Blog, Industrie 4.0

#426 – Unternehmertum: Einfluss der «Alten»

Der Traum vom Einhorn
Beim Mittagessen mit einem Startup-Gründer beklagte sich dieser, wie seine Firma auch nach über fünf Jahren noch immer keinen Gewinn abwirft. Der Traum vom «Einhorn» scheint geplatzt. Die Herausforderung sieht er bei den unterdurchschnittlichen Verkaufszahlen. Eine vermehrte Konzentration auf Marketing und Verkauf würde den Geschäftserfolg steigern, ist er überzeugt. Verkauf ist harte Arbeit und nicht jedermanns Sache. Ausdauer und eine dicke Haut um Misserfolge wegzustecken haben die wenigsten Mitarbeitenden. Generell stelle ich fest, dass immer weniger Menschen gewillte sind, die Schattenseiten erfolgreichen Unternehmertums auszuhalten. Mitarbeitende, unabhängig von deren Alter, identifizieren sich auch immer weniger mit ihrer Arbeit. Meist fehlt es auch an übergeordneten Zielen, mit denen man sich identifizieren, sich messen und beruflich wachsen kann. Was mir in der Führungsetage auffällt, sind fehlende Visionen für Projekte, die auch Raum für ein Scheitern zulassen und nicht nur von der Machbarkeit her gedacht werden. Denn Gesetzesvorschriften, finanzielle Zwänge und die Erwartungen der Investoren verhindern vielfach ergebnisoffene Forschung und Entdeckung. Unternehmen fokussieren allzu oft auf aktuelles Wissen und übersehen die Erfahrung älterer Generationen. Dabei ist es gerade die Kombination aus jugendlichem Wissen und gereifter Erfahrung, die zu den besten Lösungen führt. Wir «Alten» bringen Kontextualisierung, Risikoeinschätzung und langfristiges Denken ins Team – Fähigkeiten, die in unserer schnelllebigen Zeit besonders wertvoll sind. Siehe dazu auch meinen Beitrag auf SichtweisenSchweiz. ch vom 22. Juni 2025.

Rod Steward (80), britischer Sänger und Musiklegende, Glastenbury Festival, Somerset, England, 29. Juni 2025. Bild: BBC One Konzert TV

«Alte» suchen den Durchbruch
Für ein Startup ist ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal entscheidend. Das iPhone von Apple als Beispiel war revolutionär, weil es mehrere Technologien in einem intuitiven, eleganten Gerät vereinte – Touchscreen, Internet, Apps und Telefon in einer völlig neuen Benutzerführung. Das Gerät hat vor bald 20 Jahren die Welt revolutioniert und wurde zum Kultobjekt, das verschiedene existierende Technologien auf völlig neue Weise verband. Die Marketingkampagnen fokussierten auf diesen Effekten, beispielsweise die Nutzung der Kamera für Bilder von «Studioqualität». Hier sind Ansätze, um ein ähnlich durchschlagendes Merkmal für das oben erwähnte Startup zu entwickeln: Wie Apple verschiedene existierende Technologien auf völlig neue Weise verband, könnte die Plattform für digitale Zusammenarbeit im Planungs- und Bausektor, bestehende Lösungen in unerwarteter Kombination nutzen. Zum Beispiel künstliche Intelligenz KI, respektive der Einsatz von persönliche Agenten, in Verbindung mit Blockchain zur Speicherung und das Internet of Things IoT für ein spezifisches Problem. Das iPhone eliminierte die Komplexität früher Smartphones. Genauso muss das Startup Bereiche identifizieren, wo Menschen täglich frustriert sind. Dazu gehört die Benutzerinteraktion, die heute eine Sprachsteuerung, Gestensteuerung oder Brain-Computer-Interfaces sein könnte. Statt reinem Produkt denken, könnte man in Anlehnung an das iPhone, welches zur Plattform für Apps wurde, das Gefäss zum Grundstein für ein ganzes Ökosystem denken. Es gilt herauszufinden, welche Technologien heute «reif» sind für eine neue Anwendung, eine Aufgabe für die Jungen im Team. Wir «Alten» müssen aus Erfahrung wissen, in welcher Branche oder für welches Problem wir nach einem Durchbruch suchen.

