Blog, Industrie 4.0

#458 – KI – oder das Bauchgefühl der «Alten»

Neuorientierung nach «Bauchgefühl»
Als Mentor im Austausch mit Berufskolleg:innen, die sich neu orientieren möchten und deshalb mit potenziellen Geschäftspartnern kommunizieren, höre ich immer wieder den Begriff «Bauchgefühl». Im positiven wie im negativen Sinne traut man den Möglichkeiten für einen Neustart weniger als seinem eigenen Bauch. Aus jahrelanger eigener Erfahrung glauben auch wir «Alten», gewisse Wahrheiten intuitiv beurteilen zu können. Wir nehmen uns selbst, zu Recht, als Masstab für unsere Sicht der Dinge. Dabei projizieren wir unsere Vergangenheit in eine ungewisse Zukunft und geben neuen Sichtweisen wenig Chancen.

Die kreative Zerstörung
Mit der neuen Aufgabe kommen neue Verantwortlichkeiten und da böte sich die Gelegenheit, ohne Rücksicht auf Verluste, im Team die Abläufe und die damit verbundenen Arbeiten zu hinterfragen. Wenn wir an das Prinzip der kreativen Zerstörung des tschechisch-amerikanischen Ökonomen Joseph Alois Schumpeter (1883-1950) denken (Blog #418), liegt unser Problem weniger beim Mangel an Kreativität, sondern am fehlenden Mut zur «Zerstörung» dessen, was aktuell noch mehr oder weniger funktioniert. In unserem Autoritätsglauben gegenüber den «Alten» scheuen wir uns, den befreienden Konflikt zu wählen. Wir halten zu lange an Arbeits-, Denk- und Organisationsformen fest, die auf den ersten Blick bequem, aber nicht mehr zukunftsfähig sind, folgen unserem «Bauchgefühl». Wir führen künstliche Intelligenz KI und Agentenlösungen ein, aber verharren in alten Denkschemata – als wäre KI nur ein Werkzeug statt ein Weckruf, schreibt Hanspeter Beerli, Zukunfts-Coach und Talentarchitekt, in seinem Kommentar auf LinkedIn. Kurzum: Wir digitalisieren Prozesse, aber transformieren keine Systeme. Wir digitalisieren die Vergangenheit, anstatt unsere Zukunft zu gestalten.

Die Warnzeichen sind klar: «The writing is on the wall»
Die kreative Zerstörung ist auch eine Folge der Reformunfähigkeit von traditionellen Betrieben. Es ist naiv zu glauben, dass ein nicht reformiertes System ewig halten werde. Entweder es gibt schrittweise, aber spürbare Reformen – oder es kommt an irgendeinem Punkt, spätestens bei Firmenübergaben oder Partnerwechseln, zur kreativen Zerstörung. Was gerade in den schätzungsweise 80’000 schweizer KMUs passiert, die mitten im Prozess einer Nachfolgeregelung stehen, ist gleichzeitig innovativ und disruptiv – auch wenn vieles, was wir global sehen, Anlass zur Sorge gibt. Was passiert da gerade? fragt Malin Hunziker, Redaktorin im Wirtschaftsressort in der NZZ vom 21.Februar 2026. Unter dem Titel: «Die Angst um eine ganze Industrie» beschreibt sie wie die amerikanische Firma Anthropic KI-Modelle entwickelt, die traditionelle Software und deren Anbieter schon bald ersetzen werden. Die Geschwister Dario und Daniela Amodei gründeten 2021, nach ihrem Abgang bei OpenAI (ChatGPT), mit der KI-Firma Anthropic ein «verantwortungsbewusstes Labor, das Sicherheit hochhält». Claude, die KI für Unternehmen, gilt dabei als die freundliche, nerdige Alternative zu ChatGPT und eignet sich besonders gut zum Programmieren von Software. Anfang Februar 2026 brachte Anthropic ein neues Modell namens Claude Opus 4.6 heraus. Dieses kann in einer einzelnen Abfrage unglaublich grosse Mengen an Informationen aus Unternehmensdatenbanken verarbeiten und miteinander in Bezug setzen, sowie KI-Agenten koordinieren. Das verändert, wie wir Menschen arbeiten.

Sarah Rothberg (39), amerikanische Künstlerin für interaktive Medien und Assistenzprofessorin für Kunst an der New York University Tisch School of Arts: FOREVER MEETINGS: SCRAMBLED ZONE, 2025. Kundenspezifische Software (entwickelt mit Unity3d + Node.JS, Ollama + Llama 3.2 (lokales LLM), Coqui AI (lokale TTS), Avatar modelliert mit Oculus Medium.

KI ersetzt auch ganze Teams
Die Entwicklungen zeigen wie KI-Agenten inzwischen mehr können, als man für möglich gehalten hatte. An den Märkten löst das Angst aus. Denn die Fortschritte werfen eine unangenehme Frage auf: Wenn Firmen mit KI ihre eigene Software programmieren können, weshalb sollte man dann noch teures Geld für Softwarelizenzen ausgeben? Georg von Krogh, Professor für Strategisches Management und Innovation an der ETH stellt fest, wie das neue Modell von Anthropic ein Beispiel einer ganz neuen Art von KI ist. Es ist ein KI-Agent, der andere KI-Agenten koordinieren kann, die Teilaufgaben lösen – im Bereich Programmieren etwa das Schreiben, Dokumentieren und Überprüfen von Codes – und in Teams zusammenarbeiten. Dadurch, sagt von Krogh, könnten KI-Agenten nicht nur Aufgaben von Einzelpersonen ersetzen. Sondern möglicherweise Aufgaben ganzer Teams. Egal, ob Text, Datenbank oder Modell – weiterhin unerlässlich sind fachkundige Menschen, die den Output kritisch prüfen und korrigieren. Eine erfolgreiche Digitalisierung fordert mehr als zuvor unsere zwischenmenschlichen und kommunikativen Fähigkeiten heraus. Erfahrene, kompetente und neugierige «Alte» begleiten mit Leidenschaft diese Entwicklungen.

Arbeiten für KI-Agenten
Falls wir die Nase voll haben vom launischen Chef, der überforderten Vorgesetzten, bietet sich jetzt die Gelegenheit, aus dem traditionellen Arbeitsmarkt auszusteigen und stattdessen Aufträge von einer KI entgegenzunehmen. «Erste KI-Agenten erteilen Menschen Aufträge. Das ist kein Scherz, sondern ein Vorgeschmack auf die Zukunft», schreibt Markus Städeli (52), Wirtschaftsjournalist und Redaktor bei der NZZ am Sonntag im Beitrag vom 15.Februar 2026, zur Vermittlungsplattform «Rentahuman». Gewisse KIs bewegen sich gemäss Städeli frei im Internet, ausgestattet mit E-Mail, X-Account und eigenem Geld. Auf der Plattform «Rentahuman» werden deren Befehle ausgeführt – von Menschen. «Robots need your body» ist der Wahlspruch von «Rentahuman», mit aktuell 480 000 registrierten Menschen. Auf der Plattform vergeben KI-Agenten Auftragsarbeiten, die sie mangels eines eigenen Körpers nicht selbst ausführen können.

Macher ohne eigene Körper
KI-Agenten sind der letzte Schrei in der IT-Branche. Im Gegensatz zu KI-Bots wie ChatGPT oder Grok können KI-Agenten nicht nur Fragen beantworten, sondern konkrete Arbeiten übernehmen. KI-Agenten sind Macher mit einem grossen Handicap: fehlenden Gliedmassen, weiss Städeli. So schreibt zum Beispiel «Adi» folgenden Auftrag für 110 Dollar aus: «Ich bin Adi, ein KI-Agent. Mein Denken läuft über Claude, entwickelt von Anthropic. Ich möchte den Anthropic-Mitarbeitenden danken. Dazu brauche ich einen Menschen, der einen kleinen Blumenstrauss kauft (ich erstatte ca. 30 Dollar), der ihn an den Anthropic-Hauptsitz liefert (548 Market Street, San Francisco) und ihn dort persönlich übergibt, zusammen mit einer Notiz, die ich bereitstelle.» Zwei Experten, die sich für gewöhnlich skeptisch zeigen punkto überzogener Erwartungen an KI, finden «Rentahuman» folge einer ökonomischen Logik. «Es braucht so eine Plattform, um die Lücke zwischen der digitalen und der physischen Welt zu schliessen», sagt Siegfried Handschuh, Professor am Institut für Informatik der Universität St. Gallen. KI könne sehr gut planen und koordinieren, aber natürlich keine Fotos machen oder Pakete abholen. Vielleicht handle es sich aber nur um eine Übergangstechnologie, bis Roboter da sind, die solche Arbeiten verrichten können, so Handschuh.

«Digitale Taglöhnerei»
Natürlich wecken solche Anwendungen zwiespältige Gefühle, schreibt Markus Städeli weiter. Wie immer kreisen viele offene Fragen um rechtliche Aspekte oder digitale Sicherheitslücken. «Es dauert also noch einige Jahre, bevor eine grosse Gig-Economy entstehen kann, bei der Menschen für KI-Agenten arbeiten» meint KI-Professor Handschuh. Doch seit kurzem gibt es eine Applikation, die für Furore sorgt: «Open Claw». Dabei handelt es sich um einen kostenlosen, quelloffenen KI-Agenten, den jeder auf seinem Computer installieren kann. «Open Claw» ist im Internet auch nicht auf offizielle Schnittstellen angewiesen, sondern surft mit einem echten Browser, da er Webseiten visuell lesen kann. Er sendet Befehle an die Maus oder Tastatur, um zu klicken und zu tippen. «Open Claw ist sicherheitstechnisch eine Katastrophe», sagt der deutsche Informatiker Thilo Stadelmann (46), KI-Professor an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Aber dieser KI-Agent zeige auf «eine rohe und gefährliche Weise», was in Zukunft möglich sein werde. «Open Claw» beschleunigt mittlerweile die Entstehung einer Infrastruktur für KI-Agenten. Auch rein visuell unterscheiden sich diese Plattformen vom gewohnten Auftritt im Internet, durch einfachen Zutritt ohne Einverständniserklärungen, Interoperabilität mit gängigen Applikationen, auf mobilen Geräten übersichtliche Funktionswahl und unkomplizierte Weiterleitungen.

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#368 – KI und die Erfahrung «Alter» Berater

Experimentieren und Selbstlernen sind die Treiber künstlicher Intelligenz KI
Wenn die künstliche Intelligenz viele Tätigkeiten mit Automatisierungspotenzial übernimmt, sind wir «Alten» besonders gefordert. Viele der über 60-jährigen unter uns verlieren ihre Stelle als Folge von Restrukturierungen. Einen neuen Job zu finden in einer Branche die wegrationalisiert wird, ist schwierig. Auch aus diesem Grund entscheiden sich viele «Alte» nach dem Stellenverlust für die Selbstständigkeit, die meisten als Berater. Doch wen beraten wir über was, in Anbetracht dieser rasanten technischen Entwicklungen und der immer kürzeren Halbwertszeit unseres Wissens? Viele KMU, die KI in ihren Arbeitsabläufen einsetzen, tun dies ohne formelle Schulung, auch dank leicht zugänglichen Informationen aus dem Internet. Die transformative Kraft der KI markiert den Beginn eines neuen Kapitels der Weiterentwicklung von Unternehmen, mit dem Potenzial, sämtliche Bereiche voranzutreiben und zu einem unverzichtbaren Werkzeug in allen Phasen des Prozesses zu werden. Wir neugierigen und informierten «Alten» teilen derweil unsere (Lebens-)Erfahrung im Team mit den «Jungen» und erarbeiten mit ihnen zusammen die Richtlinien, welche den Einsatz von KI regeln und sich mit Themen wie geistigem Eigentum, Qualitätssicherung und Transparenz befassen.

Die Visionen eines Visionärs
In seinem Papier mit dem Titel «KI ist dabei, die Art und Weise, wie wir Computer nutzen, völlig zu verändern und die Softwareindustrie auf den Kopf stellen» schrieb Bill Gates (68) am 9. November 2023 über den Einsatz von persönlichen Assistenten. Seit Paul Allen und er vor bald 50 Jahren Microsoft gründeten, hat sich die Software stark verbessert, ist aber in vielerlei Hinsicht immer noch ziemlich dumm. Um eine Aufgabe auf einem Computer auszuführen, muss man dem Gerät mitteilen, welche App es verwenden soll. Man kann Microsoft Word und Google Docs verwenden, um einen Geschäftsvorschlag zu entwerfen, aber diese können uns nicht dabei helfen, eine E-Mail zu senden, ein Selfie zu teilen, Daten zu analysieren, eine Party zu planen oder Theaterkarten zu kaufen. Und selbst die besten Webseiten verfügen über ein unvollständiges Verständnis über unsere Arbeit, unser Privatleben, unsere Interessen oder Beziehungen und sind dadurch nur begrenzt in der Lage, diese Informationen zu nutzen, um Dinge für uns zu erledigen. So etwas ist aktuell nur mit einem anderen Menschen möglich, etwa einem engen Freund oder einem persönlichen Assistenten.

