Blog, Industrie 4.0

#425 – «Frisst» die Digitalisierung uns «Alte»?

Mit dem Wissen über die Herkunft, unsere Zukunft gestalten
Im Gespräch verzichten viele von uns «Alten» auf ein weiteres aktives, berufliches Engagement in einer Welt, die zusehends aus den Fugen zu geraten droht und in der unsere Ideale, die wir jahrelang verfolgt und gelebt haben, mehr denn je in den Hintergrund getrieben oder gar mit Füssen getreten werden. Wir bekunden Mühe im Umgang mit der aktuellen politischen Lage und empfinden einen Kontrollverlust in einer zusehends automatisierten Gesellschaft. Seit Corona hat sich vieles auf dieser Welt zum Teil grundlegend verändert. Unsere positive Einstellung gegenüber technologischen Entwicklungen, wie der künstlichen Intelligenz KI oder der Digitalisierung von Unternehmesprozessen, ist deshalb essenziell. Weiterbildung, Offenheit und Neugier sind Voraussetzung um den Anschluss nicht zu verlieren. Wir «Alten» helfen mit Weisheit, Gelassenheit, Erfahrung und Reife in gemischten Teams als Mentor:innen, Coaches oder Sparringspartner, ohne Angst zukunftsfähige Konzepte zu entwickeln.

Bass 2024: Steve McQueen (56), britischer Videokünstlers und Filmemacher im Schaulager Basel, anlässlich der Art Basel 2025

«Schweiz-5.0»: Altenrepublik statt Alpenrepublik
Im Austausch mit dem Herausgeber der Plattform SICHTWEISENSCHWEIZ.CH beschlossen wir, zusammen mit der künstlichen Intelligenz «Claude» von Anthropic, einige Aspekte zur aktuellen 60plus-Generation in der Schweiz zu hinterfragen. Entsteht hier vielleicht eine «Schweiz-5.0»: Altenrepublik statt Alpenrepublik. Inwiefern nutzt diese Generation überhaupt ihr Potenzial aus, oder liegen Ressourcen brach. In der Presse wird ohne zu hinterfragen kolportiert, dass Menschen bereits im Alter von 50 Jahren Mühe hätten, bei Jobverlust eine neue Anstellung zu finden. Die Recherche zeigt tatsächlich ein differenzierteres Bild als diese Darstellung. Die Gruppe der Ü50er macht 30 Prozent der Erwerbsbevölkerung in der Schweiz aus, und die Schweiz hat mit 2,0-2,5% eine der tiefsten Arbeitslosenquoten der letzten 20 Jahre. Dabei ist auffällig, dass spezifische Arbeitslosenstatistiken für die 50plus-Generation schwer auffindbar sind. Diese Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Realität gilt es zu beleuchten. Eine Generation mit enormer Erfahrung und Kaufkraft wird hier systematisch unterschätzt, wobei die Digitalisierung nur ein Aspekt unter vielen ist. Interessant ist ein Blick auf Innovationskraft, Unternehmertum im späteren Lebensabschnitt oder die Rolle als Wissensträger. Für uns «Alte» ist die Unterscheidung zwischen Wissen und Erfahrung zentral. Wissen ist explizit, dokumentierbar und übertragbar, altert aber schnell – was vor zehn Jahren in der IT galt, ist heute oft obsolet. Dagegen ist Erfahrung implizit und kontextgebunden. Sie entsteht durch das Durchleben von Situationen, das Scheitern und Wiederaufstehen, das Spüren von Mustern und Zusammenhängen. Sie beinhaltet emotionale Intelligenz, Intuition und die Fähigkeit, in unbekannten Situationen zu navigieren.

