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#361 – KI-Panik: Wir ersetzen uns selbst

Panik in der obersten Führung
Auslöser für den Beitrag von Madison Mohns auf TEDxWrigleyville im Juli 2023, mit dem Titel «Drei Möglichkeiten, KI zu nutzen, ohne seine Kolleg:innen zu ersetzen» war eine interne Mail des Managers ihres Managers (dritte Hierarchiestufe?). Bis am Ende des Tages wünschte er ein Dokument auf seinem Pult mit allen Angaben, woran ihr Team im Zusammenhang mit KI gearbeitet hat. Da herrschen grosse Wissenslücken. Der Vorstand eines grossen Unternehmens hat offensichtlich Gerüchte über dieses neue Ding namens ChatGPT vernommen und wollte wissen, was die «Untergebenen» dagegen tun. Die oberste Führungsebene hat Angst vor der Zukunft und will wissen, wie man dieses «technische Problem» löst.

Das Paradoxon im Umgang mit künstlicher Intelligenz
Madison Mohns, die jeden Tag mit Modellen des maschinellen Lernens arbeitet, weiss aus erster Hand, wie rasant sich die Technologie entwickelt und welche endlosen Möglichkeiten für Innovationen diese bietet. Sie weiss auch, wie die exponentielle Verbesserung bei KI-Systemen zu einer existenziellen Bedrohung für ihr Team wird. Dank einfacher Zugänglichkeit und unheimlich menschenähnlichen Ergebnissen, setzen Unternehmen auf Automatisierung, um die Effizienz zu steigern. Doch was oberflächlich betrachtet als grosse Vision erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als unangenehmes Paradoxon. Um die Leistungsfähigkeit von KI-Systemen zu nutzen, müssen diese trainiert und um den hohen Qualitätsstandards gerecht zu werden, fein abgestimmt sein. Aber wer definiert die Qualität und wer trainiert diese Systeme überhaupt? Das sind echte Fachexpert:innen und meist genau dieselben Leute, welche gerade diese Arbeit erledigen. Wie erklärt man also einem Team, die Systeme zu trainieren, die einem selbst ersetzen könnten. Uns «Alten» kommt dabei eine nicht zu unterschätzende Aufgabe zu, haben wir doch unsere Karriere meist abgeschlossen und müssen nicht mehr um unsere Stelle bangen. Dank unserer Erfahrung sind wir prädestiniert, im Team zusammen mit den «jungen Wilden» die Systeme auf ihre Robustheit zu prüfen.

Ersetzt künstliche Intelligenz uns Menschen? Illustration Simon Tanner / NZZ

Wenn Menschen sich selbst ersetzen
Forschungsergebnisse aus dem Jahr 2023 von OpenAI zeigen, dass bei etwa 80 Prozent der US-Arbeitskräften, durch die Einführung von GPTs (Generative Pre-trained Transformer) bis zu 10 Prozent ihrer Tätigkeiten gefährdet sind, während rund 19 Prozent von Belegschaften bis zu 50 Prozent ihrer Aufgaben beeinträchtigt sehen könnten. Bei der Auslagerung von Tätigkeiten, diskriminiert die KI auch nicht zwischen dem immensen Ausbildungsaufwand oder dem Bildungsstand der Menschen. Berichte des Pew Research Center und der Brookings Institution haben ergeben, dass viele Hochschulabsolventen in besser bezahlten Bereichen stärker von KI-Auslagerungen betroffen sind. Treffen kann es uns alle und Aufhalten lassen sich solche Trends sowieso nicht. Aus der Geschichte wissen wir, wie sich während der industriellen Revolution ähnliche Situationen ergaben. Madison Mohns erwähnt dazu beispielsweise Henry Fords legendäre Automobilproduktionslinie für das Modell T, wo Arbeiter und Maschinen einen synchronen Tanz mit bestimmten und sich wiederholenden Aufgaben aufführen, während sich das Produkt entlang der Linie bewegte. Nicht unähnlich ist die Lage heute, wenn die Menschen selbst eine entscheidende Rolle bei der Schulung der Systeme spielen und so schliesslich ihre einst vielseitigen Rollen selbst ersetzen.

