Blog, KI-ÖKONOMIE 1.0

#476 – KI-Zukunft – «Alte» Unternehmer:innen

Umstellung auf künstliche Intelligenz KI
Beim kürzlichen Mittagessen tauschte ich mich mit dem Gründer eines Softwareunternehmens aus. Nach drei Jahren Widerstand entschloss er sich nun doch, sein Unternehmen mittels künstlicher Intelligenz KI (KI-First) weiterzuentwickeln. Programmierende, die an der neuen Philosophie zweifelten wurde gekündigt. Sie werden nun durch ein neues Team von Entwicklern mit kompatiblen Wertvorstellungen ersetzt. Wir sprachen über die rechtlichen Konsequenzen der Umstellung und die Tatsache, dass Grosskunden aus Datenschutzgründen keine Verträge unterschreiben, sobald darin KI erwähnt wird. Wir diskutierten darüber, wie sich die KI rasant entwickelt und wöchentlich unglaubliche Fortschritte spürbar werden. Ich argumentierte, dass Menschen weiterhin relevant bleiben, denn es geht um Inspiration, Ideen und Kreativität. KI generiert aus Daten, das ist nicht dasselbe wie Kreieren aus dem Nichts. KI baut auf Daten auf, die im Netz zu finden sind. Diese sind zu 90% durchschnittlich und damit besteht die Gefahr einer qualitativen Abflachung, der wir nur entgegenwirken können, indem wir bessere Datensätze generieren und online stellen.

Eine Baustelle
Darauf verwies mein Gegenüber auf die selbstlernenden Agenten, die aufgrund von immer raffinierteren Prompts uns Menschen innert kürzester Zeit mit neuen Vorschlägen beliefern, für die wir nach gängiger Arbeitsweise Wochen gebraucht hätten. Im Zusammenhang erwähnte er auch die «tragbare KI», die Möglichkeit grosse Sprachmodelle lokal auf eigenen Servern laufen zu lassen. Aus seiner Sicht liess er deshalb mein Argument der fehlenden Gestaltungsansprüche nicht gelten. Für ihn ist der Beweis erbracht, dass die KI unseren menschlichen Fähigkeiten immer näher kommt: Innert kürzester Zeit Konzeptvarianten erarbeitet, gesetzliche Rahmenbedingungen berücksichtigt, klimatologische Begebenheiten evaluiert und einen Kostenrahmen als Grundlage für weitere Entscheide erstellt. Bei allem Enthusiasmus und trotz einiger Übernahmegespräche, lässt sich sein Unternehmen aktuell nicht verkaufen, da es sich um ein «work in progress», eine Baustelle handle.

Auftragsarbeit statt Arbeitsverträge
Um möglichst schnell wieder auf Kurs zu kommen, wäre die Vergabe von Temporärjobs oder Freelance Vereinbarungen zu prüfen. Schweizer Wirtschaftsjournalist Lukas Hässig (61) schrieb auf seiner Plattform «Inside Paradeplatz» vom 9. Juli 2026 wie die künstliche Intelligenz das Verhältnis zwischen Auftraggebenden und Auftragnehmenden im Sturm verändert. «Statt Fix-Job gibt’s Auftrag, statt Wochen-Arbeitszeit Abmachungen, was zu erledigen ist. Anstelle der klassischen Lohn-Zeit-Verträge zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden tritt der Deal: Du lieferst, ich zahle. Aus Mitarbeitern werden Kleinunternehmer. Sie machen Gewinn oder Verlust wie jede Firma und müssen mit der AHV, Pensionskasse und dem Fiskus klarkommen.» meint Hässig. Die schnellsten, besten, innovativsten Betriebe werden mit diesem Arbeitsmodell voranschreiten. Sie erhalten damit das, was sie brauchen: Gute Arbeit zu definiertem Preis. Danach soll jeder selber schauen: Die Firma hier, der Ich-Unternehmer da. Schönes, langes Studieren statt schnelles, hartes Handwerken wird zum Job-Risiko Nummer eins. Ohne Kündigungsfrist für beide Seiten. Das bedingt, dass sich Führungskräfte um die interne Organisation der Firma kümmern, beispielsweise Regeln über die Abwicklung von E-mails die permanent im Betriebs bleiben oder den Einsatz von internen Kollaborationsplattformen, welche eine Rückverfolgung von Entscheiden ermöglichen. Klare Ziele müssen vorgegeben werden, die definierte Teilprojekte erlauben.

