Blog, Industrie 4.0

#421 – KI-Agenten und der Input der «Alten»

Künstliche Intelligenz KI ist auf dem Vormarsch
«Die Welt nimmt KI in einer atemberaubenden Geschwindigkeit an», fasste es Sundar Pichai (52), CEO von Google auf der Bühne des Shoreline Amphitheaters zusammen. Anlässlich der Entwicklerkonferenz vom Mai 2025 in Mountain View im US-Gliedstaat Kalifornien wurden einige Beispiele für die neue Agentenfunktion vorgestellt. Man kann dem Agenten erzählen, wenn man eine neue Wohnung sucht, und dieser durchstöbert das Internet nach Angeboten, fasst diese in Tabellen zusammen und vereinbart auf Wunsch Besichtigungstermine. Auf Wunsch kann der Agent auch auf die Emails, Kontakte und andere persönliche Daten des Nutzers zugreifen. Am Ende sind all dies Zwischenschritte auf der Reise zu Googles ultimativem Ziel: allgemeiner künstlicher Intelligenz, also der Zustand, in dem Computer so denken, tun und fühlen, dass sie nicht mehr von Menschen zu unterscheiden sind.

Andy Warhol (American, 1928-1987): Campbell’s Soup Cans, 1962, Ferus Gallery in Los Angeles, California

Die Nutzung künstlicher Intelligenz mit Agenten
Von der Automatisierung wiederkehrender Aufgaben bis hin zur Revolutionierung komplexer Arbeitsabläufe – KI-Agenten definieren Produktivität und Innovation für die Unternehmen von morgen neu. KI-Agenten beobachten ihre Umgebung, nutzen umfassende Sprachmodelle (LLMs) für die Planung und greifen auf vernetzte Systeme zu, um Massnahmen einzuleiten und Ziele zu erreichen. Im Beitrag zum Thema KI-Agenten der Boston Consulting Group BCG vom Mai 2025, erklären Experten die Komponenten und Arten von KI-Agenten, wie sie eingesetzt werden und was sie zu leisten vermögen. KI-Agenten bieten in drei Hauptbereichen geschäftlichen Mehrwert:

◼︎ Automatisierung standardisierter Geschäftsprozesse: KI-Agenten können sich wiederholende Aufgaben präzise und schnell erledigen, wodurch menschliche Fehler reduziert werden und Mitarbeiter sich auf wichtigere Aufgaben konzentrieren können.

◼︎ Zusammenarbeit mit Menschen: Als intelligente Kollaborateure unterstützen virtuelle Agenten in der KI menschliche Teams, indem sie umsetzbare Erkenntnisse liefern, die Entscheidungsfindung unterstützen und Aufgaben ausführen, welche die menschliche Expertise erweitern.

◼︎ Datenerkenntnisse gewinnen: In datenreichen Umgebungen analysieren und synthetisieren KI-Agenten Informationen in einem Umfang, den kein menschliches Team erreichen könnte. Sie erkennen Muster und liefern Erkenntnisse, die strategische Entscheidungen vorantreiben.

KI-Agenten sind die Zukunft
Mit zunehmender Verbreitung von KI-Agenten werden diese wie «Teamkollegen» mit Menschen eng zusammenarbeiten. Sie werden wie menschliche Mitarbeitende eingearbeitet, um Rollen und Verantwortlichkeiten zu erlernen, auf relevante Unternehmensdaten und Geschäftskontexte zuzugreifen, sich in Arbeitsabläufe zu integrieren und die menschlichen Aufgaben zu unterstützen. «Alte» helfen mit ihrer Erfahrung aus der analogen Welt beim Trainieren der Software.

Kleine Unternehmen profitieren
Komplexe Diszipline wie Softwareentwicklung, Kundenservice und Business Analytics, die früher grosse Teams erforderten, brauchen nun deutlich kleinere Teams, die mit verschiedenen Arten von KI-Agenten zusammenarbeiten. Dadurch können auch kleine Unternehmen KMUs schneller skalieren, da sich KI-Agenten schnell replizieren können, und sind weniger auf Neueinstellungen von Fachkräften angewiesen, um zu wachsen.

