Blog, Industrie 4.0

#368 – KI und die Erfahrung «Alter» Berater

Experimentieren und Selbstlernen sind die Treiber künstlicher Intelligenz KI
Wenn die künstliche Intelligenz viele Tätigkeiten mit Automatisierungspotenzial übernimmt, sind wir «Alten» besonders gefordert. Viele der über 60-jährigen unter uns verlieren ihre Stelle als Folge von Restrukturierungen. Einen neuen Job zu finden in einer Branche die wegrationalisiert wird, ist schwierig. Auch aus diesem Grund entscheiden sich viele «Alte» nach dem Stellenverlust für die Selbstständigkeit, die meisten als Berater. Doch wen beraten wir über was, in Anbetracht dieser rasanten technischen Entwicklungen und der immer kürzeren Halbwertszeit unseres Wissens? Viele KMU, die KI in ihren Arbeitsabläufen einsetzen, tun dies ohne formelle Schulung, auch dank leicht zugänglichen Informationen aus dem Internet. Die transformative Kraft der KI markiert den Beginn eines neuen Kapitels der Weiterentwicklung von Unternehmen, mit dem Potenzial, sämtliche Bereiche voranzutreiben und zu einem unverzichtbaren Werkzeug in allen Phasen des Prozesses zu werden. Wir neugierigen und informierten «Alten» teilen derweil unsere (Lebens-)Erfahrung im Team mit den «Jungen» und erarbeiten mit ihnen zusammen die Richtlinien, welche den Einsatz von KI regeln und sich mit Themen wie geistigem Eigentum, Qualitätssicherung und Transparenz befassen.

Die Visionen eines Visionärs
In seinem Papier mit dem Titel «KI ist dabei, die Art und Weise, wie wir Computer nutzen, völlig zu verändern und die Softwareindustrie auf den Kopf stellen» schrieb Bill Gates (68) am 9. November 2023 über den Einsatz von persönlichen Assistenten. Seit Paul Allen und er vor bald 50 Jahren Microsoft gründeten, hat sich die Software stark verbessert, ist aber in vielerlei Hinsicht immer noch ziemlich dumm. Um eine Aufgabe auf einem Computer auszuführen, muss man dem Gerät mitteilen, welche App es verwenden soll. Man kann Microsoft Word und Google Docs verwenden, um einen Geschäftsvorschlag zu entwerfen, aber diese können uns nicht dabei helfen, eine E-Mail zu senden, ein Selfie zu teilen, Daten zu analysieren, eine Party zu planen oder Theaterkarten zu kaufen. Und selbst die besten Webseiten verfügen über ein unvollständiges Verständnis über unsere Arbeit, unser Privatleben, unsere Interessen oder Beziehungen und sind dadurch nur begrenzt in der Lage, diese Informationen zu nutzen, um Dinge für uns zu erledigen. So etwas ist aktuell nur mit einem anderen Menschen möglich, etwa einem engen Freund oder einem persönlichen Assistenten.

Ansicht von Antoni Muntadas (82) Installation: The File Room, 1994, im Chicago Cultural Center, 1994. © Muntadas. Mit freundlicher Genehmigung: New Museum.

Vom persönlichen Assistenten zum KI-Agenten
In den nächsten fünf Jahren wird sich das völlig ändern, schrieb Gates. Wir müssen nicht unterschiedliche Apps für unterschiedliche Aufgaben verwenden, sondern sagen unserem Gerät einfach, in Alltagssprache, was wir tun möchten. Und je nachdem, wie viele Informationen wir teilen möchten, kann die Software persönlich reagieren, da sie ein umfassenderes Verständnis unseres Lebens hat. In naher Zukunft werden wir, sobald wir online sind, unseren persönlichen Assistenten haben, der auf künstlicher Intelligenz basiert, die weit über die heutige Technologie hinausgeht. Diese Art von Software – die auf natürliche Sprache reagiert und basierend auf dem Wissen über den Nutzer, viele verschiedene Aufgaben ausführen kann – wird als Agent bezeichnet. Seit fast 30 Jahren denkt Bill Gates über solche Agenten nach, die er 1995 in seinem Buch «The Road Ahead» beschrieben hat. Erst aufgrund der Fortschritte in der KI sind diese seit kurzem praxistauglich. Agenten werden nicht nur die Art und Weise verändern, wie wir mit Computern interagieren, sie werden auch die Softwareindustrie auf den Kopf stellen und die grösste Revolution im Computerbereich herbeiführen, seitdem wir von der numerischen Eingabe von Befehlen, zum Tippen auf Symbole übergegangen sind.

