Blog, Industrie 4.0

Organisation neu denken

«kompetenz60plus.ch» – Alter ist relativ
Im Anschluss an eine Präsentation mit dem Titel «Im Spannungsfeld der Generationen: Jung und Alt – Chancen & Risiken» fanden lebhafte Diskussionen in kleineren Gruppen zu den angesprochenen Thesen statt. Anwesend waren Ingenieure: Frauen und Männer, Junge und Ältere.

Neue Geschäftsmodelle sind gefragt
Generell war man sich darüber einig, dass es in der Verantwortung der älteren Generation liegt, sich laufend weiter zu bilden, sich weiter zu entwickeln. Lebenslanges Lernen muss auch in der Schweiz stattfinden. Man darf sich nicht auf früheren «Erfolgen» ausruhen, sondern muss eigenverantwortlich seine Stärken, Interessen und Fähigkeiten fördern. Arbeitgebende wie Arbeitnehmende müssen auch die Rollenverteilung überdenken, Hierarchiestufen (Stichwort: flache Hierarchien) hinterfragen. Dabei unterscheiden wir zwischen Wissen, nicht «Besserwisserei», und Erfahrung. Das Spannungsfeld ist demzufolge nicht Jung-Alt, sondern Wissen oder Nichtwissen.

Die Lehrer unserer Lehrer
Erfahrung und Fachwissen beziehen sich immer auf Vergangenes: Wie können sie dennoch beim Gestalten von Künftigem förderlich und nicht hinderlich sein? Dabei gilt mehr denn je die Erkenntnis des verstorbenen Knut Bleicher, Ökonom der Universität St. Gallen: «Wir arbeiten in Strukturen von gestern mit Methoden von heute an Strategien für morgen vorwiegend mit Menschen, die die Strukturen von gestern geschaffen haben und das Übermorgen in der Unternehmung nicht mehr erleben werden.»

Jungbrunnen von Lucas Cranach dem älteren, 16. Jahrhundert

Vertrauen – Bedürfnisse – Wünsche
In Anlehnung an das Bild aus dem 16. Jahrhundert, wurde die Hochschule als heutiger Jungbrunnen für Firmen identifiziert. Junge Berufseinsteiger sollen in gemischten Teams mit «alten Füchsen» ohne «Standesdünkel» gefördert werden. Das bedingt eine Vertrauensbasis zwischen den Generationen und eine positive und zuversichtliche Einstellung der «Alten». In diesem Zusammenhang wurde der Begriff «Geduld» erwähnt, etwas das viele ältere Menschen nicht besitzen. Es liegt deshalb an den Jungen, eigeninitiativ zu handeln, Lösungsansätze zu verfolgen und diese in durchmischten Teams zu besprechen. Gemeinsam an einer Aufgabe zu wachsen entspricht den geäusserten Wünschen.

Wenn das Netzwerk wegstirbt
Vorausgesetzt wir sind gewillt Verantwortung zu übernehmen, müssen wir «Alten» bereit sein, jüngeren im Team Platz zu machen und unsere Erfahrung offen teilen. Tatsache ist, dass unser Netzwerk ebenfalls älter wird, unsere ehemaligen «Geschäftspartner» sterben weg. Gerade bei Projekten welche sich über Jahre hinziehen, kommen von Seiten der Kunden berechtigte Fragen zur Stellvertretung. Die Jungen haben das frischere Wissen, mehr Elan und – hoffentlich – mehr Illusionen. Wir «Alten» können Erfahrung haben. Erfahrung kann man nicht lernen, Erfahrung muss man machen, sie ist das spezifisch Menschliche. Ein Zusammenspiel von frischem Wissen, aktueller Technik plus Elan und Erfahrung plus Skepsis wäre unschlagbar. Dazu braucht es jedoch den Willen der «Alten» sich einzulassen.

«Alte Füchse»
«kompetenz60plus.ch» ist die Plattform, ein Sammelbecken kompetenter Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber jüngeren Generationen bewusst sind und noch etwas bewegen möchten. Genaueres dazu erfahren Sie im doppelseitigen Beitrag von Anfang Jahr in der Schweizerischen Gewerbezeitung oder im Videoclip (3:43′) «FokusKMU» für das Lokalfernsehen vom vergangenen Februar.