Rod Steward (80), britischer Sänger und Musiklegende, Glastenbury Festival, Somerset, England, 29. Juni 2025. Bild: BBC One Konzert TV

Im Vergleich zum Wissen wird Erfahrung nie obsolet
Eine Herausforderung bei allen Überlegungen bleibt das Interesse und die Erfahrung der am Projekt involvierten Mitarbeitenden. Die Entwicklung einer Idee bis zur Marktreife in einem Startup ist eben mehr als ein 9-5 Job. Viel Herzblut geht in die Zusammensetzung geeigneter Teams und die Suche nach Kompetenz. Wir «Alten» verfügen zwar über viel Erfahrung, im Gegensatz zu den «jungen Wilden», die das notwendige Wissen über die aktuelle Technologie mitbringen. Dieses Wissen ist explizit, dokumentierbar und übertragbar. Es lässt sich in Handbüchern festhalten, in Datenbanken speichern oder in Schulungen vermitteln. Doch Wissen altert schnell – was vor zehn Jahren in der IT galt, ist heute oft obsolet. Demgegenüber entstand die Erfahrung der «Alten» durch das Durchleben von Situationen, das Scheitern und Wiederaufstehen, das Spüren von Mustern und Zusammenhängen. Erfahrung umfasst das «Wie» und «Wann» – nicht nur das «Was». Sie beinhaltet emotionale Intelligenz, Intuition und die Fähigkeit, in unbekannten Situationen zu navigieren. Für uns «Alte» bedeutet das: unser Wissen mag teilweise veraltet sein – unsere Erfahrung ist es nicht. Wer mehrere Wirtschaftskrisen durchlebt hat, bringt eine andere Gelassenheit und Urteilsfähigkeit mit als jemand, der nur Wachstum kannte. Wer verschiedene Technologiewandel miterlebt hat, versteht die Mechanismen des Wandels selbst – auch wenn er die neueste App nicht bedienen kann.

Rod Steward (80), britischer Sänger und Musiklegende, Glastenbury Festival, Somerset, England, 29. Juni 2025. Bild: BBC One Konzert TV

Generative künstliche Intelligenz GenKI erweitert unsere Handlungsfähigkeit
Einige von uns «Alten» verpassten jedoch den richtigen Zeitpunkt um uns auf die Zeit nach der Industrialisierung vorzubereiten. Wir hatten die Zeichen des Umbruchs nicht früh genug erkannt, wollten die verbleibenden Jahre bis zur Pensionierung möglichst ruhig aussitzen. Oder das KMU, entgegen aller Alarmglocken, wie gehabt weiterbetreiben. Wir waren uns zu wenig bewusst, wie rasant die Technologie unsere Gesellschaft verändert. Wir sind von der verarbeitenden Industrie des 20. Jahrhunderts zu einer wissensbasierten Wirtschaft mit Dienstleistungen für das 21. Jahrhundert übergegangen. Diese «Industrie 4.0» schafft kaum mehr Arbeitsplätze, weil moderne Fabriken grösstenteils mit Robotern funktionieren. Die Geschichte lässt sich nicht zurückdrehen. Es wurden in den letzten 40 Jahren Fehler gemacht. Zum Beispiel, dass wir den Menschen, die durch die Deindustrialisierung ihren Job verloren haben, nicht geholfen haben, neue, produktivere Jobs zu finden sagt der Nobelpreisträger und Professor an der Columbia University in New York, Joseph Stiglitz (82) im Interview von Dieter Bachmann in der NZZ vom 13. Juni 2025. Man müsste mit Umschulungen und Ausbildung dafür sorgen, dass die abgehängten Teile der Bevölkerung wieder eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Um das zu erreichen braucht es jedoch den Willen auf beiden Seiten, der Arbeitgebenden wie auch der Arbeitnehmenden. Die Entwicklungen im Bereich der generativen künstliche Intelligenz GenKI bringen tiefgreifende Veränderungen bei (Wissens-)Arbeit und Beschäftigung mit sich. GenKI ist ein Teilbereich im Feld der künstlichen Intelligenz, die nicht nur unsere Werkzeuge verändert, sondern die Logik von Arbeit selbst. Und sie tut das schneller, als viele Systeme adaptieren können.
Menschen müssen lernen neu zu denken, Zusammenarbeit neu zu gestalten, Zukunftsfähigkeit gemeinsam bauen. Denn viele klassische Rollen (wie beispielsweise Office Support) verschwinden oder verändern sich radikal. Gefragt sind nicht mehr nur IT-Kenntnisse, sondern Zukunftskompetenzen wie Kollaboration, Systemdenken und Selbstführung. GenKI wirkt dabei wie ein Exoskelett: Sie erweitert unsere Handlungsfähigkeit.

