Blog, Industrie 4.0

Plädoyer für ein tätigeres Alter

Der 75-Jährige Philosoph Ludwig Hasler beschäftigt sich noch immer als Autor und Redner. Siehe auch meinen Blog vom 22. August 2019. Für seine Sichtweise zum Arbeiten im Alter wird er immer wieder angefeindet. Darüber schrieb er in seinem Beitrag: «Sie Klugscheisser!» in der NZZ vom 19.10.2019  wie vor allem «Alte» sich angegriffen fühlen. Tatsache ist jedoch, dass wir uns nach dem heute gültigen Pensionierungsalter 64/65 bei guter Gesundheit auf 25 weitere Jahre aktiven Lebens freuen dürfen.

25 Jahre Passivmitgliedschaft in der Gesellschaft?
Fast alle fordern «Respekt». Respekt – wofür? Für das Geleistete? Okay. Aber ist die Welt rundum picobello, die wir den Jungen übergeben? Respekt – für 25 Jahre Passivmitgliedschaft in der Gesellschaft? Warum verdienen wir uns diesen Respekt nicht? Eine Generation, die nur Rechte beansprucht, Pflichten ablehnt, verspielt auf Dauer die Anerkennung.

An der Zukunft mitwirken
Im Alter haben wir immer weniger vor, unsere Zukunft schrumpft, das Leben wird zur Galgenfrist. Für dieses Dilemma plädiert Hasler, noch etwas mehr in Bewegung zu bringen als nur sich selbst. Er nennt es an einer Zukunft mitzuwirken, selbst wenn die nicht mehr die seine sein wird. An einer Zukunft, die ihn überdauern wird, der Zukunft der Jungen, der Ingenieurskunst, der Bienen, der Poesie, der Musik – an der Zukunft unserer Menschenwelt.

Flughafensicherheit

Sinnkrise der «Alten»
Im Kern schlägt Ludwig Hasler vor, die neue Dramaturgie des Alterns nicht zu ignorieren. Was ist neu? Fast alles. Bis eben dauerte das Alter kurz und war meist mühsam. Dabei hatte es allerlei Beschäftigung; unsere Vorfahren waren keine buddhistischen Mönche, sie träumten nicht vom Nirwana, sie waren Bauern und Handwerker, in Haus und Hof gab es jederzeit zu tun, auch für die Alten, die sich nie ausgemustert vorkamen, darum nicht in Sinnkrisen fielen, sie gehörten dazu, machten sich nützlich, wurden gebraucht. Wir mögen es noch so «schön haben» – Sinn ergibt das noch nicht. Wir sind «exzentrische» Wesen, wir müssen aus uns hinaus, wollen wir nicht vereinsamen. Wir müssen etwas vorhaben, an etwas mitwirken, das grösser ist als das eigene «Ich».

Alle können sich nützlich machen, irgendwie
Wer sich nützlich macht, gehört dazu. Wer dazugehört, bleibt im Spiel, ist Akteur, wird nicht überflüssig. Hasler redet dabei von «Mitwirken», nicht von «Arbeiten». Mitwirken statt ausklinken im Alter. Das bedarf keiner tiefsinnigen Theorie, Beobachtung genügt: Die bestgelaunten «Alten», sind beschäftigt – nicht allein mit sich, sondern mit Dingen, die auch für andere etwas bedeuten. Eine 82-Jährige hilft im Blumenladen aus, ein 76-jähriger Arzt arbeitet weiter in der Gemeinschaftspraxis, drei 75-Jährige beleben die Quartierbeiz.

Es braucht einen Mentalitätswandel
Wie Hasler schwebt auch mir ein Mentalitätswandel vor, ein Appetit auf eine aktive Lebensart im Alter – nach der Devise: Hey, wir sind frei, wir haben Zeit, sind noch bei Kräften, einige von uns finanziell unabhängig, also nutzen wir die feudale Chance, wirken wir im eigenen Auftrag mit, engagieren wir uns, statt abzuhängen, werden wir Mitspieler statt Endverbraucher unserer Lebenschance, spielen wir eine Rolle auch für andere, nicht aus Altruismus, eher aus reziprokem Egoismus, die Resonanz der andern wird uns reich entschädigen. Natürlich gibt es «Alte», die passen nicht in die Schablone aktiver Senioren. Sie haben kaum Geld zu reisen, keine Kraft mitzuwirken. In meinen Gesprächen zeigt sich deren Resignation, eine Abwärtsspirale die nur sie selbst, oder unter Mithilfe von Dritten stoppen können. Haslers Gedanken gehen an die Adresse derer, die noch die Chance haben, ihre Kräfte zu gebrauchen.

