Künstliche Intelligenz KI im Vergleich zur Dampfmaschine
Bildung mithilfe künstlicher Intelligenz: Im TED2026 • April 2026 Interview (16:24) von Sal Khan mit dem Netflix-Mitgründer, Anthropic Verwaltungsrat und Philanthrop Wilmot Reed Hastings Jr. (65), unter dem Titel «Warum künstliche Intelligenz KI eine noch grössere Rolle spielt, als wir denken», sprechen die beiden darüber, wie die Technologie die Bildung beschleunigen könnte – einschliesslich der Möglichkeit eines KI-Tutors für jeden Schüler, jede Schülerin – und die Wirtschaft schneller umgestalten könnte, als irgendjemand erwartet. Reed Hastings illustriert dies in einem Vergleich, wie im 18. Jahrhundert die meisten Fabriken mit Dampfmaschinen betrieben wurden. Sie hatten eine grosse Dampfmaschine mit rotierenden Stangen, Riemenscheiben und Riemen, und trieben damit die Fabrik an – sehr effizient. Dann kam der Strom, und sie ersetzten die Dampfmaschine durch eine elektrische, in der Annahme, das würde viel bringen. Aber die Produktivität stieg überhaupt nicht. Dann erkannten sie, dass der limitierende Faktor das Energieverteilsystem war und ersetzten alle diese rotierenden Stangen mit überflüssiger mechanischer Kraft, durch einfache kleine Elektromotoren an jedem Gerät. Damit konnte man die Maschinen besser verschieben und anordnen, weil sie nicht mehr an die Rotation gekoppelt waren. Sie konnten die Drehzahl variabel einstellen und verschiedene Motoren ein- und ausschalten. Und damit stieg die Produktivität dramatisch. Eine klassisch wirtschaftliche, überraschende Lektion an die Hastings denkt, wenn er die heutige Situation im Bildungsbereich beobachtet: Wir tun ständig etwas, um den Unterricht zu verbessern. Aber die grundlegende Machtverteilung ist, dass 25 Kinder auf demselben Niveau feststecken.
Grösser als die industrielle Revolution
Die meisten Vorhersagen über die Zukunft der künstlichen Intelligenz liefern keinen Erkenntnisgewinn, sorgen aber für kollektive Verunsicherung. Mit dem Titel « «Grösser als die industrielle Revolution»: 200 Ökonomen und Tech-Bosse warnen vor massiven Arbeitsplatzverlusten durch KI. Selbst frühere Skeptiker sind nun alarmiert», schreibt Janique Weder (36) in der NZZ vom 14. Juli 2026, wie sich führende Wissenschafter besorgt über die möglichen wirtschaftlichen Folgen der künstlichen Intelligenz äussern. «Es findet eine Entwicklung statt, die wir nicht verstehen und nicht mehr wirklich kontrollieren können», sagt Beatrice Weder di Mauro (60), die schweizerisch-italienische Ökonomin und Präsidentin des Centre for Economic Policy Research (CEPR). Beispielsweise besonders leistungsfähige KI-Modelle, die von ihren Entwicklern nur eingeschränkt freigegeben werden. Wer keinen Zugang zu den fortschrittlichsten Systemen habe, könne rasch abgehängt werden. Michael Siegenthaler (41), Leiter des Forschungsbereichs Schweizer Arbeitsmarkt an der Konjunkturforschungsstelle (KOF), ist vorsichtiger. Ob KI zu Massenarbeitslosigkeit führen werde, sei «sehr umstritten», meint er. Tatsächlich sind gewisse Berufe mit einer hohen KI-Exposition bereits unter Druck geraten. Das sind etwa Teile der IT-Branche sowie Stellen im Marketing und in der Kommunikation. In diesen Berufen ist die Arbeitslosigkeit in der Schweiz bereits deutlich gestiegen. Trotzdem, von einem flächendeckenden Beschäftigungsabbau könne deshalb keine Rede sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass KI kein Risiko darstellt. Siegenthaler hält sie für mächtiger als frühere Technologien, weil sie potenziell einen grossen Teil der Arbeitswelt betreffe. Generative KI könne nicht nur einzelne Tätigkeiten ausführen, sondern zunehmend selbständig komplexe Computeranwendungen bedienen. In manchen Bereichen erreiche oder übertreffe sie die menschlichen kognitiven Fähigkeiten bereits. «Deshalb ist das Potenzial für Disruption höher als bei anderen Technologien.»