Andy Warhol (1928-1987) —From A to B and Back Again, 2018–19. Photo: Ron Amstutz. © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York.

«Alte» im Team
Die Überwachung virtueller KI-Agenten wird zu einer zentralen Teamkompetenz, um sicherzustellen, dass die Agenten ihre Ziele erreichen und Datenschutz-, Fairness- und ethische Standards einhalten. Je mehr KI-Agenten verbreitet werden, desto wichtiger wird ihre Verwaltung durch die Mitarbeitenden. Daher ist deren Schulung in verantwortungsvoller KI auf allen Unternehmensebenen von entscheidender Bedeutung. Wir «Alten» im Team agieren, basierend auf unserer Erfahrung, als Mentoren oder Sparringspartner. Dank unserer Seniorität erfüllen wir auch die Funktion des «sozialen Gewissens».

Andy Warhol (American, 1928-1987), «The Shot Blue Marilyn» 1962 – verkauft für USD 195.4 Millionen (Christie’s, May 2022)

Paradigmenwechsel bei der Bewertung von Arbeit
Im Austausch mit CLAUDE von Anthropic, suchten wir nach Antworten zur Neudefinition von «Arbeit», um herauszufinden wie die Nutzung generativer künstlicher Intelligenz GenKI dazu führt, dass wir als Gesellschaft den Wert von Arbeit neu denken müssen. CLAUDE erklärt, wie sich unser Verständnis von «wertvoller Arbeit» verändert, wenn KI repetitive und sogar kreative Aufgaben übernehmen kann. Wenn sich der Wert menschlicher Arbeit weg von reiner Produktivität hin zu Bedeutsamkeit und Sinnstiftung verschiebt und der Fokus sich von «was produziert wird» zu «wie wir arbeiten» und «warum wir arbeiten» verändert. Wenn die KI produktiver ist als wir Menschen, wird Arbeit zum Ausdruck des Menschseins statt der Rechtfertigung unserer eigenen Existenz: «Wie kann meine Arbeit als Mensch zur Gesellschaft beitragen?». GenKI kann Spezialwissen schnell generieren, aber die Einordnung dieses Wissens in grössere Zusammenhänge bleibt eine menschliche Stärke. Egal, ob Text, Datenbank oder Modell – weiterhin unerlässlich sind fachkundige Menschen, die den Output kritisch prüfen und korrigieren. Eine erfolgreiche Digitalisierung fordert deshalb mehr als zuvor unsere zwischenmenschlichen und kommunikativen Fähigkeiten heraus. Wir «Alten» sind gefordert. Der Wert von Arbeit könnte verstärkt in ihrer Fähigkeit liegen, persönliches Wachstum zu fördern: «Was lerne ich dabei?» gewinnt an Bedeutung gegenüber «Was verdiene ich dabei?».

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
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#354 – Die Zukunft von Arbeit mit uns «Alten»

Unsere Produktivität leidet unter der Digitalisierung
Wer schon einmal versucht hat sein Smartphone aufzuräumen, weiss wie zeitaufwändig und kompliziert das alles sein kann. All die Verknüpfungen, Sicherheitsmassnahmen, Passwörter, PIN’s und hinterlegten Zahlungsmittel mit den verschiedenen Apps zu verbinden, um eine reibungslose Tramfahrt oder das Bezahlen eines Zeitungsabonnements zu ermöglichen. Wir verbringen Stunden mit diesen Geräten und verlieren dabei schnell den Überblick, wer nun was von uns weiss. Seit 2008 das erste iPhone auf den Markt gekommen ist und die Social-Media-Plattformen Auftrieb erhalten haben, stagniert das Produktivitätswachstum. Wir verbringen mittlerweile 21 Jahre unseres Lebens vor dem Bildschirm und 7,5 Jahre auf Social Media. Der Produktivität ist das nicht zuträglich, sagt der Arbeitspsychologe Tomas Chamorro im Gespräch mit Christin Severin in der NZZ vom 2. Oktober 2023.

