Künstliche Intelligenz, ein dynamischer Prozess
Die Diskussion der vergangenen Wochen über KI künstliche Intelligenz, anlässlich dem Markteintritt durch das chinesische KI-Startup Deepseek, zeigt erneut die Verunsicherung in der Gesellschaft. Viel hat sicher damit zu tun, dass wir von falschen Vorstellungen ausgehen. KI künstliche Intelligenz ist viel dynamischer, als dies dargestellt wird. Die Entwicklung verläuft sehr schnell, jeden Monat gibt es Überraschungen und Durchbrüche. Der Erfolg von Deepseek ist eine weiterer Punkt in dieser Dynamik, aber er ist keineswegs so aussergewöhnlich, wie das behauptet wird. Man hat sich zu sehr auf die Vorstellung versteift, dass KI von einer Handvoll Firmen dominiert werde. Doch niemand hat heute wirklich einen Vorsprung auf die Konkurrenz, sagte der gebürtige Baselbieter und Google-Veteran Urs Hölzle (61), im Interview mit Markus Städeli und Guido Schätti in der NZZ vom 1. Februar 2025. Urs Hölzle war wesentlich an der Entwicklung verschiedener Java-Compiler beteiligt und als Professor an der University of California, Santa Barbara (UCSB) tätig, bevor er 1999 als achter von zehn Mitarbeitern bei Google Inc. angestellt wurde. 2004 legte er zusammen mit Ralph Keller und Reto Strobl den Grundstein für Google Schweiz in Zürich, wegen seiner zentralen Lage und die Nähe zu den Universitäten. Hölzle arbeitet heute als Senior Vice President for Technical Infrastructure.
Optimismus prägt die Entwicklung
Die Entwicklung der künstlichen Intelligenz verzeichnet schon seit 2012 enorme Fortschritte, sagt Hölzle. In der Öffentlichkeit ist das Thema aber erst seit zwei Jahren präsent, als die Sprachmodelle für das breite Publikum zugänglich wurden. Dass Maschinen plötzlich schreiben können wie Menschen, hat sehr viel ausgelöst. Deshalb sind wir heute vielleicht zu optimistisch, im Hinblick auf die Schnelligkeit dieser Entwicklungen. Was ihm aus amerikanischer Sicht jedoch auffällt ist, wie hoffnungslos abgeschlagen man in Europa in der KI-Entwicklung ist. Man verbringt 99 Prozent der Zeit damit, sich über Gefahren und Regulierungen neuer Technologien zu unterhalten und nur 1 Prozent über die Chancen. Es ist wichtig, dass man die Gefahren nicht ignoriert, aber ein Verhältnis 99 zu 1 ist sicher die falsche Proportion.

Mit Naivität und Selbstüberschätzung zum Ziel
Allerdings liegt der Wert von KI weniger in der Technologie als in der Anwendung. Anwender können alle sein und das ist auch für KMUs eine enorme Chance. Obwohl Hölzle aus einer Generation von «Alten» stammt, die in der Technik vor allem Gefahren und weniger die Chancen sehen, hat er nach ein paar Jahren Aufenthalt in Amerika so richtig realisiert, wo die Unterschiede in der Herangehensweise sind. Als Schweizer in den USA bekommt man den Eindruck, die Leute seien alle naiv und voller Fortschrittseuphorie. Wenn man jedoch bedenkt, wie schwierig es ist, etwas umzusetzen, dann fängt man gar nicht erst damit an. Deshalb: Um neue Technologien zur Marktreife zu bringen, muss man naiv sein und sich selbst überschätzen. Während wir Europäer zaudern, führt in den USA dieser Optimismus dazu, dass die Leute es einfach probieren. Es scheitern dann zwar neun von zehn Projekten, aber eins hat Erfolg. Für Europa wäre deshalb ideal, wenn man von diesem Verhältnis 99 zu 1 weg und wenigstens zu einem Verhältnis von 50 zu 50 käme.