Illustration: Simon Tanner (43) / NZZ 14. Juli 2026

Innovation ist kein Tool
Prof. Dr. Adrian Wildenauer (+35), Leiter des Center Digital Building & Real Estate an der Hochschule für Wirtschaft Zürich, sieht den Hebel bei den Prozessen, der Organisation und der Art, wie ein Unternehmen arbeitet. Ein Tool ist immer nur das Ergebnis oder ein Hilfsmittel, das heisst, es kann Innovation unterstützen, aber es ersetzt sie nicht. Viele haben in den letzten Jahren viel Geld in Software investiert, ohne dass sich die erwünschten Effekte eingestellt haben. Das passiert, wenn die Grundlagen nicht stimmen. Wenn Prozesse unklar sind, Daten mehrfach oder falsch erfasst werden oder Mitarbeitende nicht geschult sind, dann digitalisiert man am Ende nur bestehende Probleme. Als Beispiel: die Organisation des Geschäfts-E-Mailverkehrs. Wie wird dieser Verwaltet und gesichert. Haben Mitarbeitende zugriff auf die Daten und bleiben diese beim Verlassen in der Firma in deren Eigentum, oder werden diese von den Verfassern womöglich gelöscht. Auch das ganze Passwort-Management, eigentlich etwas fundamentales, darf nicht abhängig von einer einzigen IT-Stelle sein. Mit der Ausweitung von KI, werden solche Fragen immer dringlicher.

KI als Herausforderung der persönlichen Transformation
Im Boston Consulting Group BCG Newsletter vom 23. Juni 2026, stellt Taha Khursheed (31) fünf Fragen zur Sicherstellung, dass KI die Urteilsfähigkeit von CEOs stärkt. Um dieses Ziel zu erreichen benötigen Führungskräfte regelmässig Einblick in innovative Modelle, um das wahre Potenzial der Technologie zu verstehen. Doch Einblick allein führt nicht automatisch zu Mehrwert und besseren Führungskräften. Da CEOs oft Schwierigkeiten haben, offenes Feedback und abweichende Meinungen zu erhalten, kann KI ihre Annahmen hinterfragen und alternative oder neue Perspektiven bieten, die Menschen möglicherweise nicht äussern möchten. Hilft mir KI, bessere oder nur schnellere Entscheidungen zu treffen? KI kann den Weg von der Frage zur Antwort verkürzen. Doch die Entscheidung liegt letztendlich beim CEO. Hat diese:r genügend Erfahrung, um zu erkennen, wann die KI falsch liegt? Teil ihres Reizes ist, dass KI unbekannte Themen schnell verständlich machen kann. Doch wer hinterfragt deren Antworten? CEOs sollten nicht die einzige Verteidigungslinie gegen irreführende KI sein. Das kann bedeuten, ein Mitglied des Führungsteams, wie beispielsweise kompetente «Alte», als kritische Beobachter einzusetzen oder Fragen zu stellen wie: Was fehlt, was ist voreingenommen und was glauben wir zu bereitwillig? Um die Führungsqualitäten zu verbessern, sollten CEOs prüfen, ob sie die Qualität der KI-Empfehlungen, die darauf basierenden Entscheidungen und deren Umsetzungsgeschwindigkeit messen können. KI ist keine Garantie für herausragende Führung. Sie kann jedoch als positiver Multiplikator für CEOs wirken, wenn sie mit Disziplin, Neugier und Demut eingesetzt wird. Für CEOs liegt die nächste Herausforderung der KI nicht nur in der Transformation des Unternehmens, sondern auch in der persönlichen Transformation ihrer Lern-, Entscheidungs-, Kommunikations- und Führungsstile.