Kreative «Alte» zum Trainieren der KI
Tomas Chamorro-Premuzic ist Professor für Wirtschaftspsychologie am University College London und an der Columbia University New York sowie Mitglied des Entrepreneurial Finance Labs von Harvard. Als Chief Innovation Officer bei der Manpower Group, die 10’000 Personalvermittler:innen beschäftigt und pro Jahr zwei Millionen Kandidat:innen vermittelt, versucht er KI künstliche Intelligenz in den Bereichen zu trainieren, wo sie übersehene Signale für Potenzial erkennt, um damit schneller bessere Leute zu finden. Im Interview unter dem Titel «Wer im Home-Office nicht arbeiten will, geht joggen. Wer im Büro nicht arbeiten will, surft im Internet», stellt er fest, wie uns das Handy trotz all seiner Vorteile eigentlich dumm macht. Auf die Frage, was es braucht um sich als Mensch im Zeitalter von KI auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten, findet er, dass wir Menschen unseren Intellekt, die Kreativität und Innovationskraft im Kontrast zur regelgebundenen und vorhersehbaren KI nutzen müssen. Was vorhersehbar ist, lässt sich standardisieren und dann automatisieren. Bei automatisierten Tätigkeiten verliert der Mensch gegen die Maschine. Für uns «Alte» im Team heisst das, wir müssen unsere Erfahrung, Weisheit und Reife beim Trainieren der KI einfliessen lassen.

Franz Kafka (1883-1924), Gekritzel

Automatisierung ermöglicht uns «Denkfenster»
Wir fördern die Kreativität, indem wir die Zeit, die wir durch Automatisierung sparen kreativ nutzen anstatt auf Tiktok, Youtube oder Facebook zu vertrödeln. Unsere Smartphones sind allgegenwärtig, fast schon am Körper angewachsen. Durch die ständige Ablenkung verlieren wir die Fähigkeit, uns während einer längeren Zeit auf eine Sache zu konzentrieren, was die Arbeit beeinträchtigt. In Umfragen sagen 70 Prozent der Arbeitnehmenden, dass sie durch das Smartphone abgelenkt werden. Unsere geistigen Fähigkeiten reduzieren sich dadurch in erheblichem Ausmass. 60 bis 85 Prozent der Smartphone-Nutzung geschieht während der Arbeitszeit. Wir müssen lernen mit diesen Geräten einen besseren Umgang zu pflegen, denn Technologiefeindlichkeit ist nicht die Antwort. Schlussendlich hilft uns der «Brockhaus» in der Hosentasche bei der Erledigung mancher Aufgaben. Jeder Mensch muss seine eigene Selbstwahrnehmung entwickeln und sich Selbstdisziplin abringen, um gewisse Zeiten bewusst als «Denkfenster» zu nutzen.

Arbeit ist nicht gleichLeistung
Viele Unternehmen haben Angst, dass ihre Mitarbeitenden im Home-Office schnell abschweifen.Dabei wird die disziplinierende Kraft des Büros überschätzt. Manager sind oft nicht besonders gut darin, Output und Produktivität ihrer Leute einzuschätzen und fokussieren zu stark auf den Input, also die im Büro abgesessenen Stunden. Die schiere Anwesenheit ihrer Untergebenen, die alle vorgeben höchst produktiv zu sein, tut vielen Vorgesetzten gut. Gerade bei hochqualifizierten Angestellten ist es schwierig, ihre Leistung objektiv zu messen. Grundsätzlich gilt: Je mehr Geld man verdient, desto härter wird es, festzustellen, wie wertvoll der individuelle Beitrag wirklich ist.

