Blog, Industrie 4.0

#427 – Das Verhältnis von uns «Alten» zur KI

Was genau ist künstliche Intelligenz KI
KI könnte vielen von uns die Karriere kosten – doch das heisst nicht, dass wir ihre Entwicklung stoppen sollten, meint die Journalistin Megan J. McArdle (52) im TED2025 • April 2025 Talk (10:05). Während sie beobachtet, wie KI in ihr eigenes Handwerk eindringt, blickt sie mit neuen Augen auf die Maschinenstürmer des 19. Jahrhunderts, die versuchten, Maschinen zu zerstören, die ihr Handwerk auf den Kopf stellen würden. Rückblickend formuliert McArdle die heutigen Ängste mit einer ergreifenden Frage: Wenn wir den Fortschritt stoppen, um die Gegenwart zu schützen, was könnten wir der Zukunft vorenthalten? Persönlich verwende ich meine Lieblings-KI CLAUDE, ein Large Language Model LLM von Anthropic, immer öfter. Sei es um weitere Aspekte meiner Überlegungen zu beleuchten, einen Code zu generieren oder um mögliche Themen für neue Blogbeiträge zu finden. Anfangs kommunizierte ich auf Englisch, mittlerweile funktioniert das Modell perfekt auf Deutsch.

KI erobert die Schulen
«Gewisse Lehrer könnte man mit KI komplett ersetzen» – «Chat-GPT ist wie ein Lernpartner» titelte der Tagesanzeiger vom 2. Juli 2025 den Beitrag zur Verwendung von ChatGPT an der Schule. Goethe zusammenfassen lassen oder bei der Prüfung spicken: Fünf Schülerinnen und Schüler erzählen, wie sich ihr Unterricht durch künstliche Intelligenz verändert hat. Auch für uns «Alte» hat sich mit der Art und Weise wie wir KI nutzen, unsere Arbeit verändert. Im weitesten Sinne zähle ich dazu Funktionen, welche E-mails und Texte korrigieren und oft verwendete Wörter während des Schreibens ergänzen. Als Mac-Nutzer kenne ich seit rund 30 Jahren die Vorteile von AppleScript, als Teil des MacOS-Betriebssystems und seit einigen Jahren im Paket mit Automator, der App zum Automatisieren von Funktionen und Zuweisen von Verknüpfungen. Diese optimiert auf Knopfdruck den Workflow effizient für wiederkehrende Aufgaben wie Dateiverwaltung, Textbearbeitung und mehr.

Thrones «sculpture as place», 1978, Carl Andre (1935-2024), amerikanischer Künstler. Art Basel Unlimited 2025

Zusammenarbeit neu gestalten
Wir sind von der verarbeitenden Industrie des 20. Jahrhunderts zu einer wissensbasierten Wirtschaft mit Dienstleistungen für das 21. Jahrhundert übergegangen. Diese «Industrie 4.0» schafft kaum mehr Arbeitsplätze, weil moderne Fabriken grösstenteils mit Robotern funktionieren. Vor sechzig Jahren waren die Hälfte der Erwerbstätigen in der Schweiz Industriearbeiter. Heute sind es noch 20 Prozent. Die Geschichte lässt sich nicht zurückdrehen, sagt der Nobelpreisträger und Professor an der Columbia University in New York, Joseph Stiglitz (82) im Interview mit Dieter Bachmann in der NZZ vom 13. Juni 2025. Die Entwicklungen im Bereich der generativen künstliche Intelligenz GenKI bringt tiefgreifende Veränderungen bei (Wissens-)Arbeit und Beschäftigung mit sich. GenKI ist ein Teilbereich im Feld der künstlichen Intelligenz, die nicht nur unsere Werkzeuge verändert, sondern die Logik von Arbeit selbst. Und sie tut das schneller, als viele Systeme adaptieren können. Gefragt sind nicht mehr nur IT-Kenntnisse, sondern Zukunftskompetenzen wie Kollaboration, Systemdenken und Selbstführung. GenKI wirkt dabei wie ein Exoskelett: Sie erweitert unsere Handlungsfähigkeit, sagt Stiglitz. Menschen müssen lernen neu zu denken, Zusammenarbeit neu zu gestalten, Zukunftsfähigkeit gemeinsam bauen.