KI konkurrenziert KMUs durch Vereinfachung
Viele, vor allem wir «Alten», haben den Eindruck, Nichtstun sei risikofrei. Aber das stimmt nicht. Ein früherer Chef von Intel prägte den Satz: «Only the paranoid survive» (nur die krankhaft misstrauischen überleben). Stillstand ist sehr gefährlich. Wir in der Schweiz sind besonders konservativ. Deshalb laufen unsere Firmen Gefahr, abgehängt zu werden, denn KI kann die Verhältnisse auf den Kopf stellen. Bis jetzt konnten Firmen ihre Konkurrenz auf Distanz halten, indem sie zum Beispiel Dinge herstellten, hinter denen ein sehr komplizierter Produktionsprozess steckt. Aber Konkurrenten können diesen Prozess künftig möglicherweise mit KI vereinfachen und dem bisherigen Branchenführer plötzlich gefährlich werden.
Kein Fachkräftemangel dank grossem Ökosystem
Punkto Fachkräftemangel in der KI-Branche hat die Schweiz heute ein Ökosystem mit einer kritischen Masse. Ein Problem hätten wir nur, wenn es einen fixen Pool an Ingenieuren gäbe, um den sich alle streiten. Das ist nicht der Fall, denn wenn man einmal ein genügend grosses Ökosystem hat, zieht das weitere Menschen an. Aus dem Ausland, aber auch frisch ab der Uni. Nachwuchskräfte lernen von Experten, und der Pool wächst weiter. Auch von Regulierungen oder Beschränkungen zum Verkauf von GPUs (GPU steht für Graphics Processing Unit, einem Grafikprozessor, beispielsweise von Nvidia) hält Hölzle wenig, da wir ja auch auf Rechner zurückgreifen könnten, die anderswo stehen. Das Internet ist eben ein globales Netzwerk!
Gesundes Misstrauen bewahren
Im Beitrag von Denise Bucher (47) in der NZZ vom 1. Februar 2025, mit dem Titel «Im öffentlichen Leben schwindet das Vertrauen. Das ist aber nicht nur schlecht» reflektiert die Autorin über unser Verhältnis zu Informationen. Die wenigsten von uns «Alten» können selber programmieren, also müssen wir den Softwareingenieur:innen vertrauen. Ohne Vertrauen könnten wir unseren Alltag nicht mehr bewältigen. Aber dieses erodiert. Die Weltordnung, wie wir sie gekannt haben, scheint auseinanderzufallen. Die Digitalisierung hat (scheinbar) Verlässliches aus der analogen Welt aufgelöst und verändert unser Leben in grossem Tempo, von Wirtschaft und Politik bis zum Umgang mit Informationen. Das private Leben wurde öffentlich. Das Versprechen, die Digitalisierung werde uns zu einer globalen Informationsgesellschaft machen, hat über die letzten 40 Jahre schrittweise in eine Informations- und Vertrauenskrise geführt. Mittlerweile läuft fast jede Interaktion über einen Bildschirm. Jugendliche verbringen zwar viel Zeit online, aber dennoch sind es wir «Alten», die deutlich mehr auf Social Media posten, und das auch noch auf öffentlichen Accounts. In Anlehnung an Immanuel Kant (1724-1804) schreibt Denise Bucher, wie wir das Portal zu Wissen und Bildung, worauf Kant seine Hoffnungen setzte, in der Hosentasche mit uns herum tragen. Die Omnipräsenz von Falschinformationen und deren schädliche Konsequenzen in der Realität haben jedoch den Blick bereits geschärft für die Herkunft von Neuigkeiten. Ältere Menschen mögen leichter auf Online-Betrug hereinfallen, aber die digital Natives wissen, dass im Internet überall Gefahren lauern. In altersgemischten Teams wird das thematisiert. Sich im digitalen Zeitalter seines Verstandes zu bedienen, heisst, wahr von falsch zu unterscheiden. Darum gilt es, ein gesundes Misstrauen zu wahren.
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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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