Blog, Industrie 4.0

#183 – Die neuen Führungskräfte

Die Chancen der Krise nutzen
Eine im Vorfeld unter den Teilnehmern am Swiss Economic Forum (SEF) 2020 durchgeführte Umfrage zeigt, wie positiver Unternehmergeist der Schweiz durch die aktuelle Situation hilft. Gerade kleine und mittelgrosse Firmen (KMU) nutzen offenbar die Krise, um bereits laufende Anpassungsprozesse und Innovationen zu beschleunigen und somit wettbewerbsfähiger zu werden. Eine deutliche Mehrheit der Befragten glaubt, dass sich durch die Corona-Krise Chancen ergeben haben, besonders im Bereich der Digitalisierung, des Einsatzes von kollaborativen Werkzeugen und der Flexibilisierung von Arbeitsprozessen. Dass wir «Alten» dabei nicht zwingend unseren Führungsanspruch behalten, tut der Sache keinen Abbruch. Zusammen im Team, auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», ergeben sich durchaus neue Möglichkeiten für den Einsatz unserer Erfahrung. Wir müssen es zulassen, in einem sich schnell verändernden Marktumfeld, als fortgeschrittene Nutzer dieser Technologien, die Programmierung andern zu überlassen. Massgeblich ist auch nicht unser biologisches Alter, sondern unser Wille die verbleibenden Jahre sinnstiftend zu verbringen.

Das bionische Unternehmen
In ihrem Beitrag: «A Lot Will Change—So Must Leadership» vom 31. Juli 2020, BCG Boston Consulting Group beschreiben Diana Dosik, Vikram Bhalla, und Allison Bailey wie Führungskräfte die Kunst des Möglichen überdenken müssen um das volle Potenzial der Technologie zu nutzen. Im digitalen Zeitalter müssen Unternehmen «bionisch» werden – sie müssen neue Technologien mit menschlichen Fähigkeiten verknüpfen, um Wachstum, Innovation, Effizienz, Belastbarkeit und Marktvorteile zu fördern. Schon vor Ausbruch der Corona-Krise war klar: Um in den 2020er Jahren zu den Gewinnern zu zählen sind Geschäftsmodelle notwendig, die sich grundlegend von denen der Vergangenheit unterscheiden. Ein bionisches Unternehmen zu werden, welches das volle Potenzial von Menschen und Technologie freisetzt, wurde bereits früher zum Gebot. Die COVID-19-Pandemie scheint die Notwendigkeit dieser Transformation nur beschleunigt zu haben. Um zu überleben, zu gedeihen und erfolgreich im Wettbewerb zu bestehen, haben Unternehmen nun weniger Zeit, um dorthin zu gelangen, wo sie sich sonst in fünf Jahren gesehen hätten.

Pandemiekonforme Bestuhlung. Bild: Charles O. Job, Architekt, Designer und Dozent

Führen durch Handeln
Die Idee, dass «Führungskräfte führen, Manager überprüfen, Macher tun», gilt in einem bionischen Unternehmen nicht mehr. Führungskräfte müssen in die Teams eingebunden werden um Visionen und Innovationen voranzutreiben. Warten auf die Überprüfung ist insofern problematisch, weil sie rückwärts gerichtet ist. In einem bionischen Unternehmen, in dem Technologie viele Routineaufgaben erfüllt, sind Kreativität, Zusammenarbeit, ethisches und geschäftliches Urteilsvermögen sowie das Verständnis des Kontextes die wichtigsten menschlichen Beiträge. Führungskräfte eines bionischen Unternehmens müssen Schlagwörter wie «digital» und «Technologie» verstehen, nicht unbedingt als Technologen, sondern als Navigatoren und fortgeschrittene Nutzer. Sie müssen wissen, wie sie mutige Entscheidungen treffen und die Möglichkeiten der Technologie nutzen können, um ihre Führungsmodelle neu zu gestalten. Sie müssen ihre Glaubwürdigkeit durch Handeln aufbauen, was bedeutet, mit modernsten Werkzeugen und Arbeitsweisen zu experimentieren, anstatt auf älteren Methoden zu bestehen, weil sie «komfortabler» sind. Führungskräfte, die dies tun, werden einen Standard für technische Kompetenz setzen, der dem Unternehmen hilft, junge Talente anzuziehen, hochrangige Experten zu halten (auch «Alte») und das Unternehmen voranzubringen.

