Das Massensterben der Zeitungen
Als Nachbarn eines grossen deutschschweizer Druckzentrums, beobachten wir seit rund zehn Jahren eine abnehmende Produktion gedruckter Zeitungen. Während anfänglich alle zwei Tage eine Güterwagenkomposition mit Papier angeliefert wurde, ist dieser Anteil mittlerweile auf ein bis zwei Wagons pro Woche geschrumpft. Der Preis einer Tageszeitung übersteigt mittlerweile den eines Cappuccinos. Dazu und wie lange das Papiergeschäft noch überleben wird, will sich niemand äussern. Klar ist einzig, dass sich Print nicht einfach digitalisieren lässt. Um weiterhin für uns Leser attraktiv zu sein und auch ein jüngeres Publikum zu halten, sind neue Formate gefragt. Diese müssen sich an die Gepflogenheiten der sozialen Medien anlehnen. Beat Balzli und Guido Schätti sprechen in der NZZ vom 5. April 2026 mit Ringier-Chef Marc Walder (60) über das Ende einer Epoche und die ungewisse Zukunft des Hauses Ringier. Walder prophezeit im Gespräch den Zeitungen ein Massensterben: «In der Schweiz dürften digital nur drei Medienmarken überleben».
Wer KI beherrscht gewinnt
Beschleunigt wird dieser Prozess auch durch die Weiterentwicklung künstlicher Intelligenz KI, welche die Geschäftsmodelle verändert. Personen durch KI, also ein kuratiertes Large Language Model LLM, zu ersetzen, ist ein verlockender Gedanke. Walder ist jedoch überzeugt, dass weiterhin erfahrene und kompetente Mitarbeitende gefragt sein werden. Teams setzen sich aus Personen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Erfahrungen zusammen. Das sind letztlich Datenpunkte, die ein Mensch in seinem Leben gesammelt hat. So gesehen ist ein LLM für ein Gremium zumindest eine wunderbare und intelligente Ergänzung. Führungskräfte, die heute nicht konsequent mit den digitalen Werkzeugen arbeiten, sind schlechter als diejenigen, welche die Möglichkeiten von KI nutzen, meint Marc Walder. Industrien, Unternehmen, Funktionen, Jobs, Abläufe in einem Unternehmen – alles verändert sich radikal. Dario Amodei, der Gründer von Anthropic, sagt, dass Software in einem Jahr nur noch von KI geschrieben werde. Womöglich überschätzen wir die Auswirkungen dieser Computing-Kapazitäten in der kurzen Frist, wie das bei Innovationen oft der Fall ist. Dennoch ist klar, dass es eine radikale Umschichtung geben wird – innerhalb von Unternehmen und in der Gesellschaft. Wer KI beherrscht, gewinnt. Wer nicht, verliert.
Talentierte und intelligente Menschen
Mark Walder hält nichts vom Szenario, dass KI-Agenten die Bürojobs übernehmen, dass die Löhne und die Nachfrage einbrechen und wir in eine Depression verfallen. Zwei Punkte sprechen dagegen: Erstens ist die Adaptionsrate in grossen Teilen der Wirtschaft tiefer, langsamer. Das war immer so. Zweitens – und wichtiger: Technologische Umbrüche haben historisch immer komplett neue Jobs und neue Ökosysteme geschaffen. Ob das dieses Mal auch eintritt, weiss er nicht. Nicht einmal Sam Altman (ChatGPT) oder Dario Amodei (Anthropic) wissen das. Aber: Je mehr KI-Agenten da draussen herumrennen, umso mehr werden neue Bereiche entstehen. Mikro-Unternehmen beispielsweise. Weil die Kosten für digitale Dienstleistungen radikal am Sinken sind. Und dies wiederum wird Menschen mit Fähigkeiten, intelligent damit umzugehen, neue Jobs ermöglichen. Ringier musste in den letzten 20 Jahren unterschiedliche Plattformen harmonisieren, was teuer war. Dank KI sind die Investitionen heute deutlich tiefer, auch dank den tiefen «Codierungskosten». Die grösste Herausforderung ist nicht das Geld, sondern das Talent in einem Unternehmen. Und dafür braucht es intelligente Mitarbeitende, welche die Daten kuratieren. Egal, ob Text, Datenbank oder Modell – weiterhin unerlässlich sind fachkundige Menschen, die den Output kritisch überprüfen und korrigieren. Eine erfolgreiche Digitalisierung fordert mehr als zuvor unsere zwischenmenschlichen und kommunikativen Fähigkeiten heraus. Kompetente «Alte» mit Leidenschaft fungieren dabei als Mentor:innen, Coaches, Sparringspartner. KI wird als Werkzeug, als Hilfsmittel eingesetzt. Dazu gehört bei Ringier auch die Nutzung der Plattform Foundry von Palantir, welche unglaublich grosse Mengen an meist unstrukturierten Daten für die weitere Anwendung harmonisiert.

Aktuelle Veränderungen
Die USA sind auf dem besten Weg, das KI-Rennen zu gewinnen – und sich dabei selbst zu zerstören, sagt Gina Raimondo (54), ehemalige Gouverneurin von Rhode Island und US-Handelsministerin. In ihrer schonungslosen Analyse der Bedrohung durch KI-bedingte wirtschaftliche Umbrüche und soziale Unruhen, liefert sie einen konkreten Plan um Arbeitnehmende auf die kommenden Herausforderungen vorzubereiten. «KI ist eine 100-Jahre Technologie die deshalb eine ebensolche Strategie erfordert», sagt sie in ihrem TED2026 • April 2026 Vortrag (15:51) mit dem Titel «A plan to stop AI from automating our decline». Raimondo findet es unglaublich spannend, sich vorzustellen, was ein gut ausgebildeter Mensch mit KI alles erreichen kann. Wie viel produktiver und kreativer wir alle sein werden und wie viele neue Unternehmen entstehen werden. Die Geschichte zeigt: Jede neue Technologie schafft neue Arbeitsplätze, neue Branchen, neue Produkte und neue Dienstleistungen. Mit der Zeit – auch diesmal mit KI. Die künstliche Intelligenz beschleunigt, neben anderen Faktoren, auch die globale Transformation, mit Auswirkungen so einschneidend wie die Industrielle Revolution, schreibt Eric Gujer (63) im Kommentar zur Weltlage in der NZZ vom 24. April 2026. Doch weder die Regierung noch die Schulen kennen die Fähigkeiten, welche die Arbeitgebenden heute oder morgen benötigen. Dazu brauchen wir massive Veränderungen sowohl in unserem System der Arbeitskräfteausbildung als auch in unserem System zur Unterstützung des beruflichen Übergangs.
Wir alle gestalten unsere Zukunft
In einem effektiven System der Arbeitskräfteausbildung definieren Arbeitgebende, wo sich die Arbeitswelt heute befindet, welche Fähigkeiten benötigt werden und wohin sie sich entwickelt. Schulen und staatliche Ausbildungsprogramme bereiten die Menschen dann darauf vor. Das ist derzeit in den USA, aber auch in der Schweiz, nicht der Fall. Man fördert die Einschreibung an Hochschulen ohne Rücksicht darauf ob die Menschen die für einen Job benötigten Fähigkeiten erwerben oder ob sie überhaupt einen Job bekommen. Eine KI-geprägte Wirtschaft ist deshalb auf lebenslange Weiterbildung angewiesen, weil sich unsere Berufe im Laufe unserer Karriere ständig verändern werden. Es liegt im Interesse aller, einen reibungslosen Übergang zu einer KI-Wirtschaft zu gestalten. Gina Raimondo erwartet deshalb von Staat und Politik Anpassungen bei den Arbeitslosenkassen, Steuerabzüge für Weiterbildungskosten und ein Bildungssystem das sich an die neuen Herausforderungen anpasst. Keine KI-Verbote an Schulen und gesetzliche Einschränkungen der Technologie. Denn es liegt im Interesse aller, dieses aufregende Potenzial der KI-Innovation auszuschöpfen. Unsere Zukunft ist nicht vorbestimmt. Wir können sie selbst gestalten.
Daten, Software, geistiges Eigentum und Vertrauen
Im Interview von Beatrice Bösiger und Guido Schätti, in der NZZ am Sonntag vom 19.April 2026, erklärt der Deutsche Andreas Berger (60), CEO von Swiss Re, wie die künstliche Intelligenz die Versicherungsbranche umkrempelt. «Wir sind dabei, die Kernprozesse unseres Unternehmens mithilfe von KI ganz neu zu denken» sagt Berger. Erstens geht es um die Vereinfachung von Prozessen, etwa indem routinemässige Arbeit durch KI unterstützt wird. Zweitens hilft uns KI, die Qualität und Konsistenz von Entscheidungen zu verbessern. Solange der Einsatz von KI in einem sauberen Governance-Rahmen erfolgt sieht er wenig Risiken. Bei Swiss Re wird darauf geachtet, dass der Mensch nicht aus der Verantwortung genommen wird, denn am Schluss entscheiden erfahrene Mitarbeitende. Auch auf Grund des Fachkräftemangels und der Demografie (viele Pensionierungen stehen bevor) müssen Firmen produktiver werden, und die KI hilft dabei. Dank KI-Agenten wird Swiss Re, in einer eher konservativ aufgestellten Branche, Verbesserungen in der Produktivität sehen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Dabei geht es weder um Kostensenkung noch um Personalabbau. Es geht um bessere Entscheidungen für alle Beteiligten. Wie bei Swiss Re bestehen in vielen Branchen historisch gewachsene, fragmentierte IT-Landschaften und um diese zu bereinigen kostet viel Geld und Zeit. Das ist heute besonders kritisch, weil der Wert vieler Unternehmen vor allem in Daten, Software, geistigem Eigentum und Vertrauen liegt.
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