«Alte» als Konkurrenz der Jungen
Die Reaktionen auf meinen Blog «#384 – Lebenserfahrung der «Alten» nutzen» vom 2. September überraschte in gewisser Weise. Scheinbar wird der Wunsch von uns «Alten», weiterhin im Bereich Konzeption oder Mitarbeit bei der Umsetzung von Projekten, zusammen mit jüngeren Teams von Fachleuten tätig zu sein, nicht von allen begrüsst. Unsere Erfahrung und der Wille weiterhin zu arbeiten, mit zu Gestalten, Einfluss zu nehmen und Fragen zu stellen, scheint trotz Fachkräftemangel auf wenig Verständnis zu stossen. Im Zusammenhang mit der Diskussion um Sozialleistungen und den Aufbau des eigenen Alterskapitals, werden wir «Alten» als Konkurrenz wahrgenommen. Oft ist es so, dass auch jüngere Leute beispielsweise Lehr- und Beratungsaufträge anstreben, welche hart umkämpft sind. Und so stellt sich die Frage, ob wir «Alten» den jüngeren Talenten eine Chance geben oder einen Schritt zurück treten wollen? Die Weitergabe von Lebens- und Betriebserfahrungen sei in der Zeit von künstlichen Intelligenz KI schwieriger geworden, schreibt eine Leserin. Doch gerade wegen der KI braucht es erst recht die Erfahrung von uns «Alten», um Halluzinationen als solche zu erkennen. Im Team mit den «jungen Wilden» stellen wir diese auch gerne zur Verfügung.
Herausforderung «Altersblase»
Die Schweiz rühmt sich gerne ihrer Vielfalt – vier Landessprachen, 26 Kantone, unterschiedliche Dialekte. Das Schweizer Volk soll «ihre Vielfalt in der Einheit leben», hält die Präambel der Bundesverfassung fest. Doch im Alltag von Schweizerinnen und Schweizern sieht die Vielfalt anders aus. Eine repräsentative Studie des Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI) zeigt: Schweizerinnen und Schweizer gestalten ihr soziales Umfeld nach dem Motto «Gleich und Gleich gesellt sich gern». Die Bekanntenkreise und Milieus sind nämlich kaum durchmischt – beispielsweise was Bildung, Einkommensschicht oder politische Ansichten betrifft. Eine geringe Durchmischung zeigt sich auch beim Alter: Die Hälfte der unter 25-Jährigen hat wenig oder keine Bekannten über 65, umgekehrt ist es ähnlich. Der Grund für den mangelnden Kontakt zwischen den Bevölkerungsgruppen lokalisiert die Studie in fehlenden Gemeinsamkeiten oder bei fehlenden Begegnungsmöglichkeiten. Menschen, die häufiger mit unterschiedlichen Personengruppen in Kontakt stehen, haben eine positivere Einstellung gegenüber diesen Gruppen. Zudem glauben 69 Prozent, dass vielfältige Perspektiven und Lebenserfahrungen zu besseren Entscheidungen führen.

Erfahrung schlägt Wissen
Als Mentor für jüngere Berufsleute, steht nicht mein aktuelles Wissen, sondern die Erfahrung im Zentrum. Wir «Alten» müssen uns bemühen, nicht als abgehobene Besserwisser wahrgenommen zu werden, sondern uns mit einer gewissen Bescheidenheit auf die Themen der Jungen einzulassen. Laut der GDI-Studie ist das Interesse an mehr Vielfalt vorhanden: Die Mehrheit der Befragten sieht ein durchmischtes Umfeld als persönliche Bereicherung. Dass die meisten Menschen in einer Blase lebten, sei keine Absicht, erklärt GDI-Studienleiter Jakub Samochowiec. Vieles passiere automatisch. «Man wird mit ähnlichen Menschen in eine Schulstufe eingeteilt oder man wohnt in einer Nachbarschaft, wo gewisse Ähnlichkeiten in Bezug auf Herkunft oder finanzielle Situation vorherrschen», sagt Samochowiec. Um aus diesen komfortablen «Bubbles» auszutreten, müsse man aktiv etwas tun. Als häufigste Begegnungsorte mit «anderen» Menschen haben die Befragten Arbeit, Ausbildung und Freundeskreis genannt. Wir Mentor:innen profitieren vom Kontakt mit jüngere Berufskolleg:innen.
KMUs haben Aufholbedarf bei der künstlichen Intelligenz KI
Die eingangs erwähnte Furcht, durch die KI ersetzt zu werden ist unbegründet, denn Erfahrung kann man nicht lernen. Diese ist das Resultat eines langen Lebens und vieler durchgestandenen Herausforderungen. Egal, ob Text, Datenbank oder Modell – weiterhin unerlässlich sind fachkundige Menschen, die den Output kritisch prüfen und korrigieren. Eine erfolgreiche Digitalisierung fordert mehr als zuvor unsere zwischenmenschlichen und kommunikativen Fähigkeiten heraus. KMU-Experte Philippe Obrist hat in seiner Beratungspraxis einen merklichen Unterschied zwischen grossen Unternehmen und KMU festgestellt. Die Grossen hätten häufig bereits Schritte unternommen, um generative künstliche Intelligenz in ihre Arbeitsabläufe zu integrieren. Dagegen seien viele KMU noch auf der Suche nach effektiven Möglichkeiten. Oft fehle es an Wissen, wie diese Technologie genutzt werden kann, aber auch, welche Risiken damit verbunden sind. Doch generative KI wie ChatGPT eröffnet eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten, wie auch die aktuelle Integration des KI-Tools Co-Pilot ins Microsoft 365 Office Paket. Dieses vereinfacht beispielsweise Routinearbeiten im Büroalltag und damit auch die Arbeitsabläufe, wie das Verfassen von Texten, Präsentationen oder Marketingaktivitäten. Wir «Alten» besitzen diesbezüglich eine neutrale Aussensicht und stehen als Sparringspartner gerne zur Verfügung.

Die neue Pandemie: «Burn-out»
Zu denken geben muss uns vielmehr, dass gemäss einer Studienreihe der Krankenkasse CSS über zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung sich müde und erschöpft fühlen. Laut dem Bericht auf SwissInfo-online vom 3. September 2024 handelt es sich dabei um den höchsten Wert seit März 2020. Über alle Altersgruppen hinweg betrachtet gaben 68 Prozent der Befragten an, häufig erschöpft und müde zu sein. Für CSS sei dies sozusagen die «neue Pandemie». Auffallend sei, dass die Altersgruppe der 18- bis 35-Jährigen den Leistungsdruck am stärksten negativ wahrnehme und immer mehr Menschen eine Burn-out-Erfahrung hätten. Das Schweizer Volk fühle sich insgesamt noch immer weniger gesund als vor der Covid-Pandemie, so die Ergebnisse der Studie. Das zeigt auch die zunehmende Wahrnehmung von Leistungsdruck bei der Arbeit, der auf das Privatleben übergreife. Meiner Meinung nach, hat sich seit der Pandemie die Arbeitsmoral generell verändert. KMU müssen heute bei der Suche nach Fachkräften, soziale Komponenten, Teilzeitarbeit, Viertagewoche bei gleichem Lohn, oder zusätzliche Ferien, höher gewichten als die notwendigen Fähigkeiten zur Ausübung der Berufe. Da kann man ihnen den Einsatz von KI, wo immer sinnvoll, wohl nicht verübeln.
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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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