Arbeit ist vor allem ein Job
Man muss erkennen, dass das Büro zu einem sozialen Treffpunkt wird, den die Leute besuchen, um nicht zu arbeiten. Man geht wegen der persönlichen Begegnungen, aber auch um Ideen zu finden, die einem persönlich weiterhelfen. Viele Unternehmen klagen darüber, dass die Generation Z anspruchsvoll und wenig leistungsbereit sei. Junge Leute kündigen heute, wenn sie merken, dass ein Unternehmen nicht nach ihren Werten lebt. Unabhängig von der Generation wollen alle einen gut bezahlten Job, flexible Arbeitszeiten, ein Unternehmen mit Werten, ein grossartiges Sozialleben, der eigene Chef sein, unlimitierte Ferien, einen Firmen-Scooter . . . De facto gibt es nicht viele Jobs, die all das einlösen können. Wir «Alten» sind dagegen in unseren Erwartungen häufig realistischer, werden aber diskriminiert. Altersdiskriminierung ist weit verbreitet. Das hängt mit völlig falschen Vorstellungen zusammen, wie Leute Mehrwert schaffen. Generell erwarten wir zu viel von der Arbeit und sollten uns eingestehen dass wir vor allem einen Job machen und dafür bezahlt werden.

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#329 – Die «Alten» verabschieden sich

Zeitbombe Fachkräftemangel
Der Mangel an Spezialisten und Fachkräften sorgt dafür, dass ältere Arbeitnehmende wieder vermehrt gesucht werden, schreibt Michael Ferber im Kommentar der NZZ vom 16. Juni 2023 unter dem Titel: «80 ist das neue 60» – aber es gibt kein Grundrecht auf einen jahrzehntelangen Ruhestand. Die Lebenserwartung bei Geburt in der Schweiz gehört zu den höchsten in der Welt. Im Jahr 2021 lag sie für Frauen bei 85,7 und für Männer bei 81,6 Jahren. Der demografische Wandel spitzt sich zu und zeigt sich in den sozialen Sicherungssystemen, am Arbeitsmarkt sowie in zunehmenden Generationenkonflikten. Mit der Pensionierung der Babyboomer wird der Fachkräftemangel auch in der Schweiz grösser. Die Ökonomen der Grossbank UBS rechnen für den Verlauf des kommenden Jahrzehnts mit einem Mangel an Fachkräften in Höhe von 300 000 bis 500 000 Personen. Gemäss der Adecco-Gruppe und der Universität Zürich sind Ingenieur:innen sowie Fachkräfte in den Bereichen Gesundheit und IT besonders gesucht.

Arbeiten an der Produktivität
Dieser Mangel an Spezialisten und Fachkräften sorgt dafür, dass wir «Alten» wieder vermehrt gesucht werden mit deutlich besseren Chancen, eine Stelle zu finden und zu behalten. Für «Ü50»-Arbeitskräfte hat der demografische Wandel also durchaus auch seine positiven Seiten, auch Quereinsteiger erhalten damit mehr Freiheiten, vorausgesetzt sie bilden sich weiter und bleiben flexibel. Die Entwicklung zwingt Unternehmen, offener und toleranter zu werden. Im Zusammenhang findet sich dieser Leserkommentar: «Es gibt auch kein Grundrecht auf jahrelanges Faulenzen und Herumlungern bis über 30, bis man sich schlüssig geworden ist, welcher Job einem denn die beste Work-Life-Balance bieten könnte. Da ist der Zug eh längst weg.» Angesichts der Diskussionen um künstliche Intelligenz KI, womit unsere Arbeit durch eine fortschrittliche Software, welche Tätigkeiten (im Verhältnis) kostenlos und in gleicher oder besserer Qualität erledigt, überflüssig wird, könnte man sich fragen: weshalb arbeiten wir dann weiter? Doch generative KI wird nicht das Ende der Beschäftigung sein, sondern nur das von «langweiliger Arbeit». Selbst wenn die Arbeit keinen Mehrwert bietet, sehen wir im Weitermachen auch etwas tugendhaftes, etwas moralisches in der Anstrengung. Dabei geht es darum, dass unser Job nicht nur die Quelle unseres Lohns ist, sondern auch die Quelle unserer Identität und ein Weg zur Selbstverwirklichung.

