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#398 – Zeitgeist: «Alte» und «neue Menschen»

Wir lenkungsbedürftigen Herdenwesen
Dass der Mensch entscheidend verbessert werden kann und soll, ist die Obsession vieler rechter und linker Totalitarismen. Versuche, den Plan in die Tat umzusetzen, endeten in einer Menschheitskatastrophe. Doch die Idee lebt fort, nur wird sie heute technologisch angegangen. Im Gastkommentar der NZZ vom 28. November 2024, schrieb Eduard Kaeser (71), Physiker und promovierter Philosoph, über das Zusammenwachsen von Mensch und Technik. Die traditionelle Prothetik, die der Reparatur und Rehabilitation des Körpers durch künstliche Komponenten dient, wird intelligent. Und es ist abzusehen, dass man den Menschen immer mehr mit Implantaten «anreichert», die ihn auf ein posthumanes physisches und kognitives Niveau zu heben versprechen, zu einem neuen Menschen. Die Crux der Idee des neuen Menschen lässt sich in zwei Fragen verdichten. Die erste: Wer definiert den neuen Menschen? Und die zweite: Was tut man mit dem alten Menschen? Der neue Mensch stellt einen Idealtypus dar, schreibt Kaeser. Ideale sind immer Abstraktionen. Sie «ziehen» vom Menschen, wie wir ihn kennen, unerwünschte Merkmale «ab». Sie bosseln ihn gedanklich zurecht und fordern auf, den Gedanken in die Tat umzusetzen. Mit der digitalen Transformation bieten sich neuerdings, nicht wie früher die ganze Gesellschaft, sondern der individuelle Körper als Ansatzpunkt der Verbesserung an – des «Enhancement»: der Erweiterung, Verstärkung, Steigerung. Der menschliche Körper – und zumal sein Gehirn – ist, da man seine Komponenten bis in die molekulare Struktur zu erkennen beginnt, beliebig gestaltbar. Die Spielräume, die moderne Digital- und Biotechnologien eröffnen, lassen jene der dystopischen Fiktionen eines Orwell und Huxley hinter sich.

Die Sperrigkeit von Individualität
Gemäss Kaeser reden die Menschheitsverbesserer gerne vom Menschen als Gattung. Sie scheinen nicht viel von der Idee zu halten, dass das Menschliche am Menschen gerade in seiner sperrigen Individualität liegt. Und damit ist ja auch erneut das Grundproblem der Utopie angesprochen: ihr abstrahierender Charakter. Man muss an einem Idealtypus Mass nehmen, um «die» Menschheit zu verbessern. Der Idealtypus aus dem Silicon Valley dürfte eine neue Ungleichheit zwischen mehr und weniger «enhancten» Exemplaren unserer Spezies begründen. Von Demokratie hält die Techno-Oligarchie ohnehin nicht viel. Und die Befreiung vom «Diktat» der Biologie liefert die Menschen ja nur umso unausweichlicher einem neuen Diktat aus, nämlich jenem der Daten-Proliferation. Der neue Mensch unterzieht sich einem immerwährenden Upgrading für die aktuellsten KI-Systeme. Tun wir das nicht freiwillig, werden wir zu Nicht-Nutz(ern), zu altem Humanschrott mit ungewisser Zukunft. Wir leben heute in einer Welt der Technikfrömmigkeit und Leichtgläubigkeit bei allem, was uns angeblich von unseren natürlichen «Fesseln» befreit. Schlimm dabei sind Menschen, die wissen, was gut ist für uns und die Erlösung im technisch Machbaren sehen.

MIT Technology Review 2024. Alex Reben, OpenAI Künstler macht Kunst mit und über künstliche Intelligenz: Generative Modelle für menschliche Kreativität.

