Blog, Industrie 4.0

#445 – Innovation mit «Alten» im Kerngeschäft

Unternehmensidendität
Der Umzug einer Innovationsplattform, eine traditionelle und öffentlich zugängliche Ausstellung, führte zur Diskussion über deren Identität. Kann das über Jahre von einer loyalen Klientel unterstützte Format, telquel in einen anderen Stadtteil «verpflanzt» werden und dort trotz Standortnachteil erfolgreich bleiben? Was sind die Alleinstellungsmerkmale in einem sich wandelden Umfeld? Vor einigen Jahren durfte ich auf Einladung zum Thema «Generation 60 plus. Ältere Mitarbeitende, Gewinn oder Last?» vor unterschiedlichen Berufsgruppen referieren. Berufe, die sich teilweise schwer tun mit der Digitalisierung und gegen das Verschwinden kämpfen. Dabei lernte ich Jean-Philippe Hagmann kennen, den Innovator mit einem Background als Maschinenbau-Ingenieur ETH und Industriedesigner. Als Buchautor wurde er mit «Hört auf, Innovationstheater zu spielen!» bekannt. Seine Beiträgen auf LinkedIn inspirieren immer wieder, so wie auch diesen Blog. Hagmann stellte darin die Frage, ob Unternehmensidendität Freund oder Feind von Innovation sei. Nicht nur wir Menschen haben ein Selbstbild von uns. Auch Organisationen haben eines. Und diese Identität, dieses Selbstbild eines Unternehmens, hat einen sehr grossen Einfluss darauf, welche neuen Ideen eine Chance zur Umsetzung haben – und welche abgestossen werden.

Ketten sprengen dank Innovationsfähigkeit
Wir alle kennen den Satz: Die Hersteller von Kerzen waren nicht die Erfinder der Glühlampe! Zwei Beispiele sollen dies illustrieren: Ein Unternehmen, welches Spielkarten druckt und sich als ein Druckereiunternehmen versteht, wird nie in den Videospiel-Markt einsteigen. Nintendo verstand sich nicht als Druckerei. Oder ein Unternehmen, welches sich als Landwirtschaftsbetrieb versteht, wird sich nicht in eine Freizeitdestination für Familien wandeln. Die Jucker Farm verstand sich nicht als Landwirtschaftsbetrieb, sondern als Erlebnishof und gilt nun als Ausflugstipp für Gross und Klein. Eine Idee ist also nie gut oder schlecht. Sie ist je nach Unternehmen, je nach Kontext, passend oder unpassend. Eng gefasste Identitäten, entstehen oft wenn Unternehmen sich über ihre heutigen Angebote identifizieren und sich damit unbewusst in Ketten legen. Erst ein Bewusstsein darüber, welch grossen Einfluss die Selbstidentität einer Organisation auf ihre Innovationsfähigkeit hat, kann diese Ketten sprengen.

November 2025, Theater 11, Zürich-Oerlikon: Béjart Ballet Lausanne – «Ballet for Life», mit Klängen von Queen (Freddie Mercury 1946-1991) und Kostümen von Gianni Versace (1946–1997).

Unwissenheit führt zu Paradigmenwechsel
Innovation ist die Aufgabe der Geschäftsleitung, ohne Wenn und Aber. Sie steht in sehr vielen Bereichen in einem Zielkonflikt mit dem Kerngeschäft, findet Jean-Philippe Hagmann. Das Kerngeschäft muss das Bestehende bewahren und verbessern, ohne Fehler zu begehen. Die Innovation muss das Bestehende hinterfragen und neu denken. Sie kommt nur durch misslungene Experimente vorwärts. Das Kerngeschäft hat geregelte Abläufe und Prozesse. Die Innovation begibt sich ständig auf neue Prozesswege und steht ständig im Ressourcen-Wettbewerb mit dem Kerngeschäft: Geld, Zeit, Aufmerksamkeit und Personal. Damit nicht immer nur das kurzfristige, Umsatz einbringende, dringende und konkrete Kerngeschäft gewinnt, braucht es eine starke Führungskraft auf Augenhöhe mit den Kerngeschäftslenkern. Oft sind dies wir «Alten». Patrons die über Jahre eine Firma erfolgreich aufgebaut haben. Doch das Fachwissen (Branchenblindheit) der «Alten» ist meist das grösste Hindernis für neue Perspektiven. Paradigmenwechsel entstehen immer wieder mit jungen oder fachfremden Köpfen, die für frischen Wind sorgen. Gerade weil sie nicht Teil des bestehenden Denkrahmens sind. Manchmal ist Unwissen die grössere Ressource.

