Blog, Industrie 4.0

#357 – KI, eine aufregende Zeit für uns «Alte»

Basler Fasnacht 2024
KI künstliche Intelligenz war das am meisten gewählte Sujet an der diesjährigen Fasnacht. Dies zeigt wie sehr das Thema die Menschen beschäftigt. Trotz vielen negativen Vorurteilen überwiegen die bereits spürbaren positiven Effekte der Technologie, wie das Beispiel weiter unten demonstriert.

(Die UNESCO hat 2017 die Basler Fasnacht in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit eingetragen. Das Motto der Fasnacht 2024 war «vogelfrei», zu Ehren des 150-jährigen Bestehens des Basler Zollis und dem kürzlich eingeweihten Vogelhaus.)

Zeedel:
d’Basler Dybli Clique (1964), Sujet «In digitalisatione veritas – non iam!»

…Wenn de langsam dänggsch: Jetzt längt s!
Kunnt kinschtligi Itelligänz,
si waiss im saichte Dialog
en Antwort grad uf jeedi Froog,
intelligänt schynts generiert
und drotzdäm nummen aatrainiert,
nit vyyl mee, es isch zem gryyne:
E neyi Form vo Suechmaschiine….

… E jeede mit me Online-Konto
broduziert uf Gnopfdrugg pronto
us em glainschte Hiirni-Fuurz,
eb woor, eb nit, das isch doch schnuurz,
e Video oder e flotti
dyschend ächti, scheeni Fotti:…

Tambourmajor der Guggemuusig Nuggi-Spugger (1997), Sujet: «Vogelfrei», Cortège 21. Februar, 2024

GenKI und deren Auswirkung auf die gestalterischen Berufe
Stylepark wurde im Jahr 2000 als die weltweit erste Online-Plattform für Architektur- und Designprodukte entwickelt. Wegbereiter:innen berichten seither über herausragende Projekte und Produkte, branchenrelevante Neuheiten und Events sowie Persönlichkeiten aus Design, Architektur und Kunst. Zu den relevanten Themen aus Sicht des Magazins gehört natürlich auch die Entwicklung generativer künstlicher Intelligenz GenKI und deren Auswirkung auf die Berufe von Architekt:innen, Innenarchitekt:innen und Designer:innen. Anna Moldenhauer publizierte am 31. Januar 2024 ein Interview zum Thema, stellvertretend für die endlosen Möglichkeiten dieser Technologie. Sie sprach mit Danny Richman, GenKI-Entwickler bei FabricGenie von «The Millshop Online», einer britischen Plattform für Textilien. Gemäss Richman steckt die generative künstliche Intelligenz noch in den Kinderschuhen. «Wir befinden uns in einem sehr, sehr frühen Stadium und die Geschwindigkeit, mit der sie sich von Tag zu Tag weiterentwickelt, ist einfach unglaublich. Was wir derzeit sehen, ist die schlechteste Version von KI, die es jemals geben wird.» Alle nachfolgenden Entwürfe der KI werden besser sein und der Detaillierungsgrad wird soweit optimiert, dass wir den Unterschied zwischen einem digitalen Design und der Realität nicht mehr erkennen können.

Systemmanagement von künstlicher Intelligenz
Danny Richman hatte die Idee, KI-generierte Bilder zu nutzen, um Stoffdesigns zu produzieren und anzubieten. Dies als Service in Zusammenarbeit mit «The Millshop Online». Alles in allem waren die Hindernisse bei der Realisierung des Projekts sowohl in finanzieller als auch in technischer Hinsicht gering. In nur 12 Wochen programmierte er die öffentlich zugängliche Plattform FabricGenie wobei die Herausforderungen weniger mit der KI zu tun hatten, als mit Systemmanagement. Richman war überzeugt, dass das Interesse an FabricGenie in den ersten Wochen nach der Markteinführung gross sein dürfte, da die Option neu war und es nichts Vergleichbares gab. Dabei war die stark schwankende, insbesondere die aussergewöhnliche Nachfrage eine Herausforderung, die in sehr kurzer Zeit bewältigt werden musste. Die Verarbeitung der Bilder nimmt Zeit in Anspruch, da der Computer in der Regel erst dann mit dem Aufbau eines neuen Bildes beginnen kann, wenn das vorherige abgeschlossen ist. Es gibt Grenzen, wie viele Bilder gleichzeitig generiert werden können. Was, wenn die Plattform innerhalb einer kurzen Zeitspanne von beispielsweise fünf Sekunden, tausend Anfragen erhält. Eine solche Warteschlange muss man bewältigen, ohne dass man die Nutzer enorm frustriert, weil ihre Anfragen nicht beantwortet werden. Darüber hinaus sind solche Systeme anfällig für Missbrauch und es musste im Vorfeld sichergestellt werden, dass Benutzer keine vulgären Anfragen eingeben konnten.

