Blog, Industrie 4.0

#446 – «Alte» in einer neuen Arbeitswelt

Eine Arbeitswelt ohne Mitarbeitende
«Warum sich CEOs auf Konkurrenten vorbereiten müssen, die ausschliesslich auf künstliche Intelligenz KI setzen». Unter diesem Titel veröffentlichten Vladimir Lukic, Nina Kataeva, Nicolas de Bellefonds, Ulrich Pidun, Gabe Bouslov, und Adam Job der BCG Boston Consulting Group im Oktober 2025 ihren Beitrag zur aktuellen Geschäftslage. KI steht an einem Wendepunkt. Strategie trifft nun auf Umsetzung: Autonome Agenten und KI-gestützte Prozesse verändern die Arbeitswelt grundlegend. Die Vorreiter, die entschlossen handeln, werden den Takt für das nächste Jahrzehnt vorgeben. Auch KMUs aus jeder Branche werden sich bald Konkurrenten gegenübersehen, die keine Mitarbeiter haben. Mit fortschreitender Kapital-, Rechen- und Koordinationsfähigkeit entwickeln sich KI-basierte Unternehmen – die vollständig von spezialisierten KI-Agenten gesteuert werden – von einer blossen Idee zu einer ernstzunehmenden Bedrohung. Diese Unternehmen profitieren von strukturellen Kostenvorteilen, sofortiger Anpassungsfähigkeit und kontinuierlichen Lernprozessen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen etablierte Unternehmen von KI-Sensibilisierung zu KI-First-Strategien übergehen – KI als Kernbestandteil ihrer Geschäftsprozesse integrieren, nicht als blosses Zusatzmodul. Die Erfahrung von uns «Alten» ist ein wichtiger Faktor in dieser Herangehensweise. Im Team mit den «jungen Wilden» entstehen Arbeitsabläufe, werden Ziele vorgegeben und Visionen umgesetzt.

Digitalisierung in analoger Umgebung
Neulich durfte ich an der Abendveranstaltung eines befreundeten Software-unternehmens teilnehmen. Dabei präsentierten Vertreter des Bau- und Immobiliensektors verschiedenste Projekte, deren Umsetzung in der Praxis fehlschlugen. Auffallend war bei allen Beiträgen, wie wenig sich in den letzten Jahren, trotz technologischer Fortschritte, traditionelle Arbeitsweisen verändert haben. Erstaunlich war auch die Feststellung zu den Grenzen unserer Kommunikation und die Vorherrschaft vieler «Bauchentscheide». Trotz Datenlage und besseren Wissens entschied man sich wiederholt für die schlechteste Variante oder hoffte vergeblich auf das «Unmögliche». Beim anschliessenden Apéro ergab sich die Möglichkeit offene Fragen zu vertiefen. Mein Fazit des Abends: Der Erkenntnisgewinn aus gescheiterten Projekten ist für uns kompetente «Alte» wenig inspirierend. Lehrreicher wären positive Erfahrungen beim Einsatz entsprechender Technologien, als Grundlage für fundierte Entscheide. Kompetente «Alte» Mentor:innen oder Sparringspartner im Team mit den «jungen Wilden» sorgen dafür, die geeigneten digitale Hilfsmittel gewinnbringend einzusetzen.

Wallpaper Idee, Pinterst.com

Willkommen im Zeitalter des ausgelagerten Denkens
In einem aktuellen Beitrag auf der Plattform TEDAI aus Wien, spricht Advait Sarkar, Senior Researcher bei Microsoft (AI & Critical Thinking) zum Thema: «Wie Sie verhindern können, dass KI Ihr kritisches Denken zerstört». Auch wir «Alten» sind zu intellektuellen Touristen geworden, ist er überzeugt, denn unsere Beziehung zu unserer Arbeit wird vollständig von KI vermittelt, respektive entfremdet. Wir haben weniger Ideen, denken weniger kritisch darüber und erinnern uns schlechter an sie. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass KI-gestützte Arbeitsabläufe tiefgreifende Auswirkungen auf das menschliche Denken haben können, selbst für scheinbar triviale, alltägliche Aufgaben. Um für komplexe Aufgaben Höchstleistungen zu erbringen ist es unerlässlich, dass wir unser kritisches Denken und Gedächtnis trainieren um unsere kognitiven Fähigkeiten zu erhalten. Sarkar ist überzeugt, über ihre Rolle als Assistenz hinaus, muss die KI ein Werkzeug zum Denken sein, das hinterfragt und nicht gehorcht. An einem praktischen Beispiel zeigt er wie KI, über die reine Problemlösung hinaus uns hilft, im «Dialog» eine Aufgabe besser zu verstehen und besser zu erledigen. Als Werkzeug zum Denken soll sie uns die richtigen Fragen stellen, um über die Automatisierung bekannter Prozesse hinaus, das Unbekannte zu erforschen.