Alternative KI aus China
Das neue Top-KI-Modell heisst Kimi K3 von der chinesischen Firma Moonshot AI. Es arbeitet zuverlässig, ist leistungsfähig und lässt sich flexibler auf gewisse Anwendungen zuschneiden als die Modelle aus den USA wie Claude oder ChatGPT. Und es ist günstiger. Gemäss dem Bericht von Malin Hunziker (29), Wirtschaftsredaktorin in der NZZ vom 22. Juli 2026, wurde das chinesischen Topmodell aufgrund der amerikanischen Exportrestriktionen gegenüber China mit weniger leistungsfähigen KI-Chips trainiert. Es ist kostengünstiger, und es soll sich um ein Open-Weight-Modell handeln, einem KI-System, bei dem die trainierten Parameter (Modellgewichte) öffentlich zugänglich sind, Im Gegensatz zu geschlossenen KI-Modellen wie ChatGPT oder Claude. Kimi K3 Parameter können heruntergeladen, auf lokalen Servern betrieben und auf spezifische Anwendungen angepasst werden. Dadurch liessen sich («theoretisch», denn das Internet ist ein Netzwerk mit Milliarden redundanten Verbindungen) auch Datenabflüsse nach China verhindern. Leandro von Werra (34), Forschungschef der Open-Source-KI-Plattform Hugging Face, einer künstlichen Intelligenz bei der die Modellarchitektur, der Quellcode und oft die Trainingsdaten öffentlich zugänglich sind, sagt auf Anfrage, dass es bisher keine Fälle gebe, in denen in chinesischen Open-Weight-Modellen Hintertüren eingebaut gewesen seien. Er rät aber im Allgemeinen, den Internetzugriff von Modellen mit Zugriff auf heikle Daten zu beschränken und etwa nur die Internetsuche zu erlauben. Sonst bestehe ein Restrisiko, dass das Modell Daten abgreife und ins Internet hochlade. Für Raphael Tobler (39), Präsident der Swiss Startup Association, ist die Veröffentlichung von Kimi K3 eine gute Nachricht. «Sie heizt den Markt an und zwingt andere KI-Firmen, ebenfalls günstigere Modelle zu bauen.» Das sei gerade für Startups ein Vorteil. Manuel Winter (34), CEO von Oxygen at Work, welcher derzeit mit Kimi experimentiert warnt: In allen Backend-Bereichen, also dort, wo sich die Software mit internen Datenbanken verbindet, dürfe Kimi jedoch nicht zum Einsatz kommen. Das gilt für Passwörter, Personen- oder Adressdaten.
Innovation ist ein Teamthema, am Beispiel Bauwirtschaft
In vielen meiner Gespräche der letzten Monate geht es um die digitale Transformation der Bauwirtschaft. Als Architekt, ehemaliger Dozent und Leiter verschiedenster Teams, oder aktuell als Berater von Start-ups, beschäftigt mich dieses Thema seit über 50 Jahren. Dazu fand ich das Interview von Thomas Staffelbach (65), Chefredaktor Schweizerischer Baumeisterverband vom 9. März 2026 mit Prof. Dr. Adrian Wildenauer (40+), Leiter des Center Digital Building & Real Estate an der Hochschule für Wirtschaft Zürich erfrischend. Wer glaubt, dass neue Software allein die Branche voranbringt, digitalisiert am Ende nur bestehende Probleme. Erst wenn Prozesse verstanden und kritisch hinterfragt werden, entsteht Raum für wirkliche Verbesserungen: Oft pragmatisch, manchmal so simpel wie ein Excel-Makro. Damit meint Wildenauer aber nicht die berühmte Excelliste von Herrn Schmitt, die nur er kennt, sondern übergreifende, offene, jederzeit und allen verfügbare Tools. Die Baubranche braucht weniger neue Konzepte und mehr Umsetzung, findet der Professor. Am Ende entscheidet nicht die Software, sondern der Mut, Prozesse zu verändern und die Menschen mitzunehmen. Innovation beginnt nicht mit Technologie – sie beginnt im Kopf und im Team. Mit den Menschen im Betrieb, auf der Baustelle, im Büro, im Baucontainer. Innovation muss nicht Hightech sein, sondern wirksam im Alltag. Digitalisierung sollte immer das Ziel haben, Abläufe zu vereinfachen, Fehlerquellen zu reduzieren und Informationen durchgängig verfügbar zu machen. Die Technologie ist Mittel zum Zweck, nicht der Ausgangspunkt. Als Firmenchef geht es weniger darum, selbst der innovativste Kopf zu sein, sondern ein Umfeld zu schaffen, in dem Mitarbeitende ihre Ideen einbringen können. Junge Fachkräfte bringen digitale Kompetenzen und neue Denkweisen mit. Erfahrene «Alte» verfügen über enormes Praxiswissen und kennen die Abläufe auf der Baustelle. Entscheidend ist, dass beide Seiten auf Augenhöhe kommunizieren und voneinander lernen. Innovation ist kein Generationenthema, sondern ein Teamthema. Der Druck zur Veränderung ist hoch und wird weiter steigen, aber in allen Branchen, nicht nur auf dem Bau. Viele erfahrene Fachkräfte gehen in den nächsten Jahren in Pension, gleichzeitig nimmt die Zahl der Nachwuchskräfte stetig ab. Ohne Produktivitätssteigerungen durch bessere Prozesse, mehr Automatisierung und digitale Unterstützung wird es für viele Branchen zunehmend unmöglich, diese Lücke zu schliessen.
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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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