Blog, Industrie 4.0

#259 – Post-pandemischer Kulturwandel

Die Umgestaltung der DNA von Unternehmen
Wiederholt fragen mich Leute, weshalb es neben den unzähligen kommerziellen Job-Plattformen noch das Biotop «kompetenz60plus.ch» für über 60-jährige brauche. Da auf dieser Plattform nur ehrenamtliche, unbezahlte Jobs vorkommen, sehe man keinen Grund für deren Existenz. Nur ist «kompetenz60plus.ch» per se keine Job-Plattform, sondern ein Sammelbecken für kompetente Senioren, Mentoren, Sparringpartner, Beratende oder Coaches, die sich durch Weiterbildung aktiv an der Diskussion um die Zukunft beteiligen. Wer ist schon bereit, hohe Stundenansätze für beratungsresistente Berater zu bezahlen, die sich lediglich an der Vergangenheit orientieren. Das Ökosystem «kompetenz60plus.ch» ist ein Netzwerk von uns, für uns und kein «gemachtes Bett». Persönlichkeit ist wichtiger als das chronologische Alter. So gesehen ist «kompetenz60plus.ch» die gebündelte Erfahrung und gemeinsame Intelligenz von agilen «Alten», verfügbar im aktuellen Transformationsprozess, zur geplanten Umgestaltung der DNA von Unternehmen.

Erfahrung als Folge zunehmendem Alters
Ähnlich einer Visitenkarte, bietet «kompetenz60plus.ch» eine Möglichkeit um Kontakte zu knüpfen, notabene mit Menschen oder Unternehmen, die sonst nie auf uns aufmerksam würden. Wir «Alten» dürfen uns nicht an der ehrenamtlichen Komponente stören, die auch als Auftakt für weiterführende Aufgaben dienen kann. Unser unbestreitbar grösster Vorteil ist die gemachte Erfahrung, die nur mit dem Alter zu erreichen ist. Bekanntlich gibt es keinen «Master in Erfahrung». Wichtig bleibt deshalb das lebenslange Lernen, die Neugier, unsere Ausdauer und die Fähigkeit zur geschichtlichen Einordnung von Konzepten. «kompetenz60plus.ch» kombiniert unsere Erfahrung aus der analogen, mit den Erkenntnissen der digitalen Welt. Wir «Alten» sind gerne bereit, diese mit KMU’s oder im Startup-Team mit jungen Forschenden und Wissenschaftern auf Augenhöhe zu teilen.

Stuttgart 21, Stützkelche des unterirdischen Bahnhofs 2022, aus World Architects. Foto: Jannik Walter

Führungsagenda 2022
Nach dem Wegfall von physischen persönlichen Interaktionen, welche im Arbeitsalltag unser Wohlbefinden für annähernd zwei Jahre negativ beeinflussten, freuen wir uns über die wiedergewonnene «Freiheit», die es uns erlaubt in vielen multidimensionalen, sich entwickelnden und überlappenden Herausforderungen einen aktiven Beitrag zu leisten. Dazu drei Themengebiete aus dem aktuellen BCG – The Boston Consulting Group Newsletter, die ganz oben auf der «Führungsagenda 2022» für KMU stehen sollten.

KI – Unternehmen für hervorragende Leistungen positionieren
Gemäss Francois Candelon, Managing Director & Senior Partner; Global Director, BCG Henderson Institute Paris, befinden wir uns an einem wichtigen Wendepunkt in der künstlichen Intelligenz (KI). Die «Patrons» von KMU wissen das und wären auch bereit ernsthafte Investitionen zu tätigen, nur wissen sie nicht wirklich, was sie damit anfangen sollen. Vier grundlegende Fähigkeiten machen KI aussergewöhnlich leistungsfähig: KI kann riesige Datenmengen in Echtzeit verarbeiten, kontinuierlich und selbstständig dazulernen und sich verbessern. In effektiver Kombination mit menschlichem Urteilsvermögen und Kreativität kann KI nahezu jeden Geschäftsprozess und jedes Betriebsmodell revolutionieren. KI ist eine mächtige Technologie, aber sie ist eben nur eine Technologie. Es erfordert menschliche Aufsicht, Neugier und Ausdauer, aber auch die Erfahrung von uns «Alten», um sicherzustellen, dass Entwickler und Führungskräfte KI verantwortungsvoll und im Einklang mit bestimmten Werten einsetzen und das volle Potenzial und die Risiken von KI verstehen.