Während der Krise sind neue Führer entstanden
Im Beitrag vom 5. August 2020: «CEOs reflektieren Führung in gefährlichen Zeiten» von Peter Tollman, Martin Reeves, Judith Wallenstein, Phillip Cook, und Cheryl Berriman, BCG Boston Consulting Group, sammelten die Autoren Aussagen von Verantwortlichen wichtiger Unternehmen. Die Geschichte ist voller Anekdoten von Führungskräften, die sich der Herausforderung einer Krise stellen, und von solchen, die unter ihrem Gewicht zusammenbrechen. Mitarbeitende die sich in den letzten Monaten durch die Qualität ihrer Arbeit verdient gemacht haben, bilden eine neue Generation von Führungskräften. Die Anerkennung dieser Talente tief in der Organisation, ist ein Silberstreifen am Horizont der Krise. Ein CEO bemerkte: «Wir haben jetzt eine klare Sicht auf unsere Star-Leader sowie auf diejenigen, die sich der Herausforderung nicht stellen konnten. Es ist eine grossartige Gelegenheit herauszufinden, wer das Geschäft voranbringen kann.»

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«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Wir «Alten», Frauen und Männer, im Team auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen unsere Erfahrung mit Leidenschaft zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
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#181 – Künstliche Intelligenz – der heilige Gral

Wissen ist Macht?
Am 24. November 2019 interviewte der Journalist Olivier Berger den Hirnforscher Pascal Kaufmann in SRF Südostschweiz Standpunkte. Daraus entstand meine Frage: Was wäre, wenn wir die Erfahrung von uns «Alten» weltweit vernetzen würden um, zusammen mit dem Wissen der Jungen, Lösungen für anstehende Probleme zu finden. Anstatt jede Generation für sich, entstünden generationenübergreifende Projekte, die an bestehenden Erkenntnissen weiterbauen. Wir älteren Menschen verfügen über ein breites Spektrum von Kompetenzen. Diese zu Teilen, anderen zugänglich zu machen, widerspricht jedoch oft unserer Mentalität. Wir sind in einer Zeit sozialisiert worden, in der Wissen mit Macht gleichgestellt wurde. Grundschule für die Generation der Babyboomer war kontinuierliches Auswendiglernen. Fleiss, Disziplin und Autoritätsgläubigkeit garantieren dabei den Erfolg. Das Hirn als unendlich grosser Speicher von Wissen, das jederzeit abruf- und nach erlernten Regeln kombinierbar war. Hierarchisches Denken und lineare Abläufe waren die Basis für erste Computeranwendungen, die teilweise noch heute im Einsatz sind. In der Forschung wurde vernetztes Denken, ermöglicht durch die digitalen Kanäle, erst in jüngerer Zeit zum Thema.

Copyright: wired.com

Künstliche Intelligenz KI
Vor diesem Hintergrund gibt es viele Ideen zur Entwicklung künstlicher Intelligenz. Ganz nach der Vorstellung des menschlichen Hirns als riesige Festplatte, sollen selbstlernende Programme, Algorithmen und Roboter eines Tages unser Handeln unterstützen. Unendliche Wiederholungen, zum Beispiel das Merken (Auswendiglernen) von Tausenden von Katzenbildern, sollen es den Maschinen ermöglichen, aus dem Gespeicherten die richtigen Schlüsse zu ziehen. Dabei erkennt ein Kleinkind jede beliebige Katze nach seiner ersten Begegnung mit dem Tier.