KI-In-Business

Drei ethische Prinzipien zur Einführung von KI
Der Mensch hat immer wieder Wege gefunden, sich anzupassen und zu innovieren. Während einige Rollen tatsächlich ersetzt wurden, entstanden neue Tätigkeiten mit erhöhten Fähigkeiten, wie Kreativität und kreative Problemlösung, welche die Maschinen einfach nicht reproduzieren konnten. Die Beziehung zwischen Mensch und Maschine war schon immer ein heikler Balanceakt. Wir trainieren Maschinen darauf, uns zu ersetzen, während wir gleichzeitig für uns neue Möglichkeiten entdecken, um als Unternehmer nicht ins Hintertreffen zu geraten. Madison Mohns verlässt sich dabei auf drei von ihr definierten ethischen Prinzipien, um sicherzustellen dass Manager mit den Auswirkungen einer sich selbst ersetzenden Belegschaft klarkommen. Zuallererst muss die KI-Transformation transparent sein. Führungskräfte müssen den Dialog fördern und auf zentrale Anliegen eingehen. Zweck und potenzielle Herausforderungen bei der Implementierung von KI müssen erläutert werden, auch im Hinblick auf die Gestaltung seines eigenen beruflichen Schicksals. Zweitens muss darüber diskutiert werden, wie die KI als «Erweiterungswerkzeug» genutzt wird. Welche ungeliebten Tätigkeiten oder Routinearbeiten können an die Maschine delegiert werden, um das Potenzial und die Produktivität der Mitarbeitenden zu steigern. Schlussendlich müssen wir uns umschulen und weiterbilden um nicht ersetzt zu werden. Wir müssen mit entsprechenden Fähigkeiten und Kenntnissen ausgestattet sein um in einer KI-gestützten Zukunft erfolgreich zu sein. Dazu müssen wir die Technologie akzeptieren. Die KI zwingt uns in eine Kultur des kontinuierlichen Lernens, in der Umschulung von grösster Bedeutung ist. Die rasante Entwicklung der KI-Technologie birgt sowohl Chancen als auch Herausforderungen an Mitarbeitende und Führungskräfte. Wir müssen eine gemeinsam Zukunft gestalten, die den menschlichen Einfallsreichtum und den technischen Fortschritt harmonisch vereint und wo KI das menschliche Potenzial steigert, anstatt es zu ersetzen.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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#298 – Innovation im demografischen Wandel

«Alte» im Betrieb
Vor vier Jahren durfte ich ein Impulsreferat zum Thema: «Ältere Mitarbeitende, Gewinn oder Last?» über die Generation 60 plus halten. Eingeladen hat mich Jean-Philippe Hagmann und seine Agentur für radikale Innovation. Hagmann ist Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW und Buchautor. Nach eigenen Angaben unangenehmer Berater für radikale Innovation, der ausschliesslich mit mutigen und weitsichtigen Unternehmen zusammen arbeitet. Denn alles andere ist für ihn Innovationstheater. Hagmann beschäftigt sich mittlerweile über 10 Jahre praktisch täglich mit dem Thema der Innovation – und je länger er sich damit beschäftigt, desto schwieriger ist es für ihn, die Frage zu beantworten, was Innovation ist. Für mich stand damals wie heute die Digitalisierung im Fokus, mit deren Vorteilen sich viele «Alten» immer noch schwer tun. Dies führt zu unnötigen Spannungen im Arbeitsverhältnis mit den «jungen Wilden».