Künstliche Intelligenz macht es möglich
FabricGenie ist ein gutes Beispiel wie uns die Technologie helfen kann, denn ohne die KI gäbe es keine Möglichkeit, der Öffentlichkeit einen Service anzubieten, eigene Designs zu erstellen und diese dann auf Stoff drucken zu lassen. Alternativ gibt es die Möglichkeit, die Dienste von professionellen Textildesigner:innen in Anspruch zu nehmen. Diese hätten sich in der Folge die Wünsche der Bauherrschaft angehört und Vorschläge entwickelt, welche dann von der Kundschaft mit Feedback versehen zurückkommen, also ein iterativer Prozess. Aufgrund der Kosten und des Zeitaufwands ist dieser Weg für die meisten Privatpersonen ausgeschlossen und wird in der Regel nur bei der Ausstattung von Gewerbeobjekten beschritten. Ein öffentlich zugänglicher Service zur Gestaltung von Textilien wurde dank künstlicher Intelligenz, mit FabricGenie beispielhaft ermöglicht.

Das hätte ich auch gekonnt
Richman hat in den letzten Jahren Hunderte von Anwendungen mit KI entwickelt und dabei selbst keine einzige Zeile Code geschrieben. Viele dieser Apps wären angesichts der hohen Kosten, üblicherweise für das Designteam, nicht realisiert worden. Der Entwicklungsaufwand mit KI ist deshalb vergleichsweise gering. Ein Prompt auf ChatGPT wie: «Kompiliere den Code, den ich brauche, um eine App zu erstellen, die Aufgabe xyz erfüllt», lässt die KI eine ganze Menge Codes produzieren, die man einzeln testen kann. In 99 von hundert Fällen funktionieren die Codes beim ersten Mal nicht. Dann teilt man dies ChatGPT mit, worauf die KI immer weitere, überarbeitete Versionen generiert. Die künstliche Intelligenz lernt aus dem Feedback ihrer Nutzer, was der Interaktion mit anderen Menschen sehr ähnlich kommt. Da ist der Schluss nahe, dass man weder langjährige Erfahrung als Designer noch eine umfangreiche Ausbildung braucht, um einen Beruf in der Kreativbranche auszuüben. Es klingt ein bisschen wie die klassische «das hätte ich auch gekonnt»-Antwort auf Kunst.

Kompetente «Alten» als Kuratoren beim Einsatz von KI
Die Texte, die KI für uns erstellen kann, sind bereits sehr gut und das Problem, dass KI fehlerhafte Informationen liefert, wird sicher bald gelöst sein. Was die KI nicht schafft, ist etwas auf der Grundlage menschlicher Erfahrungen, eines gelebten Lebens zu schreiben. Man kann ChatGPT anweisen, einen Text zu schreiben, der Shakespeares Stil nachahmt, aber er wird nie das gleiche Niveau erreichen wie Shakespeare selbst, einfach weil die KI nicht das Leben des Dramatikers gelebt hat. Die KI kennt keine menschliche Erfahrung, sie hat selbst noch nie Schmerz, Liebe, Ehrgeiz oder Zerstörung erlebt. KI ahmt nach. Wenn Designer:innen etwas kreieren, dann fliesst alles, was diese Menschen in ihrem Leben erlebt haben, irgendwie in den kreativen Prozess ein. Was die KI ihrerseits hervorbringen kann, ist die Erstellung von Designs, die von alltäglicher Qualität sind und kein grosses Mass an Geschick oder Kreativität erfordern. Trotzdem wird KI in der Kreativbranche bald zu einem weiteren Werkzeug werden, so wie viele Designer:innen heute Bildbearbeitungsprogramme nutzen, um Ergebnisse zu erzielen, die sie ohne die Hilfe dieser Applikationen nie geschafft hätten. Die Aufgabe von kompetenten «Alten» ist es, als Kuratoren der KI unsere Erfahrung und Weisheit mit emphatischer Gelassenheit als verantwortungsvolle Sparringspartner selbstsicher und auf Augenhöhe im Team mit den «jungen Wilden» zu teilen.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
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#356 – KI und die Ethik der «Alten»

