Blog, Industrie 4.0

«Alte» und der Umweltschutz

Nach all den wochenlangen Diskussionen um Klimamassnahmen und die Zusammensetzung unseres Parlaments kann ich es, entgegen meinem Grundsatz diesmal nicht lassen, einige politische Gedanken in meinen Blog einfliessen zu lassen. Wir «Alten» sind ja mitverantwortlich für die Vergangenheit. Anlass ist auch ein Interview von Antje Stahl mit dem dänischen Architekten Bjarke Ingels in der NZZ vom 30.10.2019. Ingels, mit Jahrgang 1974, gründete 2005, als 31-jähriger, sein Büro Bjarke Ingels Group, abgekürzt BIG. Das Unternehmen ist mittlerweile in New York, London und Barcelona ansässig und wird von 17 Partnern, 26 Associates und 15 Direktoren geführt.

Hoffnungslosigkeit ist keine Motivation
Auch wir Architekten machen uns natürlich Gedanken zum Klimawandel. Immer mehr Menschen gehen für die Zukunft auf die Strasse. Was sie antreibt und zugleich abschreckt, ist die Vorstellung eines zerstörten Planeten Erde. Ingels meint dazu realistisch, dass Hoffnungslosigkeit nicht besonders motiviert. Es gibt sehr viel Ungewissheit über die Zukunft, wir wissen nicht, ob so ein Szenario wirklich Realität wird. Wenn die Erde allerdings unsere einzige Anlagemöglichkeit ist, wäre es weise, sich besonders gut um sie zu kümmern. Eben erst zurück aus der Berliner-Konferenz «Manhattan Projects», auf der sehr proaktiv über neue Technologien und den Klimawandel gesprochen wurde, ist er überzeugt, dass wir Menschen sehr gut darin sind, mit diesen Problemen umzugehen. Er ist deshalb optimistisch, nicht weil sich die Dinge von selbst regeln, sondern weil wir sie regeln werden.

BIG (links) beim Transitlager im Basler Dreispitz, 2016. Rechts Herzog & deMeuron. Bild: PD

Lösungen sollte man nicht von der Politik erwarten
BIG arbeitet aktuell an einem Meta-Projekt «Masterplan-et» das einige grosse Privatunternehmen, internationale Institutionen, Investitionsmöglichkeiten und Entwürfe zusammenführen wird. Was Architekten und Designer beim Klimawandel beitragen können, ist, dass Dinge realisiert, umgesetzt und gestaltet werden. Wir wissen, wie das geht: eine Idee zu verfolgen, dieses zu studieren und jenes zu testen und einen Fahrplan zu erarbeiten. Über unsere Zukunft sollten deshalb nicht Politiker und Wissenschafter entscheiden, sondern Architekten, Ingenieure und Investoren. Es wird auch um Materialien gehen, um konkret umsetzbare, praktische Lösungen. (Siehe auch: Buildings are bad for the climate. Here’s what we can do about it.
By Bill Gates, October 28, 2019).

Energie zu verbrauchen ist keine schlechte Sache
Ein Uno-Bericht aus dem Jahr 2017 dokumentiert, dass die Bauindustrie 36 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs ausmacht und fast 40 Prozent des Co2-Ausstosses. Architektur wird mit anderen Worten als Problem wahrgenommen, BIG präsentiert sie als Lösung. Gerade weil Menschen den Klimawandel hervorbringen und beschleunigen, werden sie auf jeden Fall auch die Lösung sein. Wenn wir das Klima auf der Erde quasi aus Versehen verändern, solle man sich vorstellen, was passierte, wenn man es bewusst verändern möchte. Wir haben die Kapazität – die Kraft dazu. Wir brauchen Architektur. Eines der Merkmale, die das Leben im Gegensatz zu toter Materie definieren, ist, dass es Energie verbraucht. Energie zu verbrauchen, ist also keine schlechte, sondern eine gute Sache, jedenfalls wenn man das Leben für eine gute Sache hält.

Rauchen gegen saubere Luft
Ausser dem Bauwesen gibt es kaum einen anderen Bereich, wo dermassen viele Ressourcen verschwendet werden, auch solche, die nicht erneuerbar sind, als ob es kein Problem wäre. Als Gesellschaft bekämpfen wir meist nicht die Ursachen und solange wir diese nicht behoben haben, müssen wir uns mit anderen Mitteln behelfen. Wenn man saubere Luft einatmen möchte, sollte man aufhören zu rauchen, aber man tut es nicht. Also müssen wir die Luft reinigen, solange wir noch rauchen. Es sind eben noch nicht alle Autos elektrisch und alle Kraftwerke sauber, globale Erderwärmung ist Realität. Bjarke Ingels ist ein Optimist und glaubt, dass wir die Kultur haben, damit umzugehen, es müssen nur sehr viele Menschen sehr viel Energie hineinstecken.