Mut zur Transformation
Im Beitrag von David Torcasso, BILANZ 12.10.2018 mit dem Titel: Digitalisierung: «Das Eigenlob der Schweiz ist unangebracht» beschreibt der Autor diesen Zustand. Die Schweiz lobt sich gerne als digitalisiertes Land. Technisch gesehen mag das stimmen, aber wie sieht es mit digitalen Geschäftsmodellen aus? Spätestens seit Corona, dem Krieg in der Ukraine und der Energiekrise, kennen wir die Antwort darauf. Persönlich stelle ich ein komplettes Versagen der Beteiligten fest, trotz Milliardeninvestitionen in die Technologie. Experten äussern sich im Beitrag über das mangelnde Verständnis der Digitalisierung. Man habe zu viel über Software und Technologie nachgedacht und zu wenig über die Interaktion mit den Kunden und die internen Prozesse und Arbeitsweisen. Man muss die ganze Organisation neu denken. So braucht es neben den älteren Vertretern in den Schweizer Verwaltungsräten auch neue, jüngere und agile Köpfe, die offen sind für Veränderungen und den Mut haben die Transformation voranzutreiben.

Bild: Dr. Madanmohan Rao, Research Director, YourStory Media Plattform für Startups und Investoren, Bangalore, Indien

Neugierde ist der Grundstein jeglicher Kreativität
«Stellen Sie Fragen, und lassen Sie dem Tüftlergeist Ihrer Mitarbeitenden freien Lauf!» schreibt Nicole Rütti in der NZZ vom 27. November 2022. Laut Spencer Harrison, Professor für Organisational Behaviour an der französischen Kaderschmiede Insead, ist Neugierde für Unternehmen (über-) lebenswichtig: «Sie ist es, die uns dazu antreibt, nach Mustern zu suchen, nach Informationen und neuen Erkenntnissen.» Neugierde sei der Grundstein jeglicher Kreativität. Ohne Neugierde sind Firmen im Urteil des Insead-Forschers aufgrund des ständigen Wandels dem Untergang geweiht. Neugierde habe viel mit Veränderungsbereitschaft und Transformationsintelligenz zu tun, und diese gelte es in Unternehmen zu fördern. «Wenn wir neugierig sind, betrachten wir Situationen auf kreativere Art und Weise. Wir suchen nach Alternativen», erklärt auch Francesca Gino, Professorin an der Harvard Business School. «Wir sind auch eher bereit, uns in andere einzufühlen und andere Ideen zu erörtern, anstatt nur die eigene Perspektive einzunehmen.»

Das Wissen über das nicht Wissen
Vier Jahre nach meinem ersten Kontakt mit Jean-Philippe Hagmann, verfolgte ich im vergangenen Monat November auf LinkedIn seine täglichen Beiträge zum Thema Innovation. Hier eine Zusammenfassung dieser Veröffentlichungen: Hagmann weiss immer noch nicht, was Innovation ist, und das ist gut so. Für ihn ist das Wissen über das Nicht-Wissen einer der stärksten Motoren für die Innovation. Mit dem Wissen ist es nämlich etwas paradox. Das Streben nach Wissen ist gut. Wissen hingegen nicht. Wer nämlich etwas weiss, braucht nicht mehr zu lernen. Und wer nicht mehr lernt, bleibt stehen. Wer eingesteht, fast nichts zu Wissen, aber nicht aufhört, nach Wissen zu streben, entdeckt Neues. So werden Innovationen geboren. Eine Innovation ist immer etwas Neues. Schliesslich liegt dem Begriff das lateinische «innovare», also «erneuern» zugrunde.

Killer Innovations, Phil McKinney, CEO bei CableLabs, Amerikanisches Innovations- Forschungs- und Entwicklungslabor