Das Hirn ist keine Big-Data Maschine
Pascal Kaufmann gilt als das Enfant terrible in der Entwicklung der künstlichen Intelligenz. Im Gespräch mit dem «Südostschweiz»-Journalist Olivier Berger erzählt der Neurowissenschafter und Unternehmer, was ihn am menschlichen Denken fasziniert, was er im Innern von Gehirnen entdeckt hat und wieso künstliche Intelligenz (KI) eine bessere Welt schaffen kann. Sein Ziel ist es, den Hirn-Code zu knacken. Gemäss Kaufmann ist unser Hirn das komplexeste Organ das wir kennen. Wir wissen noch sehr wenig darüber. Wir verstehen heute erst etwa 2% des Gehirns aus biologischer Sicht. Von 100 Milliarden Hirnzellen können wir erst zwei bis drei davon gleichzeitig anschauen. Für ihn ist das Hirn kein Computer, das Funktionieren der Hirnzellen als Speichermedium ist nicht nachgewiesen. Daraus folgert er, dass die Fragestellung falsch ist: Das Hirn ist keine Big-Data Maschine, wir hören und verstehen sehr selektiv, halten also viele Daten von uns fern. Denken-Bewusstsein, simulieren der Umwelt oder Voraussehen sind Vorgänge im Gehirn für die wir noch keine Antwort haben.

Menschliche Intelligenz verbessern, nicht ersetzen
Dem eingangs erwähnten linearen Denkvorgang mangelt es an Vernetzung. Die Forschung fängt auch heute noch zu oft bei Null an, anstatt bestehendes Wissen weltweit zusammenzutragen. Man verlässt sich zu sehr auf die eigene Erfahrung und hütet vermeintliches Wissen in der Hoffnung, den Vorsprung nicht zu verlieren. Ob man diesen je hatte ist eine andere Frage. Pascal Kaufmann glaubt an die grosse Anzahl von Talent auf dieser Welt, das wichtige Fragen innert kurzer Zeit beantworten könnte. Er gründete 2010 zusammen mit Marc Vontobel am Labor für künstliche Intelligenz der Universität Zürich ein Kollaborationswerkzeug das 100’000 Forscher zu einem Superhirn vernetzen soll. Starmind soll die menschliche Intelligenz verbessern, nicht ersetzen. Wie damals, als das browserbasierte World Wide Web am Genfer CERN die weltweite Kommunikation zwischen Wissenschaftern ermöglichte, stellt Starmind selbstlernende Know-how-Netzwerke für Firmen zur Verfügung. Mittels Prinzipien der künstlichen Intelligenz analysiert ein Algorithmus Inhalt und Aktivität und leitet Fragen automatisch an Experten innerhalb der Firma weiter. Starmind kann sowohl über den Webbrowser als auch über Smartphones abgerufen werden und stellt die kollektive Intelligenz und das Fachwissen der Mitarbeitenden frei, um Produktivität, Innovation und Karriereentwicklung zu steigern. Fachexperten in verschiedenen Organisationen, greifen auf undokumentiertes Wissen zu und erstellen automatisch in Echtzeit Kompetenzprofile.

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#175 – Kompetenz auf dem Prüfstand