KI: Kleine Sprachmodelle für die Zukunft
In ihrer Präsentation vom September 2025 auf der Plattform TED sprach die ukrainische KI-Computerforscherin Sasha Luccioni (35) wie die KI zur Revolutionierung der Wissenschaft und Steigerung der Produktivität führt, bei gleichzeitiger Gefahr für die Umwelt. Soll KI die Zukunft der Menschheit verändern oder das Ende der Menschheit, wie wir sie kennen, herbeiführen? Anstatt wie kürzlich bekannt wurde, Rechenzentren so gross wie den Stadtteil von Manhattan zu bauen, um den Bedarf an Superintelligenz zu decken, sollten wir vielmehr in kleine, nachhaltige aber leistungsstarke KI-Modelle investieren. Heute nutzen wir KI, als würden wir alle Lichter eines Stadions einschalten, nur um einen Schlüsselbund zu finden. Grosse Sprachmodelle (Large Language Models LLMs) wie ChatGPT werden heute für alle möglichen Eventualitäten trainiert und verbrauchen jedesmal mehr Energie als Modelle, die jeweils nur eine bestimmte Aufgabe erledigen können. Diese kleinen Sprachmodelle (Small Language Models, SLMs), sind deshalb um Grössenordnungen kleiner. Das kleinste dieser Modelle hat etwa 135 Millionen Parameter und ist damit 5’000-mal kleiner als das Modell von DeepSeek. Sie stellen die Annahme «Grösser ist besser» auf den Kopf, indem sie mit weniger Daten, weniger Rechenleistung und mit weniger Energie auskommen und dennoch die gleichen Resultate erbringen. Sie sind so klein, dass sie buchstäblich auf unserem Smartphone oder im Webbrowser laufen. Zugriff auf modernste KI direkt in unserer Hand, ohne die Notwendigkeit für riesige Rechenzentren. Da sie kleiner und kostengünstiger zu trainieren sind, ermöglichen sie KMUs sich innerhalb ihres Biotops zu vernetzen um mit grossen KI-Unternehmen zu konkurrieren.

Die Sprache von Sprachmodellen
Michael Corballis (1936-2021), neuseeländischer und kanadischer Psychologe, referierte im August 2020 auf der TED-Plattform über «Das grosse Rätsel der Evolution: Sprache». Nicht nur wir Menschen haben Sprache, andere Spezies nutzen Rufe und Gesten zur Kommunikation. Doch bisher erreicht wohl keine tierische Kommunikation das Potenzial menschlicher Sprache. Es existieren etwa 7’000 verschiedene Sprachen und jedes Kind kann jede Sprache lernen. Demzufolge ist der biologische Mechanismus für Sprache uns allen gemeinsam. Das schient auch die Forschung an den Sprachmodellen anzutreiben. Die Abstraktion gestischer Kommunikation machte wohl das Visuelle überflüssig und schuf den Übergang zur gesprochenen Sprache. Das gesprochene Wort macht in der Entwicklungsgeschichte die Hände für Werkzeugnutzung und Transport frei. So hat wohl die Entstehung des Sprechens und nicht der Sprache an sich zur Dominanz unserer Spezies geführt. Sprache hängt nach Corballis so eng an komplexem Denken, Wahrnehmung und motorischen Funktionen, dass ihre biologischen Ursprünge schwer festzustellen sind. Inwieweit, so rätselt er, gestaltete das Sprachvermögen die Menschheit und inwieweit gestaltete die Menschheit die Sprache? Die Sprachmodelle der KI erweitern somit die grosse Zahl vorstellbarer Szenarien oder unsere Fähigkeit, sie mitzuteilen.

