Blog, Industrie 4.0

#432 – Nostalgie, das Heroin von uns «Alten»

Unser Verhältnis zur künstlichen Intelligenz KI
Viele von uns «Alten» tun sich schwer mit Veränderungen, auch wenn sich diese schlussendlich zu unserem Vorteil entwickeln. Angesichts der Proliferation digitaler Technologie, denken wir nostalgisch an die «gute» analoge Zeit zurück. Wir Fragen uns, weshalb wir ein bestehendes System disruptiv zerstören sollen um anschliessend durch eine neue Technologie oder ein Geschäftsmodell, (scheinbar) funktionierende Märkte und Gewohnheiten grundlegend zu verändern. Im Gegensatz zu schrittweisen Veränderungen führt eine disruptive Innovation zu einer tiefgreifenden Umstrukturierung oder einem Paradigmenwechsel, der für uns eine grosse Herausforderung darstellen kann, für den Gesamtfortschritt aber auch grosse Chancen bietet (Stichwort: Zölle). Dass solche Initiativen fast ausschliesslich im angelsächsischen Kultur- und Sprachraum entstehen, empfinden wir oft als Kränkung und lehnen diese reflexartig ab.

Die unsichtbare Schweizer Szene
Im Blog #431 Die unsichtbare Schweizer KI-Szene: «KI und Robotik: Tech-Utopie als Jungbrunnen für die Menschheit?» versuchen wir eine Einordnung: Trotz einigen interessanten Schweizer KI-Initiativen und KI-Unternehmen, liegen die Entwicklung von KI und Robotik sowie der Zugang zum alles miteinander verbindenden Internet in den Händen von einigen wenigen US-Tech-Firmen des Silicon Valleys. Der Mangel an helvetischer Sichtbarkeit ist auch das Resultat fehlender «Gesichter», Leaderfiguren wie beispielsweise Elon Musk, Ron Altmann oder Bill Gates. Hierzulande stehen Fachgruppen, Ausschüsse oder Lehranstalten hinter den Projekten, die sich vornehmlich auf die Sicherheit, Ethik oder die Einhaltung von Regeln zum Datenschutz konzentrieren. Das Problem ist also nicht die KI-Technologie selbst, sondern unser Verhältnis zu ihr. Der Fokus auf «vertrauenswürdige und transparente KI» könnte zwar ein wichtiger Differenzierungsfaktor für die lokalen Initiativen sein. Das weltumspannende Internet garantiert jedoch keine länderspezifischen Lösungen, wie einen «Swiss Finish». Einmal im Netz, ist der Geist aus der Flasche und nicht mehr einzufangen.

Wie würde es sich anfühlen, das Ende des Lernens? © Beate Pietrek für DIE ZEIT (unter der Verwendung von KI)

Künstliche Intelligenz: Leben in einer Tech-Utopie
Trotz Bedenken dürfen wir die Erschaffung von künstlicher Intelligenz als «Ziel per se» nicht aus den Augen verlieren. Nicht hemmende Regulierung, sondern weitere Erforschung ist wichtig. Wie erschaffen wir Intelligenz am Computer, ist der heilige Gral für künstliche Intelligenz: Aber wie gelangen wir dorthin? In Verbindung mit den medizinischen Fortschritten, die ewige Jugend versprechen, scheint die Menschheit also zum Leben in einer Tech-Utopie bestimmt zu sein. Eine Zukunft, die auch durch die Zusammenarbeit mit der Natur geprägt ist. Treiber hierfür sind die breite Akzeptanz erschwinglicher KI-Technologien, die Kommerzialisierung von KI-Diensten, veränderte Geschäftsmodelle, welche KI als operatives Hilfsmittel betrachten, und die steigende Nachfrage nach unterstützender Infrastruktur. Diese Entwicklungen demokratisieren KI-Fähigkeiten, fördern Innovationen und verwandeln KI in eine gemeinsame, systemische Ressource (Commodities), vergleichbar mit traditionellen Versorgungsunternehmen wie Strom und Wasser, mit tiefgreifenden Auswirkungen auf die gesellschaftliche Steuerung.

