Blog, Industrie 4.0

#412 – Die Erfahrung von uns «Alten» nutzen

Aufgaben von CEOs
Unter dem Titel «Schritte, die nur ein CEO unternehmen kann» beschreiben Christine Barton, Melanie Gaynes, Rich Lesser und Judith Wallenstein im Beitrag der Boston Consulting Group BCG vom 18. Februar 2025, die wichtigsten Erkenntnisse aus ihrer engen Zusammenarbeit mit mehr als 1’000 CEOs im Rahmen ihrer CEO-Beratungsprogramme und Veranstaltungen. Die Autoren identifizieren darin vier Bereiche, wo CEOs ihr Wissen und Erfahrung auf einzigartige Weise zum langfristigen Erfolg ihrer Organisationen beitragen, worauf sie sich konzentrieren, was sie vereinfachen und wo sie die Führung übernehmen müssen. Angesichts der begrenzten Zeit und der äusserst komplexen Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt, müssen sich CEOs auf Aktivitäten konzentrieren, in denen ihre besondere Rolle und ihr Fachwissen einen überproportionalen Einfluss haben. Dabei kann die Erfahrung von uns «Alten» zur Unterstützung durchaus hilfreich sein.

Schaffen von Sinn und Klarheit
Der Sinn sollte das Herzstück jeder Organisation sein, ihre Existenzberechtigung. Im besten Fall ist der Sinn tief in der besonderen Fähigkeit der Organisation verwurzelt, unerfüllte Bedürfnisse in der Welt anzugehen. Die Aktivierung und manchmal sogar Definition des Sinns einer Organisation hängt grösstenteils von den CEOs ab. Der Sinn einer Organisation ist am effektivsten, wenn er in jeder Ecke des Unternehmens verankert ist – Mitarbeitende und Kultur, Strategie, Betrieb, Branding, Kommunikation. Dazu gehören auch altersdurchmischte Teams, denn die Stärke von uns «Alten» ist auch ein Zeichen dafür, dass wir dem Leben standgehalten haben. Eine gut ausgearbeitete strategische Erzählung, ein starkes Konzept, verknüpft Sinn mit Ambitionen, Prioritäten und messbaren Zielen sowie den Fähigkeiten und der Kultur, die zum Erfolg erforderlich sind. Zu Beginn ihrer Amtszeit sollten CEOs diese strategischen Erzählungen in Dokumenten festhalten, auf die leicht zurückgegriffen werden kann, um intern eine Übereinstimmung und bei Investoren Verständnis zu schaffen. CEOs wissen, dass sie eine klare Strategie verfolgt haben, wenn Mitarbeitende, Kunden und Aktionäre nicht nur die Ambitionen des Unternehmens artikulieren können, sondern auch, wie die Umsetzung dieser Ambitionen mit bestimmten Wertschöpfungszielen für wichtige Anteilseigner verknüpft ist.

Splash down: Tallahassee Florida – The SpaceX Dragon Freedom Kapsel: Crew-9 zurück auf der Erde, 18. März 2025

Motivieren, antreiben, inspirieren
Antrieb zu schaffen erfordert zunächst Stabilität. Organisationen bewegen sich im Tempo ihrer Mitarbeitenden. Die Rolle von CEOs bei der Schaffung von Antrieb besteht darin, den Glauben an das Mögliche zu wecken und eine kulturelle Atmosphäre zu schaffen, welche die Teams motiviert, dieses Ziel zu erreichen. In unsicheren Zeiten brauchen die Menschen die Gewissheit, dass das Unternehmen auf soliden Beinen steht und auf nachhaltigen Erfolg zusteuert. Aber über Stabilität hinaus müssen CEOs Einzelpersonen und Teams dazu inspirieren, zu glauben, dass sie zu mehr fähig sind, als sie zunächst dachten. Erfolgreiche CEOs müssen auch Begeisterung und Energie bei den Mitarbeitern wecken und eine Kultur der individuellen und gemeinsamen Verantwortung für Ergebnisse sowie eine Vorliebe für schnelles Handeln pflegen. «Alte» im Team unterstützen diese Kultur durch ihre Erfahrung und Reife, Weisheit und Gelassenheit.