Wortgewaltige Künstler können heute nicht nur gute Texte schreiben, sondern auch ausdrucksstarke Bilder prompten. Illustration: Simon Tanner (43) / NZZ, 26. Januar 2026

Voraussicht statt Prognose
Unter dem Titel: «Vorausschauendes Denken statt Prognosen: Warum die Zukunft nicht in Excel liegt», GDI Gottlieb Duttweiler Institute vom 26 November, 2025, erläutern Susan Shaw (+/- 50), Head of Strategic Foresight und Camille Zimmermann (+/- 50), Senior Expert Strategic Foresight wie vorausschauendes Denken Orientierung bieten kann, wenn die Daten an ihre Grenzen stossen. Strategische Voraussicht geht einen Schritt weiter als klassische Strategieberatung. Wir bewegen uns in eine hypothetische Zukunft, in der es noch keine Zahlen, Daten und Fakten zum analysieren gibt. Wir verlassen die gängigen Prognosen und Excel-Tabellen und ergründen langfristige Entwicklungen und deren mögliche Implikationen. Generell halten wir alle gern an überprüfbaren Daten fest, weil sie uns ein vermeintliches Gefühl der Sicherheit vermitteln. Das Problem ist jedoch, dass Fakten und Zahlen zwar in der Gegenwart sehr nützlich sind, aber in der Zukunft – insbesondere in Zeiten grösserer Unsicherheit – an Wert verlieren. Vorausschauendes Handeln gewinnt dann an Bedeutung, da wir so Chancen erkennen und die Weichen für die Zukunft stellen können. Die Infrastrukturisierung von künstlicher Intelligenz KI ist eine Veränderung, mit der sich viele Unternehmen aktuell auseinandersetzen. Insbesondere grosse Verwaltungen, die zahlreiche administrative Aufgaben wahrnehmen, überlegen, was es bedeutet, wenn KI so selbstverständlich wie Strom oder Wasser in unseren Alltag integriert wird. Unternehmen sollten neue Ansätze einführen, solange ihr Tagesgeschäft noch hektisch ist. Nur so lässt sich ein neuer Prozess langfristig etablieren – und genau das leistet strategische Vorausschau.

Neues Arbeiten mit alter Führungskultur
«New Work ist weder Prozess noch Methode. Es ist eine Haltung.» schrieb Heike Bauer (45+) in ihrem Beitrag unter dem Titel: «Arbeitswelt 2030: Wer KI einsetzt, ohne zu fragen wozu, digitalisiert die Vergangenheit» vom 18. Mai 2026 auf «topsoft», der schweizer Plattform für digitales Business. Viele KMU kaufen KI-Tools, bevor sie wissen, welche Arbeitswelt sie damit schaffen wollen. Genau darin liegt das Risiko: Wer Technologie ohne Haltung einsetzt, beschleunigt nicht die Zukunft, sondern die alten Probleme. Zwei Drittel der Schweizer Unternehmen haben keine Strategie für die Arbeitswelt von morgen. Nicht, weil ihnen die Zeit fehlt, sondern weil sie die falsche Frage stellen. Während die Technologie rasant voranschreitet, droht der Mensch durch Überforderung auf der Strecke zu bleiben. Neue Tools mit alter Führungskultur, das ist kein New Work, sondern Digitalisierung mit neuem Label. Dieser Unterschied wird 2030 entscheidend sein. Gemäss einer AXA-KMU-Arbeitsmarktstudie von 2025, wird KI in der Schweiz bisher primär genutzt, um die Last des Fachkräftemangels zu bewältigen. Ein entscheidender Punkt ist aber noch nicht ausreichend angekommen: Echte Kollaboration. Hybrides Arbeiten ist zwar zur Norm geworden, doch viele Unternehmen haben ihre Büros umgebaut, ohne zu fragen, wozu diese eigentlich da sind. Eine schicke Einrichtung, gepaart mit altem Kontrollzwang, ist kein Kulturwandel, sondern Innenarchitektur, meint Bauer. Lösen lässt sich dagegen das weitverbreitete Silo-Denken mit Kollaborationsmodellen. Co-Working kombiniert mit KI-Effizienz, ob intern oder extern, fördert die Innovation durch das zufällige Zusammentreffen unterschiedlicher Disziplinen. KI übernimmt die Koordination, von beispielsweise dezentralen Teams und fasst Ergebnisse zusammen, sodass der Informationsfluss trotz räumlicher Freiheit gewährleistet bleibt.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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#379 – «Alte» helfen «Zombie»-Unternehmen