Folgen von künstlicher Intelligenz KI: Wenn wir nicht mehr lernen müssen
Künstliche Intelligenz nimmt uns das Nachdenken ab. Wir sollten uns daran aber nicht zu sehr gewöhnen – es könnte gefährlich sein, schreibt Dr. Sibylle Anderl in der ZEIT am Wochenende vom 4. August 2025. Der Traum von der perfekten KI-Arbeitskraft soll wahr werden – und der Mensch kann sich zurücklehnen und geniessen. Keine Bullshit-Jobs mehr, nur noch Genuss, und das sehr lange. Denn dank KI wird die Medizin so grosse Fortschritte machen, dass der Mensch immer älter wird. Und wenn die KI irgendwann in unsere Köpfe implantiert wird, wie es sich etwa der Futurist Ray Kurzweil ausmalt und woran Elon Musk bereits arbeitet, muss der Mensch überhaupt nichts mehr lernen. Vorbei die Frustration darüber, dass wir Gelerntes so schnell wieder vergessen. Dass uns für manches das Talent fehlt. Jeder kann sich alles sofort aneignen. Der Mensch wächst über sich selbst hinaus. Untersuchungen ergaben zwar, dass man sich Informationen schlechter merkt, wenn man weiss, dass man digital auf sie zugreifen kann. «Digitale Amnesie» wird das genannt. Man kennt sie von To-do-Listen, deren Inhalte aus dem Gedächtnis verschwinden, sobald man sie notiert hat. Eigentlich ein Lichtblick für uns «Alte», KI als Partner gegen das Vergessen.

Die gefährlichste Illusion: Dass wir schon gelernt hätten.
Wäre das also die Zukunft: Das eigene Denken würde abgebaut, aber wir merkten es gar nicht, weil wir uns angesichts der erfolgreichen Nutzung künstlicher Intelligenz trotzdem über die Massen schlau fühlten? Doch wer wäre dann für die Inhalte solcher Systeme verantwortlich? Eigentlich eine Aufgabe für uns kompetente «Alte», unsere Erfahrung im Team mit den «jungen Wilden» zu teilen. Gut möglich, dass wir sonst verlernen, uns selbst und unsere Umwelt kritisch infrage zu stellen. Im Kommentar zum Artikel von Dr. Sibylle Anderl schreibt Christian Müller, Mitgründer von Intrinsic, dem Netzwerk für «angewandte Bildungsinnovation» auf LinkedIn vom 4. August 2025: Der Artikel in der aktuellen DIE ZEIT beschreibt eine Welt, in der KI uns das Denken abnimmt. Er warnt davor, dass Lernen überflüssig werden könnte – und dass das gefährlich ist. Das stimmt zwar, aber nicht aus den Gründen, die der Artikel nennt, meint Christian Müller. Denn die Vorstellung, dass wir durch KI das Lernen verlieren könnten, setzt voraus, dass unser jetziges Lernen intakt ist und da ist der blinde Fleck des Textes. Dieses Lernen ist erschöpft.

Tiktok und KI erobern die Bildung. Illustration: Olivia Meyer, NZZ am Sonntag, 10. August 2025

Tiktok und KI erobern die Bildung – wozu braucht es dann noch Lehrer?
René Donzé, NZZ am Sonntag 10. August 2025, beschreibt wie rasant sich die Nutzung von KI-Tools wie Chat-GPT beim Lernen ausbreitet. In einem Bericht der Universität Zürich zur Befragung bei 2300 Schülerinnen und Schülern von Gymnasien, Berufsschulen und Fachmittelschulen gaben 90 Prozent an, auf die Hilfe von KI zurückzugreifen. Nicht die KI ist das Problem. Die Vorstellung von Lernen, die wir verteidigen ist es, schrieb Christian Müller. Was der Text als Lernen verklärt, ist in Wahrheit eine Disziplinierung, keine Entfaltung. Die KI kann dabei helfen – radikal. Wenn wir sie nicht als Ersatz, sondern als Erweiterung verstehen. Dann könnte KI das sein, was wir so dringend brauchen: Ein Katalysator für eine neue Lernkultur. Eine, die nicht im 19. Jahrhundert steckenbleibt. Sondern im 21. ankommt. Nicht Bildung als Formung – sondern als leistungsorientierte Einladung. Denn das wahre Risiko ist nicht, dass wir das Lernen verlieren, sondern, dass wir nie wirklich damit begonnen haben.

Die Herausforderungen für Führungskräfte bei technologischen Umbrüchen
An die Geschäftswelt richtet sich die Abhandlung der Boston Consulting Group BCG vom 26. Juni 2025. Mit dem Titel «KI am Arbeitsplatz: Die Dynamik nimmt zu, aber es bleiben Lücken», analysieren die Autoren Vinciane Beauchene, Sylvain Duranton, Nipun Kalra, and David Martin die Potenziale von KI und Technologie. Dabei konzentrieren sie sich auf die jährlichen globalen BCG-Mitarbeiterbefragungen «AI at Work», KI am Arbeitsplatz, welche 2025 11 Länder und Regionen umfasst, mit mehr als 10’600 befragten Führungskräften, Managern und Mitarbeitenden (im Aussendienst). Fazit: KI ist keine ferne Zukunftsvision mehr. Führungskräfte und Manager haben sie in ihren Arbeitsalltag integriert während Mitarbeitende im Aussendienst die Technologie noch nicht vollständig angenommen haben. Die Fähigkeit von Unternehmen, Arbeitsabläufe neu zu gestalten, hängt massgeblich vom Engagement der Mitarbeitenden ab. Führungskräfte müssen die Technologie beispielhaft nutzen, die Mitarbeitenden entsprechend schulen und die richtigen Werkzeuge bereitstellen.

Zusammenarbeit von Mensch und Maschine neu gestalten
Sorgen um die Arbeitsplatzsicherheit wandeln sich in Begeisterung, wenn Mitarbeitende gut informiert und mit KI-Agenten vertraut sind. Sie betrachten diese weniger als Bedrohung, sondern vielmehr als kooperative Partner, die ihre Arbeit erleichtern. Dies ist eine bekannte Herausforderung, die auch bei anderen technologischen Umbrüchen zu beobachten ist – insbesondere beim Übergang von Dampf zu Elektrizität. Der Weg über die Einführung von KI zur tatsächlichen Wirkung ermöglicht es, die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine neu zu gestalten. Wir «Alten» müssen dazu unsere Erfahrung als Mentoren und Sparringspartner in gemischten Teams einbringen. Unternehmen, die sich dieser Transformation verschrieben haben, wissen, dass die wahre Stärke von KI in intelligenteren Arbeitsweisen liegt. Richtig umgesetzt, passen sich Mitarbeitende nicht nur an – sie entwickeln sich weiter.

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Projektadministrator und Initiator

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#428 – Wohlstandsverlust: «Alte» wehren sich

Plädoyer eines «Alten» für uns «Alte»
Ein Kollege machte mich auf den Beitrag von Klaus Stöhlker (84), deutsch-schweizerischer PR-Berater, Publizist, Unternehmer und Autor, vom 4. Juli 2025 auf Inside Paradeplatz-online aufmerksam. Es ist das Plädoyer eines «Alten» für uns «Alte». Alte Männer und Frauen, die noch geistig beweglich und auch sonst körperlich fit sind, bilden die grosse, stille Reserve für unser Land. Ihm ist aufgefallen, mit welcher Verbissenheit die jüngeren Mitglieder der Gesellschaft auf ihre Vorgänger, die noch lebenden «Alten», einhacken. Viele alte Männer verstummen deshalb, sei es, dass sie eine Diskussion mit den nachwachsenden Generationen als wenig fruchtbar empfinden, weil sie dort kein Gehör mehr finden oder sie den Unterschied zwischen ihrer Welt und der Welt der Jungen zu gross finden.

Verlassen die «Jungen» die ausgetretenen Schuhe von uns «Alten»?
Weil Politiker und Unternehmer aber mehr denn je nach den «Alten» rufen, die jenseits der Pensionierungsgrenze noch anpacken möchten, vergönnt sich Stöhlker ein Lob auf die «Alten», die dem Land über die AHV-Grenze hinaus dienen. Aber nicht nur die «Jungen», auch die Frauen hat der alte weisse Mann gegen sich, hält er doch jene Positionen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft besetzt, die es einzunehmen gilt. Der wohl mächtigste Mann der Welt, der amerikanische Präsident Donald Trump, ist gerade 79 Jahre alt geworden. Er setzte sich in den Wahlen klar gegen die 60-jährige Kamala Harris durch. Dazu ein aktueller Einschub meinerseits: «Was wir von Donald Trump lernen können – auch hier in der Schweiz», schreibt Michael Hermann (53), Politikwissenschafter, im Gastkommentar der NZZ vom 12. Juli 2025. Weiter mit Klaus Stöhlker: In der Schweiz, wo die eingeborene Bevölkerung in mehr als 12 Kantonen durch Todesfälle und mangels eigener Geburten laufend sinkt, müssen vielerorts wir «Alten» in die Ställe, in die Montagehallen und in die Redaktionsstuben einrücken, denn unsere Erfahrung ist Gold wert. Stöhlker präsentiert eine Auswahl von «Alten» schweizer Unternehmerpersönlichkeiten und stellt die rhetorische Frage ob bei uns die «Jugend», wie alt sie immer sein mag, Kraft genug hat, die ausgetretenen Schuhe ihrer Vorgänger zu verlassen. Diese Jugend ist nur so viel wert, wie sie in der Lage ist, Neues zu schaffen. Ob unser Nachwuchs jemals ein neues Silicon Valley in der Schweiz aufbauen wird, ist bisher nicht erwiesen. Bei allem Verständnis für den Hunger der Jungen nach Neuem, mögen sie es aber bitte vermeiden, uns «Alte», dabei aufzufressen.