Rod Steward (80), britischer Sänger und Musiklegende, Glastenbury Festival, Somerset, England, 29. Juni 2025. Bild: BBC One Konzert TV

Die Potenziale digitaler Lernumgebungen
Die Digitalisierung ist einer der zentralen Treiber des Wandels auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. Berufe und Tätigkeiten verändern sich und zwingen durch Aus- und Weiterbildung, den Wandel mitzugestalten. Routinetätigkeiten treten in den Hintergrund, während Fähigkeiten wie kritisches Denken, kreative Problemlösung oder digitale Kompetenz immer stärker gefragt sind. Im Beitrag vom 16. Juni 2025 in Transfer.vet online, beschreibt Peter Bühlmann (60), Projektleiter am D-VET Hub, wie künstliche Intelligenz – das maschinelle Lernen – auch in der Berufsbildung ankommt. Beim digital Vocation, Education and Training (D-VET) Hub an der «École Polytechnique Fédérale de Lausanne» (EPFL), geht es um die Entwicklung neuartiger Modelle und Algorithmen, die hochgradig individualisierte Lernwerkzeuge ermöglichen, um den Lernerfolg zu optimieren und die Lernenden auf das lebenslange Lernen vorzubereiten. Aus der Perspektive des maschinellen Lernens besteht ein Bedarf an Modellen und Algorithmen, die in der Lage sind, das Wissen und die Lernstrategien der Studierenden als Grundlage für die Individualisierung genau darzustellen und vorherzusagen. Wir «Alten» leisten mit unserer Erfahrung einen Beitrag zur Entwicklung digitaler Lernumgebungen, die eine gleichzeitige Förderung von Fachwissen, beruflichen Handlungskompetenzen und überfachlichen Lernkompetenzen ermöglichen. Die Vorteile des dualen Berufsbildungssystems der Schweiz können weiter gestärkt werden, indem die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Lernorten – Berufsfachschulen, Unternehmen und überbetrieblichen Kursen – durch digitale Lösungen verbessert wird.

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#421 – KI-Agenten und der Input der «Alten»

Künstliche Intelligenz KI ist auf dem Vormarsch
«Die Welt nimmt KI in einer atemberaubenden Geschwindigkeit an», fasste es Sundar Pichai (52), CEO von Google auf der Bühne des Shoreline Amphitheaters zusammen. Anlässlich der Entwicklerkonferenz vom Mai 2025 in Mountain View im US-Gliedstaat Kalifornien wurden einige Beispiele für die neue Agentenfunktion vorgestellt. Man kann dem Agenten erzählen, wenn man eine neue Wohnung sucht, und dieser durchstöbert das Internet nach Angeboten, fasst diese in Tabellen zusammen und vereinbart auf Wunsch Besichtigungstermine. Auf Wunsch kann der Agent auch auf die Emails, Kontakte und andere persönliche Daten des Nutzers zugreifen. Am Ende sind all dies Zwischenschritte auf der Reise zu Googles ultimativem Ziel: allgemeiner künstlicher Intelligenz, also der Zustand, in dem Computer so denken, tun und fühlen, dass sie nicht mehr von Menschen zu unterscheiden sind.