Bitte machen Sie mit, wir freuen uns über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | Skype: live:werner_2636

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«The Eagle has landed»

Ambitionen
In der Vorbereitung für eine Präsentation mit dem Titel «Im Spannungsfeld der Generationen: Jung und Alt – Chancen & Risiken» fasste ich Einzelthemen in drei Gruppen zusammen. Übergeordnet wählte ich dabei Begriffe wie Ambitionen, Prädisposition oder äussere Einflüsse. Wie verändern sich unsere Ambitionen im Alter, haben wir überhaupt noch welche oder sind wir einfach froh, die «Erwerbsjahre» hinter uns zu haben. Vieles hängt von unserer Prädisposition und den äusseren Einflüssen ab. Unserer Generation von über 60jährigen wurden allzu oft die «Flügeli gestutzt», schon in jungen Jahren auch von unseren Lehrern. In den USA gibt es dazu den Ausspruch: «You Can’t Soar Like An Eagle When You Hang Out With Turkeys». Diese kulturell bedingte Eigenschaft scheint sich in der heutigen Situation der gesellschaftlichen Entwicklung zu rächen. Während die Schweizer Politik über Rentenalter, Inländervorrang, Frauenquoten, Datenschutzgesetze, G5-Technologie oder Fachkräftemangel diskutiert, kämpfen zum Beispiel US-Unternehmen seit Jahrzehnten erfolgreich um die Weltspitze in Sachen Technologie.

Margaret Hamilton mit Ausdrucken der Apollo-Flugsoftware. (Bild: Draper Laboratory / Wikimedia)

Vorboten künstlicher Intelligenz
Vor 50 Jahren, am 20. Juli 1969, betrat der US Amerikaner Neil A. Armstrong (1930-2012) als erster Mensch die Mondoberfläche – ‚One small step for man, one giant leap for mankind‘. In ihrem Beitrag vom 12.7.2019 in der NZZ beschreibt Haluka Maier-Borst, wie diese Mission von einem NASA Team um die damals 33 jährige Margaret Hamilton, einer jungen Mutter, programmiert wurde. Während die Rolle der Ingenieure klar war, gab es anfangs nicht einmal ein Budget für die Software-Abteilung. Hamilton erfand das Wort «Software-Ingenieur», vielleicht auch um mehr Respekt zu bekommen. Dank der Softwareprogrammierung von Margaret Hamilton entschied der Apollo-Computer bei Überlastung selbständig, welche Aufgaben höhere Priorität haben, was dann zum Beispiel in der Mondlandephase geschah. Statt die weniger wichtigen Rechnungen für das fälschlich eingeschaltete Rendez-vous-Radar des Landemoduls «Eagle» durchzuführen, koordinierte die Software unbeirrt die Vorbereitungen für den Landeanflug. Das Kontrollzentrum in Houston instruierte darauf die Astronauten, sie sollen die Fehlermeldungen ignorieren und den Sinkflug fortsetzen. Schliesslich, mit einem Spritrest für noch 30 Sekunden Flugzeit, landen die beiden Astronauten auf dem Mond. «The Eagle has landed», knackte es über die Funkleitungen.

Proaktiv statt Reaktiv
Initiiert von der Dwight D. Eisenhower Administration, bat President John F. Kennedy in 1961 den US Kongress um ein 25 Milliarden Dollar Budget (heutiger Wert 153 Milliarden) für das Apollo Programm. Dass die Erkenntnisse daraus bis heute Einfluss auf unseren Alltag haben, ist unbestritten. Solche Entscheide zeigen nicht nur Weitsicht, sondern den Willen etwas zu bewirken – Ambitionen eben. Im Beitrag von Christiane Hanna Henkel, NZZ vom 5.8.2019 beschreibt die Autorin, wie amerikanische Unternehmen aktuelle Herausforderungen angehen. Als vor 10 Jahren die amerikanische Wirtschaft wieder zu wachsen begann, war kaum abzusehen, dass amerikanische Firmen wie Amazon, Alphabet, Facebook und Uber die Plattformwirtschaft begründen und dominieren würden. Dass Apple mit seinem Smartphone den Standard für den neuen Taschencomputer definieren würde, der zur Disruption und zur Digitalisierung fast aller konsumnahen Branchen beiträgt. Dass mit Tesla erstmals seit dem Börsengang der Ford Motor Company im Jahr 1958 ein Autobauer an die Börse kommen und eine von einem Immigranten gegründete Firma mit Elektroautos die Autobranche aufscheuchen würde.

Disposition
Es scheint mir eine Frage der Disposition, ein kulturell bedingter Nachteil welcher unserer heimischen Innovationskraft Grenzen setzt. Dies zeigen auch die aktuellen Schwierigkeiten im Bankensektor, die fehlende Weitsicht im Zeitalter von Blockchain. Anders als in industriellen Branchen können sich digitale Plattformen überraschend schnell von der Konkurrenz abheben und eine marktbeherrschende Stellung einnehmen – und damit eine Dominanz, wie sie Konzerne im industriellen Zeitalter nur selten gehabt haben. Viele Experten erwarten, dass auch im heraufziehenden Zeitalter der künstlichen Intelligenz eine Handvoll amerikanischer und chinesischer Konkurrenten führend sein wird. Die Europäer werden meist nur in einer Nebenrolle gesehen.

