Blog, KI-ÖKONOMIE 1.0

#474 – «Alte» verbleiben im Arbeitsprozess

Generationen von Menschen
Zum ersten Mal in der modernen Geschichte Amerikas arbeiten fünf Generationen gleichzeitig, sagt Professorin Leah Georges (+40). Die Sozialpsychologin forscht zum Generationenkrieg am Arbeitsplatz. In ihrem TEDxCreightonU Vortrag vom April 2018 (11:25) unter dem Titel: «Wie uns Generationenstereotypen bei der Arbeit behindern» erklärt sie, wie unsere gegenseitigen Vorurteile uns daran hindern, besser zusammenzuarbeiten und zu kommunizieren. Sie zeigt auf, wie wir mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede haben und bietet hilfreiche Strategien für unseren Umgang im generationsübergreifenden Arbeitsumfeld. Zu den fünf Generationenkohorten zählt sie die stille Generation, geboren zwischen 1922 und 1943, die Babyboomer geboren zwischen 1944 und 1960, die Generation X oder Schlüsselkinder, geboren zwischen 1961 und 1980. die Millennials, geboren zwischen 1981 und 2000 und die Generation Z, geboren im 21. Jahrhundert. In Gesprächen mit Organisationen die Menschen unterschiedlichen Alters beschäftigen hat Georges gelernt: Wir sind uns viel ähnlicher, als wir denken.

Arbeiten mit Menschen
Die Menschen wollen sinnvolle Arbeit, sie wollen Flexibilität, Unterstützung, Wertschätzung und besseren Kaffee. Aber nichts davon ist an eine bestimmte Generation gebunden. Bei der Fokussierung auf Generationenkohorten, haben wir einfach vergessen, dass Menschen, Menschen sind. Und um zu wissen, wer wir wirklich sind, mit wem wir wirklich zusammenarbeiten, müssen wir herausfinden, wie wir uns in diesem generationsübergreifenden Arbeitsumfeld besser zurechtfinden können. Und plötzlich, wenn man Menschen in ihrer Einzigartigkeit begegnet, an ihrem speziellen Ort in dieser Welt, reden wir nicht mehr von einer Generation. Wir reden über Jim oder Jen oder Candice. Unsere Herausforderung besteht darin, deren Einzigartigkeit zu erkunden und was sie zur Arbeit mitbringt, das sonst niemand mitbringen kann. Und wenn wir das konstant wiederholen, arbeiten wir eines Tages mit Menschen, statt Generationen.

Seebadeanstalten in letzten Jahrhundert, NZZ. Foto: Wilhelm Gallas, Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich

«Bullshit-Jobs»
Die Technologie stammt wie immer, mit grossem Wissensvorsprung, aus Amerika, während wir in Europa alles versuchen, diese mit Regulierung zu bremsen. Verloren geht in der Diskussion, wie sich KI bereits auf unsere tägliche Arbeit auswirkt. Die Kolumnistin, Arbeits- und Organisationspsychologin und Mitgründerin der Beratungsfirma Gobeyond Nicole Kopp (+40) beschreibt im Beitrag der NZZ vom 20. Juni 2026 unter dem Titel «Der lange Arm der Bullshit-Jobs: Warum uns sinnbefreite Arbeit bis ins Bett verfolgt» wie mehr als jede:r Dritte zu erschöpft ist, um in der Freizeit noch etwas auf die Beine zu stellen. Zu hohe Belastung bei der Arbeit ist nur ein Grund dafür. Schlimmer ist, wenn dem Job der Sinn fehlt. Wer Erschöpfung allein auf zu viele Arbeitsstunden schiebt, argumentiert, als stünden wir alle noch am Fliessband. Doch Erschöpfung hat viele Ursachen. Sie entsteht auch, wenn wir uns nicht mit unserer Arbeit identifizieren oder keinen Sinn in ihr sehen. Der US-amerikanische Kulturanthropologe David Graeber (1961-2020) prägte dafür den Begriff der «Bullshit-Jobs»: Tätigkeiten, die selbst die Ausführenden für überflüssig halten. Wer täglich Dinge tut, an die er oder sie nicht glaubt, fühlt sich abends genauso leer wie jemand, der sich körperlich verausgabt hat.

