Blog, Industrie 4.0

#366 – Keine Sicherheit vor Fälschungen

Warum Sicherheit bremst
Als Reaktion auf meinen Blogbeitrag zur Rolle von uns «Alten» im Zeitalter von künstlicher Intelligenz, schrieb ein Kollege frustriert, das Potenzial der «Alten» sei noch immer unterbewertet wie eh und je. Dabei ist nicht das Potenzial oder unser Alter problematisch, sondern unser Unvermögen gewisse Vorurteile loszulassen um uns einzugestehen wie sich die Welt um uns herum verändert. Daniel Kahneman (1934-2024), der kürzlich verstorbene israelisch – US-amerikanische Psychologe und Ökonomie-Nobelpreisträger, erklärt in seinem Werk, warum Menschen sich entgegen den Annahmen oft nicht rational verhalten. In Risiko-Situationen haben wir Menschen mentale Vorurteile, die unser Urteilsvermögen verzerren können. Menschen entscheiden subjektiv und nicht nach einem abstrakten Kriterium, das man Objektivität nennt. Verluste tun einem mehr weh, als Gewinne Freude bereiten. Menschen suchen Sicherheit; dafür sind sie bereit auf Wohlstand zu verzichten. Diese letzte Erkenntnis ist besonders wichtig. Denn sie erklärt auch, warum so wenige Leute Unternehmer werden. Wer versucht, Risiken zu vermeiden, wird nicht zum Unternehmer. Sicherheit bremst Unternehmergeist aus. Das Unternehmertum, also die Aussicht auf künftigen Wohlstand, wird geopfert, um gegenwärtige Sicherheit zu haben. Dazu Martin Vollenwyder (70), ehemaliger Finanzvorsteher der Stadt Zürich: «Ein Optimist sieht in einem Problem eine Aufgabe. Ein Pessimist sieht in einer Aufgabe ein Problem.»

Wir «Alten», Zeitzeugen des technologischen Wandels
Heute passiert etwas in der Technologie, was so noch nie passiert ist, sagte Cathie Wood (69), amerikanische Ökonomin, Investorin sowie Gründerin und CEO der Investmentgesellschaft Ark Invest in ihrem TEDAI talk vom October 2023 (14:41). Heute entstehen gleichzeitig fünf technologische Neuschöpfungen. Man muss in die frühen 1900er Jahre zurückgehen um zu sehen, wie sich drei Allzwecktechnologie-Plattformen gleichzeitig weiterentwickelten: Telefon, Strom, Auto. Diese waren am Anfang der grossen Veränderungen (Gamechanger). Heute sind es fünf Plattformen, die sich katalysiert durch künstliche Intelligenz gleichzeitig weiterentwickeln: Robotik, Energiespeicherung, KI, Blockchain-Technologie und Multiomic-Sequenzierung (biologischer Analyseansatz, bei dem es sich bei den Datensätzen um mehrere «Ome» handelt, wie beispielsweise Genom, Proteom, Transkriptom, Epigenom, Metabolom und Mikrobiom). Sie verändern die wirtschaftliche Wachstumsdynamik exponentiell. KI entwickelt sich zu etwas völlig Neuem sagte Mustafa Suleyman (42), CEO bei Microsoft KI, im TEDtalk vom April 2024 (22:01) und zeigte eindrücklich die immer schnellere Entwicklung der Menschheit und unserer Werkzeuge über die Jahrtausende.

Die Aula des ukrainischen Instituts für wissenschaftliche und technische Expertise und Information in Kiev, 1971 Ukraine. Aus Soviet Cities: Labour, Life & Leisure des russischen Fotografen Arseniy Kotov, FUEL-Verlag

Durchatmen und loslassen
Das wohl Schwierigste für uns «Alte» ist die Tatsache, dass diese Veränderungen mehrheitlich ausserhalb unserer Einflusssphäre stattfinden. Als neugierige «Zuschauer» sind wir verdammt, unsere gemachten Erfahrungen im besten Fall als Richtschnur, im Team mit den «jungen Wilden» kompetent zu vertreten. Auch wenn niemand mehr wirklich den Überblick hat, müssen wir dank unserer Seniorität, Weisheit und Gelassenheit unsere Verantwortung wahrnehmen. KI ist nichts unabhängiges. KI ist in mancher Hinsicht nicht einmal neu. KI sind wir. Das sind wir alle. Und das ist vielleicht das Vielversprechendste und Wichtigste überhaupt: Während wir die KI ausbauen, sollten wir alles Gute widerspiegeln, alles was wir lieben, alles Besondere an der Menschheit: unser Einfühlungsvermögen, unsere Freundlichkeit, unsere Neugier und unsere Kreativität. Gemäss Suleyman ist dies die grösste Herausforderung des 21. Jahrhunderts, aber auch die schönste, inspirierendste und hoffnungsvollste Gelegenheit für uns alle.