Komplexität reduzieren
In der Wirtschaft bringt Wachstum oft Komplexität mit sich. Neue Märkte, Produkte und Innovationen fügen Strategie und Betrieb zusätzliche Ebenen hinzu. Auch organisatorische Komplexität kann ein Problem sein, mit unnötig überlappenden Rollen und Verantwortlichkeiten auf zu vielen Ebenen. Komplexität ohne Wert schafft jedoch Hemmnisse. Diese zu vereinfachen ist schwierig, aber sie ist unerlässlich, um die Organisation auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Erfahrung von uns «Alten» kann dabei helfen, zusammen mit den CEOs den Lärm zu durchdringen um sich darauf zu konzentrieren, wo Ressourcen zuzuweisen sind und die richtige Arbeit erledigt werden muss. Projekte sind systematisch an wichtigen strategischen Zielen auszurichten und was ausserhalb dieser Ausrichtung liegt muss beleuchtet werden. Dies könnte die Eliminierung von Produkten bedeuten, die nicht zum Kern der Strategie gehören und den Wettbewerbsvorteil nicht steigern, oder die Neuausrichtung von Ressourcen, um strategische Prioritäten besser zu unterstützen. CEOs müssen Komplexität absorbieren und die schwierigen Kompromisse an der Spitze entscheiden, anstatt sie einfach nach unten zu delegieren, wo sie zu Verzögerungen und Frustration führen können.

Die SpaceX Dragon Freedom Kapsel Crew-9: Sunita «Suni» Williams und Butch Wilmore, mit NASA Astronaut Nick Hague und Roscosmos Kosmonaut Aleksandr Gorbunov. 18. März 2025

Reibung reduzieren
Aus der Praxis kennen wir die Situation, wenn Reibungen innerhalb von Teams anstatt wichtige Gespräche und Innovationen anzuregen, destruktive Züge annehmen und Isoliertes Denken, falsche Prioritäten und ungelöste Spannungen unter den Führungskräften den Fortschritt hemmen und das Vertrauen in die Organisation schwächen. CEOs können bei der Lösung solcher Herausforderungen eine entscheidende Rolle spielen, indem sie Transparenz schaffen und Raum kreieren wo Fehlabstimmungen offen angesprochen werden können. Manchmal beinhaltet dies eine Umgestaltung des Führungsteams selbst, wobei nicht nur individuelle Fachkenntnisse im Vordergrund stehen, sondern auch die Bekenntnis zu gemeinsamen Werten, Zusammenarbeit und gegenseitiger Verantwortung. «Alten» als Mentoren oder Sparringspartner in gemischten Teams kommt dank ihrer Seniorität die Rolle des Gewissens und der Verantwortlichkeit zuteil.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

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#411 – Demütige «Alte» im Murks-Umfeld

Wir sind alles digitale Analphabeten
Die Komplexität der digitalen Welt übersteigt unseren Horizont, das war schon vor der Einführung künstlicher Intelligenz KI so, schrieb Rachele De Caro (37), Autorin und Verlegerin, in ihrem Beitrag in der NZZ am Sonntag 9 März 2025. Die meisten von uns verstehen nur oberflächlich etwas, und die wenigen, die wirklich etwas verstehen, würden am liebsten das Weite suchen. So sind laut einer jährlich erhobenen IT-Studie auf StackOverflow, einer Plattform zum Austausch von Wissen, 80 Prozent der Entwickler mit ihrem Job unzufrieden. Das sollte uns aufhorchen lassen, benötigen wir doch in Zukunft eine regelrechte Heerschar an technikaffinen Expertinnen und Experten. Verantwortlich für die Unzufriedenheit sind gemäss der Studie insbesondere die technischen Schulden der Unternehmen. Ein Grossteil der Aufgaben, denen sich zum Beispiel Softwareentwickler täglich widmen müssen, ist das Ausmisten von Altlasten der Vorgänger. Sie sind sozusagen die digitale Müllabfuhr. Kein Wunder, vergeht ihnen die Lust am Programmieren. Die Unternehmen gehen den Weg des geringsten Widerstandes – wozu in perfekte Codes investieren, wenn es auch schneller und effizienter geht? Gut ist, dass KI viele dieser mühsamen Aufgaben in naher Zukunft erledigen kann – schlecht, dass das Wissen darüber dann in noch weniger Köpfen existiert.