Innovationskultur fördern
Doch Innovation ist nicht automatisch gut oder besser, sie sollte einen Mehrwert bringen und auch erfolgreich sein. Sie muss überraschend sein und mit den Erwartungen der Zielgruppe brechen, und das Risiko des Scheiterns ist gross. Innovation lässt sich nicht auf morgen verschieben, der Denkfehler liegt darin, dass Innovation für viele Unternehmen wichtig, aber nicht dringend ist. Hagmann sieht Innovation als Disziplin, bei der bereits Diskussionen und Denkmuster zu Beginn eines Innovationsprozesses einen wesentlichen Einfluss auf das Ergebnis haben. Nicht die Idee (wir alle haben gute Ideen) steht für ihn im Zentrum, sondern die Frage nach dem Problem. In frühen Phasen des Prozesses kann niemand gute Ideen von schlechten unterscheiden. Auch ist die Liebe zur Idee oft immun gegen Kritik, weshalb man sich in das Problem verlieben sollte. Da sich die Konkurrenz mit Standardfragen über dasselbe Problem den Kopf zerbricht, ist es einfacher Fragen zu beantworten, welche sich so kaum jemand zuvor gestellt hat.

Vertrauen in die Fähigkeiten und Erfahrungen der «richtigen» Personen
Deshalb schlägt Hagmann vor, nicht nach Ideen, sondern nach interessanten Fragen zu suchen und diese zu hinterfragen. Wenn auf eine Frage oder ein Problem eine schnelle Antwort bereits genügen würde, dann wäre es bestimmt bereits umgesetzt worden. Suchen wir also nicht nach schnellen Antworten. Wirklich innovative Ideen und Konzepte lassen oft ungute Gefühle in der Magengegend aufkommen. Niemand kann wissen, ob eine Idee erfolgversprechend ist oder nicht. Weder der Ideengeber, noch die Geschäftsführerin. Ein gängiger Reflex in solchen unsicheren Situationen ist der Ruf nach Steuerung, nach Methoden und Rezepten, nach Kennzahlen. Doch all das nimmt der Kreativität den Atem. In unsicheren und neuartigen Situationen braucht es vor allem eins: Vertrauen in die Fähigkeiten und Erfahrungen der richtigen Personen. Mit unserer Erfahrung, Neugierde, Ausdauer und neutralen Aussensicht sind wir «Alten» als Sparringspartner oder Mentoren ideale Gesprächspartner.

Kritik an der Idee. Kritik am Vorgang
Kritik ist immer eine Einladung zum Nachdenken. Kritik kann wichtige Schwachstellen aufdecken und damit zu besseren Ergebnissen führen. Um etwas kritisch beurteilen zu können, brauchen wir einen Massstab. Also eine Referenz, Erfahrungswerte oder Wissen. Eine neuartige Idee zu kritisieren fällt vielen Menschen leicht. Anders sieht es mit der Kritik am Vorgang aus. Sind dort Erfahrungswerte und Wissen vorhanden? Lebenserfahrung kann nicht erlernt werden, diese ist das Resultat eines langen und ereignisreichen Lebens. «Alte» in gemischten Teams sind deshalb wichtig, denn hier gilt es auf die Kritik von erfahrenen Innovatorinnen und Innovatoren zu hören. Bekanntlich gibt es viel mehr Wege, die nachweislich schwierig, riskant oder schlicht und einfach schlecht sind. Es gibt nicht viele Menschen, die sowohl leidenschaftlich an einer bahnbrechenden Idee arbeiten, als auch über Kenntnisse und Erfahrungen mit den Tücken des Innovierens verfügen.

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#170 – «Alte» in der Pflicht