Andy Warhol (American, 1928-1987): Campbell’s Soup Cans, 1962, Ferus Gallery in Los Angeles, California

Die Nutzung künstlicher Intelligenz mit Agenten
Von der Automatisierung wiederkehrender Aufgaben bis hin zur Revolutionierung komplexer Arbeitsabläufe – KI-Agenten definieren Produktivität und Innovation für die Unternehmen von morgen neu. KI-Agenten beobachten ihre Umgebung, nutzen umfassende Sprachmodelle (LLMs) für die Planung und greifen auf vernetzte Systeme zu, um Massnahmen einzuleiten und Ziele zu erreichen. Im Beitrag zum Thema KI-Agenten der Boston Consulting Group BCG vom Mai 2025, erklären Experten die Komponenten und Arten von KI-Agenten, wie sie eingesetzt werden und was sie zu leisten vermögen. KI-Agenten bieten in drei Hauptbereichen geschäftlichen Mehrwert:

◼︎ Automatisierung standardisierter Geschäftsprozesse: KI-Agenten können sich wiederholende Aufgaben präzise und schnell erledigen, wodurch menschliche Fehler reduziert werden und Mitarbeiter sich auf wichtigere Aufgaben konzentrieren können.

◼︎ Zusammenarbeit mit Menschen: Als intelligente Kollaborateure unterstützen virtuelle Agenten in der KI menschliche Teams, indem sie umsetzbare Erkenntnisse liefern, die Entscheidungsfindung unterstützen und Aufgaben ausführen, welche die menschliche Expertise erweitern.

◼︎ Datenerkenntnisse gewinnen: In datenreichen Umgebungen analysieren und synthetisieren KI-Agenten Informationen in einem Umfang, den kein menschliches Team erreichen könnte. Sie erkennen Muster und liefern Erkenntnisse, die strategische Entscheidungen vorantreiben.

KI-Agenten sind die Zukunft
Mit zunehmender Verbreitung von KI-Agenten werden diese wie «Teamkollegen» mit Menschen eng zusammenarbeiten. Sie werden wie menschliche Mitarbeitende eingearbeitet, um Rollen und Verantwortlichkeiten zu erlernen, auf relevante Unternehmensdaten und Geschäftskontexte zuzugreifen, sich in Arbeitsabläufe zu integrieren und die menschlichen Aufgaben zu unterstützen. «Alte» helfen mit ihrer Erfahrung aus der analogen Welt beim Trainieren der Software.

Kleine Unternehmen profitieren
Komplexe Diszipline wie Softwareentwicklung, Kundenservice und Business Analytics, die früher grosse Teams erforderten, brauchen nun deutlich kleinere Teams, die mit verschiedenen Arten von KI-Agenten zusammenarbeiten. Dadurch können auch kleine Unternehmen KMUs schneller skalieren, da sich KI-Agenten schnell replizieren können, und sind weniger auf Neueinstellungen von Fachkräften angewiesen, um zu wachsen.

Andy Warhol (1928-1987) —From A to B and Back Again, 2018–19. Photo: Ron Amstutz. © The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc./Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York.

«Alte» im Team
Die Überwachung virtueller KI-Agenten wird zu einer zentralen Teamkompetenz, um sicherzustellen, dass die Agenten ihre Ziele erreichen und Datenschutz-, Fairness- und ethische Standards einhalten. Je mehr KI-Agenten verbreitet werden, desto wichtiger wird ihre Verwaltung durch die Mitarbeitenden. Daher ist deren Schulung in verantwortungsvoller KI auf allen Unternehmensebenen von entscheidender Bedeutung. Wir «Alten» im Team agieren, basierend auf unserer Erfahrung, als Mentoren oder Sparringspartner. Dank unserer Seniorität erfüllen wir auch die Funktion des «sozialen Gewissens».