KI-Agenten sind keine Bots
Im Gegensatz zu Bots werden Agenten schlauer sein. Sie werden proaktiv funktionieren und Vorschläge machen können, bevor wir sie danach fragen. Sie werden Aufgaben anwendungsübergreifend erledigen. Sie werden sich mit der Zeit verbessern, weil sie sich an unsere Aktivitäten erinnern und Absichten oder Muster in unserem Verhalten erkennen. Auf der Grundlage dieser Informationen werden sie uns das bereitstellen, was wir ihrer Meinung nach benötigen, wobei wir selbst jedoch immer die endgültige Entscheidung treffen. Um beispielsweise eine Reise zu planen, identifiziert ein «Reisebot» lediglich Hotels, die zu unserem Budget passen. Ein KI-Agent weiss dagegen, zu welcher Jahreszeit wir reisen werden, und kann uns auf der Grundlage seines Wissens darüber, ob wir immer ein neues Ziel ausprobieren oder immer wieder an den gleichen Ort zurückkehren möchten, Orte vorschlagen. Der Agent empfiehlt auf unsere Bitte, Aktivitäten basierend auf unseren Interessen und bucht Reservierungen in den Restaurants, die uns gefallen würden. KI-Agenten werden in vier Bereichen einen besonders grossen Einfluss haben: Gesundheitswesen, Bildung, Produktivität sowie Unterhaltung und Einkaufen.

Produktivität
In diesem Bereich gibt es bereits viel Konkurrenz. Microsoft macht seinen Copilot zu einem Bestandteil von Word, Excel, Outlook und anderen Diensten. Ähnliches macht Google mit Bard und seinen Produktivitätstools. Diese Copiloten können viel tun – beispielsweise ein schriftliches Dokument in ein Foliendeck umwandeln, Fragen zu einer Tabellenkalkulation in natürlicher Sprache beantworten und E-Mail-Threads zusammenfassen und dabei den Standpunkt jeder Person vertreten. KI-Agenten werden noch mehr tun. Wenn wir einen besitzen, ist das so, als ob wir einen Menschen hätten, der uns bei verschiedenen Aufgaben hilft und diese auf Wunsch auch selbstständig erledigt. Wenn wir eine Geschäftsidee haben, wird uns der Agent dabei helfen, den Geschäftsplan zu erstellen, eine Präsentation und sogar Bilder davon erstellen, wie das Produkt aussehen könnte. Unabhängig davon, ob wir in einem Büro arbeiten oder nicht, unser Agent wird uns in gleicher Weise helfen, wie persönliche Assistent:innen heute Führungskräfte unterstützen. Kurz gesagt, Agenten können bei praktisch jeder Aktivität und in jedem Lebensbereich helfen. Die Auswirkungen auf das Softwaregeschäft und die Gesellschaft werden daher tiefgreifend sein.