Bass 2024: Steve McQueen (56), britischer Videokünstlers und Filmemacher im Schaulager Basel, anlässlich der Art Basel 2025

Die Erfahrung der «Alten» wird unterschätzt
Das Wissen der 60plus-Generation mag teilweise veraltet sein – ihre Erfahrung ist es nicht. Wer mehrere Wirtschaftskrisen durchlebt hat, bringt eine andere Gelassenheit und Urteilsfähigkeit mit als jemand, der nur Wachstum kannte. Wer verschiedene Technologiewandel miterlebt hat, versteht die Mechanismen des Wandels selbst – auch wenn er die neueste App nicht bedienen kann. Unternehmen fokussieren oft auf aktuelles Wissen und übersehen die Erfahrung. Dabei ist es gerade die Kombination aus «jugendlichem Wissen» und gereifter Erfahrung der «Alten», die zu den besten Lösungen führt. Die 60plus-Generation bringt Kontextualisierung, Risikoeinschätzung und langfristiges Denken mit – Fähigkeiten, die in unserer schnelllebigen Zeit besonders wertvoll sind. Anstatt Wissen und Erfahrung gegeneinander auszuspielen, müssen wir es synergetisch nutzen. Die Generation-60plus ist fitter, gebildeter und aktiver als frühere Generationen in diesem Alter. Um das Potenzial einer ganzen Gesellschaftsschicht zu würdigen, müssen wir über reine Arbeitsmarktbetrachtungen hinausgehen.

Wo steht die Gesellschaft
Zu den gesellschaftlichen Fragen gehört, wie sich die Schweiz verändert, wenn die Babyboomer bis 2036 vollständig aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind. Wenn ihre erfahrensten Mitglieder systematisch marginalisiert werden und damit Innovationskraft verloren geht, weil diese Generation nicht als Ressource erkannt wird. Bereits 2016 schieden erstmals mehr inländische Arbeitskräfte aus dem Arbeitsmarkt aus als nachrückten – ein Trend, der sich verstärkt. Welche Mechanismen gibt es, um jahrzehntelange Erfahrung zu bewahren? Die wirtschaftliche Dimension umfasst den zukünftigen Konsum der Produkte und Dienstleistungen. Wir «Alten» verfügen über erhebliche Kaufkraft und andere Bedürfnisse als jüngere Generationen. Unternehmen, die auf «junge Zielgruppen» setzen, laufen Gefahr an einem grossen Teil des Marktes vorbei zu produzieren.

Bass 2024: Steve McQueen (56), britischer Videokünstlers und Filmemacher im Schaulager Basel, anlässlich der Art Basel 2025

Neue Lebensmodelle
Zum traditionelle Drei-Phasen-Modell (Ausbildung-Beruf-Rente), entwickelt die Generation-60plus neue Formen des gesellschaftlichen Beitrags. Viele von uns «Alten» sind gesünder und aktiver als frühere Generationen. Dazu braucht es eine intergenerationelle Gerechtigkeit, wo die verschiedenen Generationen voneinander lernen, statt sich gegenseitig zu blockieren. Eine Rolle spielt dabei auch eine differenzierte mediale Darstellung von «Generationenkonflikten», die alle Generationen als gleichwertige Akteure sieht – nicht nur als Kostenfaktoren oder Nostalgiker. Dafür muss auch der Stellenwert von Arbeit neu gedacht werden. Die 60plus-Generation lebt bereits in einer anderen Arbeitsrealität, aber die Gesellschaft denkt noch in alten Kategorien. Dazu gehört das tradierte Arbeitsverständnis der lebenslange Anstellung, klare Trennung zwischen Arbeits- und Rentenphase, Identität durch Beruf, Wert durch Produktivität gemessen. Dieses Modell stammt aus der Industriegesellschaft 3.0 und passt nicht mehr zur heutigen Lebenswirklichkeit. Wir «Alten» leben bereits Projektarbeit statt Dauerstellen, Sinnorientierung statt nur Einkommensfokus, flexible Übergänge zwischen verschiedenen Aktivitäten, ehrenamtliches Engagement als gleichwertige Tätigkeit, Wissens- und Erfahrungsteilung ohne klassische Hierarchien. Währenddessen in gesellschaftlicher «Blindheit» immer noch in «Erwerbsquoten» und «Arbeitslosenstatistiken» gemessen wird. «Alte» die ein Start-up beraten, drei Tage pro Woche Enkelbetreuung leisten und ehrenamtlich im Gemeinderat sitzen, gelten statistisch als «nicht erwerbstätig». Die 60plus-Generation zeigt bereits, wie es geht – unsere Gesellschaft muss jetzt lernen, dies gleich zu sehen und zu würdigen. Eine Gesellschaft 5.0, die Wertschöpfung neu definiert.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