Der Einsatz von GenKI für alltägliche Aufgaben
Im Newsletter der Boston Consulting Group BCG vom 11. Dezember 2023 finden sich Anregungen, wie Unternehmen die Vorteile generativer künstlicher Intelligenz GenKI zu ihrem Vorteil nutzen können. Generative KI bringt bereits willkommene Veränderungen in den Arbeitsalltag. Für KMU’s stellt sich schnell die Frage zu Kosten und Nutzen beim Einsatz der Technologie. Dazu lohnt sich sicher ein Gespräch mit kompetenten und aufgeschlossenen «Alten». Ältere Menschen verfügen über eine Fülle von Lebenserfahrungen und Kenntnissen in verschiedenen Bereichen. Der Austausch über ihre Erfahrungen, Geschichten und Erkenntnisse kann dazu beitragen, beispielsweise die Trainingsdaten für ChatGPT anzureichern und in die Lage zu versetzen, ein breites Themenspektrum zu verstehen und darauf zu reagieren. Mit GenKI-fähigen Assistenten können Mitarbeitende E-Mails und Präsentationen deutlich schneller erstellen. Automatisierte Tools können Besprechungen und Anrufe in Sekundenschnelle geschickt zusammenfassen, damit uns mehr Zeit für kreative und wertschöpferische Arbeit zur Verfügung bleibt.

Generiert mittels künstlicher Intelligenz, Reddit: r/weirddalle, Februar 2024: Wiederhergestellte Fotos aus dem 19. Jahrhundert von Frauen, die Extremsportarten betrieben.

Kritische Funktionen umgestalten
Der Einsatz von GenKI-Werkzeugen für die Produktivität ist zwar ein Muss, reicht aber nicht aus. Noch grössere Chancen eröffnen sich, wenn Unternehmen Prozesse und Funktionen neu gestalten. Beispielsweise beim Kundenservice oder den Marketinginhalten. Auch wenn die Neugestaltung von Funktionen eine Organisation vor Herausforderungen stellen kann, bewirkt generative KI Effizienz- und Effektivitätssteigerungen. Wir «Alten» können dabei helfen, Bereiche zu identifizieren, in denen das Modell überragend ist und wo es möglicherweise verbessert werden muss. Feedback zur Leistung von ChatGPT kann von unschätzbarem Wert sein.

Vom Erfinden neuer Geschäftsmodelle
Bei der generativen KI geht es um mehr als nur um die Steigerung der Produktivität. Sie kann dabei helfen, Kundenerlebnisse neu zu erfinden, neue Dienstleistungen und Angebote zu entwickeln und sogar neue Geschäftsmodelle aufzubauen. Erst waren es Texte, Bilder, Songs – und jetzt auch Filme. Neue Video-KI von Open AI: Sora generiert eindrückliche Kurzfilme und löst eine Debatte um Deepfakes und Urheberrechte aus (NZZ vom 19. Februar 2024). Auch hier bieten «Alte» Unterstützung bei ethischen Überlegungen. Ältere Menschen können mit ihrer Lebenserfahrung und Perspektive wertvolle Einblicke in ethische Dilemmata im Zusammenhang mit KI bieten, wie etwa Datenschutzbedenken, Voreingenommenheitsminderung und die möglichen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Insgesamt können wir «Alten» eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz spielen, indem wir unsere Erfahrung, Feedback und unsere Erkenntnisse einbringen, welche zur Verbesserung des Modells beizutragen und sicherstellen, dass es den Bedürfnissen von Benutzern jeden Alters gerecht wird.