Umweltschutz betrifft uns alle
Dass wir «Alten», die wir aktiv an der heutigen Entwicklung beteiligt waren, diese sogar massgeblich geprägt haben, uns nicht aus der Verantwortung verabschieden sollten versteht sich von selbst. Ich bin der Meinung, dass wir im Team zusammen mit den «jungen Wilden», unseren Beitrag zur Lösung leisten müssen. Das ist für mich auch «Umweltschutz» im weitesten Sinne. Das Leben entwickelte sich ja auch durch Anpassung, und die Menschheit entwickelt sich durch die Fähigkeit zur Kollaboration. Wir «Alten» sollten mit gutem Beispiel vorausgehen und die Leute motivieren, miteinander etwas zu bewirken und zu erreichen, alle zusammen wohlgemerkt. Wir sollten unsere Fähigkeiten und Kompetenzen sinnstiftend einbringen.

Kompetente «Alte» gesucht
Genaueres zur Plattform «kompetenz60plus.ch» erfahren Sie im doppelseitigen Beitrag von Anfang Jahr in der Schweizerischen Gewerbezeitung oder im Videoclip (3:43′) «FokusKMU» für das Lokalfernsehen vom vergangenen Februar.

Bitte machen Sie mit, wir freuen uns über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | Skype: live:werner_2636

 

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Organisation neu denken

«kompetenz60plus.ch» – Alter ist relativ
Im Anschluss an eine Präsentation mit dem Titel «Im Spannungsfeld der Generationen: Jung und Alt – Chancen & Risiken» fanden lebhafte Diskussionen in kleineren Gruppen zu den angesprochenen Thesen statt. Anwesend waren Ingenieure: Frauen und Männer, Junge und Ältere.

Neue Geschäftsmodelle sind gefragt
Generell war man sich darüber einig, dass es in der Verantwortung der älteren Generation liegt, sich laufend weiter zu bilden, sich weiter zu entwickeln. Lebenslanges Lernen muss auch in der Schweiz stattfinden. Man darf sich nicht auf früheren «Erfolgen» ausruhen, sondern muss eigenverantwortlich seine Stärken, Interessen und Fähigkeiten fördern. Arbeitgebende wie Arbeitnehmende müssen auch die Rollenverteilung überdenken, Hierarchiestufen (Stichwort: flache Hierarchien) hinterfragen. Dabei unterscheiden wir zwischen Wissen, nicht «Besserwisserei», und Erfahrung. Das Spannungsfeld ist demzufolge nicht Jung-Alt, sondern Wissen oder Nichtwissen.

Die Lehrer unserer Lehrer
Erfahrung und Fachwissen beziehen sich immer auf Vergangenes: Wie können sie dennoch beim Gestalten von Künftigem förderlich und nicht hinderlich sein? Dabei gilt mehr denn je die Erkenntnis des verstorbenen Knut Bleicher, Ökonom der Universität St. Gallen: «Wir arbeiten in Strukturen von gestern mit Methoden von heute an Strategien für morgen vorwiegend mit Menschen, die die Strukturen von gestern geschaffen haben und das Übermorgen in der Unternehmung nicht mehr erleben werden.»

Jungbrunnen von Lucas Cranach dem älteren, 16. Jahrhundert

Vertrauen – Bedürfnisse – Wünsche
In Anlehnung an das Bild aus dem 16. Jahrhundert, wurde die Hochschule als heutiger Jungbrunnen für Firmen identifiziert. Junge Berufseinsteiger sollen in gemischten Teams mit «alten Füchsen» ohne «Standesdünkel» gefördert werden. Das bedingt eine Vertrauensbasis zwischen den Generationen und eine positive und zuversichtliche Einstellung der «Alten». In diesem Zusammenhang wurde der Begriff «Geduld» erwähnt, etwas das viele ältere Menschen nicht besitzen. Es liegt deshalb an den Jungen, eigeninitiativ zu handeln, Lösungsansätze zu verfolgen und diese in durchmischten Teams zu besprechen. Gemeinsam an einer Aufgabe zu wachsen entspricht den geäusserten Wünschen.

Wenn das Netzwerk wegstirbt
Vorausgesetzt wir sind gewillt Verantwortung zu übernehmen, müssen wir «Alten» bereit sein, jüngeren im Team Platz zu machen und unsere Erfahrung offen teilen. Tatsache ist, dass unser Netzwerk ebenfalls älter wird, unsere ehemaligen «Geschäftspartner» sterben weg. Gerade bei Projekten welche sich über Jahre hinziehen, kommen von Seiten der Kunden berechtigte Fragen zur Stellvertretung. Die Jungen haben das frischere Wissen, mehr Elan und – hoffentlich – mehr Illusionen. Wir «Alten» können Erfahrung haben. Erfahrung kann man nicht lernen, Erfahrung muss man machen, sie ist das spezifisch Menschliche. Ein Zusammenspiel von frischem Wissen, aktueller Technik plus Elan und Erfahrung plus Skepsis wäre unschlagbar. Dazu braucht es jedoch den Willen der «Alten» sich einzulassen.

«Alte Füchse»
«kompetenz60plus.ch» ist die Plattform, ein Sammelbecken kompetenter Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber jüngeren Generationen bewusst sind und noch etwas bewegen möchten. Genaueres dazu erfahren Sie im doppelseitigen Beitrag von Anfang Jahr in der Schweizerischen Gewerbezeitung oder im Videoclip (3:43′) «FokusKMU» für das Lokalfernsehen vom vergangenen Februar.

Bitte machen Sie mit, wir freuen uns über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | Skype: live:werner_2636