Talent und Vertrauen sind Innovationstreiber
Es ist nicht die Aufgabe der Geschäftsleitung, die Ideen für künftige Innovationen zu liefern. Oder zu entscheiden, welche Ideen gut oder schlecht sind. Denn niemand im Unternehmen – auch nicht die Geschäftsführung – kann erahnen, welche Ideen sich als erfolgreich entpuppen werden. Eine Vorahnung auf die spätere Erfolgswahrscheinlichkeit kann nur durch Tests und der Interaktion mit dem Markt gewonnen werden. Zu den Aufgaben der Geschäftsleitung im Hinblick auf die Innovation gehört es, die entsprechende Umgebung zu gewährleisten und Hindernisse laufend abzubauen. Der Innovationsrahmen muss abgesteckt und gegenüber der Kernorganisation verteidigt werden. Es gilt, dem Innovationsteam den Rücken freizuhalten und dafür zu sorgen, dass dieses die nötige Trennung zum Tagesgeschäft erfährt. Das scheitern von Experimenten soll regelrecht gefördert werden, mit Rechtfertigung von erfolgreichen Tests vor der Geschäftsleitung. Die Teams sollen in einem geschützten Rahmen funktionieren, mit knappen finanziellen Mitteln um die Kreativität zu fördern. Das Personal soll aus wenigen, aber talentierten Menschen bestehen, welche das Vertrauen der Geschäftsleitung geniessen.

November 2025, Theater 11, Zürich-Oerlikon: Béjart Ballet Lausanne – «Ballet for Life», mit Klängen von Queen (Freddie Mercury 1946-1991) und Kostümen von Gianni Versace (1946–1997).

Künstliche Intelligenz KI als Denkpartner
Warum sollte man Geld für ein Gespräch mit einem Menschen ausgeben, wenn man mit KI jederzeit tief und schnell denken kann? Sparring in Sekunden. Ohne Honorar. Ohne Termine. Doch KI «denkt» nur, wenn man sie dazu bringt. Sie reagiert auf Prompts. Wenn man gut fragt, bekommt man gute Antworten. Aber was ist mit den Fragen die man gar nicht stellt? Annahmen die man trifft, die nie in Frage gestellt wurden? Wer das Erwartete denkt, erhält das Erwartbare. Ein Denkpartner denkt nicht ANSTATT. Er denkt vorher, daneben, dazwischen. KI macht uns effizient, aber nicht reflektierter. Wenn Maschinen für uns denken, dann lehnen wir uns oft zurück, beurteilen statt zu durchdenken. KI kann das langsame und kraftaufwendige Denken nicht ersetzen. Doch darin liegt die Chance auf wirklich Neues, in der Herausforderung des Denkpartners. KI ist höflich, hilfreich, nett und zustimmend. Echte Denkbewegungen entstehen aber oft dort, wo jemand widerspricht. Echte Denkpartner suchen das Unwahrscheinliche. KI liefert Wahrscheinliches, sie basiert auf statistischen Modellen und gibt die Antwort, die viele andere auch geben würden. Je mehr Entscheidungsträger auf KI setzen, desto wertvoller werden menschliche Denkpartner, die das Überraschende entdecken. Auch weil weniger Menschen danach suchen.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
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Organisation neu denken – Ideen mit Sprengkraft

Digitalisierung: «Das Eigenlob der Schweiz ist unangebracht» ist der Titel eines Beitrags von David Torcasso, BILANZ 12.10.2018, der im Interview mit World-Web-Forum-Gründer Fabian Hediger (2000 Gründer von beecom.ch) und Daniel Läubli, Partner bei McKinsey, über die digitale Transformation in der Schweiz schreibt. Auszugsweise von WKR.

Organisation neu denken
Die Schweiz lobt sich gerne als digitalisiertes Land. Technisch gesehen mag das stimmen, bei den digitalen Geschäftsmodellen herrscht jedoch oft Ratlosigkeit. Das Land hat bisher fast keine Digital Leaders (Führungskräfte) hervorgebracht. Firmen digitalisieren das Kerngeschäft anstatt Neues zu erfinden. Es nützt wenig, einen Ablauf digital zu optimieren. Man muss alle Prozesse und die ganze Organisation neu denken.

Veränderung braucht Ideen und Konzepte
Man hat bis heute zu viel über Software und Technologie nachgedacht und zu wenig über die Interaktion mit den Kunden, mit der Produktion oder die internen Prozesse und Arbeitsweisen. Ein Software-Ingenieur alleine kann keine Firma umkrempeln. Viele Schweizer Unternehmen unterschätzen das. Man kann eine Bankfiliale zwar digitalisieren, aber sinnvoller ist doch, eine App zu entwickeln, mit der man in fünf Minuten ein Konto eröffnen kann.

Nicht Digitalisierung, sondern Fürhungsstärke und Transformation
In der Schweiz fehlt die notwendige Denkweise. In den Verwaltungsräten sitzen kaum digital-affine Menschen, das Durchschnittsalter ist meist hoch. Wie kann die Digitalisierung unter diesen Voraussetzungen vorangebracht werden, wenn die «Patrons» selbst nicht die entsprechende Denkweise besitzen? Es geht folglich nicht um Digitalisierung, sondern um «neue» Führungskräfte. Ein erfolgreiches Unternehmen ist in erster Linie agil (beweglich, behend, wendig) und kann sich rasch an Veränderungen anpassen.

Brücken die im Wind schwingen, Bild:Valentin Flauraud / Keystone, NZZ 29.10.2018

«Alte» sind nicht unbedingt eine Last
Man darf die «Alten» aus dieser Sicht nicht als «Last» empfinden, oder für das eigene Scheitern verantwortlich machen. Vielmehr gilt es, das vorhandene Wissen der nächsten Generation zur Verfügung zu stellen und die «Geschichte» (iterativer Prozess) weiter zu schreiben. Mit dem Wissen um die Vergangenheit lassen sich Fehler minimieren und Bekanntes weiterentwickeln.

Wichtig ist, dass die Leute umgeschult werden
Es gibt aber auch Branchen, die man mit den bestehenden Leuten nicht zu einem Wandel bewegen kann. Dort hilft nur eine richtige Umschulung oder dann müssen sie ersetzt werden. Wenn Vorgesetzte die Führungsfunktionen nicht ändern wollen, bleibt das Unternehmen stehen. Oft geht es besser, wenn man auf der grünen Wiese ein Projekt entwickelt und dafür neue Leute einstellt. Diese muss man dann aber machen lassen (duale Transformation), auch wenn nicht alles auf Anhieb erfolgreich ist.

Talente für den Transformationsprozess, Austausch auf Augenhöhe
Eine digitale Kultur befähigt Menschen und liefert schnellere Ergebnisse. Eine digitale Kultur zieht bessere Talente an, die dann auch länger bleiben. Firmen welche dies ignorieren scheitern im Transformationsprozess. Eine digitale Kultur ermutigt die Mitarbeitenden, über den Tellerrand zu schauen und sich mit Kunden und Partnern auszutauschen, um neue Lösungen zu entwickeln. Eine digitale Kultur verteilt die Entscheidungsfindung auf die gesamte Organisation. Dass hier kompetente «Alte» als Sparring-Partner durchaus ihren Platz haben liegt auf der Hand. Es geht darum das Vertrauensverhältnis zwischen Jung und Alt zu fördern, neutral und auf Augenhöhe.

«kompetenz60plus.ch» die Plattform «von uns. für uns.»
Wir «Alten» verfügen als Partner im Team über einen altersbedingten Wissensvorsprung und viel Lebenserfahrung. Als Konsumenten sind wir Vertreter eines stark wachsenden Marktpotenzials und kennen unsere Bedürfnisse aus erster Hand. «kompetenz60plus.ch» ist die Plattform für Klein- und Kleinstunternehmen (KMU’s) wo man sich auf Augenhöhe begegnet. Helfen Sie mit, zusammen führen wir dieses Projekt zum Erfolg. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
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