Künstliche Intelligenz statt analoges Telefonieren
Im Austausch mit Gründern von KMUs stelle ich immer wieder eine gewisse Zurückhaltung gegenüber Digitalisierungslösungen fest. Künstliche Intelligenz KI Ist für viele des Teufels, mitunter wegen der negativen Presse. Verständlich, denn Journalisten und Printmedien sind am meisten gefährdet durch diese Entwicklungen. Ohne seine aktuellen Bedürfnisse bei Neugründungen zu hinterfragen ist die Gefahr gross, dass man aus Bequemlichkeit (so machen es auch die Anderen) lediglich gewohnte Abläufe (von Hand!) digitalisiert, ohne mögliche Alternativen zu prüfen. Ein KMU wendet zum Beispiel viel Energie, Zeit und finanzielle Mittel für eine neue Webseite auf, obwohl Werbeauftritte in den sozialen Medien dank Automatisierung vielleicht eine grössere Reichweite entfalten und kostengünstiger sind. Ein weiteres Beispiel betrifft die interne Kommunikation. KI kann auf einer Kollaborationsplattform unzählige Sitzungsprotokolle dank einer globalen Suchfunktion welche die Zusammenhänge erkennt, mittels individueller Zugriffsrechte schnell finden. Schwierig wird die Kommunikation wichtiger Entscheide per Telefon, da jegliche Rückverfolgbarkeit fehlt, oder der Zugriff auf wichtige Unterlagen unterwegs meist mangelhaft ist. Immer geht es dabei um Kommunikation und wie wir kommunizieren prägt unser Geschäft.
Sitzungen sind zu oft Zeitverschwendung
Nicole Kopp, Arbeits- und Organisationspsychologin und Mitbegründerin der Beratungsfirma GoBeyond schreibt zum Thema Kommunikation in der NZZ Kolumne vom 20.Juli 2024 unter dem Titel: «Die meisten Sitzungen sind unnötig. Schaffen wir sie einfach ab!» über die asynchrone Art sich auszutauschen. Beim Lesen nehmen wir Informationen viel besser und schneller auf als beim Zuhören. Deshalb sind Meetings ungeeignet zur Wissensvermittlung. Es gibt effizientere Formen der Zusammenarbeit. Gemäss Studien von Microsoft hat die Anzahl der Meetings pro Person hat seit Beginn der Corona-Pandemie um 150 Prozent zugenommen, Wissensarbeitende verbringen im Schnitt 35 bis 50 Prozent ihrer Zeit damit. Gemäss einer Studie von Leslie Perlow, Professorin an der Harvard Business School, finden 71 Prozent der Führungskräfte Meetings unproduktiv und ineffizient, und 65 Prozent sagen, dass Meetings sie von der Erledigung ihrer Arbeit abhielten.

Zusammenarbeit bedingt, miteinander zu kommunizieren
Unser Gehirn verarbeitet Informationen je nach Kommunikationsart unterschiedlich schnell, schreibt Nicole Kopp weiter. Studien zeigen: Wir lesen etwa viermal schneller, als wir schreiben. Und wir sprechen etwa doppelt so schnell, wie wir zuhören und verstehen. Das bedeutet, dass synchrone, also zeitgleiche Kommunikation relativ langsam ist. Die asynchrone, zeitversetzte Kommunikation, bei der wir schreiben und lesen, ist schneller. Wenn Meetings für die mündliche Übermittlung von Informationen eingesetzt werden, ist das folglich viermal langsamer, als wenn die Beteiligten die Informationen lesen. Dieses Wissen scheint noch lange nicht in allen Köpfen angekommen zu sein, denn die meisten Wissensarbeitenden kennen das Gefühl, in einem Meeting zu sitzen, das auch eine E-Mail hätte sein können. Wenn der Sitzungsmarathon wegfällt, erledigen Menschen ihre Aufgaben, wann und wo es ihnen am besten in den Arbeitstag passt. Gleichzeitig wird der Fokus gestärkt, da man sich auf die Aufgaben konzentrieren kann, anstatt während Meetings Multitasking zu betreiben, wie es die meisten Menschen tun.
Ein Aufruf zu mehr asynchronem Arbeiten
Asynchrones Arbeiten bedeutet, dass man zeitlich unabhängig voneinander in Einzelarbeit einen wertvollen Beitrag für das Ganze leistet. Dies ist beispielsweise das Bearbeiten von Dokumenten, das Ergänzen von Ideen auf einem digitalen Ideen-Board oder das Programmieren eines Codes. Ist dieser Schritt getan, können andere das Geleistete anschauen, ergänzen oder kommentieren – ebenfalls asynchron. Natürlich braucht es immer mal wieder eine Synchronisation, in der alle zusammenkommen, um gemeinsam Entscheidungen zu treffen, Prioritäten zu setzen und die nächsten Aufgaben zu verteilen. Im Gegensatz zur gewohnten Arbeitsweise überwiegt aber die Einzelarbeit und damit die schriftliche Arbeit. Nicole Kopp ist der Auffassung, dass asynchrone Arbeitsweisen auch die Ideenvielfalt vergrössern. In Meetings werden oft nur die lautesten Stimmen gehört, und introvertierten Personen fällt es schwer, in solchen Momenten ihre Ideen und Kommentare einzubringen. «Mir fällt erst nach der Sitzung ein, was ich zum Thema noch sagen möchte», erzählte ihr ein Kunde, der sich als introvertiert bezeichnet.
Informationen be-greifbar machen
Dann höre ich immer wieder von Unternehmern, die nicht gerne schreiben oder lesen und dabei ihre Verantwortung delegieren. Alle Teammitglieder sind im Umgang mit Verantwortung und Transparenz dafür verantwortlich, sich die benötigten Informationen selbst zu beschaffen. Dabei gibt es eine Hol- statt eine Bringschuld. Und wenn der eigene Arbeitsschritt fertig ist, muss aktiv Feedback eingeholt werden. Dieser Arbeitsmodus klappt nur, wenn die digitale Infrastruktur im Unternehmen eine hohe Transparenz ermöglicht: Informationen und Dokumente müssen für alle auffindbar und zugänglich sein. In einer Studie des Plattformanbieters Miro gaben 61 Prozent der Befragten an, dass asynchrones Arbeiten das Ausmass ihrer Erschöpfung senke. Denn das Arbeiten sei flexibler, weniger stressig, und es sei einfacher, Pausen zu machen. Sitzungen sollten so rar sein, dass wir uns auf sie freuen schreibt Nicole Kopp.
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