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#392 – Weiterbildung – Arbeiten im Alter

Wie weiter nach einem erfüllten Berufsleben?
Vorher voll im Berufsleben, eingespannt, total absorbiert, erfolgreich, angehäuft mit einem immensen Wissen – und jetzt? Mit dem Stellenverlust oder der Pensionierung den ganzen Tag zu Hause. Es gibt zwar viel zu tun, aber trotzdem immer wieder diese Krisen. Ich bin überzeugt, dass viele von uns «Alten» sich mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert sehen. Die sich auch darin zeigen, dass unsere Kräfte und die Energie etwas schwinden und wir nicht mehr so belastbar sind, wie vielleicht noch vor ein paar Jahren. Tatsächlich ist es so, dass wir «Alten» viel schneller gereizt sind, weil uns unsere Mängel (shortcomings) in gewissen Situationen bewusst werden. Wie geht man damit um? Welche Wege gibt es? Was braucht es, dass man diese «Unterforderung» geschmeidig und ohne depressive Phasen meistern kann? Genussvoll und befriedigt alt werden ohne seine berufliche Vergangenheit komplett auszublenden zu müssen ist das Ziel. Beschäftigt sein, denn «Arbeit» ist für unser Wohlbefinden und unseren Selbstwert zentral.

Der Mehrgenerationen-Arbeitsplatz
Zum ersten Mal in der neueren Geschichte Amerikas interagieren fünf Generationen am Arbeitsplatz, sagte die Sozialpsychologin Leah Georges anlässlich ihrer Präsentation auf der Plattform TEDxCreightonU (11:25) im April 2018. Die Veteranen, die zwischen 1922 und 1943 geboren wurden, kurz darauf folgten die Babyboomer, geboren zwischen 1944 und 1960. Die Generation X gilt als verlorene Generation der Schlüsselkinder, die zwischen 1961 und 1980 geboren wurden, eingequetscht zwischen den Babyboomern und der grossen Generation Y, den Millennials, geboren zwischen 1981 und 2000. In den letzten paar Jahren überholten die Millenials die Generation X als die nun grösste Generation in der Arbeitswelt. Und bald gesellt sich Generation Z dazu, geboren seit 2000, unsere Praktikantinnen oder Gymnasiasten. Nun aber behauptet Leah Georges, dass es diese Generationen und die damit verbundenen Vorurteile gar nicht gibt. Wir haben mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede bemerkt sie aus ihrer Arbeit. Menschen wollen Arbeit, die zählt, und Flexibilität, sie wollen Unterstützung und Anerkennung und besseren Kaffee. Aber nichts davon gilt nur für eine Generation. Sie hat beobachtet, wie 80-Jährige SMS schreiben und 23-Jährige Decken häkeln. Wenn man Menschen in deren Einzigartigkeit trifft, dort in der Welt, wo nur sie stehen, sprechen wir nicht mehr über eine Generation. Wir sprechen über Jim, Jen oder Candice. Dann arbeiten wir eines Tages nicht mehr mit Generationen. Wir arbeiten mit Menschen. Um die Schönheit des Mehrgenerationen-Arbeitsplatzes zu verstehen, müssen wir, gemäss Leah Georges, die Leute nur da treffen, wo sie sind.

