Die Sorgen
Lese gerade das Buch von James Bridle «Die unfassbare Vielfalt des Seins, Jenseits menschlicher Intelligenz» (C.H. Beck Verlag, 2023, 2. Auflg.), schreibt eine Kollegin sichtlich besorgt. James Bridle (43) ist ein britischer Installationskünstler und Technologie-Autor. Er gilt als Vordenker und Kritiker der digitaltechnologischen Zukunft. Vom WIRED Magazin für Technologie, Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft wurde er 2015 zu den hundert einflussreichsten Persönlichkeiten des Jahres gezählt. «Die Annahmen und die Daten von linearen Systemen werden in komplexe, unflexible Werkzeuge eingeschrieben. So werden unsere zukünftigen Fähigkeiten auf Jahrzehnte hinaus grundlegend beeinflusst. Die leider bescheidene Alltags-Architektur in der Schweiz und anderswo, hat trotz aller Computerprogramme, gezeigt wohin das führt. Die KI-Systeme benutzen teilweise auch ihre Datenmengen, um Handlungsfähigkeiten anderer zu behindern, zu unterdrücken oder zu ökonomisieren. Die grossen Tech-Konzerne sind nicht mehr aufzuhalten», schreibt die Kollegin.
Kreativitätsverlust durch generative künstliche Intelligenz GenKI
In einem kürzlich in Zusammenarbeit mit der Harvard Business School, der MIT Slogan School of Management, der Wharton School an der University of Pennsylvania und der University of Warwick durchgeführten Experiment stellte die BCG Boston Consulting Group fest, dass fast alle Probanden einen Leistungsschub verzeichneten, wenn sie GenKI für die kreative Ideenfindung nutzten. Gleichzeitig zeigte das Experiment, wie die gleichmässigen Resultate der Technologie die Gedankenvielfalt einer Gruppe um 41% reduzierten. Darüber hinaus äusserten etwa 70% der Umfrageteilnehmer die Sorge, dass sich ein umfassender Einsatz von GenKI im Laufe der Zeit negativ auf ihre kreativen Fähigkeiten auswirken könnte. Unternehmen müssen sich der Tendenz von GenKI, homogene Ergebnisse zu liefern, sowie der möglichen Auswirkungen der Technologie auf die berufliche Identität ihrer Mitarbeitenden bewusst sein.
An anderen Risiken mangelt es nicht
Voreingenommenheit ist ein allgegenwärtiges Problem. KI-Systeme sind nur so zuverlässig wie die Daten, auf denen sie trainiert werden; KI-Ausgaben könnten daher möglicherweise die Verzerrungen widerspiegeln, die den zugrunde liegenden Daten innewohnen. (Siehe dazu auch «#347 – Beitrag der «Alten» zur KI-Entwicklung»: Am Ende sind es vorläufig noch wir Menschen, welche über die «Daten» bestimmen. Im Ergebnis zeigen sich dabei auch unsere Vorurteile gegenüber Andersdenkenden, dem anderen Geschlecht, anderen Religionen oder Ethnien. Deshalb sind der Wertekanon und die Erfahrung von uns «Alten», die wir im Team mit den «jungen Wilden» teilen, so wichtig. Um mitdiskutieren zu können, müssen wir jedoch die «Mechanismen» dieser Technologie verstehen). Maschinen sind nicht unfehlbar. GenKI hat eine weithin bekannte Tendenz gezeigt, Fehlinformationen zu produzieren. Dennoch zögern Menschen möglicherweise, die Ergebnisse von GenKI und anderen KI-Systemen in Frage zu stellen, insbesondere wenn die Technologie immer ausgefeilter wird. Unabhängig davon, wie beeindruckend diese Systeme werden, müssen wir Menschen auf dem Laufenden bleiben und sicherstellen, dass alle KI-Tools verantwortungsvoll eingesetzt werden und dass ihre Ergebnisse korrekt sind.

Die Chancen
Im Beitrag der BCG Boston Consulting Group vom November 2023, beschreibt Karalee Close, Geschäftsführerin und Senior Partnerin, in ihrer Funktion als Stellvertretende Vorsitzende – Technologie und Digital, wie die Welt der KI uns neue Möglichkeiten eröffnen wird, mit Technologie zu arbeiten, um bessere Entscheidungen zu treffen und zu dem zurückzukehren, was den Menschen von Natur aus menschlich macht: Dinge wie emotionale Intelligenz, Kreativität und Innovation.