Jaques Herzog (75), Schweizer Architekt und zusammen mit Pierre de Meuron (75), Gründer des, mittlerweile weltberühmten, Basler Architekturbüros Herzog & de Meuron in 1978. 8. Juli 2025 TeleZüri SommerTalk im Chapiteau des Zirkus Knie, Interview mit Michelle Steiner-Bernhard. Bild: ZeleZüri

Trend zu kürzerer Arbeitsdauer
Ein neuer OECD-Bericht (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) warnt vor «beispiellosem Einbruch»: Die tiefe Geburtenrate gefährdet den Wohlstand, schrieb Albert Steck in der NZZ vom 9. Juli 2025. Das wirtschaftliche Wachstum droht in den westlichen Ländern um 40 Prozent zurückzugehen. In der Schweiz könnte die Demografie zu einem noch stärkeren Rückgang führen. Eigentlich ist es eine Binsenwahrheit: «Damit die Wirtschaft wachsen kann, braucht es Arbeitskräfte, welche die nötige Wertschöpfung erbringen.» Statt eines Mangels an Jobs wie früher, erlebe die westliche Welt zunehmend einen Mangel an Arbeitskräften, hält die OECD fest – und warnt vor den tiefgreifenden Folgen dieses Wandels. Dieser hat zwei Gründe: In der Schweiz kommen pro Frau gerade noch 1,3 Kinder auf die Welt. Gleichzeitig findet eine Welle an Pensionierungen bei den geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer-Generation statt. Gemäss OECD wirkt sich dies direkt auf unseren Wohlstand aus, indem wir mit einem beispiellosen Einbruch des Pro-Kopf-BIP-Wachstums konfrontiert werden, was die Fähigkeit, den Lebensstandard zu verbessern, erheblich beeinträchtigen wird.

Potenzial der älteren Beschäftigten nutzen
Dank den Fortschritten der künstlichen Intelligenz KI könnte sich diese Voraussage jedoch als zu pessimistisch erweisen. KI kann viel. Sie verändert unser Denken, die Sprache, den Stellenwert von Arbeit. In den vergangenen Jahren haben digitale Technologien und die Automatisierung vor allem Routinetätigkeiten ersetzt – Aufgaben, welche nach klaren Vorschriften ausgeführt werden können. Vermehrt sind Leute gefragt, die Probleme analysieren und Entscheidungen treffen. Um dem Rückgang der Produktivität entgegenzusteuern müssten andererseits die Beschäftigten mehr Arbeitsstunden leisten. Die OECD empfiehlt deshalb, den bestehenden Pool an Arbeitskräften umfassender auszuschöpfen. Als mögliche Massnahmen nennt sie unter anderen eine fortschrittlichere Beschäftigungspolitik für uns «Alte». Zumal wir von einer besseren Gesundheit profitieren und auch der Anteil der körperlich anstrengenden Jobs zurückgeht. Zu diesem Zweck müssen die berufliche Mobilität und das lebenslange Lernen gefördert werden. Damit hilft man auch den Jungen, welche sonst die zusätzlichen Lasten aufgrund einer stagnierenden Wirtschaft zu tragen hätten. Gerade die Kombination aus «jugendlichem Wissen» und gereifter Erfahrung der «Alten», führt oft zu den besten Lösungen. Die «Alten» bringen Kontextualisierung, Risikoeinschätzung und langfristiges Denken mit – Fähigkeiten, die in unserer schnelllebigen Zeit besonders wertvoll sind. Anstatt Wissen und Erfahrung gegeneinander auszuspielen, müssen wir Synergien nutzen. Um das Potenzial einer ganzen Gesellschaftsschicht zu würdigen, müssen wir über reine Arbeitsmarktbetrachtungen hinausgehen.