Das chronologische Alter ist nicht identisch mit dem biologischen
Die gegenwärtige wirtschaftliche Situation verdient es, dass wir uns einmal über die Plattform «kompetenz60plus», die oft brachliegenden Kompetenzen älterer Menschen, Gedanken machen. Aus dem Netzwerk kam neulich der Einwand, dass bei «kompetenz60plus» weniger von «Alten» geschrieben werden sollte, da wir ja nicht per se alt seien. Vielmehr müssten wir die Aussenwahrnehmung begünstigen, mittels positiven Bezeichnungen wie Senioren mit Lebenserfahrung, Silberrücken, Know-How-Träger mit Erfahrung. Bei «kompetenz60plus» steht die Bezeichnung «Alte» im Sinne eines Wiedererkennungseffekts (Brand) ganz bewusst, da Euphemismen oder beschönigende Umschreibungen, genau das Gegenteil bewirken. Senioren oder Rentner gehören in der Wahrnehmung automatisch nicht mehr in den aktiven Arbeitsprozess. «Alte» Männer und Frauen sind aber durchaus fähig Einfluss zu nehmen und unsere Welt mit zu gestalten. Wir haben zwar nicht mehr das Wissen der «jungen Wilden», aber viel Erfahrung, Weisheit, Leidenschaft und Ausdauer. Wir lassen uns gerne begeistern und sind auch bereit den Jungen, auf Augenhöhe, ohne Mahnfinger und Besserwisserei, mit Rat und Tat beizustehen. Speziell in der gegenwärtigen Krise.

«Alte» packen an
Firmen stehen vor schwierigen Entscheiden bei der personellen Besetzung. Kosten müssen gespart, Doppelspurigkeiten abgebaut oder strategische Produktentscheide gefällt werden. Die Krise hat alle aufgeschobenen Entscheide von einem Tag zum Anderen schmerzlich beleuchtet. Erstaunlich ist auch, wie zwei Monate ohne neue Aufträge oder Kunden bereits Existenzängste entstehen. Wo ist hier die Erfahrung, Voraussicht und Verantwortung von uns «Alten» geblieben? Haben wir uns völlig aus dem wirtschaftlichen Geschehen verabschiedet, ohne Generationenvertrag zur Teilnahme am Erfolg der Jungen? Die Arbeitswelt 4.0 ist geprägt von einen permanenten Wandel und insbesondere, beschleunigt mit der Corona-Krise, durch die digitale Transformation. Neben Fachwissen im Umgang mit digitalen Werkzeugen ist auch Methodenkompetenz, basierend auf analoger Erfahrung von uns «Alten» gefragt. Die unternehmerische Einstellung, das Selbst-Management und unsere Kompetenz im Umgang mit diesen Veränderungen, nicht allein das Alter, entscheiden über künftige Chancen im Arbeitsmarkt und der Vergabe von Aufträgen. Unabhängig davon ob man angestellt oder selbständig tätig ist, es geht bei der Positionierung im Markt immer um den Nutzen, den Mehrwert, den man für Kunden oder Arbeitgeber schaffen kann.

Entwurf zu einem panoptischen Gefängnis von Willey Reveley, um 1791. Bild: Wikimedia Commons

Vernetzung dank Digitalisierung
Auch «Alte» haben sich über die letzten Wochen sehr gut mit den Möglichkeiten der Digitalisierung angefreundet. Sei es im Austausch mit Familie, Freiwilligenarbeit im Verein oder zur Unterstützung von KMU. Im Gastkommentar, NZZ vom 15. Mai 2020, schreiben Thomas J. Dettling und Daniel Dettling: Corona wird unsere Arbeitswelt revolutionieren – im Hinblick auf mehr Führungsintelligenz, mehr Empathie und mehr Selbstbestimmung. Dabei ist Home-Office allein noch keine neue Arbeitswelt, doch ein guter Anfang. Smarte Digitalisierung bleibt auch nach der Stunde der Not ein Gebot. Die meisten Unternehmen müssen sich deutlich mehr anstrengen und sich neu erfinden, oder sie riskieren zu verschwinden. Die Corona-Pandemie ist einer jener Schocks, welche Unternehmen zu Innovationssprüngen zwingen und treiben können, für die sie bisher zu wenig kreativ und zu wenig disruptiv waren – aus Angst vor Veränderungen. Home-Office bedeutet auch «Führen auf Distanz». Es geht um mehr Vertrauen und um neue Kompetenzen für Mitarbeiter wie Führungskräfte, um mehr Demokratie und um Fairness zwischen den Geschlechtern, auch zwischen Alt und Jung. Corona wird zu einem Beschleuniger der digitalen Transformation, es wird die Märkte nachhaltig verändern. Die eigentlichen Hürden dieser Transformation waren bisher starre Strukturen, Kompetenzlücken und Zurückhaltung auf den Führungsebenen. In der Arbeitswelt von morgen geht es um mehr Selbständigkeit, um unternehmerisches Mitgestalten und um die Entfaltung aller Potenziale. Das Grundprinzip der Digitalisierung ist Vernetzung. Unternehmen werden zu vernetzten Teams, Frauen und Männer, Junge und «Alte» mit unterschiedlichen Lebensbiografien.