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#358 – Wir «Alten» gegen das Vergessen

Wozu Geschichte?
Auslöser für diesen Blogbeitrag war der Kommentar von Marc Tribelhorn in der NZZ am 29. Februar 2024: «Jugend ohne Geschichte: Vorwärts in die gedächtnisfreie Gesellschaft». Der Autor schreibt darüber, wie immer weniger junge Leute Geschichte studieren. Er sieht die Ursachen dafür in der bildungspolitischen Offensive bei den sogenannten Mint-Fächern. Die Logik des Arbeitsmarkts habe einen Einfluss, also die Forderung nach einer direkten ökonomischen Verwertbarkeit des erlernten Wissens, weshalb eher Medizin, Wirtschaft, Recht oder Informatik studiert würden. Für mich war es schon immer wichtig, Entwicklungen, wie beispielsweise die Anwendungen von KI künstlicher Intelligenz, in den geschichtlichen Kontext einer Gesellschaft einzuordnen. «Fortschritt» entsteht mehrheitlich durch iterative Weiterentwicklung bestehender Technologien. Wir «Alten» haben in unserem Leben vieles mitgestaltet und kennen die Geschichte aus Erfahrung, unser Vorsprung gegenüber den «Jungen». Oder wie es der Philosoph Ludwig Hasler (80) ausdrückt: «Das ist Erfahrung, und Erfahrung kann man nicht abkürzen. Es gibt keinen Bachelor in Erfahrung. Erfahrung ist realitätsgesättigtes Wissen.» Die Kulturpessimisten finden, dass die jungen Leute von heute immer weniger wissen, was nicht unbedingt mit dem neuen «kompetenzorientierten» Unterricht zu tun hat, denn auch dort braucht es Faktenwissen, schreibt Marc Tribelhorn. Deshalb liegt es an uns «Alten», diese «Wissenslücken» mit unserer Kompetenz, (Lebens-)Erfahrung und Reife schliessen. Unsere Seniorität erhebt den Anspruch unsere Handlungen als Verantwortung gegenüber der Gesellschaft zu sehen.

Zukunft braucht Herkunft (Odo Marquard, deutscher Philosoph)
Geschichte ist die Schulung von Quellenkritik und Medienkompetenz, gerade angesichts von Fake News, Big Data und künstlicher Intelligenz, von Krieg und Antisemitismus. In ihrem 2024 erschienen Buch «Die sieben Weltwunder der Antike» beschreibt Bettany Hughes in ihrer Schlussfolgerung wie wir alle nach dem Sinn suchen. Für Geschichten mit Handlung. Für Veranstaltungen mit Muster. Wir lieben die Idee der sieben Wunder, weil es eine Gruppierung ist, die der Geschichte Zusammenhalt verleiht. Wunder erfüllen einen wichtigen dreifachen Zweck. Sie wurden teilweise gebaut, um unser Bedürfnis nach wundersamen Geschichten zu stillen – um das Grösste, das Beste, das Höchste, das Seltsamste, das Kühnste zu erleben und darüber zu sprechen. Sie erinnern uns an unseren überwältigenden Wunsch, zusammenzuarbeiten und etwas zu schaffen, das über die Möglichkeiten des Einzelnen hinausgeht. So wie die Zahl Sieben unteilbar ist, jede Sieben der anderen gleich ist und keiner ihrer Faktoren grösser ist als die anderen, so sagt uns jedes der sieben Wunder etwas gleichermassen Wichtiges über die menschliche Reise.

Lange lebe Max Headroom, Geeks and Beats Podcast von 2015

Geschichten schreiben
Daniel Perrin, Direktor des Departements Angewandte Linguistik, ZHAW und Beirat im Verein Edition Unik zum Thema die Geschichten der «Alten»: «Halten wir Sprache fest, können wir die Geschichten greifbar und begreifbar machen, die das Leben schreibt.» Die Edition Unik ist ein unabhängiges Schweizer Kulturprojekt. Ins Leben gerufen 2015 von Martin Heller (1952-2021) im Büro Heller Enterprises in Zürich und seit seinem Tod als Verein organisiert. Die Edition Unik begleitet uns interessierte «Alte» mit einem strukturierten Programm auf dem Weg zum eigenen Buch. Die Bücher werden professionell gestaltet, gedruckt und gebunden.