Künstliche Intelligenz KI transformiert Arbeit
Soziale Eingebundenheit ist laut den amerikanischen Psychologen Edward L. Deci (1942-2026) und Richard M. Ryan (73) eines der drei Grundbedürfnisse für Zufriedenheit bei der Arbeit. Die beiden anderen sind Kompetenz und Autonomie: Kompetenz heisst, sich wirksam zu fühlen, etwas zu können und die gewünschte Wirkung zu erzielen. Autonomie bedeutet, selbst zu bestimmen, etwa wie man seine Arbeit erledigt. Nicole Kopp plädiert dafür, dass wir unsere eigenen Arbeitgeber werden. Job-Crafting beschreibt das gezielte Zuschneiden der eigenen Arbeit, damit mehr von dem darin Platz findet, was uns entspricht. Job-Crafting lässt sich gut mit den drei Grundbedürfnissen verknüpfen: Wie kann ich meine Kompetenzen besser einsetzen? Durch welche weiteren Aufgaben, Rollen oder Veränderungen spüre ich mehr Autonomie? Die «Fabrik der Zukunft» transformiert unsere Arbeitsweise mithilfe der KI ganzheitlich. Sie schafft Wert durch von Grund auf neu gestaltete Prozesse, die über isolierte Automatisierung oder KI-gestützte Anwendungsfälle hinausgehen. Erfahrene «Alte» im Team bringen institutionelles Gedächtnis, Kontextwissen und eine Art «historisches Korrektiv» mit – die Erinnerung, was schon einmal nicht funktioniert hat. Das ist in der KI-Entwicklung tatsächlich unterbewertet, wo oft jugendlicher Enthusiasmus den Ton angibt.

Symbolbild: Boston Consulting Group BCG

Identitätskrise durch KI
Vermitteln Unternehmen Kompetenzen, die Ihre Mitarbeitenden tatsächlich anwenden, oder haken sie damit nur eine Schulungspflicht ab, fragen Allison Bailey, Hean-Ho Loh, Elizabeth Lyle, Julie Bedard, Charles Westrin, and Susanne Dyrchs im Boston Consulting Group BCG Beitrag vom 10. Juni 2026. Die meisten Weiterbildungsprogramme sind nach wie vor auf den Abschluss optimiert. Die Teilnehmenden absolvieren Kurse, bestehen Prüfungen und demonstrieren ihr Verständnis. Doch unter realem Arbeitsdruck verfallen die Mitarbeitenden unmerklich in alte Verhaltensmuster zurück oder erleben zunehmend eine kognitive Überlastung, wenn sie versuchen, neue Tools in ihre ohnehin schon anspruchsvollen Arbeitsabläufe zu integrieren. Das Risiko dieses Ansatzes ist subtil, aber allgegenwärtig: Unternehmen verwechseln blosse Bekanntheit mit tatsächlicher Wirkung. Dies ist wichtiger denn je, denn in KI-gesteuerten Umgebungen entsteht Wert nur dann, wenn neue Tools, Co-piloten und KI-Agenten effektiv im realen Arbeitsalltag eingesetzt werden. Grundlagenwissen schafft zwar Bewusstsein, verändert aber nicht die Arbeitsweise. Ohne angewandte Praxis – wiederholt, gefestigt und mit konkreten Ergebnissen verknüpft – führt Kompetenz nicht zu Leistung. Unternehmen, die echte Ergebnisse erzielen, integrieren das Lernen direkt in die Arbeit selbst, sodass Kompetenzaufbau im Bedarfsfall (unter «Gefechtsbedingungen») stattfindet und zu einer Verhaltensänderung führt. Noch wichtiger ist jedoch, dass neue Arbeitsweisen im Team verinnerlichten werden.