Mitarbeitende, Wert eines Unternehmens
Unternehmen müssen ihre Beziehungen zu ihren Mitarbeitenden überdenken und neu Kalibrieren um die Abwanderung von Talenten zu verhindern, schreibt Deborah Lovich, Managing Director & Senior Partner Boston. Sie glaubt an die Loyalität der Menschen in einer Organisation. Aber Mitarbeitende suchen mehr als nur einen Job oder eine Karriere. COVID-19 hat uns klar gemacht, dass wir nicht leben wollen, um zu arbeiten. Wir wollen arbeiten um zu leben. Daher möchten wir, dass unsere Arbeit eine bessere Vergütung, mehr Flexibilität und eine tiefere Verbindung zu Kolleg:innen, Führungskräften und Firmenzielen bietet. Die besten Mitarbeitenden müssen über genügend Entscheidungsfreiheit und Ressourcen verfügen, um ihren Beitrag aufzuwerten. Hier können wir «Alten» als Mentoren oder Coaches mit unserer Erfahrung vermitteln. Bildung, Weiterbildung und Umschulung sind von entscheidender Bedeutung, da die Technologie die erforderlichen Fähigkeiten fortlaufend ändert.

Innovationen vorantreiben – Sprint versus Marathon
Der Wettbewerb um die Innovationsgeschwindigkeit sollte für 2022 eine dringende Priorität sein, finden Karalee Close, Managing Director & Senior Partner; Global Leader, Technology Advantage Practice London. KMU-Verantwortliche staunten lange Zeit wie die «Digital Natives» es schaffen, so schnell innovativ zu sein und sie nicht. Dann kam die COVID-19-Pandemie, und die Notwendigkeit für neue Ebenen der Innovation wurden geschaffen. Innerhalb weniger Monate lernten Unternehmen, wie man online Geschäfte abwickelt und als Team aus der Ferne zusammen arbeitet. Wirtschaftsführer rissen traditionelle Barrieren nieder, arbeiteten über funktionale Silos hinweg, um Innovationen voranzutreiben. Im Wesentlichen haben wir gesehen, dass sich traditionelle Marktteilnehmer fast wie Digital Natives verhielten. Auch agile «Alte» arbeiten auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden» in Teams, um Innovationen nicht in Zyklen von Jahren, sondern in Monaten und sogar Wochen zu entwickeln. Mit modernen Ansätze für Technologie und Daten sowie Änderungen in Prozessen und Arbeitsweisen treiben sie kontinuierlich Innovationen voran und sind um einen echten Kulturwandel bemüht. Mittels kleiner Schritte in kleinen agilen Teams soll der «Funke» der digitalen Transformation auf die gesamte Wertschöpfungskette des Unternehmens übergreifen.

«kompetenz60plus.ch»
Mit unserer Erfahrung aus der analogen, zusammen mit Erkenntnissen aus der digitalen Welt, sind wir «Alten» gerne bereit, diese mit KMU’s oder im Team mit jungen Forschenden und Wissenschaftern auf Augenhöhe zu teilen. Suchen Sie einen Mentor, eine Mentorin oder Coach, «kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger

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#173 – Weiterbildung im Wettbewerb

Handwerk und Digitalisierung
Stunden habe ich in der Werkstatt meines Vaters verbracht. Habe gelernt, welches Werkzeug für welches Material und dessen Bearbeitung geeignet ist. Als Architekt konnte ich immer wieder von dieser Erfahrung profitieren, auch wenn sich Materialien und Werkzeuge zwischenzeitlich sehr verändert haben. Gerade das Beispiel Bauwesen zeigt, wie dieses sich von einem Handwerk zunehmend in eine Industrie wandelt. Menschen, die technisch im letzten Jahrhundert stecken geblieben sind und die aktuellen Entwicklungen nicht sehen wollen, bereitet diese Tatsache grosse Mühe. In meinem ganzen Berufsleben konnte ich mich dank dieser «analogen Erfahrung», vorbehaltlos mit den Vorteilen digitaler Technologien beschäftigen und bin noch heute beratend tätig. Dies ermöglicht mir einen guten Überblick über die neuesten Entwicklungen in der Bauwirtschaft. Wir «Alten» profitieren bei der Umsetzung digitaler Prozesse vom technologischen Wissen und der Begeisterung der «jungen Wilden» und vermögen vermeintliche Fortschritte geschichtlich und global einzuordnen.