Max Headroom
Auch hier geht es um den Kampf gegen das Vergessen. Max Headroom ist eine satirische Cyberpunk-Science-Fiction-Fernsehserie, wo 1984 seine Figur als Ansager für Musikvideos des britischen Channel 4 fungierte. Produziert wurde die Serie von Lorimar Productions und spielt in einer futuristischen Dystopie, die von einer Oligarchie von Fernsehnetzwerken beherrscht wird, und beinhaltet eine digitale Medienpersönlichkeit, die von Matt Frewer dargestellte Figur «Max Headroom», welche der Hacker Bryce Lynch aus den Hirnströmen des im Koma liegenden Reporters Edison Carter generierte. Der Name erklärt sich daraus, dass Carter bei seinem Motorradunfall mit dem Kopf gegen eine Schranke mit der Aufschrift MAX. HEADROOM (englisch für lichte Höhe oder max. Durchfahrtshöhe) geprallt ist, und dieser Schriftzug das letzte war, was er sah, bevor er ins Koma fiel.

Max Headroom Animation GIF – Find & Share on GIPHY, 2015

Wir bringen Sand zum Denken
Ganz neue Möglichkeiten mit dem Umgang von Geschichte eröffnet die KI künstliche Intelligenz. Das gesamte Wissen der Welt lässt sich innert Sekunden nach unserem Gusto durchsuchen und gemäss unseren parametrisierten Wünschen abbilden. Der historische Materialismus der digitalen Sozialingenieure im Silicon Valley nimmt mystische Züge an, findet Adrian Lobe im Feuilletonbeitrag der NZZ vom 29. Februar 2024. Unter dem Titel: «Tech-Priester im Silicon Valley wollen nicht Gott sein, sie wollen Gott schaffen – und dann den perfekten Menschen». Während in den KI-Schmieden an neuen Sprachmodellen gewerkelt wird, läuft im Hintergrund ein Wettrennen um die nächste Entwicklungsstufe: Artificial General Intelligence (AGI). Eine Superintelligenz, die alles kann, was das menschliche Gehirn zu leisten vermag, wäre gewissermassen die Krone der Schöpfung, schreibt Lobe. Im «Techno-Optimist Manifesto», welches der Investor Marc Andreessen vor wenigen Monaten publiziert hat, bemerkt dieser: «Wir glauben, dass künstliche Intelligenz unsere Alchemie ist, unser Stein der Weisen – wir bringen buchstäblich Sand zum Denken.» Gemeint sind Computerchips, deren Basis Sand beziehungsweise Quarz ist und die KI-Systeme am Laufen halten. Google und Co. sind einst angetreten, das Wissen der Welt zur Verfügung zu stellen. Und jetzt kommt ein einflussreicher Investor, der Steine zum Denken bringen will? Das wirkt wie die Karikatur des Projekts der digitalen Moderne.

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#190 – Künstliche Intelligenz dank Erfahrung

Deep Learning braucht Deep Thinking
In der Diskussion über KI künstliche Intelligenz stellen wir uns die Frage, welche Intelligenz wir meinen. Ist es das vertiefte Denken, das unter anderem auch Erfahrung voraussetzt, oder ist es einfach das (maschinelle) «Lernen» wiederholbarer Vorgänge. Der Schweizer Physiker und Philosoph Eduard Kaeser (72), schreibt dazu in der NZZ vom 10.10.2020, wie ohne theoretischen Leitfaden die Arbeit des Verstehens in der Datenschwemme erstickt. Die (Lebens-)Erfahrung von uns «Alten», gepaart mit dem aktualisierten Wissen der «Jungen», scheint mir deshalb eine wichtige Voraussetzung zur Programmierung von künstlicher Intelligenz. Der Erfolg künstlicher Intelligenz beruht auf der Fähigkeit von Maschinen, blitzschnell riesige Datenmengen zu durchforsten, was nichts sagt über die Qualität dieser Daten. Die Programmierung geschieht heute noch grossmehrheitlich im englischsprachigen Kulturraum, mit teilweise sperrigem Ergebnis. Ich bin deshalb der Meinung, dass Applikationen auch nationale oder regionale Eigenheiten berücksichtigen müssten. Einfach alles auf Deutsch zu übersetzen greift dabei zu kurz.