盖瑞·马库斯: 暴走 AI 的紧迫风险——我们又该如何应对 | TED Talk
Gary Marcus: Die akute Gefahr einer ausser Kontrolle geratenen KI – und was wir dagegen tun können | TED Talk (übersetzt aus dem Chinesischen – Google Translate).
Warum KI unglaublich schlau und schockierend dumm ist · Die Insider-Story über das erstaunliche Potenzial von ChatGPT. Im TED Talk vom April 2023 (14:02, Transkription in 13 Sprachen, dabei kein Deutsch!), spricht Gary F. Marcus (55), emeritierter Professor für Psychologie und Neurowissenschaften an der New York University, Firmengründer im Bereich künstliche Intelligenz und Autor. Zu Beginn stellt er die Frage ob Wahrheit und Vernunft die Entwicklung künstlicher Intelligenz überleben werden und verneint dies auch gleich. Sicher nicht, solange unzuverlässige Technologie weiterhin mit so gefährlich hoher Geschwindigkeit in unser Leben integriert wird. Er plädiert für eine dringende Neubewertung, ob wir in Zukunft zuverlässige Systeme oder weiterhin Desinformationsmaschinen bauen. Er untersucht die Fehler der heutigen KI und fordert eine globale, gemeinnützige Organisation, welche die Technologie im Interesse der Demokratie und unserer gemeinsamen Zukunft reguliert. Er macht sich Sorgen über die Möglichkeit, dass böswillige Akteure einen Tsunami an Fehlinformationen auslösen, wie wir ihn noch nie zuvor erlebt haben. Selbst wenn diese Systeme nicht absichtlich zur Verbreitung von Fehlinformationen eingesetzt werden, können sie nicht anders. Sie kombinieren aus unzähligen Nachrichten in ihren Datenbanken kleine statistische Informationen, ohne den Zusammenhang zwischen den Fakten, die in den einzelnen Satzteilen enthalten sind, zu verstehen. Das System vervollständigt im Grunde automatisch und sagt voraus, was statistisch wahrscheinlich ist und aggregiert all diese Signale, ohne zu wissen, wie die einzelnen Teile zusammenpassen. Und manchmal entstehen dabei Dinge, die zwar plausibel, aber einfach nicht wahr sind.

Welche Wahrheit wird zum Massstab
Viele rufen seit dem Eintritt von KI in unseren Alltag nach Regulation, mit den verschiedensten Interessen, kulturellen Hintergründen oder dem Geschäft mit der Angst. Ich sehe es als Aufgabe von uns «Alten» in gemischten Teams, wie unsere Erfahrung einen Beitrag zur Entwicklung digitaler Umgebungen leistet, durch Förderung von Fachwissen, beruflichen Handlungs- und überfachlichen Kompetenzen. Diese beinhalten emotionale Intelligenz, Intuition und die Fähigkeit, in unbekannten Situationen zu navigieren. Unser Wissen mag teilweise veraltet sein – unsere Erfahrung ist es nicht. Gary Marcus verweist im Zusammenhang auf AutoGPT und eine Reihe ähnlicher Systeme, wo eine KI eine andere KI steuert. AGI ist also die Idee künstlicher allgemeiner Intelligenz mit der Flexibilität des Menschen. Um die KI-Risiken zu minimieren, braucht es seiner Meinung nach zwei Dinge, einen neuen technischen Ansatz und auch ein neues Steuerungs-System. Um wahrheitsgetreue Systeme im grossen Massstab zu erreichen, müssen wir das Beste aus beiden Welten vereinen. Wir brauchen die starke Betonung von Argumentation und Fakten, explizites Denken, das uns die symbolische KI bietet, und wir brauchen die starke Betonung des Lernens, die uns der Ansatz neuronaler Netze bietet. Als studierter Kognitions- und Neurowissenschafter verweist Marcus auf den menschlichen Geist, der im Grunde genau das tut. Probabilistische Intuition basiert auf vielen Statistiken, wie ChatGPT, die wir mit bewusstem Denken kombinieren. Wenn das Gehirn das also zusammenfügen kann, werden wir eines Tages herausfinden, wie wir das auch für künstliche Intelligenz umsetzen können. Es bleibt aber weiterhin die Frage nach der WAHRHEIT per se.