Weiterbildung, Weiterbildung, Weiterbildung
Im Kontakt mit Gleichgesinnten dreht sich die Konversation vielfach um die neuen Technologien und was zu tun ist, um den Anschluss nicht zu verlieren. Ganz wichtig ist eine positive Einstellung gegenüber diesen Entwicklungen und das Interesse, seine Erfahrung in eine Generationsübergreifende Zusammenarbeit einzubringen. Sich gegenüber technischen Transformationen wie künstlicher Intelligenz KI kritisch zu positionieren, soll nicht dazu führen diese zu ignorieren. Weiterbildung hilft, denn die aktuellen Veränderungen betreffen uns alle und die unterschiedlichsten Prozesse. (Mehr dazu: Boston Consulting Group BCG October 08, 2024). Gerade für uns «Alte» überwiegen die Vorteile von KI, weil sie uns in den verschiedensten Situationen hilft. KI unterstützt den Wissenstransfer, indem wichtige Erkenntnisse aus jahrelanger Berufserfahrung in durchsuchbare Datenbanken überführt werden. KI-Werkzeuge zeichnen Gespräche und Erfahrungsberichte auf und strukturieren diese automatisch. Damit ermöglichen wir jüngeren Kolleg:innen, jederzeit typische Fragen zu Problemen und Lösungen zu stellen, wobei das System durch Feedback ständig dazu lernt. Implizites wird in explizites Wissen umgewandelt, indem erfahrene «Alte», welche die «ungeschriebenen Regeln» und informellen Abläufe kennen, diese identifizieren und in offizielle Prozesse integrieren. Wir «Alten» bringen unser Fach- und Erfahrungswissen ein, während wir vom Verständnis moderner Technologien der «jungen Wilden» profitieren und die KI als «Übersetzerin» zwischen verschiedenen Arbeitsweisen fungiert. KI-Werkzeuge machen Organisationen resistenter gegen Wissensverlust, weil wichtiges Know-how nicht verloren geht, wenn ältere Mitarbeitende in Pension gehen.

Niki de Saint Phalle (1930-2002), französische Bildhauerin: Aus der Serie «Les nanas», 1960-er Jahre

Wissen braucht Erfahrung
Erfahrung ist «Vergangenheit», Wissen muss man sich immer wieder neu aneignen. Gerade heute «veraltet» unser Wissen ganz schnell. Unser Netzwerk wird immer weniger, weil frühere Kontakte in Pension gehen oder in Todesanzeigen erscheinen. Wissen und Erfahrung sind verwandte Konzepte, aber nicht dasselbe. Wissen bezieht sich auf das theoretische oder konzeptionelle Verständnis eines bestimmten Themas oder Gegenstands, während sich Erfahrung auf die praktische Anwendung dieses Wissens in realen Situationen bezieht. Für Jean-Philippe Hagmann, Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW und Autor von «Hört auf, Innovationstheater zu spielen!», ist das Wissen über das Nicht-Wissen einer der stärksten Motoren für die Innovation. Mit dem Wissen ist es etwas paradox. Das Streben nach Wissen ist gut. Wissen hingegen nicht. Wer nämlich etwas weiss, braucht nicht mehr zu lernen. Und wer nicht mehr lernt, bleibt stehen. Wer eingesteht, fast nichts zu Wissen, aber nicht aufhört, nach Wissen zu streben, entdeckt Neues. So werden Innovationen geboren. Eine Innovation ist immer etwas Neues. Schliesslich liegt dem Begriff das lateinische «innovare», also «erneuern» zugrunde.

Menschen über 60 mit Führungserfahrung
Wir «Alten» mit Eigenschaften wie Führungserfahrung, sozialer Kompetenz und kommunikativen Fähigkeiten müssen demzufolge unseren Erfahrungsschatz zusammen im Team und dem Wissen von talentierten Jungen zur Gestaltung des Zukünftigen einsetzen. Wird für eine beabsichtigte Stelle ein Manager gesucht, also eine Person, die ein kreatives Team leiten soll, sind Menschen über 60 mit Führungserfahrung, sozialer Kompetenz, kommunikativen Fähigkeiten und Fachwissen gefordert. Diese Eigenschaften haben nur begrenzt mit Talent und wesentlich stärker mit dem Erfahrungsschatz zu tun. Erfahrungen beschreiben schliesslich immer Vergangenes. Manager gestalten das Zukünftige und müssen für das Team inspirierende Coaches sein, die wissen, unter welchen Bedingungen Kreativität entstehen kann. Sie beherrschen die Sprache des Managements und halten dem «Innovationsteam» den Rücken frei gegenüber «Linienmanagern» oder Firmeninhabern.

Wichtiger Austausch auf Augenhöhe
Die Zahl der Seniorinnen und Senioren ab 80 Jahren wird sich von 460’000 im Jahr 2020 auf 1,11 Millionen in 2050 mehr als verdoppeln. Was machen Frauen und Männer in der Schweiz mit diesem Geschenk und was sind die Konsequenzen für Wohnen, Arbeitswelt, Bildung und Politik? Der Austausch auf «Augenhöhe» mit jüngeren Menschen (auch Vorgesetzten) wird mit zunehmendem Alter immer schwieriger, da man ja schon alles erlebt hat (so haben wir das immer gemacht). Wir «Alten» werden auch aus diesem Grund nicht überall geschätzt. Wir sind weniger flexibel, klammern uns an Abläufe, die uns gewohnt sind. Als Mentor:innen besteht für uns eine Möglichkeit mit jungen Menschen im Kontakt zu bleiben und auch Neues zu lernen. Damit beugt man Depressionen vor, wie das unnötige Fokussieren auf seine Situation als alter Mensch in einer Gesellschaft wo die Jungen den Takt vorgeben.