Vorurteile gegenüber uns «Alten» Arbeitnehmenden
In diesem Kontext muss man die Personalpolitik von Unternehmen rund um die Neuanstellung älterer Arbeitnehmenden sehen. Auffallend ist, wie stark hier menschliche Faktoren spielen. In Firmen, deren Entscheidungsträger jünger als 35 Jahre alt sind, wird die Erfahrung von uns «Alten» bei Bewerbungen seltener als Vorteil gesehen, als bei Arbeitgebenden ab 50 Jahren. Die Redaktorin Zoé Baches (52) schrieb in der NZZ vom 28. November 2024 unter dem Titel «Jüngere Chefs beurteilen Bewerber über 55 deutlich schlechter als ältere» über eine neue Studie der Swiss Life. Deren Autoren Andreas Christen und Nadia Myohl fanden heraus, dass jüngere Arbeitgebende oft nicht primär aus Kostengründen zurückhaltender sind, wenn es um die Neuanstellung von uns «Alten» geht oder um die Weiterbeschäftigung von Mitarbeitenden nach dem Pensionsalter. Stattdessen spielen andere, vielfach menschliche Faktoren eine grosse Rolle. Die vorliegende Studie «Arbeit ohne Altersgrenzen? Personalpolitik 55+ von Unternehmen auf dem Prüfstand» fokussiert auf das Verhalten und die Wünsche von Arbeitgebenden. Die Fragen wurden online von 1054 Entscheidungsträgern aus dem Bereich Rekrutierung beantwortet, welche für Unternehmen aus allen Branchen mit mindestens vier Angestellten aus der Deutschschweiz und dem Welschland arbeiten. Je jünger die befragten Arbeitgebenden waren, desto schlechter stufen sie die Fähigkeiten und die Leistung von Erwerbstätigen über 55 ein. Dies gilt auch für den Willen von Arbeitnehmenden, nach dem Pensionsalter weiterzuarbeiten. Über ein Drittel der befragten Personen ab 50 Jahren stimmt der Aussage klar zu, dass die meisten Arbeitskräfte gut in der Lage wären, bis 66 oder 67 zu arbeiten. Bei den 18- bis 34-jährigen Arbeitgebenden sagen das nur 24 Prozent. Generell waren kleinere Unternehmen aufgeschlossener gegenüber «Alten» als Grosskonzerne die bezweifeln, dass Mitarbeitende trotz Rentenalter noch gut arbeiten könnten.

Erfahrung der «Alten» als Bedrohung für junge Arbeitgebende
Die Arbeitgebenden wurden dann konkret gefragt, bei welchen beruflichen Eigenschaften sie jüngere Bewerbende von zwischen 25 und 40 Jahren und bei welchen ältere Bewerbende ab 55 Jahren im Vorteil oder im Nachteil sähen. Bewertet wurden die Bereiche Erfahrung, fachliche Kompetenz, Zuverlässigkeit, soziale Kompetenz, branchenspezifisches Wissen, Belastbarkeit, Motivation und Leistungsbereitschaft, kurze Einarbeitungszeit, Fähigkeit, sich in bestehende Strukturen (Team) zu integrieren, Anpassungsfähigkeit und Flexibilität, Gesundheit, technische (IT-)Kompetenz, Lohnkosten und Kosten für Sozialversicherungen. Bei der «Flexibilität» oder der «Fähigkeit, sich ins Team zu integrieren» sehen die befragten Arbeitgebenden die Jüngeren im Vorteil. Aspekte wie «Erfahrung» sehen Arbeitgebende unter 35 deutlich seltener als Vorteil der älteren Bewerbenden, als Arbeitgebende ab 50. Bei der Eigenschaft «Motivation und Leistungsbereitschaft», sehen nur Befragte ab 50 Jahren tendenziell uns «Alte» im Vorteil. Was genau hinter diesen wenig schmeichelhaften Beurteilungen steckt, antwortet ein Befragter, der anonym bleiben will so: dass jüngere Chefs nicht immer gut damit umgehen könnten, wenn ältere Mitarbeitende mehr Erfahrung hätten, bessere Kontakte zu Kunden oder weniger Aufwand für komplexe Projekte leisten müssten. Sicher ist, dass das Arbeitskräftepotenzial von älteren Personen bei vielen Arbeitgebenden nicht im Zentrum steht. Nur gerade 22 Prozent geben an, Mitarbeitende ab 55 einzustellen. Je älter ein Chef, eine Chefin, desto eher stehen diese einer Neueinstellung von erfahrenen Mitarbeitenden positiv gegenüber.