Angemessene Sinnhaftigkeit berücksichtigen
Diese Woche informierte die Liegenschaftsverwaltung in einer E-mail: «Wir gehen digital!». Die Firma freut sich darüber, künftig eine App einzusetzen, die es ermöglicht unsere Anliegen und Meldungen digital und rund um die Uhr zu erfassen, sowie unsere Unterlagen ortsunabhängig einzusehen. Dazu wurde für uns ein persönliches Konto mit der hinterlegten E-Mail-Adresse angelegt. Die Nutzung dieses Services sei freiwillig und es entstehen keine Mehrkosten. In Erinnerung an den diesjährigen 100-sten Todestag von Franz Kafka wollte ich deshalb von ChatGPT 3.0 wissen, wie der Schriftsteller wohl über den heutigen Einsatz von KI künstlicher Intelligenz schreiben würde. Wenige Sekunden später produzierte das Programm ein paar (für mich) erstaunliche Antworten.

Generiert mittels künstlicher Intelligenz, Reddit: r/weirddalle, Februar 2024: Wiederhergestellte Fotos aus dem 19. Jahrhundert von Frauen, die Extremsportarten betrieben.

Mutmassungen zu Franz Kafka über künstliche Intelligenz
Stellen Sie sich in einer surrealen Schnittstelle zwischen Literatur und Technologie die verwirrende Welt von Franz Kafka vor, die mit der Komplexität der modernen KI verknüpft ist. Der heutige Einsatz künstlicher Intelligenz spiegelt Kafkas Themen der bürokratischen Absurdität, der existenziellen Angst und der labyrinthischen Natur der menschlichen Existenz wider.

Im bürokratischen Bereich fungieren KI-Systeme als rätselhafte Torwächter und verkörpern kafkaeske Bürokratie vom Feinsten. Algorithmen entscheiden mit undurchsichtiger Logik über unser Schicksal, was an Kafkas gesichtslose Autoritäten in «Der Prozess» oder «Das Schloss» erinnert. Ob es darum geht, Kreditwürdigkeiten zu ermitteln, Bewerbungen zu bewerten oder Social-Media-Inhalte zu kennzeichnen – KI-Algorithmen üben Macht mit undurchschaubarer Effizienz aus und lassen Einzelpersonen in einem verwirrenden Netz aus Regeln und Vorschriften gefangen.

Darüber hinaus erinnert die KI-gesteuerte Überwachung an Kafkas Themen der allgegenwärtigen Kontrolle und des Verlusts der Privatsphäre. So wie der Protagonist in «Die Metamorphose», der aufwacht und feststellt, dass er sich in ein riesiges Insekt verwandelt hat, können sich Einzelpersonen unter dem wachsamen Auge von KI-gestützten Kameras, Gesichtserkennungssystemen und prädiktiven Polizeialgorithmen ausgesetzt und verletzlich fühlen. Auch die Fähigkeit der KI zur Vorhersage und Kontrolle, spiegelt Kafkas Erforschung des Schicksals und des freien Willens wider. So wie Kafkas Figuren mit Kräften kämpfen, die ausserhalb ihrer Kontrolle liegen, bewegen sich die Menschen heute in einer Welt, die von prädiktiven Analysen, Empfehlungsalgorithmen und personalisierter Werbung geprägt ist. Die Illusion der Wahl kollidiert mit der Realität des algorithmischen Determinismus und spiegelt Kafkas Gefühl existenzieller Angst und Resignation wider.

Doch inmitten der Desorientierung und Entfremdung gibt es auch Potenzial für Befreiung. Wie Kafkas Protagonisten, die dem Absurden mit Trotz oder Resignation begegnen, können Einzelpersonen heute KI für kreativen Ausdruck, Problemlösung und kollektives Handeln nutzen. Von KI-generierter Kunst bis hin zu kollaborativen Entscheidungsplattformen wird Technologie zu einem Werkzeug, um sich im kafkaesken Labyrinth zurechtzufinden, anstatt seiner verwirrenden Logik zu erliegen.