Mentoren in der Pflicht
In der Tätigkeit als Mentor oder Mentorin von Jungunternehmern sieht man sich wiederholt mit der gleichen Herausforderung konfrontiert. Die Gründer:innen sind mit dem anspruchsvollen Tagesgeschäft ausgelastet – und haben so kaum Zeit für strategische Überlegungen. Um die Arbeit zu bewältigen, greifen sie auf ehemals erlernte Verhaltensmuster zurück, mit der Absicht ihre Methodik später immer noch optimieren zu können. Der Entwurf für einen Geschäftsplan oder das Erarbeiten eines Budgets werden hinausgezögert, sobald ein (hoffentlich unterschriebener) «Erstauftrag» auf dem Tisch liegt. Dabei wäre dies der Zeitpunkt, sich Gedanken zu Strategie, Organisation und der Geschäftsphilosophie zu machen. Wir «Alten» Mentoren müssen die Chancen erkennen, welche zum Alleinstellungsmerkmal eines Unternehmens führen. Auf Grund unserer Erfahrung müssen wir Risiken antizipieren und diese umgehen. Unsere überlegene Wahrnehmung und Information verschafft dem Jungunternehmen einen Vorteil bei der Anwendung neuer Technologien mit dem Potenzial, die Wirtschaftlichkeit der Firma zu verändern.

«Zombie»-Innovationsorganisationen
Seine Anstrengungen auf kurzfristigere Projekte zu konzentrieren, deutet auf einen Mangel an Klarheit oder Überzeugung hinsichtlich mittel- bis langfristiger Chancen hin. Eine fehlende Strategie deutet darauf hin, dass beim durchlaufen der Arbeitsprozesse lediglich auf Routine geachtet wird, um den Bedarf an Aktivität zu befriedigen. Möglicherweise erzielt man damit ein gewisses Wachstum, wird aber wahrscheinlich Opfer von Störungen oder verpasst die attraktivsten neuen Wertschöpfungspools. Im Fachjargon spricht man bezüglich fehlender Weitsicht auch von «Zombie»-Innovationsorganisationen (Zombie = wiederbelebter Toter), denen eine anregende Strategie fehlt. Innovation muss von oben herab, von den Gründer:innen, angestossen werden und dabei dürfen diese die generative künstliche Intelligenz GenKI nicht ignorieren. Da die stärkste Konkurrenz bereits Erfahrungen mit dieser Technologie sammelt, besteht sonst die reale Gefahr, im Wettbewerb zurückzufallen.

Amerikanische Künstlerin Barbara Kruger (79): Belief + Doubt (Glaube und Zweifel), Hirshhorn Museum und Sculpture Garden Smithsonian, Bild: flickr 2019

Das Potenzial von GenKI
GenKI hat das Potenzial, den Innovationsprozess zu verändern um neue Ideen, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle zu ermöglichen. Gemäss einer Studie im jüngsten Boston Consulting Group BCG Beitrag vom Juni 2024 der Autoren Justin Manly, Michael Ringel, Amy MacDougall, Johann Harnoss, Jacob Wolke-Perten,
Wendi Backler, Ketil Gjerstad, Ryoji Kimura, and Beth Viner, glauben 65% der Führungskräfte, dass es sich in den nächsten fünf Jahren um die Technologie mit dem grössten disruptiven Potenzial handelt. Der Aufbau von Fachwissen sowohl in GenKI als auch in prädiktiver künstlicher Intelligenz KI ist wichtig, da sie sich wie die beiden Gehirnhälften bei unserer Arbeit ergänzen. Traditionelle prädiktive KI ist die linke Gehirnhälfte und unterstützt analytische Entscheidungsfindung und Optimierung. GenAI, die rechte Gehirnhälfte, fördert die Kreativität, entwickelt Inhalte und destilliert die Essenz riesiger Informationsmengen. Die bereitwilligsten Innovatoren machen Fortschritte und bauen ihren Vorsprung sowohl durch KI als auch GenAI aus.