KI nutzen um KI zu lehren
Die Einführung von KI stagniert selten weil die Mitarbeitenden die Tools nicht verstehen, sondern weil sie unsicher sind, was diese Tools für ihre Rolle, ihre Expertise und ihren Wert bedeuten. Rollen, Verantwortlichkeiten und Arbeitsweisen scheinen ständig im Wandel zu sein. Erfolgreiche Organisationen kombinieren deshalb Lernkonzeption mit Verhaltenswissenschaft – sie definieren Rollen neu, schaffen sichere Umgebungen zum Experimentieren und festigen neue Verhaltensweisen durch Führungskräfte und Kollegengruppen, wobei Führungskräfte als Vorbilder fungieren. Anstatt KI als etwas zu behandeln, das gelehrt werden muss, kann diese den Lernprozess selbst verändern. Die überwiegende Mehrheit der KI-Schulungsprogramme basiert weiterhin auf statischen Modulen, standardisierten Lernpfaden und periodischen Trainingszyklen. Diese Ansätze standen bereits unter Druck, bevor KI das Tempo des Wandels im menschlichen Lernprozess beschleunigte – nicht nur in Bezug darauf, was Menschen lernen müssen. KI ist die erste Technologie, die in der Lage ist, Kompetenzentwicklung in grossem Umfang zu personalisieren, sich an den individuellen Kenntnisstand anzupassen, Echtzeit-Anleitung zu geben und Verhalten direkt im Arbeitsablauf zu verstärken (plug and play). Je mehr Aufgaben die KI übernimmt, desto wichtiger werden Aspekte, welche die menschliche Leistungsfähigkeit auszeichnen: Urteilsvermögen, Kommunikationsfähigkeit, systemisches Denken und Anpassungsfähigkeit. Kreative «Alte» im Mehrgenerationen-Team steuern dank ihrer Reife und Erfahrung einen Teil als Mentor:innen, Coaches oder Sparringspartner bei.

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kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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#472 – Führungskräfte: «Alte» Patrons und KI

Künstliche Intelligenz KI macht Führungskräfte effizienter
Wir müssen unsere Art, zu führen, anpassen, unsere Art, Unternehmen zu managen. Mikołaj Jan Piskorski (53) ist Professor für digitale Strategie, Analytik und Innovation, sowie Dekan für Executive Education am International Institute for Management Development, kurz IMD, in Lausanne. Er gilt als Experte für digitale Strategie, Plattformstrategien und digitale Transformation. Im Interview von Bernhard Bieler im NZZ Story Lab, unter dem Titel: «Die Besten nutzen Schocks für die Zukunft», erklärt er weshalb künstliche Intelligenz KI den persönlichen Austausch für Führungskräfte nicht weniger wichtig, sondern noch wichtiger macht. Führungskräfte müssen Krisen bewältigen und gleichzeitig Zukunft gestalten. Seit Covid, den Kriegen in der Ukraine und im Iran sowie den Zollumwälzungen seitens der USA haben die geopolitischen Unsicherheiten erheblich zugenommen. Der Managementjob hat sich in einer Weise verändert, mit der die meisten Führungskräfte noch nicht ganz Schritt gehalten haben. Politisches Verständnis war früher nützlich, heute ist es unverzichtbar. Man kann kein grosses Unternehmen führen, ohne zu verstehen, wie Entscheidungen in Riad, Delhi, Abu Dhabi oder Peking getroffen werden.