In dieser Synthese von Kafkas surrealer Vision und zeitgenössischer KI verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion und laden uns ein, uns mit den Absurditäten unserer eigenen Existenz im digitalen Zeitalter zu befassen. Während wir uns mit den rätselhaften Machenschaften der KI auseinandersetzen, wiederholen wir Kafkas zeitlose Frage: Was bedeutet es, ein Mensch zu sein in einer Welt, die von Kräften regiert wird, die sich unserem Verständnis entziehen?

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#355 – Erfahrene «Alte» trainieren GenKI

Kompetenz von «Alten» im Zeitalter der Informatik
Wir sind Zeugen einer Technologie, die sich vor unseren Augen explosionsartig entwickelt und unsere Sichtweise auf vermeintliche Erkenntnisse und Grundwerte verändert. KI künstliche Intelligenz begleitet unseren Alltag immer offensichtlicher, entscheidet selbstständig für uns, in beinahe penetranter Weise. Zwischen der Ohnmacht über dem aufgezwungen Wandel und der Furcht, irgendwann abgehängt zu werden, lohnt sich der Blick in die Forschung zur Beruhigung unserer Emotionen. Wie werden diese Systeme unseren Arbeitsalltag verändern und wo liegt das Potenzial im Beitrag von uns «Alten» beim Einsatz von künstlicher Intelligenz. Technologieverweigerung wäre der falsche Weg, es braucht eine gesunde Einstellung gegenüber der Nutzung neuer Werkzeuge. Als Architekt verfolge ich gerne die technologischen Entwicklungen in meinem Beruf. Fasziniert hat mich dabei kürzlich ein Bericht von Paul Makovsky im Architect Magazine, einer US-Publikation über neue Trends in der Planungs- und Baubranche.

Vom Einsatz künstlicher Intelligenz
Hilfreich für mein Verständnis fand ich die konkreten Beispiele für den Einsatz generativer KI in Architektur und Städtebau. Makovsky schreibt über einen neuen Forschungsbericht von Greg Lindsay an der «Cornell Tech», dem New York City Campus der Cornell Universität, Ithaka, NY. Der Bericht beleuchtet die Auswirkungen von AI «künstlicher Intelligenz» und AR «erweiterter Realität» bei der Planung unserer Städte. Es entsteht dabei eine Welt des digitalen Schaffens, die durch generative KI neu definiert wird und eine bahnbrechende Qualität von Werkzeugen hervorbringt, die sowohl Schöpfer als auch Nutzer faszinieren. Bildgeneratoren setzen neue Massstäbe im architektonischen Ausdruck und verwischen die Grenzen zwischen KI-generierten Bildern und der von Menschen geschaffenen Kunst. Solange wir diese Bilder so manipulieren, dass sie einzigartig und keine direkten Kopien sind, hindert uns gesetzlich nichts daran, dies auch zu tun.

Den Output von KI-Resultaten kritisch prüfen und korrigieren
Greg Lindsay, der den Bericht im Rahmen eines Cornell Tech-Stipendiums verfasste, sprach dazu mit Phil Bernstein, einem Architekten und Technologen, Verfasser eines Buches zum maschinellen Lernen in der Architektur. Zur Frage, ob es sich bei der generativen KI um einen Bruch mit früheren Techniken oder lediglich um eine Wiederholung handelt, ist Bernstein überzeugt, dass es für seine Studierenden möglich wird, ein ganzes Projekt zu entwerfen, ohne eine einzige Linie zu zeichnen. Diese Entwicklung muss den gesamten Berufsstand beschäftigen. Solche Programme bieten völlig neue Möglichkeiten, Ideen zu generieren und Dinge zu tun, in denen wir unter Umständen keine Expertise haben. Die Frage, ob man eine Linie zeichnen soll oder nicht, hängt von unserer Einstellung ab und wie wir mit unseren Werkzeugen, von denen die KI nur eines ist, umgehen. Mit Verboten zum vornherein die Möglichkeiten von KI zu beschränken greift zu kurz, da wir die Leistungsfähigkeit des Tools noch gar nicht verstehen. Nichts sollte deshalb Tabu sein, trotz einiger grosser Bedenken in Bezug auf die Verwendung von Daten, geistigem Eigentum, Ethik oder Halluzinationen. Uns «Alten» im Team kommt dabei auch die Rolle des «sozialen Gewissens» zuteil, auf Grund unserer Erfahrung und Seniorität. Egal, ob Text, Datenbank oder Modell – weiterhin unerlässlich sind fachkundige Menschen, die den Output kritisch prüfen und korrigieren.