Bereitstellen mit Kundenfokus
Hier beginnt fast jede Organisation – sie konzentriert sich auf schnelle Erfolge mit handelsüblichen GenKI-Tools, um die Produktivität zu steigern und Erfahrungen zu sammeln, entweder als einmalige Massnahme oder für einen spezifischen, engen, unternehmensweiten Anwendungsfall. Dies ist eine grossartige Möglichkeit, um Fuss zu fassen, Champions zu identifizieren und kleine Anwendungen mit grösserem Potenzial ins Rampenlicht zu rücken. Unternehmen können beispielsweise ChatGPT verwenden, um erste Entwürfe von Berichten zu schreiben, oder die automatisierten Besprechungszusammenfassungen von Zoom nutzen. GenKI hilft beim generieren von Bildern, 3D-Modellen und Videos oder beim Erstellen von benutzerfreundlichen Schnittstellen, welche unsere Erfahrung verbessern können. GenKI ist eine grosse Hilfe beim Erkunden und Verfeinern von Ideen. Plattformen wie Midjourney können realistische Bilder von potenziell neuen Ideen erstellen, um seine Kunden für eine Lösung zu begeistern.

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#374 – Begeisterungsfähige «Alte» im Team

Das Potenzial der «Alten» im Team von KMUs
Sommerfeste bieten immer auch eine Gelegenheit, sich mit Kolleg:innen auszutauschen, die man über längere Zeit nicht mehr gesehen hat. Im Gespräch über den Stellenwert künstlicher Intelligenz mit Charles Ganz, Managing Director und Partner von World-Architects, ist dieser überzeugt, dass die Technologie unser Leben nachhaltig beeinflussen wird, wie damals das Internet. 1994 von PSA Publishers Ltd in der Schweiz als Online-Magazin gegründet, gilt das Portal als Pionier im Bereich Online-Architekturpublikation. Heute, 30 Jahre später, repräsentieren mehr als 20 nationale und regionale Online-Plattformen Architekten, Landschaftsarchitekten, Innenarchitekten, Ingenieure, Lichtdesigner, Hersteller und Architekturfotografen aus über 50 Ländern. World-Architects vermittelt konsequent Inhalte auf höchstem Niveau und gilt deshalb als zuverlässiger Indikator von Entwicklungen der Branche. So sind wir überzeugt, eine «neue industrielle» Revolution mit erleben zu dürfen und fragen uns gleichzeitig, wie diese sich konkret auf unsere Arbeit auswirken wird. Zusammen mit der Erfahrung und Kompetenz von uns «Alten» im Team, profitieren vor allem KMUs vom gewaltigen Potenzial der künstlichen Intelligenz.

Arbeiten mit KI als Juniorpartner
Intelligenz ist, seine eigenen Grenzen zu kennen, sagte der Starwerber Frank Bodin (62) im Interview von Marc Tribelhorn in der NZZ vom 18. Juni 2024 mit dem Titel: «Wollen wir zur Verblödung der Menschen beitragen?» Die künstliche Intelligenz KI wird grössere Umwälzungen für die Gesellschaft bringen. Die Fortschritte sind atemberaubend. Frank Bodin macht das keine Angst, denn er nutzt KI rege. Das Potenzial ist gigantisch, aber vieles steckt noch in den Babyschuhen. Momentan ist KI für ihn wie ein Juniorpartner. Sie nimmt ihm gewisse Arbeiten ab, etwa Recherchen und Visualisierungen, doch das ernsthafte Schreiben ersetzt sie noch nicht. Anstelle von Angst hat er deshalb Respekt. KI wird die Werbebranche fundamental verändern. KI wird die besseren Slogans machen und die besseren Spots als die meisten der Kreativen. Was KI kann, wird den Menschen bei weitem überflügeln. Keine Ahnung, wann. Aber es wird bald sein. Wir stehen am Anfang einer Intelligenzexplosion. Stephen Hawking hat es einmal gut formuliert: Wir werden an den Punkt kommen, an dem das menschliche Gehirn im Vergleich zu KI wie das Gehirn einer Schnecke ist.

