wissensträger. Für uns «Alte» ist die Unterscheidung zwischen Wissen und Erfahrung zentral. Wissen ist explizit, dokumentierbar und übertragbar, altert aber schnell – was vor zehn Jahren in der IT galt, ist heute oft obsolet. Dagegen ist Erfahrung implizit und kontextgebunden. Sie entsteht durch das Durchleben von Situationen, das Scheitern und Wiederaufstehen, das Spüren von Mustern und Zusammenhängen. Sie beinhaltet emotionale Intelligenz, Intuition und die Fähigkeit, in unbekannten Situationen zu navigieren.

Bass 2024: Steve McQueen (56), britischer Videokünstlers und Filmemacher im Schaulager Basel, anlässlich der Art Basel 2025

Die Erfahrung der «Alten» wird unterschätzt
Das Wissen der 60plus-Generation mag teilweise veraltet sein – ihre Erfahrung ist es nicht. Wer mehrere Wirtschaftskrisen durchlebt hat, bringt eine andere Gelassenheit und Urteilsfähigkeit mit als jemand, der nur Wachstum kannte. Wer verschiedene Technologiewandel miterlebt hat, versteht die Mechanismen des Wandels selbst – auch wenn er die neueste App nicht bedienen kann. Unternehmen fokussieren oft auf aktuelles Wissen und übersehen die Erfahrung. Dabei ist es gerade die Kombination aus «jugendlichem Wissen» und gereifter Erfahrung der «Alten», die zu den besten Lösungen führt. Die 60plus-Generation bringt Kontextualisierung, Risikoeinschätzung und langfristiges Denken mit – Fähigkeiten, die in unserer schnelllebigen Zeit besonders wertvoll sind. Anstatt Wissen und Erfahrung gegeneinander auszuspielen, müssen wir es synergetisch nutzen. Die Generation-60plus ist fitter, gebildeter und aktiver als frühere Generationen in diesem Alter. Um das Potenzial einer ganzen Gesellschaftsschicht zu würdigen, müssen wir über reine Arbeitsmarktbetrachtungen hinausgehen.

Wo steht die Gesellschaft
Zu den gesellschaftlichen Fragen gehört, wie sich die Schweiz verändert, wenn die Babyboomer bis 2036 vollständig aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind. Wenn ihre erfahrensten Mitglieder systematisch marginalisiert werden und damit Innovationskraft verloren geht, weil diese Generation nicht als Ressource erkannt wird. Bereits 2016 schieden erstmals mehr inländische Arbeitskräfte aus dem Arbeitsmarkt aus als nachrückten – ein Trend, der sich verstärkt. Welche Mechanismen gibt es, um jahrzehntelange Erfahrung zu bewahren? Die wirtschaftliche Dimension umfasst den zukünftigen Konsum der Produkte und Dienstleistungen. Wir «Alten» verfügen über erhebliche Kaufkraft und andere Bedürfnisse als jüngere Generationen. Unternehmen, die auf «junge Zielgruppen» setzen, laufen Gefahr an einem grossen Teil des Marktes vorbei zu produzieren.

Bass 2024: Steve McQueen (56), britischer Videokünstlers und Filmemacher im Schaulager Basel, anlässlich der Art Basel 2025

Neue Lebensmodelle
Zum traditionelle Drei-Phasen-Modell (Ausbildung-Beruf-Rente), entwickelt die Generation-60plus neue Formen des gesellschaftlichen Beitrags. Viele von uns «Alten» sind gesünder und aktiver als frühere Generationen. Dazu braucht es eine intergenerationelle Gerechtigkeit, wo die verschiedenen Generationen voneinander lernen, statt sich gegenseitig zu blockieren. Eine Rolle spielt dabei auch eine differenzierte mediale Darstellung von «Generationenkonflikten», die alle Generationen als gleichwertige Akteure sieht – nicht nur als Kostenfaktoren oder Nostalgiker. Dafür muss auch der Stellenwert von Arbeit neu gedacht werden. Die 60plus-Generation lebt bereits in einer anderen Arbeitsrealität, aber die Gesellschaft denkt noch in alten Kategorien. Dazu gehört das tradierte Arbeitsverständnis der lebenslange Anstellung, klare Trennung zwischen Arbeits- und Rentenphase, Identität durch Beruf, Wert durch Produktivität gemessen. Dieses Modell stammt aus der Industriegesellschaft 3.0 und passt nicht mehr zur heutigen Lebenswirklichkeit. Wir «Alten» leben bereits Projektarbeit statt Dauerstellen, Sinnorientierung statt nur Einkommensfokus, flexible Übergänge zwischen verschiedenen Aktivitäten, ehrenamtliches Engagement als gleichwertige Tätigkeit, Wissens- und Erfahrungsteilung ohne klassische Hierarchien. Währenddessen in gesellschaftlicher «Blindheit» immer noch in «Erwerbsquoten» und «Arbeitslosenstatistiken» gemessen wird. «Alte» die ein Start-up beraten, drei Tage pro Woche Enkelbetreuung leisten und ehrenamtlich im Gemeinderat sitzen, gelten statistisch als «nicht erwerbstätig». Die 60plus-Generation zeigt bereits, wie es geht – unsere Gesellschaft muss jetzt lernen, dies gleich zu sehen und zu würdigen. Eine Gesellschaft 5.0, die Wertschöpfung neu definiert.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger