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Blog, KI-ÖKONOMIE 1.0

#479 – KI: verändertes Menschsein der «Alten»

KI und die Maschinenstürmer des 19. Jahrhunderts
Leider wird die Diskussion über KI in Presseberichten immer wieder als Bedrohung von Umwelt, Demokratie und Menschheit kolportiert. Logisch, denn betroffen vom Fortschritt der Technologie sind allen voran die Printmedien. Unter dem Titel: «Soziale Netzwerke und KI verdienen deutlich mehr Ablehnung, als ihnen derzeit entgegengebracht wird», beschreiben Kalina Oroschakoff (40+) und Ruth Fulterer (34) in der NZZ am Sonntag vom 26. Juli 2026, wie In der Schweiz die Aktivistengruppe Aufstände der Allmende zum «Grenzenlosen Widerstand gegen Datenzentren» aufrief. Es gelte das Netzwerk der «Tech-Oligarchen» zu überwerfen, gar anzugreifen. Im Kampf gegen die digitale Herrschaft schliessen die Aktivisten auch Gewalt nicht aus. Ob Roboter oder künstliche Intelligenz: Technologie provoziert Widerstand und die Schweizer Aktivisten sind mit ihrer Wut nicht alleine. Der Dozent für Humangeografie an der britischen University of Southampton, Dr. Thomas Dekeyser (30+), spricht im Interview mit den beiden Autorinnen von Techno-Negativität. Über die Ablehnung der Maschine hat er ein Buch geschrieben: Über Gegner der Technik, die es schon viel länger gibt als die Maschinenstürmer des 19. Jahrhunderts. Der Widerstand kann ökonomische oder moralische Gründe haben. Aber sehr oft sind die Gründe tief philosophisch. Menschen sorgen sich darum, wie eine Technologie das Menschsein verändert. Historisch gesehen ist bei KI einzigartig, dass die Verdrängung des Menschen aktiv willkommen geheissen wird. Leute wie Elon Musk feiern die Tatsache, dass wir nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einer digitalen Superintelligenz sind. Seit den Ursprüngen des Kapitalismus sind die Verknüpfungen zwischen Technologie, dem Staat und dem Kapital enger geworden. Das bedeutet mehr Enthusiasmus für neue Technologien, denn die steigern die Renditen. Die jetzige Begeisterung für KI passt in dieses Raster. Vor dem Kapitalismus gab es eine zynischere Sicht, vor allem vonseiten des Staates. Automatisierung war den Mächtigen suspekt, weil man sich darum sorgte, dass die Arbeiter arbeitslos und hungrig auf die Strassen gehen würden, um sich zu erheben.

Der Brand der Corrodi-Fabrik in Ober-Uster von 1832 wurde in einer Druckgrafik verewigt.
Bild: Schweizerisches Nationalmuseum

Welche Menschen wollen wir mit Hilfe der künstlichen Intelligenz KI werden?
Zum Vergleich zwischen künstlicher Intelligenz KI und der Dampfmaschine im 18. Jahrhundert in meinem letzten Blog, schrieb Hanspeter Beerli (60+), Pädagoge und relationaler Coach im Mensch-KI-Zeitalter, über den entscheidenden Punkt: Eine neue Technologie verändert wenig, solange wir sie lediglich in die alte Architektur einbauen. Ein KI-Tutor für alle Lernenden könnte den starren Gleichschritt aufbrechen. Doch wenn weiterhin alle denselben Stoff, auf dieselbe Weise und für dieselben Prüfungen lernen, ersetzen wir vielleicht nur die zentrale Dampfmaschine durch einen elektrischen Motor. Die eigentliche Veränderung beginnt für ihn erst, wenn wir die Architektur des Lernens neu gestalten: individuelle Lernwege ermöglichen, ohne das gemeinsame Lernen aufzugeben; Wissen zugänglich machen und zugleich Urteilskraft, Verantwortung und Charakter wachsen lassen. Die entscheidende Frage wäre deshalb für ihn nicht nur: Wie kann KI Bildung beschleunigen? Sondern: Welche Menschen wollen wir mit ihrer Hilfe werden? Dabei ist das biologische Alter eines Menschen nicht wirklich ausschlaggebend. Es gibt genügend Junge, welche in antiquierten Denkmustern verharren. Kompetente und erfahrene «Alte» agieren als Mentoren oder Sparringspartner bei der Umsetzung künftiger Projekte.

Roy Lichtenstein (1923-1997), amerikanischer Pop-Künstler: 1968, Marschierende Soldaten, eingezwängt zwischen Maschinen, Waffen und Industrie – Kritik am Vietnamkrieg. Bild: Estate of Roy Lichtenstein/Rheinisches Bildarchiv, rba_d039366

Grösser als die industrielle Revolution
Die meisten Vorhersagen über die Zukunft der künstlichen Intelligenz liefern keinen Erkenntnisgewinn, sorgen aber für kollektive Verunsicherung. Mit dem Titel «Grösser als die industrielle Revolution»: 200 Ökonomen und Tech-Bosse warnen vor massiven Arbeitsplatzverlusten durch KI – selbst frühere Skeptiker sind nun alarmiert, schreibt Janique Weder (36) in der NZZ vom 14. Juli 2026, wie sich führende Wissenschafter besorgt über die möglichen wirtschaftlichen Folgen der künstlichen Intelligenz KI äussern. «Es findet eine Entwicklung statt, die wir nicht verstehen und nicht mehr wirklich kontrollieren können», sagt Beatrice Weder di Mauro (60), die schweizerisch-italienische Ökonomin und Präsidentin des Centre for Economic Policy Research (CEPR). Beispielsweise besonders leistungsfähige KI-Modelle, die von ihren Entwicklern nur eingeschränkt freigegeben werden. Wer keinen Zugang zu den fortschrittlichsten Systemen habe, könne rasch abgehängt werden. Michael Siegenthaler (41), Leiter des Forschungsbereichs Schweizer Arbeitsmarkt an der Konjunkturforschungsstelle (KOF), ist vorsichtiger. Ob KI zu Massenarbeitslosigkeit führen werde, sei «sehr umstritten», meint er. Tatsächlich sind gewisse Berufe mit einer hohen KI-Exposition bereits unter Druck geraten. Das sind etwa Teile der IT-Branche sowie für Stellen im Marketing und in der Kommunikation. In diesen Berufen ist die Arbeitslosigkeit in der Schweiz bereits deutlich gestiegen. Trotzdem, von einem flächendeckenden Beschäftigungsabbau könne deshalb keine Rede sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass KI kein Risiko darstellt. Siegenthaler hält sie für mächtiger als frühere Technologien, weil sie potenziell einen grossen Teil der Arbeitswelt betreffe. Generative KI könne nicht nur einzelne Tätigkeiten ausführen, sondern zunehmend selbständig komplexe Computeranwendungen bedienen. In manchen Bereichen erreiche oder übertreffe sie die menschlichen kognitiven Fähigkeiten bereits. «Deshalb ist das Potenzial für Disruption höher als bei anderen Technologien.»

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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#478 – Dampfmaschinen der «Alten» und KI

Künstliche Intelligenz KI im Vergleich zur Dampfmaschine
Bildung mithilfe künstlicher Intelligenz: Im TED2026 • April 2026 Interview (16:24) von Sal Khan mit dem Netflix-Mitgründer, Anthropic Verwaltungsrat und Philanthrop Wilmot Reed Hastings Jr. (65), unter dem Titel «Warum künstliche Intelligenz KI eine noch grössere Rolle spielt, als wir denken», sprechen die beiden darüber, wie die Technologie die Bildung beschleunigen könnte – einschliesslich der Möglichkeit eines KI-Tutors für jeden Schüler, jede Schülerin – und die Wirtschaft schneller umgestalten könnte, als irgendjemand erwartet. Reed Hastings illustriert dies in einem Vergleich, wie im 18. Jahrhundert die meisten Fabriken mit Dampfmaschinen betrieben wurden. Sie hatten eine grosse Dampfmaschine mit rotierenden Stangen, Riemenscheiben und Riemen, und trieben damit die Fabrik an – sehr effizient. Dann kam der Strom, und sie ersetzten die Dampfmaschine durch eine elektrische, in der Annahme, das würde viel bringen. Aber die Produktivität stieg überhaupt nicht. Dann erkannten sie, dass der limitierende Faktor das Energieverteilsystem war und ersetzten alle diese rotierenden Stangen mit überflüssiger mechanischer Kraft, durch einfache kleine Elektromotoren an jedem Gerät. Damit konnte man die Maschinen besser verschieben und anordnen, weil sie nicht mehr an die Rotation gekoppelt waren. Sie konnten die Drehzahl variabel einstellen und verschiedene Motoren ein- und ausschalten. Und damit stieg die Produktivität dramatisch. Eine klassisch wirtschaftliche, überraschende Lektion an die Hastings denkt, wenn er die heutige Situation im Bildungsbereich beobachtet: Wir tun ständig etwas, um den Unterricht zu verbessern. Aber die grundlegende Machtverteilung ist, dass 25 Kinder auf demselben Niveau feststecken.

Grösser als die industrielle Revolution
Die meisten Vorhersagen über die Zukunft der künstlichen Intelligenz liefern keinen Erkenntnisgewinn, sorgen aber für kollektive Verunsicherung. Mit dem Titel « «Grösser als die industrielle Revolution»: 200 Ökonomen und Tech-Bosse warnen vor massiven Arbeitsplatzverlusten durch KI. Selbst frühere Skeptiker sind nun alarmiert», schreibt Janique Weder (36) in der NZZ vom 14. Juli 2026, wie sich führende Wissenschafter besorgt über die möglichen wirtschaftlichen Folgen der künstlichen Intelligenz äussern. «Es findet eine Entwicklung statt, die wir nicht verstehen und nicht mehr wirklich kontrollieren können», sagt Beatrice Weder di Mauro (60), die schweizerisch-italienische Ökonomin und Präsidentin des Centre for Economic Policy Research (CEPR). Beispielsweise besonders leistungsfähige KI-Modelle, die von ihren Entwicklern nur eingeschränkt freigegeben werden. Wer keinen Zugang zu den fortschrittlichsten Systemen habe, könne rasch abgehängt werden. Michael Siegenthaler (41), Leiter des Forschungsbereichs Schweizer Arbeitsmarkt an der Konjunkturforschungsstelle (KOF), ist vorsichtiger. Ob KI zu Massenarbeitslosigkeit führen werde, sei «sehr umstritten», meint er. Tatsächlich sind gewisse Berufe mit einer hohen KI-Exposition bereits unter Druck geraten. Das sind etwa Teile der IT-Branche sowie Stellen im Marketing und in der Kommunikation. In diesen Berufen ist die Arbeitslosigkeit in der Schweiz bereits deutlich gestiegen. Trotzdem, von einem flächendeckenden Beschäftigungsabbau könne deshalb keine Rede sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass KI kein Risiko darstellt. Siegenthaler hält sie für mächtiger als frühere Technologien, weil sie potenziell einen grossen Teil der Arbeitswelt betreffe. Generative KI könne nicht nur einzelne Tätigkeiten ausführen, sondern zunehmend selbständig komplexe Computeranwendungen bedienen. In manchen Bereichen erreiche oder übertreffe sie die menschlichen kognitiven Fähigkeiten bereits. «Deshalb ist das Potenzial für Disruption höher als bei anderen Technologien.»

Joseph Mallord William Turner (1775 – 1851), britischer Maler und Romantisierer der industriellen Revolution. Die Temeraire wurde zu ihrem letzten Liegeplatz geschleppt, um abgewrackt zu werden, 1838-1839. Bild: Nationalgalerie London.

Alternative KI aus China
Das neue Top-KI-Modell heisst Kimi K3 von der chinesischen Firma Moonshot AI. Es arbeitet zuverlässig, ist leistungsfähig und lässt sich flexibler auf gewisse Anwendungen zuschneiden als die Modelle aus den USA wie Claude oder ChatGPT. Und es ist günstiger. Gemäss dem Bericht von Malin Hunziker (29), Wirtschaftsredaktorin in der NZZ vom 22. Juli 2026, wurde das chinesischen Topmodell aufgrund der amerikanischen Exportrestriktionen gegenüber China mit weniger leistungsfähigen KI-Chips trainiert. Es ist kostengünstiger, und es soll sich um ein Open-Weight-Modell handeln, einem KI-System, bei dem die trainierten Parameter (Modellgewichte) öffentlich zugänglich sind, Im Gegensatz zu geschlossenen KI-Modellen wie ChatGPT oder Claude. Kimi K3 Parameter können heruntergeladen, auf lokalen Servern betrieben und auf spezifische Anwendungen angepasst werden. Dadurch liessen sich («theoretisch», denn das Internet ist ein Netzwerk mit Milliarden redundanten Verbindungen) auch Datenabflüsse nach China verhindern. Leandro von Werra (34), Forschungschef der Open-Source-KI-Plattform Hugging Face, einer künstlichen Intelligenz bei der die Modellarchitektur, der Quellcode und oft die Trainingsdaten öffentlich zugänglich sind, sagt auf Anfrage, dass es bisher keine Fälle gebe, in denen in chinesischen Open-Weight-Modellen Hintertüren eingebaut gewesen seien. Er rät aber im Allgemeinen, den Internetzugriff von Modellen mit Zugriff auf heikle Daten zu beschränken und etwa nur die Internetsuche zu erlauben. Sonst bestehe ein Restrisiko, dass das Modell Daten abgreife und ins Internet hochlade. Für Raphael Tobler (39), Präsident der Swiss Startup Association, ist die Veröffentlichung von Kimi K3 eine gute Nachricht. «Sie heizt den Markt an und zwingt andere KI-Firmen, ebenfalls günstigere Modelle zu bauen.» Das sei gerade für Startups ein Vorteil. Manuel Winter (34), CEO von Oxygen at Work, welcher derzeit mit Kimi experimentiert warnt: In allen Backend-Bereichen, also dort, wo sich die Software mit internen Datenbanken verbindet, dürfe Kimi jedoch nicht zum Einsatz kommen. Das gilt für Passwörter, Personen- oder Adressdaten.

Innovation ist ein Teamthema, am Beispiel Bauwirtschaft
In vielen meiner Gespräche der letzten Monate geht es um die digitale Transformation der Bauwirtschaft. Als Architekt, ehemaliger Dozent und Leiter verschiedenster Teams, oder aktuell als Berater von Start-ups, beschäftigt mich dieses Thema seit über 50 Jahren. Dazu fand ich das Interview von Thomas Staffelbach (65), Chefredaktor Schweizerischer Baumeisterverband vom 9. März 2026 mit Prof. Dr. Adrian Wildenauer (40+), Leiter des Center Digital Building & Real Estate an der Hochschule für Wirtschaft Zürich erfrischend. Wer glaubt, dass neue Software allein die Branche voranbringt, digitalisiert am Ende nur bestehende Probleme. Erst wenn Prozesse verstanden und kritisch hinterfragt werden, entsteht Raum für wirkliche Verbesserungen: Oft pragmatisch, manchmal so simpel wie ein Excel-Makro. Damit meint Wildenauer aber nicht die berühmte Excelliste von Herrn Schmitt, die nur er kennt, sondern übergreifende, offene, jederzeit und allen verfügbare Tools. Die Baubranche braucht weniger neue Konzepte und mehr Umsetzung, findet der Professor. Am Ende entscheidet nicht die Software, sondern der Mut, Prozesse zu verändern und die Menschen mitzunehmen. Innovation beginnt nicht mit Technologie – sie beginnt im Kopf und im Team. Mit den Menschen im Betrieb, auf der Baustelle, im Büro, im Baucontainer. Innovation muss nicht Hightech sein, sondern wirksam im Alltag. Digitalisierung sollte immer das Ziel haben, Abläufe zu vereinfachen, Fehlerquellen zu reduzieren und Informationen durchgängig verfügbar zu machen. Die Technologie ist Mittel zum Zweck, nicht der Ausgangspunkt. Als Firmenchef geht es weniger darum, selbst der innovativste Kopf zu sein, sondern ein Umfeld zu schaffen, in dem Mitarbeitende ihre Ideen einbringen können. Junge Fachkräfte bringen digitale Kompetenzen und neue Denkweisen mit. Erfahrene «Alte» verfügen über enormes Praxiswissen und kennen die Abläufe auf der Baustelle. Entscheidend ist, dass beide Seiten auf Augenhöhe kommunizieren und voneinander lernen. Innovation ist kein Generationenthema, sondern ein Teamthema. Der Druck zur Veränderung ist hoch und wird weiter steigen, aber in allen Branchen, nicht nur auf dem Bau. Viele erfahrene Fachkräfte gehen in den nächsten Jahren in Pension, gleichzeitig nimmt die Zahl der Nachwuchskräfte stetig ab. Ohne Produktivitätssteigerungen durch bessere Prozesse, mehr Automatisierung und digitale Unterstützung wird es für viele Branchen zunehmend unmöglich, diese Lücke zu schliessen.

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#477 – Co-Working mit uns «Alten»

Co-Working: Wenn Erfahrung auf Elan trifft
Auf meinen Prompt an CLAUDE, die künstliche Intelligenz KI von Anthropic: «Kurzer Text zum Thema Co-Working, «Alte» und Junge im Team», erhielt ich innert Sekunden diesen, durchaus brauchbaren Text, als Einstieg in die Diskussion über die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine:

Ein Team, in dem Junge und «Alte» zusammenarbeiten, ist wie ein gut abgestimmtes Orchester: Unterschiedliche Instrumente, aber ein gemeinsamer Klang. «Alte» Kolleginnen und Kollegen bringen Erfahrung, Ruhe und ein Gespür für das grosse Ganze mit – sie haben schon viele Projekte scheitern und gelingen sehen und wissen, welche Stolpersteine sich vermeiden lassen. Jüngere Teammitglieder wiederum bringen frische Perspektiven, digitale Selbstverständlichkeit und den Mut, bestehende Abläufe zu hinterfragen. Im Co-Working-Alltag zeigt sich der Mehrwert oft in kleinen Momenten: Die Jüngeren zeigen uns «Alten» einen neuen Tool-Trick, wir «Alten» erklären, warum eine bestimmte Lösung vor Jahren schon einmal versucht wurde – und woran sie damals scheiterte. Aus diesem Austausch entsteht kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander, das beide Seiten weiterbringt. Damit das gelingt, braucht es gegenseitigen Respekt statt Schubladen- oder Silodenken. Wer Altersunterschiede nicht als Hindernis, sondern als Ressource begreift, schafft Teams, die stabiler, kreativer und lernfähiger sind als homogene Gruppen.

Kompetenzverlust im grossen Stil
Was passiert, wenn ganze Teams, Geschäftsbereiche oder Organisationen einen Kompetenzverlust erleiden? Die organisatorischen Symptome, die Führungskräfte mit einem solchen Kompetenzverlust in Verbindung bringen, sind bereits sichtbar und verstärken sich gegenseitig. Der Abwärtstrend beginnt mit einer übermässigen Abhängigkeit von KI-Ergebnissen ohne kritische Überprüfung – ein Faktor, den fast 90% der befragten Führungskräfte nannten. Im Boston Consulting Group BCG-Beitrag vom 17. Juni 2026 beschreiben Sagar Goel, Managing Director & Partner Singapore; David Martin, Managing Director & Senior Partner, Dallas und Charikleia Kaffe, Research Director Athen, wie unkritische Akzeptanz der Resultate künstlicher Intelligenz KI nicht nur ein Qualitätsproblem ist, sondern auch der Weg zu einem tieferen Zerfall des Urteilsvermögens. Der Rückgang von Mentoring, Coaching und Wissensaustausch, auch mit uns «Alten», ist besonders besorgniserregend für das langfristige Lernen in Organisationen. Mitarbeitende umgehen den Wissensaustausch mittlerweile komplett und wenden sich direkt an KI-gestützte Sprachmodelle. Doch wenn alle dieselben KI-Tools verwenden, die mit denselben Daten trainiert wurden, gleichen sich Ergebnisse und Denkweisen an. Als Folge erlischt der Anreiz, Kolleg:innen zu konsultieren, ihre Sichtweise zu hinterfragen oder darauf aufzubauen. Damit einher geht ein Umfeld abnehmender Eigenverantwortung und Rechenschaftspflicht: «Die KI hat es vorgeschlagen». Hinter diesen Trends verbirgt sich ein tieferliegendes strukturelles Problem: Die langsamere Entwicklung junger Talente, wenn KI die analytischen Routinearbeiten übernimmt – wie Recherche, Texterstellung, Fehlersuche und Problemanalyse –, die jüngere Mitarbeitende traditionell selbst erledigen und von denen sie lernen, verpassen sie die prägenden Wiederholungen, die ihr Urteilsvermögen stärken. In diesem sich selbst verstärkenden Kreislauf ist der Kompetenzverlusts bereits sichtbar.