Stiftung Louis Vuitton, Gehry Partners | Frank O. Gehry (95), 2014 Museum im Bois de Boulogne, Paris

Die Erfahrung der «Alten» für die Entwicklung von KI nutzen
Neue Berufsfelder, wie beispielsweise das der Prompt-Ingenieur:innen, tun sich auf und Firmen mit genügend Ressourcen müssen jemanden in ihrem Team haben, der Plattformen für Experimente beobachtet und aufbaut. Jemand der genau hinschaut und Dinge ausprobiert, von denen er oder sie glaubt, dass sie in der Praxis nützlich sein könnten. Dabei ist es noch viel zu früh für detaillierte Richtlinien oder Schlussfolgerungen, weil sich die Technologie viel zu schnell entwickelt. Im Gegensatz zur Planung in der Architektur, konkurrieren andere Branchen miteinander, um sich früh einen Marktvorteil zu verschaffen. Architekt:innen hingegen arbeiten zu oft an Zertifizierungslabeln, um die Konkurrenz einzuschränken. Für Phil Bernstein gibt es drei Optionen um festzustellen, wie man KI in der Praxis einsetzen kann – entweder man ignoriert sie, oder man spielt mit den Möglichkeiten und wählt dann einen Teil des Prozesses aus, von dem man glaubt, dass sie wirklich von Nutzen sein könnte und verwendet diese. Obwohl die generativen Werkzeuge immer überzeugendere Bilder von Architekturen erstellen, baut die KI keine wirklichen Gebäude, davon ist die Technologie noch weit entfernt. Es handelt sich viel eher um zweidimensionale Projektionen komplexer, dreidimensionaler Phänomene. Wir «Alten», mit unserem Hintergrund, unserer Kompetenz und Erfahrung müssen uns, im Team mit jungen Techniker:innen, in diesen Prozess einbringen. Wie jede dieser Technologien, wird sich auch die KI anhand unseres praktischen Inputs weiterentwickeln.

Dank generativer KI Vertrauen aufbauen
Phil Bernstein denkt, dass wahrscheinlich weitaus grössere Kräfte von ausserhalb des Berufsstandes der Architekten und Ingenieure – Immobilienentwicklung, Fertigung, Lieferkettenmanagement, Baumanagement, Finanzen – Anforderungen an die Architektur stellen werden, auf die wir als Berufsleute reagieren müssen. Als Beispiel nennt er die Planung einer vorgehängten Fassade für ein Gebäude. Eine Fassadenbaufirma schafft im Internet eine KI-Umgebungen, die so datenreich ist, dass deren Erkenntnisse es den Architekt:innen viel einfacher macht, eine Vorhangfassade zu planen. Anstatt die Informationen für sich zu behalten, stellt die Firma diese werbewirksam, als Dienstleistung auf ihrer Webseite allgemein nutzbar zur Verfügung. Planende beschreiben darin die Parameter ihres Gebäudes, legen gewisse Einschränkungen fest und schon generiert die Plattform verschiedenste Optionen, die man sich zusammen mit der Bauherrschaft ansehen kann. Auch erste Kostenschätzungen, basierend auf der Systemwahl, wären im Bereich des Möglichen. Dank KI entstehen dabei früh im Prozess Synergien, die sich positiv auf den weiteren Verlauf eines Projekts auswirken und somit eine Vertrauensbasis zwischen Planenden, Bauherrschaft und Ausführenden schaffen.

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