Wir «Alten» müssen unsere Berührungsängste überwinden
Ruth Fulterer schrieb am 21.April 2024 in der NZZ am Sonntag über die fast täglichen Neuigkeiten zur künstlichen Intelligenz KI. Sie erwähnt in ihrem Beitrag die einzelnen Programme, um uns die Technologie etwas näher zu bringen. Die Grenze zwischen KI und den restlichen Computerprogrammen ist nicht ganz scharf, denn für KI gibt es nicht nur eine Definition. Bei traditionellen Computerprogrammen programmieren Menschen Wenn-dann-Regeln ein: Wenn jemand hier klickt, dann erscheint dieses Bild, wenn die Maschine zu heiss wird, schaltet sie ab. Heutzutage meint man mit KI oft maschinelles Lernen: Programme, die ihre Fähigkeiten aus grossen Datenmengen lernen. Manchmal gibt man ihnen dabei Regeln vor, manchmal lässt man sie selbständig Schlüsse ziehen. «Large Language Models LLMs», Programme wie ChatGPT sind nicht allwissend, sondern eher mit einer Enzyklopädie vergleichbar. Sie bauen ihre Resultate aus Unmengen Text im Internet: Konversationen aus Online-Foren, Blogs, digitalisierte Bücher, Wikipedia. Daneben gibt es viele Werkzeuge, um KI-Bilder zu erstellen, dabei reicht es jeweils, eine Zeile Bildbeschreibung einzugeben, und das erwünschte Bild erscheint nach etwas Wartezeit. Analog den Texten funktioniert auch die Bild-KI, nur dass sie nicht Wörter vorhersagt, sondern die Pixel, aus denen ein Bild besteht, und zwar anhand der Bildbeschreibung.

Niemand ist sicher vor Fälschungen
Es gibt keinen Detektor, der gesichert erkennen kann, ob ein Bild oder ein Text von einer KI stammt. Künstlich generierte Clips wie der am 19. April 2024 von r/singularity auf Reddit publizierte Videoanruf, der den Anschein erweckt, als ob jemand mit sich selbst telefoniert, zeigt eindrücklich den aktuellen Stand der Technik. Doch egal, ob Text, Datenbank oder Modell – weiterhin unerlässlich sind fachkundige Menschen, die den Output kritisch prüfen und korrigieren. Eine erfolgreiche Digitalisierung erfordert von uns «Alten» mehr als je zuvor, unsere zwischenmenschlichen und kommunikativen Fähigkeiten. Den Austausch auf Augenhöhe mit den «Jungen» und ihrem technischen Wissen.

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kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
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#364 – KI ohne Panik, mit erfahrenen «Alten»

Einsatzgebiete für künstliche Intelligenz
Vor nicht allzu langer Zeit konnten nur KI-Experten, Datenwissenschafter und Ingenieure für maschinelles Lernen KI implementieren. Nun ist GenKI, generative künstliche Intelligenz, bereits für alle Mitarbeitenden verfügbar, die damit experimentieren möchten. Der Geist ist aus der Flasche. Wenn 2023 das Jahr war, in dem die KI demokratisiert wurde, ist 2024 das Jahr, in dem die Magie von GenKI für kommerzielle Aktivitäten umgesetzt wird. Jessica Apotheker, Sylvain Duranton, Vladimir Lukic, Nicolas de Bellefonds, Sesh Iyer, Olivier Bouffault, und Romain de Laubier sind die Verfasser des Beitrags «From Potential to Profit with GenAI», BCG AI Radar 12. Januar 2024 der Boston Consulting Group. Im Interview mit Thierry Garnier, CEO von Kingfisher, erläutert dieser, wie sich sein Unternehmen an GenKI angepasst hat: «Zu Beginn haben wir den gesamten Zugriff auf ChatGPT und ähnliche sprachbasierte Modelle eingeschränkt und erhielten viele Beschwerden. Doch man muss den Menschen vertrauen und klare Prinzipien vorleben. Darauf haben wir funktionsübergreifend, einschliesslich HR und IT, zusammengearbeitet und nach und nach Zugriff gewährt, Regeln festgelegt und obligatorische Schulungen zu Best Practices und Gefahren angeboten – und diese Prinzipien haben uns den Weg nach vorne ermöglicht.» Für ihn gibt es viele positive, wachstums- und margenorientierte Projekte, die nicht nur Produktivitätsprojekte sind. So trägt bei Kingfisher KI und GenKI für Werbeoptimierung, Preisnachlässe, schriftliche Medien, Personalisierung und Preisgestaltung, insgesamt zur Margenverbesserung bei.