Andy Warhol (American, 1928-1987), «The Shot Blue Marilyn» 1962 – verkauft für USD 195.4 Millionen (Christie’s, May 2022)

Paradigmenwechsel bei der Bewertung von Arbeit
Im Austausch mit CLAUDE von Anthropic, suchten wir nach Antworten zur Neudefinition von «Arbeit», um herauszufinden wie die Nutzung generativer künstlicher Intelligenz GenKI dazu führt, dass wir als Gesellschaft den Wert von Arbeit neu denken müssen. CLAUDE erklärt, wie sich unser Verständnis von «wertvoller Arbeit» verändert, wenn KI repetitive und sogar kreative Aufgaben übernehmen kann. Wenn sich der Wert menschlicher Arbeit weg von reiner Produktivität hin zu Bedeutsamkeit und Sinnstiftung verschiebt und der Fokus sich von «was produziert wird» zu «wie wir arbeiten» und «warum wir arbeiten» verändert. Wenn die KI produktiver ist als wir Menschen, wird Arbeit zum Ausdruck des Menschseins statt der Rechtfertigung unserer eigenen Existenz: «Wie kann meine Arbeit als Mensch zur Gesellschaft beitragen?». GenKI kann Spezialwissen schnell generieren, aber die Einordnung dieses Wissens in grössere Zusammenhänge bleibt eine menschliche Stärke. Egal, ob Text, Datenbank oder Modell – weiterhin unerlässlich sind fachkundige Menschen, die den Output kritisch prüfen und korrigieren. Eine erfolgreiche Digitalisierung fordert deshalb mehr als zuvor unsere zwischenmenschlichen und kommunikativen Fähigkeiten heraus. Wir «Alten» sind gefordert. Der Wert von Arbeit könnte verstärkt in ihrer Fähigkeit liegen, persönliches Wachstum zu fördern: «Was lerne ich dabei?» gewinnt an Bedeutung gegenüber «Was verdiene ich dabei?».

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#420 Sprache und das Denken der «Alten»

Generationenerfahrungen beeinflussen KI-Interaktionen
Wir «Alten» betrachten künstliche Intelligenz KI oft durch eine Brille, die von unserer lebenslangen Sprachsozialisation geprägt ist. Sprache ist nicht nur ein Kommunikationsmittel – sie strukturiert grundlegend, wie wir Kreativität ausdrücken und Probleme konzeptualisieren. Wenn Menschen mit KI in Berührung kommen, bringen sie ihre etablierten Denkmuster und sprachlichen Rahmenbedingungen mit, die nicht immer mit der Funktionsweise moderner KI-Systeme übereinstimmen. Für viele von uns «Alten» stellen Konzepte, die sich nicht leicht verbalisieren lassen, eine besondere Herausforderung dar. Unser Erfahrungshorizont entwickelte sich in einer Zeit, in der die Kommunikation von Mensch zu Mensch die primäre Form des Informationsaustauschs war, wodurch sich die abstrakte, algorithmische Natur der KI-Interaktion fremd anfühlt.

Die KI-Revolution wird unterschätzt
Die Ankunft nicht-menschlicher Intelligenz ist eine grosse Sache, sagt der ehemalige Google-CEO und -Vorsitzende Eric Schmidt (70). In einem ausführlichen Interview auf TED2025•April 2025 (25:37) mit dem Technologen Bilawal Sidhu unterhält sich Schmidt, wie die künstliche Intelligenz KI völlig unterschätzt wird, da nahezu ständige Durchbrüche Systeme hervorbringen, die komplexeste Aufgaben selbstständig erledigen können. Er verweist auf die enormen Chancen, ernüchternden Herausforderungen und dringenden Risiken der KI und zeigt, warum sich jeder mit dieser Technologie auseinandersetzen muss, um relevant zu bleiben. Im Interview spricht Schmidt auch über die Doppelnutzung dieser Systeme, in der Kriegsführung und für zivile Zwecke. Andere Herausforderungen betreffen die Verselbständigung der Systeme. Einige Forscher sind der Meinung, dass KI-Labore die Entwicklung agentenbasierter KI-Systeme, welche autonom agieren können, stoppen sollten. Andere Probleme betreffen Strom und Hardware und die Erkenntnis, dass uns die Daten ausgehen und wir beginnen müssen neue zu generieren. Doch wo liegt die Grenze des Wissens. Wie kommen unsere Computer auf etwas, worüber Menschen noch nie nachgedacht hatten? Es gibt eine Reihe von Kriterien, von denen die Branche denkt, da sollte man den Stecker ziehen. Beispielsweise, wenn man rekursive Selbstverbesserung erreicht, die man nicht mehr kontrollieren kann. Die KI verbessert ihre eigenen Fähigkeiten autonom, was potenziell zur Superintelligenz führen kann. Bei rekursiver Selbstverbesserung lernt der Computer nicht, oder man weiss nicht, was er lernt, mit möglicherweise negativen Folgen.

Keith Haring (1958-1990), US-amerikanischer Popart-Künstler: Best Buddies 1987

Sprache prägt unsere Kreativität
«Auf diese Weise macht lernen so süchtig wie social Media», sagt Luis von Ahn, CEO von Duolingo und Crowdsourcing Pionier, in seiner Videopräsentation (12:54) vom April 2023 auf TED2023. Von Ahn hat die weltweit am häufigsten heruntergeladene Bildungs-App Duolingo mit der Mission entwickelt, hochwertige Bildung für alle zugänglich zu machen. Der Guatemalteke Von Ahn studierte in den USA, promovierte in Informatik und arbeitet als Professor für Informatik an der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh, Pennsylvania. Aus Erfahrung weiss er, Bildung können sich eigentlich nur reiche Leute leisten. Zusammen mit seinem Doktoranden Severin Hacker (40) beschlossen die beiden, mittels Digitalisierung einen Weg zu finden, wie man möglichst vielen Menschen Bildung zugänglich machen könnte. Dabei dachten sie vor allem an Dinge, die durch Wiederholung gelernt werden. Denn die meisten wirklich wichtigen Dinge wie Lesen oder Sprache werden durch Tausende von Wiederholungen erlernt. Dieses Lernen kann man «gamifizieren» und in einer App auf dem Smartphone einbetten, wo sich ein Grossteil der Weltbevölkerung mit Freude sowieso aufhält. Schulen auf der ganzen Welt zu bauen ist einfach zu teuer.

Bildschirmzeit muss keine schlechte Sache sein
Mit 80% ist Englisch die am meisten gefragte Sprache und damit kann man sein Einkommenspotenzial erheblich erhöhen. Um Reich und Arm gleichermassen den Zugang zu Duolingo zu ermöglichen, finanziert sich die App mit Werbung. Wer keine Werbung möchte, bezahlt ein Abo um diese auszuschalten. Wohlhabende Leute aus reichen Ländern ermöglichen damit die Bildung der armen Leute. Wenn man mit Bildung wirklich alle erreichen möchte, muss man sie nicht nur leicht zugänglich machen, sondern man muss sie auch so gestalten, dass die Leute tatsächlich lernen wollen. Dazu hat Duolingo verschiedene Tricks aus Apps wie Instagram, TikTok oder Spielprogrammen kopiert, welche mit Zählern, Auszeichnungen oder Erinnerungsnachrichten die Leute zurückholen und zum Spielen motivieren. So kommt es, dass in den Vereinigten Staaten zum Beispiel mehr Menschen eine Sprache auf Duolingo lernen, als an allen US High Schools zusammen. Bildschirmzeit muss keine schlechte Sache sein.