kompetenz60plus.ch, das Netzwerk von kompetenten «Alten»
kompetenz60plus.ch ist ein Netzwerk von kompetenten Fachleuten. Erfahrene «Alte» unterstützen KMU’s und Start-ups bei der Umsetzung innovativer Ideen und bei Herausforderungen aller Art – auf Augenhöhe. Registrieren Sie Ihre Kompetenz ➔ hier kostenlos oder suchen Sie auf unserem Portal eine Fachperson mit geeigneter Kompetenz. Unkompliziert und zu moderaten Bedingungen. Kontaktieren Sie uns mit Ihren Interessen, Fragen und Anregungen, ganz unverbindlich, per Mail an werner@kompetenz60plus.ch. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator

Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch | Mail: werner@kompetenz60plus.ch |
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: kompetenz60plus
X: wernerkruegger | Instagram: wernerkruegger

Blog, Industrie 4.0

#189 – Altersweisheit!

Wo bleibt die Weisheit der «Alten»
Seit Monaten agieren wir wie gelähmt im Banne der Corona-Pandemie. Westeuropa wurde glücklicherweise in den letzten 75 Jahren von Kriegen und grösseren Naturkatastrophen verschont. Junge Genrationen sind es gewohnt, Probleme per «Knopfdruck» zu lösen und kennen Entbehrungen nur aus der Erzählung. Eigentlich wäre es an der älteren Generation, in dieser Situation einen klaren Kopf zu behalten und sich dank reicher Erfahrung in die Diskussion einzubringen.

In der Pandemie zeigt sich die moderne Angst vor der Freiheit
Die Dramatisierung öffentlichen Lebens angesichts der Pandemie führt zu einem neuen Gemeinschaftsgefühl. Aber wo bleibt der nachdenkliche, abwägende und gebildete Mensch, der nach seinem Gewissen Entscheidungen fällt? Im Gastkommentar von Rudolf Brandner, NZZ vom 8.10.2020, schreibt der deutsche Philosoph: Was sich die Menschen angesichts der Dramatisierung öffentlichen Lebens an absurden Regelungen, widersprüchlichen Verordnungen und puren Schikanen gefallen lassen, ist schon erstaunlich. Es ist die moderne Angst vor der Freiheit, die alle Selbstverantwortung von sich abwirft und auf anonyme Kollektive und Instanzen überträgt, in denen der nachdenkliche, besinnliche, abwägende und gebildete Mensch, der im Angesicht seines Wissens und Gewissens Entscheidungen fällt, fehlt.

Axel Springer Verlag Berlin, Rem Koolhaas (76), Office for Metropolitan Architecture, 2020, Photo © Laurian Ghinitoiu, Courtesy OMA

Was ist «wahr», was ist «falsch»?
Im Beitrag von Felix Graf, CEO der NZZ Mediengruppe und Doktor der Physik, versucht der Frage durch Analogien zwischen Journalismus und Grundlagenphysik nachzugehen. Konformismus und Gruppendynamik behindern das kritische Denken. Ohne Innovation aber stagniert jede Entwicklung, in der Grundlagenphysik wie im Journalismus, stellt er fest. Die Journalistin Bari Weiss zum Beispiel behauptet, wie bei der «New York Times» intellektuelle Neugierde und thematische Risikobereitschaft zum Risikofaktor für Journalist*innen geworden sei. Der liberale Gedanke im Sinne der Meinungsvielfalt sei nicht mehr opportun; als ob es nur eine Wahrheit gäbe – und als ob es einen Konsens zu dieser einen Wahrheit geben müsse. Die Wahrheit wird damit zur Glaubensfrage. Wie mehrere wissenschaftliche Autoren in den letzten Jahren dargelegt haben, wird selbst in der Grundlagenphysik die Wahrheit manchmal zur Glaubensfrage, und die Überprüfung ist auch nicht mehr überall einfach gegeben. Einige der historischen Theorien erwiesen sich auch je nach dem Geist der Zeit als nicht adäquat. Die Wahrheitsfindung wird zusätzlich erschwert durch ein weiteres Grundproblem in der Grundlagenphysik: das System der Fördermechanismen und der Herdenbildung.