Erfahrung schlägt kodifiziertes Wissen
KI macht erfahrene Führungskräfte effizienter in ihrer Arbeit, und sie hilft uns, neue Wege zu finden. Vor zehn Jahren bestand die Aufgabe darin, Ergebnisse zu liefern. Heute besteht die Aufgabe darin, Ergebnisse zu liefern und gleichzeitig mit demselben Team Neues zu entwickeln. Dabei ist zu beachten, dass KI das Generische noch stärker zur Massenware macht. Deshalb, je mehr generische Inhalte es gibt, desto wertvoller wird das Spezifische. Die Forschung erklärt uns, dass frisch erlerntes Wissen (kodifiziertes Wissen) leichter durch KI ersetzt werden kann als langjährige praktische Erfahrung, Kompetenz und Intuition (nicht kodifiziertes Wissen). Erfahrung schlägt kodifiziertes Wissen. Wenn diese Erfahrung auf Neugierde, Veränderungsbereitschaft und Technologieaffinität trifft, entstehen für uns «Alte» besonders wertvolle Qualifikationsprofile.

Fabrik der Zukunft: Boston Consulting Group BCG, Mai 2026

Dauerstress und fundamentaler Wandel
In der Westschweiz gebe es den Spruch «La Suisse se lève tôt, mais elle se réveille tard» – die Schweiz steht früh auf, aber erwacht spät. Peter A. Fischer (60), Journalist und Chefökonom, Co-Leitung NZZ Pro, sieht im Beitrag der NZZ vom 4. Juni 2026 dunkle Wolken am KMU-Horizont. Die Stimmung unter den Unternehmen sei so pessimistisch wie seit dem Jahr 2021 nicht mehr. Vielen Firmen fallen strategische Anpassungen zunehmend schwer. So agil sich die Unternehmen auch geben, so sehr hat eine substanzielle Minderheit zunehmend Mühe, mit dem Dauerstress und dem fundamentalen Wandel umzugehen, der nach strategischer Veränderung ruft. Trotzdem dürfe man diesen Wandel nicht als Bedrohung begreifen, müsse vor allem innovativ sein, findet ein Betroffener. Um erfolgreich zu bleiben muss die Schweizer Industrie immer wieder mit neuen Produkten an den Markt gehen und sich dabei auf zahlungsbereite, anspruchsvolle Nischen konzentrieren. Viele Unternehmer machen sich Sorgen um den Erhalt der industriellen Basis in der Schweiz. Das Land muss aufwachen, bevor es zu spät ist.

Die Fabrik der Zukunft
Im Boston Consulting Group BCG Manufacturing Bericht vom 28. Mai 2026, weisen Daniel Kuepper, Romain Pavy-Biraud, Mouhcine Berrada, Alex Yurek, and Mei-Jung Chen den Weg wie dies gelingen kann. Die «Factory of the Future FoF» transformiert die Produktion ganzheitlich. Sie schafft Wert durch von Grund auf neu gestaltete Prozesse, die über isolierte Automatisierung oder KI-gestützte Anwendungsfälle hinausgehen. Dabei gilt, die Orchestrierung verschiedener Fähigkeiten zu einer kohärenten, integrierten Neugestaltung, um Materialfluss, Maschineninteraktion, Entscheidungsfindung und Variabilitätsmanagement zu optimieren. Verbesserungen in einem Teil der Fabrik verstärken die Verbesserungen in anderen Bereichen und erzeugen so einen kumulativen Effekt im gesamten Betrieb. Mit den veränderten Umstellungskosten ändert sich auch die relative Wettbewerbsfähigkeit der Standorte. Es geht nicht mehr darum, wo die Arbeitskräfte am günstigsten sind, sondern darum, ob die Modernisierung zu einer Fabrik der Zukunft einer Verlagerung an einen kostengünstigeren Standort überlegen ist. Um diese Frage zu beantworten, müssen verschiedene Dimensionen nacheinander bewertet werden: beginnend mit den Anforderungen an die Resilienz, dann die Kostenauswirkungen, die qualitative Bereitschaft, insbesondere in Bereichen wie digitaler Infrastruktur und Arbeitskräftepotenzial und der breitere Geschäftskontext. Wir «Alten» stehen dabei mit unserer Erfahrung gerne zur Verfügung.