Technisches Zeichenbüro USA, ca. 1960er Jahre, bevor AutoCAD

Kompetente «Alte» im Team überbrücken Engpässe
Die gegenwärtige Krise zeigt einmal mehr, wie ältere Arbeitnehmende, aber auch ältere Patrons von KMU, mit veränderten Wettbewerbsbedingungen zu kämpfen haben. In der Sendung «Arena» vom 5. Juni 2020 des Schweizer Fernsehens wurde der Stellenverlust trotz Weiterbildung von über 50-jährigen diskutiert. Nicht thematisiert wurden der Zusammenhang zur (relativ kurzen) Erstausbildung (frühe Kategorisierung der Menschen), mit dem Selbstbild und der mangelnden Flexibilität von vielen Arbeitnehmenden. Gesellschaftlich-Kulturell bedingt sind Alternativen zur aktuellen Berufssituation für eine Mehrheit nur beschränkt denkbar. Dieses Silodenken ist nicht abhängig vom biologischen Alter eines Menschen, davon sind Junge und Alte gleichsam betroffen. Ältere verfügen dagegen oft über eine gute Portion Weisheit, gesammeltes Wissen wird als Erfahrung «Be-Greifbar» (Geschichtsbewusstsein). Die vielleicht grösste Kompetenz von «Alten» ist deren Verstand und die Aussensicht. Kompetente «Alte» sind deshalb gerne bereit, zur Bewältigung von temporären Personalengpässen, ihre Fähigkeiten auf Augenhöhe im Team mit Jüngeren zu teilen, ohne kostspielige Beraterverträge mit ungewissen Erfolgsaussichten.

Veränderung des Kundenverhaltens
Der Markt hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert. Bisher wenig bekannte Firmen, aber auch grosse etablierte Konzerne, gehen Kooperationen ein, um gemeinsam die gesamte Wertschöpfungskette abzudecken. Dieses vernetzte Denken und das veränderte Kundenverhalten bereitet vielen Älteren noch Mühe, obwohl wir die Auswirkungen im Alltag hautnah erleben. Dass zum Beispiel Amazon, ursprünglich bekannt als online Buchhändler, heute eine Plattform für fast alle Konsumgüter bereitstellt, Serverlösungen (Cloud) anbietet oder vollautomatisiertes und bargeldloses Einkaufen in eigenen Läden (amazon Go) 24/7 anbietet, war vor ein paar Jahren nur schwer vorstellbar. Diese Entwicklung hat viele Firmeninhaber im «Schlaf» überrannt. Hunderttausende gescheiter Menschen arbeiten weltweit Tag und Nacht an solchen Modellen. Digitale Test-Marktplätze (Marktvalidierungen) ersetzen dabei die traditionellen Umfragen, denn wir Konsumenten wissen meist gar nicht was wir wollen, bis etwas auf dem Markt erscheint. Niemand aus der «BlackBerry und Palm-Gemeinde» konnte sich damals eine Alternative zum eigenen Produkt ausmalen, bis Apple-Gründer Steve Jobs vor 13 Jahren das iPhone mit seiner berührungsempfindlichen Oberfläche vorstellte.

(Schnelles) Scheitern sei erlaubt
Genauso konnte sich 1991 (fast) niemand vorstellen, dass aus dem ursprünglichen Browser im World Wide Web von Sir Tim Berners-Lee, unzählige Plattformen für soziale Medien entstehen könnten. Das gilt auch für noch bevorstehende Entwicklungen im Zusammenhang mit der 5G-Technologie und dem Internet der Dinge. Die Beispiele sollen illustrieren, wie vermeintlich nachhaltige Evolutionen im Kerngeschäft durch revolutionäre Ideen von aussen (oder innen) fundamental gestört werden (Disruption). 72% der CEOs in einer weltweiten Studie glauben, dass die nächsten fünf Jahre kritischer für ihr Geschäft sein werden als die letzten 50 Jahre zusammen (Forbes, 2019). Für uns «Alte» eröffnen sich hier neue Tätigkeitsfelder, dank unserer Erfahrung, unserem Enthusiasmus und Ausdauer. Denn in der Regel haben wir unsere Fähigkeiten durch «Arbeiten» erlernt und nicht nur durch das Lesen darüber. Wir verfügen deshalb über Empathie mit traditionellen Unternehmen, auch eine gewisse Grosszügigkeit und Abgebrühtheit bei der Entscheidungsfindung. Viele von uns sind offen für Neues und bereit, flexibel in alternativen Strukturen zu arbeiten.

Leidenschaft und Erfahrung von «Alten» als Ressource
«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. «Alte», Frauen und Männer, im Team auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen ihre Erfahrung mit Leidenschaft zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger