Blog, Industrie 4.0

#420 Sprache und das Denken der «Alten»

Generationenerfahrungen beeinflussen KI-Interaktionen
Wir «Alten» betrachten künstliche Intelligenz KI oft durch eine Brille, die von unserer lebenslangen Sprachsozialisation geprägt ist. Sprache ist nicht nur ein Kommunikationsmittel – sie strukturiert grundlegend, wie wir Kreativität ausdrücken und Probleme konzeptualisieren. Wenn Menschen mit KI in Berührung kommen, bringen sie ihre etablierten Denkmuster und sprachlichen Rahmenbedingungen mit, die nicht immer mit der Funktionsweise moderner KI-Systeme übereinstimmen. Für viele von uns «Alten» stellen Konzepte, die sich nicht leicht verbalisieren lassen, eine besondere Herausforderung dar. Unser Erfahrungshorizont entwickelte sich in einer Zeit, in der die Kommunikation von Mensch zu Mensch die primäre Form des Informationsaustauschs war, wodurch sich die abstrakte, algorithmische Natur der KI-Interaktion fremd anfühlt.

Die KI-Revolution wird unterschätzt
Die Ankunft nicht-menschlicher Intelligenz ist eine grosse Sache, sagt der ehemalige Google-CEO und -Vorsitzende Eric Schmidt (70). In einem ausführlichen Interview auf TED2025•April 2025 (25:37) mit dem Technologen Bilawal Sidhu unterhält sich Schmidt, wie die künstliche Intelligenz KI völlig unterschätzt wird, da nahezu ständige Durchbrüche Systeme hervorbringen, die komplexeste Aufgaben selbstständig erledigen können. Er verweist auf die enormen Chancen, ernüchternden Herausforderungen und dringenden Risiken der KI und zeigt, warum sich jeder mit dieser Technologie auseinandersetzen muss, um relevant zu bleiben. Im Interview spricht Schmidt auch über die Doppelnutzung dieser Systeme, in der Kriegsführung und für zivile Zwecke. Andere Herausforderungen betreffen die Verselbständigung der Systeme. Einige Forscher sind der Meinung, dass KI-Labore die Entwicklung agentenbasierter KI-Systeme, welche autonom agieren können, stoppen sollten. Andere Probleme betreffen Strom und Hardware und die Erkenntnis, dass uns die Daten ausgehen und wir beginnen müssen neue zu generieren. Doch wo liegt die Grenze des Wissens. Wie kommen unsere Computer auf etwas, worüber Menschen noch nie nachgedacht hatten? Es gibt eine Reihe von Kriterien, von denen die Branche denkt, da sollte man den Stecker ziehen. Beispielsweise, wenn man rekursive Selbstverbesserung erreicht, die man nicht mehr kontrollieren kann. Die KI verbessert ihre eigenen Fähigkeiten autonom, was potenziell zur Superintelligenz führen kann. Bei rekursiver Selbstverbesserung lernt der Computer nicht, oder man weiss nicht, was er lernt, mit möglicherweise negativen Folgen.

Keith Haring (1958-1990), US-amerikanischer Popart-Künstler: Best Buddies 1987

Sprache prägt unsere Kreativität
«Auf diese Weise macht lernen so süchtig wie social Media», sagt Luis von Ahn, CEO von Duolingo und Crowdsourcing Pionier, in seiner Videopräsentation (12:54) vom April 2023 auf TED2023. Von Ahn hat die weltweit am häufigsten heruntergeladene Bildungs-App Duolingo mit der Mission entwickelt, hochwertige Bildung für alle zugänglich zu machen. Der Guatemalteke Von Ahn studierte in den USA, promovierte in Informatik und arbeitet als Professor für Informatik an der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh, Pennsylvania. Aus Erfahrung weiss er, Bildung können sich eigentlich nur reiche Leute leisten. Zusammen mit seinem Doktoranden Severin Hacker (40) beschlossen die beiden, mittels Digitalisierung einen Weg zu finden, wie man möglichst vielen Menschen Bildung zugänglich machen könnte. Dabei dachten sie vor allem an Dinge, die durch Wiederholung gelernt werden. Denn die meisten wirklich wichtigen Dinge wie Lesen oder Sprache werden durch Tausende von Wiederholungen erlernt. Dieses Lernen kann man «gamifizieren» und in einer App auf dem Smartphone einbetten, wo sich ein Grossteil der Weltbevölkerung mit Freude sowieso aufhält. Schulen auf der ganzen Welt zu bauen ist einfach zu teuer.

Bildschirmzeit muss keine schlechte Sache sein
Mit 80% ist Englisch die am meisten gefragte Sprache und damit kann man sein Einkommenspotenzial erheblich erhöhen. Um Reich und Arm gleichermassen den Zugang zu Duolingo zu ermöglichen, finanziert sich die App mit Werbung. Wer keine Werbung möchte, bezahlt ein Abo um diese auszuschalten. Wohlhabende Leute aus reichen Ländern ermöglichen damit die Bildung der armen Leute. Wenn man mit Bildung wirklich alle erreichen möchte, muss man sie nicht nur leicht zugänglich machen, sondern man muss sie auch so gestalten, dass die Leute tatsächlich lernen wollen. Dazu hat Duolingo verschiedene Tricks aus Apps wie Instagram, TikTok oder Spielprogrammen kopiert, welche mit Zählern, Auszeichnungen oder Erinnerungsnachrichten die Leute zurückholen und zum Spielen motivieren. So kommt es, dass in den Vereinigten Staaten zum Beispiel mehr Menschen eine Sprache auf Duolingo lernen, als an allen US High Schools zusammen. Bildschirmzeit muss keine schlechte Sache sein.

Keith Haring (1958-1990), US-amerikanischer Popart-Künstler, aus der «Radiant» Serie: setting himself apart, 1982, Bild: Keith Haring Foundation

Kommunikation: KI unterstützte Sprache mit Seherlebnis
Stellen Sie sich vor, Sie hätten die fesselndsten TED Talks der Welt nicht nur auf Englisch, sondern in Ihrer eigenen Sprache zur Hand. Dr. Lera Boroditsky (49) ist eine amerikanische Kognitionswissenschafterin und Professorin an der University of California, San Diego. Mit ihrer Ankündigung KI-angepasster mehrsprachiger TED-Talks zur Überwindung von Sprachbarrieren im Mai 2024, erweitert die Plattform ihre mehrsprachigen Initiativen und baut auf dem Erfolg des Untertitelungsprogramms von TED auf, indem menschliche und künstliche Intelligenz kombiniert werden. In einem TED-Pilotprogramm mit Integration generativer künstlicher Intelligenz GenKI, einschliesslich Stimmklon- und Lippensynchronisationsfunktionen, hat TED in Zusammenarbeit mit Panjaya.ai und der globalen Übersetzer-Community von TED die ersten KI-angepassten TED Talks erstellt, die in mehreren Sprachen gehalten werden und dabei die einzigartige Stimme und den Stil der Sprechenden bewahren. Im Gegensatz zu herkömmlichen Synchronisationsmethoden, die sich umständlich und klobig anfühlen können, legt die KI-Anpassung von TED den Schwerpunkt auf ein nahtloses Seherlebnis. Dies markiert eine neue Ära in der mehrsprachigen Bereitstellung von Inhalten. Das Pilotprojekt startet auf brasilianischem Portugiesisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch und soll bald auf weitere Sprachen ausgeweitet werden. Im Bewusstsein für die Umweltauswirkungen durch den hohen Energieverbrauch, priorisiert TED Nachhaltigkeit und konzentriert sich, im Gegensatz zu Echtzeit-KI-Produkten, auf eine innovative einmalige KI-Anpassung, mit reduzierten Nebenwirkungen.

KI Nutzung: Vom Fragesteller zum fordernden Gesprächspartner
«Wie die Universität Stanford KI-gestützte Kreativität lehrt». Jeremy Utley, Director of Executive Education an der Universität Stanford, erklärt in seinem Video (13:19), wie die meisten Menschen das Potenzial von KI nicht voll ausschöpfen. Dies liege an unserer Herangehensweise an die Technologie. Ein einfacher Mentalitätswandel, anstatt der KI einfach Fragen zu stellen, sondern sie dazu auffordern, uns Fragen zu stellen, eröffnet viel Potenzial. KI kann uns den Umgang mit ihr automatisch beibringen, im Gegensatz zu herkömmlichen Tools wie Excel oder PowerPoint. Leistungsschwache Nutzer betrachten KI lediglich als Werkzeug, während Leistungsstarke die KI als «Teamkolleg:in» betrachten, insbesondere bei der Arbeit mit generativer KI GenKI. Wechseln wir deshalb vom blossen Fragesteller zur fordernden Gesprächspartnerin: Was muss die Maschine von mir wissen, um die beste Antwort zu geben? Fordern wir die KI, denn Kreativität bedeutet mehr zu tun als das Erste woran man denkt und worauf sich viele Menschen fixieren. Die KI kann Inspiration als Disziplin fördern, indem sie Modelle einbringt, neue Techniken, Erfahrungen, Perspektiven und all die Erkenntnisse, die sie aus aller Welt gewinnt. Meine Lieblingsapplikation CLAUDE von Anthrophic antwortet auf Prompts mit Gegenfragen und stellt am Schluss fest: Ich möchte von Ihrem Wissen profitieren und gleichzeitig meine einzigartige Perspektive in unsere Zusammenarbeit einbringen. Lassen Sie uns gemeinsam etwas schaffen, das keiner von uns allein entwickeln könnte.

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#407 – Neue Konventionen auch für uns «Alte»

Welche Form von Kommunikation
Immer wieder höre ich dieselben Kommentare, wie wir «Alten» immer weniger Lesen und Schreiben mögen. Teils weil es uns schwer fällt, ein leeres Blatt zu füllen und teils weil es einfacher ist, anstelle den Artikel zu lesen, einem Podcast, trotz lästiger Werbung, zu folgen. Auch für mich persönlich ist das Schreiben von Hand zusehends mühsam. Copy-paste, oder das Überarbeiten von Textstellen sind nicht möglich. Die Vorteile von Textprogrammen sind deren Flexibiltät. Wir formulieren Gedanken und verwerfen diese umgehend, ohne Neuanfang. Mit Inhalten generell ist das so eine Sache: Man muss sich überlegen, wie man ein Thema möglichst verständlich und direkt kommuniziert, an welches Publikum man sich wendet und wie spannend sich dieses liest. Gerade für viele von uns «Alten» sind dies grosse Hürden, denen wir mit dem analogen Gespräch am Telefon aus dem Weg gehen, wobei normalerweise auch keine Beweise für das Gesagte vorhanden sind. Da stellt sich ganz allgemein die Frage nach der Methodik von Kommunikation. Ich unterscheide dabei zwischen Sprache als Werkzeug und Zeichen zur Vermittlung von Gedanken. Bemängelt wird, dass an Schulen die Orthographie vernachlässigt wird, dass das Englische im Alltag immer mehr überhand nimmt oder dass in den sozialen Medien «Mundart», Symbole und Abkürzungen überwiegen. Wie «Urmenschen» entwickeln wir dank der Digitalisierung immer mehr unsere eigene Sprache, oder verzichten mittels Videobotschaften schlussendlich ganz auf geschriebene Texte.

Emoji-Palette von Shigetaka Kurita ist seit dem Jahr 2010 Teil der Sammlung des Museum of Modern Art (MoMA) in New York, Bild: Docomo Inc.

Audio und Videobotschaften ersetzen zusehends Texte
Victor Riparbelli, Mitbegründer und CEO von Synthesia, visionärer Autor und Vertreter der Generation Z, sprach im Oktober 2024 auf der Plattform TEDAI Vienna (16:23), wie die Technologie der künstlichen Intelligenz KI unsere Welt – und unsere Art zu kommunizieren – in einem atemberaubenden Tempo verändert. Riparbelli sagt voraus, dass KI bis zum Ende dieses Jahrzehnts dazu führen wird, dass Audio- und Videoformate den Text als unsere primäre Kommunikationsform ersetzen werden. Er stellt sich eine Welt vor, in der jeder einen Hollywoodfilm erstellen, personalisierte Bildung erhalten oder über hyperrealistische Avatare kommunizieren kann – und das alles in der Zeit, die man braucht, um ein Buch zu lesen. Victor Riparbelli verfügt über ein Jahrzehnt Erfahrung als Technologie-Unternehmer. Synthesia Ltd. wurde 2017 in London von einem Team aus KI-Forschern und Unternehmern von UCL, Stanford, TUM und Cambridge gegründet. Die Mission der Gründer Victor Riparbelli, Prof. Matthias Niessner, Prof. Lourdes Agapito und Steffen Tjerrild ist es, jeder Person die Möglichkeit zu geben, Videoinhalte zu erstellen – ohne Kameras, Mikrofone oder Studios. Die Plattform wandelt Texte innert wenigen Minuten in Videos von Studioqualität um, mit KI-Avataren und Sprachausgabe in über 140 Sprachen. Der Prozess ist so einfach wie das Erstellen eines Foliensatzes. Als wahrer Pionier auf diesem Gebiet verbindet Riparbelli technisches Fachwissen, akademisches Wissen und Unternehmergeist, um die Möglichkeiten der KI neu zu definieren. Sein Engagement für ethische und verantwortungsvolle KI-Innovationen steht (noch) im Mittelpunkt seiner Beiträge. Mithilfe von KI will das Team den Prozess der Inhaltserstellung radikal verändern und die menschliche Kreativität zum Guten freisetzen.

Eine Vielfalt von Emojis für unsere Gefühle
Unter dem Titel «Ein ❤️ zum Valentinstag» schrieben Simon Tanner (42) und Elena Oberholzer (28) in der NZZ vom 14. Februar 2025 ihre digitale Geschichte. Es geht dabei um die nicht mehr wegzudenkenden Emojis, welche unsere Gefühle befördern. Im digitalen Raum drücken sie aus, was in Worten manchmal schwer zu vermitteln scheint: Unverständnis, Dankbarkeit, Belustigung. Aber Emojis schaffen auch Missverständnisse. Das schüchtern lächelnde Gesicht zum Beispiel, wie ist das gemeint: Freundlich? Oder doch passiv aggressiv? Und was hat eigentlich dieser Affe, der sich die Augen zuhält, zu bedeuten? Doch es gibt ein Emoji, das einfach zu verstehen ist: das rote Herz. Insbesondere zum Valentinstag. Gemäss den Autoren wurde das Herz-Emoji erstmals 1995 in Japan verschickt, zwölf Jahre bevor Apple das erste iPhone verkaufte. 1995 brachte der japanische Mobilfunkanbieter Docomo den Pocket Bell Pager raus. Es war das erste Funkgerät, das neben kurzen Nachrichten auch den Versand von zwei Schwarz-Weiss-Bildchen ermöglichte. Wenn man bestimmte Zahlencodes in den Pager tippte, erschien ein Herz oder ein Telefon. Es war der Beginn der Kommunikation mit Emojis. Das Wort Emoji ist japanisch: «E» für Bild und «Moji» für Schriftzeichen.

1995: Das erste Herz-Emoji gab es auf dem Pocket Bell Pager eines japanischen Tech-Unternehmens.

Zeichensprache als Konvention
Weiter lehren uns die Autoren, wie schon vor der Einführung der ersten Emojis Menschen in Japan Zeichen nutzten, um zu kommunizieren, zum Beispiel Zahlencodes. «39» hiess «Danke», «0906» hiess «Ich komme zu spät», und «14106» war der Code für «Ich liebe dich». Auch einen Code für das Herz gab es schon: das Kleiner-als-Zeichen < und die 3. Im Jahr 1998 beauftragte Docomo den jungen Designer Shigetaka Kurita damit, Symbole für den Versand von Nachrichten zu entwerfen. Es entstanden 176 Bildchen, die nicht nur der Kommunikation, sondern auch der Information dienten. Das Emoji-Set von Kurita, von Docomo im Jahr 1999 veröffentlicht, wurde in Japan sehr schnell sehr populär. 2010 setzte sich eine Gruppe von Software-Ingenieuren von Google dafür ein, dass Unicode die Emojis in sein System aufnahm. Die Emoji-Palette von Shigetaka Kurita ist seit dem Jahr 2010 Teil der Sammlung des Museum of Modern Art (MoMA) in New York. Doch bei jungen Menschen sind Kuritas Herzen und alles, was daraus entstanden ist, heute überholt. In Zeiten, in denen via Instagram und Tiktok vor allem in Videos kommuniziert wird, kommen Liebesbotschaften online in anderer Form, schrieben Simon Tanner und Elena Oberholzer. Sie müssen es wissen.

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#378 – K O M M U N I K A T I O N

Künstliche Intelligenz statt analoges Telefonieren
Im Austausch mit Gründern von KMUs stelle ich immer wieder eine gewisse Zurückhaltung gegenüber Digitalisierungslösungen fest. Künstliche Intelligenz KI Ist für viele des Teufels, mitunter wegen der negativen Presse. Verständlich, denn Journalisten und Printmedien sind am meisten gefährdet durch diese Entwicklungen. Ohne seine aktuellen Bedürfnisse bei Neugründungen zu hinterfragen ist die Gefahr gross, dass man aus Bequemlichkeit (so machen es auch die Anderen) lediglich gewohnte Abläufe (von Hand!) digitalisiert, ohne mögliche Alternativen zu prüfen. Ein KMU wendet zum Beispiel viel Energie, Zeit und finanzielle Mittel für eine neue Webseite auf, obwohl Werbeauftritte in den sozialen Medien dank Automatisierung vielleicht eine grössere Reichweite entfalten und kostengünstiger sind. Ein weiteres Beispiel betrifft die interne Kommunikation. KI kann auf einer Kollaborationsplattform unzählige Sitzungsprotokolle dank einer globalen Suchfunktion welche die Zusammenhänge erkennt, mittels individueller Zugriffsrechte schnell finden. Schwierig wird die Kommunikation wichtiger Entscheide per Telefon, da jegliche Rückverfolgbarkeit fehlt, oder der Zugriff auf wichtige Unterlagen unterwegs meist mangelhaft ist. Immer geht es dabei um Kommunikation und wie wir kommunizieren prägt unser Geschäft.

Sitzungen sind zu oft Zeitverschwendung
Nicole Kopp, Arbeits- und Organisationspsychologin und Mitbegründerin der Beratungsfirma GoBeyond schreibt zum Thema Kommunikation in der NZZ Kolumne vom 20.Juli 2024 unter dem Titel: «Die meisten Sitzungen sind unnötig. Schaffen wir sie einfach ab!» über die asynchrone Art sich auszutauschen. Beim Lesen nehmen wir Informationen viel besser und schneller auf als beim Zuhören. Deshalb sind Meetings ungeeignet zur Wissensvermittlung. Es gibt effizientere Formen der Zusammenarbeit. Gemäss Studien von Microsoft hat die Anzahl der Meetings pro Person hat seit Beginn der Corona-Pandemie um 150 Prozent zugenommen, Wissensarbeitende verbringen im Schnitt 35 bis 50 Prozent ihrer Zeit damit. Gemäss einer Studie von Leslie Perlow, Professorin an der Harvard Business School, finden 71 Prozent der Führungskräfte Meetings unproduktiv und ineffizient, und 65 Prozent sagen, dass Meetings sie von der Erledigung ihrer Arbeit abhielten.

Wilhelm Schmid, Schweizer Maler (1892-1971): La Cena (Abendmahl / Heliand) 1946, Gemälde im Besitz der Eidgenossenschaft

Zusammenarbeit bedingt, miteinander zu kommunizieren
Unser Gehirn verarbeitet Informationen je nach Kommunikationsart unterschiedlich schnell, schreibt Nicole Kopp weiter. Studien zeigen: Wir lesen etwa viermal schneller, als wir schreiben. Und wir sprechen etwa doppelt so schnell, wie wir zuhören und verstehen. Das bedeutet, dass synchrone, also zeitgleiche Kommunikation relativ langsam ist. Die asynchrone, zeitversetzte Kommunikation, bei der wir schreiben und lesen, ist schneller. Wenn Meetings für die mündliche Übermittlung von Informationen eingesetzt werden, ist das folglich viermal langsamer, als wenn die Beteiligten die Informationen lesen. Dieses Wissen scheint noch lange nicht in allen Köpfen angekommen zu sein, denn die meisten Wissensarbeitenden kennen das Gefühl, in einem Meeting zu sitzen, das auch eine E-Mail hätte sein können. Wenn der Sitzungsmarathon wegfällt, erledigen Menschen ihre Aufgaben, wann und wo es ihnen am besten in den Arbeitstag passt. Gleichzeitig wird der Fokus gestärkt, da man sich auf die Aufgaben konzentrieren kann, anstatt während Meetings Multitasking zu betreiben, wie es die meisten Menschen tun.

Ein Aufruf zu mehr asynchronem Arbeiten
Asynchrones Arbeiten bedeutet, dass man zeitlich unabhängig voneinander in Einzelarbeit einen wertvollen Beitrag für das Ganze leistet. Dies ist beispielsweise das Bearbeiten von Dokumenten, das Ergänzen von Ideen auf einem digitalen Ideen-Board oder das Programmieren eines Codes. Ist dieser Schritt getan, können andere das Geleistete anschauen, ergänzen oder kommentieren – ebenfalls asynchron. Natürlich braucht es immer mal wieder eine Synchronisation, in der alle zusammenkommen, um gemeinsam Entscheidungen zu treffen, Prioritäten zu setzen und die nächsten Aufgaben zu verteilen. Im Gegensatz zur gewohnten Arbeitsweise überwiegt aber die Einzelarbeit und damit die schriftliche Arbeit. Nicole Kopp ist der Auffassung, dass asynchrone Arbeitsweisen auch die Ideenvielfalt vergrössern. In Meetings werden oft nur die lautesten Stimmen gehört, und introvertierten Personen fällt es schwer, in solchen Momenten ihre Ideen und Kommentare einzubringen. «Mir fällt erst nach der Sitzung ein, was ich zum Thema noch sagen möchte», erzählte ihr ein Kunde, der sich als introvertiert bezeichnet.

Informationen be-greifbar machen
Dann höre ich immer wieder von Unternehmern, die nicht gerne schreiben oder lesen und dabei ihre Verantwortung delegieren. Alle Teammitglieder sind im Umgang mit Verantwortung und Transparenz dafür verantwortlich, sich die benötigten Informationen selbst zu beschaffen. Dabei gibt es eine Hol- statt eine Bringschuld. Und wenn der eigene Arbeitsschritt fertig ist, muss aktiv Feedback eingeholt werden. Dieser Arbeitsmodus klappt nur, wenn die digitale Infrastruktur im Unternehmen eine hohe Transparenz ermöglicht: Informationen und Dokumente müssen für alle auffindbar und zugänglich sein. In einer Studie des Plattformanbieters Miro gaben 61 Prozent der Befragten an, dass asynchrones Arbeiten das Ausmass ihrer Erschöpfung senke. Denn das Arbeiten sei flexibler, weniger stressig, und es sei einfacher, Pausen zu machen. Sitzungen sollten so rar sein, dass wir uns auf sie freuen schreibt Nicole Kopp.

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