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#471 – Die kraftvolle Kompetenz der «Alten»

Erfahrene «Alte» profitieren von KI
Künstliche Intelligenz KI war ein Thema unter vielen beim kürzlichen Abendessen mit Alumni meiner Alma Mater. Erstaunt haben mich die Ängste vor der Technologie, die ich auch unter den jüngeren Teilnehmenden, der Generation Y (Millenials, geboren zwischen 1981 und 1995), spürte. Viele von ihnen arbeiten in der Forschung, im Bankensektor oder als Anwält:innen. Dabei sprachen wir nicht über die Zukunft, sondern wie gewollt oder ungewollt wir bereits mit den Auswirkungen der KI auf unseren Alltag leben. Wir erleben einen besonderen Moment in der Technologiegeschichte, eine «grüne Wiese» voller neuer Rollen, neuer «heissen Themen» und neuen Chancen für unsere Karrieren, schrieb Prof. Dr. Yasmin Weiß (46) auf LinkedIn am 3. Juni 2026. Vieles spricht dafür, dass gerade Berufserfahrene von den KI-Chancen besonders profitieren können. Entgegen der Intuition: Aktuelle Zahlen zeigen, dass ausgerechnet die Jüngeren derzeit nicht zu den Profiteuren der KI-Transformation zählen.

KI Verstehen
Wenn ich mit Leuten über künstliche Intelligenz spreche, höre ich oft von Laien: «Ich verstehe KI nicht». Auch Experten sagen: «Ich verstehe KI nicht, und niemand sonst auch». Mit dieser Feststellung begann Helen Toner (34) ihren TED April 2024 Vortrag (11:16) mit dem Titel «Wie man KI steuert – auch wenn Vorhersagen schwierig sind». Eine grosse Herausforderung beim Aufbau künstlicher «Intelligenz» besteht darin, dass sich niemand darüber einigen kann, was es eigentlich bedeutet, intelligent zu sein. Aber lassen wir uns zunächst nicht einschüchtern. Weder von der Technologie selbst, noch von den Menschen und Unternehmen, die sie entwickeln. Meine Lieblings-KI «Claude» von Anthropic weiss dazu: KI ist Software, die Aufgaben übernehmen kann, die wir normalerweise menschlicher Intelligenz zuschreiben – wie Sprachverständnis, Bilderkennung oder Entscheidungsfindung. Sie kann programmieren, Gedichte schreiben, Geschäftsprobleme analysieren und uns bei der Autoreparatur helfen. Die drei Stärken der KI sind die Mustererkennung, trainiert mit millionenfachen Beispielfbildern, Textgenerierung aus Milliarden von Sprachsätzen oder die Entscheidungsfindung durch Vergleichen von Möglichkeiten. KI ist ein System, das aus Beispielen lernt, um Vorhersagen zu treffen oder Ergebnisse zu generieren – sie findet Muster in Daten, so wie Menschen Muster in ihren Erfahrungen finden. Aber sie ist keine Magie, sie hat kein Bewusstsein – sie versteht Dinge nicht wie Menschen, besitzt keinen gesunden Menschenverstand oder Gefühle und kann sich irren. Doch das Potenzial der KI reicht weit darüber hinaus. KI ermöglicht es uns bereits, Sprachbarrieren zu überwinden oder Proteinstrukturen vorherzusagen.

KI generiert, der Mensch kreiert
Menschen werden auch weiterhin relevant bleiben. Denn da geht es um Inspiration, Ideen und Kreativität. KI generiert aus Daten, das ist nicht dasselbe wie Kreieren aus dem Nichts. KI baut auf Daten auf, die im Netz zu finden sind. Diese sind zu 90% durchschnittlich und damit besteht die Gefahr einer qualitativen Abflachung, der wir nur entgegenwirken können, indem wir bessere Datensätze generieren und online stellen. Wir müssen mit der KI über Ästhetik, Qualität, Wirkung und Wahrnehmung kommunizieren. Das ist eine Sisyphusarbeit, aber auch sehr spannend. Für uns «Alte» tun sich hier Möglichkeiten auf, unsere Erfahrung als Mentor:innen, Coaches, oder Sparringspartner in solchen Projekten einzubringen.