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#427 – Das Verhältnis von uns «Alten» zur KI

Was genau ist künstliche Intelligenz KI
KI könnte vielen von uns die Karriere kosten – doch das heisst nicht, dass wir ihre Entwicklung stoppen sollten, meint die Journalistin Megan J. McArdle (52) im TED2025 • April 2025 Talk (10:05). Während sie beobachtet, wie KI in ihr eigenes Handwerk eindringt, blickt sie mit neuen Augen auf die Maschinenstürmer des 19. Jahrhunderts, die versuchten, Maschinen zu zerstören, die ihr Handwerk auf den Kopf stellen würden. Rückblickend formuliert McArdle die heutigen Ängste mit einer ergreifenden Frage: Wenn wir den Fortschritt stoppen, um die Gegenwart zu schützen, was könnten wir der Zukunft vorenthalten? Persönlich verwende ich meine Lieblings-KI CLAUDE, ein Large Language Model LLM von Anthropic, immer öfter. Sei es um weitere Aspekte meiner Überlegungen zu beleuchten, einen Code zu generieren oder um mögliche Themen für neue Blogbeiträge zu finden. Anfangs kommunizierte ich auf Englisch, mittlerweile funktioniert das Modell perfekt auf Deutsch.

KI erobert die Schulen
«Gewisse Lehrer könnte man mit KI komplett ersetzen» – «Chat-GPT ist wie ein Lernpartner» titelte der Tagesanzeiger vom 2. Juli 2025 den Beitrag zur Verwendung von ChatGPT an der Schule. Goethe zusammenfassen lassen oder bei der Prüfung spicken: Fünf Schülerinnen und Schüler erzählen, wie sich ihr Unterricht durch künstliche Intelligenz verändert hat. Auch für uns «Alte» hat sich mit der Art und Weise wie wir KI nutzen, unsere Arbeit verändert. Im weitesten Sinne zähle ich dazu Funktionen, welche E-mails und Texte korrigieren und oft verwendete Wörter während des Schreibens ergänzen. Als Mac-Nutzer kenne ich seit rund 30 Jahren die Vorteile von AppleScript, als Teil des MacOS-Betriebssystems und seit einigen Jahren im Paket mit Automator, der App zum Automatisieren von Funktionen und Zuweisen von Verknüpfungen. Diese optimiert auf Knopfdruck den Workflow effizient für wiederkehrende Aufgaben wie Dateiverwaltung, Textbearbeitung und mehr.

Thrones «sculpture as place», 1978, Carl Andre (1935-2024), amerikanischer Künstler. Art Basel Unlimited 2025

Zusammenarbeit neu gestalten
Wir sind von der verarbeitenden Industrie des 20. Jahrhunderts zu einer wissensbasierten Wirtschaft mit Dienstleistungen für das 21. Jahrhundert übergegangen. Diese «Industrie 4.0» schafft kaum mehr Arbeitsplätze, weil moderne Fabriken grösstenteils mit Robotern funktionieren. Vor sechzig Jahren waren die Hälfte der Erwerbstätigen in der Schweiz Industriearbeiter. Heute sind es noch 20 Prozent. Die Geschichte lässt sich nicht zurückdrehen, sagt der Nobelpreisträger und Professor an der Columbia University in New York, Joseph Stiglitz (82) im Interview mit Dieter Bachmann in der NZZ vom 13. Juni 2025. Die Entwicklungen im Bereich der generativen künstliche Intelligenz GenKI bringt tiefgreifende Veränderungen bei (Wissens-)Arbeit und Beschäftigung mit sich. GenKI ist ein Teilbereich im Feld der künstlichen Intelligenz, die nicht nur unsere Werkzeuge verändert, sondern die Logik von Arbeit selbst. Und sie tut das schneller, als viele Systeme adaptieren können. Gefragt sind nicht mehr nur IT-Kenntnisse, sondern Zukunftskompetenzen wie Kollaboration, Systemdenken und Selbstführung. GenKI wirkt dabei wie ein Exoskelett: Sie erweitert unsere Handlungsfähigkeit, sagt Stiglitz. Menschen müssen lernen neu zu denken, Zusammenarbeit neu zu gestalten, Zukunftsfähigkeit gemeinsam bauen.