Eine genomweite Assoziationsstudie enthüllt die komplexe genetische Grundlage der menschlichen Schädelform. Dr. Prajakta Banik, University of Pittsburgh 2023

Wichtiger Dialog zwischen den Generationen: Reverse-Mentoring
Heute arbeiten in Schweizer Unternehmen bis zu vier Generationen zusammen. Jede bringt ihre eigene Stärke mit: Wir «Alten» können auf jahrzehntelange Berufserfahrung zurückgreifen und haben schon manche Krise durchlitten. Die Berufseinsteiger indes bringen den frischen Blick von aussen mit und haben ein intuitives Verständnis von digitalen Technologien. Im Beitrag von Tina Fischer, Leiterin des Ressort Management, Beruf und Führung, Handelszeitung vom 28. November 2024 unter dem Titel «Jung lehrt Alt, Alt lehrt Jung» beschreibt die Autorin wie Reverse Mentoring: «Alte» coachen Junge, Junge coachen «Alte», das Verständnis zwischen Jung und Alt fördert. Bei PwC Schweiz hat sich das «AI(KI)-Buddy-Programm» etabliert. Während die Partner von ihrem AI-Buddy mehr über KI-Technologien erfahren, erhaschen die jüngeren Mentoring-Pendants Einblicke, was auf oberster Führungsstufe läuft. Florian Schick, Geschäftsführer von Merck Schweiz, ist ebenfalls vom Programm begeistert. Mutig und offen sollte der Austausch sein, findet er, sodass ein echter Dialog möglich wird. «Am Ende geht es um die Unternehmens- und Führungskultur. Ein Mentoring basiert auf Freiwilligkeit – und findet nicht statt, weil der Chef es will.» Jordan Cajot, Businessdirektor beim Personalvermittler Robert Walters ist überzeugt dass Mentorings nicht nur den Austausch zwischen den Generationen fördern. «Wenn man jungen Mitarbeitenden die Möglichkeit gibt, ihr Wissen weiterzugeben, fühlen sie sich innerhalb des Unternehmens wertgeschätzt und gehört». Die Erfahrung zeigt: Wird das Programm ohne hierarchischen Druck und mit echtem Interesse am gegenseitigen Austausch umgesetzt, entsteht ein wertvoller Dialog zwischen den Generationen.

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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

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#392 – Weiterbildung – Arbeiten im Alter

Wie weiter nach einem erfüllten Berufsleben?
Vorher voll im Berufsleben, eingespannt, total absorbiert, erfolgreich, angehäuft mit einem immensen Wissen – und jetzt? Mit dem Stellenverlust oder der Pensionierung den ganzen Tag zu Hause. Es gibt zwar viel zu tun, aber trotzdem immer wieder diese Krisen. Ich bin überzeugt, dass viele von uns «Alten» sich mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert sehen. Die sich auch darin zeigen, dass unsere Kräfte und die Energie etwas schwinden und wir nicht mehr so belastbar sind, wie vielleicht noch vor ein paar Jahren. Tatsächlich ist es so, dass wir «Alten» viel schneller gereizt sind, weil uns unsere Mängel (shortcomings) in gewissen Situationen bewusst werden. Wie geht man damit um? Welche Wege gibt es? Was braucht es, dass man diese «Unterforderung» geschmeidig und ohne depressive Phasen meistern kann? Genussvoll und befriedigt alt werden ohne seine berufliche Vergangenheit komplett auszublenden zu müssen ist das Ziel. Beschäftigt sein, denn «Arbeit» ist für unser Wohlbefinden und unseren Selbstwert zentral.