Image by Alan Warburton / © BBC / Better Images of AI / Virtual Human / CC-BY 4.0

Die Zukunft eines verantwortungsvollen Umgangs mit KI
Die Autoren im BCG-Artikel empfehlen deshalb einige Strategien zur Wertschöpfung mittels KI. Den Einsatz von GenKI zur Unterstützung der Mitarbeitenden bei alltäglichen Aufgaben. Um die Effizienz und Effektivität zu steigern, sollten kritische Funktionen neu gestaltet werden. Dazu gehören auch neue Rollenbilder und die Evaluierung von Pilotprojekten, um eine zuverlässige Skalierung zu ermöglichen. Oder die Erfindung von neuen GenKI-Geschäftsmodellen, um sich einen langfristigen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Beim Entwickeln eines stark kundenorientierten Ansatzes helfen Daten und geistiges Eigentum von Erstanbietern, um Interaktionen zu schaffen, die Kunden nirgendwo anders finden. Gewinner bauen dazu strategische Beziehungen auf. KI-Führungskräfte wissen, dass sich die Technologie und die Lösungen, die sie ermöglicht, schnell weiterentwickeln. Nur 3% der Führungskräfte betrachten bereits bestehende Partnerschaften als Priorität bei der Suche nach KI-Lösungen. Wichtig ist der proaktive Aufbau eines Partnerschaftsökosystems mit mehreren Unternehmen, darunter Softwareanbieter und GenKI-Startups, um Zugang zu Spitzentechnologie zu erhalten und kurzfristig Wert zu schaffen. Ganz wichtig ist auch der verantwortungsvolle Umgang mit künstlicher Intelligenz. Da kann ich mir den Einbezug von uns «Alten» im Team mit den «jungen Wilden» ganz gut vorstellen. Dank unserer Erfahrung agieren wir dabei als Mentoren oder Sparringspartner. Mit unserer Seniorität erfüllen wir kompetent auch die Funktion des «sozialen Gewissens».

«Deepfakes», synthetische Medien und generative KI
Dass die Technologie auch ihre Schattenseiten hat, bestreitet niemand. Es wird immer schwieriger, Echtes von Fälschungen zu unterscheiden, sagt Sam Gregory im Video auf TED Democracy • vom November 2023 (12:04). Die generative künstliche Intelligenz (genKI), generiert aus Menschen neue Menschenfälschungen. Dazu braucht es nur wenige Sekunden einer Stimme und wenige Bilder eines Gesichts, um uns selbst zu täuschen. Und der Realismus nimmt immer weiter zu, ermöglicht immer tiefere Fälschungen (Deepfakes). Sam Gregory beschäftigt sich seit 2017 mit Deepfakes. Ermöglicht durch Fortschritte in der generativen KI nähern wir uns jetzt auch einer Welt wo es im Grossen und Ganzen einfacher ist, eine komplett falsche Realität zu verwirklichen, ohne die Sicherheit diese auch als gefälscht abzutun. Trügerische und bösartige audiovisuelle KI wird wahrscheinlich zur Verstärkung unserer gesellschaftlichen Probleme beitragen, durch Wahlbeeinflussung oder aufzeigen von Menschenrechtsverstössen aus Kriegsgebieten. Synthetische Avatare geben sich als Nachrichtensprecher aus und untergraben unser Vertrauen in audiovisuelle Inhalte. Die Zukunft ist voller tiefgreifender Herausforderungen, sowohl beim Schutz des Echten als auch beim Aufdecken von Fälschungen. Auch hier sehe ich ein Engagement für uns «Alte», denn ohne eine Pipeline an Verantwortung geht das alles nicht. Die Organisation WITNESS hilft Menschen, Video und Technologie zum Schutz und zur Verteidigung der Menschenrechte zu nutzen. Obwohl selbst Experten wahr und falsch nicht schnell und schlüssig trennen können, schärft WITNESS unsere Fähigkeiten, die Wahrheit zu erkennen. Wir werden das irgendwie durchstehen, denn Panik wird uns dabei sicher nichts nützen.