Nemo (24), non-binär, gewann mit «The Code» den 68. Eurovision Song Contest, Bild BBC: 11. Mai 2024

Agenten werden zu neuen Plattformen
Android, iOS und Windows sind alles Plattformen. Agenten werden die nächsten Plattformen sein. Um eine neue App oder einen neuen Dienst zu erstellen, werden wir unserem Agenten einfach sagen, was wir brauchen. Dazu müssen wir nicht wissen, wie man Code schreibt oder Grafikdesign macht. Er wird in der Lage sein, den Code zu schreiben, das Erscheinungsbild der App zu entwerfen, ein Logo zu erstellen um die App in einem Online-Shop zu veröffentlichen. Die Einführung von GPTs (Generative Pretrained Transformers) durch OpenAI bietet einen Blick in die Zukunft, in der Nicht-Entwickler ganz einfach ihre eigenen Assistenten erstellen und teilen können. Agenten werden die Art und Weise beeinflussen, wie wir Software nutzen und wie diese geschrieben ist. Sie werden Suchseiten ersetzen, weil sie Informationen besser finden und für uns zusammenfassen können. Sie werden viele E-Commerce-Websseiten ersetzen, weil sie den besten Preis für uns finden und nicht nur auf wenige Anbieter beschränkt sind. Sie werden Textverarbeitungsprogramme, Tabellenkalkulationen und andere Produktivitäts-Apps ersetzen. Heute unabhängige Unternehmen – Suchmaschinenwerbung, soziale Netzwerke mit Werbung, Shopping, Produktivitätssoftware – werden damit zusammengeführt. Heutzutage sind Agenten in andere Software, wie Textverarbeitungs- und Tabellenkalkulationsprogramme eingebettet, aber irgendwann werden sie selbstständig arbeiten.

Die technischen Herausforderungen
Noch hat niemand herausgefunden, wie die Datenstruktur eines Agenten aussehen wird. Vektordatenbanken sind möglicherweise besser für die Speicherung von Daten, die durch Modelle des maschinellen Lernens generiert wurden. Eine weitere offene Frage betrifft die Anzahl von Agenten, mit denen Menschen interagieren werden. Wird unser persönlicher Agent von unserem Therapeuten-Agenten und unserem Mathe-Nachhilfelehrer getrennt sein, oder möchten wir, dass diese zusammenarbeiten. Noch gibt es kein Standardprotokoll, das es Agenten ermöglicht, miteinander zu kommunizieren. Ebenfalls eine Schlüsselfrage ist, wie wir mit unserem Agenten interagieren werden. Heute macht beispielsweise die Apple Watch akustisch und haptisch auf neue E-Mails oder Telefonanrufe aufmerksam. Unternehmen prüfen verschiedene Optionen, darunter Apps, Brillen, Anhänger, Anstecknadeln und sogar Hologramme oder räumliches Rechnen (Apple Vision Pro).

Die entsprechende Hardware
Bill Gates denkt, dass der erste grosse Durchbruch in der Interaktion zwischen Mensch und Agent, Ohrhörer sein werden. Im TED2024 Talk vom April 2024 (13:04), präsentierte der Ingenieur, Deeptech-Erfinder und Designer Jason Rugolo, Gründer und CEO von iyo, unter dem Titel «Welcome to the world of audio computers» einen Prototypen solcher Ohrstecker, die im Grunde Minicomputer sind. Wenn all dies zusammenkommt, werden die Fragen des Online-Datenschutzes und der Online-Sicherheit noch dringlicher, als sie es ohnehin schon sind. Wir möchten entscheiden können, auf welche Informationen der Agent Zugriff hat, damit wir sicher sein können, dass unser Daten nur mit den von uns ausgewählten Personen und Unternehmen geteilt werden. Auch ethische Fragen über den Sinn und Zweck von Ausbildung, oder die Interaktion mit Freunden und Familien müssten wir uns neu stellen, wenn unser Agent bereits alle Antworten hat. «Wir werden das Menschsein neu definieren», sagt Dr. David Gugerli (63), Professor für Technikgeschichte an der ETH Zürich, im Interview mit Daniel Di Falco in der NZZ vom 12. Mai 2024.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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#312 – KI, eine neue Ära beginnt