Kompetente «Alte» gesucht
Genaueres zur Plattform «kompetenz60plus.ch» erfahren Sie im doppelseitigen Beitrag von Anfang Jahr in der Schweizerischen Gewerbezeitung oder im Videoclip (3:43′) «FokusKMU» für das Lokalfernsehen vom vergangenen Februar.

Bitte machen Sie mit, wir freuen uns über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | Skype: live:werner_2636

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Sinn von Arbeit

Fachkräftemangel als Chance
In der Schweiz leiden gut 90 000 kleine und mittelgrosse Unternehmen unter einem mehr oder weniger grossen Fachkräftemangel. Unter Ausklammerung der Einwanderung steigen bereits heute mehr Erwerbstätige altersbedingt aus dem Arbeitsmarkt aus, als neue hinzukommen. Gesucht sind unter Anderen Projektleiter, Softwareentwickler, Ingenieure oder Verkaufsberater. Die Automatisierung und Digitalisierung hilft nur beschränkt, da zur Überwachung von Computerprozessen, Maschinen und Robotern ein zusätzlichen Bedarf an Computer- und Software-Spezialisten, Wartungsfachkräften, Mechatronikern, Ingenieuren, Big-Data-Spezialisten oder Tele-Chirurgen notwendig ist.

Überbauung bei Dübendorf/ZH, Bild: Steffen Schmidt, Keystone

Das Potenzial älterer Arbeitskräfte
Das Angebot an Arbeitskräften entspricht oftmals nicht mit der Nachfrage der Unternehmen überein. So gibt es beispielsweise bei den Informatikern trotz erheblichem Mangel an Softwareentwicklern, System-Engineers oder Projektmanagern eine relativ grosse Anzahl an Stellensuchenden, die nicht über das geforderte Wissen zu den neusten Technologien, sprich Weiterbildung, verfügen. Schlussendlich wird es vor allem darum gehen, das Potenzial der Frauen sowie der älteren Arbeitskräfte besser auszuschöpfen. Neben den im Zentrum stehenden finanziellen Anreizen für die älteren Arbeitskräfte darf der fundamentale Gedanke, dass gerade wir «Alten» uns durch Arbeit existenziell mit der Gesellschaft verbunden fühlen wollen nicht vergessen gehen. Wir möchten nicht, dass unsere Existenz spurlos vorübergeht und wir in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Unabhängig von der Einkommensfrage fürchten wir uns davor, ohne Arbeit nicht mehr gebraucht zu werden. Im Gastkommentar der NZZ vom 16.9.2019, schreibt Hartmut Rosa über den Sinn von Arbeit für unser Dasein.

Arbeit als Urgraund der Existenz
Für viele von uns ist das emotionale Attachment, das Zugehörigkeitsgefühl am Arbeitsplatz inzwischen oft höher ist als in der Familie. Über ihre Arbeit fühlen sich Menschen auch existenziell oder vertikal mit dem Ganzen der Gesellschaft, der Welt oder dem Leben verbunden. Moderne Arbeitswelten sind gelegentlich dabei, zur zentralen Lebenssphäre der Subjekte zu werden. Menschen brauchen und suchen nach einer Bestätigung oder einem Sinn dafür, dass sie mit dem Urgrund der Existenz und zugleich mit der Totalität des Daseins verbunden sind, und zwar so verbunden, dass ihr Dasein und ihr Handeln, ihre Existenz nicht spurlos vorübergeht, nicht wirkungslos und bedeutungslos bleibt. Jeder Beruf ist eingebettet in eine Geschichte der Profession, oder des Handwerks, oder des Unternehmens, oder der Arbeiterbewegung und der Gewerkschaftshistorie und so weiter.

Wo analoge Erfahrung hilft
Digitalisierungsprozesse verändern nun in vielen Kontexten die Art unserer Selbstwirksamkeit auf entscheidende Weise: Einerseits inflationieren sie unsere Selbstwirksamkeit in gewaltigem Masse. Mit einem einzigen Klick können wir Dinge tun, für die wir früher Tage gebraucht hätten. Aber wenn irgendwo ein Mikrochip ausfällt, kann diese Allmacht im Handumdrehen in Ohnmacht umschlagen. Wir «Alten» beherrschen die analogen Vorgänge aus unserer Erfahrung und können in solchen Situationen als Überbrückungshelfer agieren (Einsätze auf Zeit).