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#363 – «Alte» mit positiver Einstellung

Es gibt kein Zurück
Rückmeldungen auf meine Beiträge zu künstlicher Intelligenz, zeigen teilweise Verunsicherung bis zu genereller Ablehnung. Jemand bemerkt die, für das Trainieren der Programme ausbeuterischen Arbeitsbedingungen der Gig-Worker in Drittwelt Ländern und fragt, ob man nicht durch die Nutzung von KI solche Arbeitsmodelle fördert. Grosskonzerne profitierten von wenig staatlicher Regulierung und würden Sozial- oder Steuerabgaben umgehen. Gibt es noch ein zurück? Wahrscheinlich nicht. Jede Technologie produziert Gewinner und Verlierer. Innovation entsteht nicht durch ihre präventive Regulierung oder mit dem Aufbau finanzieller Hürden. Vergessen geht manchmal auch der unglaubliche Beitrag von Forschung, Wissenschaft und menschlichem Vorstellungsvermögen, bei der Innovation und Produktion von Hardware (Chips), ohne welche die notwendigen Rechenleistungen nie möglich wären. Wie auch die zigtausend neuen Stellen, Berufsfelder und Aufgaben, welche im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz geschaffen werden. Dass wir uns in ungewollte Abhängigkeiten begeben, die schlecht kontrollierbar sind, ist der Vormachtstellung gewisser Konzerne und Regierungen im technologischen Wettbewerb zu verdanken. Die Folgen sind Risiken für unsere Wirtschaft und die Bedrohung unseres Wohlstands.

Die «einzige» Schwachstelle der KI
Rob Toews erklärt in seinem Beitrag auf TEDAI vom October 2023, wie die weltweit wichtigste Spitzentechnologie nahezu vollständig in einer einzigen Anlage hergestellt wird. Darüber hinaus befindet sich diese Einrichtung in einem der geopolitisch angespanntesten Gebiete der Erde, ein Bereich, in dem viele Analysten glauben, dass ein Krieg innerhalb dieses Jahrzehnts unvermeidlich ist. Die Zukunft der künstlichen Intelligenz steht auf dem Spiel. Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company, oder TSMC, stellt die weltweit fortschrittlichsten KI-Chips her. Moderne künstliche Intelligenz wäre einfach nicht möglich ohne diese hochspezialisierten Chips und TSMC ist weltweit die einzige Fabrik dafür. Die Chip-Fertigungsanlagen beziehungsweise «Fabs» von TSMC, also die Gebäude, in denen Chips physisch gebaut werden, liegen an der Westküste Taiwans, nur rund 180 Kilometer vom chinesischen Festland entfernt. Es wäre also verheerend für die Menschheit, die Fähigkeit dieser Produktion zu verlieren, was den Fortschritt in der KI tiefgreifend beeinträchtigen würde. Die Hoffnung, dass sich die Diplomatie durchsetzt ist deshalb gross.

Artifi.AI Art Generator, Google Play, Quelle BCG Boston Consulting Group
Bild: Creative mind imagination concept art exploding emotions out of head inner thought and dreams