Der Mehrgenerationen-Arbeitsplatz
Zum ersten Mal in der neueren Geschichte Amerikas interagieren fünf Generationen am Arbeitsplatz, sagte die Sozialpsychologin Leah Georges anlässlich ihrer Präsentation auf der Plattform TEDxCreightonU (11:25) im April 2018. Die Veteranen, die zwischen 1922 und 1943 geboren wurden, kurz darauf folgten die Babyboomer, geboren zwischen 1944 und 1960. Die Generation X gilt als verlorene Generation der Schlüsselkinder, die zwischen 1961 und 1980 geboren wurden, eingequetscht zwischen den Babyboomern und der grossen Generation Y, den Millennials, geboren zwischen 1981 und 2000. In den letzten paar Jahren überholten die Millenials die Generation X als die nun grösste Generation in der Arbeitswelt. Und bald gesellt sich Generation Z dazu, geboren seit 2000, unsere Praktikantinnen oder Gymnasiasten. Nun aber behauptet Leah Georges, dass es diese Generationen und die damit verbundenen Vorurteile gar nicht gibt. Wir haben mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede bemerkt sie aus ihrer Arbeit. Menschen wollen Arbeit, die zählt, und Flexibilität, sie wollen Unterstützung und Anerkennung und besseren Kaffee. Aber nichts davon gilt nur für eine Generation. Sie hat beobachtet, wie 80-Jährige SMS schreiben und 23-Jährige Decken häkeln. Wenn man Menschen in deren Einzigartigkeit trifft, dort in der Welt, wo nur sie stehen, sprechen wir nicht mehr über eine Generation. Wir sprechen über Jim, Jen oder Candice. Dann arbeiten wir eines Tages nicht mehr mit Generationen. Wir arbeiten mit Menschen. Um die Schönheit des Mehrgenerationen-Arbeitsplatzes zu verstehen, müssen wir, gemäss Leah Georges, die Leute nur da treffen, wo sie sind.

Weiterbildung, Weiterbildung, Weiterbildung
Im Kontakt mit Gleichgesinnten dreht sich die Konversation vielfach um die neuen Technologien und was zu tun ist, um den Anschluss nicht zu verlieren. Ganz wichtig ist eine positive Einstellung gegenüber diesen Entwicklungen und das Interesse, seine Erfahrung in eine Generationsübergreifende Zusammenarbeit einzubringen. Sich gegenüber technischen Transformationen wie künstlicher Intelligenz KI kritisch zu positionieren, soll nicht dazu führen diese zu ignorieren. Weiterbildung hilft, denn die aktuellen Veränderungen betreffen uns alle und die unterschiedlichsten Prozesse. (Mehr dazu: Boston Consulting Group BCG October 08, 2024). Gerade für uns «Alte» überwiegen die Vorteile von KI, weil sie uns in den verschiedensten Situationen hilft. KI unterstützt den Wissenstransfer, indem wichtige Erkenntnisse aus jahrelanger Berufserfahrung in durchsuchbare Datenbanken überführt werden. KI-Werkzeuge zeichnen Gespräche und Erfahrungsberichte auf und strukturieren diese automatisch. Damit ermöglichen wir jüngeren Kolleg:innen, jederzeit typische Fragen zu Problemen und Lösungen zu stellen, wobei das System durch Feedback ständig dazu lernt. Implizites wird in explizites Wissen umgewandelt, indem erfahrene «Alte», welche die «ungeschriebenen Regeln» und informellen Abläufe kennen, diese identifizieren und in offizielle Prozesse integrieren. Wir «Alten» bringen unser Fach- und Erfahrungswissen ein, während wir vom Verständnis moderner Technologien der «jungen Wilden» profitieren und die KI als «Übersetzerin» zwischen verschiedenen Arbeitsweisen fungiert. KI-Werkzeuge machen Organisationen resistenter gegen Wissensverlust, weil wichtiges Know-how nicht verloren geht, wenn ältere Mitarbeitende in Pension gehen.

Niki de Saint Phalle (1930-2002), französische Bildhauerin: Aus der Serie «Les nanas», 1960-er Jahre

Wissen braucht Erfahrung
Erfahrung ist «Vergangenheit», Wissen muss man sich immer wieder neu aneignen. Gerade heute «veraltet» unser Wissen ganz schnell. Unser Netzwerk wird immer weniger, weil frühere Kontakte in Pension gehen oder in Todesanzeigen erscheinen. Wissen und Erfahrung sind verwandte Konzepte, aber nicht dasselbe. Wissen bezieht sich auf das theoretische oder konzeptionelle Verständnis eines bestimmten Themas oder Gegenstands, während sich Erfahrung auf die praktische Anwendung dieses Wissens in realen Situationen bezieht. Für Jean-Philippe Hagmann, Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW und Autor von «Hört auf, Innovationstheater zu spielen!», ist das Wissen über das Nicht-Wissen einer der stärksten Motoren für die Innovation. Mit dem Wissen ist es etwas paradox. Das Streben nach Wissen ist gut. Wissen hingegen nicht. Wer nämlich etwas weiss, braucht nicht mehr zu lernen. Und wer nicht mehr lernt, bleibt stehen. Wer eingesteht, fast nichts zu Wissen, aber nicht aufhört, nach Wissen zu streben, entdeckt Neues. So werden Innovationen geboren. Eine Innovation ist immer etwas Neues. Schliesslich liegt dem Begriff das lateinische «innovare», also «erneuern» zugrunde.