Digitale Projekte zum Neuanfang
Auszug aus dem Newsletter der Boston Consulting Group, «Is Your Technology Ready for the New Digital Reality? » vom 8. Mai 2020: COVID-19 hat die dringende Notwendigkeit von Ausfallsicherheit und digitalen Fähigkeiten klar und schmerzhaft ins Rampenlicht gerückt. Unternehmen müssen mehr denn je in der Lage sein, auf plötzliche und dramatische Veränderungen zu reagieren, eine grosse Anzahl sind dazu aber noch nicht fähig. Viele digitale Projekte liefern keinen Wert. Andere stammten aus einem Geschäftsumfeld, das es nicht mehr gibt, ein regelrechter Flickenteppich. Die Zeit, um geplante IT-Projekte neu aufzusetzen ist deshalb richtig. Datenbanken müssen automatisiert und aktualisiert werden, am besten Schritt für Schritt in praktischer Teamarbeit anhand realer Projekte. Viele Unternehmen verfügen über ein Sammelsurium aus Geräten, Applikationen und dezentralen Sicherungslaufwerken, die eine Kollaboration erschweren oder gar verunmöglichen. Aus der Krise haben wir gelernt: Die Möglichkeit, jederzeit umfassend und nahtlos von zuhause weiterarbeiten zu können ist Pflicht.

Neuausrichtung von KMU
Auch das hat die Corona-Pandemie sichtbar gemacht: Unternehmen stehen teilweise auf wackeligen Füssen und die angedachte Restrukturierung darf nicht länger hinausgeschoben werden. Kurzarbeit darf nicht für «Heimatschutz» missbraucht werden. «Eine seriöse Vorbereitung und konsequente Durchführung des Generationenwechsels sind jetzt wichtiger denn je.» zitiert Corinne Remund den Unternehmer André Pahud im Beitrag über Nachfolgeregelungen in Krisenzeiten, Gewerbezeitung vom 15.Mai 2020. Ein Fünftel aller KMU suchen eine Nachfolge und dieser Wert dürfte mit der Krise eher ansteigen. Dazu Pahud: «Laut einer Studie des Wirtschaftsinformationsdienstes Bisnode D&B stehen rund 13 Prozent der Unternehmen vor einem dringenden Nachfolgebedarf: Ihre Inhaber bzw. Verwaltungsräte und Gesellschafter sind über 60 Jahre alt, und sie haben die Nachfolge noch nicht oder noch nicht ausreichend an die Hand genommen.» Meist fehlt es auch an einem Branchenübergreifenden Netzwerk, oder an der realistischen Einschätzung des aktuellen Werts ihrer Firma. Der ganze Prozess bis zur Übergabe eines Unternehmens dauert in der Regel zwischen fünf und acht Jahren. Das Lösen der Nachfolge ist für kaum jemanden reine Routine: «Es gibt so viel zu überlegen, vorzubereiten, abzuklären, an die Hand zu nehmen und umzusetzen. Hinzu kommen verschiedene organisatorische, administrative, finanzielle, rechtliche und steuerliche Fragen, die professionell gelöst werden sollen. Es lohnt sich, jemanden beizuziehen, dem man – persönlich wie fachlich – vertraut.»

Leidenschaft und Erfahrung von «Alten» als Ressource
«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. «Alte», Frauen und Männer im Team, auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen ihre Erfahrung, auch in der Krise mit Leidenschaft zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein uns registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

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