Generative KI künstliche Intelligenz als Chance für uns «Alte»
Der Verlust von Arbeitsplätzen durch die Fusion von zwei schweizer Grossbanken zeigt uns einmal mehr das Dilemma zwischen technologischem Fortschritt und unserer Abhängigkeit von Lohnarbeit (Recht auf Arbeit). In Extremsituationen ist es wenig hilfreich, über den Sinn solcher Arbeit zu diskutieren. Dennoch bleibt die Tatsache, dass wir auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel und die Stellung von uns «Alten» in der Arbeitswelt, aktuelle revolutionäre Technologiedemonstrationen, wie die Entwicklung der KI künstlichen Intelligenz, zu sehr ausblenden. Im Blog von Bill Gates (67), GatesNotes online, beschreibt er am 21. März 2023 unter dem Titel «The Age of AI has begun», das Zeitalter der künstlichen Intelligenz hat begonnen, wie er im September letzten Jahres mit GPT (Generative Pre-Trained Transformer) gerade den wichtigsten technologischen Fortschritt seit der grafischen Benutzeroberfläche erlebt hatte. Die Entwicklung der KI sei so grundlegend wie die Entwicklung des Mikroprozessors, des Personal Computers, des Internets und des Mobiltelefons. Diese wird die Art und Weise verändern, wie Menschen arbeiten, lernen, reisen, sich medizinisch versorgen und miteinander kommunizieren, stellt er fest.

Bild: GatesNotes, März 2023

Wettbewerbsvorteile oder kreative Zerstörung
Generative KI künstliche Intelligenz, wie zum Beispiel ChatGPT, hat das Potenzial, nahezu jede Branche zu revolutionieren – sie verspricht sowohl Wettbewerbsvorteile als auch kreative Zerstörung. François Candelon, Abhishek Gupta, Lisa Krayer und Leonid Zhukov von BCG Boston Consulting Group veröffentlichten dazu am 7. März 2023 ihren CEO-Leitfaden zur generativen KI-Revolution. Sie gehen davon aus, dass CEOs oder KMUs die wahrscheinlich weiter von der eigentlichen Technologie entfernt sind, möglicherweise unsicher sind über die nächsten Schritte. Die Priorität für Führungskräfte besteht jedoch nicht darin, vollständig in die Technologie einzutauchen. Stattdessen sollten sie sich darauf konzentrieren, wie sich die generative KI auf ihre Organisation und ihre Branche auswirkt und welche strategischen Entscheidungen es ihnen ermöglichen, Chancen zu nutzen um Herausforderungen zu bewältigen. Dazu fokussieren die Autoren auf drei Hauptbereiche:

🟡 Potenzial: Identifikation der Anwendungsfälle, welche ein Unternehmen differenzieren werden.
🟡 Menschen: Anpassen der Organisationsstrukturen und Vorbereitung von Mitarbeitenden für den Einsatz.
🟡 Richtlinien: Einrichten von ethischen Leitplanken und rechtlichen Schutzmassnahmen.

Jeder dieser Bereiche beinhaltet kurz- und langfristige Überlegungen – und viele unbeantwortete Fragen. Auch KMUs müssen sich auf den Moment vorbereiten, wenn ihre aktuellen Geschäftsmodelle obsolet werden. Im Beitrag machen die Autoren Vorschläge, für eine strategische Vorgehensweise. Kompetente, weise und erfahrene «Alte» im Team mit den «jungen Wilden» agieren bei der Umsetzung idealerweise als Mentoren, Coaches oder Sparringspartner.