KI wird die Art und Weise verändern, wie wir lernen
Grosse Sprachmodelle, «Large language models (LLMs)», sind wichtige Werkzeuge bei der Verarbeitung natürlicher Sprache, die zur KI gehören und es Maschinen ermöglichen, Texte (scheinbar) wie Menschen zu verstehen und zu generieren. Diese Werkzeuge, auch generative KI, können die Art und Weise, wie wir lernen, dramatisch verbessern, sei es in der Schule oder am Arbeitsplatz. Es liegt an uns, sicherzustellen, dass alle Menschen Zugriff haben – und dass alle KI-Modelle verantwortungsbewusst erstellt werden. Bei KI geht es von Natur aus ums Lernen. Das ist es schliesslich, was ChatGPT oder Bard tun: Sie scannen Datensätze, erkennen Muster und verbessern damit kontinuierlich ihre Fähigkeiten. Im Bildungsbereich liegen deshalb einige der grössten KI-Potenziale – und auch einige unserer tiefgreifendsten Fragen zur Technologie. Was wird aus der traditionellen Bildung, wenn generative KI nahezu jede Frage in Sekundenschnelle beantworten kann? Werden bestimmte Fähigkeiten, die einst als wesentlich für die Entwicklung menschlichen Wissens galten, irrelevant werden? Und was haben wir als Menschen zu bieten, wenn das Spektrum an anspruchsvollen Aufgaben, die KI-Systeme ausführen können, schnell wächst? Wie können wir unsere Ängste und Unsicherheiten vor LLM-unterstütztem Lernen zerstreuen, die Beschäftigungsmöglichkeiten in einer KI-gestützten Welt erweitern und eine verantwortungsvolle KI-Implementierung sicherstellen?
Mehr Lernen – Ein Leben voller Lernen
Im Zeitalter der generativen KI endet das Lernen nicht mit dem Schulabschluss. Laut dem World Economic Forum WEF-Bericht «Zukunft der Arbeitsplätze 2023» wird erwartet, dass sich bis 2027 23% der aktuellen Arbeitsplätze verändern werden, wobei 69 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen und 83 Millionen gestrichen werden. Es wird erwartet, dass sich 44% der Kernkompetenzen von Arbeitnehmenden in den nächsten fünf Jahren ändern werden. Laut WEF gehören «Neugier und lebenslanges Lernen» sowie «Belastbarkeit, Flexibilität und Agilität» zu den zehn wichtigsten Fähigkeiten, welche am Arbeitsmarkt gefragt sein werden. Weiterbildungen und Umschulungen in grossem Umfang sind zu erwarten, um Wettbewerbsvorteile zu sichern und Talente anzulocken. Zu lernen, wann man GenKI nutzt, ist ebenso wichtig wie zu lernen, wie man diese nutzt.
Ein Deutsch-Schweizerisches Forschungszentrum für digitale Transformation
Während wir weiterhin mit KI arbeiten und von ihr lernen, werden mit Sicherheit neue Risiken auftauchen – ebenso wie neue Fragen darüber, was die Technologie für die Zukunft der menschlichen Intelligenz bedeutet. Wir müssen diese Fragen weiterhin stellen und bei der Suche nach Antworten unser Einfühlungsvermögen und unser Urteilsvermögen einsetzen. Wenn wir dies tun, können die wachsenden Fähigkeiten der KI neue Möglichkeiten schaffen, unser eigenes Wissen und unsere Kreativität zu erweitern. Zusammen mit der Dieter-Schwarz-Stiftung unterzeichnete der Präsident der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ), Joël Mesot, am 8. Dezember 2023 eine Absichtserklärung zur Errichtung eines Lehr- und Forschungszentrums auf dem Campus in Heilbronn. Insgesamt werden in den nächsten 30 Jahren 20 neue Professuren geschaffen, die Hälfte davon auf dem deutschen Campus. Dort plant die ETHZ die Eröffnung eines neuen Lehr- und Forschungszentrums, ihrer zweiten Auslandsniederlassung nach Singapur. «Eine Partnerschaft mit der Dieter-Schwarz-Stiftung ermöglicht es der ETH Zürich, ihre Forschung und Lehre, insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz, in einem Ausmass weiterzuentwickeln, wie es mit regulären ETH-Förderungen und -Strukturen nicht möglich wäre», sagte Mesot gegenüber der Presse in einer Stellungnahme. Der Campus Heilbronn hat bereits 7’500 Studierende. Er beherbergt Aussenstellen der Technischen Universität München und des Fraunhofer-Instituts für Technologie. Darüber hinaus pflegt er Partnerschaften mit renommierten internationalen Universitäten wie Oxford (UK) und Stanford (USA). Die Dieter-Schwarz-Stiftung ist nach dem 84-jährigen Gründer der deutschen Einzelhandelskette Lidl benannt.
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Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
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