Das Netzwerk für «Alte Füchse»
«kompetenz60plus.ch» ist die Plattform, ein Sammelbecken kompetenter Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber jüngeren Generationen bewusst sind und noch etwas bewegen möchten. Genaueres dazu erfahren Sie im doppelseitigen Beitrag von Anfang Jahr in der Schweizerischen Gewerbezeitung oder im Videoclip (3:43′) «FokusKMU» für das Lokalfernsehen vom vergangenen Februar.

Bitte machen Sie mit, wir freuen uns über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


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Sinn von Arbeit

Fachkräftemangel als Chance
In der Schweiz leiden gut 90 000 kleine und mittelgrosse Unternehmen unter einem mehr oder weniger grossen Fachkräftemangel. Unter Ausklammerung der Einwanderung steigen bereits heute mehr Erwerbstätige altersbedingt aus dem Arbeitsmarkt aus, als neue hinzukommen. Gesucht sind unter Anderen Projektleiter, Softwareentwickler, Ingenieure oder Verkaufsberater. Die Automatisierung und Digitalisierung hilft nur beschränkt, da zur Überwachung von Computerprozessen, Maschinen und Robotern ein zusätzlichen Bedarf an Computer- und Software-Spezialisten, Wartungsfachkräften, Mechatronikern, Ingenieuren, Big-Data-Spezialisten oder Tele-Chirurgen notwendig ist.

Überbauung bei Dübendorf/ZH, Bild: Steffen Schmidt, Keystone

Das Potenzial älterer Arbeitskräfte
Das Angebot an Arbeitskräften entspricht oftmals nicht mit der Nachfrage der Unternehmen überein. So gibt es beispielsweise bei den Informatikern trotz erheblichem Mangel an Softwareentwicklern, System-Engineers oder Projektmanagern eine relativ grosse Anzahl an Stellensuchenden, die nicht über das geforderte Wissen zu den neusten Technologien, sprich Weiterbildung, verfügen. Schlussendlich wird es vor allem darum gehen, das Potenzial der Frauen sowie der älteren Arbeitskräfte besser auszuschöpfen. Neben den im Zentrum stehenden finanziellen Anreizen für die älteren Arbeitskräfte darf der fundamentale Gedanke, dass gerade wir «Alten» uns durch Arbeit existenziell mit der Gesellschaft verbunden fühlen wollen nicht vergessen gehen. Wir möchten nicht, dass unsere Existenz spurlos vorübergeht und wir in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Unabhängig von der Einkommensfrage fürchten wir uns davor, ohne Arbeit nicht mehr gebraucht zu werden. Im Gastkommentar der NZZ vom 16.9.2019, schreibt Hartmut Rosa über den Sinn von Arbeit für unser Dasein.

Arbeit als Urgraund der Existenz
Für viele von uns ist das emotionale Attachment, das Zugehörigkeitsgefühl am Arbeitsplatz inzwischen oft höher ist als in der Familie. Über ihre Arbeit fühlen sich Menschen auch existenziell oder vertikal mit dem Ganzen der Gesellschaft, der Welt oder dem Leben verbunden. Moderne Arbeitswelten sind gelegentlich dabei, zur zentralen Lebenssphäre der Subjekte zu werden. Menschen brauchen und suchen nach einer Bestätigung oder einem Sinn dafür, dass sie mit dem Urgrund der Existenz und zugleich mit der Totalität des Daseins verbunden sind, und zwar so verbunden, dass ihr Dasein und ihr Handeln, ihre Existenz nicht spurlos vorübergeht, nicht wirkungslos und bedeutungslos bleibt. Jeder Beruf ist eingebettet in eine Geschichte der Profession, oder des Handwerks, oder des Unternehmens, oder der Arbeiterbewegung und der Gewerkschaftshistorie und so weiter.

Wo analoge Erfahrung hilft
Digitalisierungsprozesse verändern nun in vielen Kontexten die Art unserer Selbstwirksamkeit auf entscheidende Weise: Einerseits inflationieren sie unsere Selbstwirksamkeit in gewaltigem Masse. Mit einem einzigen Klick können wir Dinge tun, für die wir früher Tage gebraucht hätten. Aber wenn irgendwo ein Mikrochip ausfällt, kann diese Allmacht im Handumdrehen in Ohnmacht umschlagen. Wir «Alten» beherrschen die analogen Vorgänge aus unserer Erfahrung und können in solchen Situationen als Überbrückungshelfer agieren (Einsätze auf Zeit).

Das Netzwerk für «Alte Füchse»
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