«Alte» auf Zeit
Ältere «Patrons» von KMU sind oft froh, sich mit jemandem auszutauschen der schon ähnliches wie sie erlebt hat. Wir «Alten» wurden in den letzten 40 Jahren mit tiefgreifenden Veränderungen konfrontiert, haben diese auch mit geprägt und verfügen über nützliche Erfahrung. Wir sind unabhängig und bereit für den sofortigen Einsatz ohne lange Einarbeitungszeit. Sei es als Hilfe bei der Erstellung eines Businessplans, beim Überbrücken von Führungsvakanzen, zur Unterstützung der Projektleitung bei dünnem Personalbestand oder in der Mediation von Konflikten. Wir bieten Hilfe für kleinere und mittlere Betriebe bei temporären Engpässen, unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Wir sind zwar nicht mehr im Zenit unseres Könnens, aber wohl im Zenit unserer Erfahrung und freuen uns, diese weiterhin konstruktiv einbringen zu können.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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#340 – Veraltetes Wissen – Erfahrene «Alte»

Zusammenarbeit mit KI künstlicher Intelligenz
Das Gelernte veraltet immer schneller: Die durchschnittliche Halbwertszeit von Qualifikationen liegt heute bei weniger als fünf Jahren, im digitalen Bereich sind es sogar nur ein bis zwei Jahre. Die für den «Future of Jobs Report 2023» des World Economic Forum befragten Firmen prognostizieren, dass 44 Prozent der Fähigkeiten ihrer Angestellten in den nächsten fünf Jahren Disruptionen unterworfen sein würden. Und weil künftig immer mehr Menschen mit KI-Modellen zusammenarbeiten werden, nimmt die Bedeutung bestimmter Fähigkeiten wie kritisches Urteilsvermögen, ein ethischer und moralischer Kompass sowie Freude am Denken zu. Neugierige und erfahrene «Alte» auf Augenhöhe im Team mit den «jungen Wilden» und ihrem Wissen scheint mir dabei ein logischer Ansatz. Neugier bedeutet auch: Fehler machen zu dürfen, unvoreingenommen zu sein, neuartige Fragen zu stellen, Dinge kritisch zu hinterfragen, thematisch tiefer zu gehen, über den Tellerrand hinauszuschauen, Spass am Lernen haben und sich auf Neues einzulassen, unabhängig vom biologischen Alter.

Der Imperativ der generativen KI-Änderung
«Wie Menschen mit generativer KI Werte schaffen oder auch zerstören können» ist der Titel des Beitrags vom 21. September 2023, BCG Boston Consulting Group, zum Umgang mit KI künstlicher Intelligenz von François Candelon, Lisa Krayer, Saran Rajendran, and David Zuluaga Martínez. Wir haben noch keine Daten, schreiben die Autoren, um die Wahrnehmungen unserer Teilnehmenden am Experiment zu bestätigen, dazu braucht es weitere Untersuchungen. Es zeigte sich jedoch, wie ungefähr 70% von ihnen glauben, dass die umfassende Nutzung von GPT-4 (die Weiterentwicklung von ChatGPT) ihre kreativen Fähigkeiten mit der Zeit beeinträchtigen könnten. Wenn Menschen sich zu sehr auf eine Technologie verlassen, verlieren sie Fähigkeiten, die sie einmal hatten. Als GPS erstmals auf den Markt kam, half es der Navigation immens, aber heute können wir uns fast nicht mehr ohne GPS orientieren. Unternehmen müssen sich darüber im Klaren sein, welche Wahrnehmungen und Einstellungen ihre Mitarbeitenden zur generativen KI haben und wie sich diese auf ihre Fähigkeit auswirken könnten, Innovationen voranzutreiben und Mehrwert zu schaffen.