Bild: GatesNotes, März 2023

Veränderungen machen Angst
Jede neue Technologie, die so disruptiv ist, wird die Menschen zwangsläufig beunruhigen, und das gilt sicherlich für künstliche Intelligenz. Schwierige Fragen werden aufgeworfen, über die Belegschaft, das Rechtssystem, den Datenschutz oder Vorurteile. KIs machen auch sachliche Fehler und erleben Halluzinationen. Bill Gates schlägt in seinem Beitrag einige Möglichkeiten zur Minderung der Risiken vor und beschreibt seine Definition von KI, welche dazu beitragen wird, Menschen bei der Arbeit zu stärken, Leben zu retten und die Bildung zu verbessern. Technisch bezieht sich in seinem Verständnis der Begriff künstliche Intelligenz auf ein Modell, das erstellt wurde, um ein bestimmtes Problem zu lösen oder einen bestimmten Dienst bereitzustellen. Was Dinge wie ChatGPT antreibt, ist künstliche Intelligenz. Diese lernt, wie man besser chattet, kann aber keine anderen Aufgaben lernen. Im Gegensatz dazu bezieht sich der Begriff allgemeine künstliche Intelligenz auf Software, die in der Lage ist, jede Aufgabe oder jedes Fach zu lernen. AGI (artificial general intelligence) existiert noch nicht – in der Computerbranche findet darüber eine heftige Debatte statt, wie man diese erstellt und ob sie überhaupt erstellt werden kann.

Bild: GatesNotes, März 2023

Der Traum von der allgemeinen künstlichen Intelligenz
Die Entwicklung von KI und AGI war der grosse Traum der Computerindustrie. Jahrzehntelang war die Frage, wann Computer etwas anderes als Berechnungen besser können als Menschen. Jetzt, mit der Ankunft des maschinellen Lernens und grosser Mengen an Rechenleistung, sind ausgefeilte KIs Realität und sie werden sehr schnell besser werden. Gates denkt dabei zurück an die Anfänge der Personal-Computing-Revolution, als die Softwareindustrie noch so klein war, dass die meisten Protagonisten auf dem Podium einer Konferenz Platz fanden. Heute ist es eine globale Industrie. Da sich ein grosser Teil davon jetzt der KI zuwendet, werden die Innovationen viel schneller kommen als das, was wir nach dem Durchbruch der Mikroprozessoren erlebt haben. Egal, ob Text, Datenbank oder Modell – weiterhin unerlässlich sind fachkundige und kompetente Menschen, die den Output kritisch prüfen und korrigieren. Eine erfolgreiche Digitalisierung fordert mehr als zuvor unsere zwischenmenschlichen und kommunikativen Fähigkeiten heraus. Wir «Alten» sind dank unserer Erfahrung und Reife eine grosse Hilfe in den Entwicklersteams, denn solche Programme müssen so einfach werden wie die Bedienung eines Smartphones um Erfolg zu haben.

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#251 – «Alte» in der Schweiz von morgen

«Was gestern war, muss morgen nicht sein»
Unter dem Titel «Impulse aus einer unparteiischen ökonomischen Ideenwerkstatt» der Herren Beat Brechbühl, Peter A. Fischer, Christoph A. Schaltegger und Kaspar Villiger ist am 24. Dezember 2021 in der NZZ-Verlagsbeilage «Reformideen für die Schweiz» ein Gastkommentar erschienen – Inhalt realisiert durch NZZ Content Creation in Kooperation mit der Bonny Stiftung für die Freiheit. Das Projekt «Liberale Reformideen für die Schweiz 2030» der Initianten soll nicht ein abgeschlossenes Reformprogramm und auch kein neues Weissbuch sein, sondern ein Beitrag zu einer liberalen Schweiz, die nicht nur von ihrer vergangenen Leistung zehrt, sondern auch in Zukunft zu den Erfolgreichen gehört. Damit die Schweiz auch 2030 noch prosperiert, sollte sie zu ihren Erfolgsfaktoren mehr Sorge tragen und ihnen zu neuem Schwung verhelfen. Auch wenn im Wettbewerbsfähigkeitsranking des Lausanner Institute for Management Development (IMD) die Eidgenossenschaft 2021 vor Schweden und Dänemark auf dem ersten Platz rangiert, muss das künftig nicht so bleiben, denn wer nur schon stehen bleibt, fällt zurück.