盖瑞·马库斯: 暴走 AI 的紧迫风险——我们又该如何应对 | TED Talk
Gary Marcus: Die akute Gefahr einer ausser Kontrolle geratenen KI – und was wir dagegen tun können | TED Talk (übersetzt aus dem Chinesischen – Google Translate).
Warum KI unglaublich schlau und schockierend dumm ist · Die Insider-Story über das erstaunliche Potenzial von ChatGPT. Im TED Talk vom April 2023 (14:02, Transkription in 13 Sprachen, dabei kein Deutsch!), spricht Gary F. Marcus (55), emeritierter Professor für Psychologie und Neurowissenschaften an der New York University, Firmengründer im Bereich künstliche Intelligenz und Autor. Zu Beginn stellt er die Frage ob Wahrheit und Vernunft die Entwicklung künstlicher Intelligenz überleben werden und verneint dies auch gleich. Sicher nicht, solange unzuverlässige Technologie weiterhin mit so gefährlich hoher Geschwindigkeit in unser Leben integriert wird. Er plädiert für eine dringende Neubewertung, ob wir in Zukunft zuverlässige Systeme oder weiterhin Desinformationsmaschinen bauen. Er untersucht die Fehler der heutigen KI und fordert eine globale, gemeinnützige Organisation, welche die Technologie im Interesse der Demokratie und unserer gemeinsamen Zukunft reguliert. Er macht sich Sorgen über die Möglichkeit, dass böswillige Akteure einen Tsunami an Fehlinformationen auslösen, wie wir ihn noch nie zuvor erlebt haben. Selbst wenn diese Systeme nicht absichtlich zur Verbreitung von Fehlinformationen eingesetzt werden, können sie nicht anders. Sie kombinieren aus unzähligen Nachrichten in ihren Datenbanken kleine statistische Informationen, ohne den Zusammenhang zwischen den Fakten, die in den einzelnen Satzteilen enthalten sind, zu verstehen. Das System vervollständigt im Grunde automatisch und sagt voraus, was statistisch wahrscheinlich ist und aggregiert all diese Signale, ohne zu wissen, wie die einzelnen Teile zusammenpassen. Und manchmal entstehen dabei Dinge, die zwar plausibel, aber einfach nicht wahr sind.

Welche Wahrheit wird zum Massstab
Viele rufen seit dem Eintritt von KI in unseren Alltag nach Regulation, mit den verschiedensten Interessen, kulturellen Hintergründen oder dem Geschäft mit der Angst. Ich sehe es als Aufgabe von uns «Alten» in gemischten Teams, wie unsere Erfahrung einen Beitrag zur Entwicklung digitaler Umgebungen leistet, durch Förderung von Fachwissen, beruflichen Handlungs- und überfachlichen Kompetenzen. Diese beinhalten emotionale Intelligenz, Intuition und die Fähigkeit, in unbekannten Situationen zu navigieren. Unser Wissen mag teilweise veraltet sein – unsere Erfahrung ist es nicht. Gary Marcus verweist im Zusammenhang auf AutoGPT und eine Reihe ähnlicher Systeme, wo eine KI eine andere KI steuert. AGI ist also die Idee künstlicher allgemeiner Intelligenz mit der Flexibilität des Menschen. Um die KI-Risiken zu minimieren, braucht es seiner Meinung nach zwei Dinge, einen neuen technischen Ansatz und auch ein neues Steuerungs-System. Um wahrheitsgetreue Systeme im grossen Massstab zu erreichen, müssen wir das Beste aus beiden Welten vereinen. Wir brauchen die starke Betonung von Argumentation und Fakten, explizites Denken, das uns die symbolische KI bietet, und wir brauchen die starke Betonung des Lernens, die uns der Ansatz neuronaler Netze bietet. Als studierter Kognitions- und Neurowissenschafter verweist Marcus auf den menschlichen Geist, der im Grunde genau das tut. Probabilistische Intuition basiert auf vielen Statistiken, wie ChatGPT, die wir mit bewusstem Denken kombinieren. Wenn das Gehirn das also zusammenfügen kann, werden wir eines Tages herausfinden, wie wir das auch für künstliche Intelligenz umsetzen können. Es bleibt aber weiterhin die Frage nach der WAHRHEIT per se.

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