Installation «Mailchimp’s Email is Dead»: The Design Museum, London, Oktober 2023. Bild: Richard Heald.

Verfeinerte Datenstrategie zur Differenzierung
Die Stärke von GenKI liegt oft in der Identifizierung unerwarteter – sogar kontraintuitiver – Muster und Zusammenhängen. Um von diesen Vorteilen zu profitieren, benötigen Unternehmen eine umfassende Datenpipeline, mit Fokus auf die Entwicklung interner Data-Engineering-Fähigkeiten, um diese zu erstellen. Denn wenn mehrere Unternehmen die Technologie auf ähnliche Aufgabenbereiche anwenden, kann dies zu einem Nivellierungseffekt zwischen den Organisationen führen. Die Muster ähneln sich. Um sich zu Differenzieren braucht es die Fähigkeit, generative KI-Modelle mit grossen Mengen an hochwertigen, unternehmensspezifischen Daten zu verfeinern, folgern die Autoren.

Rollen und Arbeitsabläufe
Für Aufgaben, die von generativen KI-Systemen beherrscht werden, müssen Menschen ihre Denkweise und ihre Arbeitsweise radikal verändern. Statt der Standardannahme, dass die Technologie einen hilfreichen ersten Entwurf erstellt, der überarbeitet werden muss, sollten die Menschen das Ergebnis als einen plausiblen endgültigen Entwurf betrachten, den sie anhand fest etablierter Leitplanken prüfen, ansonsten aber weitgehend so belassen sollten. Anstatt Recherchen manuell zusammenzufassen oder Folien zu polieren, entsteht mehr Zeit für wichtige Aufgaben, die jenseits der Grenzen dieser Technologie verbleiben. Das bedingt auch Gedanken zu den benötigten Fähigkeiten für die Auswahl der Mitarbeitenden. Die viel zitierten «Prompt-Ingenieure» werden möglicherweise nicht mehr benötigt, sobald die generative KI selbst die Aufgabe gemeistert hat, komplexe Probleme in optimale Prompts zu zerlegen. Was derzeit nicht der Fall ist, könnte in naher Zukunft an KI-Systeme selbst ausgelagert werden, spekulieren die Autoren der Studie.

KI künstliche Intelligenz – StableDiffusion/ by https://www.reddit.com/user/screean/, 6. Oktober 2023 reddit

Kompetenz hilft den Talenten
Talent allein ist möglicherweise nicht der einzige Indikator für hohe Leistung in einer Welt weit verbreiteter GenKI-Nutzung. Beispielsweise Menschen, die über eine geringere Grundkompetenz für gewisse Aufgaben verfügen, werden in der Zusammenarbeit mit generativer KI befähigt, bestimmte Anforderungen zu übertreffen. Das Ziel zukünftiger Talentstrategien ist es, solche Personen zu finden, selbst wenn die jeweiligen Stellenbeschriebe noch nicht klar definiert sind. Auch wenn bestimmte Aufgaben vollständig an GenKI übergeben werden, braucht es ein gewisses Mass an menschlicher Aufsicht. Speziell wenn jüngere Mitarbeitende eine Technologie für Aufgaben verwalten müssen, die sie selbst nie erlernt haben, hilft die Kompetenz von uns «Alten».

Weniger kollektive Kreativität, grösserer Ideenkreis
Die Ergebnisse der BCG-Studie deuten darauf hin, dass GenKI die kollektive Kreativität beeinträchtigt, indem sie die Bandbreite von Perspektiven einschränkt, welche Einzelpersonen einbringen, auch wegen mangelndem Vorstellungsvermögen. Die gute Nachricht ist, dass die Ideen, die Menschen selbst generieren, und die Ideen, die sie mithilfe generativer KI generieren, sehr unterschiedlich sind und in der Kombination zu einem noch grösseren Ideenkreis führen. Generative KI wird wahrscheinlich einiges von dem, was wir tun und wie wir es tun, verändern, und zwar auf eine Weise, die niemand vorhersehen kann. Der Erfolg im Zeitalter von GenKI wird weitgehend von der Fähigkeit eines Unternehmens abhängen, schneller als je zuvor zu lernen und sich zu verändern.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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