Bild: Boston Consulting Group Newsletter vom 3. Juni 2026

Zukunft der Arbeit, Zukunftskompetenzen
Yasmin Weiß erwähnt eine aktuelle Studie der Universität Stanford, in der Millionen US-amerikanische Beschäftigungs- und Gehaltsdaten analysiert worden sind, die zeigt: In sogenannten «KI-exponierten Berufen» ist die Beschäftigung der 22- bis 25-Jährigen seit Ende 2022 um rund 13 Prozent gesunken. Diese signifikante Reduktion der Beschäftigung betrifft damit genau die Altersgruppe der Hochschulabsolventen. Gleichzeitig bleiben die Zahlen älterer Beschäftigter recht stabil. Die Forscher erklären das damit, dass frisch erlerntes Wissen (kodifiziertes Wissen) leichter durch KI ersetzt werden kann als langjährige praktische Erfahrung und Intuition (nicht kodifiziertes Wissen). Erfahrung sticht kodifiziertes Wissen. Wenn diese Erfahrung auf Neugierde, Veränderungsbereitschaft und Technologieaffinität trifft, entstehen für uns «Alte» besonders wertvolle Qualifikationsprofile. Diese sind per se auch nicht an eine Alterskohorte gekoppelt, sondern an Denkweisen, Fähigkeiten und gesammelten Erkenntnissen. In der Kombination aus Kompetenz mit Offenheit und Veränderungsbereitschaft liegt grosses Potenzial für beruflichen Erfolg.

Menschliches Handeln als kraftvolle Kompetenz
Yasmin Weiß ist überzeugt, dass auch wir «Alten» die KI-Transformation als grösstes berufliches Geschenk werden nutzen können. Unsere Berufserfahrung ermöglicht die Kombination von menschlichem Handeln mit KI, wo wir das KI-agentische Zeitalter betreten und immer mehr mit autonom agierenden KI-Assistenten konfrontiert werden. Menschliches Handeln zählt zu den wichtigsten Zukunftskompetenzen und beschreibt die Kontrollfähigkeit in unserer Zusammenarbeit mit KI. Die Professorin unterscheidet dabei drei Bereiche: Problemformulierung, KI-Steuerung und menschliches Urteilsvermögen. Viele Menschen scheitern bereits an der einfachen Regel «Denken vor dem Prompten» und definieren das Problem nicht klar.

Kritisches Denken lässt sich nicht überspringen
Bei der KI-Steuerung geht es um die Definition eines klugen Zusammenarbeits-modells zwischen humaner und künstlicher Intelligenz. Dafür braucht es ein gutes Gespür für die eigenen Stärken und Schwächen und den Grenzen der KI. Viele Menschen lassen zu Beginn der Zusammenarbeit den Schritt der «Diskrepanzanalyse» aus, der aber wichtig ist: Damit ist gemeint, die zu delegierende Aufgabe, aus Erfahrung zunächst herkömmlich zu lösen, dann den Prozess durch Einsatz von KI zu automatisieren und schliesslich die Ergebnisse zu vergleichen. Erst durch diese Analyse lässt sich einschätzen, wie Leitplanken und Kontrollpunkte durch uns Menschen zu definieren sind. Das kritische Bewerten der Ergebnisse ist auch eine Aufgabe für uns «Alte» und beruht auf menschlichem Urteilsvermögen, Evaluierung, menschlichem Veredeln der Ergebnisse sowie die Übernahme der Gesamtverantwortung. Gerade hier wird die Bedeutung von Erfahrung besonders deutlich, die sich auch in menschlicher Intuition zeigt. Damit ist das Gespür gemeint, wo man als Mensch «nachfassen» und «aufpassen» muss, damit die Ergebnisse eine hohe Qualität haben.

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