Blog, Industrie 4.0

«Okay, Boomer»

«Alte als Kompass im aktuellen System?»
Auch wenn sich 99% der Empfänger meines wöchentlichen Blogs nicht zu Wort melden, weiss ich aus persönlichen Begegnungen, dass dieser positiv wahrgenommen wird. Ganz besonders freue ich mich über solche Rückmeldungen: «Guten Morgen Werner – Vielen Dank für deinen anregenden Blog-Beitrag https://kompetenz60plus.ch/schnittstelle-jung-alt/ Respekt ! In einer Welt, wo es noch keine zuverlässigen Kristallkugeln gibt, sind Kompass und Landkarten sehr wertvolle Hilfsmittel zur Orientierung :-)»

Das Alter ist kein valabler Kündigungsgrund
Arbeitsverträge, die dem schweizerischen Obligationenrecht (OR) unterstehen, sind relativ leicht kündbar. Ältere Arbeitnehmende allein aufgrund ihres Alters zu entlassen, wäre jedoch missbräuchlich. Arbeitgebende sind deshalb gehalten, zunächst nach alternativen Lösungen zu suchen, mit dem Ziel eine Kündigung zu vermeiden. Was jedoch, wenn sich die Älteren partout dem Dialog mit der jüngeren Generation verweigern, alles besser wissen, sicht- und spürbare Veränderungen nicht wahrhaben wollen. Die Digitalisierung ist kein Trend, sondern eine weitere industrielle Revolution, die noch am Anfang steht. Die meisten Geschäftsmodelle funktionieren sowohl physisch wie auch digital und die grosse Herausforderung liegt vorderhand darin, die beiden Seiten miteinander zu verbinden.

Berufsbilder werden verschwinden und neue entstehen
Im Interview mit Walter Hagenbüchle, NZZ vom 28.11.2019, äussert sich der Laufbahnberater Pascal Geissbühler zur Veränderung der Arbeitswelt durch künstliche Intelligenz: «Sie wird alle vorhersehbaren, linearen Tätigkeiten weiter automatisieren und uns bei der Entscheidungsfindung unterstützen. Sie wird uns aber nicht komplexe Problemlösungsfertigkeiten abnehmen. Das Kreative und das Soziale bleiben vorerst menschliche Fähigkeiten. Anders gesagt: das Zuhören, Zweifeln, Improvisieren, Fragenstellen, das Entscheiden in Ungewissheit.» Er ist jedoch überzeugt, dass alle vorhersehbaren Tätigkeiten betroffen sind. Berufsbilder werden verschwinden und neue entstehen, im Bereich der neuen Technologien und vor allem an den Schnittstellen, wo Technologien auf traditionell «physische» Profile treffen. Daneben bleiben klassische Berufsbilder weiterhin im Spiel, wie etwa Coiffeur oder Koch. Also Berufe, die ein gutes Handwerk und hohe psychomotorische Kompetenzen verlangen. Neue Berufe werden rund um die Kreislaufwirtschaft, im Energiesektor oder im Zusammenhang mit Umwelt- und Migrationsfragen entstehen.

«Okay, Boomer»
Das sagen junge Leute, wenn sie ein Argument von Älteren (Babyboomern) nicht akzeptieren. Es braucht Gesprächsbereitschaft und Einsicht auf beiden Seiten. Die Optionen für uns «Alte» sind vielleicht eine Weiterentwicklung, eine Umschulung oder ein Neustart auf Augenhöhe. Dazu gehört unbedingt, unseren Willen für eine Veränderung zu signalisieren. Das aktuelle Wissen und die Energie der Jungen, gepaart mit unserer Erfahrung soll uns antreiben, zusammen im Team weiterhin die Zukunft gestalten.

Persönliche Standortbestimmung
Die persönliche Standortbestimmung muss folgende Fragen klären: Was sind meine spezifischen Bedürfnisse und Motivatoren? Welche Stärken kann ich unter Beweis stellen, die sich auf andere Tätigkeiten übertragen lassen? Worin kann ich mich weiterbilden? Dazu gehört auch die Frage: Was ist mein Netzwerk, welche direkten und indirekten Kontakte bestehen? Die gute Nachricht ist, dass auch eine digitalisierte Berufswelt uns «Alte» mit unseren Erfahrungen braucht. Der Kompass hat noch nicht ausgedient.

Kompetente «Alte» gesucht
Zwar fehlt uns vielleicht das Wissen zum aktuellen Stand der Technik, doch dank unserer (Lebens-)Erfahrung sollten wir uns aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen. Auf Augenhöhe mit den Jungen und einer gewissen Bescheidenheit, ohne Besserwisserei. Genaueres zur Plattform «kompetenz60plus.ch» erfahren Sie im doppelseitigen Beitrag von Anfang Jahr in der Schweizerischen Gewerbezeitung oder im Videoclip (3:43′) «FokusKMU» für das Lokalfernsehen vom vergangenen Februar.