Denken setzt Erfahrung voraus
Die Künstliche-Intelligenz-Forschung (KI-Forschung) setzt enorme Hoffnungen in automatisiertes Lernen. Das klingt alles wunderbar, aber um kausale Mechanismen und Zusammenhänge wirklich zu erklären, benötigt man Theorie – «tiefe» Theorie, schreibt Eduard Kaeser. Konzeptuelle Probleme sind Probleme des Konzipierens, also des Denkens, und solches Denken setzt Vorwissen voraus. Als Beispiel nennt er die Physik, wo alle fundamentalen Begriffe dem Denken entsprungen sind, nicht dem Datensammeln: Raum, Zeit, Bewegung, Materie, Kausalität, Energie, Fernwirkung, um nur einige zu nennen. Aber was heisst eigentlich Theorie und Verstehen? Gemäss Kaeser ist Theorie das Denken im Konjunktiv, sie beginnt stets mit der Wendung «Stellen wir uns vor, dass . . .» oder «Was wäre, wenn . . .». Empirie dagegen ist Denken im Indikativ, sie beginnt mit der Wendung «Schauen wir, was ist». Als Beispiel nennt er den Prähominiden, der vor 50 000 Jahren nicht einfach fragte: «Wo ist das Mammut?», sondern theoretisierte: «Wo könnte sich das Mammut unter diesen Wetterbedingungen aufhalten?». Daten lassen sich überall da sammeln, wo die Fragen «Wer?», «Wo?», «Was?», «Wann?», «Wie?» beantwortbar sind. Nur nicht bei der Frage «Warum?». Modelle ergeben sich nicht «von selbst aus den experimentellen Daten». Wir brauchen Theorien, sonst droht die Arbeit des Verstehens in der Datenschwemme zu ersticken.

Datensammeln: Vermessung von Infrastrukturen, Verkehrsbetriebe Zürich, Sommer 2020, Bild: WKR

Intervention und Imagination
«Deep Learning» ist im wesentlichen Statistik, nicht Wissen. «Tiefes Lernen» funktioniert oft nach dem Prinzip: immer mehr vom Gleichen. Die statistischen Methoden sind heute äusserst elaboriert, man sollte von ihnen jedoch nicht erwarten, dass sie es auf die Stufe der Intelligenz schaffen, wie wir sie vom Menschen her kennen. Diese Intelligenz setzt «tiefes Denken», die planvolle Intervention und Imagination voraus. Man kann nicht immer das Gleiche zu tun und dabei Anderes erwarten. Zum Beispiel fehlt uns immer noch die automatisierte Erfassung von Meldung aus der App, den Kantonen und Gemeinden zu den COVID-19 Fallzahlen, um daraus zeitnah unterschiedlichste Statistiken zu generieren. Noch sind zu viele manuelle (fehlerbehaftete) Zwischenschritte notwendig, vermisst wird das Konzept des «computational thinking», das vernetzte (rechnerische) Maschinendenken, es fehlt dazu an einer «Vogelperspektive». Dass die Schweizer App im übrigen Europa nicht funktioniert zeigt wie schwer man sich tut mit der Digitalisierung. Kommt dazu, dass die Behörde nur zu Bürozeiten, ohne Wochenenden, «lernt». Seit Monaten gibt man sich zufrieden mit «linearen, föderalistischen Denkprozessen» und vergibt sich damit auch Optionen, durch dynamische Veränderung der Parameter, alternative Zusammenhänge sichtbar zu machen.

Kompetente «Alte» stellen ihre Erfahrung zur Verfügung
«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Wir «Alten», Frauen und Männer, im Team auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen unsere Erfahrung mit Leidenschaft zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

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