Kreativität ist schöpferisches Denken
Der grösste Teil der Werbegelder fliesst heute in Technologie und in Medienkanäle. Digitalen Daten wird vertraut, Kreativität immer weniger, weil sie nicht oder nur schwer messbar ist. Dabei kann nur Kreativität etwas Neues schaffen. Die grosse philosophische Frage bei KI wird sein: Wie weit wollen wir gehen? Letztlich machen ja unsere Intelligenz und unsere Kommunikation das Menschsein aus. Wenn wir das Denken auslagern, und Kreativität ist eine hohe Form von schöpferischem Denken, wird das gravierende Folgen auf das Individuum und die Gesellschaft haben. Darüber denkt Bodin derzeit intensiv nach, nicht als Werber, sondern als Mensch. Er glaubt an die Stärken der Schweiz, das politische System, vor allem aber an Qualität und Innovationsgeist. Denn wir haben auch nichts anderes, keine Rohstoffe, nicht mal einen Meeresanschluss. Und wir haben einen grossen Vorteil: die kulturelle Sensibilität. Wir haben in diesem kleinen Land täglich mit vier Kulturen zu tun, das hilft uns auf dem internationalen Markt. Es ist nicht alles besser, nur weil es auf Englisch daherkommt, stellt der Werber richtigerweise fest.

«Der Lauf des Lebens». In seiner 17. Ausgabe feiert das Welttheater Einsiedeln 2024 sein 100-jähriges Jubiläum mit einer neuen Inszenierung von Lukas Bärfuss (53), Schweizer Schriftsteller, Bühnenautor, Theaterregisseur und Dramaturg, nach dem 1655 vom spanischen Barockdichter Don Pedro Calderón de la Barca (1600-1681) kreierten allegorisch religiösen Schauspiel. Bild SRF Kultur

Neustart von Innovationssystemen
Am 4. Juni 2024 erschien ein Bericht von Justin Manly, Michael Ringel, Amy MacDougall, Johann Harnoss, Jacob Wolke-Perten, Wendi Backler, Ketil Gjerstad, Ryoji Kimura, und Beth Viner im BCG Boston Consulting Group Newsletter mit dem Titel: «Innovation Systems Need a Reboot», Innovationssysteme müssen neu gestartet werden. Die Autoren folgern darin, während fast alle Organisationen mit generativer künstlicher Intelligenz GenKI im Bereich Innovation experimentieren, setzen nur wenige diese im grossen Massstab um – und verpassen so Gelegenheiten, ihre Innovationsprozesse neu zu gestalten und neue Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle zu ermöglichen. Bekanntlich geht es nicht nur darum bestehende Prozesse zu optimieren. Die grösste Herausforderung für Innovationsführer ist deshalb eine klare Strategie zu entwicklen um neue Märkte zu erschliessen. Jüngste BCG-Studien haben ergeben, dass 65% der Führungskräfte der Ansicht sind, dass GenKI in den nächsten fünf Jahren das grösste disruptive Potenzial aller Technologien hat.

Begeisterungsfähige «Alte» als innovative Innovatoren
Diejenigen, die bereits mit prädiktiver (prognostizierbarer) KI-Technologie vertraut sind, geben an, dass sie GenKI erfolgreich in einem innovationsbezogenen Bereich implementiert haben. Der Aufbau von Fachwissen sowohl in generative KI als auch in prädiktive KI ist wichtig, da sie sich wie die beiden Gehirnhälften ergänzen, wenn sie zusammenarbeiten, und die Kunst des Möglichen weiter ausbauen. Traditionelle prädiktive KI ist die linke Gehirnhälfte, die analytische Entscheidungsfindung und Optimierung unterstützt. GenKI ist die rechte Gehirnhälfte, die Kreativität fördert, Inhalte entwickelt und die Essenz aus riesigen Informationsmengen herausfiltert. In dieser frühen Phase des Rennens gehen die innovativsten Innovatoren voran und bauen ihren Vorsprung durch KI und GenKI weiter aus. Auch wir «Alten» sind eine wichtige Ressource für die Entwicklung innovativer KI-Technologien. Nicht das Alter der Menschen ist dabei ausschlaggebend, sondern ihre Offenheit gegenüber den technologischen Fortschritten, ihre Begeisterungsfähigkeit und die Bereitschaft an innovativen Projekten mitzuarbeiten.

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