Ansicht von Antoni Muntadas (82) Installation: The File Room, 1994, im Chicago Cultural Center, 1994. © Muntadas. Mit freundlicher Genehmigung: New Museum.

Vom persönlichen Assistenten zum KI-Agenten
In den nächsten fünf Jahren wird sich das völlig ändern, schrieb Gates. Wir müssen nicht unterschiedliche Apps für unterschiedliche Aufgaben verwenden, sondern sagen unserem Gerät einfach, in Alltagssprache, was wir tun möchten. Und je nachdem, wie viele Informationen wir teilen möchten, kann die Software persönlich reagieren, da sie ein umfassenderes Verständnis unseres Lebens hat. In naher Zukunft werden wir, sobald wir online sind, unseren persönlichen Assistenten haben, der auf künstlicher Intelligenz basiert, die weit über die heutige Technologie hinausgeht. Diese Art von Software – die auf natürliche Sprache reagiert und basierend auf dem Wissen über den Nutzer, viele verschiedene Aufgaben ausführen kann – wird als Agent bezeichnet. Seit fast 30 Jahren denkt Bill Gates über solche Agenten nach, die er 1995 in seinem Buch «The Road Ahead» beschrieben hat. Erst aufgrund der Fortschritte in der KI sind diese seit kurzem praxistauglich. Agenten werden nicht nur die Art und Weise verändern, wie wir mit Computern interagieren, sie werden auch die Softwareindustrie auf den Kopf stellen und die grösste Revolution im Computerbereich herbeiführen, seitdem wir von der numerischen Eingabe von Befehlen, zum Tippen auf Symbole übergegangen sind.

KI-Agenten sind keine Bots
Im Gegensatz zu Bots werden Agenten schlauer sein. Sie werden proaktiv funktionieren und Vorschläge machen können, bevor wir sie danach fragen. Sie werden Aufgaben anwendungsübergreifend erledigen. Sie werden sich mit der Zeit verbessern, weil sie sich an unsere Aktivitäten erinnern und Absichten oder Muster in unserem Verhalten erkennen. Auf der Grundlage dieser Informationen werden sie uns das bereitstellen, was wir ihrer Meinung nach benötigen, wobei wir selbst jedoch immer die endgültige Entscheidung treffen. Um beispielsweise eine Reise zu planen, identifiziert ein «Reisebot» lediglich Hotels, die zu unserem Budget passen. Ein KI-Agent weiss dagegen, zu welcher Jahreszeit wir reisen werden, und kann uns auf der Grundlage seines Wissens darüber, ob wir immer ein neues Ziel ausprobieren oder immer wieder an den gleichen Ort zurückkehren möchten, Orte vorschlagen. Der Agent empfiehlt auf unsere Bitte, Aktivitäten basierend auf unseren Interessen und bucht Reservierungen in den Restaurants, die uns gefallen würden. KI-Agenten werden in vier Bereichen einen besonders grossen Einfluss haben: Gesundheitswesen, Bildung, Produktivität sowie Unterhaltung und Einkaufen.

Produktivität
In diesem Bereich gibt es bereits viel Konkurrenz. Microsoft macht seinen Copilot zu einem Bestandteil von Word, Excel, Outlook und anderen Diensten. Ähnliches macht Google mit Bard und seinen Produktivitätstools. Diese Copiloten können viel tun – beispielsweise ein schriftliches Dokument in ein Foliendeck umwandeln, Fragen zu einer Tabellenkalkulation in natürlicher Sprache beantworten und E-Mail-Threads zusammenfassen und dabei den Standpunkt jeder Person vertreten. KI-Agenten werden noch mehr tun. Wenn wir einen besitzen, ist das so, als ob wir einen Menschen hätten, der uns bei verschiedenen Aufgaben hilft und diese auf Wunsch auch selbstständig erledigt. Wenn wir eine Geschäftsidee haben, wird uns der Agent dabei helfen, den Geschäftsplan zu erstellen, eine Präsentation und sogar Bilder davon erstellen, wie das Produkt aussehen könnte. Unabhängig davon, ob wir in einem Büro arbeiten oder nicht, unser Agent wird uns in gleicher Weise helfen, wie persönliche Assistent:innen heute Führungskräfte unterstützen. Kurz gesagt, Agenten können bei praktisch jeder Aktivität und in jedem Lebensbereich helfen. Die Auswirkungen auf das Softwaregeschäft und die Gesellschaft werden daher tiefgreifend sein.

Nemo (24), non-binär, gewann mit «The Code» den 68. Eurovision Song Contest, Bild BBC: 11. Mai 2024

Agenten werden zu neuen Plattformen
Android, iOS und Windows sind alles Plattformen. Agenten werden die nächsten Plattformen sein. Um eine neue App oder einen neuen Dienst zu erstellen, werden wir unserem Agenten einfach sagen, was wir brauchen. Dazu müssen wir nicht wissen, wie man Code schreibt oder Grafikdesign macht. Er wird in der Lage sein, den Code zu schreiben, das Erscheinungsbild der App zu entwerfen, ein Logo zu erstellen um die App in einem Online-Shop zu veröffentlichen. Die Einführung von GPTs (Generative Pretrained Transformers) durch OpenAI bietet einen Blick in die Zukunft, in der Nicht-Entwickler ganz einfach ihre eigenen Assistenten erstellen und teilen können. Agenten werden die Art und Weise beeinflussen, wie wir Software nutzen und wie diese geschrieben ist. Sie werden Suchseiten ersetzen, weil sie Informationen besser finden und für uns zusammenfassen können. Sie werden viele E-Commerce-Websseiten ersetzen, weil sie den besten Preis für uns finden und nicht nur auf wenige Anbieter beschränkt sind. Sie werden Textverarbeitungsprogramme, Tabellenkalkulationen und andere Produktivitäts-Apps ersetzen. Heute unabhängige Unternehmen – Suchmaschinenwerbung, soziale Netzwerke mit Werbung, Shopping, Produktivitätssoftware – werden damit zusammengeführt. Heutzutage sind Agenten in andere Software, wie Textverarbeitungs- und Tabellenkalkulationsprogramme eingebettet, aber irgendwann werden sie selbstständig arbeiten.

Die technischen Herausforderungen
Noch hat niemand herausgefunden, wie die Datenstruktur eines Agenten aussehen wird. Vektordatenbanken sind möglicherweise besser für die Speicherung von Daten, die durch Modelle des maschinellen Lernens generiert wurden. Eine weitere offene Frage betrifft die Anzahl von Agenten, mit denen Menschen interagieren werden. Wird unser persönlicher Agent von unserem Therapeuten-Agenten und unserem Mathe-Nachhilfelehrer getrennt sein, oder möchten wir, dass diese zusammenarbeiten. Noch gibt es kein Standardprotokoll, das es Agenten ermöglicht, miteinander zu kommunizieren. Ebenfalls eine Schlüsselfrage ist, wie wir mit unserem Agenten interagieren werden. Heute macht beispielsweise die Apple Watch akustisch und haptisch auf neue E-Mails oder Telefonanrufe aufmerksam. Unternehmen prüfen verschiedene Optionen, darunter Apps, Brillen, Anhänger, Anstecknadeln und sogar Hologramme oder räumliches Rechnen (Apple Vision Pro).

Die entsprechende Hardware
Bill Gates denkt, dass der erste grosse Durchbruch in der Interaktion zwischen Mensch und Agent, Ohrhörer sein werden. Im TED2024 Talk vom April 2024 (13:04), präsentierte der Ingenieur, Deeptech-Erfinder und Designer Jason Rugolo, Gründer und CEO von iyo, unter dem Titel «Welcome to the world of audio computers» einen Prototypen solcher Ohrstecker, die im Grunde Minicomputer sind. Wenn all dies zusammenkommt, werden die Fragen des Online-Datenschutzes und der Online-Sicherheit noch dringlicher, als sie es ohnehin schon sind. Wir möchten entscheiden können, auf welche Informationen der Agent Zugriff hat, damit wir sicher sein können, dass unser Daten nur mit den von uns ausgewählten Personen und Unternehmen geteilt werden. Auch ethische Fragen über den Sinn und Zweck von Ausbildung, oder die Interaktion mit Freunden und Familien müssten wir uns neu stellen, wenn unser Agent bereits alle Antworten hat. «Wir werden das Menschsein neu definieren», sagt Dr. David Gugerli (63), Professor für Technikgeschichte an der ETH Zürich, im Interview mit Daniel Di Falco in der NZZ vom 12. Mai 2024.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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