Wissen bedeutet nicht Intelligenz
Egal, ob Text, Datenbank oder Modell – weiterhin unerlässlich sind fachkundige Menschen, die den Output kritisch prüfen und korrigieren. Eine erfolgreiche Digitalisierung fordert mehr als zuvor unsere zwischenmenschlichen und kommunikativen Fähigkeiten heraus. Unter dem Titel «Die letzte Prüfung der Menschheit: Forscher stellen KI die schwierigsten Fragen der Welt» beschreibt Anna Weber (33) in der NZZ vom 12. März 2025 wie Sam Altman, Elon Musk und Co. überzeugt sind, dass die Entwicklung einer allgemeinen künstlichen Intelligenz AKI (artificial general intelligence AGI) kurz bevorsteht, einer KI also, die genauso intelligent, flexibel und vielseitig ist wie ein Mensch – oder gar noch intelligenter. Eine AKI soll laut Altman einen Grossteil der ökonomisch wertvollen Arbeit besser erledigen können als Menschen. Doch so beeindruckend es ist, wenn die KI Prüfungsfragen auf Experten-Niveau beantworten kann: Die Punktzahl in «Humanity’s Last Exam» ist keineswegs ein Anhaltspunkt für die Intelligenz einer KI. Denn der Test fragt Wissen ab, nicht logisches Denken, und erst recht nicht Kreativität oder die Fähigkeit, neue Gedanken zu entwickeln. Der Umgang mit KI ist vor allem eine kreative und erst in zweiter Linie eine IT-Aufgabe. Wir «Alten» haben in den vergangenen fünf Jahrzehnten technologische Veränderungen miterlebt und auch mitgestaltet. Integriert in KI-Entwicklungsteams, liefern wir wertvolle Perspektiven zu den Auswirkungen des KI-Einsatzes und tragen dazu bei, verantwortungsvolle KI-Praktiken zu etablieren. Dank unserem differenzierten Urteilsvermögen sind wir in der Lage, KI-Ergebnisse zu bewerten um mögliche Systemfehler oder mangelhafte Überlegungen aufzuzeigen. Bei der Fehlererkennung als Folge von Halluzinationen ist der Mensch jeder Maschine noch deutlich voraus.

Basler Fasnacht 2025, Morgestraich: Viel Düsteres, aber auch Tinguely und ESC: die Cliquen kurz nach vier Uhr am Spalenberg. Bild: sb/NZZ

«Alte» als Kompass im aktuellen System
Eduard Kaeser (77), Physiker und promovierter Philosoph, schrieb im Gastkommentar «Murks happens» – warum wir immer weniger verstehen werden, was wir tun», in der NZZ vom 27. November 2019: Selten kommt das, was wir technisch anpacken, so heraus, wie wir es uns gedacht haben. Technologie, unseren Köpfen entsprungen, wächst uns über den Kopf – buchstäblich. Wir überschauen und durchschauen sie immer weniger, uns fehlt der Kompass für den Kurs ihrer Entwicklung. Wir «Alten» haben ein System geschaffen, das wir nicht mehr überblicken können. Immer mehr Menschen beteiligen sich dank neuen technologischen Möglichkeiten am vermeintlichen Fortschritt. Kaeser nennt es Akkretion, ein Zustand der durch das Hinzufügen von immer mehr Systemkomponenten und deren Verknüpfungen entsteht. Akkretion birgt ein ernsthaftes Problem. Wir kennen das aus unserem heimischen Do-it-yourself. Wir «bessern» den morschen Dachboden mit Latten, Platten, Streben aus, vernetzen die elektrischen Geräte mehr schlecht als recht mit einem Kabelsalat, dichten die sanitäre Anlage im Keller mit Draht, Klebeband und Zusatzrohren ab. Dabei handelt es sich um eine zusammengeflickte, behelfsmässige, temporäre, mitunter unnötig komplizierte Lösung eines technischen Defekts oder Problems, kurz, ein «Murks».