Wissens- und Meinungsbildung – die Experten-Elite
Felix Graf schreibt weiter: Der als Querdenker bekannte theoretische Physiker Lee Smolin beschreibt eindrücklich sieben Muster eines solchen Herdenverhaltens am Beispiel der Stringtheoretiker – diese Muster lassen sich auch auf andere Zweige der Wissens- und Meinungsbildung übertragen: Erstens ein enormes Selbstvertrauen und, darauf aufbauend, eine Anspruchshaltung und ein Gefühl der Gruppenzugehörigkeit zu einer Experten-Elite. Zweitens eine ungewöhnlich monolithische Gemeinschaft mit einem ausgeprägten Sinn für Konsens unabhängig von der Beweislage. Drittens eine hohe Einigkeit der Ansichten über offene Fragen; diese Haltung scheint mit der Existenz einer hierarchischen Struktur einherzugehen, in der Ideen, Strategie und Ausrichtung von oben diktiert werden. Dabei gibt es die Tendenz, Beweise optimistisch zu interpretieren, übertriebenen oder falschen Aussagen Glauben zu schenken und Theorien nie infrage zu stellen – kombiniert mit der Annahme, Ergebnisse seien richtig, nur weil sie als «allgemein akzeptiert» gelten, selbst wenn man den Beweis selbst nie gesehen oder überprüft hat. Treiber solcher Trends sind vermehrt die sozialen Medien.

Querdenker sind gefragt
Diese Herausforderungen sind auch für unsere Gesellschaft ganz allgemein relevant. Denn der Zeitgeist selektiver «Wahrheit» und Wahrnehmung führt dazu, dass gewisse Wissensbereiche und Innovationsfelder weniger gefördert und kaum weiterentwickelt werden. Das Resultat ist ein Aussterben des Ideen-Wettbewerbs nicht nur in der Forschung, sondern auch überall, wo es um Lösungsvorschläge für die vielfältigen Herausforderungen unserer Zeit geht. Allerdings: Viele solcher Querdenker werden heute sowohl in der Gesellschaft wie auch in der Grundlagenforschung nicht mehr gehört, geschweige denn eingestellt. Können wir uns dies leisten? Felix Graf findet: Nein. Die Probleme und Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind so vielfältig, dass wir die innovativsten Köpfe und Ideen brauchen, um diese zu lösen. Denn wir befinden uns in vielen Bereichen in einer revolutionären Phase.

Kompetente «Alte» stellen ihre Erfahrung zur Verfügung
«kompetenz60plus.ch» ist ein Sammelbecken für kompetente Senioren, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation bewusst sind und sich aktiv an der Diskussion über die Zukunft beteiligen wollen. Wir «Alten», Frauen und Männer, im Team auf Augenhöhe mit den «jungen Wilden», stellen unsere Erfahrung mit Leidenschaft zur Verfügung. Bitte bringen Sie sich ein und registrieren Sie Ihre Kompetenz kostenlos hier. Wir freuen uns auch über Ihre Kontaktnahme per Mail an: werner@kompetenz60plus.ch, oder hinterlassen Sie Ihren Kommentar weiter unten. Danke!

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator


Ein Projekt «von uns. für uns.»
Web: kompetenz60plus.ch I Mail: werner@kompetenz60plus.ch I
Linkedin: kompetenz60plus.ch | facebook: wernerkruegger