Menschen über 60 mit Führungserfahrung
Wir «Alten» mit Eigenschaften wie Führungserfahrung, sozialer Kompetenz und kommunikativen Fähigkeiten müssen demzufolge unseren Erfahrungsschatz zusammen im Team und dem Wissen von talentierten Jungen zur Gestaltung des Zukünftigen einsetzen. Wird für eine beabsichtigte Stelle ein Manager gesucht, also eine Person, die ein kreatives Team leiten soll, sind Menschen über 60 mit Führungserfahrung, sozialer Kompetenz, kommunikativen Fähigkeiten und Fachwissen gefordert. Diese Eigenschaften haben nur begrenzt mit Talent und wesentlich stärker mit dem Erfahrungsschatz zu tun. Erfahrungen beschreiben schliesslich immer Vergangenes. Manager gestalten das Zukünftige und müssen für das Team inspirierende Coaches sein, die wissen, unter welchen Bedingungen Kreativität entstehen kann. Sie beherrschen die Sprache des Managements und halten dem «Innovationsteam» den Rücken frei gegenüber «Linienmanagern» oder Firmeninhabern.

Wichtiger Austausch auf Augenhöhe
Die Zahl der Seniorinnen und Senioren ab 80 Jahren wird sich von 460’000 im Jahr 2020 auf 1,11 Millionen in 2050 mehr als verdoppeln. Was machen Frauen und Männer in der Schweiz mit diesem Geschenk und was sind die Konsequenzen für Wohnen, Arbeitswelt, Bildung und Politik? Der Austausch auf «Augenhöhe» mit jüngeren Menschen (auch Vorgesetzten) wird mit zunehmendem Alter immer schwieriger, da man ja schon alles erlebt hat (so haben wir das immer gemacht). Wir «Alten» werden auch aus diesem Grund nicht überall geschätzt. Wir sind weniger flexibel, klammern uns an Abläufe, die uns gewohnt sind. Als Mentor:innen besteht für uns eine Möglichkeit mit jungen Menschen im Kontakt zu bleiben und auch Neues zu lernen. Damit beugt man Depressionen vor, wie das unnötige Fokussieren auf seine Situation als alter Mensch in einer Gesellschaft wo die Jungen den Takt vorgeben.

«Alte» auf Zeit
Ältere «Patrons» von KMU sind oft froh, sich mit jemandem auszutauschen der schon ähnliches wie sie erlebt hat. Wir «Alten» wurden in den letzten 40 Jahren mit tiefgreifenden Veränderungen konfrontiert, haben diese auch mit geprägt und verfügen über nützliche Erfahrung. Wir sind unabhängig und bereit für den sofortigen Einsatz ohne lange Einarbeitungszeit. Sei es als Hilfe bei der Erstellung eines Businessplans, beim Überbrücken von Führungsvakanzen, zur Unterstützung der Projektleitung bei dünnem Personalbestand oder in der Mediation von Konflikten. Wir bieten Hilfe für kleinere und mittlere Betriebe bei temporären Engpässen, unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Wir sind zwar nicht mehr im Zenit unseres Könnens, aber wohl im Zenit unserer Erfahrung und freuen uns, diese weiterhin konstruktiv einbringen zu können.