KI gegen den digitalen Murks
Daraus formuliert Kaeser das Murks-Prinzip: Von einem kritischen Komplexitätsgrad an arbeiten technische Systeme zwangsläufig im Murks-Modus. Für die «jungen Wilden» ist es meist unmöglich auf die «ursprüngliche» Variante zurückzugreifen, diese auseinanderzunehmen und von null auf zu revidieren und so kümmern sie sich darüber immer weniger. Das Flugzeug, das die Brüder Wright 1903 bauten, war ein Ausbund an Einfachheit, konstruiert aus einer geringen Zahl von Komponenten. Eine Boeing 747 weist etwa sechs Millionen Hardware-Komponenten auf. Je komplexer eine Software, desto «murksiger» wird sie. Schliesslich ist der Code nicht mehr entschlüsselbar, geschweige denn auf Fehler zu testen. Viel eher bauen wir deshalb auf funktionierenden Murks auf, und versuchen, ihn schrittweise zu verbessern. Dank KI beginnen die Maschinen nun zu lernen. Damit hat man ein vielversprechendes Instrument zur Hand, das Verknäuelungsproblem zu umgehen, das System zieht über einen statistischen Lernalgorithmus selber seine «Schlüsse». Das führt zum Paradox: Die Effizienz des Systems nimmt zu – das Verständnis nimmt ab. Es mutet fast an, als «verstünden» die KI-Systeme sich selber am besten.

Demut statt Besserwisserei
Komplexität und Murks-Prinzip stellen die zentrale Herausforderung der Technologien dieses Jahrhunderts dar. Und das heisst auch: Wir bekommen es immer mehr mit Zufall, Nichtvoraussagbarkeit und «Renitenz» der Systeme zu tun. Wir sollten freilich nicht einem Fatalismus verfallen, der die technischen Systeme als unbewältigbar hinnimmt. Vielmehr verlangen unsere Bewältigungsversuche nach einer fundamentalen Haltungsänderung. Eduard Kaeser nennt es die Einstellung einer demutvollen Vigilanz, in Anlehnung an den renommierten holländischen Algorithmendesigner Edsger Dijkstra (72), der den Begriff des «demutvollen Programmierers» prägte. Demut meint das Eingeständnis, künstliche Systeme nicht vollständig durchschauen zu können; Vigilanz meint das nicht erlahmende Bemühen, sie nach bestem Stand des Wissens zu verstehen und zu kontrollieren. Wir «Alten» müssen uns immerfort weiterbilden, um diesen Diskussionen folgen zu können. Nicht mittels Besserwisserei, sondern demütig versuchen, in Zusammenarbeit mit den «jungen Wilden», unsere Erfahrung aus gesunder Distanz nutzbar zu machen. Eduard Kaeser stellt fest: «Menschen sind eine erstaunliche Murks-Spezies. Und wir leben in einem Murks-Universum. Es expandiert stetig. An seinen Rändern lauern das Unbekannte und die Pannen. Das heisst, der Umfang der notorischen «unbekannten Unbekannten» wächst. Und dann haben wir ein Problem: Die künftigen Systeme werden wahrscheinlich nicht nur komplexer sein, als wir Menschen uns das jetzt denken, sondern komplexer, als wir uns das je denken können. Technik tendiert zur Transzendenz.»