Bitte machen Sie mit, wir freuen uns über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger

Blog, Industrie 4.0

R O B O T E R

Neue Wege
Menschen tun sich schwer damit, sich zu verändern oder beruflich etwas Neues in Angriff zu nehmen. Nun haben wir «Alten» jedoch die Möglichkeit, losgelöst von Erwartungshaltungen und Karrieredruck, zusammen im Team mit «jungen Wilden» unsere Stärken zu Gunsten der aktuellen Herausforderungen einzusetzen. Heutige Generationen sind markiert von Erzählungen, Glaubenssystemen früherer Generationen, insbesondere uns 68ern und Babyboomern. Die innere psychologische Landkarte junger Menschen ist durch Erziehung und Übertragung von Glaubenssätzen vorgezeichnet. Sie hat Fixpunkte, Höhen und Tiefen, die wir einst vorgaben. Jede Generation sucht sich ihre Lehrmeister. Vielleicht finden die Jüngsten von heute gerade bei den älteren, im Urteil geschärften Haudegen, ihre Mentoren und den Rat. Wir «Alten» waren die Letzten, die noch nach neuen Wegen gesucht haben. Wir haben das System schon mal gehackt. Wir erlebten nach dem zweiten Weltkrieg eine Zeit des Aufbruchs mit einen fast naiven Zukunftsglauben.

Ab 1939 beeindruckte der Roboter Sabor das Publikum. Bis in die 1960er Jahre reiste er durch Europa und die USA, unterhielt sich mit den Zuschauern und führte Tänzchen vor. Er war von einem versteckten Menschen ferngesteuert, der über Mikrofon auch für ihn sprach. (Bild: Photo by Ralph Crane / The LIFE Picture Collection via Getty)

Zurück in die Zukunft
Unter dem Titel «Zurück in die Zukunft» schreibt Joachim Radkau in der NZZ vom 22.3.2019 rückblickend auf die letzten 100 Jahre über das, was die Menschen von der Zukunft erwarten: Trotz unzähliger Fehleinschätzungen nahm die Prognostik keineswegs ein Ende; sie wurde im Gegenteil ambitiöser, suchte sich zur Wissenschaft auszubilden und durch Politikberatung praktische Wirksamkeit zu erlangen. Sie stiess oftmals schärfer mit der Realität zusammen als die Utopien alter Art in einem dramatischen Auf und Ab, mit einem Boom in den 1960er Jahren und einem jähen Absturz danach, als nicht nur die wissenschaftliche Seriosität, sondern auch die praktische Brauchbarkeit dieser Forschungsrichtung in Misskredit geriet. Seit den «Grenzen des Wachstums» (1972) des Club of Rome ist es zunehmend die Umweltbewegung, die von einer Zukunftsschau angetrieben wird; das gipfelt seit den 1980er Jahren in den warnenden Klimaprognosen, deren Geschichte erst in Ansätzen geschrieben ist und mit denen wir mitten in der Gegenwart sind. Technikdenker sprachen nicht mehr von «Techniken», sondern – worüber sich alte Techniker manchmal mokierten – von «Technologien». Der Begriff suggerierte, die neue Technik besitze ihre eigene Entwicklungslogik: eine – wie es schien – nie da gewesene Chance für eine wissenschaftliche Futurologie.

Computer machen die Zukunft berechenbarer
Es waren vor allem drei neue Techniksektoren, die das Zukunftsdenken inspirierten: die Computer, die Raumfahrt und die Kerntechnik. Am allermeisten die Computer: Sie dienten einerseits als Techniken zur Errechnung der Zukunft; noch die Grenzen des Wachstums, diese kalte Dusche für die Wachstumsextrapolierer, stützte sich 1972 auf die Autorität von Grosscomputern. Das gilt vor allem für die 1960er Jahre, als es so aussah, als sei es ein Entwicklungsgesetz dieser «Technologie», dass sie immer grösser und aufwendiger werde und damit Grossunternehmen, Grossmächte und zentrale Planung begünstige. Dass stattdessen ein halbes Jahrhundert darauf sogar viele Kinder wie selbstverständlich mit Minicomputern herumlaufen würden und das Internet nicht nur Insidern, sondern allem und jedem offenstehen würde, ist eine der allergrössten Überraschungen der Technikgeschichte. Vollends vor dem Hintergrund, dass viele gewähnt hatten, gerade die Computer machten die Zukunft berechenbar.

Kompetente Ältere gesucht
«kompetenz60plus.ch», die Plattform als Sammelbecken kompetenter Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber jüngeren Generationen bewusst sind. Genaueres dazu erfahren Sie im doppelseitigen Beitrag von Ende Januar 2019 in der Schweizerischen Gewerbezeitung oder im Videoclip (3:43′) «FokusKMU» für das Lokalfernsehen vom Februar. Bitte machen Sie mit, wir freuen uns über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
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