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#387 – Digitalisierung: der Mensch im Fokus

Digitalisierung im KMU
Die Digitalisierung betrifft Privatpersonen wie Unternehmen und wird viel diskutiert. Und das nicht ohne Grund: Digitale Technologien schaffen neue Geschäftsmodelle und bieten das Potenzial, komplexe Geschäftsprozesse zu automatisieren, neue Kundensegmente zu erschliessen und die Bindung zur Bestandeskundschaft zu erhöhen. Die Entwicklung zum KMU 4.0 ist ein mehrstufiger Prozess und muss an die individuellen Gegebenheiten eines Unternehmens angepasst werden. Sie setzt jedoch eine offene Einstellung zur Technologie, Durchhaltewillen und Weitsicht voraus, denn die Transformation eines KMU geschieht nicht von heute auf morgen. Als «Alter» Mentor in Jungunternehmen der Architekturbranche erlebe ich aktuell das Gegenteil. Denn die Digitalisierung ist nicht ohne Herausforderungen. Es braucht Investitionen, sowohl in Technologie als auch in die Weiterbildung der Firmengründer und deren Mitarbeitenden. Deshalb ist es wichtig, dass KMU eine klare Strategie für ihre digitale Transformation entwickeln, weg von «so haben wir das immer gemacht». Sie ermöglicht es, Geschäftsprozesse effizienter zu gestalten und neue Geschäftsfelder zu erschliessen. KMU, die eine digitale Transformation durchlaufen, sind wettbewerbsfähiger. Sie können schneller auf Marktveränderungen reagieren und ihre Produkte und Dienstleistungen besser an die Bedürfnisse ihrer Kundinnen und Kunden anpassen.

Herausforderungen und Chancen digitaler Transformation
Jennifer Bächtold, Content & Advertising Managerin bei der AXA, beschreibt in KMU Today vom 3. Januar 2024 wie automatisierte und effizientere Prozesse, Innovationsfähigkeit und Kosteneinsparungen bringen. Und wem das noch nicht reicht, der positioniert sich dank Digitalisierung als attraktivere, zeitgemässe Unternehmung in den Augen von Mitarbeitenden, Geschäftspartnern und Kund:innen. Doch gerade bei kleinen Betrieben besteht die Herausforderung im mangelnden Know-How der Gründer oder den limitierenden finanziellen Ressourcen und kann damit eine grosse Hürde darstellen. Diese muss man jedoch überkommen und Prioritäten setzen um weiterhin am Markt bestehen zu können. Zu den Chancen, welche die Digitalisierung bietet, sollten KMUs aber auch die damit einhergehenden Herausforderungen nicht unterschätzen. Dazu gehören beispielsweise die Aktualisierung von Webseiten oder Fragen zur IT-Sicherheit, des Datenschutzes und der Anpassung der Unternehmenskultur an die digitalen Veränderungen. Um diese Herausforderungen zu meistern, ist es wichtig, eine klare digitale Strategie zu entwickeln, die von allen Beteiligten gelebt werden muss.

Konzentrieren Sie sich auf die Menschen, nicht auf die Technologie
Image: Adobe Stock/Who Is Dannyß

Wichtige Bereiche der Digitalisierung
Buchhaltung, Vertragswesen oder Marketingaktivitäten, lassen sich wie nahezu jeder Bereich durch Digitalisierung optimieren. Die Einführung entsprechender Systeme erfordert zwar zunächst eine finanzielle und zeitliche Investition, die langfristigen Einsparungen machen diese aber mehr als wett, gerade wenn das KMU einen Wachstumsprozess durchläuft, sind doch die Systeme bereits darauf vorbereitet. Webseiten sind für potenzielle Kund:innen das Fenster zur Unternehmung und beeinflussen unsere Wahrnehmung derselben. Unübersichtliche und wenig ansprechende Webseiten, mangelhafte Navigation oder schwer auffindbare Informationen sind deshalb kontraproduktiv. Cloud Computing ermöglicht die Nutzung von IT-Ressourcen über das Internet, Orts-, Geräte- und Zeitunabhängig, ohne in teure Hardware investieren zu müssen. Zudem ermöglichen Cloud-Computing-Lösungen wie Microsoft Sharepoint oder Google Drive, dass mehrere Personen gleichzeitig an einem Dokument arbeiten können. In der Vermarktung seiner Dienstleistungen bietet die Digitalisierung viele Möglichkeiten, wie erhöhte Sichtbarkeit in den sozialen Medien und automatisierter Versand von Newslettern mittels künstlicher Intelligenz. Dabei darf die Sichtweise von Geschäftspartnern und Kund:innen nicht vergessen gehen, auch bei Rückfragen oder Kontaktmöglichkeiten, die eine Vertrauensbasis schaffen. Digitale Lösungen müssen ohne grossen Aufwand, auch kurzfristig intern, angepasst werden können und die Daten müssen geschützt sein. Digitalisierung ist kein IT-Projekt, sondern ein ganzheitlicher Prozess, der die Unternehmensstrategie, die Mitarbeitenden und die Art und Weise, wie Geschäfte abgewickelt werden, umfasst.