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#262 – Ehrgeizige «Alte» im Startup-Team

Entwicklung von Geschäftsideen
Neugierige und gut vernetzte «Alte» unterstützen die Geschäftsleitung von Startups, die oft gefangen ist in der eigenen «Informationsblase». Silodenken und übermässige Geheimnistuerei lassen Firmen in ihrer verklärten Realität verharren, was nicht selten zu Fehleinschätzungen führt. Als ehemalige Unternehmer kennen wir «Alten» solche Situationen aus eigener Erfahrung. Dank neutraler Aussensicht und einem breiten professionellen Verständnis sind wir ideale Partner in der Entwicklung und Schärfung von Geschäftsideen. Im Alter lässt die Hirnleistung nämlich nicht nach, unser Hirn funktioniert einfach anders. Wir können Wissen aus unserem Erfahrungsschatz tendenziell besser abrufen und komplexe Situationen schnell begreifen. Demgegenüber fällt es Jüngeren leichter, Neues zu lernen. Für komplexe Aufgaben lohnt es sich deshalb, «Alte» im Team zu haben. Als Sparringpartner in Jungunternehmen bringen wir Ruhe in die Diskussion, zeigen Alternativen auf und verfügen über die notwendige Ausdauer und Altersweisheit, um Ziele hartnäckig zu verfolgen. Oftmals ist die Ausdauer in Jungunternehmen nicht gross genug, Innovative Projekte werden unterdrückt und aus Bequemlichkeit in die traditionellen Organisationsprozesse hineingepresst. Die Innovationskultur eines Unternehmens muss von oben vorgelebt werden. Vielen Firmen gelingt es nicht, Mitarbeitende hinreichend zu stärken, zu inspirieren und intellektuell zu stimulieren, damit sie sich entfalten und ihre Innovationskraft einbringen können.

Unterschiedliche Charaktere an Bord holen
Alex Ochsner, NZZ vom 14. März 2022, schreibt unter dem Titel «Elon Musk und Jeff Bezos allein können es nicht richten» über Startups, die ihre Entstehung charismatischen, unkonventionellen Persönlichkeiten mit einer grossen Vorstellungskraft verdanken. Dabei erwähnt er die Verhaltensforscherin Linda Hill von der Harvard Business School, welche seit Jahren empirisch untersucht, wie Menschen in innovativen Organisationen zusammenarbeiten. Ihre wichtigste Erkenntnis lautet: «Innovationsfähigkeit hängt nicht an dem einen genialen Menschen im Unternehmen. Innovationen entstehen in der Zusammenarbeit von Menschen». Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten kommen zusammen, diskutieren und hauchen den gemeinsam erarbeiteten Ideen Leben ein – das ist laut Hill das Geheimnis wirklich innovativer Unternehmen. Für Bankmanagerin und Fintech-Pionierin Marianne Wildi, CEO der Hypothekarbank Lenzburg braucht es zum Erfolg Leute, die über den Tellerrand hinausschauen, auf andere Länder und Branchen. Um die Firmenkultur vermehrt auf Innovation auszurichten, hat die Bank externe Referenten eingeladen, in Mitarbeiterausbildung investiert, Coachs und Organisationsbegleiter ins Haus geholt sowie Hierarchien abgeschafft. Innovativen Unternehmen gelingt es, sich von innen heraus zu erneuern und agil zu werden. Sie lassen neues Denken jenseits hierarchischer Strukturen zu, binden Kunden aktiv in den Entwicklungsprozess ein und schaffen es, dass Mitarbeitende unterschiedlicher Abteilungen an einem Thema zusammenarbeiten.

Sprengung. Bild: Giulio Casti, Italien, Sony World Photography Awards 2022, Daily Mail, 15. März 2022

Innovation ist lernbar
Manchmal ist es auch besser, wenn ein Startup aufgibt und sich Neuem zuwendet, denn nicht alle sind innovativ. Doch Innovation sei lernbar meint Elon Musk, der wohl kreativste Unternehmer der Gegenwart. Es braucht sowohl die geniale Gründerpersönlichkeit als auch die Fähigkeit, im Team zusammenzuarbeiten und zu streiten. Für Musk gilt es hierbei drei Fragen zu beantworten. Erstens: «Haben Sie es versucht? Falls ja, dann strengen Sie sich mehr an.» Zweitens: «Wie können Sie eine Dienstleistung oder ein Produkt besser machen? Holen Sie negatives Feedback von allen Seiten ein, von Kunden und Nichtkunden.» Dritte Frage: «Verbringen Sie zu viel Zeit in Sitzungszimmern? Dann sind Sie auf der falschen Fährte.» Der Gründer von rund einem Dutzend Unternehmen – darunter Paypal, Tesla und SpaceX – ist kein Freund von Sitzungen. Er befindet sich lieber in einer seiner Fabriken und übernachtet zur Not auch einmal dort, wenn es an allen Ecken und Enden brennt. Für uns «Alte» gilt noch: «Learning by Doing» (Lernen durch Handeln) oder «Leading by Example» (mit gutem Beispiel vorangehen) und «Trial and Error» (Versuch und Irrtum), dabei nehmen wir bewusst auch die Möglichkeit von Fehlschlägen in Kauf. In der Umgangssprache bezeichnet man diese Vorgehensweise als «Ausprobieren», eine heuristische Methode, um Probleme zu lösen. Erfolgreiche Unternehmen erfinden sich neu, indem sie neugierig bleiben, immer wieder aktiv externe Perspektiven einnehmen und nicht in Regelwerken versinken.

Wenig ambitionierte Jungfirmen
Oliver Gassmann bezeichnet, im Interview mit Nicole Rüti, NZZ vom 14. März 2022, viele Jungfirmen in der Schweiz als «Walking Zombies». Er stellt fest, wie Schweizer Startups zu wenig ambitioniert seien. Die Schweiz gilt zwar als Innovationsweltmeisterin, doch es gibt zu viele Startups, die zu lange überleben. Sie sind zu gut, um zu sterben, aber nicht ehrgeizig genug, um wirklich stark zu wachsen. Sie tragen damit zu wenig zur Wertschöpfung unserer Volkswirtschaft bei. Es braucht mehr Unternehmen, die nicht nur im Erfinden und Patentieren gut sind, sondern auch im Skalieren ihrer Geschäftsidee. Gerade mittelständische Familienunternehmen schaffen es oft nicht, weil sie zu stark an ihrer Tradition festhalten. Es ist schwierig, das aufzugeben, was die Grosseltern und die Eltern aufgebaut haben, um auf attraktivere Geschäftsgebiete vorzustossen. Oftmals ist deshalb ein Bruch mit der Tradition angezeigt, um das Fortbestehen des Unternehmens nicht zu gefährden. Denn viele bahnbrechenden Technologiesprünge, wie die Entwicklung von der Schreibmaschine zur Textverarbeitung am Computer oder vom Verbrennungsmotor zur E-Mobilität, sind von den Branchenführern verpasst worden – sei es aus Selbstzufriedenheit und Überschätzung des eigenen Erfolgs oder aus Angst vor der Kannibalisierung durch neue Geschäftsmodelle. Doch innovative Unternehmen sind bereit, dieses Risiko einzugehen und alte Strukturen aufzubrechen oder ganz zu zerstören – nicht zuletzt, um nicht selbst kannibalisiert zu werden, schreibt Alex Ochsner.

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Mit unserer Erfahrung aus der analogen, zusammen mit Erkenntnissen aus der digitalen Welt, sind wir «Alten» gerne bereit, diese mit KMU’s oder im Team mit jungen Forschenden und Wissenschaftern auf Augenhöhe zu teilen. Suchen Sie einen Mentor, eine Mentorin oder Coach, «kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

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