Aufgaben auch für uns «Alte»
Die Aufgabe von generativer künstlicher Intelligenz GenKI besteht nicht darin, Menschen aus dem kreativen Prozess herauszunehmen, sondern sie darin zu verbessern, indem sie alte Annahmen prüft, welche uns einschränken und das Streben nach echter Innovation behindern. «So haben wir es schon immer gemacht» oder «so machen es alle» sollen hinterfragt werden. In ihrem BCG Boston Consulting Group Beitrag vom 6. März 2024, fokussieren Alan Iny, Justin Manly, and Luc de Brabandere auf den Nutzen der GenKI. Dieser liegt offensichtlich vor allem in der Ideengenerierung. Sie kann Organisationen dabei zu helfen, ihre strategischen Annahmen zu hinterfragen, indem GenKI die Perspektive von Aussenstehenden, (fast) frei von menschlichen Vorurteilen einbringt und die Maschine damit ein wertvolles «Mitglied» eines Innovationsteams wird. (Randbemerkung zur aktuellen Situation: Erste Erkenntnisse zur Apple Vision Pro, dem tragbaren Gerät, das unseren Raum mit Apps, Unterhaltung, Fotos, Videos und mehr verwandelt, verweisen auf eine Ära, in der die Art und Weise, wie Menschen, Maschinen und unsere Umwelt miteinander interagieren, neu definiert wird.) Auch wir «Alten» finden dort unsere Aufgabe. Während GenKI auf dem Weg zur Innovation eine erhebliche Hilfe sein kann, bleibt menschliches Wissen unerlässlich – sowohl für die Entwicklung neuer Ideen als auch für deren Verwirklichung. Schliesslich werden Organisationen immer noch von Menschen geführt und besetzt. Kompetenz, Erfahrung und Weisheit sind für die Umsetzung von Strategien essenziell. Wir «Alten» müssen deshalb die Technologie verstehen, unterstützen und uns für sie begeistern. Zusammen sind wir Teil des Innovations- und Kommerzialisierungsprozesses.

Wie wird man zum KI-Experten – die neuen Jobs
«Führungskraft mit Verantwortung für künstliche Intelligenz» sei derzeit der heisseste Job in der amerikanischen Firmenwelt, schrieb kürzlich die «New York Times». KI-Spezialisten sind scheinbar gefragt wie nie. Wer sich mit den Werkzeugen auskennt, kann profitieren, denn viele der benötigten Kenntnisse gibt es in der Form bislang kaum als Angebot auf dem Arbeitsmarkt. Doch manche Jobs könnten ebenso schnell wieder verschwinden. Der Fokus liegt deshalb nicht unbedingt auf Personen, die eine umfassende Ausbildung durchlaufen haben. Im Grundsatz geht es darum, Leute mit der richtigen Einstellung zu engagieren, die gegenüber KI offen und interessiert sind, findet Roman Hirsbrunner, Geschäftsführer der Zürcher Werbeagentur Jung von Matt im Interview mit Nelly Keusch, NZZ vom 25.März 2024. «Wenn man zwei Kandidaturen in der Auswahl hat, wird man sich eher für diejenige entscheiden, die in diesem Bereich hohes Engagement zeigt.» Das trifft auch auf uns «Alte» zu, wo wir dank lebenslangem Lernen, sowie unserer Neugierde und Erfahrung im Business-Bereich, als Bindeglied zwischen Wirtschaft und Technologie dienen können. Um auf der KI-Karrierewelle mitzureiten, muss man auch nicht Programmierer:in sein, denn die echten Spezialisten arbeiten sowieso bei Open AI. Hingegen werde es in fast allen Arbeitsbereichen Fachkräfte brauchen, die mit KI mindestens vertraut seien, sagte der Linkedin-COO Daniel Shapero kürzlich gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Welche Berufe werden bleiben?
Viele hätten inzwischen erkannt, dass die Technologie nicht angetreten sei, um Mitarbeitende zu ersetzen, schreibt Nelly Keusch weiter. «Einige Jobs werden anders aussehen, manche werden verschwinden, aber viele werden auch neu entstehen.» Die Linkedin-Chefökonomin Karin Kimbrough sagte im Gespräch mit der «New York Times» bereits das nahende Ende der KI-Berufe voraus. «KI wird sich durch viele Rollen ziehen und so tief verwurzelt sein, dass die spezifische Berufsbezeichnung KI verschwinden wird.» Und manche der KI-Berufe wie die der Prompt-Ingenieur:innen sind so spezifisch, dass sie durch die rasche Entwicklung der Technologie von selbst abgeschafft werden könnten. In einer Studie zur Frage, wie sich die Antworten von Sprachmodellen am besten optimieren lassen, war das verblüffende Resultat: Die Ergebnisse sind dann am besten, wenn das Sprachmodell aufgefordert wurde, sich selbst eine optimale Aufforderung auszudenken. Die beste KI-Expert:in ist also die KI selbst.

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