Keith Haring (1958-1990), US-amerikanischer Popart-Künstler, aus der «Radiant» Serie: setting himself apart, 1982, Bild: Keith Haring Foundation

Kommunikation: KI unterstützte Sprache mit Seherlebnis
Stellen Sie sich vor, Sie hätten die fesselndsten TED Talks der Welt nicht nur auf Englisch, sondern in Ihrer eigenen Sprache zur Hand. Dr. Lera Boroditsky (49) ist eine amerikanische Kognitionswissenschafterin und Professorin an der University of California, San Diego. Mit ihrer Ankündigung KI-angepasster mehrsprachiger TED-Talks zur Überwindung von Sprachbarrieren im Mai 2024, erweitert die Plattform ihre mehrsprachigen Initiativen und baut auf dem Erfolg des Untertitelungsprogramms von TED auf, indem menschliche und künstliche Intelligenz kombiniert werden. In einem TED-Pilotprogramm mit Integration generativer künstlicher Intelligenz GenKI, einschliesslich Stimmklon- und Lippensynchronisationsfunktionen, hat TED in Zusammenarbeit mit Panjaya.ai und der globalen Übersetzer-Community von TED die ersten KI-angepassten TED Talks erstellt, die in mehreren Sprachen gehalten werden und dabei die einzigartige Stimme und den Stil der Sprechenden bewahren. Im Gegensatz zu herkömmlichen Synchronisationsmethoden, die sich umständlich und klobig anfühlen können, legt die KI-Anpassung von TED den Schwerpunkt auf ein nahtloses Seherlebnis. Dies markiert eine neue Ära in der mehrsprachigen Bereitstellung von Inhalten. Das Pilotprojekt startet auf brasilianischem Portugiesisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Spanisch und soll bald auf weitere Sprachen ausgeweitet werden. Im Bewusstsein für die Umweltauswirkungen durch den hohen Energieverbrauch, priorisiert TED Nachhaltigkeit und konzentriert sich, im Gegensatz zu Echtzeit-KI-Produkten, auf eine innovative einmalige KI-Anpassung, mit reduzierten Nebenwirkungen.

KI Nutzung: Vom Fragesteller zum fordernden Gesprächspartner
«Wie die Universität Stanford KI-gestützte Kreativität lehrt». Jeremy Utley, Director of Executive Education an der Universität Stanford, erklärt in seinem Video (13:19), wie die meisten Menschen das Potenzial von KI nicht voll ausschöpfen. Dies liege an unserer Herangehensweise an die Technologie. Ein einfacher Mentalitätswandel, anstatt der KI einfach Fragen zu stellen, sondern sie dazu auffordern, uns Fragen zu stellen, eröffnet viel Potenzial. KI kann uns den Umgang mit ihr automatisch beibringen, im Gegensatz zu herkömmlichen Tools wie Excel oder PowerPoint. Leistungsschwache Nutzer betrachten KI lediglich als Werkzeug, während Leistungsstarke die KI als «Teamkolleg:in» betrachten, insbesondere bei der Arbeit mit generativer KI GenKI. Wechseln wir deshalb vom blossen Fragesteller zur fordernden Gesprächspartnerin: Was muss die Maschine von mir wissen, um die beste Antwort zu geben? Fordern wir die KI, denn Kreativität bedeutet mehr zu tun als das Erste woran man denkt und worauf sich viele Menschen fixieren. Die KI kann Inspiration als Disziplin fördern, indem sie Modelle einbringt, neue Techniken, Erfahrungen, Perspektiven und all die Erkenntnisse, die sie aus aller Welt gewinnt. Meine Lieblingsapplikation CLAUDE von Anthrophic antwortet auf Prompts mit Gegenfragen und stellt am Schluss fest: Ich möchte von Ihrem Wissen profitieren und gleichzeitig meine einzigartige Perspektive in unsere Zusammenarbeit einbringen. Lassen Sie uns gemeinsam etwas schaffen, das keiner von uns allein entwickeln könnte.

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