Sommer 2026: Villa Wesendonck im Park Museum Rietberg, Zürich. Bild: WKR

Empathie, Urteilsvermögen und Führungsqualitäten sind gefragt
Unter dem Titel «Wie künstliche Intelligenz den Schweizer Arbeitsmarkt prägt» verweist Matthew Allen (50+), Journalist bei SwissInfo, in seinem Beitrag vom 22. Juli 2026 auf Expertenmeinungen, die davon ausgehen, dass mehrere Faktoren die langfristigen Auswirkungen von KI auf den Schweizer Arbeitsmarkt bestimmen werden, darunter Weiterbildung, Bildung und Regulierung. «Die grösste Herausforderung für den Schweizer Arbeitsmarkt ist nicht die Technologie selbst. Sie liegt vielmehr in der Geschwindigkeit, mit der Unternehmen, das Bildungssystem und die Arbeitskräfte neue Kompetenzen entwickeln», so der Schweizerische Arbeitnehmerverband. «Ob KI zu mehr Wohlstand oder mehr Unsicherheit führt, entscheiden nicht die Algorithmen, sondern die Unternehmen, Politiker und Pädagogen.» Während Firmen über Entlassungen wegen KI berichten, hat der Autohersteller Ford 300 Qualitätsinspektoren wieder eingestellt, nachdem die KI-Kameras nicht mit den menschlichen Fähigkeiten zur Erkennung von Defekten mithalten konnten. Im Bericht der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers PwC stellt diese fest, dass KI einige Unternehmen dazu veranlasst, auch anderen Werten bei Mitarbeitenden Priorität einzuräumen. «Arbeitgebende legen zunehmend Wert auf Fähigkeiten wie kritisches Denken, KI-Kompetenz, Fachwissen, Kommunikationsfähigkeit und die Fähigkeit, KI-Ergebnisse zu überwachen und zu überprüfen, anstatt lediglich repetitive Aufgaben auszuführen.» Eine Chance für uns «Alte» besteht darin, dass neben dem Erlernen des Umgangs mit KI auch menschliche Fähigkeiten wie Empathie, Urteilsvermögen und Führungsqualitäten an Wert gewinnen, wenn Algorithmen monotone Aufgaben übernehmen, die weniger Kreativität erfordern.

Blind in die KI-Zukunft segeln
Odysseus-Alarm: Lest keine Prognosen über die Zukunft der künstlichen Intelligenz KI! Die meisten Vorhersagen über die Zukunft der KI liefern keinen Erkenntnisgewinn, sorgen aber für kollektive Verunsicherung, schreibt Beat Balzli (60), als Kommentar in der NZZ am Sonntag, 19. Juli 2026. Der Aufbruch in ein neues Zeitalter hat längst für alle begonnen. Vertrieben aus der gewohnten Welt, hin- und hergerissen zwischen Furcht und Sirenengesängen der eierlegenden Wollmilch-KI, von unkontrollierbaren Mächten im Menschsein auf die Probe gestellt. Wir alle sind Odysseus – mit dem Unterschied, dass keiner weiss, wo die irre Reise endet. Das wird sich angesichts des Tempos der technologischen Entwicklung auch nicht so schnell ändern. Allein in dieser Woche schockt ein chinesisches KI-Modell namens Kimi K3 die Welt und stellt den Vorsprung der USA fundamental infrage. Die kollektive Desorientierung führt zu einem Wildwuchs von Prognosen, Warnungen und Meinungen mit bescheidener Haltbarkeit und noch weniger Qualität. Auf der Kommandobrücke herrscht Phrasenalarm. Unter dem Titel «We Must Act Now» publizierten 200 Ökonomen aus der Big-Tech- und Nobelpreisträger-Liga einen offenen Brief. Die Textwolke aus Konjunktiven und Allgemeinplätzen transportiert die wenig überraschende Botschaft, dass die KI radikal wirkmächtiger werden könnte und man sich mit den Folgen sowie den möglichen Regulierungen beschäftigen müsse. Je mehr Nebulöses kursiert, umso abgestumpfter wird der Mensch, umso mehr verschliesst er sich den gegenwärtigen Entwicklungen. Und genau hier besteht auch für die Schweiz die grösste Gefahr: Blind in die Zukunft zu segeln. So wendet bis jetzt nur jedes achte Schweizer KMU in seiner Produktion KI an.

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