Arbeitslos mit 50 Jahren?
Im Zusammenhang mit der aktuellen Krise, so wird informiert, verlieren vermehrt ältere Menschen ihre Arbeit. Ob das stimmt ist auf Grund mangelhafter Statistik schwierig abzuschätzen. Gemäss Medienberichten haben Leute ab dem fünfzigsten Lebensjahr bereits Mühe, eine neue Stelle zu finden. Angesichts der Tatsache, dass wir dann noch 25 Jahre produktives Leben vor uns haben, stehen wir in der Verantwortung unsere Kompetenzen zu hinterfragen. Die Krise hat auch strukturelle Mängel in den Unternehmen offengelegt, diese werden vermehrt zum Umdenken gezwungen und suchen unter den Bewerbungen nach Fachkräften welche die Transformation mittragen. Dabei ist das biologische Alter eines Menschen nicht wirklich ausschlaggebend. Es gibt genügend Junge, welche in antiquierten Denkmustern verharren. Der Vorteil von uns «Alten» ist unsere langjährige Erfahrung, auch mit Krisen. Selber erinnere ich mich noch an die weltweite Ölkrise der 1970er Jahre oder als junger Student den Kohlearbeiterstreik in England, mit wochenlanger Stromknappheit als Folge – behördlich verordnete Nachtruhe um 22 Uhr, Zeitfenster für das Einkaufen bei gedimmtem Kunstlicht in Warenhäusern.

Wahlkampf in Serbien, coronabedingt per Videolink: SRF Tagesschau 20. Juni 2020

Die Zukunft gehört den Generalisten
Den meisten von uns wurde gelehrt, dass tiefes Fachwissen zu mehr Glaubwürdigkeit, schnellem Aufstieg und steigenden Einkommen führen wird. Die Alternative, für vieles offen zu sein, wird normalerweise als Spielerei abgetan, die keinen Mehrwert schafft. Bei Frauen spricht man abschätzig von Karriereknick im Zusammenhang mit der Babypause. Aber die Zukunft kann auch ganz anders sein: Weitsicht und die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen (die Domäne der Generalisten), sind wahrscheinlich ebenso wichtig wie die Tiefe des Fachwissens, Prozesse zu entwickeln (die Domäne der Spezialisten). Die heutige dynamische Komplexität zwingt uns, mit mehrdeutigen und schlecht definierten Situationen souverän umzugehen, diese vorausgesetzte Flexibilität verunsichert viele. Dazu ein oft zitiertes Sprichwort: «Für einen Mann mit einem Hammer sieht alles aus wie Nägel.» Was wäre, wenn dieser Mann einen Hammer, einen Schraubenzieher, einen Inbusschlüssel oder Klebstoff hätte? Könnte nicht schon das blosse Hinzufügen dieser Hilfsmittel ein besseres Verständnis des Problems fördern? Da Generalisten über eine Reihe von Werkzeugen verfügen, auf die sie zurückgreifen können, passen sie ihre Vorgehensweise dynamisch an, wenn sich eine neue Situation entwickelt. Denken wir als Beispiel an die stets neu definierten Verhaltensregeln zur Eindämmung der Pandemie über die letzten vier Monate.

Kluge «Alte» im Einsatz
Viele zukunftsorientierte Unternehmen oder Startups suchen nach multifunktionaler Erfahrung. Wir «Alten» verfügen auch über eine gute Portion Durchhaltewillen, Beharrlichkeit, Abgebrühtheit, vernetztes Denken und Begeisterungsfähigkeit. Diese persönlichen und individuellen Fähigkeiten, welche nur beschränkt geschult werden können, kombiniert mit einem Rucksack an (Lebens-)Erfahrung sind, zusammen mit neutraler Aussensicht, unser grösstes Kapital und machen uns für den Einsatz in gemischten Teams attraktiv. Der Altersbonus verschafft auch Glaubwürdigkeit. Dabei müssen wir offen sein gegenüber dem technischen Wissensvorsprung der Jungen und ihren flachen Hierarchien. In einem sich rasant verändernden Umfeld sind kluge Generalisten wichtig für den Erfolg. Die Schlüsselkompetenz der Zukunft ist nicht eine einzige Fähigkeit. Es ist vielmehr ein Ansatz, eine Philosophie und eine Denkweise – unabhängig vom biologischen Alter eines Menschen.

Ausgewählte Textpassagen aus einem Beitrag auf CNBC von Harvard lecturer Vikram Mansharamanir: ‘No specific skill will get you ahead in the future’—but this ‘way of thinking’ will, vom 15. Juni 2020.

Wir stehen zur Verfügung
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