Das Netzwerk für «Alte Füchse»
«kompetenz60plus.ch» ist die Plattform, ein Sammelbecken kompetenter Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber jüngeren Generationen bewusst sind und noch etwas bewegen möchten. Genaueres dazu erfahren Sie im doppelseitigen Beitrag von Anfang Jahr in der Schweizerischen Gewerbezeitung oder im Videoclip (3:43′) «FokusKMU» für das Lokalfernsehen vom vergangenen Februar.

Bitte machen Sie mit, wir freuen uns über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


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Arbeiten im alter dank Digitalisierung

Der Beitrag von Eugen Stamm in der NZZ vom 20.8.2018 mit dem Titel «So schwierig kann das Rentnerleben ja nicht sein» diente als Inspiration für den folgenden Text:

Pensionierung als Belastung
Sich ernsthaft mit dem dritten Lebensabschnitt zu beschäftigen, damit beginnt man in der Regel erst wenige Jahre vor dem Pensionsalter. Das ist verständlich. Schliesslich gibt es, solange man mitten im Leben steht, immer Wichtigeres als das. Dazu kommt eine gewisse mentale Hürde, sich mit dem Älterwerden zu befassen. Alt sind die, die zehn Jahre älter sind als man selbst. Was aber bedeutet der unerwartete Verlust des Arbeitsplatzes infolge einer Restrukturierung oder einer Zwangspensionierung? Dann spätestens kommt der Moment, wo man sich Gedanken über weitere Schritte machen muss. Zumal man dann meist noch 25 Jahre bei guter Gesundheit vor sich hat und vorhandenes Wissen weiterhin sinnvoll einsetzen möchte.

Arbeiten ohne Digitalisierung (AutoCAD)

Marktwert von uns «Alten»
Bei vielen Leuten, auch mit sehr guter Ausbildung, stehen trotz sozialer Absicherung finanzielle Fragen zuoberst auf der Agenda. Kurz vor der Pensionierung bleibt nicht mehr viel Handlungsspielraum für die Altersvorsorge, ausser zu berechnen was man als Pension erwarten darf. Der Entscheid, wie lange man arbeiten will hängt auch stark von den beruflichen Rahmenbedingungen ab. Viele «Alte» haben von ihrem Arbeitsumfeld einfach langsam genug, weil die Wertschätzung fehlt und sie sich nach zig Reorganisationen am falschen Platz wähnen. Andererseits ist den meisten Menschen, die nach 65 noch arbeiten, gemeinsam, dass ihr Fachwissen oder andere Fertigkeiten tatsächlich dringend benötigt werden. Verschiedene Fähigkeiten zu besitzen, zahlt sich aus, das zeigt auch das Beispiel eines promovierten Mathematikers der nach der Pensionierung Pensen als Lehrer übernahm und heute Nachhilfestunden gibt. Die so geknüpften Kontakte über das reguläre Arbeitsleben hinaus sind enorm wichtig.

Beziehungsmotor fällt weg
Vom Kindergarten an lebt der Mensch in Strukturen, die laufend neue Beziehungen generieren. Mit der Pensionierung fallen diese plötzlich weg und man muss die Beziehungspflege selbst in die Hand nehmen. Nimmt man erfolgsverwöhnten Kadern die Visitenkarten weg, so löst sich auch ihr berufliches Netzwerk rasch auf und sie fallen in ein Loch. Diejenigen welche diese neue «Ruhe» schlecht aushalten, gestalten den Übergang in den neuen Lebensabschnitt sanfter, beispielsweise durch ein Engagement im Weiterbildungssektor. Dazu verfügen wir heute über technische Hilfsmittel, welche uns das Arbeiten von zuhause zu jeder beleibigen Zeit oder an jedem beliebigen Standort ermöglichen. Wagen Sie es, beruflich etwas Neues in Angriff zu nehmen im Rahmen Ihrer Neigungen und Kompetenzen. Zusammen im Team mit Jüngeren leisten Sie weiterhin Ihren wertvollen Beitrag zur Entwicklung unserer Gesellschaft.

Kompetente Ältere gesucht
«kompetenz60plus.ch», die Plattform als Sammelbecken kompetenter Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber jüngeren Generationen bewusst sind. Genaueres dazu erfahren Sie im doppelseitigen Beitrag von Ende Januar 2019 in der Schweizerischen Gewerbezeitung oder im Videoclip (3:43′) «FokusKMU» für das Lokalfernsehen vom Februar. Bitte verstecken Sie sich nicht, wir freuen uns über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

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