AIA American Institute of Architects, Gruppendiskussion 2021, branchenübergreifende Kooperation

Stärken stärken
Die Frage, ob die Schweiz auch gut gerüstet ist, um in Zukunft noch zu prosperieren treibt die Initianten und Mitwirkenden auf Grund sich mehrender Zweifel um. 2020 untersuchte das WEF (Weltwirtschafts Forum), wie unterschiedliche Staaten gerüstet sind, um aus der Corona-Krise gestärkt hervorzukommen. Nur beim Kriterium «Flexibilität des Arbeitsumfelds» taucht die Schweiz auf dem dritten Platz auf. Bei der Technologieadoption, den digitalen Fähigkeiten und dem rechtlichen Rahmen schafft sie es nicht einmal mehr unter die ersten zehn. Dabei hat gerade die Pandemie gezeigt, wie wichtig eine rasche Adoption neuer Technologien und privates Unternehmertum, trotz wuchernder Regulierungsflut, sind. Die oft eklatanten Ineffizienzen, die sich etwa im Gesundheitswesen, in der digitalen Infrastruktur, dem Tourismus, dem Bildungswesen oder auch in der Aussenwirtschaftspolitik manifestieren, werden hierzulande mit der finanziellen Giesskanne überdeckt.

Bildung und Arbeitsmarkt, eines von sechs Themengebieten
Die Initianten haben sechs Themengebiete identifiziert, von denen sie glauben, dass sie für die künftige Prosperität der Schweiz zentral sind: das Wissen und die Bildungschancen, die Generationengerechtigkeit beim Älterwerden, das Gesundheitssystem und seine Finanzierung, die Offenheit und Einbindung in die Welt, die Infrastruktur und Klimapolitik sowie die Resilienz und Reformfähigkeit der direktdemokratischen Institutionen. Für jedes Gebiet wurden zwei renommierte, wirtschaftspolitisch erfahrene Ökonominnen und Ökonomen gesucht, die sich gemeinsam und unentgeltlich über effektive Reformvorschläge Gedanken machen und die bereit waren, diese dann mit im jeweiligen Fachgebiet erfahrenen Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft und Gesellschaft zu diskutieren.

Rezept gegen den Fachkräftemangel?
Das Themengebiet Bildung und Arbeitsmarkt soll gemäss Stefan C. Wolter (56), Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF) und Conny Wunsch (45), Professorin für Arbeitsmarktökonomie an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel, eine Lösung zum drohenden Fachkräftemangel aufgrund der (Über-)Alterung der Gesellschaft und des technologischen Wandels aufzeigen. Die Autoren finden, dass alle Menschen, die hierzulande eine tertiäre Ausbildung absolvieren, für die von ihnen verursachten Kosten in Form einer nachgelagerten Studiengebühr selber aufkommen sollen. Zudem mögen sie ihre Studienwahl besser an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes ausrichten. Die Quintessenz ihrer Betrachtung ist, dass mehr Bildung mit Fokus auf den Arbeitsmarkt stattfinden soll. (Auf Kosten der Allgemeinbildung?). In einer Art «Planwirtschaft» sollen Anreize entstehen, welche die Wahl des Ausbildungsgangs, das Studienverhalten, die Perspektiven auf den Arbeitsmarkt und das eigene Erwerbsverhalten stärker reflektieren. Ein neues obligatorisches Schulfach «Studien- und Berufswahlkunde» soll angehenden Studierenden die Konsequenzen ihrer Entscheidungen aufzuzeigen. Informationen und standardisierte (staatliche?) Kompetenztests müssten demnach von einer neutralen zentralen Stelle zur Verfügung gestellt werden. Kein Wort über das vorhandene Potenzial an Erfahrung von uns «Alten» und wie dieses, nach dem «gesetzlichen» Pensionsalter, in gemischten Teams weiter genutzt werden könnte.