Architekt Frank O. Gehry (94), Gehry Partners LLP, Walt Disney Concert Hall 2003, Los Angeles, California

«Alte» als Bremser der Innovationskraft
Für Michael Ferber stellt sich aber auch die Frage, ob die Produktivität und die Innovationskraft in einer alternden Gesellschaft auf dem bisherigen Niveau erhalten bleiben können. Als besonders produktiv gelten Menschen im Alter von 25 bis 45 Jahren. Zudem gehen Unternehmensgründungen zumeist auf das Konto von Personen im jüngeren bis mittleren Alter. Laut der Fachhochschule Nordwestschweiz ist die durchschnittliche Gründungsperson in der Schweiz männlich und 40,4 Jahre alt. Er verweist auch auf den Generationenkonflikt zwischen jüngeren Menschen und den Babyboomern. Die Jüngeren werfen den Älteren vor, die Umwelt und die Sozialsysteme zu plündern, den Klimawandel zu ignorieren und nicht an kommende Generationen zu denken. Dies äussert sich im Ausdruck «Okay, Boomer», mit dem Jüngere in letzter Zeit häufig auf als veraltet wahrgenommene Aussagen von Babyboomern reagieren.

Der Rückstand gegenüber den USA wird immer grösser
In seiner Analyse zur drohenden Rezession in Europa schreibt Armin Müller im Tages Anzeiger vom 27. Juli 2023, denn auch, wie die alternde Bevölkerung in Europa auf die Produktivität drückt. Neben den negativen Auswirkungen auf die Sozialwerke, verweist er auf die schwindende Kaufkraft und den Lebensstandard der Europäer im Vergleich zu den USA. Das offizielle Mindestalter zum Bezug der staatlichen Rente (SS social security, ähnlich der schweizer AHV) liegt dort für Babyboomer (1943-1954) bei 66 Jahren. Spätestens im Alter von 72 müssen diese dann mit ihren Bezügen aus privaten Pensionsplänen (IRA individual retirement account, ähnlich der schweizer Säule 3a), beginnen. Im Gegensatz zur Schweiz, wo man uns «Alte» gerne auf das biologische Alter reduziert, fokussieren die USA auf den Beitrag aller Menschen an die Wirtschaftsleistung. Wie wir aktuell miterleben, bleiben Präsidenten und Präsidentschaftskandidaten, Abgeordnete oder Richter:innen bis ins hohe Alter, oft auf Lebzeiten im Amt, solange sie ihre Leistung erbringen.

Festival da Jazz St. Moritz 2023, Dee Dee Bridgewater (73), US-amerikanische Jazzsängerin und Schauspielerin, mit der NYO Jazz Carnegie Hall Bigband, einige der besten jungen Jazzmusiker:innen aus den USA

Die Stärke der EU sind Regulierungen
Armin Müller hält fest, wie die grössten Technologie­unternehmen der Welt, gemessen an deren Marktkapitalisierung, alle US-amerikanisch sind. Unter den Top 20 finden sich nur zwei europäische Unternehmen – der niederländische Anbieter von Lithographiesystemen für die Halbleiterindustrie ASML und der deutsche Softwarekonzern SAP. Von den hundert meistzitierten wissenschaftlichen Arbeiten über künstliche Intelligenz kamen 68 aus den USA und 27 aus China, aber nur eine aus Deutschland. Führend ist die EU in den Zukunftsbranchen höchstens bei der Regulierung. «In den letzten zehn Jahren ist die EU wirtschaftlich, technologisch und militärisch weniger leistungsfähig geworden als Amerika.» befinden Jeremy Shapiro und Jana Puglierin vom Thinktank European Council on Foreign Relations. In der kürzlich publizierten Shanghai-Rangliste der besten Universitäten der Welt finden sich fünf europäische Institute unter den Top 20: die ETH Zürich und vier aus Grossbritannien. Aber keine einzige aus der EU. Unter den Top 50 sind es mit Paris und München gerade mal zwei. Natürlich ist wirtschaftliches Wachstum nicht alles. Aber eine Wirtschaft, die um 2 Prozent wächst, verdoppelt sich in 35 Jahren. Eine Wirtschaft, die um 1 Prozent wächst, wie aktuell die Europäische, braucht dazu 70 Jahre.

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