Andy Warhols «Campbell‘s Soup Cans» mit 32 Dosen, eine für jedes Aroma, Museum of Modern Art in New York. Bild: Thinkstock

Die leeren Versprechen zur Digitalisierung
Im ECO-Talk mit Reto Lipp vom 16. September 2024 mit Nicole Burth, Leiterin Kommunikations-Services bei der Post, wurde auch das elektronische Patientendossier EPD erwähnt. Ich habe meines mittels SwissID eröffnet, doch es bleibt leer, eine Kommunikation ist unmöglich. So erging es mir in der Vergangenheit immer wieder. Wir installieren SwissPass, SwissCard, Covid-19 und ähnliche Apps, um nach Monaten herauszufinden, dass einige nicht mehr weiter verfolgt werden und deshalb vom Netz genommen wurden. Bundesnahe Betriebe digitalisieren auf Vorrat, weil das Geld gesprochen wurde, ohne ein Gesamtkonzept, einen Plan oder Überblick zum zukünftigen Einsatz und dessen Folgen. Das ist ärgerlich. Die Post, die ihre Stellung in der Gesellschaft verteidigt, bei gleichzeitigem Abbau ihres Angebots. Ein Betrieb, der die mit Steuergeldern teuer erstellten Filialen wie Gemischtwarenläden betreibt. Eine Post-Bank, die keine «wirkliche» Bank ist, sich am Kreditmarkt aber als Konkurrentin zu privaten Unternehmen positioniert. Ein «Softwareunternehmen», das für unser Vertrauen wirbt und dann zugeben muss, dass vieles noch nicht marktreif ist. Versuchen Sie einmal, über unzählige «Hürden», die Tarife zum Postversand herauszufinden. Das ist ermüdend.

NotebookLM
Wohin die technologische Entwicklung führt, zeigt ein neues Werkzeug von Google: «NotebookLM». Die Plattform erstellt aus Textdokumenten kurzweilige Audio-Files, die tönen wie professionell erstellte Podcasts. Speist man beispielsweise den obigen Kommentar über die leeren Versprechen zur Digitalisierung zum ECO-Talk mit Reto Lipp auf Deutsch ein, erscheint umgehend eine Zusammenfassung in Englisch (hier in der Übersetzung mit «Google translate»):

Der Text drückt Frustration über den Stand der Digitalisierung in der Schweiz aus und nennt dabei insbesondere das Beispiel des elektronischen Patientendossiers (EPD). Der Autor kritisiert den Ansatz der Regierung zur Digitalisierung und argumentiert, dass dieser von mangelnder Planung und Fokussierung auf kurzfristige Gewinne geprägt sei. Der Autor kritisiert auch die Schweizerische Post und hebt ihre widersprüchliche Haltung zur Digitalisierung bei gleichzeitiger Reduzierung ihrer Dienstleistungen hervor. Der Text legt nahe, dass die Digitalisierungsbemühungen in der Schweiz ihre Versprechen nicht einhalten und die Bürger desillusioniert zurücklassen.

Das Audio-File (3:51, nur englische Version verfügbar)

Auf Wunsch erstellt das Programm in einigen Minuten ein Audio-File. Zwei maschinengenerierte «Stimmen», eine weibliche und eine männliche, erläutern den Inhalt während rund vier Minuten auf unterhaltsame Weise. Die Technologie, welche sich noch im Anfangsstadium befindet und in der Testphase noch Fehler und Halluzinationen produziert, wird auf absehbare Zeit Geschäftsprozesse in KMUs vereinfachen um die Fokussierung auf Kernkompetenzen zu ermöglichen.

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