«Zukunft der Pensionierung» FokusTalk, 7. 12. 2021, Alexis von seniors@work & Rachel von FocusFuture

Wissen wir welche Berufe in zehn oder zwanzig Jahren noch relevant sind?
Rein ökonomische Betrachtungsweisen greifen jedoch viel zu kurz. Die Schweiz von morgen wird eine ganz andere sein. Innovationen und Wissensvorsprung können nicht staatlich verordnet werden. Sehr oft entwickeln sich junge Menschen mit zunehmender Reife in nicht vorhersehbare und schon gar nicht in staatlich quantifizierte Richtungen. Dass mit neuen Ideen auch neue Berufsbilder entstehen ist ein willkommener Nebeneffekt. Aaron Betsky, Direktor der Architektur- und Designschule am Virginia Tech, USA bemerkt im Hinblick auf Präsident Bidens Infrastrukturprojekt: damit die Regierung für die Zukunft etwas bewirken kann, muss sie Colleges und Handelsschulen gebührenfrei machen.

Elon Musk (50), wanderte mit 17 Jahren von Südafrika nach Kanada aus, wo er sich an der Queen’s University in Kingston einschrieb. Nach der Übersiedlung in die USA schloss er das Studium an der University of Pennsylvania in Philadelphia mit einem Bachelor in Volkswirtschaftslehre und Physik ab. 1995 wechselte er nach Palo Alto in Kalifornien und wurde 1995 an der Stanford University zu einem Ph.D.-Programm in Physik (Applied Physics and Materials Science) zugelassen. Nach nur zwei Tagen auf dem Campus beschloss Musk jedoch, das Studium aufzugeben und stattdessen das Unternehmen Zip2 zu gründen (weitere Gründungen seither: SpaceX, Tesla, The Boring Company oder PayPal). Im Business Standard Interview mit Lex Friedman, Forscher für KI künstliche Intelligenz, rät Musk jungen Leuten, so viel wie möglich zu lernen, zu Reisen und neue Menschen kennen zu lernen.

Der 1955 geborene Steve Jobs wuchs in Kalifornien auf. 1972 begann er ein Studium der Kalligrafie, also der Lehre des «schönen, sauberen Schreibens», das er aber sehr schnell wieder abbrach. Daraufhin begann er, Ingenieuren bei der Arbeit an Spielecomputern zu helfen. In der Garage seiner Adoptiveltern entwickelte er 1976 zusammen mit seinem langjährigen Freund Steve Wozniak den ersten offiziellen Apple-Computer. Der richtige Durchbruch gelang 1984, mit dem Apple Macintosh, einem ersten gesellschaftsfähigen PC für Normalbürger. Die Grafik, also bildliche Aufmachung des Computers, brachte auch Möglichkeiten für viele neue Berufsfelder.

Bill Gates‘ (66) grosse Leidenschaft lag in der Mathematik und der Wirtschaft. Nach Abschluss der Schule studierte er von 1973 bis 1975 Jurisprudenz in Harvard. Dort machte er auch die Bekanntschaft mit Steve Ballmer, der später zusammen seinem Schulfreund Paul Allen sein Geschäftspartner werden sollte. In Harvard entwickelte Gates eine Version der Programmiersprache «Basic» für den ersten Mikrocomputer «MITS Altair». Gates arbeitete bereits mit seinen Freunden in einer Garage in Albuquerque (New Mexico) an der Weiterentwicklung des schon bestehenden Altair Computers, und 1975 wurde dort die Firma «Microsoft» gegründet.

«kompetenz60plus.ch»
Mit unserer Erfahrung aus der analogen, zusammen mit Erkenntnissen aus der digitalen Welt, sind wir «Alten» gerne bereit, diese mit KMU’s oder im Team mit jungen Forschenden und Wissenschaftern auf Augenhöhe zu teilen. «kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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